Die Technische Universität Dortmund interessiert sich für die Arbeitsbedingungen von freien Mitarbeiter*innen, die für lokale Zeitungsausgaben arbeiten – passend zu unserem diesjährigen Fokus des Honorarreports.

Unter welchen Bedingungen arbeiten freie Journalist*innen im Lokalen? Darum hat sich die Wissenschaft bisher viel zu wenig gekümmert. Diese Lücke soll durch eine Studie der TU Dortmund geschlossen werden, denn für die Berichterstattung im Lokalen spielen die Freien eine zentrale Rolle. In der Umfrage geht es um konkrete Tätigkeiten, die Zusammenarbeit mit der Redaktion, aber auch persönliche Ansichten. Die Wissenschaftler wollen dabei nur die Zusammenarbeit mit lokalen Zeitungsausgaben untersuchen.

Hier geht es zur Umfrage: https://ww2.unipark.de/uc/Freie_im_Lokalen/

Die Befragung ist anonym und dauert etwa 25 Minuten, eine Teilnahme ist bis Ende August 2020 möglich. Sie richtet sich an haupt-und nebenberufliche Journalisten. Nähere Informationen zum Projekt finden sich hier.

Nennt es nicht Honorar! Taschengeld für freie Lokaljournalist*innen.

Hamburg, 19.06.2020: Freischreiber sammelt seit Oktober 2018 über das Honorartool www.wasjournalistenverdienen.de anonyme Angaben zu Honoraren und Gehältern von Journalist*innen. Die aktuelle Auswertung der Daten mit Fokus auf den lokalen Tageszeitungsjournalismus ergab: In einem der wichtigsten Ressorts unserer Branche gibt es für rund ein Viertel der freien Journalist*innen kein Honorar, sondern ein Taschengeld. Zudem hat sich das unterirdische Brutto-Stundenhonorar freier Journalist*innen aus dem vergangenen Jahr bestätigt: 22,73 Euro im Mittel[1] – vor Abzug von Steuern und ohne die Kosten von Arbeitsmitteln, Akquise- und Recherchezeit sowie Urlaubs- und Krankheitstage.

Über Geld zu sprechen ist für freie Journalist*innen existenzentscheidend. Deshalb haben wir unser Honorartool entwickelt, in dem freie Kolleg*innen und Festangestellte ihre Honorare und Gehälter eintragen können – anonym, aber für alle einsehbar. Das Projekt ist eine Kooperation des Freischreiber-Verbands und der beiden Journalisten Haluka Maier-Borst, freier Wissenschafts- und Daten-Journalist unter anderem beim rbb, und Michel Penke, ebenfalls Daten-Journalist bei Correctiv.

Im diesem Jahr erlauben uns die 2064 Datenspenden einen tieferen Einblick in das, was die Branche zahlt. Die Grundlage des ersten Reports 2019 waren noch 1443 Datensätze. Mehr zum Making-of finden Sie hier. Den Report vom vergangenen Jahr finden Sie hier.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

– Unterirdische Bezahlung für freie Journalist*innen: Im Mittel sind es 22,73 Euro brutto pro Stunde.

– Extreme Bandbreite der Honorare: Für 1000 Zeichen können Freie zwischen acht und 200 Euro bekommen, abhängig vom Medium, für das sie arbeiten.

– Immer noch mehr Geld für Print: Am schlechtesten werden die Kolleg*innen bezahlt, die Inhalte digital und analog liefern.

Schwerpunkt lokale Tageszeitungen:

– Taschengeld für Lokaljournalist*innen: 26,2 Prozent aller freien Lokaljournalist*innen verdienen maximal 10 Euro brutto pro Stunde, bei überregionalen Tageszeitungen sind es 22,4 Prozent.

– Insgesamt weniger Geld für Lokaljournalist*innen: Im Lokalen liegt der Honorar-Median noch unter dem Wert, den wir für alle freie Journalist*innen ermittelt haben: bei 18,64 Euro.

– Und es geht noch schlechter: 8,1 Prozent der Freien bei überregionalen Tageszeitungen arbeiten für unter 5 Euro brutto die Stunde, 4,8 Prozent tun das bei den regionalen Tageszeitungen.

Im vergangenen Jahr schrieben wir: „Ein Brutto-Stundensatz von 22,50 Euro – das ist widerwärtig. Davon sollten Journalist*innen nicht leben müssen. Und es auch gar nicht erst versuchen.“

Die Ergebnisse in diesem Jahr sind ein einziger Skandal. Dabei ist der Lokaljournalismus systemrelevant für die Demokratie. Unsere Städte und Gemeinden brauchen gut ausgebildete Journalist*innen, die kritisch über die Geschehnisse vor Ort berichten. Und sie brauchen Verleger*innen, die sich ihrer Verantwortung stellen:

“Sie sind das Problem, Herr Schoo (Funke Mediengruppe), Herr Ippen (Verlagsgruppe Ippen), Herr Döpfner (Axel Springer SE), Herr Wegner (Südwestdeutsche Medien Holding), Herr Bauer (DuMont Schauberg), Herr Düffert (Madsack) und alle Ihre Kolleg*innen, die darüber entscheiden können, ob dieses Land eine Nachrichtenwüste wird. Investieren Sie in einen starken Lokaljournalismus, seien Sie mutig (Sie sind Unternehmer*innen), zahlen Sie anständige Honorare, ernten Sie. Sie könnten sich einen Namen machen.”

Katharina Jakob, stellvertr. Vorsitzende Freischreiber e. V., Autorin des Honorarreports

Daher fordert Freischreiber e. V.:

Von den Auftraggeber*innen: Sie wollen Qualität, die eierlegende Wollmilchsau als Reporter*in, handfeste Dokumentationen unserer Arbeitsweise, alle Rechte an unseren Werken – dann zahlen Sie Honorare, die diese Bezeichnung verdienen. Zahlen Sie anständig! An all die, die das jetzt schon tun, an dieser Stelle ein großer Dank.

Von den Politiker*innen: Schaffen Sie endlich Rahmenbedingungen, die uns freie Journalist*innen davor schützen, ausgenutzt und ausgenommen zu werden: Setzen Sie ein Verbot von Total-Buy-out-Verträgen um, sorgen Sie für den Erhalt des freien Journalismus, besonders im Lokalen.

Von den freien Journalist*innen: Hört auf, für Medien zu arbeiten, die euch unterirdisch bezahlen, verhandelt – immer! – und akzeptiert nicht die unverschämten Verträge, die euch die Auftraggeber*innen zur Unterschrift zusenden. Wir alle müssen uns bei denen bedanken, die das bereits machen. Es sind aber immer noch viel zu wenige.

Den Honorarreport in voller Länge finden Sie hier. Die Pressemitteilung als pdf hier.

[1] Gleitender Median: Wir haben nicht den Durchschnitt unserer Daten errechnet, sondern das mittlere Honorar pro Stunde, den sogenannten gleitenden Median. Der Unterschied besteht darin, dass wir nur die mittigsten Werte berücksichtigt haben, große Ausreißer nach oben und unten fielen so aus der Berechnung heraus. Bei der Durchschnittsberechnung zählen hingegen alle Werte, was zu größeren Verzerrungen führen kann.

_________________________________________________________________

Über Freischreiber: Freischreiber wurde 2008 von freien Journalist*innen gegründet. Heute hat der Verband rund 800 Mitglieder. Wir engagieren uns gegen eine Beteiligung der Verlage an den Ausschüttungen der VG Wort, für bessere Arbeitsbedingungen freier Journalistinnen und Journalisten und bieten unseren Mitgliedern ein professionelles Netzwerk für Austausch auf Augenhöhe und berufliche Weiterbildung. Wir arbeiten an einer neuen Auflage der Freienbibel – dem Handbuch für freie Journalist*innen; wir fordern von unseren Auftraggebern Solidarität ein – nicht nur, aber besonders jetzt in der Corona-Krise; und wir setzen uns mit diesem Manifest gegen den Hass gegenüber Journalist*innen ein. Unterstützen Sie unsere Arbeit, werden Sie (Förder-)Mitglied.

Dem Vorstand gehören an: Dr. Carola Dorner (Berlin), Katharina Jakob (Hamburg), Dr. Jakob Vicari (Lüneburg), Jens Eber (Heidenheim), Oliver Eberhardt (Gross-Zimmern), Anna Heidelberg-Stein (Lüneburg) und Nicola Kuhrt (Hamburg).

Ausfallhonorare zahlen, Ersatzaufträge anbieten, Absicherung freier Journalist*innen verbessern: Freischreiber appelliert an die Solidarität der Redaktionen mit ihren freien Journalist*innen. (mehr …)

Sterben die Arbeitstiere in den Medien aus? Oder fehlt es Redakteuren und Freien gegenüber an Wertschätzung?

Christian Lindner schrieb in seiner kress-Kolumne „Personalfragen“  vom 19. September über die Zeit, als 50 Wochenstunden plus x stoisch ertragen oder stolz vor sich hergetragen wurden. Freischreiber-Vorstand Jens Eber antwortet darauf: Wenn Medientalene mehr brennen sollen, brauchen sie mehr Wertschätzung: „Wer junge Talente haben und binden will, die ihren Beruf lieben und für ihn brennen, der muss keine goldenen Schreibtische bieten, aber Perspektive und ein bisschen Sicherheit, ja, auch finanziell. Das gilt unbedingt auch für freie Journalisten: Viele Verlage müssen sich nicht wundern, wenn ihnen die Autoren schleichend abhanden kommen. Mickrige Honorare und Buy-Out-Verträge mit teils absurden Klauseln führen ganz bestimmt nicht zu treuen Mitarbeitern, die einem Verlag immer ihre besten Ideen anbieten. Und das darf die Branche ruhig als Verlust verstehen, denn unter den freien Journalistinnen und Journalisten sind exzellente Könner mit fundierter Ausbildung nicht die Ausnahme.“

24. September 2019

 

 

Zum Nachhören und Nachlesen hier ein paar Links zum Honorarreport.

Freischreiber-Honorarreport hier lesen und was die Kolleginnen und Kollegen dazu sagen:

17. Juni 2019
#mediasres / Deutschlandfunk: Was tun gegen Dumping-Honorare im Journalismus (Audio-File)
mdr / Altpapier: Von Hamburg bis Hitzacker…

16. Juni 2019
Pro MedienmagazinSo viel verdienen freie Journalisten

15. Juni 2019
Der Nestbeschmutzer / #nr19: Journalismus ist sein Geld wert (S.12)

14. Juni 2019
Bildblog: Freischreiber-Report 2019: Wer verdient was?
meediaFreischreiber-Gehaltsreport: Freie Journalisten verdienen im Mittel 22,50 Euro brutto pro Stunde
turi2: Freischreiber-Report liefert erste Erkenntnisse zu Journalisten-Honoraren.

Wir reden drüber und stellen euch auf der Konferenz von Netzwerk Recherche den ersten Freischreiber-Honorarreport vor.

Seit dem Herbst ist unsere Seite www.wasjournalistenverdienen.de online. Bisher wurden rund 1.600 Honorare und Gehälter für knapp 600* Medien eingetragen und können von allen eingesehen werden. Wir stellen die wichtigsten Ergebnisse und die erkennbaren Trends vor. Zugleich erzählen wir von der Geschichte eines datenjournalistischen Projekts, in dem sich Programmierkünste und journalistisches Können verbünden – und das auch für andere Themenfelder nutzbar wäre.

Mit dabei: Michel Penke (Freischreiber, Daten-Journalist und Redaktionsmitglied von Correctiv.de), Haluka Maier-Borst (Wissenschafts- und Daten-Journalist im Storytelling-Team der Neuen Zürcher Zeitung), Katharina Jakob (freie Journalistin / Freischreiber-Vorstand), Anna Metzentin (NDR). Es moderiert Frank Keil (freier Journalist / Freischreiber-Vorstand).

Wann & Wo? Freitag, 14. Juni umd 14.15h in K6
Weitere Infos zum Termin hier.

Wir freuen uns auf euch!

Was verdienen Journalisten? Das soll künftig unsere neue Honorar-Website „Wasjournalistenverdienen.de“ klären. Jeder Journalist kann dort ab heute, dem 4.10.2018, Infos über Gehälter und Honorare anonym eintragen und erfahren, was Redaktionen anderen Kollegen zahlen. Das Mitmach-Tool soll Transparenz und Bewegung in die Gehaltsdebatte bringen.

„Was Journalisten verdienen“ ist ein digitales Honorar-Tool, das wir zusammen mit den Journalisten und Programmierern Michel Penke (Gründerszene) und Haluka Maier-Borst (Neue Zürcher Zeitung) entwickelt hat. Auf der Website können freie und feste Journalisten anonym ihre Honorare und Gehälter eintragen und vergleichen – egal ob sie für Print, Radio, TV oder online arbeiten.

„Wir reden alle unglaublich gerne über unsere Geschichten. Aber niemand spricht über Geld. Honorare zu verschweigen schadet uns allen“, sagt dazu Dr. Carola Dorner, Vorsitzende des Verbands. Programmierer und Journalist Michel Penke meint: „Prekäre Gehälter und Honorare sind mittlerweile so normal, dass der Nachwuchs gar nichts anderes mehr erwartet. Sie sind so häufig, dass schon viele gute Journalisten ihrem Beruf den Rücken gekehrt haben. Das darf nicht so bleiben.“

Und so funktioniert das Mitmach-Projekt: Dank anonymer Datenspenden wird eine Datenbank der Gehälter und Honorare deutschsprachiger Journalisten aufgebaut und allen zur freien Verfügung gestellt. So können Journalisten schon vor der Verhandlung übliche Zeilensätze, Honorare oder Gehälter recherchieren. Das stärkt die Verhandlungsposition und soll zu einer gerechten Entlohnung beitragen. Außerdem setzt es alle Verlage und Medien unter Druck, die ihre Redakteure und freien Autoren besonders schlecht bezahlen. Denn wer schlecht bezahlt, verdient auch keinen guten Journalismus.

Ab 2019 wird auf Grundlage der gesammelten Daten einmal im Jahr der Freischreiber-Report über Gehälter und Honorare der deutschsprachigen Medienlandschaft veröffentlicht. Die gesammelten Daten werden analysiert und visualisiert, sodass sich Journalisten leicht einen Überblick verschaffen können, wer fair oder mies bezahlt. Falls Sie den Report künftig bekommen möchten, können Sie sich hier anmelden.

Technische Details: Um die Anonymität der Spender zu garantieren, werden nicht die Datensätze, sondern nur ein sogenannter gleitender Median veröffentlicht. Das sichert die Anonymität der Datenspender (weitere Informationen zur Methodik). Die Datenübertragung wird verschlüsselt und die Gehaltsinformation nicht an Dritte weiter gegeben. Zudem werden nur Ergebnisse veröffentlicht, wenn keine Rückschlüsse auf die exakte Höhe der Datenspende möglich sind. Gibt es beispielsweise nur einen Datensatz zu einer Redaktion, zeigt die Datenbank keine Ergebnisse an, um die Anonymität des Spenders zu schützen. Erst ab drei Datensätzen werden Zahlen heraus gegeben. Da das Tool erst seit kurzem online ist, gibt es derzeit noch wenige Daten. Erste Zahlen gibt es bereits für FAZ, TAZ, Zeit Online und Gründerszene.

2013 hatte Freischreiber e. V. das Tumblr „Wasjournalistenverdienen“ online geschaltet, durch das sich freie Journalisten über ihre Honorare austauschen konnten. Aus Sicherheitsgründen musste der Verband es 2017 abschalten. Die neue Website „Wasjournalistenverdienen.de“ ist nun der Nachfolger des Tumblrs (mehr Informationen zu anderen Honorar-Tools für Journalisten).

Hier finden Sie die Pressemitteilung als pdf, hier ein Logo von Freischreiber für den digtelen Gebrauch, hier zum Drucken und hier ein Bild des Tools. Bei Fragen erreichen Sie uns unter kontakt@freischreiber.de und 0171-9315022.

Jeder Club hat Regeln. Hier sind die acht eisernen Regeln des Freiclubs. Zum Teilen und im Büro an die Wand nageln.

Kämpf mit uns für bessere Honorare!

Kämpf mit uns für bessere Honorare!

Kämpf mit uns für bessere Honorare!

Können Freie zu nett sein? Sind 142 Euro okay für eine Reportage? Stinkt Geld? Auf diese Fragen gibt es nur eine Antwort: »Verkauf dich zum Höchstpreis. Lern verhandeln!« Freischreiber präsentiert Dennis Kaupp und Jesko Friedrich, bekannt aus der Satiresendung extra3, als Redakteur und Reporter. Ein Verhandlungsmarathon am Abgrund in drei Teilen.

(mehr …)

Können Freie zu nett sein? Sind 142 Euro okay für eine Reportage? Stinkt Geld? Auf diese Fragen gibt es nur eine Antwort: »Verkauf dich zum Höchstpreis. Lern verhandeln!« Freischreiber präsentiert Dennis Kaupp und Jesko Friedrich, bekannt aus der Satiresendung extra3, als Redakteur und Reporter. Ein Verhandlungsmarathon am Abgrund in drei Teilen.

Die Drama-Serie zur Honorarverhandlung. Reporter Frei (Jesko Friedrich) verhandelt mit einem Redakteur (Dennis Kaup) über das Honorar. Doch die Zeiten sind hart und so zieht Frei immer wieder den Kürzeren.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Kamera & Schnitt: Oliver Eberhardt, www.filmduene.de
Sprecherin: Anette Gunkel
Freischreiber Productions 2018.
Vielen Dank den Darstellern Dennis & Jesko und unseren Freunde von freelens.com, die uns ihren Seminarraum für den Dreh zur Verfügung gestellt haben.