Das Bundesjustizministerium hat uns :Freischreiber bis Ende Februar 2026 um eine Stellungnahme gebeten. Im Fokus steht das Verwertungsgesellschaftengesetz (VGG). Es regelt Urheber*innen- und ihnen verwandte Schutzrechte durch Verwertungsgesellschaften. Konkret geht es für uns freie Journalist*innen also um die Rechte an unseren journalistischen Werken.
Erreichen die Vorschriften des VGG ihre beabsichtigte Wirkung? Welche Punkte muss das Ministerium anpassen? Mehr Infos dazu findet ihr auf der Homepage des BMJV.
Unsere Stellungnahme, verfasst von Freischreiber Oliver Eberhardt, lest ihr hier. Danke für deine Unterstützung, Oli!
Was verdienst du als freie Journalistin und freier Journalist? Das klärt unsere neue Honorar-Umfrage. Jede*r Kolleg*in kann dort anonym Infos über die Zahlungsmoral von Auftraggebenden eintragen. Das Mitmach-Projekt ist die neue Version unseres altbekannten Honorartools. Es bringt Transparenz und Bewegung in die Gehaltsdebatte – für Print, Audio, Video und Onlinemedien.
„Wir reden alle unglaublich gerne über unsere Geschichten. Aber niemand spricht über Geld. Honorare zu verschweigen schadet uns allen“, sagte schon 2018 unsere damalige Vorsitzende Dr. Carola Dorner.
Daran hat sich nichts geändert. Viele freie Kollegen und Kolleginnen fragen sich vor Verhandlungen, welchen Spielraum sie haben. Wir antworten mit unserer neuen Umfrage: Bildet Banden, tauscht Wissen aus, macht euch gegenseitig stark!
Im Sommer stellen wir die Analyse der neuen Datenspenden vor und zur freien Verfügung. So ermöglichen wir es Journalist*innen, schon vor der Verhandlung übliche Zeilen-, Seiten-, Minuten- oder Stundensätze sowie Pauschalen zu recherchieren. Dieses Wissen stärkt die Verhandlungsposition und soll zu einer gerechten Entlohnung beitragen. Außerdem setzt es solche Verlage und Medien unter Druck, die ihre freien Autor*innen besonders schlecht bezahlen. Denn wer schlecht bezahlt, verdient keinen guten Journalismus.
Hier geht es zur Umfrage (auch für Nicht-Freischreiber).
Ein offenes Ohr für freie Journalist*innen, das wünschen wir uns in allen Redaktionen. Bei einigen Häusern haben wir dafür Ombudsleute gefunden: ausgewählte Vertrauenspersonen, die bei Schwierigkeiten neutral vermitteln.
:Freischreiber-Ombudsleute findet ihr bei:
- DIE ZEIT: Dorothée Stöbener hat ein Herz für freie Journalist*innen.
- Spiegel Online: Jochen Leffers und Olaf Kanter sind bei SPON die Ansprechpartner für Freie.
- Der Freitag: Hier sind Chefredakteur Philip Grassmann und Stellvertreter Sebastian Puschner für euch da.
- taz: Anja Krüger und Kerstin Noll haben ein offenes Ohr für die Probleme rund um Gleichstellungs- und Freien-Fragen.
- Wort & Bild Verlag: Anne-Bärbel Köhle ist hier unsere Unterstützerin.
Und: Wir haben zwei neue Ombudsleute gewonnen! Sascha Karberg und Birgit Herden vom Tagesspiegel stehen ab sofort bereit, falls ihr in der Kooperation mit der Zeitung Fragen oder Sorgen habt. Auch für ein vertrauliches Gespräch und Rat im Umgang mit der Redaktion des Hauses sprecht bitte die Kolleg:innen an. Beide kennen den Alltag im freien Journalismus aus eigener Erfahrung. Mittlerweile leitet Sascha das Wissensressort beim Tagesspiegel, Birgit ist seine Stellvertreterin.
Ihre Kontaktdaten findet ihr hier.
Ihr vermisst bei einem eurer Auftraggeber eine ähnliche Anlaufstelle für freie Journalist:innen? Sagt uns Bescheid, wir gehen gern ins Gespräch.
Foto: Anna Heidelberg-Stein
Viele freie Journalist:innen arbeiten auch im Alter, um besser über die Runden zu kommen. Das Bundeskabinett hat nun beschlossen, ab 2026 Erwerbseinkommen im Ruhestand mit bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei zu gewähren. Allerdings nur, wenn es im Rahmen eines Arbeitsvertrags erzielt wird. Freie Journalist*innen und andere Selbstständige sind davon ausdrücklich ausgenommen. „Der aktuelle Entwurf diskriminiert Selbstständige”, stellt unser Co-Vorsitzender Robert Hofmann fest.
:Freischreiber schließt sich deshalb den Forderungen von DJV, ver.di und der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (BAGSV) an, die sogenannte Aktivrente auf Einkommen aus selbstständiger Mitarbeit auszudehnen.
„Der Gedanke hinter der Aktivrente ist klar: Das Sicherungssystem der Rente erodiert, also sollen wir länger arbeiten. So fragwürdig das Konzept ist, so unfair ist der aktuelle Entwurf gegenüber den freiberuflich Tätigen”, sagt Robert. „Wer länger arbeitet, soll dafür gleich behandelt werden – egal ob angestellt oder frei”, ergänzt Co-Vorsitzende Elisa Kautzky.
Wir fordern gleiche Rechte für alle Erwerbstätigen – unabhängig von ihrer Beschäftigungsform. Daher haben wir die entsprechende Petition der BAGSV mitunterzeichnet.
Im Idealfall hätten es freie Journalist*innen natürlich nicht nötig, im Alter noch zu arbeiten und würden ihre Rente genießen. Das ist aber aufgrund der prekären Situation im Journalismus oft nicht möglich. Freelancer*innen sind besonders von Altersarmut bedroht und arbeiten ohnehin häufig bis ins hohe Alter.
Sie schlechter zu stellen, könnte noch mehr Menschen dazu verleiten, den Beruf aufzugeben. Dabei ist ihr Wert für die Gesellschaft und demokratische Teilhabe unbestreitbar. Viele haben sich jahrzehntelang Expertise in einem Bereich erarbeitet, die der Öffentlichkeit verloren geht, wenn sie aus dem Beruf ausscheiden. Gerade hier wäre es sinnvoll, Anreize zu schaffen, damit ihr Können und Wissen der Allgemeinheit nicht verloren geht.
:Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, fordert die israelische Regierung auf, die freie Berichterstattung von Journalist*innen in Gaza sicherzustellen, das Töten von Medienschaffenden zu beenden und Menschen mit ausreichenden Nahrungsmitteln und medizinischer Hilfe zu versorgen.
Wir schließen uns dem Aufruf von Associated Press, AFP, BBC News und Reuters an. Dort heißt es unter anderem: „Journalisten müssen in Kriegsgebieten viele Entbehrungen und Strapazen erdulden. Wir sind zutiefst beunruhigt darüber, dass nun auch die Gefahr des Hungertodes dazu gehört. Wir fordern die israelischen Behörden erneut auf, Journalisten die Ein- und Ausreise nach Gaza zu gestatten.“
Elisa Kautzky, Freischreiberin und Mitglied im Vorstand von :Freischreiber, sagt:
„Was in Gaza geschieht, betrifft uns alle. Wenn die Pressefreiheit leidet und das ohne Konsequenzen bleibt, hat das auch Auswirkungen auf Freie. Noch nie wurden zu Beginn eines Krieges so viele Journalist*innen getötet wie in diesem. Viele von ihnen waren freie, lokale Reporter*innen.”
—
Mehr Pressemitteilungen von :Freischreiber gibt es hier.
Seit Jahren macht uns freien Journalist*innen das Honorartool das Leben leichter. Auf dem digitalen Portal konnten Feste und Freie anonym ihre Honorare eintragen und vergleichen. Mittels anonymer Datenspenden wollten wir ermitteln und öffentlich machen, welches Medium im Schnitt wie viel zahlt – und wofür. In 2021 schlossen wir für eine noch breitere und genauere Datenbasis eine Honorartool-Kooperation mit dem Oberauer Verlag.
Seither legten wir mit euch zusammen fast 4.000 Honorare und Gehälter bei mehr als 600 Medien offen. Was für ein Erfolg! Auch, weil unsere Honorarreports immer wieder Diskussionen über die – teils prekäre – Bezahlung freier Journalist*innen anstießen. Wir danken allen, die bis heute mitgemacht haben. Und: Wir fordern faire Honorare mehr denn je, weil nur sie einen nachhaltigen, freien Journalismus garantieren, der nicht auf Selbstausbeutung oder Interessenkonflikten fußt.
Doch die Möglichkeiten des Datenjournalismus haben sich verändert. Aus Diskussionen mit Datenjournalist*innen wissen wir, dass unser Honorartool nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist: Die Datenbasis reicht in einigen Fällen nicht für belastbare Ergebnisse aus, ist im Durchschnitt oder über längere Zeiträume zu ungenau.
Heute läuft unsere Kooperation mit dem Oberauer Verlag regulär aus. Das nehmen wir zum Anlass, das bisherige Honorartool abzuschalten. Zugleich arbeiten wir an einer neuen Lösung, um in Zukunft bessere, zielgenauere und belastbare Reports zu schreiben.
Wir sind also dran und hoffen, wenn es soweit ist, wieder auf eure Unterstützung. Faire Honorare bleiben nach wie eines unserer wichtigsten Themen!
Wenn ihr Ideen und Wünsche für ein neues Honorartool habt und uns bei der Umsetzung unterstützen wollt, meldet euch bei uns. Bis dahin könnt ihr euch wie gewohnt im Vereinsheim auf Slack über die Höhe üblicher und / oder notwendiger Honorare austauschen, fiese Auftraggeber*innen anprangern – und vor allem Tipps für bessere Honorare teilen. Hilfe bei der Berechnung bietet auch unser Tagessatzrechner. Diese Optionen haben allerdings nur Mitglieder – hier geht es zum Antrag.
Wir brauchen eure Unterstützung, um freien Journalismus noch fairer und besser zu machen. Dafür steht :Freischreiber.
Euer Vorstand
Das fordern wir zusammen mit mehr als 40 anderen Organisationen und Projekten. In einem öffentlichen Brief wenden wir uns heute gemeinsam an die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Lars Klingbeil. Wir appellieren: Die SPD darf den Forderungen der Union, das Informationsfreiheitsgesetz abzuschaffen, nicht nachgeben!
Eine Einschränkung der Informationsfreiheit ist eine Gefahr für die Demokratie. Gerade angesichts einer erstarkenden autoritären Rechten und der wachsenden AfD im Bundestag brauchen wir Zugang zu Informationen und Transparenz statt einem Staat, der sich abschottet.
Es ist jetzt an der Zeit, Informationsfreiheit zu stärken, statt sie abzuschaffen!
Die unterzeichnenden Organisationen, Vereine und Projekte stammen aus Bereichen wie Menschenrechte, Transparenz und Journalismus. Wir machen uns stark für eine resiliente Demokratie, einen transparenten Staat und eine Bundesregierung, die das Vertrauen der Bürger*innen nicht nur einfordert, sondern auch die notwendigen Bedingungen dafür schafft.
Den ganzen offenen Brief gibt es hier.
Wir :Freischreiber gehen am Sonntag auf die Straße: Für eine starke Zivilgesellschaft. Für die Demokratie. Für den Schutz und die Freiheit unserer journalistischen Rechte. Kommt ihr mit?
Demokratie ist Arbeit. Freiheit ist Arbeit. Dafür machen wir uns stark. Und das geht besser gemeinsam, das wissen wir als :Freischreiber besonders gut. Hand in Hand können wir so viel erreichen!
Als Journalist*innen recherchieren wir, decken auf, fügen Fakten zusammen, ordnen sie ein. Wir machen Wissen verfügbar, sorgen für Transparenz. Damit übernehmen wir Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Ohne die Pressefreiheit, verankert im Grundgesetz, wäre das nicht möglich. 75 Jahre Grundgesetz sind allerdings keine Garantie, dass es immer so weitergeht. Freiheit ist keine Selbstverständlichkeit.
Darum:
- Begleitet uns zur Demo in Berlin!
- Sonntag, 16. Februar 2025, 13.45 Uhr
- Treffpunkt U-Bahnhof Museumsinsel, Ausgang Unter den Linden / Kronprinzenpalais
Haltet Ausschau nach unserer großen, grünen Freischreiber-Fahne (danke, Guillaume!).
Wir freuen uns auf euch!
Jobs im Journalismus und in der Kreativbranche sind schnell vergeben. Ohne Netzwerk haben freie Journalist:innen oft keine Chance, sie zu ergattern. Antonia Wille und Michèle Loetzner haben deshalb den Newsletter „Fair Share“ kreiert. Das Ziel: Jobsuchende mit Auftraggebenden zusammenzubringen. Etwa alle zwei Wochen findet ihr dort Jobangebote und Wissen über das Frei-Sein. Elisa Kautzky aus unserer Newsletter-Redaktion hat mit Antonia und Michèle gesprochen.
:Freischreiber: Gestern ist der „Fair Share“-Newsletter offiziell gestartet. Warum sollten Freie ihn abonnieren?
Antonia Wille: In unserem Newsletter stellen wir aktuelle Aufträge und freie Stellen für Freelancer*innen vor, für die man sich direkt bei uns bewerben kann. Aber nicht nur das: Wir wollen auch einen Mehrwert abseits der Jobs geben, zum Beispiel Expert*innen-Interviews, FAQs und Beiträge zu Themen wie erfolgreich pitchen, Verträge von Medienhäusern unterschreiben, Selbstständigkeit allgemein oder der Künstlersozialkasse. Das sind ja alles Punkte, bei denen wir beide unseren großen Erfahrungsschatz teilen können. Je nachdem wie viele Jobs wir vorstellen, wird dieser Teil kürzer, da sind wir flexibel.
Und das Abo kostet nichts?
Michèle Loetzner: Richtig, wir wollen auf gar keinen Fall, dass Freie etwas dafür bezahlen müssen, denn deren Honorare haben sich die letzten Jahre nicht unbedingt nach oben entwickelt. Langfristig hoffen wir, dass wir die uns entstehenden Kosten und den Zeitaufwand über Werbung refinanzieren können.
Wie kam es zu der Idee, ihr müsst ja schließlich auch Geld verdienen.
Michèle: Wir haben den Wunsch, in der Freien-Bubble etwas zu verändern. Wir kennen es ja selbst: die Tages- und Stundensätze sinken, die Bezahlung ist generell nicht angemessen. Dazu kommt, dass man als Freie*r oft extrem allein ist und gar nicht weiß, was und wie die anderen sich organisieren und arbeiten. Zum Beispiel, wie viel man für einen Beitrag verlangen kann. Dazu ist die Feedback-Kultur der Redaktionen oft schlecht. Selten kommt etwas zurück, man weiß eigentlich nur, dass man den Auftrag gut gemacht hat, wenn man wieder einen bekommt. Mit anderen Freien darüber zu reden, Wissen zu teilen, ein bisschen mehr Zusammenhalt, das hilft und das wollen wir auch mit diesem Newsletter schaffen.
Lustigerweise hatten Antonia und ich unabhängig voneinander die Idee, so ein Projekt zu starten und haben dann im Frühjahr beschlossen, es zusammen zu machen.
Wie viele Freie haben den Newsletter bereits abonniert?
Michèle: Wir haben sofort eine krasse Resonanz bekommen, Stand jetzt (Anfang Januar) über 800 Anmeldungen. Das ist verhältnismäßig viel dafür, dass es in Deutschland relativ wenig Freelancer gibt. Dabei hatten wir erst die Sorge, dass sich viele Freie anmelden und wir zu wenig Jobs anbieten können. Unser Plan war es, proaktiv mit Agenturen und Redaktionen zu sprechen, damit sie uns Jobangebote bereitstellen. Das mussten wir jetzt gar nicht mehr tun, weil von deren Seite bereits genügend auf uns zugekommen sind. Wir konnten also bereits vor dem offiziellen Start ein paar Jobs herausgeben, was natürlich total schön ist. Hoffentlich wird das mit der Zeit ein Selbstläufer.
An wen richtet sich der Newsletter?
Michèle: Freelancer*innen aus der Kreativ-, Digital- und Medienbranche, zum Beispiel Journalist*innen und Fotograf*innen sowie Leute aus den Bereichen Social Media und Content Marketing. Gerade Journalist*innen machen ja mittlerweile oft mehrere Jobs gleichzeitig, sind zum Beispiel auch Speaker*innen.
Antonia: Wir sind relativ breit aufgestellt, was natürlich auch bedeutet, dass nicht jedes Mal für jede*n ein Job dabei sein wird. Wir wollen vor allem ein Freelancer:innen-Netzwerk sein und keine reine Job-Börse. Aber dafür haben wir ja eben auch anderen Content.
Und ganz konkret – wie läuft eine Job-Bewerbung bei euch?
Michèle: Es gibt eine E-Mail-Adresse, an die ihr je nach Job entweder einen Pitch oder einen Lebenslauf schicken könnt. Den Lebenslauf schickt ihr mit einer bestimmten Betreffzeile, wir sammeln sie, schauen drüber und leiten sie dann weiter an die Person, die den Job zu vergeben hat. Im Falle eines Pitches wird es ein vorgefertigtes Google-Doc geben, das ihr kopieren müsst und uns dann die fertige Datei als PDF mailt. In beiden Fällen werden wir die Bewerbungen kanalisieren und kuratieren, damit auch Newcomer*innen eine Chance haben, weil die Stellen ja oft sehr spezifisch sind. Auf jeden Fall wird es sehr geordnet ablaufen. Der Kontakt der Auftraggeber*innen wird nicht direkt erwähnt, damit die Person nicht mit E-Mails überflutet wird. Und natürlich kommunizieren wir transparent und zeitnah, wann was passiert.
Vielen Dank für das Gespräch, viel Erfolg für den Newsletter!
—
Zu den beiden Initiatorinnen:
Antonia Wille, geboren 1986, ist freie Journalistin, Autorin und Content-Strategin. Außerdem lehrt sie als Dozentin für Social Media und gilt als Pionierin der Modeblogger-Szene.
Michèle Loetzner, geboren 1982, arbeitet seit fast 20 Jahren als Journalistin, die letzten zwölf davon frei. Sie schreibt Reportagen und Essays, arbeitet aber auch als freie Textchefin.
Wir freuen uns: Der Wort & Bild Verlag hat am 5. Dezember unseren Code of Fairness unterschrieben. Das Haus gibt unter anderem die Titel Apotheken Umschau, Eltern, den Diabetes und den Senioren Ratgeber heraus. Viele selbstständige Kolleg:innen arbeiten für diese Medien. Sie profitieren nun von unserem Kodex, denn die unterzeichnende Redaktion verpflichtet sich zu einer fairen Zusammenarbeit mit Freien.
„Ich habe selbst als freie Journalistin gearbeitet“, sagte Chefredakteurin Tina Haase, die uns zur Unterschrift im Namen des Verlags in Berlin traf. „Ich schätze die Standards des Code of Fairness.“ Im Wortlaut lesen sich diese wie folgt:
„Das bedeutet, dass wir
- Aufträge schriftlich bestätigen. Wir halten in dem Schreiben das Thema, den Umfang der Arbeit, den Abgabetermin sowie das vereinbarte Honorar fest.
- weder zu offener noch zu verdeckter PR auffordern.
- Beiträge weder tendenziös noch wirklichkeitsverzerrend bearbeiten.
- innerhalb von vier Wochen einen Beitrag verbindlich abnehmen. Änderungs- oder Ergänzungswünsche, die später erfolgen, werden extra honoriert; gleiches gilt für zusätzlich zu recherchierende Aspekte, die nicht im Briefing vereinbart wurden.
- freien Journalist*innen rechtzeitig die Endfassung ihres Beitrags zur Durchsicht zukommen lassen.
- unsere Autor*innen entsprechend ihres Zeit- und Rechercheaufwands sowie ihrer Expertise angemessen bezahlen.
- spätestens vier Wochen nach Abnahme das Honorar überweisen.
- uns verpflichten, Beiträge, die aus redaktionellen Gründen nicht oder nur in gekürztem Umfang erscheinen, vollständig zu vergüten.
- fair und transparent mit Themenideen umgehen; haben Freie uns Themenvorschläge nachweislich zuerst angeboten und wollen wir diese Themen intern oder durch Dritte realisieren, zahlen wir den Freien ein angemessenes Honorar.
- unsere freien Autor*innen an allen Erlösen finanziell beteiligen, die wir mit ihren Werken erzielen.“
Unsere Vorstandsvorsitzende Eva Bodenmüller nahm das Zeichen der Solidarität von Tina Haase entgegen. „Wir werten das als Bekenntnis zu einem fairen und gleichberechtigten Umgang mit freien Journalistinnen und Journalisten, auf das sich :Freischreiber-Mitglieder auch künftig berufen können.“ Der Wort & Bild Verlag wird zudem in seiner Redaktion eine Ombudsperson installieren, die sich um Konflikte der freien Journalist*innen kümmert, sollten solche auftreten.
—
Hintergrund:
Die Redaktion von Eltern hat den Code of Fairness erstmals im Jahr 2018 unterzeichnet. Seit August 2023 gehört die Zeitschrift zum Wort & Bild Verlag. Auch die P.M. Gruppe – mit den bekannten Titeln P.M. und National Geographic – hat sich in der Vergangenheit zum Code of Fairness bekannt. Die neuen Eigentümer, die GeraNova Bruckmann Verlagshaus GmbH, möchten die Selbstverpflichtung allerdings nicht unterzeichnen. Sie gaben gegenüber :Freischreiber an, generell „sehr fair“ mit freien Mitarbeitenden umzugehen; „Pauschalaussagen” wolle man aber nicht treffen.
*Der Code of Fairness wurde am 8. Juni 2011 vom Vorstand einstimmig beschlossen und am 10. Februar 2015 sowie am 4. Mai 2022 vom Vorstand einstimmig aktualisiert.
Code of Fairness als PDF