4. September 2013

Wer schreibt, der kommt – ins Gespräch

Früher, in einer Zeit, in der viele beim Wort Email noch an Porzellan dachten, warb die Deutsche Post mit dem Spruch „Wer schreibt, der bleibt.“ Inzwischen hat sich viel geändert. Wenn man in Behörden oder Firmen anruft und eine Frage hat, ist die Standardantwort nicht mehr „Tut mir leid, der ist gerade in einer Besprechung“, sondern: „Können Sie mir dazu eine Email schicken?“ SM steht nicht mehr für Sexualpraktiken mit Lack und Peitsche, sondern ist die Abkürzung für Social Media, also ist es auch Zeit für einen neuen Slogan: „Wer schreibt, der kommt.“ Und zwar: ins Gespräch. Vor einigen Wochen haben über zwanzig Kollegen zusammen einen Brief an die Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien geschrieben, in dem sie gegen die Rahmenvereinbarung protestiert haben, die der Verlag seit dem Frühjahr verschickt. Der Verlag reagierte und lud Freischreiber zu einem Treffen nach Hamburg, das in der vergangenen Woche stattfand. In diesem Gespräch haben Benno Stieber und Kai Schächtele aus dem Freischreiber-Vorstand nicht nur grundsätzlich klar gemacht, wie tief der Frust bei vielen Freien inzwischen angesichts von Rahmenvereinbarungen sitzt, die den Verlagen den größtmöglichen Handlungsspielraum zum niedrigstmöglichen Preis bescheren sollen. Sie haben auch mit der Geschäftsführenden Redakteurin Isabelle Arnold und dem stellvertretenden Leiter der Rechtsabteilung Martin Soppe über die einzelnen Punkte gesprochen, die aus unserer Sicht inakzeptabel sind (der DJV hat gegen die Vereinbarung Klage eingereicht, über die demnächst entschieden wird). Die für die Autorinnen und Autoren der Wirtschaftsmedien wichtigste Botschaft dieses Gesprächs lautet: Die Rahmenvereinbarung wird derzeit zwar noch verschickt, der Verlag besteht allerdings nicht aufs Unterzeichnen, weil im Hintergrund bereits an einer verlagsweiten Vereinbarung gearbeitet wird, die dann auch die der Wirtschaftsmedien ersetzen wird und hoffentlich um ein paar der Punkte ärmer sind, die so vielen Freien sauer aufstoßen. Auch der gute alte Brief wird also noch gelesen. 40 Autoren, die für SPIEGEL ONLINE arbeiten und unter anderem nicht mehr zufrieden sind damit, dass der SPIEGEL-Verlag seine Honorare seit zehn Jahren nicht verändert hat, haben sich an den Wirtschaftsautoren ein Beispiel genommen und einen Brief an Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron geschickt. Darin heißt es unter anderem: „Einige der in den,Bedingungen über Nutzungsrechte‘ aufgeführten Punkte halten wir für nicht mehr zeitgemäß. Dieser Vertrag wurde uns gegenüber von Redakteuren aus Ihrem Haus auch als,Knebelvertrag‘ bezeichnet. Wir lassen uns jedoch ungern knebeln und würden uns ein professionelles Arbeitsverhältnis auf Augenhöhe wünschen.“ Wir werden Sie darüber auf dem Laufenden halten, ob Müller von Blumencron mit einem Brief oder einer Email antworten wird.


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