Der Freischreiber-Vorstand unterstützt den Aufruf zur Solidarität mit drei freien Kollegen, der aus einer Initiative mehrerer freier Fachjournalist*innen aus dem Bereich Rechtsextremismus/Neonazismus entstanden ist. Bislang haben 450 Journalist*innen und Medienschaffende, 20 Verbände und 16 Redaktionen den Aufruf unterzeichnet. #SchütztDiePressefreiheit

AUFRUF: SCHÜTZT DIE PRESSEFREIHEIT!

Gegen die freien Journalisten Julian Feldmann, David Janzen und André Aden wollen Hunderte Neonazis am 23.11.2019 in Hannover demonstrieren. Als Journalist*innen und Medienschaffende verurteilen wir die Drohungen und Anschläge auf unsere Kollegen. Wir rufen dazu auf, sich an den Protesten gegen die Demonstration zu beteiligen und fordern Maßnahmen zum Schutz der Pressefreiheit.

Angriffe sind trauriger Alltag

Rechtsextreme hassen Menschen, die über ihre Veranstaltungen, Vereine, Parteien und Straftaten berichten. Die Kollegen Julian Feldmann, David Janzen und André Aden arbeiten seit über zehn Jahren als freie Journalisten und sind, wie so viele, ins Fadenkreuz der braunen Szene geraten.

Der Hass auf die Kollegen geht so weit, dass sie regelmäßig Morddrohungen erhalten. Ein hochrangiger Neonazi-Kader sprach auf mehreren Veranstaltungen über Julian Feldmann und erwähnte dabei einen Revolver, der schon bereit liege.

David Janzen wurde von einem bekannten Braunschweiger Neonazi mit den Worten “Heute Walter [Lübcke, Anm. d. V.], morgen Janzen” bedroht. Diesen Drohungen folgen Taten, auf Janzens Privatwohnung gab es dieses Jahr bereits mehrere Anschläge.

Von zahlreichen Rechtsextremismus-Expert*innen sammeln Neonazis derzeit Bilder, öffentliche sowie private Daten. In Telegram-Gruppen der Szene wurde ein entsprechender Aufruf verbreitet. Offenbar wird ein breit angelegtes Doxxing vorbereitet, zum Schaden der Kolleg*innen.

Angriffe auf Journalist*innen und Eingriffe in deren Privatleben sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Bei Szene-Veranstaltungen werden Journalist*innen regelmäßig Opfer rechter Gewalt. Die NPD-Demonstration in Hannover ist der nächste Schritt, um Kollegen das Leben zur Hölle zu machen.

Auch neurechte Kleinstgruppen organisieren Angriffe auf die freie Berichterstattung. In zahlreichen Texten werden Journalist*innen verächtlich gemacht und denunziert. Kritische Journalist*innen werden mit kostenintensiven Unterlassungserklärungen, Klagen und Anzeigen überzogen. Fotos von Kolleg*innen werden über Szene-Medien gezielt verbreitet und zur Markierung potentieller Angriffsziele benutzt.

Mit Falschinformationen wird zusätzlich versucht, den Ruf der Kolleg*innen zu schädigen. Redaktionen sollen davon abgehalten werden, denunzierten Journalist*innen Aufträge zu geben. Innerhalb der Szene sind die Texte dafür da, Informant*innen von Gesprächen mit szenekundigen Reporter*innen abzuhalten.Der Rechtsweg gegen solche Veröffentlichungen ist häufig aussichtslos, mit hohen Kosten verbunden und zeitraubend. Ziel der extremen Rechten ist es, Journalist*innen fertig zu machen, bis sie ihre Arbeit aufgeben.

Maßnahmen ergreifen!

Vom Presserat, allen demokratischen Verleger*innen und Redaktionen sowie den Landesmedienanstalten erwarten wir, dass sie sich mit den von Hass und Drohungen betroffenen Kolleg*innen solidarisch zeigen und ihnen ihre Unterstützung anbieten.

Von den demokratischen Parteien und ihren Abgeordneten erwarten wir, dass sie Gesetze auf den Weg bringen, um Journalist*innen bei ihrer Arbeit besser zu schützen.

Wir fordern:

  • Vereinfachte Verfahren für Auskunftssperren beim Einwohnermeldeamt für Journalist*innen
  • Neuregelung der Impressumspflicht, um Privatadressen von Journalist*innen und Blogger*innen besser zu schützen
  • Bundesweit verpflichtende Schulungen von Polizist*innen für den Umgang mit Medienvertreter*innen
  • Ein Bekenntnis aller Polizeibehörden zu den Verhaltensgrundsätzen für Presse/Rundfunk und Polizei zur Vermeidung von Behinderungen bei der Durchführung polizeilicher Aufgaben und der freien Ausübung der Berichterstattung von 1993
  • Sensibilisierung von Staatsanwaltschaften und Gerichten für Angriffe auf Journalist*innen und konsequente Anwendung aller rechtlichen Möglichkeiten
  • Die Ausschöpfung aller rechtlichen Möglichkeiten durch die Versammlungsbehörde, um Hass und Hetze gegen unsere Kollegen am 23.11.2019 in Hannover zu verhindern

Wir als Journalist*innen und Medienschaffende verurteilen die geplante Demonstration in Hannover, die Drohungen und Angriffe gegen unsere Kollegen. Wir rufen dazu auf, sich an den Protesten gegen die pressefeindliche Demonstration zu beteiligen.

Mark Heywinkel ist stellvertretender Redaktionsleiter und Head of Development von ze.tt. Als solcher verantwortete er in Zusammenarbeit mit der Berliner Agentur Palasthotel  die Entwicklung von fax, einem System für Redaktionen, um die Themen-Angebote freier Journalisten besser zu organisieren. Unterstützt hat das Projekt die Digital News Initiative von Google. Mark ist außerdem Autor des Ebooks „Liebe deine Freien„. Freischreiber-Vorstandsmitglied Jakob Vicari hat ihn zu fax befragt.

Die Kommunikation zwischen Redaktionen und Freien ist oft schwierig. Mark, wie seid ihr auf die Idee für fax gekommen?
Mark Heywinkel: Ich war selbst drei Jahre Freelancer und habe eine teils anstrengende Kommunikation mit Auftraggebern erlebt. Manchmal wusste ich nicht, ob Themenvorschläge angekommen sind, noch diskutiert werden oder ich sie anderen Redaktionen anbieten kann. Als Freelancer muss man oft nachhaken. Als ich bei ze.tt als Redakteur angefangen habe, habe ich mir auf die Fahne geschrieben, die Freienkommunikation zu verbessern. Durch persönliche Treffen, Guidelines für die Zusammenarbeit und eine transparente Kommunikation wollte ich dafür sorgen, dass unsere Freien gerne für ze.tt schreiben. Sebastian Horn, der damals ze.ttChefredakteur war, hatte irgendwann die Idee für ein eigenes Tool und hat sie bei der Google Digital News Initiative eingereicht. Nach seinem Weggang zu Zeit Online habe ich die Entwicklung übernommen.

Wie habt ihr vorher Freie organisiert?
Wie es in vielen Redaktionen üblich ist, haben wir die Kommunikation per Mail abgewickelt und Tabellen mit unseren Kontakten geführt. Die Mail-Kommunikation haben wir so weit optimiert, dass wir sie in einem zentralen Postfach gesammelt haben, um dafür zu sorgen, dass im Krankheitsfall immer jemand einen Blick auf die Vorschläge haben kann. Aber es ist schwierig, in einem Pool von 120 Leuten Daten, Fähigkeiten und Verfügbarkeiten abzufragen.

Und das ändert fax?
Ja. Jetzt sind alle Pitches und Kontaktdaten zentral an einem Ort auffindbar. In fax können freie Journalistinnen und Journalisten uns unmittelbar informieren, an welchem Ort sie sich befinden, was ihre Expertise ist und wie wir sie am besten erreichen können. Als nächstes Feature wünsche ich mir einen Status wie „verfügbar“, „auf Auftragssuche“ oder „im Urlaub“. Damit wir den direkten Draht noch mehr stärken.

Wie seid ihr in der Entwicklung vorgegangen?
Wir haben zuerst Workshops gemacht, mit dem Team, der Agentur Palasthotel, aber auch mit Freien von außerhalb. Aus dem Konglomerat der Ideen ist fax entstanden. Wir wollten ein Tool nicht nur für uns, sondern für alle Redaktionen schaffen. Deshalb steht es auch unter der MIT-Lizenz für Open-Source-Software.

Was war die wichtigste Erkenntnis?
Nach dem Workshop haben viele Freie gesagt: Wir wollen nicht über ein unpersönliches Tool abgewickelt werden. Wir haben deshalb darauf Wert gelegt, fax freundlich und persönlich zu gestalten. Nicht nur Freelancer*innen können dort ein Profil anlegen, auch Redakteur*innen können sich persönlich mit einem eigenen Profil präsentieren. Mein Lieblingsfeature ist der Realtime-Chat zu einzelnen Themenvorschlägen. Das ist der direkte Draht in die Redaktion, viel unmittelbarer als eine E-Mail. Dazu sehen die Freien zu jeder Zeit den Status ihres Exposés oder Artikels. Diesen Einblick gab es vorher ja nicht. Viele Redaktionen sind ja immer noch Blackboxes, was ihre Workflows angeht.

Wie geht es weiter?
Erste Redaktionen haben sich schon gemeldet, weil sie fax interessant finden und es möglicherweise bei sich einsetzen wollen. Man kann das natürlich aber auch andersherum nutzen: Als Freienbüro könnte man es bei sich auf einem Server installieren und Redaktionen ein Ideenangebot zur Verfügung stellen. Und: Das System steht auf Github. Wir hoffen, dass sich Leute finden, die es weiterentwickeln.
Download: Fax auf Github

Wir entwickeln was. Die Google Digital News Initiative fördert Innovationen im Journalismus. In der aktuellen Runde hat es die Idee „AuthoryPledge“ geschafft, die das Start-up Authory zusammen mit Freischreiber entwickelt. Hier beantwortet Authory-Gründer Eric Hauch die Fragen von Freischreiber-Vorstand Jakob Vicari.

Was ist Authory?

Eric Hauch: Authory ist eine Art Werkzeugkasten, der verschiedene Services für Journalisten in einem Produkt vereint. Die Basis dafür ist eine von uns entwickelte Technologie, die alle Artikel einer bestimmten Journalistin oder eines bestimmten Journalisten automatisch findet. Wir nutzen diese Technologie, um verschiedene Dienste anzubieten: Authory hilft Journalisten dabei, ihre Artikel automatisch zu archivieren, ganz egal wo diese veröffentlicht wurden. Außerdem können sie ihre Leser mit Authory ganz einfach per E-Mail über neue Artikel informieren. Und darüber hinaus erhalten sie über Authory detaillierte Infos, wie erfolgreich ihre Artikel auf verschiedenen Social-Media-Kanälen sind.

Wer steckt hinter Authory?

Eric Hauch: Wir sind ein kleines Hamburger Start-up, bestehend aus zwei Entwicklern und mir. Bevor ich Authory gemacht habe, hatte ich schon ein anderes journalistisches Start-up: Commentarist. Das war die Idee, eine Art Google News für Meinungsjournalismus zu etablieren. Nach einiger Vorbereitung sind wir mit mehr als 15 großen deutschen Verlagen als Partner an den Start gegangen. Während dieser Zeit habe ich mich viel mit Meinungsjournalismus auseinandergesetzt. Dabei ist mir klar geworden, wie wichtig die journalistischen Köpfe hinter den ganzen Artikeln eigentlich sind. Und mit Authory wollen wir genau diese Köpfe stärken.

Was bringt Authory freien Journalisten?

Eric Hauch: Authory automatisiert die Archivierung von Artikeln. Während der Anmeldung teilt uns ein Journalist oder eine Journalistin mit, wo sie in der Vergangenheit veröffentlicht haben und wo sie aktuell veröffentlichen. Unser System importiert und archiviert daraufhin alle bisher erschienenen Artikel und fügt auch alle zukünftigen kurz nach Erscheinen automatisch zum privaten Archiv der Journalisten hinzu.

Mithilfe von Authory können Journalisten ihre Leser bequem per E-Mail über neue Artikel auf dem Laufenden halten, ganz egal wo diese veröffentlicht werden. Die Leser melden sich dazu auf einem öffentlich verfügbaren Profil dieser Journalisten für die E-Mail-Benachrichtigungen an (siehe authory.com/AlexWilhelm). Bei neuen Artikeln erhalten sie dann immer automatisch eine kurze E-Mail mit Link zum Originaltext. Alle so gesammelten E-Mail-Adressen gehören den Journalisten und sind jederzeit exportierbar.

Authory überprüft automatisch, wie oft die Artikel eines Journalisten oder einer Journalistin in den gängigen Social Media Networks geteilt werden. In Kombination mit unserer umfangreichen Such- und Filterfunktion können sie so genau feststellen, welcher Artikel bzw. welches Thema in welchem Social Network wie erfolgreich war.

Was wollt ihr jetzt mit dem neuen Feature „AuthoryPledge“?

Eric Hauch: Authory informiert Leser automatisch und kostenlos per E-Mail, wenn ein neuer Artikel von Lieblingsautoren erschienen ist – egal wo dieser veröffentlicht wurde. Mit dem AuthoryPledge-Feature gehen wir einen Schritt weiter: Leser können ihren Lieblingsjournalisten nicht nur per E-Mail folgen, sondern diese auch direkt finanziell unterstützen. Mit einem Betrag zwischen 1 Euro und 10 Euro pro Monat, der über Authory direkt an die entsprechenden Journalisten geht. Für Leser ist das eine einzigartige Möglichkeit, individuelle Journalisten anstatt anonymer Publikationen monetär zu unterstützen. Und für Journalisten ist das Pledge-Feature ein bequemer Weg, die Verbindung zu ihren Lesern zu monetarisieren.

Was erwartet ihr euch von der Entwicklungspartnerschaft mit Freischreiber?

Eric Hauch: Wir sind Entwickler und Unternehmer, keine Journalisten. Daher ist Freischreiber ideal, um uns sowohl in der Konzeptions- als auch in der Umsetzungsphase mit Ideen und Feedback zur Seite zu stehen. So können wir sicherstellen, dass wir nie die Journalisten als unsere Kunden aus den Augen verlieren.

Ihr macht das nicht als Ehrenamt, ihr wollt damit Geld verdienen. Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Eric Hauch: Unser Geschäftsmodell ist sehr einfach: Authory steht unseren Kunden, also Journalisten, gegen eine Gebühr von umgerechnet gut 6 Euro im Monat oder 60 Euro im Jahr zur Verfügung. Wir haben uns mit Absicht gegen ein werbefinanziertes Modell entschieden. Nur so können wir jede Entscheidung, in welche Richtung sich Authory entwickeln soll, mit dem vollen Fokus auf Journalisten und ihre Leser treffen.

Es gibt mit Riffreporter und Steady schon Ansätze für Direktvermarktung von Journalismus. Was unterscheidet euch?

Eric Hauch: Authory vermarktet keine Inhalte. Stattdessen bieten wir Journalisten eine Plattform, um all ihre Inhalte an einem Ort zu speichern und ihre Leser über neue Inhalte auf dem Laufenden zu halten. Mit der Zusatzfunktion Pledge erweitern wir Authory dahingehend, dass Journalisten das Wohlwollen ihrer Leser monetarisieren können, ohne allerdings dafür zusätzliche Inhalte produzieren zu müssen.

Wem gehören die Daten, die ihr sammelt?

Eric Hauch: Wir nutzen die Daten wie z. B. Artikeltexte nur dazu, Journalisten unseren Service zur Verfügung zu stellen. Die Eigentümerschaft an den Inhalten bleibt bei der Nutzung von Authory unberührt.

Ihr verkauft also keine Inhalte, sondern setzt auf ein Spendenmodell, wie es taz oder The Guardian einsetzen? 

Eric Hauch: Genau, Journalisten können den guten Draht, den sie sich über Jahre zu ihren Lesern aufgebaut haben, mit dem neuen Pledge-Feature von Authory einfach monetarisieren. Dabei geht es darum, dass treue Leser ihrer Wertschätzung ihren Lieblingsjournalisten gegenüber Ausdruck verleihen können. Sie unterstützen damit nicht nur die Journalisten direkt finanziell, sondern stellen darüber hinaus sicher, dass Qualitätsjournalismus auch für andere weiterhin erhalten bleibt.

26. Juli 2018

 

Jeder Club hat Regeln. Hier sind die acht eisernen Regeln des Freiclubs. Zum Teilen und im Büro an die Wand nageln.

Kämpf mit uns für bessere Honorare!

Kämpf mit uns für bessere Honorare!

Kämpf mit uns für bessere Honorare!

Die ZEIT hat vor ein paar Jahren den Code of Fairness unterschrieben, und darüber freuen wir uns sehr. Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung kommen wir den guten Arbeitsbedingungen für freie Journalisten einen entscheidenden Schritt näher. Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, in denen es knirscht zwischen den Freien und ihren Auftraggebern – auch bei der ZEIT. Deshalb haben wir uns dafür stark gemacht, dass ein Ombudsmann oder eine Ombudsfrau eingesetzt wird, bei dem oder der sich Freie bei Problemen in der Zusammenarbeit künftig melden können. Wir haben mit unserer Idee offene Türen eingerannt und präsentieren heute froh die Freien-Ombudsfrau Iris Mainka. Sie ist Chefin vom Dienst, praktisch immer erreichbar und hat ein offenes Ohr und eine Mailadresse (iris.mainka-at-zeit.de) für freie Journalisten.

8. März 2018

Seit zehn Jahren gibt es Freischreiber. Wir wollten immer das Fitness-Studio sein, um Freie selbst in die Lage zu versetzen, besser zu leben, das Schnellboot, das an den trägen Gewerkschaften vorbeiflitzt. Und das Lagerfeuer, an dem sich die Freien nach harten Tagen in der Prärie versammeln. Wir haben nicht alles richtig gemacht und nicht alles hat funktioniert. Aber eins ist uns gelungen: Wir haben freien Journalisten Mut, Selbstbewusstsein und eine Stimme gegeben.

Wir haben schon Glückskekse mit den Botschaften fairer Zusammenarbeit verschenkt, Sekundenkleber vor Verlagen verteilt, wir haben den Machs dir selbst-Zukunftskongress veranstaltet und Zukunftstage gemacht; wir haben die Honorare freier Journalisten in „Was Journalisten verdienen“ transparent gemacht; wir haben ein erfolgreiches Crowdfunding für eine Freienbibel gemacht, die wir dann geschrieben haben; wir haben eine eFreienbibel „Wie machst Du das?“ gemacht; wir haben einen Neuschreiber-Crashkurs erfunden und ein Skript für Honorarverhandlungen; wir sind Für die Zeit gewandert, übers Meer gefahren und mit dem Fahrrad bis nach Kabul; wir haben „Herr Reporter Frei“ mit Dennis & Jesko gedreht und mit dem Freizehner unsere eigene Währung erfunden; wir haben mit Kleinanzeigen im Tagesspiegel nach neuen Perspektiven für die Tagesspiegel-Freien gesucht und für die einsamen Gruner und Jahr Redakteure eine CD mit Redaktionsgeräuschen aufgenommen; wir haben Magazine entfreit und vor dem SZ-Hochhaus Luftballons in alle Welt geschickt; ein Fairphone verlost, kiloweise grüne Gummibärchen verschickt und wir werden das Honorar eines Neumitglieds verdoppeln; wir haben grünes Eis beim Netzwerk Recherche verteilt und jedes Jahr Podien bespielt; wir haben Checklisten für Verträge entwickelt und den Honorarrechner; wir haben himmlische Redaktionen und Helden des freien Journalismus ausgezeichnet und wir haben im Bundestags-Ausschuss gesprochen und mit unserer Lesetour in vier Städten Journalismus auf die Bühne gebracht; wir haben gegen das Leistungsschutzrecht gekämpft, für ein Verbandsklagerecht und für ein besseres Urhebervertragsrecht; wir haben Storytelling-Workshops, Webinare  und Verhandlungs-Seminare gemacht; wir haben Presseausweise mit Partnern selbst gemacht, als es keinen bundeseinheitlichen gab; wir haben mit Chefredakteuren gegrillt und mit Jan Böhmermann gefeiert; wir haben Karl Urheber aus der Verwertungsmaschine befreit und Bergwald gepflanzt; wir haben Protestbriefe an Verleger organisiert und den Ombudsmann bei Spiegel Online erfunden; wir haben in Laase, in der Rödermühle, in Gantikow und im Knüllwald Klausuren gemacht;  wir bieten inzwischen einen Anwalt, Beratung zur Künstlersozialkasse und zu Versicherungen; wir haben Jens Weinreich unterstützt, Martin Vogel und Petra Reski; wir haben mit Jedes Wort ists wert die Initiative für den Wert des Wortes ergriffen und in der VG Wort für einen gerechten Ausschüttungsplan gekämpft; wir haben den Code of Fairness erfunden und die fiesesten Redaktionen mit dem Hölle-Preis ausgezeichnet; wir haben etwa 100 Regionaltreffen veranstaltet und über 250 Newsletter versendet. Wir haben über 700 Mitglieder gewonnen – und jetzt auch Sie überzeugt?

Können Freie zu nett sein? Sind 142 Euro okay für eine Reportage? Stinkt Geld? Auf diese Fragen gibt es nur eine Antwort: »Verkauf dich zum Höchstpreis. Lern verhandeln!« Freischreiber präsentiert Dennis Kaupp und Jesko Friedrich, bekannt aus der Satiresendung extra3, als Redakteur und Reporter. Ein Verhandlungsmarathon am Abgrund in drei Teilen.

Die Drama-Serie zur Honorarverhandlung. Reporter Frei (Jesko Friedrich) verhandelt mit einem Redakteur (Dennis Kaup) über das Honorar. Doch die Zeiten sind hart und so zieht Frei immer wieder den Kürzeren.

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Kamera & Schnitt: Oliver Eberhardt, www.filmduene.de
Sprecherin: Anette Gunkel
Freischreiber Productions 2018.
Vielen Dank den Darstellern Dennis & Jesko und unseren Freunde von freelens.com, die uns ihren Seminarraum für den Dreh zur Verfügung gestellt haben.

Nach unseren Kleinanzeigen im Tagesspiegel hat Vorstandsvorsitzender Benno Stieber ein Interview im Medienmagazin von radioeins gegeben.

Darin erklärt er, worum es Freischreiber geht, und kündigt unter anderem einen Brief an den Tagesspiegel an. Zum Interview geht´s hier entlang (31.10.2015, ab Minute 2.40).

Freischreiber Jakob Vicari erzählt außerdem in der Sendung breitband von Deutschlandradio Kultur über den Verlauf der Kampagne (31.10. 2015).

Nicht jeder Auftrag ist toll. Manchmal schickt einen die Redaktion ins Nirgendwo. Freier Journalismus kann dann  ganz schön beschissen sein. Das hat der Kollege Bertram Weiß erlebt.

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Kamera und Produktion: Oliver Eberhardt, www.filmduene.de

Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten unterstützt die Kino-Kampagne der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Claim “Fuer die Zeit”). Unter dem Motto „Freischreiber für die Zeit“ haben wir fünf Filme produziert.

Den Film der Zeit zum Thema Wald gibt es hier:

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(c) Zeitverlag, 2014

„Die Redaktion hat mich losgeschickt. Die Whistleblower zu finden. In den Wald. Seit zwei Tagen bin ich schon unterwegs Noch habe ich keinen gesehen. Dinge müssen an die Oberfläche kommen, damit man darüber nachdenken kann und eine Meinung haben kann, haben sie gesagt. Aber nicht gesagt, wo ich in diesem gottverdammten Wald einen O-Ton oder ein Zitat herkriege. Recherchiere in die Tiefe. Prüfe die Fakten. Schütze unsere Quellen. Das ist der Anspruch, immer. Und ich laufe hier wie blöd durchs Gehölz und suche Informanten. Denn ich muss sie ja mitbringen, die Geschichte. Ja, sie vertrauen mir. Aber ohne Whistleblower zahlen sie nicht. Freier Journalismus kann manchmal ganz schön beschissen sein.“

Wir dokumentieren das Grußwort, das Comedian Jan Böhmermann, seit  Jahren selbst Freiberufler, bei der Jubiläumsparty von Freischreiber am 16. November in Berlin gehalten hat.  Wir wünschen ein erfolgreiches Jahr 2014!

Liebe Freischreiberinnen, liebe Freischreiber, liebe Jubiläumsgesellschaft,

mein Name ist Jan Böhmermann, ich bin Fernsehmoderator und Stuntdouble von Markus Lanz bei „Wetten dass…?“. Kritiker nennen mich den Cherno Jobatey des Digitalspartenfernsehens, für meine Freunde bin ich der Buttplug im Rektum des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks. Einige von Ihnen kennen mich aber sicherlich aus den 700 großkotzigen Interviews die ich jeder deutschen Zeitung im Rahmen der größenwahnsinnigen PR-Kampagne meiner coolen Comedyshow „NEO MAGAZIN“ in ZDFneo, die regelmäßig von 0,4% der deutschen TV Zuschauer gesehen wird, gegeben habe. Vor allem aber bin ich seit 18 Jahren: frei!

Ich fühle mich geehrt, zum 50. Jubiläum der Freischreiber ein kurzes Grußwort an sie richten zu dürfen und danke dem Vorstand für das Vertrauen und erkläre ihn hiermit, Kraft meines vom Gebührenzahler verliehenen Amtes, für die Geschäftsjahre 2013 bis 2075 für entlastet. 500 Jahre Freischreiber – wie hat sich doch der Beruf des Freien Journalisten in nahezu allen Belangen verändert: Und, ja, es war früher alles besser. Als ich vor 16 Jahren im Vorstand der Bremer Jugendpresse vor mich hin pubertierte und als Kulturlokaljournalist für den Weser Kurier dilettierte, verdiente man pro Zeile mit 45 Anschlägen noch 42 Pfennig. Heute sind es für die gleiche Arbeit gerade man 21 Cent.  Noch 1991 setzte die frisch wiedervereinte Bundesrepublik alle Jetons auf BTX. Doch als das Internet BTX verdrängte, mussten viele BTX-Autoren Zuflucht in den Printmedien suchen. Zeitungen und Zeitschriften sehen sich heute einer ähnlichen Bedrohung durch das inzwischen unkontrolliert metastasierende Internet ausgesetzt wie damals das BTX.

Für viele junge Menschen ist Print längst das Medium für Menschen die in Gegenden wohnen, in denen es bloß Edge gibt. Informationen von gestern mit Farbe auf tote Bäume gemalt. Doch auch digitale Auftraggeber beuten aus, ein Grund, warum die Freischreiber heute genau so wichtig sind wie bei ihrer Gründung vor 100 Jahren. Neue, skrupellose Rechteverwerter wie die LEAD-Award verdächtig durchdesignte „Huffington Post“ beuten Freie Journalisten schamlos aus – Ausbeutung ist Teil des Geschäftsmodells. Oldschool-Ausbeuter wie die taz haben sich früher wenigstens noch die Mühe gemacht die Freestyleentlohnung Freier Journalistinnen und Journalisten hinter einer Genossenschaftsfassade auf Idealismusbasis zu kaschieren!

Freie Journalisten haben einen Wettbewerbsvorteil: Sie sind nicht fest angestellt! Zum Glück gibt es die Freischreiber, heute auf den Tag genau seit 10 Jahren! Denn freie Journalisten sind wie weidwundes Rotwild: verletztlich und scheu. Freie Journalisten für Radio, Fernsehen, Print und Internet sind weinerlich und verbittert, streitlustig, pedantisch und extrem anstrengend. Zerrüttete private Verhältnisse, mitleiderregende Frisuren und Bärte, exzentrische Brillen, die meisten haben Cashflowdiagramme und Einnahmenüberschussrechnungen zum schwindelig werden, und ich meine nicht das gute schwindelig. Aber freie Journalisten haben einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Sie sind nicht festangestellt! Und haben seit einem Jahr mit den Freischreibern jetzt auch einen richtigen eigenen Berufsverband der immerhin so engagiert ist, dass er sich die Mühe gemacht hat, Deutschlands bekanntesten unbekannten Fernsehmoderator als Gastredner einzuladen.

Herzlichen Glückwunsch, Freischreiber, auf in die nächsten 100 Jahre im Kampf gegen das menschenzermalmende Festangestelltenkartell, gegen oder wenigstens im gleichberechtigten Miteinander mit Redaktionen, Verlagen, Sendern und Rechteverwertern. Gut, dass es seit 1000 Jahre diesen Berufsverband gibt, denn auch wenn man keine Lust auf Grabenkämpfe hat, sollte man wenigstens wissen, wo die Front verläuft. Freischreiber gibt freien Journalisten keine Stimme – die meisten haben ja eine laute, schrille, meinungsstarke. Aber Freischreiber kann dafür sorgen, dass die vielen unterbezahlten und wenigen überbezahlten Stimmen nicht durcheinanderquasseln, wenn es um existenzielle Belange und die Rechte Freier Schreiberinnen und Schreiber geht.

Und wenn Sie alle, liebe Gäste, in zehn Jahren, unter erbarmungslosen iPad-Hieben von Digitalmessias Diekmann und seinen Leistungsschutzgargoyles für Springer zum Apps programmieren in den Mini-Silicon- Valley an der Rudi-Dutschke-Straße getrieben werden: Freien Journalisten kann niemand die Würde nehmen. Denn sie haben gelernt, auch ohne auszukommen.