Medienpolitischer Dialog. Deutschland braucht weiterhin ein duales System mit öffentlich-rechtlichen und privaten Medienanstalten. Dafür braucht es nun mehr Transparenz, mehr Teilhabe und Dialog mit den Nutzer:innen der Angebote der Öffentlich-Rechtlichen. Darin waren sich alle Redner:innen des Medienpolitischen Dialogs einig, zu dem die SPD-Bundestagsfraktion am 22. September vor dem Hintergrund der Geschäftspraktiken beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) geladen hatte. 

Von einer Vertrauenskrise sprach Staatssekretärin Heike Raab, Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund für Europa und Medien. Dr. Susanne Pfab, Generalsekretärin der ARD, bezeichnete die Vorkommnisse der letzten Monate gar als größte Krise in der ARD. Eine Krise sah auch Prof. Frank Überall, Bundesvorsitzender Deutscher Journalisten Verband (DJV). Es sei zwar eine Krise des Systems, aber keine Systemkrise.

Dr. Sigrid März, Freischreiber-Vorsitzende, wandte sich mit einem Appell an alle Anwesenden: „Es wurde heute viel über Kontrolle, Transparenz und Teilhabe gesprochen. Ich möchte an dieser Stelle eine Gruppe von Menschen ansprechen, die bisweilen unter den Tisch fallen, wenn es um Kontrolle und Teilhabe geht.

Lassen Sie mich dafür ein paar Zahlen nennen. Auf etwa 28.000 Festangestellte bei den Öffentlich-Rechtlichen kommen etwa 18.000 feste Freie. Wie viele – ich nenne sie mal – freie Freie es darüber hinaus gibt, ist unklar, denn die zählt niemand. Beim rbb sind die Zahlen ähnlich, dort kommen auf 2.000 Festangestellte rund 1.500 Arbeitnehmerähnliche.

Sigrid März

Diese freien Journalist:innen liefern als freie Autor:innen, Redakteur:innen und Reporter:innen einen Großteil des Programms. Sie machen den kritischen und unabhängigen Journalismus, von dem hier immer wieder gesprochen wird.

Gleichzeitig haben die Freien in einigen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nach wie vor keine Stimme, kein Mitsprache- oder Wahlrecht.

Und gleichzeitig sind die Freien die, die als erste weggespart werden, wenn Sender verschlankt werden oder Kürzungen anstehen. Das bringt die freien Journalist:innen in eine prekäre Situation, abgesehen von den sowieso dringend überarbeitungswürdigen Honorierungsmodellen.

Herr Überall, Sie sprachen es eben an: Die Zahl der Angriffe auf Reporter:innen hat in den letzten Jahren erneut zugenommen. Häufig sind es die Freien, die die Wut der Öffentlichkeit hautnah miterleben, wenn sie auf der Straße oder in den sozialen Medien verbal oder gar physisch angegriffen werden.Um es noch einmal zu veranschaulichen: Im Fall des rbb sind also mehr als 40 Prozent der rbb-Beschäftigten, die gleichzeitig einen Großteil der kritischen Berichterstattung stemmen, stimm- und damit machtlos sowie mit prekären Arbeitsbedingungen konfrontiert.

Damit entfällt eine immens wichtige interne Kontrollfunktion, die möglicherweise manch Krise verhindert hätte.

Freienvertretungen in betroffenen Öffentlich-Rechtlichen fordern schon lange Sitze in Personalvertretungen und anderen Kontrollgremien, kurzum mehr Mitbestimmungsrecht.

Wir fordern, wie die Freienvertretungen auch, angemessene Honorare und soziale Absicherung, damit wir von unserer Arbeit leben und weiterhin unabhängig und kritisch berichten können.

Frau Raab, Sie sagten es vorhin: Wir müssen über Kontrolle und Teilhabe sprechen, über Veränderungen der Strukturen. Auch Sie sprachen dies an, Frau Pfab: Teilhabe und Dialog mit den Nutzer:innen der Programminhalte sei wichtig. Ich stimme Ihnen zu, aber erweitern Sie den Kreis der Menschen, mit denen Sie in den Dialog treten, um Ihre freien Mitarbeiter:innen.

Sie können viel über Transparenz und Compliance sprechen. Aber planen Sie Neustrukturierungen und Reformen bitte nicht erneut ohne die Freien!“

Die Medienanstalten haben nicht nur eine Verantwortung den Konsument:innen der Programminhalte gegenüber, sondern ebenso ihren freien Mitarbeiter:innen. Denjenigen, die zu großen Teilen die Programminhalte produzieren. Freischreiber steht für Gespräche zur Verfügung.

Hintergrund:

Am 22. September trafen sich auf Einladung der SPD-Fraktion Medienschaffende sowie Menschen aus Politik und Medienlandschaft im Deutschen Bundestag zum Medienpolitischen Dialog. Das Thema: „Öffentlich-rechtlicher Rundfunk – wie geht es weiter? Transparenz und Compliance für mehr Bürgernähe“.

Unsere Freischreiber-Feierei am 3. September beglückte uns nicht nur, weil wir gemeinsam den letzten Sommertag des Jahres erlebten. Die Party war auch das erste größere Live-Treffen seit 2019. Sie erfüllte uns den Traum vom gemeinsamen Segeln. Tanzte im pailletten-grünen Kleid von ZUSTRA über die Bühne. Und das in der schönsten Location auf der Havel: dem Hausboot der Segelschule Hering.

Unser VJ Stephan Obel hat das Event für uns im Film festgehalten. Genießt ihn!

Wir haben’s getan: uns getroffen. Live! Mit Freischreibern aus ganz Deutschland, Weltreporter*innen und Preisträgern, mit der Sängerin ZUSTRA, froschgrünen Lotsen und Lotsinnen aus dem freien Journalismus. Wir haben Steg und Hausboot zum Schunkeln gebracht, unverhofft mit Sekt getauft, uns und euch gefeiert – und die Freiheit. Ahoi, es war schön: bei der Himmel- und Hölle-Preisverleihung am 3. September in Berlin.

Berlin, 3. September 2022. Freischreiber kürte in diesem Jahr die Engel und Teufel der freien Auslandsberichterstattung. Die himmlische Auszeichnung erhielt die Redaktion „Hintergrund“ des Deutschlandfunks. In der Hölle müssen (fast) alle anderen schmoren. 

Pressemitteilung als PDF
Laudatio Himmel-Preis 2022 als PDF / Dankesrede Preisträgerin Anne Raith als PDF
Rede Himmel-und-Hölle-Preis 2022 als PDF
Alles zum Himmel-und-Hölle-Preis, inklusive Archiv
Logo:

Der Himmel-und-Hölle-Preis der Freischreiber 2022 stand ganz im Zeichen der Auslandsberichterstattung. Freischreiber rückt damit Redaktionen oder Einzelpersonen in Rampenlicht, die sich in besonderer Weise um den freien Journalismus verdient machen – oder diesen schädigen. In einer Zeit, die geprägt ist von Kriegen und Krisen in der Welt, wählte der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten den Schwerpunkt Auslandsberichterstattung. Deshalb gehörte in diesem Jahr der Jury neben dem Vorstand von Freischreiber auch Leonie March an, Vorsitzende von Weltreporter, dem größten Netzwerk deutschsprachiger Auslandskorrespondent*innen.

Den Himmel-Preis 2022 verlieh Freischreiber am 3. September 2022 in Berlin an die Redaktion „Hintergrund“ des Deutschlandfunks. Stellvertretend für das Team erhielten die beiden Reaktionsleiterinnen Anne Raith und Ursula Welter die Auszeichnung. Sie verantworten die Sendungen „Hintergrund“, „Europa heute“, „Eine Welt“ und „Gesichter Europas“. 

Der Umgang der Redaktion mit Freien im Ausland sei fair, kompetent und freundlich, lobte Laudatorin Katharina Wojczenko, Vorstandsmitglied bei Freischreiber und selbst freie Korrespondentin in Bogotá (Kolumbien). Die Zusammenarbeit sei eng und intensiv, die Redigatur der Texte stets auf Augenhöhe und die Honorare angemessen. „Was den entscheidenden Unterschied macht – besonders für uns freie Journalist*innen – sind die Menschen, die in diesen Strukturen arbeiten und sich für Fairness und angemessene Honorare einsetzen“, sagte Katharina Wojczenko.

Dass Wertschätzung auf Gegenseitigkeit beruht, machte Redaktionsleiterin Anne Raith in ihren Dankesworten deutlich: „Was wären wir ohne Sie?“ sagte sie mit Blick darauf, dass ein Löwenanteil der Auslandsberichterstattung in deutschen Medien von Freien kommt. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk stehe unter Druck, Arbeitsabläufe würden dichter, die Ausspielwege immer vielfältiger, der Ton in den Debatten rauer, und immer mehr Journalist*innen gerade im Ausland kehrten dem Beruf den Rücken. Die Nachricht von der Auszeichnung sei deshalb genau im richtigen Moment gekommen: „Was ist mehr wert als diese Wertschätzung von den Freischreibern?“, sagte sie. 

Katharina Wojczenko hatte in ihrer Laudatio unterstrichen, der Himmel-Preis solle auch ein Ansporn sein, die Bastion „Hintergrund“ zu verteidigen. Das traf auf offene Ohren, denn Anne Raith schloss mit den Worten: „Wir müssten den Himmel-Preis sofort wieder weiterreichen an die freien Kolleginnen und Kollegen, behalten ihn aber noch einen Moment gepaart mit dem Versprechen, dass Sie und ihr mit uns, mit mir und meinen Kolleginnen weiter hartnäckige und furchtlose Mitstreiterinnen habt – für gute internationale Berichterstattung. Und für ein gutes Auskommen mit den freien Kolleginnen und Kollegen überall auf der Welt.“

„Fehlen die Korrespondent*innen, wachsen blinde Flecken auf der Weltkarte.“

Dr. Sigrid März, Vorsitzende von Freischreiber, betonte die wichtige und wertvolle Arbeit freier Korrespondent*innen. Sie begleiten politische Entwicklungen weltweit und erklären Zusammenhänge. Sie berichten unabhängig und leisten einen essenziell wichtigen Beitrag zur globalen Pressefreiheit: „Fehlen die Korrespondent*innen, wachsen blinde Flecken auf der Weltkarte. Räumen diese Journalist*innen das Feld, entsteht ein Vakuum, in dem sich im schlimmsten Fall Propaganda breit macht.“

Die Arbeitsbedingungen für freie Auslandskorrespondent*innen verschlechtern sich immer weiter: Zeilenhonorare sind seit Jahren auf demselben niedrigen Niveau eingefroren, manche Verlage haben sie sogar gekürzt. Mit Total-Buyout-Verträgen verhindern viele Medienhäuser, dass Freie ihre Recherchen für mehrere Kunden aufarbeiten, wie es wirtschaftlich sinnvoll und notwendig ist. Häufig weigern sich Medienhäuser, Reisekosten zu übernehmen. „Damit entziehen Verlage und Sender den Auslandskorrespondent*innen – und hier vor allem den freien – nach und nach ihre Arbeits- und Lebensgrundlage“, sagte März. 

In der Ukraine etwa könne man sehen, dass freie Journalist*innen teils unter Lebensgefahr berichteten, oft jedoch weder ausreichend abgesichert noch für solche Kriseneinsätze geschult seien. „Während Medienhäuser ihre Festangestellten unterstützen, fehlt es den Freien an bezahlbaren Lebens- und Unfallversicherungen oder elementaren Dingen wie Schutzausrüstung und psychologischer Betreuung.“

Ignoranz, Wegschauen und ein Wird-Schon-Gut-Gehen-Denken sind ein branchenweites Phänomen. Freischreiber hat daher in diesem Jahr entschlossen, den Hölle-Preis nicht einer einzelnen Redaktion zu verleihen. „Einen einzigen Kandidaten, eine einzige Kandidatin mit dem Hölle-Preis zu prämieren, wäre zu kurz gefasst“, so Sigrid März.  „Die Hölle liegt in den Strukturen.“

In der Hölle müssen (fast) alle anderen schmoren 

Freischreiber klagt daher alle Redaktionen an, die sich zu wenig um ihre Auslandsfreien kümmern, sie schlechte bezahlen, sie ausbooten und knebeln. Doch März’ die Kritik richtete sich auch an die Bundesregierung: „Wir klagen die deutsche Politik an, die Auslandsfreien keine rechtliche Sicherheit bietet, wenn es um Altersvorsorge oder Krankenversicherung geht.“ Die Gesetzgeber müssten einen praktikablen rechtlichen Rahmen für Auslandsfreie zu schaffen. Kolleg*innen, die ins Ausland gehen, um für deutsche Medien zu berichten, müssen Zugang zum deutschen Sozialsystem haben, etwa indem sie in der Künstlersozialkasse verbleiben können. Außerdem sollte es ihnen erleichtert werden, sich gegen Krankheit abzusichern und fürs Alter vorzusorgen. 

Noch einmal: Es liegt nicht an den Reportern, es liegt an den Strukturen. Und die gilt es zu ändern. „Wer Anregungen braucht: Wir Freischreiber stehen für Gespräche zur Verfügung.“

Preisverleihung anschauen (Twitter-Stream)

Fotograf: Stephan Obel, ein Video folgt in Kürze.

Über Freischreiber: 
Freischreiber wurde 2008 von freien Journalist*innen gegründet. Heute hat der Verband rund 900 Mitglieder und setzt sich für gute Arbeitsbedingungen und faire Honorare für Freie ein. 2022 erschien mit der Neuauflage der Freienbibel 2 DAS Handbuch für freie Journalist*innen mit 468 Seiten Praxiswissen. Neben kompetenter Rechtsberatung, insbesondere zu Vertragsfragen, steht den Mitgliedern unter anderem ein Tandem-Programm und ein Slack-Kanal für den internen Austausch offen. (Digitale) Workshops und Veranstaltungen ergänzen das Angebot.

Dem Vorstand gehören an: Dr. Sigrid März (Münster), Joachim Budde (Bonn), Regine Marxen (Hamburg), Katharina Müller-Güldemeister (Berlin), Anja Reiter (Bonn), Jan Schwenkenbecher (Gießen) und Katharina Wojczenko (Bogotá). 

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: Freischreiber e. V.  
Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten
Kontakt: Anna Heidelberg-Stein und Yvonne Pöppelbaum 
Telefon: 040 / 22 86 71 52, kontakt@freischreiber.de

Informationen zum Himmel- und Höllepreis unter: 
https://freischreiber.de/ziele/fair-versus-fies/

Allgemeine Infos unter: 
www.freischreiber.de

Überlegst du noch, oder freust du dich schon? Wir wienern bereits die Planken für unsere große Himmel- und Hölle-Sause am 3.9. in Berlin. Zwischen Freibeuter-Buffet und Buddeln voll Sekt / Wasser / Gin wird es Live-Musik von ZUSTRA und ein freischreiberiges Programm geben.

Ein paar Plätze an Deck sind noch frei, meld dich flux hier an! Auf dem Hausboot der Segelschule Hering verleihen wir also endlich wieder in persona unseren ehrwürdigen Himmel- und Höllepreis. Wer hat sich gegenüber freien Journalist*innen im vergangenen Jahr als besonders fair, wer als besonders fies erwiesen? Der Schwerpunkt liegt 2022 auf Auslandsjournalismus.

Außerdem fragen wir journalistische Lotsen und Lotsinnen aus, lassen die Füße ins Wasser baumeln und feiern – uns!

Der offizielle Teil beginnt am 3. September ab 17.30 Uhr an der Segelschule Hering am Großen Fenster an der Havel in Berlin. Um 20 Uhr startet die Preisverleihung, samt Knallkorken, Konfetti und ZUSTRA.

Und nun zum inoffiziellen Teil: Aufgrund höllisch hoher Versicherungspolicen haben wir uns dagegen entschieden, das Segeln vor Ort als offiziellen Veranstaltungspunkt anzubieten. Deshalb treffen wir uns privat und auf eigenes Risiko um 16 Uhr an der Segelschule. An Bord der Jollen begrüßen dich erfahrene Skipper*innen wie Carola Dorner (ehem. Vorständin), Joachim Budde (Vorstand) und Katharina Müller-Güldemeister (Vorstand).

Mach die Leinen los und meld dich an, wir freuen uns auf dich!

Jetzt ist es offiziell: Der RBB-Rundfunkrat hat in seiner heutigen Sondersitzung mit sofortiger Wirkung Patricia Schlesinger von ihrer Position als Intendantin abberufen. Die Details der Vertragsauflösung muss jetzt der RBB-Verwaltungsrat beschließen. Sie selbst hat sich zwar entschuldigt, bestreitet aber die Vorwürfe. Und jetzt?

Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen sparen, und sie tun es seit Jahren bis an die Schmerzgrenze. Aber: Anscheinend sparen zumindest einige Anstalten nicht überall gleich konsequent. Das kann einem schon die Zornesröte ins Gesicht treiben. Uns auch.

Viele Freischreiberinnen und Freischreiber arbeiten für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Redaktionen haben die Sparmaßnahmen zu spüren bekommen und geben sie an die Freien weiter. Die bekommen weniger Aufträge, ihre Einnahmen schrumpfen – oder die Freien müssen fürs gleiche Geld mehr arbeiten. Qualität und Vielfalt in der journalistischen Berichterstattung aber ist nur mit Hilfe der freien Kollegen und Kolleginnen möglich. Wie sähe ein Programm ohne sie wohl aus? Die Sender müssten viel Musik spielen.

Schaden für die Öffentlich-Rechtlichen

Ethisch und moralisch ist Patricia Schlesingers Gebaren nicht tragbar; sich vom Amt zu verabschieden, ist die einzig richtige Entscheidung. Der Schaden für die Öffentlich-Rechtlichen ist dennoch groß. Diejenigen, die sich die Abschaffung von ARD, ZDF & Co. wünschen, kriegen gerade richtig Futter und nehmen gleich alle Sendeanstalten in Sippenhaft. CDU-Chef Friedrich Merz zum Beispiel. Die Schlesinger-Affäre habe das Potenzial, „dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland endgültig die Legitimationsgrundlage und öffentliche Akzeptanz zu entziehen“, lesen wir in der ZEIT.

Medienjournalist Stefan Niggemeier hatte genau vor dieser unlauteren Taktik gewarnt: „Entweder man schaut, was man aus [dem Skandal] lernen kann, damit das System besser wird – weniger anfällig für Filz, Machtmissbrauch, Selbstbereicherung. Oder man nutzt ihn als Anlass, das System zu schwächen und möglichst ganz abzuschaffen“, schreibt er auf Übermedien.

Wir als :Freischreiber wünschen uns den konstruktiven Ansatz. Wir wollen einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der für Qualitätsjournalismus steht und damit eine tragende Säule unserer Demokratie ist. Dafür arbeiten viele unserer Mitglieder mit Leidenschaft und Engagement. Wir sind der Überzeugung, dass die vom Wettbewerb geprägte Medienlandschaft so einen Rundfunk weiterhin braucht.

Faire Arbeitsbedingungen, faire Honorare, das ist Teil unserer :Freischreiber-Agenda. „Geld zurück ins Programm!“ und „Weg mit den Boni“ forderten am Rande der Rundfunkrats-Sitzung Beschäftigte des RBB. Wir unterstützen diese Forderungen. Dass Führungskräfte mehr verdienen – grundsätzlich geschenkt. Aber Bezüge müssen im Rahmen bleiben.

„Wer seinen Freien abverlangt zu sparen, muss mit gutem Beispiel vorangehen. Und dafür sorgen, dass auch die freien Journalistinnen und Journalisten von ihrer Arbeit leben können. Damit sie ihren Job nicht nur gut, sondern auch gerne machen”, sagt Joachim Budde, Vorsitzender von Freischreiber. „Das geht nur mit angemessenen Honoraren, mit Bezahlung nach Aufwand und nicht mit Sparen auf Kosten derer, die Tag für Tag die Sendeplätze füllen.”

Wer ernstgemeinte Reformen plant, dem können wir als Berufsverband sagen, wo bei den Freien der Schuh drückt – und wie man das beheben kann. Wir sind bereit für einen Dialog; wir freuen uns darauf.

Am Samstag, 3. September, laden wir an die Havel in Berlin ein. Wir stoßen endlich wieder live mit euch an! Tauchen die Füße ins Wasser, tauschen uns über das Freisein aus. Und: Wir küren die Sieger*innen des Himmel- und Höllepreises 2022. Ab sofort könnt ihr euch anmelden!

Auf den Fotos seht ihr unsere romantische Location: das Bootshaus der Segelschule Hering. Los geht es dort ab 16 Uhr.

Was euch erwartet?

Wir singen von Piratinnen, wir spielen „wie machst du das?“, wir köpfen Flaschen auf dem Bootshaus. Außerdem laden wir journalistische Lotsinnen und Lotsen ein, die Freischreiberiges besonders gut können und ihr Wissen mit euch teilen. Honorare verhandeln, Texte mehrfach verwerten, moderieren? Lasst euch überraschen! 

Und dann:

Preisverleihung, Knallkorken und Konfetti!

Hier geht es zur Anmeldung.

Alle Jahre wieder – im Juni – bewegt eine Frage die Urheber und Urheberinnen: Wann kommt das Geld der VG Wort? Und wie viel wird’s?

Wie wir in der VG Wort-Mitgliederversammlung vergangenen Samstag (18.6.22) erfahren haben, überweist die Gesellschaft das Geld dieses Mal in zwei Tranchen. Der Grund: Bis zum 7. Juni 2021 galt die sogenannte „Zustimmungslösung“; seitdem steht den Verlagen in einigen Ausschüttungsbereichen eine Beteiligung von maximal einem Drittel zu. Zwischen Werken, die vor dem Stichtag und nach diesem Datum veröffentlicht wurden, muss also unterschieden werden.

Allerdings: In einigen Bereichen, unter anderem in Bezug auf die Presse, wird derzeit noch über die endgültige Höhe der Verlagsbeteiligung verhandelt. Wie das gehandhabt werden soll, ist auch am Samstag nicht klarer geworden.

Kurz und knapp:
Ausschüttungen für Werke, die noch unter die Zustimmungslösung fallen, kommen Anfang Juli. Den Rest überweist die VG Wort voraussichtlich Ende September. Die Metis-Ausschüttung erfolgt wie gehabt im Oktober. Und alles, wofür keine Verlagsbeteiligung gilt, wird auch wie immer ausgezahlt.

Mangelnde Transparenz wurde in der Mitgliederversammlung mehrmals thematisiert: So monierte ein Mitglied, dass sich im Transparenzbericht der Verbleib von über 30 Millionen Euro im Bereich Texte im Internet nicht nachvollziehen lässt. Und in einem Mitgliedsantrag forderten einige Kolleg*innen vom DJV, dass die VG Wort sich um klarere Erläuterungen des Metis-Systems (das ist die Sache mit den Zählpixeln) kümmert. Natürlich haben wir diesen Antrag gerne unterstützt, denn wie oft haben selbst die Expert*innen in unseren Reihen vor Metis gestanden wie vor einer Lichterkette nach Weihnachten? Der Antrag wurde mit 60 Prozent der Stimmen angenommen.

Mehr Interesse, mehr Wumms

93 % schaffte sogar ein Mitgliedsantrag, der eher einer Resolution gleichkommt: Die öffentlich-rechtlichen Rundfunksender sollen dazu bewogen werden, in Bezug auf die Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften zu kooperieren, denn das tun sie derzeit nicht. Gerade im Online-Bereich fallen die Ausschüttungen deshalb oft unverhältnismäßig gering aus.

Das gestiegene Interesse an der VG Wort hat dazu geführt, dass sich in unserer Berufsgruppe verbandsübergreifend Menschen gefunden haben, die mit Sachkunde und großem Engagement an der Durchsetzung der Interessen freier Journalist*innen arbeiten.

Und das ist wohl die beste Nachricht: Die Verlage haben Vorzimmer und Rechtsabteilungen. Wir Urheber*innen haben die geballte Power des Ehrenamts – was die VG Wort nachhaltig verändert.

Anträge zur Änderung von Satzung, Verteilungsplan und Wahrnehmungsvertrag etwa müssen in allen sechs Berufsgruppen mit Zwei-Drittel-Mehrheiten angenommen werden. Dennoch war es lange Zeit seltene Ausnahme, dass ein solcher Antrag scheiterte. Jetzt muss sich die VG Wort daran gewöhnen, dass es keine sicheren Mehrheiten mehr in der Mitgliederversammlung gibt. Sie muss die Interessengruppen besser und frühzeitiger einbinden. Und sie muss darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, Anträge von Kommissionen ausarbeiten zu lassen, von deren Existenz und Arbeit außerhalb kaum jemand mal erfährt.

Denn auch kleine Dinge können großes Geld kosten. Zum Beispiel die geplante Verlängerung des Nachtprogramms im Radio. Beiträge, die zwischen bestimmten Uhrzeiten laufen, erhalten nur einen Teil des Ausschüttungsbetrags für Sendungen am Tag. Nur ist es so, dass Unterhaltung und Journalismus aus den gleichen Töpfen vergütet werden. Ein genauer Blick zeigt, dass hier Geld aus den Taschen unserer Radio-Journos, deren Beiträge eher auch mal zu Tagesrandzeiten laufen, in Richtung Unterhaltung verschoben werden sollten. Weniger da, bedeutet mehr dort. Diese Sache ist erstmal vom Tisch.

Noch ein Tipp für die Agenturjournalist*innen unter euch: Ihr könnt für die Online-Veröffentlichung eurer Agenturtexte weiterhin rückwirkend Ausschüttungen erhalten. Wenn eine Seite Zählpixel setzt, aber der Text von einer Agentur kommt, können euch die Zählpixel nicht zugeordnet werden. Deshalb: Klickt euch superschnell im TOM zu Metis und wählt dort „Meine Meldungen → Meldung erstellen → Expertenmodus → Meldung von Texten, die für eine Agentur geschrieben wurden“. Dort müsst ihr nur noch die Zahl der Texte, die über eine Agentur veröffentlicht wurden, eintragen und fertig. 

Falls jemand den VG Wort-Kanal im Freischreiber-Vereinsheim auf Slack noch nicht kennt – ihr findet ihn hier (Channels → Channels durchsuchen → #vgwort).

Freie Journalisten und Journalistinnen spielen eine Schlüsselrolle in der Informationsvielfalt in Deutschland: Sie sind spezialisiert, sie sind immer da, wo sie gebraucht werden. Ihre Berichte lesen viele. Von den Geschichten dahinter allerdings bekommen nur wenige etwas mit: Honorare, die viel zu niedrig sind, um davon gut leben zu können; und die viel zu oft erst nach Veröffentlichung, nicht nach Lieferung, gezahlt werden. 

Wie man es anders machen kann zeigt ein Beispiel aus den USA:

Im Freelance Isn’t Free Act hat der Bundesstaat New York nun grundsätzliche Regelungen für die Beschäftigung von Freelancer*innen festgelegt und damit ein Konzept übernommen, das bereits seit 2017 erfolgreich in New York City angewandt wird: Freie haben einen Anspruch auf schriftliche Verträge und müssen innerhalb von 30 Tagen nach Erbringung der Leistung bezahlt werden. Werden die Vorgaben missachtet, gibt es kostengünstige Möglichkeiten, die Rechte durchzusetzen. Der Kongress des Bundesstaates hat das Gesetz Anfang Juni verabschiedet. Nun muss es noch formal von Gouverneurin Kathy Hochul unterzeichnet werden.

Bemerkenswert an dem Entwurf ist, dass nicht allein säumige Zahlungen sanktioniert werden können, sondern ebenso Vergeltungsmaßnahmen durch den Auftraggeber, wie etwa mahnende Auftragnehmer*innen auf eine schwarze Liste zu setzen oder zu bedrohen. 

An diesem Punkt hakt es nämlich oft in Deutschland: Ja, im Gesetz steht, wann eine Rechnung gestellt werden kann und bis wann die bezahlt werden muss. Allerdings scheuen sich viele freie Journalist*innen davor, ausstehende Zahlungen anzumahnen, aus Sorge, dann keine Aufträge mehr zu erhalten. 

Hinzu kommt der Faktor der Kosten: Für Mahn- und Vollstreckungsbescheide sowie Gerichtsverfahren werden Gebühren fällig. Und wenn es hart auf hart kommt, stellt sich häufig heraus, dass es unwirtschaftlich ist, ein ausstehendes Honorar einzuklagen.

Während der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung, so hoffen wir, Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Freiberufler*innen und Selbstständigen erhalten. Nun sollte sie grundsätzliche Probleme angehen! :Freischreiber fordert:

  1. Freie Journalist*innen brauchen einen effektiven Schutz vor Vergeltung, wenn sie ihre Rechte geltend machen.
  2. Gegen Unternehmen, die systematisch zivilrechtliche Bestimmungen in Bezug auf die Bezahlung von Freelancern missachten, sollten Bußgelder möglich sein.
  3. Freie Journalist*innen brauchen Möglichkeiten, offene Forderungen so kostengünstig wie möglich einziehen zu können.

Seegarn, Sekt und Live-Musik: Am 3. September laden wir an die Havel in Berlin ein. Wir stoßen endlich wieder live mit euch an! Tauchen die Füße ins Wasser, tauschen uns mit euch über das Freisein aus. Und: Wir küren die Sieger*innen des Himmel- und Hölle-Preises 2022. Dazu spielt die Band Zustra.

Freie entscheiden sich oft, trotz Krisen im Ausland zu bleiben – obwohl sie verletzlicher sind als Feste. Ihnen liefert kaum eine Redaktion Schutzweste und Bodyguard, Ausfall-Honorar und Versicherungs-Paket. Umso existenzieller ist es, dass Auftraggeber das Risiko freier Journalist:innen fern der Heimat mittragen. Deshalb widmen wir den diesjährigen Himmel- und Hölle-Preis der Auslandsberichterstattung.

Mit Leonie March, Vorsitzende von Weltreporter.net, dem größten Netzwerk deutschsprachiger Auslandskorrespondent*innen, haben wir uns kompetente Unterstützung ins Nominierungsteam geholt.

Logo Himmel-und-Hölle-Preis Freischreiber

Was erwartet euch?

Der offizielle Teil beginnt am 3. September ab 17.30 Uhr an der Segelschule Hering am Großen Fenster an der Havel in Berlin. Wir singen, wir spielen „wie machst du das?“ und wir laden freischreibende Lotsinnen und Lotsen ein, die irgendetwas Freischreiberiges besonders gut können und ihr Wissen mit euch teilen. Honorare verhandeln, zweitverwerten, moderieren? Lasst euch überraschen! Zwischendurch könnt ihr Euch an einem vegetarischen Büffet stärken. Um 20 Uhr beginnt dann die Preisverleihung, samt Knallkorken, Konfetti und jeder Menge Zustra!

Und nun zum inoffiziellen Teil: Seit Jahren haben wir darüber nachgedacht, einmal zusammen segeln zu gehen. Jetzt ist es endlich soweit. Aufgrund höllisch hoher Versicherungspolicen haben wir uns allerdings dagegen entschieden, das als offiziellen Veranstaltungspunkt anzubieten. Deshalb treffen wir uns privat und auf eigenes Risiko um 16 Uhr am gleichen Ort. An Bord der gutmütigen und gut gewarteten Segelschuljollen begrüßen Euch erfahrene Skipper*innen wie Carola Dorner (ehem. Vorständin), Joachim Budde (Vorstand) und Katharina Müller-Güldemeister (Vorstand). Die Chartergebühr von 5 Euro pro Person sammeln wir vor Ort ein.

Ab sofort könnt ihr euch anmelden!

Teilnahmegebühr (inklusive Matros*innen-Buffet)
Freischreiber-Mitglieder: 19 Euro

Externe: 34 Euro

1. Hier buchen.
2. Ihr bezahlt die Rechnung.
3. Wir freuen uns auf euch!
4. Bei Fragen: kontakt@freischreiber.de

#HiHö22
#Freischreiber
#FreierJournalismus

Du liebst deinen Job als freie:r Korrespondent:in und haderst ebenso sehr mit ihm? Das liegt vermutlich an den schwierigen Bedingungen, unter denen du ihn erfüllst. Freischreiber verleiht 2022 wieder einen Himmel- und Höllepreis:

Wir suchen deine besten und bösesten Erfahrungen im Auslandsjournalismus.

Mail uns deine Vorschläge! Ob du aus Italien oder Irland, Mexiko oder Moldau, Amerika oder Andorra berichtest, wir suchen Engel und Teufel, die sich dir im vergangenen Jahr gezeigt haben.

Ein Grund für diesen Fokus liegt im aktuellen Weltgeschehen. Wenn es in der Ferne knallt, holen manche Redaktionen ihre Korrespondent:innen zurück „nach Hause“. Dabei ist es gerade in Krisenzeiten wichtig, dass Journalistinnen und Journalisten vor Ort bleiben, recherchieren, informieren. Viele kennen Land und Leute sehr gut, sprechen die jeweilige Sprache. 

Freie entscheiden sich oft, zu bleiben – obwohl sie verletzlicher sind als Feste. 

Ihnen liefert kaum eine Redaktion Schutzweste und Bodyguard, Ausfall-Honorar und Versicherungs-Paket. Umso existenzieller ist es, dass Auftraggeber das Risiko freier Journalist:innen fern der Heimat mittragen. 

Welche Redaktion erstattet dir in anderen Ländern selbstverständlich Mehrkosten? Wer nimmt Berichte von der Front mit Kusshand, will aber von Gebühren für Sicherheitstrainings nichts wissen? Schreib uns, egal, ob du als Korrespondent:in permanent im Ausland lebst oder für einzelne Geschichten dorthin reist. 

Wir nehmen bis zum 30.6.2022 Vorschläge an!

Beim Auswerten unterstützt uns Leonie March, Vorsitzende der Weltreporter. Seit 2009 arbeitet sie als freie Korrespondentin in Südafrika, reist regelmäßig nach Mosambik, Simbabwe und Sambia. Wir berücksichtigen Vorschläge, die durch öffentliche Berichterstattung bekannt geworden oder durch nicht-öffentliche Dokumente, die uns vorliegen, belegt sind. Selbstverständlich garantieren wir auf Wunsch Quellenschutz.

In Sachen Auslandsjournalismus fallen zum Beispiel folgende Kriterien ins Gewicht:

  • Unterstützung bei Buchungen, Akkreditierungen und Visa
  • Kostenübernahme für Reisen, Sicherheitstrainings, Schutzmaßnahmen und -ausrüstung
  • Hilfe bei Überweisungen außerhalb der EU und Sonderversicherungen
  • Fairness in Krisenzeiten wie der Pandemie, bei Entführung und Verhaftung
  • Umgang mit Babypausen, Krankzeiten und Sterbefällen in der Familie

Die Preisverleihung findet statt am Samstag, 3. September 2022. Ort: Bootshaus der Segelschule Hering an der Havel in Berlin.