Der Newsletter vom 3. März: fair edit / Leistungsschutzrecht / Termine

Wie immer zur Wochenmitte: der Freischreiber-Newsletter. Und an dieser Stelle mal eben: Vielen Dank für die vielen Mails, die wir im Laufe der zurück liegenden Woche bekommen haben! Wir hatten gefragt, ob unser wöchentlicher Rundbrief zu lang ist, wir zu viel Stoff liefern und uns kürzer fassen sollen. Die, die uns geantwortet haben, waren zum allergrößten Teil voll des Lobes, ihnen gefällt der Rundbrief und ist ihnen zu einem lieb gewonnenen Geleiter durch den Dschungel all der lesenswerten Beiträge geworden, die so herumschwirren. Einige lassen den Newsletter auch mal etwas liegen und nehmen ihn sich vor, sobald sie Zeit haben, was natürlich auch völlig in Ordnung ist. Wenige waren dabei, denen wir tatsächlich etwas zu viel Stoff bieten, die aber gut damit leben können. Wir nehmen das als Votum dafür, dass wir so weitermachen können.

Wenn Sie uns also bitte zur aktuellen Ausgabe folgen wollen.

Frei sein, schnell sein, Preis gewinnen

Das Reporter-Forum nimmt sich bei der zweiten Auflage seines Journalistenpreises nun auch der Kleinen unter den Reportern an: Eine von fünf neuen Kategorien ist künftig den freien Journalisten gewidmet, weil sie ja sonst selten eine Chance haben. Sie heißt: der "Rasende Reporter".

Wir freuen uns, dass das Reporter-Forum damit elegant thematisiert, dass freie Journalisten die Schnellarbeiter in der Medienbranche sind: Sie müssen schneller recherchieren und haben weniger Zeit zum Schreiben, damit Zeitaufwand und Honorar wenigstens in einem einigermaßen akzeptablen Verhältnis zueinander stehen.

Falls das gar nicht so gemeint sein sollte, müsste der Preis vielleicht besser umbenannt werden. Wir haben einige Vorschläge:

• Henri-Nannen-B-Preis, bzw. Henrilein oder Nännchen

Naphtali

• Peter-Hartz-Preis (das Preisgeld kann auch in Form von Sachleistungen oder Gutscheinen für Schreibblöcke und Bleistifte ausbezahlt werden)

• Ein Herz für Freie (vielleicht kann Andrea Jürgens ihren einstigen Hit für die Preisgala umdichten)

Der Newsletter vom 17. Februar: Wozu noch Journalismus? / Nachklapp zu den Vergütungsregeln

Liebe Kollegen, die Themen in unserem gestern verschickten Newsletter sind unter anderem:

- Auf sueddeutsche.de erscheint derzeit die Serie "Wozu noch Journalismus?", Felix Zimmermann hat eine Montageanleitung zur Errichtung eines Meinungsmonopols verfasst.

- Der DJV lädt nach Berlin zu einer Diskussion über die jüngst verabschiedeten Vergütungsregeln für freie Tageszeitungs-Journalisten, an der unter anderem Eva-Maria Schnurr aus dem Freischreiber-Vorstand teilnehmen wird. Im Freien-Blog des DJV steht, dazu passend, eine bemerkenswerte Einlassung.

Wenn Sie uns bitte hierhin folgen wollen.

"Im Zweifel widersprechen" – Ein Interview mit Dirk Feldmann über AGB, Flatrate-Verträge und das Urheberrecht

Was haben freie Journalisten von eigenen AGB, was passiert, wenn weder Auftraggeber noch Auftragnehmer die AGB der jeweils anderen Seite akzeptieren – und gilt Schweigen als Zustimmung?

Freischreiber hat Dirk Feldmann befragt. Feldmann ist Rechtsanwalt und berät die Freischreiber-Mitglieder in medien-, urheber und arbeitsrechtlichen Fragen.


Reicht es aus, wenn ich meine AGB auf die Rückseite meiner Rechnung drucke oder auf meine Internetseite verlinke, wo sie aufgeführt sind?

Nein. Ich kann niemandem nachträglich meine AGB aufdrücken. Die AGB müssen bei Vertragsschluss vereinbart werden, etwa in meinem Angebot oder in einem Bestätigungsschreiben, das sofort rausgeschickt wird.

Bei jedem Auftrag aufs Neue? Auch bei regelmäßigen Kunden?

Wenn jemand mehrfach meine AGB akzeptiert hat, reicht der Verweis darauf, dass diese gelten sollen. Aber was „mehrfach“ bedeutet, könnten die Gerichte schon unterschiedlich auslegen. Wenn man wirklich sichergehen will, hilft nur, bei jeder Auftragserteilung die AGB geltend zu machen.

Dann bringt es auch nichts, in der Signatur meiner Mail auf die AGB hinzuweisen? Etwa in der Formulierung „Für Lieferungen und Leistungen gelten meine Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die Sie hier finden: www.tollerjournalist.de/agb“.

Nein, die AGB müssen immer direkt beigefügt sein.
   
Muss der Auftraggeber den AGB ausdrücklich zustimmen?

Nein. Das Schweigen eines Auftraggebers, der Kaufmann ist, auf das Bestätigungsschreiben gilt als Anerkenntnis.

Manche Auftraggeber widersprechen bei Auftragserteilung generell den AGB des Journalisten. Ist das zulässig?

Ja, ein genereller Widerspruch ist zulässig. Genauso kann der Journalist schreiben: Den AGB des Verlages wird widersprochen, es gelten meine AGB.

Wenn Widerspruch auf Widerspruch folgt: Gilt in dem Fall dann wieder die gesetzliche Urheberrechtsregelung?

Ja, wenn keiner die AGB oder die Vertragsklauseln des Vertragspartners akzeptiert, gelten die gesetzlichen Regelungen. Diese sind für den Urheber grundsätzlich günstig.

Wie komme ich denn aus dem Kreislauf der gegenseitigen Widersprüche heraus?

Möglich wäre etwa, dass man sagt: Es gelten die AGB des Verlages, mit Ausnahme des Exklusivnutzungsrechtes und/oder, dass jeder einzelne Weiterverkauf der Zustimmung bedarf. Oder was mir sonst noch wichtig ist. Also eine Korrektur/Änderung der wichtigen Klauseln.

Machen die Verlage das denn mit? Die hätten es dann ja mit einer Vielzahl von Sondervereinbarungen zu tun, was viel Arbeit macht.

Bislang hatten die Redaktionen die Freiheit, darüber zu entscheiden, was Ihnen wichtig ist. Seitdem der Axel-Springer-Verlag und der Heinrich Bauer Verlag aber ihre Flatrate-Verträge durchdrücken wollen, haben die dortigen Redaktionen nur noch eingeschränkte Spielräume. Versuchen sollte man es aber auf jeden Fall.

Und wenn ich dem Verlag keine AGB übermittelt habe, er mir aber auf der Rückseite seiner Honorargutschriftsanzeige seine diktiert? Gelten die dann?

Nein. Da gilt das gleiche wie oben: Ich kann keine AGB nachträglich vereinbaren. Widersprechen Sie den AGB: „Sorry, das war vorher nicht vereinbart.“ Und da Sie vermutlich versäumt haben, Ihre AGB mitzuteilen, gilt die gesetzliche Urheberrechtsregelung.

Ich habe vor einem Jahr AGB einer Zeitung zugeschickt bekommen, die ich unterschrieben zurückschicken sollte. Das habe ich nicht getan. Gelten sie damit für mich nicht oder habe ich ihnen damit schweigend zugestimmt?

Die Aufforderung, die AGB unterschrieben zurück zu schicken, ist gerade keine Vertragsbestätigung. Wenn Sie nicht geantwortet haben, sind die AGB nicht vereinbart. Problematisch kann es sein, wenn Sie die AGB vor Durchführung des Auftrags erhalten haben und der Auftraggeber davon ausgehen durfte, dass die widerspruchslose Durchführung auch ein Akzeptieren der AGB beinhaltet. Also: Im Zweifel widersprechen.

 

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• AGB, die bisher AGB-lose Freischreiber-Mitglieder künftig verwenden können, entstehen gerade. Sobald sie fertig sind, werden wir darauf hinweisen. 

 

Freie Journalisten bekommen nur selten Journalistenpreise. Warum?

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass freie Journalisten bei Preisverleihungen meistens leer ausgehen? Es gewinnen fast immer nur Redakteure. Das nervt.

Wir Freischreiber haben deshalb zwölf mögliche Gründe für diesen Umstand zusammengestellt. Bitte sagen Sie uns, welche Begründung Ihrer Meinung nach am ehesten zutrifft. Sie können darüber abstimmen und/oder weitere Gründe in der Kommentarspalte nennen. Also:

Freie Journalisten bekommen nur selten Journalistenpreise....

  • weil sie unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen arbeiten als Redakteure (38 Stimmen).
  • weil sich die Redakteure die interessanten Themen herauspicken und den freien Journalisten den Rest überlassen.
  • weil sie mit Geschichten weniger verdienen und deshalb auch weniger Zeit für Recherche und Textarbeit aufwenden können (36 Stimmen).
  • weil große Themen und große Geschichten fast nie an freie Journalisten vergeben werden.
  • weil sie nicht von hauseigenen Abteilungen auf Einreichungsfristen für Journalistenpreise hingewiesen werden.
  • weil viele Chefredaktionen nur die Texte ihrer eigenen Leute einreichen (36 Stimmen).
  • weil sie in der Regel schlechter sind als festangestellte Journalisten.
  • weil es kaum noch verlags-unabhängige Jurys gibt.
  • weil freie Journalisten im Branchenklatsch nicht so präsent sind.
  • weil die großen Medienhäuser die von ihnen gestifteten Preise am liebsten unter sich aufteilen.
  • weil sich Chefredakteure mit Preisen für freie Journalisten nicht so schmücken können wie mit Preisen für eigene Redakteure (43 Stimmen).
  • weil der „Spiegel“, der viele Journalistenpreise abräumt, praktisch keine freien Journalisten beauftragt.

Und hier geht’s zur Abstimmung (Mehrfachnennungen sind möglich)

Update 9.3.: Bis heute, 11.00 Uhr, haben 70 Leute abgestimmt. Die meisten Stimmen haben die oben gefetteten Antworten erhalten (in Klammern: die bisher erreichten Stimmen). 

Ohne Freie kein Feinschmecker

Gestern hat Madeleine Jakits, "Feinschmecker"-Chefredakteurin, den Stellenwert der Freien in ihrem Magazin erklärt. Heute sagt ein Medienforscher, was er über diesen Stellenwert denkt: Michael Meyen ist Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München.

 

"Die Stärke des Feinschmeckers sind seine Spezialisten. Wer für dieses Magazin arbeitet, muss eine besondere Expertise mitbringen. Er muss sich mit gutem Essen, mit Wein und ähnlichen Themen der Kulinaristik auskennen. Es ist ein Magazin, das sich ohne Freie gar nicht produzieren ließe. Denn das hieße ja, der Verlag müsste einen Stamm von spezialisierten Autoren als feste Redakteure vorhalten, was den Preis enorm nach oben treiben würde.

Ein Beispiel für solches Spezialistenwissen ist im vorliegenden Feinschmecker die Geschichte über die Gastronomie in Berlin, „La dolce vita“: Hier hat sich der Autor offenbar lange und intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Das kann zwar auch ein Redakteur leisten. Aber ich glaube, dass ein Freiberufler das besser macht. Einer, der möglicherweise auch in dieser Stadt lebt und seine ganze Lebenserfahrung mit einbringen kann.

Ohne freie Journalisten würde es den Feinschmecker wahrscheinlich gar nicht geben."

"Wir müssen wirtschaftlich arbeiten können"

Gestern haben wir den "Feinschmecker" ganz ohne freie Mitarbeiter gezeigt. Jetzt spricht Chefredakteurin Madeleine Jakits über die Bedeutung der Freien für ihr Magazin.

Freischreiber: Welchen Stellenwert haben freie Mitarbeiter beim "Feinschmecker"?
Jakits: Wir haben eine ganze Reihe von Freien, die meisten arbeiten schon seit Jahren für uns. Wer das erste Mal ein gutes Restaurant testet, findet alles lecker. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Leute Erfahrung haben und damit die Kompetenz zum Vergleichen – und dass wir uns voll auf ihr Urteil verlassen können.

Freischreiber: Wieviel der Inhalte im "Feinschmecker" stammt denn von diesen Freien?
Jakits: Wenn man alles zusammenzählt, dann könnte es in mancher Ausgabe schon mal die Hälfte sein. Wir schreiben derzeit aus Kostengründen gerade größere Beiträge aber verstärkt selbst.

Freischreiber: Was sind in Ihren Augen freie Mitarbeiter? Überzeugungstäter? Oder gescheiterte Existenzen?
Jakits: Viele waren früher angestellt und haben sich dann selbstständig gemacht. Das sind auf keinen Fall gescheiterte Existenzen, die es einfach nicht bis in eine Redaktion geschafft haben. Manche unserer freien Mitarbeiter sind sogar anderswo fest angestellt und verdienen sich bei uns nur etwas dazu. Es ist ja nicht unangenehm, gut zu essen und dann drüber zu schreiben.

Freischreiber: Und was sind die Freien Ihnen wert? Was zahlen sie?
Jakits: Wir haben feste Preise für die unterschiedlichsten Formate, aber die werde ich hier nicht veröffentlichen. Selbstverständlich unterscheiden wir aber zwischen einem Auftrag, bei dem jemand einfach mal ein spezielles Restaurant testet, und einer großen Recherche, bei der es etwa um die gastronomische Entwicklung in Slowenien oder Los Angeles geht. Ganz wichtig ist, dass wir sämtliche Spesen fürs Essengehen und fürs Übernachten bezahlen. So ist der Autor nicht in der Versuchung, sich einladen zu lassen – was sein Urteil beeinflussen könnte. In letzter Zeit haben wir die Honorare allerdings um rund ein Zehntel drücken müssen, einfach weil unser Budget schrumpft.

Freischreiber: Sie verlangen also gleiche Leistung für weniger Geld? Führt das nicht dazu, dass die Autoren weniger Zeit für die Texte aufwenden und die Qualität sinkt?
Jakits: Im Vergleich etwa zu Tageszeitungen sind unsere Honorare immer noch stattlich. Und, nein, das Dämpfen der Honorare hat bis jetzt nicht zu schlechteren Leistungen geführt. Unsere Freien sind loyal und machen ihre Arbeit gut. Sie wissen auch: Die Konkurrenz schläft nicht. Außerdem kennt jeder, der das Tagesgeschehen verfolgt, die aktuelle wirtschaftliche Lage im Land.

Freischreiber: Wem gehört denn, was die freien Mitarbeiter beim "Feinschmecker" schreiben? Werden Mehrfachverwertungen bezahlt?
Jakits: Bislang wurden die Autoren beteiligt, wenn wir Texte an Dritte verkauft haben. Das kam aber so gut wie nie vor. Mit der Fotografenvereinigung Freelens hatten wir ziemlichen Ärger, weil der Verlag mit den neuen Fotografenverträgen sämtliche Rechte an den Bildern für die gesamte Verlagsgruppe beansprucht. So etwas könnte, wenn man den dahinter stehenden Gedanken weiter denkt, in Zukunft vielleicht auch auf die Schreiber zukommen. Aber mir ist da nichts Konkretes bekannt.

Freischreiber: Da könnten dann doch aber auch die Schreiber Ärger machen?
Jakits: Jeder muss doch sehen, dass es Magazine derzeit nicht ganz leicht haben. Der Verlag könnte wie bei den Fotografen argumentieren: Die Texte und auch der dafür nötige Reiseaufwand sind bezahlt, und wir müssen dann mit den Artikeln wirtschaftlich arbeiten können.

Der Feinschmecker: Freie sind die wichtigste Zutat

Immerhin knapp 87.000 Hefte seiner Genießer-Zeitschrift "Der Feinschmecker" verbreitet der Jahreszeiten-Verlag monatlich, nach eigener Aussage "Deutschlands bestes Food-Magazin". Grund genug für uns, genauer hinzuschauen. Der Feinschmecker besteht hauptsächlich aus Freien. Das heißt nicht nur, das Freie Feinschmecker sind. Sondern auch, dass der Jahreszeiten-Verlag Freie fair behandeln sollte. Denn ohne Freie sähe der Feinschmecker so aus:

 

                  


 

 

Ohne Freie kein "Brand Eins"

Gestern hat "Brand Eins"-Chefredakteurin Gabriele Fischer gesagt, was ihr Magazin ohne die Freien wäre: vor allem nicht so gut und sorgfältig recherchiert wie es ist. Michael Meyen, Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München, kann ihr da heute nur beipflichten:

"'Kartenhäuser, auf Sand gebaut', lautet die Überschrift der Titelgeschichte von 'Brand Eins', die mir vorliegt. Der Autor, ein Freiberufler, hat sich darin mit der Branche der Chiphersteller beschäftigt, mit Forschung und Entwicklung im IT-Bereich. Die Geschichte ist gut geschrieben. Sie belegt, dass sich der Autor lange und intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Das deutet auf eine große Expertise hin. Und Expertise, Spezialwissen, ist etwas, dass Redaktionen von Freien erwarten können. Freiberufler sind Experten. Sie liefern Wissen, das die Redaktion so nicht vorhalten kann.

'Brand Eins' wäre nicht so gut wie es jetzt ist, wenn es alleine von festen Redakteuren produziert werden würde. Denn dann würde der Expertenanteil sinken. Und das Heft würde an Qualität verlieren. Ohne freie Journalisten würde es 'Brand Eins' in seiner jetzigen Form nicht geben."

"Freie sind die, die es geschafft haben ..."

Gestern haben wir gezeigt, wie "Brand Eins" ohne Freie aussehen würde: 68 Prozent des Magazins wären weiß. Jetzt spricht Gabriele Fischer, Chefredakteurin von "Brand Eins", im Interview mit Freischreiber über Qualität durch Freie, die "Brand Eins"-Honorare und negative Folgen, wenn man an den Freien spart.

Freischreiber: Wäre "Brand Eins" ohne freie Mitarbeiter das, was es ist? Könnten Sie überhaupt Ihr Blatt füllen?
Fischer: Es geht nicht darum, Seiten zu füllen – das ließe sich auch mit Pressetexten oder so genannten Gastbeiträgen erledigen. Es geht darum, sie mit guten und sorgfältig recherchierten Texten zu füllen, und das wäre bei "Brand Eins" ohne die freien Kollegen nicht möglich. Ohne sie könnten wir den Lesern nicht die Qualität bieten, die sie schätzen. Zudem bietet uns die Zusammenarbeit mit freien Mitarbeitern die Möglichkeit, Experten aus unterschiedlichen Gebieten zu beschäftigen: Wir haben in unserem Pool Korrespondenten in Südafrika, China oder Russland, aber auch Experten für Biotechnologie oder Telekommunikation – so viele verschiedene Fachkräfte könnten wir uns fest angestellt niemals leisten.


Freischreiber: Mancher Mediengewaltige erklärt aber hinter vorgehaltener Hand, freie Mitarbeiter seien jene, bei denen es nicht bis zum Redakteur gereicht hat. Sind freie Journalisten also Leute, die es halt nicht geschafft haben?
Fischer: Im Gegenteil, viele Freie sind genau die, die es geschafft haben – nämlich wirklich unternehmerisch zu arbeiten. Das kann nicht jeder. Viele unserer Freien bei "Brand Eins" sind auch Überzeugungstäter, die feste Jobs ablehnen, wenn man sie ihnen anbietet. Und: Freie sind meist unabhängige Köpfe. Sie schielen nicht ständig auf ihren Chef, sondern haben eine Vielzahl von Auftraggebern. Diese Unabhängigkeit ist gut für sie – und für uns.

 

Freischreiber: Was sind die Freien Ihnen denn wert? Wieviel zahlen Sie?
Fischer: Wir haben feste Sätze, die wir jedem vorab klar kommunizieren. Für 4000 Zeichen, das ist etwa eine Seite im Heft, gibt es 510 Euro. Bei langen Geschichten, bei denen der Rechercheaufwand nicht im selben Maße wie die Zeichenzahl steigt, halbiert sich ab 12000 Zeichen das Entgelt. Unsere Honorare sind im Vergleich zu anderen, so hören wir, ganz ordentlich.


Freischreiber: Aber sie entsprechen trotzdem eher nicht umgerechnet in Zeit dem Gehalt eines Redakteurs?
Fischer (lacht): Das kommt ganz drauf an, wie schnell und gut jemand arbeitet.


Freischreiber: Oft werden Freie nicht nach der redaktionellen Abnahme ihres Textes bezahlt, sondern erst nach Abdruck. Sie bekommen nicht den letzten Blick auf den redigierten Text. Was halten Sie von solchen Arbeitsbedingungen?
Fischer: Wir zahlen selbst erst nach Druck, weil wir erst dann wissen, wie lang ein Text wirklich ist und wie hoch das entsprechende Honorar. Wenn jemand zu viel Luft in sein Stück gepumpt hat, müssen wir die raus lassen. Wir stehen aber, so denke ich, nicht in dem Ruf, Artikel aus Geiz schrumpfen zu lassen. Den letzten Blick gewähren wir unseren Freien nicht, weil dafür in unserer knappen Produktionswoche einfach keine Zeit ist. In aller Regel wird das akzeptiert.


Freischreiber: Wem gehört das, was freie Journalisten schreiben? Ist es richtig, wenn ein Autor mit seiner Arbeit nur einmal Geld verdient, ein Medium aber mehrfach?
Fischer: In unserem Autorenbriefing sind die Verwertungsrechte klar geregelt, zum Beispiel stellen wir die Artikel aus "Brand Eins" grundsätzlich online, der Schwerpunkt wird zudem vertont. Aber damit verdienen wir bestenfalls Cent-Beträge, wichtiger ist der Marketingeffekt – für uns und übrigens auch für den Autor. Wenn wir hingegen Geschichten an Dritte weiter verkaufen, erhält der Autor zwei Drittel des Ertrags.

 

Freischreiber: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen freier Journalisten und der Qualität der Texte?
Fischer: Aber sicher. Ich bekomme Qualität, wenn ich bereit bin, dafür zu bezahlen. Ein Blatt auf Kosten der Freien gesund zu sparen, wäre nicht sehr klug. Denn es wäre Betrug am Leser. Und der merkt das.

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