Was verbirgt sich „Hinter den Zeilen“? Unsere Vorsitzende Carola Dorner fand es im Gespräch mit den Nachwuchs-Journos Tobias und Niklas heraus. In ihrem Podcast werfen die beiden einen kritischen Blick auf Journalismus aus Sicht von Neuschreibenden. Sie zeigen, was in der Bubble schlecht läuft und stellen Lösungswege vor. Carola erzählt in der aktuellen Folge vom Leben als Freie – und natürlich von uns Freischreibern.

„Der Einstieg in den Journalismus: schwer. Am Anfang frei zu arbeiten: noch schwerer. Wie es gelingen kann, zeigt diese Folge mit Tipps und Erfahrungen von prominenten Gästen: Die Investigativjournalistin Pascale Müller erzählt, wie sie ihre Arbeit finanziert (Spoiler: die Honorare der Redaktionen reichen nicht) und was in der Branche verkehrt läuft. Malcolm Ohanwe, Reporter und Moderator, erzählt, wie er sich mit harter Arbeit sein heutiges Standing erkämpft hat. Und Freischreiber-Vorsitzende Carola Dorner hat noch eine Menge Tipps für Freie. Als Bonus findet ihr in den Shownotes eine Liste mit nützlichen Tools für die Arbeit.“

Folge #11 „Wie freies Arbeiten gelingt – Der Branche zum Trotz“ hört ihr hier.

Die Mitgliederversammlung von :Freischreiber hat am 9. November 2019 einen neuen Vorstand gewählt.

Carola Dorner, Jakob Vicari, Katharina Jakob, Jens Eber und Katharina Dockhorn (in Abwesenheit) wurden im Amt bestätigt. Nicola Kuhrt, Caroline Schmidt-Gross, Anna Heidelberg-Stein und Oliver Eberhardt sind neu dazu gekommen. Herzlichen Glückwunsch! Aus dem alten Vorstand waren Frank Keil, Gabriele Meister, Steve Przybilla und Andreas Unger nicht mehr angetreten. Freischreiber dankt ihnen an dieser Stelle für ihr jahreslanges ehrenamtliches Engagement. Als Vorstandspraktikantin unterstützt das Team weiterhin Lea de Gregorio. Mehr zum neuen Vorstand hier.

Hamburg, 11.10.2019

Liebe Freischreiberinnen, liebe Freischreiber,

bevor wir uns am 9.11. bei unserem allerersten Freischreiber-Betriebsausflug von Hamburg nach Himmelpforten reisen (und dann über Teufelsbrück wieder zurück), werden wir uns am Vormittag bei unserer Mitgliederversammlung ein wenig mit uns selbst beschäftigen. Mit dem Verband Freischreiber, wie er vor elf Jahren gedacht und gegründet wurde und wie wir Mitglieder ihn in die Zukunft führen.

Seit der Gründung von Freischreiber im Jahr 2008 ist der alles bestimmende Vereinszweck, freie Journalistinnen und Journalisten so zu unterstützen, dass sie selbstbestimmt ihrer Arbeit nachgehen können, angemessene Honorare erzielen und faire Vertragsbedingungen aushandeln können. Seit dem ersten Tag in der Vereinsgeschichte ermutigt Freischreiber dazu, eigene Wege zu gehen, eigene Unternehmungen zu wagen, neue Geschäftsideen auszuprobieren und sich im besten Sinne selbst zu ermächtigen, den schönsten Beruf der Welt so zu gestalten, wie es jedem einzelnen und jeder einzelnen von uns gefällt. Sich von Verlagen zu lösen, auf unwürdiges Zeilengeld zu pfeifen, mutig zu sein. Vielleicht erinnert ihr euch an das Motto des ersten Freischreiber-Kongresses: Mach’s dir selbst.

Das Schöne daran ist: Genau das tun viele von uns inzwischen. Gründen journalistische Start-ups oder Genossenschaften, schließen sich mit Kolleginnen und Kollegen für kleine Projekte und große Recherchen zusammen. Es gibt Freischreiberinnen und Freischreiber die mit dem klassischen Geschäftsmodell gut fahren. Und es gibt Freischreiberinnen und Freischreiber die Neues ausprobieren und trotzdem oder gerade deshalb den freischreiberigen Geist der Gründerinnen und Gründer in die Zukunft tragen. Allein: Unsere Vereinssatzung sieht dieses Mutige und Neue bislang nicht vor.

Deshalb diskutieren wir seit Monaten in Slack unter #mitgliedschaft2023, wir haben auf der letzten Klausurtagung mit Hingabe gestritten, wer denn ein „typischer Freischreiber“ oder eine „typische Freischreiberin“ heute ist. Wie sie arbeiten, wie sie ihr Geld verdienen, und ob das, was sie tun, mit der Idee von Freischreiber kompatibel ist.

Wem das zu abstrakt ist: Wir haben diese fiktiven Personen nicht nur gebastelt, sondern zum besseren Verständnis auch gezeichnet und mit Mini-Biografien versehen. Hier könnt ihr euch anschauen, wer eure Kolleginnen und Kollegen sind, und wo wir die Grenzen sehen.


Damit wir Freischreiberinnen und Freischreiber, die im freien Journalismus mutig neue Wege gehen, nicht bald rausschmeißen müssen, weil es das, was sie heute tun, vor zehn Jahren schlicht noch nicht gab, ist es nötig unsere Satzung anzupassen. Die Anträge dazu findet ihr unten. Dazu auch die offizielle Einladung zur Mitgliederversammlung und die Tagesordnung. Zudem findet ihr einen Antrag, die vorläufige Mitgliedschaft aufzuwerten und auch vorläufigen Mitgliedern zu ermöglichen, in den Vorstand gewählt zu werden, und schließlich zwei Formalitäten, die in der bisherigen Satzung schlicht fehlten. 

EINLADUNG ZUR MITGLIEDERVERSAMMLUNG

Liebe Mitglieder,

es geht um nichts weniger als die Zukunft der Freischreiber und die Diskussion, wer bei uns Mitglied werden darf. Deshalb kommt heute ganz offiziell, formell und fristgerecht unsere Einladung zur Mitgliederversammlung am 9. November 2019 in Hamburg. Bitte lasst euch von diesem Vereinsjargon nicht abschrecken und kommt zahlreich, denn obwohl es offiziell natürlich eine Mitgliederversammlung bleibt, haben wir uns alle Mühe gegeben, den Tag locker und flockig zu gestalten – mit Netzwerken und Boxworkshop.

Wir starten mit einem lockeren Beisammensein am Freitagabend (8. November) im Hummel & Quiddje (Bernstorffstraße 66, Hamburg–Schanze) ab 19 Uhr.

Am Samstag fangen wir um 9 Uhr in der CoWorkBude 14 in Hamburg–Winterhude (Forsmannstr. 14B, 22303 Hamburg ) mit einem kleinen Frühstück mit Möglichkeit zu Austausch und Netzwerken an.

Danach starten wir mit einer Vorstellungsrunde (Begrüßung) den offiziellen Part, zeigen euch fix, was im vergangenen Jahr so alles passiert ist (Rechenschaftsbericht samt Entlastung des Vorstands), tauschen uns noch ein wenig untereinander aus, bevor wir einen Blick auf die Finanzen riskieren (Rechenschaftsbericht, Bericht des Kassenprüfers, Entlastung).

Schließlich geht es um die Zukunft von Freischreiber: die geplante Öffnung hin zu  Journalist*innen, die nicht nur als Einzelperson unternehmerisch tätig sind (siehe dazu Diskussion in Slack #mitgliedschaft2023, die Mitglieder-Email vom 17.9.2019 und Satzungsänderungsanträge. Wir erwarten eine spannende Diskussion).

Das macht natürlich müde, weswegen wir im Anschluss unsere leeren Speicher mit einem leckeren Mittagessen auffüllen und die überschüssige körperliche Energie in einem kleinen Box-Workshop loswerden.

Anschließend laden wir euch dazu ein, euren Ärger, aber natürlich auch euer Lob loszuwerden (Aussprache), bevor über die vorliegenden Anträge abgestimmt und der neue Vorstand gewählt wird.

Die offizielle Tagesordnung sowie alle bei uns eingegangenen Satzungsänderungsanträge findet ihr hier.

Und damit ihr noch mehr Lust bekommt, nach Hamburg zu kommen, laden wir euch anschließend, gegen 15.30 Uhr, zu einem Betriebsausflug ein – einer Busfahrt samt Himmel- und Höllepreisverleihung über Himmelpforten und Teufelsbrück zurück nach Hamburg. Lasst euch überraschen, was wir  währenddessen geplant haben. An Verpflegung haben wir gedacht. Die Fahrt endet gegen 20 Uhr am Freischwimmer (Fruchtallee 1, Hamburg–Eimsbüttel), wo wir den Abend stilecht beim Kegeln ausklingen lassen.

Das wollt ihr sicher nicht verpassen? Dann schreibt doch gleich eine E-Mail an kontakt@freischreiber.de und meldet euch verbindlich an. Schreibt doch bitte dazu, ob ihr am Freitagabend, am Samstag zur Mitgliederversammlung, am Samstag zur Busfahrt und am Samstagabend im Freischwimmer dabei seid. Die Plätze im Bus sind begrenzt!

Wir freuen uns auf euch!

Wer Fragen dazu hat, möge sich gerne melden. Und wer Lust hat, sich für Freischreiber zu engagieren, bitte auch!

Mit Dank & Gruß
euer Freischreiber-Vorstand

PS: Wir überlegen während der Mitgliederversammlung eine Kinderbetreuung anzubieten. Gibt es Bedarf? Dann meldet euch bitte bis 10. Oktober mit Alter und Name des Kindes verbindlich an. Danke.

Tagesordnung Mitgliederversammlung 09.11.2919 (PDF)
Anträge Satzungsänderung (PDF)

Hamburg, 03. Oktober 2019

Sterben die Arbeitstiere in den Medien aus? Oder fehlt es Redakteuren und Freien gegenüber an Wertschätzung?

Christian Lindner schrieb in seiner kress-Kolumne „Personalfragen“  vom 19. September über die Zeit, als 50 Wochenstunden plus x stoisch ertragen oder stolz vor sich hergetragen wurden. Freischreiber-Vorstand Jens Eber antwortet darauf: Wenn Medientalene mehr brennen sollen, brauchen sie mehr Wertschätzung: „Wer junge Talente haben und binden will, die ihren Beruf lieben und für ihn brennen, der muss keine goldenen Schreibtische bieten, aber Perspektive und ein bisschen Sicherheit, ja, auch finanziell. Das gilt unbedingt auch für freie Journalisten: Viele Verlage müssen sich nicht wundern, wenn ihnen die Autoren schleichend abhanden kommen. Mickrige Honorare und Buy-Out-Verträge mit teils absurden Klauseln führen ganz bestimmt nicht zu treuen Mitarbeitern, die einem Verlag immer ihre besten Ideen anbieten. Und das darf die Branche ruhig als Verlust verstehen, denn unter den freien Journalistinnen und Journalisten sind exzellente Könner mit fundierter Ausbildung nicht die Ausnahme.“

24. September 2019

 

 

Gemeinsam mit der Digitalen Gesellschaft e.V., dem Chaos Computer Club e.V. und Heart of Code e.V. hat Freischreiber ein Bündnis geschlossen, um gegen die EU-Urheberrechtsreform zu protestieren. Am 2. März 2019 um 13 Uhr demonstrieren wir in Berlin. Hier ist der Aufruf des Bündnisses:

Die EU-Urheberrechtsreform schreibt vielen Internetseiten und Apps vor, von Nutzerinnen und Nutzern hochgeladene Inhalte auf Urheberrechtsverletzungen zu prüfen. Praktisch allen Plattformen, die Nutzerinhalte hosten, droht damit die Pflicht, Uploadfilter einbauen zu müssen. Dieses neue Urheberrecht macht nicht nur Nutzerinnen und Nutzern, sondern auch Urheberinnen und Urhebern das Leben schwer.

Uploadfilter sind gefährlich für das freie Netz. Sie richten sich direkt gegen netzkulturelle Phänomene, gegen Meme, Youtube-Videos, Remixe und all den Spaß, den viele so lieben. Sie richten sich gegen Innovation, gefährden neue und alte Projekte. Sie richten sich aber auch gegen das freie Wort. Zum Beispiel treffen sie Whistleblower, die geschütztes Material zur Aufdeckung von Missständen hochladen. Sie stärken die Macht der großen Konzerne gegenüber Newcomern. Und das sind nur die unmittelbaren Auswirkungen.

Urheberinnen und Urheber profitieren von dem aktuellen Gesetzesentwurf nicht! Das Leistungsschutzrecht in Artikel 11 soll vor allem Verlagen neue Einnahmen sichern. Artikel 12 benachteiligt Autoren, Kreative und andere Urheber. Und die Uploadfilter in Artikel 13, gegen die wir am 2. März 2019 auf die Straße gehen, schützen nicht etwa die eigentlichen Urheberinnen und Urheber, sondern sie behindern ihre Arbeit.

Netz-Biotope sind bedroht. Viele kleinere Plattformen können den technischen Aufwand für derartige Filter gar nicht leisten. Schier unendlich ist die Anzahl der urheberrechtlich geschützten Werke, gegen die jeder einzelne Upload geprüft werden muss. Sie werden daher gezwungen sein, die Filter an externe Dienstleister wie Google auslagern zu müssen. Und sie haften für den Inhalt der Nutzer.

Journalismus ist kein Beifang. Aber die Upload-Filter machen Fehler. Automatisierte Filter sind überhaupt nicht in der Lage, den Kontext von Inhalten einzuschätzen und daher sehr fehleranfällig. Sie können weder zwischen Urheberrechtsverletzungen und schöpferischen Adaptionen unterscheiden, noch zwischen Terrorpropaganda und Berichterstattung über Terrorismus. Die Plattform Youtube, die solche Filter bereits auf freiwilliger Basis einsetzt, sperrte zehntausende Videos, die Kriegsverbrechen dokumentierten, weil in ihnen IS-Flaggen zu sehen waren.

Meinung braucht keine Auto-Korrektur. Mit wenig Aufwand kann die jetzt aufzubauende Upload-Infrastruktur auch für ganz andere Zwecke missbraucht werden: Was heute für die Durchsetzung von Urheberrechten genutzt wird, kann morgen schon für die Unterdrückung missliebiger politischer Meinung und Information genutzt werden. Sind die Uploadfilter einmal da, werden sie Begehrlichkeiten wecken bei allen, denen Demokratie und Meinungsfreiheit schon immer ein Dorn im Auge war. Die geplante EU-Verordnung gegen Terrorpropaganda ist da nur der erste Schritt.

Wir haben kein Vertrauen in Black-Boxes. Die geplanten Uploadfilter werden massive Auswirkungen auf die Meinungs- und Pressefreiheit haben. Der Zivilgesellschaft fehlen dabei sämtliche demokratische Kontrollmöglichkeiten, um Missbrauch zu verhindern, denn die Algorithmen der Filter sind nicht öffentlich einsehbar. Dafür legt die Einführung einer automatisierten Inhaltskontrolle auf vielen Internetplattformen und Apps den technischen Grundstein für eine mögliche Zensur- und Kontrollinfrastruktur.

Und sie hilft dabei noch nicht einmal den Urheberinnen und Urhebern, eine faire Entlohnung zu bekommen.

Wir wollen uns nicht filtern lassen.

Wir fordern die Abgeordneten des Europaparlamentes auf, die EU-Urheberrechtsreform in der jetzigen Fassung abzulehnen!

Starten Sie einen neuen Anlauf für eine Reform, die Grund- und Freiheitsrechte nicht bedroht!

Dafür werden wir im Namen der Demokratie und des freien Internets am Samstag, den 2. März auf die Straße gehen!

Dürfen wir vorstellen: der neue Freischreiber-Vorstand.

Ihr habt in Frankfurt auf der Mitgliederversammlung einen neuen Vorstand gewählt. Auf dem Bild seht ihr (v.l.): Steve Przybilla (Freiburg), Katharina Jakob (Hamburg), Gabriele Meister (Mainz), Jakob Vicari (Lüneburg), die neue Vorsitzende Carola Dorner (Berlin), Andi Unger (München), Frank Keil (Hamburg). Nicht im Bild: Peter Neitzsch (Hamburg). Mehr Infos zum Vorstand und der Aufgabenverteilung lest ihr auf der Seite „Vorstand„. Aus dem Vorstand ausgeschieden sind: Benno Stieber, Freischreiber-Gründungsmitglied und lange Jahre Vorsitzender sowie Urheberrechtsexperte Henry Steinhau. Herzlichen Dank für euer Engagement, ihr werdet uns fehlen! Und dem neuen Vorstand einen guten Start und gutes Gelingen!

Einen Teil der Mitgliederversammlung hat Kollege Daniel Bouhs u.a. für #mediasres (Deutschlandfunk) begleitet. Was haben wir in den letzten Jahren als Verband erreicht? Wo hakt es? Wo wollen wir noch hin? Lest (und hört) ihr hier:

 

Anfang Juni starteten wir unsere Kampagne „Freie am Hebel – für ein faires Urheberrecht“, um unsere Positionen und Forderungen für eine Stärkung der Urheber deutlich zu machen.

Erste Bilanz: Die Kampagne lebt

Den Auftakt machte Karl Urheber mit seinem Plädoyer, die bedrohliche Verwertungsmaschine umzubauen. Der gut gekleidete Kollege mit den grünen Füßen wurde umgehend Sympathieträger und Symbolfigur der freien Schreiberinnen und Schreiber. Und bei ihm gingen Dutzende Vorschläge für Hebel, Räder und Knöpfe ein, die für Urheberinnen und Urheber notwendig und nützlich wären.

Zugleich forderten wir euch auf, direkt an Bundestagsabgeordnete heranzutreten, um sie auf die Lage von freien Journalistinnen und Journalisten und die wirklich dringende Urheberrechtsreform aufmerksam zu machen. Gerade weil der Entwurf der Bundesregierung uns Urhebern viel zu wenig bringen würde, wie wir in unserer Stellungnahme darlegen, können und sollen sich die Abgeordneten in diesen und den kommenden Wochen ins Gesetzesverfahren einmischen und den Entwurf verbessern. Und was soll man sagen? Ihr seid große Klasse! Die Kampagne lebt – durch die Mitglieder!

Viele Briefe – und viele Antworten!

Wirklich sehr viele haben Briefe an Abgeordnete gesandt und – besser noch – darauf auch Antwort erhalten, von nahezu von allen im Bundestag vertretenen Parteien. Beispielsweise antworteten Abgeordnete aus Hamburg, Freiburg, Düsseldorf, Karlsruhe und Bochum. In Baden-Württemberg gab es daraufhin sogar eine Kleine Anfrage an den Landtag bezüglich der Auswirkungen des Martin-Vogel-VG-Wort-Urteils des Bundesgerichtshofs. Dieses Urteil hatte uns im Frühjahr darin bestärkt, Martin Vogel den Freischreiber-Himmel-Preis 2016 zu verleihen.

In ihren Antwortbriefen zeigen sich praktisch alle Abgeordneten aufgeschlossen gegenüber unseren Forderungen; fast alle sagten zu, sich in die Diskussionen um einzelne oder mehrere Änderungen des vorliegenden Reformentwurfs einzumischen, damit die Urheber-Position doch noch nachhaltiger gestärkt werden kann. Beispielsweise durch verbesserte Schiedsverfahren bei den Verhandlungen zu gemeinsamen Vergütungsregeln. Oder durch Regelungen, die verhindern, dass Urheber in Total-Buy-out-Verträge gezwungen werden können.

Das bringt Bewegung in den Reformprozess

All diese Antworten zeigen, dass man die Angeordneten für das Urheberrecht sensibilisieren und sie erreichen kann. Idealerweise sorgt das also für Bewegung im Reformprozess, insbesondere für die entscheidenden Gespräche zwischen den Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD.

Gespräche des Vorstands mit PolitikerInnen in Berlin

Des Weiteren führte und führt der Freischreiber-Vorstand Gespräche mit den Abgeordneten, die für ihre Fraktionen in den Ausschüssen für Medien- und Rechtsfragen arbeiten sowie als Berichterstatter zur Urheberrechtsreform. So sprachen der Freischreiber-Vorsitzende Benno Stieber und Vorstandsmitglied Henry Steinhau im Bundestag mit Stefan Heck von der CDU und Christian Flisek von der SPD.

Seitens beider Politiker gab es großes Interesse für die Auskunftspflicht und das Rückrufrecht, die Ausgestaltung beider Punkte seien noch in der Diskussion. Insbesondere die SPD signalisierte, dass es im kommenden parlamentarischen Reformentwurf vermutlich Änderungen gegenüber dem Regierungsentwurf geben könnte, mit denen man die Urheber mehr stärken könnte.

Tatsächlich legte der Arbeitskreis Urheberrecht der SPD-Bundestagsfraktion wenige Tage später ein Thesenpapier vor:  Hierin betrachten die Abgeordneten unter anderem die geplanten Ausnahmen für „untergeordnete Beiträge“ als überflüssig, zudem fordern sie separate Vergütungen für jede Werknutzung als „Regel“ sowie einen erweiterten Auskunftsanspruch von Urhebern gegenüber Verwertern. Auch dieses Thesenpapier zeigt, dass der Reformprozess noch im Fluss ist.

In den kommenden Tagen und Wochen hat der Vorstand noch weitere Gespräche in Berlin, etwa im Kulturstaatsministerium sowie mit den Linken und den Grünen.

Beteiligung der Verleger an VG-Wort-Tantiemen soll schnell noch ins Gesetz

Eines ist in diesem Zusammenhang noch wichtig zu berichten: Die sogenannte Verlegerbeteiligung an den gesetzlichen Vergütungen – Stichwort: VG-Wort-Tantiemen – wurde kurzfristig direkt in das Gesetzgebungsverfahren zum Urhebervertragsrecht einbezogen. Die Verleger und weitere Interessengruppen wollen sich mit dem VG-Wort-Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) nicht abfinden, und es gibt bereits politische Schritte, eine nachträgliche Gesetzesänderung zugunsten der Verlegerbeteiligung umsetzen zu wollen.

Ganz offenbar werden diese Vorhaben auch als Verhandlungsmasse genutzt, um einzelne Formulierungen der Urheberrechtsreform durchzusetzen – oder eben zu blockieren. Wir Freischreiber sind gegen die Verlegerbeteiligung. So hat es ja auch der BGH entschieden, daher sprechen wir uns auch gegen eine nachträgliche Gesetzesänderung aus, die in die Urheberrechtsreform hineingemogelt werden soll.

Reformprozess läuft mindestens bis Herbst – also unbedingt weitermachen!

Wie die geplante Urheberrechtsreform nun ausfallen und wie gut sie uns freien Journalisten nützen wird, ist derzeit noch überhaupt nicht ausgemacht. Es gibt weiterhin heftige Debatten, die sich bis in den Herbst oder auch länger hinziehen können.

Wir tun also alle gut daran, unsere Positionen weiter in die Öffentlichkeit und in die Politik zu tragen. Also, macht unbedingt weiter, nutzt etwaige Sommerlöcher und schreibt Briefe, wendet euch an Abgeordnete.

Macht eure Lage, macht die Position freier Journalistinnen und Journalisten deutlich. Wir freien Urheberinnen und Urheber brauchen ein starkes, verbessertes Urheberrecht ebenso wie die Tantiemen der VG Wort.

Und dafür braucht es viele gute Hebel an der Verwertungsmaschine und Augenhöhe mit den Verwertern!

www.freischreiber.de/freieamhebel

#freieamhebel

Unser Freund und ehemaliger Vorstandskollege Michael Schomers ist an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. Wir sind in Gedanken bei seiner Familie und behalten ihn in Erinnerung, wie wir Freischreiber ihn kennengelernt haben: lebensfroh, humorvoll, engagiert.

Michael Schomers war ein erfahrener und humorvoller Kollege, der nie die Lust verloren hat, mit Jüngeren Neues auf den Weg zu bringen. So war er schon gleich nach der Gründung neugierig auf Freischreiber. Später im Vorstand hat er unseren Horizont auf die Situation der Fernseh-Journalisten und Dokumentare erweitert und war mehr als einmal auch der ausgleichende Faktor bei Diskussionen.

Ich habe immer seine Energie bewundert, mit der er seine oft sehr langfristigen Projekte vorangetrieben hat. Er hat trotz seiner Krankheit bis zuletzt engagiert gearbeitet und sich als vermeintlich Alzheimerkranker für einen Film des NDR für eine Undercoverrecherche in zwei Altersheime einweisen lassen. Ein echter Reporter eben.

Danke lieber Michael, dass wir ein Stück zusammen gehen durften.

Benno Stieber, Vorsitzender

 

Foto: Thomas Panzau http://www.fotografieren.net/

 

 

 

Diesen Termin könnt Ihr Euch schon einmal rot im Kalender anstreichen, eingeladen sind alle ordentlichen Freischreiber-Mitglieder. Eine offizielle Einladung und genaue Infos zum Ablauf folgen.