10. September 2010

Der Freischreiber-Zukunftskongress am 18. September. Silke Burmester: „Wir möchten Blumen pflücken und sollen lernen, wie man Pflugmaschinen zusammenbaut“

Der Countdown läuft: In einer Woche findet der Freischreiber-Zukunftskongress statt. Bislang haben sich über 160 freie Journalistinnen und Journalisten angemeldet, noch gibt es genug Platz für jeden, der sich wie wir denkt: „Zukunft ist das, was wir daraus machen.“ An dieser Stelle haben wir in den vergangenen Wochen Teilnehmer und Referenten des Kongresses vorgestellt, darunter den Internet-Vordenker Peter Glaser, die stellvertretende Freischreiber-Vorsitzende Eva-Maria Schnurr und die Chefredakteurin des medium magazins Annette Milz. Diesmal beantwortet Silke Burmester unsere Fragen. Sie wird sich in einer Live-Glosse am Vormittag outen: „Hilfe, ich kriege mein Leben nicht organisiert!“ 1. Silke, Du warst Teil des Teams, das im April in Frankfurt den Kongress vorbereitet hat. Warum hast Du dafür ein ganzes Wochenende geopfert? Aus Eigennutz. Mir geht es häufig so, dass ich auf Veranstaltungen denke: Was soll das denn? Was ist das denn für ein Idiot, wie kann man nur so einen Schwachmaten einladen? Oder dass ich das Programm nicht stimmig finde. Mir fällt es generell schwer, irgendwo Mitglied zu werden. Als ich hörte, dass Freischreiber, „mein“ Verein, einen Kongress abhält, stellte sich sofort vorauseilendes Fremdschämen ein, weil ich dachte, „oh, weih, wenn das peinlich wird …“ Dann kam mir der Gedanke, dass ich selbst schuld sein würde, weil ich ja die Möglichkeit habe, die Veranstaltung mitzugestalten. Das ist ein guter Weg, aus der Fremdbestimmung herauszukommen und Dinge in eine Richtung zu lenken, die man für sinnvoll hält. Das auf dem Vorbereitungstreffen entwickelte Motto „Mach´s dir selbst“ war also schon im Vorfeld der richtige Weg. 2. Du wirst selbst auf der Bühne sitzen, um darüber zu sprechen, wie schwierig sich freie Journalisten als Unternehmer tun. Warum ist das nach Deiner Wahrnehmung so? Ich habe meinen Beruf gewählt, weil ich mit 16 Jahren dachte, ich könnte gut schreiben. In Mathe hatte ich eine sechs. Ich habe meinen Beruf gewählt, weil ich neugierig bin, weil ich Leute spannend finde, weil es eine der größten Freuden ist, für Erlebtes und Gedachtes die passenden Worte zu finden. Wenn ich so ein geiler Ego-Shooter wäre, der Spaß daran hätte, ständig überzeugende Geschäftsmodelle zu entwickeln oder zu überlegen, wie noch mehr Geld und noch mehr Geld rauszuholen ist, wäre ich in die Werbung gegangen oder Banker geworden. Ich hasse diese Art zu denken und will so nicht sein. Ich glaube, dass es vielen von uns so geht: Wir möchten Blumen pflücken und sollen lernen, wie man Pflugmaschinen zusammenbaut. Das eine hat mit dem anderen nicht viel zu tun. 3.Haben freie Journalisten trotzdem eine Zukunft – und wenn ja, was für eine? Sicher haben sie das. Die Frage ist nur, wie viele das sein werden. Wie viele werden davon leben können, als „klassischer“ Freier zu arbeiten? Viele werden sicher ihre Position innerhalb der verschiedenen und vor allem der neuen Medien finden. Die Frage ist aber, zu welchen Bedingungen? Natürlich kann ich mir verschiedenste Geschäftsmodelle mit Hilfe der neuen Technologien aufbauen. Ich befürchte allerdings, dass die Einkünfte, die sich daraus generieren lassen, so gering sein werden, dass man wie eine Beknackte auf x Hochzeiten gleichzeitig tanzen muss. Das kann es nicht sein.


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