Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freischreiberinnen, liebe Freischreiber,

seid fair – so ließe sich der Appell des Code of Fairness zusammenfassen. Aber weil das mit Fairsein seitens der Verlage manchmal etwas hakt, haben wir Freischreiber den Code of Fairness auf den Weg gebracht. Der Code, das ist unser Freischreiber-Regelwerk zum fairen Umgang zwischen Redaktionen und freien Journalistinnen und Journalisten in zehn Punkten. Manchmal wissen Redaktionen wirklich nicht, wie sie es besser machen können, manchmal machen sie es schon gut und wollen sich mit dem Code eine Richtlinie geben. Mehr Struktur in den Umgang bringen. Bisher haben Krautreporter, DIE ZEIT, der Freitag, Eltern, die P.M.-Gruppe und National Geographic den Code unterzeichnet. Seit kurzem haben wir einen weiteren Unterzeichner: Übermedien. Wir freuen uns sehr, dass Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz für Übermedien den Code unterzeichnet haben und hoffen auf reichlich Nachahmer unter den Verlagen (Foto: Sabine Gudath).

Mutige Menschen verdienen unser Wohlwollen und unser Lob. Zu diesen gehört Michael Rappe, Initiator eines neuen, für den Fußball in Deutschland komplett ungewöhnlichen Projekts: ein Online-Magazin für und über Frauenfußball. Der Name: FiDo – Frauenfußball in Deutschland online. Hierfür sucht Michael Rappe Sportjournalistinnen, die ab Mitte August für das Online-Magazin schreiben möchten. Leider, meint Michael Rappe, bestehe die Redaktion bislang nur aus Männern. Also, liebe sport- und fußballaffine Kolleginnen, traut euch. Michael Rappe ist unter der E-Mail-Adresse michael.rappe@battv.de erreichbar. Übrigens läuft für das Projekt seit dem 21. Juni ein Crowdfunding. Hier geht es zur Projektseite.

Neue Wege im Lokalen geht Correctiv seit geraumer Zeit mit CORRECTIV.Lokal. Das Büro recherchiert Themen, die auch im Lokalen wichtig sind, aber für die es in den Medienhäusern und Redaktionen entweder keine personellen Ressourcen oder schlichtweg kein Geld gibt. Gleichwohl gibt es viele Kolleginnen und Kollegen, die trotz allem fürs Lokale brennen und die sich weiterentwickeln möchten. Für sie bietet CORRECTIV.Lokal monatlich einen kostenlosen Online-Recherche-Workshop an. Als Dozentinnen und Dozenten sind unter anderem Pascale Müller, Daniel Drepper, Arne Semsrott und einige Kolleginnen und Kollegen aus dem CORRECTIV-Team an Bord. Wer Interesse an einer Mitarbeit in diesem schon gut bestückten Netzwerk hat, kann sich kostenlos auf der Seite von CORRECTIV.Lokal anmelden. Alle weiteren Informationen gibt es dann per E-Mail. Eine Übersicht über die Workshops gibt es hier.

Noch etwas Neues: Im Herbst startet die Hamburg Media School das Journalism Innovators Program. Es ist eine kostenlose, auf sechs Monate begrenzte Fortbildung auch für Freie, die ihre eigenen Projekte entwickeln möchten. Interessierte können sich ab sofort bewerben. Dass das Angebot kostenlos ist, kommt nicht von ungefähr: für das Journalism Innovators Program gibt es Geld von Facebook.

Wichtig für uns Freie außerdem: Der Bundesrat hat die Abgabefrist für die Steuererklärungen 2020 um drei Monate verlängert. Wer seine Steuererklärung selbst macht, hat dafür jetzt bis Ende Oktober 2021 Zeit; falls ihr eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater beauftragt habt, fällt der Hammer am 31. Mai 2022.

Medizinjournalisten sollten sich beim Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose (BfO) umschauen. Dieser schreibt einen Medienpreis für journalistisch hochwertige Beiträge zum Thema Osteoporose aus. Beiträge dürfen nicht älter als zwei Jahre sein und müssen in einer deutschen Publikation veröffentlicht worden sein. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert, er wird am 4. Dezember verliehen. Bewerbungsschluss ist der 15. September. Die Kontaktdaten: Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V. (BfO), Kirchfeldstraße 149, 40215 Düsseldorf, Telefon 0211/30 13 14 -0, E-Mail info@osteoporose-deutschland.de.

Und noch etwas Interessantes: Die Reportageschule bietet den Masterclass-Workshop „Die Reportage als Buch“ an. In der Ausschreibung heißt es: „Ist es literarischer Journalismus oder sind es erzählende Sachbücher? Ganz gleich, wie du es nennst: Wir möchten dich ermutigen, dich einem großen Stoff zu stellen. Freier zu schreiben, experimentierfreudig, redlich und wahr. Fünf, die es vorgemacht haben, leiten uns an. Recherche und Dramaturgie, Szene und Dialog, Verlagssuche und Finanzierung. Und immer wieder: der gemeinsame Blick auf dein Projekt.“ Dabei sind Wolfgang Bauer, Wolfgang Büscher, Julia Friedrichs, Isabelle Lehn, Thomas Pletzinger. Als Gäste: Martin Breitfeld (kiwi) und Daniel Puntas Bernet (Reportagen). Mehr Informationen gibt es hier.

Ein Hoch auch auf Freischreiberin Petra Reski. Ihr ist der Ricarda-Huch-Preis 2021 der Stadt Darmstadt verliehen worden. „Mit dieser Auszeichnung wird die Schriftstellerin und Journalistin für ihr Gesamtwerk geehrt“, heißt es dazu von ihrem Verlag Droemer. Dort ist im März ihr neues Buch „Als ich einmal in den Canal Grande fiel“ erschienen, in dem Petra Reski einen wehmütigen Blick hinter die Kulissen Venedigs wirft und erzählt, wie es ist, in einer Stadt zu leben, der es zum Verhängnis wird, von aller Welt geliebt zu werden.

Die Heinrich-Böll-Stiftung verleiht in diesem Jahr drei Journalismus-Fellowships. Zielgruppe sind Journalisten, Blogger und Medienschaffende, „die Ursachen, Gefahren und Präventionsmöglichkeiten der Verbreitung verschwörungstheoretischer Ideologien und rechtsextremen Gedankenguts in europäischen Ländern untersuchen“ möchten, wie es heißt. In diesem Rahmen gibt es ein Recherche- und Reisehonorar in Höhe von 2.000 Euro und Unterstützung bei der Organisation von Interviews Die Reise soll übrigens bis 31. Oktober 2021 abgeschlossen sein. Das Reisehonorar wird zur Hälfte vor Antritt der Reise gezahlt, das restliche Honorar nach Veröffentlichung der Artikel. Weitere Informationen: www.boell.de.

Hat jemand ein besonderes Interesse an Osteuropa? Wer diese Frage für sich bejaht, sollte den Blick auf das Projekt „Belarus Now! Covering Human Rights and LGBTQ issues in cross-border journalism“ der Deutschen Gesellschaft e.V. werfen. Es wird durch das Auswärtige Amt gefördert. Journalist*innen aus dem deutschsprachigen Raum gehen im September auf eine digitale Recherchereise nach Belarus. Das Ziel: Stärkung der Berichterstattung über die aktuelle Menschenrechtslage in dem Land sowie die zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit. Die Bewerbung ist bis zum 22. Juli möglich. Mehr Infos auf Facebook sowie unter www.deutsche-gesellschaft-ev.de.

Wer Interesse am Austausch über Grenzen hinweg hat, ist bei den Internationalen Journalisten-Programmen e.V. gut aufgehoben. Der Verband bietet aktuell unter anderem ein deutsch-türkisches, ein deutsch-polnisches und ein deutsch-osteuropäisches Programm an. Eine Übersicht gibt es hier.

Freischreiberiges und Termine

Unsere diesjährige Mitgliederversammlung ist für Samstag, 2. Oktober, geplant. Diese wird nach aktuellem Stand digital über die Bühne gehen. Abends laden wir euch im ganzen Land zu Regio-Treffen ein, und zwar je nach regionaler/lokaler Inzidenz und Erlaubnis. Weitere Infos folgen. Wir freuen uns und haben schon #grueneLaune.

Apropos: Wir haben ein neues Regio-Team in Leipzig. Insa van den Berg und Carolin Wilms bringen Leben in die Bude beziehungsweise ins Team. Herzlichen Dank!

Dass wir mit unserer Strategie, die Umsätze der Freien so transparent wie möglich darzustellen, richtigliegen, zeigt sich mal wieder im aktuellen Newsletter des Netzwerks Recherche. Darin geht es um die Einkünfte der Freien, unter anderem bei Stipendien und überhaupt im Reisejournalismus. 

Wir Freischreiber sind eben nicht nur digital, sondern auch gerne noch analog unterwegs – zum Beispiel mit unserer Freienbibel 2, die bald erscheinen wird. Zum Hineinschnuppern lohnt sich der Blick in die kommende Ausgabe des Medium Magazins. Freischreiber und Redaktionsmitglied Florian Sturm hat darin zwei Freien-relevante Stücke geschrieben: eines verpackt als offenen Brief an Redaktionen, welche Sätze wir nicht mehr hören können, und eines darüber wie Journalismus und Kunst zusammenpassen. Außerdem hat er KI-Transkriptionsdienste getestet. 

Ab August gibt es etwas aus der Abteilung „Arbeite, lebe und fühle dich wohl dabei“: Verena Hagedorn gibt zehn Self-Care-Tipps speziell für Freie. Diese werden auf zehn folgende Ausgaben unseres Newsletters verteilt. Also: Vormerken, aufmerksam lesen und vor allem umsetzen. 

Termine

21. Juli, 12 Uhr, Zoom: „Drehbuch? Serie? Writers’ Room?“ mit Freischreiberin Lisa Rüffer. Sie arbeitet seit dem Jahr 2016 als Drehbuchautorin. Den Einstieg bot ein Stipendium der Münchner Drehbuchwerkstatt und die Arbeit als Autorin für die Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Wie sich fiktionales Drehbuchschreiben und journalistische Reportagen (aka Storytelling und Figurenentwicklung) gegenseitig befruchten, was mehr Spaß macht, welche Branche die härtere ist und was ein Writers’ Room ist – eure Fragen beantwortet euch Lisa im Zoom-Gespräch.

Montag, 26. Juli, 12 Uhr, Online: Digitale Mittagspause „Reden schreiben“. Das Hamburger Regio-Team lädt dazu mit Christoph Schlegel ein. Der Kollege war Redakteur der Stuttgarter Zeitung und im Spiegel-Hauptstadtbüro. Seit 2004 ist er Redenschreiber für Leute aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und Dozent zum Thema Reden schreiben.

Am Donnerstag, 29. Juli, steht ab 17 Uhr der „Digitale Gründer*innen-Stammtisch #2“ auf dem Programm – natürlich schön mit Abstand auf Zoom. Gründen heißt auch, aus Fehlern zu lernen. Über ihre Erfahrungen sprechen Pia Frey (Opinary) und Marvin Schade (Medieninsider). Pia ist Chief Content Officer bei „Opinary“ und kümmert sich darum – grob gesagt – die Beziehungen zwischen User*innen und Medienunternehmen zu verbessern. Tools, die „Opinary“ entwickelt, ermöglichen, das Publikum stärker einzubinden, zu verstehen und auch zu monetarisieren. Marvin Schade bezeichnet sich als „Hausmeister, Praktikant, Assistent und Chefredakteur in Personalunion“. Seit einem Jahr baut er mit seinem Co-Gründer Matthias Bannert das digitale Magazin „Medieninsider“ auf und versteht dadurch immer mehr über den Wandel der Medien und ihre wirtschaftlichen Bedingungen. Organisiert und moderiert wird das Ganze von Freischreiber-Mitglied Pauline Tillmann, die 2015 das digitale Magazin „Deine Korrespondentin“ aufbaute. Hier geht es zum Zoom-Meeting.

Dienstag, 7. September, Zoom: „Crashkurs: Honorare verhandeln“ mit Freischreiberin Katharina Jakob. Wir sind Profis. Wir recherchieren hartnäckig und schreiben packende Texte. Doch wenn es darum geht, unsere Arbeit gut zu verkaufen, kriegen wir kalte Füße? Honorarverhandlungen gehören für uns Freie zum Kerngeschäft, wir müssen sie genauso beherrschen wie das Recherchieren und Schreiben. Dafür gibt es ein paar Regeln – und Tricks. 

Freitag, 17. September, 9 Uhr, Zoom: „Crashkurs: Besser schreiben“ mit Ariel Hauptmeier (Reportageschule Reutlingen). Na klar bist du ein Text-Profi. Du kennst die Regeln guter Sprache, du hast deinen Wolf Schneider gelesen, weißt, wie Wörter wirken. Aber – ist da vielleicht noch mehr drin? Mehr Präzision und Tempo, mehr Sprachgefühl und Rhythmus, mehr Spaß? Finde es heraus! Teilnahmegebühr: Freischreiber-Mitglieder 49 Euro; begrenztes Kontingent für Mitglieder von wpk, Reporter-Akademie, freelens, ndm: 89 Euro; Externe: 129 Euro. Maximal 12 Teilnehmer. Anmeldung unter kontakt@freischreiber.de.

Eine ganze Sammlung von Fortbildungen bietet auch wieder die Berliner Journalistenschule (BJS) in den kommenden Wochen an – zum Beispiel „Texten im Internet“ am 16. und 17. August, „Suchmaschinenoptimierung SEO“ am 23. August sowie „Humorvoll kommunizieren“ am 30./31. August. Das jeweils aktuelle Programm findet sich im BJS-Seminarkalender.

Liebe Kolleg*innen, liebe Freischreiber*innen und Freischreiber-Freund*innen,

normalerweise steigen wir an dieser Stelle locker-flockig ein, mit blumigen Phrasen, freischreiberigen Wortkonstruktionen und – ja – Euphorie. 
Aber dieses Mal ist die Lage ernst. Sehr ernst. Deshalb bitten wir heute – und mahnen. Denn das hier ist wichtig: Die Ausschüttungen der VG Wort sind in Gefahr. Auch in diesem Jahr werden die Beschlüsse, die dafür notwendig sind, im Umlaufverfahren getroffen. Das bedeutet, dass die Mitglieder per Post abstimmen. Und dem Gesetz nach muss dabei nicht nur eine Mehrheit erzielt werden, sondern auch die Hälfte aller Mitglieder an der Abstimmung teilnehmen. Die Briefe müssen bis spätestens 7. Juni 2021 bei der VG Wort eingegangen sein. 

Diejenigen, die Mitglieder der VG Wort sind, haben vor einigen Tagen einen dicken, großen weißen Umschlag erhalten, in dem auch ein Stimmzettel und vorfrankierter blauer (je nach Lichteinfall eher türkisfarbener) Umschlag liegen. Zur Abstimmung stehen drei Punkte: Jahresabschluss 2020, Transparenzbericht 2020 und die Schaffung von Stipendien für Belletristiker*innen und Journalist*innen, die im Kultur- und Feuilleton-Bereich tätig sind. Nur dann, wenn die Mitgliederversammlung Jahresabschluss und Transparenzbericht zustimmt, werden die Ausschüttungen wie geplant Anfang Juli und Anfang September überwiesen. Wir haben beides geprüft, sehen keine Mängel und empfehlen deshalb eine Ja-Stimme.

Bei den Stipendien handelt es sich um Mittel der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM), die von der VG Wort vergeben werden sollen. Die Rahmenbedingungen wurden von der BKM vorgegeben. Die Vergabe der Stipendien wird die regulären Finanzen der VG Wort nicht belasten. Auch hier bitten wir deshalb um Zustimmung. Und damit nun das übliche Kleingedruckte: Alle, die Ausschüttungen der VG Wort erhalten, sind Wahrnehmungsberechtigte. Die Mitgliedschaft muss man eigens beantragen. Dies ist möglich, wenn man in den vorangegangenen drei Kalenderjahren entweder im Durchschnitt 400 Euro im Jahr oder insgesamt 1.200 Euro an Ausschüttungen der VG Wort erhalten hat. Die Mitgliedschaft wird formlos per Mail an vgw@vgwort.de beantragt und kostet 10 Euro im Jahr. War doch gar nicht so schlimm. Kommen wir nun zu den schönen Dingen!

Freischreiberiges
Manchmal knirscht es gewaltig im Getriebe rund um Aufträge, Abrechnungen, Briefings und was da sonst noch an Konfliktstoff anfällt. Weil unsere Leute sich nicht immer direkt an ihre*n Redakteur*in wenden wollen oder können, gibt es seit einigen Jahren Ombudsleute in verschiedenen Redaktionen. Sie vermitteln, klären und schaffen vieles vom Tisch. Beim Spiegel, bei P.M. und Geo, bei der Zeit und beim Freitag haben wir bisher Ansprechpartner für Freie. Jetzt freuen wir uns besonders, dass sich bei der taz zwei Ombudsleute gemeldet haben. Marah Hambrecht und Kaspar Zucker haben schon länger ein offenes Ohr für die Probleme rund um Gleichstellungsfragen, jetzt kommen die Freienfragen dazu. Sie sind erreichbar unter der schönen Mailadresse vertrauensstelle-at-taz.de. Übrigens – wenn Redaktionen ihre Zusammenarbeit mit Freien verbessern wollen: Wir beraten gerne rund um den Code of Fairness, unser Regelwerk für den guten Umgang mit Freien, und freuen uns über weitere Ansprechpartner für Freienbelange. 

In eigener Sache: Netzwerken und Austausch – für uns Schreiber*innen unverzichtbar. Welche*r Auftraggeber*in fällt mal wieder durch abgrundtief schlechte Vertragsklauseln auf? Wie muss ich was auf Rechnungen ausweisen? Denkt dran: Freischreiber hat für Mitglieder einen Raum auf Slack. Dort können wir uns unkompliziert austauschen, Fragen stellen und Antworten geben, Regio-Gruppen finden und Jobs anbieten. Wir sehen uns dort!

Freischreiber-Termine
Wir halten die Spannung – auch im Juni. Selbstverständlich. Deshalb gibt es ’nen Crashkurs und ’nen Webinar, die es beide in sich haben:

Ihr habt es mehr als deutlich gemacht: Freischreiber*innen sind stets auf der Suche nach funkelnden Sätzen, fantastischen Wortwelten und Szenen wie gemalt. Deshalb haben wir erneut Ariel Hauptmeier – Leiter der Reportageschule in Reutlingen – eingeladen. In seinem „Crashkurs: Besser Schreiben“ am 21. Juni von 9 bis 13 Uhr setzt er sich mit euch zusammen und kreiert erste Sätze, die ihresgleichen suchen. Der Kurs ist bereits ausgebucht, aber ihr könnt euch auf die Warteliste setzen lassen. Oder ihr geht auf Nummer sicher und meldet euch direkt für den nächsten Kurs am 17. September an. 

photo: ninasimone.de

Freudige Aufregung oder blanke Panik – jede*r Freie schaut wohl mit anderen Gefühlen auf die jährliche Steuererklärung. Für alle gilt aber: Mit hilfreichen Tipps und Tricks läuft‘s rund. Deshalb erklärt Fachjournalistin Constanze Elter am 25.06. ab 16 Uhr „Wie wuppe ich meine Steuererklärung?“. Welche Ausgaben sind für die UstV relevant, welche für die EÜR und welche erst bei der Jahressteuerberechnung? Wo verbuche ich die KSK? Und wie berücksichtige ich Beiträge für die Freischreiber? Hier erfahrt ihr es.

Zweitverwertung: Einmal geschrieben, x-mal verkauft. Unter diesem Motto trifft sich am 10. Juni die Regio-Gruppe Bonn und tauscht sich über Zweit-, Dritt- oder sogar Viertverwertungen von journalistischen Texten aus. Aber: Welche Texte eignen sich zur Zweitverwertung? Wie sieht es rechtlich aus? Wie bietet man einen bereits erschienenen Text am besten an? Und wo findet man die passenden Redaktionen? Freischreiber Steve Przybilla erklärt‘s und lädt zur Diskussion.

Unsere aktiven Regio-Gruppen rufen regelmäßig zu Stammtischen. Schaut am besten immer mal wieder in unseren Terminkalender, damit ihr nichts verpasst. Aktuell findet das meiste noch virtuell statt. Aber stetig fallende Inzidenzen und die hier und da gar bereits geltenden Lockerungen lassen hoffen: Demnächst wieder Bier, Wein und grüne Cocktails in lustiger Runde ohne Bildschirm? Wir wünschen es euch und uns.

Ihr habt es sicherlich gemerkt – einige Angebote sind nur Freischreiber-Mitgliedern zugänglich. Du bist noch kein Freischreiber-Mitglied? Kein Problem – hier kannst du dich anmelden.

Seminare & Kurse
Das Millennial Lab von Vocer bietet den Workshop „Media for Millennials: Wie können klassische Medien junge Menschen erreichen?“ für sechs Freischreiber*innen kostenfrei an. Der Online-Workshop findet am 11. und 12. Juni statt (Fr., 14–18 Uhr; Sa., 9–13 Uhr). Anmelden können sich freie Journalist*innen jeden Alters, die sich mit jüngeren Zielgruppen und deren Ansprache auseinandersetzen sowie entsprechende Formate entwickeln möchten. Der Workshop möchte folgende Fragen beantworten: Wie schaffen es Journalist*innen, mit ihrer Arbeit gezielt ein jüngeres Publikum zu adressieren? Welche Plattformen müssen Journalist*innen dafür bespielen und wie müssen sich die Inhalte ändern? Gemeinsam mit Menschen unter 30 Jahren entwickeln die Workshop-Teilnehmenden digitale Storytelling-Formate. Die Anmeldefrist läuft bis morgen, 2. Juni. Die Anmeldung erfolgt bitte per E-Mail an millenniallab-at-vocer.org.

Projekte
Radio Utopistan mit und von (unter anderem) Freischreiberin Elisabeth Weydt ist ein frisch gegründetes Medienhaus für mutige Visionen aus aller Welt. Der Podcast und die Community sammeln gemeinsam konstruktive Geschichten für eine gerechtere, utopische Zukunft. Erzählt und diskutiert werden sie im Internet, in der Zeit nach Corona dann auch in echten Räumen. Die Geschichten handeln bisher zum Beispiel von einer Ingenieurin in Gaza, die mit Kopftuch und Highheels unter Hamas und Besatzung zwei Unternehmen gegründet hat. Von Plastiksammlern in der mexikanischen Karibik oder von einer Anwältin in Guyana, die sich mit Exxon Mobile und der Weltbank anlegt.

Freischreiber Steve Przybilla hat bei RiffReporter das neue Online-Magazin „Zukunft Elektroauto“ gestartet, das sich kritisch-konstruktiv mit der Elektromobilität auseinandersetzt. Im Spannungsfeld zwischen Klimaschutz, Rohstoff-Knappheit und Ladesäulen-Wirrwarr ordnet er die Chancen und Risiken ein, die der elektrische Wandel mit sich bringt. Zum Auftakt ist eine große Reportage erschienen, bei der er ausprobiert, wie gut man mit einem Elektroauto in den Urlaub fahren kann.

Eigentlich scheint die deutsche Einheit eine Erfolgsgeschichte zu sein. Doch wie eng sind die beiden Teile Deutschlands drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung wirklich zusammengewachsen? Warum wird immer noch auf OST oder WEST abgestellt als handle es sich um schwerwiegende Vorerkrankungen, auf die Rücksicht zu nehmen ist? Freischreiberin Carolin Wilms hat darüber gemeinsam mit Ilka Wild ein Buch geschrieben: Sind wir uns wirklich einig? 

Im Alltag passiert es erstaunlich oft, dass wir mit Verschwörungserzählungen konfrontiert werden. Ob mit einem Freund in der Kneipe, der über „geheime Mikrochips in Impfungen“ referiert, ein Kollege, der davon überzeugt ist, dass uns die „Lügenpresse“ manipuliert oder der Bruder, der die „Pharmalobby“ für alle Erkrankungen verantwortlich macht. Nach ihrem Bestseller „Fake Facts“ geben Freischreiberin Katharina Nocun und Pia Lamberty mit ihrem Ratgeber „True Facts“ Tipps und verraten Kniffe, wie wir solche Aussagen als Verschwörungserzählungen entlarven können. 

Die Ausstellung „LandRush – Ventures into Global Agriculture“ am „Centre national de l‘audiovisuel“ in Dudelange (Luxemburg) ist eine künstlerisch-dokumentarische Auseinandersetzung mit den sozialen und ökologischen Auswirkungen globaler Landwirtschaft. Frauke Huber und Freischreiber Uwe H. Martin dokumentieren seit 15 Jahren das Leben von Bauern und Landarbeiter*innen, Indigenen und Fischer*innen, sprechen mit Aktivisten, Politikern und Wissenschaftler*innen. Sie zeigen die komplexen Zusammenhänge und Lieferketten, die nötig sind, um uns mit Nahrung zu versorgen und wie wir durch Umweltzerstörung die Basis unserer Ernährung weiter erodieren.
Am 12. Juni erscheint passend hierzu der analog-digitale Katalog „LandRush –Ventures into Global Agriculture“. Infos findet ihr demnächst hier: https://cna.public.lu/en/events/2020/landrush.html.

Preise & Stipendien
Seit dem 1. April läuft die Ausschreibung zum Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus 2021. Bis einschließlich 30. Juni können Bewerbungen online eingereicht werden. Der Preis wird in den Kategorien „Allgemein“, „Newcomer“, „Medienprojekt“ und für bis zu drei Recherche-Stipendien ausgelobt und ist mit einem Preisgeld von insgesamt 47.000 Euro dotiert. Alle Informationen zum Otto Brenner Preis und den Bewerbungsmodalitäten sind auf der Webseite www.otto-brenner-preis.de zu finden.

Für Kurzentschlossene – das Media Innovation Fellowship des Journalismus Lab: Nur noch heute (1. Juni) können sich Medien-Start-ups bewerben, die professionellen Journalismus, Medien und Innovation zusammenbringen und aus ihrer validierten Idee ein wirtschaftlich agierendes Unternehmen aufbauen möchten. 

Zum Schluss …
… erinnern wir noch einmal an den Anfang und mahnen: Nun packt euren blau bis türkisfarbenen Stimmzettel (natürlich vorher ausfüllen!) in den blau bis türkisfarbenen Umschlag und ab damit in den nächsten – mit extrem großer Wahrscheinlichkeit gelben – Postkasten. Dann gibt es auch im Juli wieder Grund zur Freude. 
In diesem Sinne: Bleibt gesund und frei!

Eure Freischreiber*innen

Liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Freischreiberinnen und Freischreiber,

220 Millionen. Das ist eine Menge Geld, das die Bundesregierung an Verlage ausschütten wollte wegen Pandemie, Krise und allem. Finanzielle Mittel, so war es gedacht, damit unter anderem der Übergang in die digitale Welt besser gelingen kann, für die, die noch auf Papier drucken. Die digitalen Medien sollten nichts bekommen, weil – man ahnt es: die sind ja schon digital. Presseförderung also für die einen, für die anderen nicht?

Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen, dachten sich die Krautreporter, ein digitales Magazin (und wer schon länger bei uns dabei ist, diesen Newsletter schon damals bekam, der weiß: Freischreiber hat seinerzeit die Krautreporter bei ihrer Gründung unterstützt). Jedenfalls: Krautreporter erhob Klage gegen dieses Vorgehen: „Wir haben uns diesen Schritt gut überlegt. Zu den Grundwerten von Krautreporter gehört es, dass wir stets eine konstruktive Haltung einnehmen. Deswegen geht es uns nicht darum, anderen Medienunternehmen zu schaden. Wir sind auch nicht gegen jegliche Förderung von Journalismus. Aber wir sehen es als unsere Pflicht an, uns gegen diese Verletzung der Pressefreiheit und die Verzerrung des publizistischen Wettbewerbs durch den Staat zu wehren“, schrieben sie dazu im April. Und nun? Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat das ganze Verfahren ziemlich schnell gestoppt und sich überhaupt von dieser Förderidee verabschiedet. Mal schauen, was passiert. Da liegen ja weiterhin 220 Millionen im Topf. 

„Mit 220 Millionen ließe sich viel erreichen. (…) Nur eine selektive Förderung, die den Projekten mit dem größten Zukunftspotenzial auf die Beine hilft, kann bei der Bewältigung des krisenhaften Zustands des Journalismus nachhaltig unterstützen,“ schreibt Christopher Buschow in einem Gastkommentar für Zapp. „Dabei ist es unerheblich, ob die Projekte von etablierten Häusern oder Neueinsteigern stammen – es geht darum, im freien Wettbewerb all diejenigen zu unterstützen, die mit Innovation zur Zukunftsfähigkeit beitragen.“

Freischreiberiges
Vorweg: Hier kommt jetzt einiges, das im Detail unseren Mitgliedern vorbehalten ist. Von daher: Noch kein Mitglied? So kann man das ändern! Und los geht es: Geimpft oder nicht geimpft – das wird bald immer häufiger die Frage sein. Wie der Stand für Journalist*innen in den verschiedenen Bundesländern derzeit ist, hat Freischreiber-Vorstandsmann Oliver Eberhardt recherchiert und stellt die Ergebnisse unseren Mitgliedern zur Verfügung.

Ein Zoom-Meeting zum Thema „Soziale Medien professionell nutzen“ findet für Freischreiber*innen heute, Donnerstag, den 6.5. ab 17 Uhr statt: „Facebook, Instagram, Twitter, LinkedIn, Tiktok, YouTube, und jetzt auch noch Clubhouse: Muss man eigentlich überall präsent sein? Und wie nutzt man welches Medium am besten? Mit welchen Inhalten und Kniffen gewinnt man Follower – und vor allem die Aufmerksamkeit der richtigen Leute?“

Webinar: Elterngeld für Freie am 20. Mai

Plätze frei sind noch im Webinar Elterngeld für Freie am 20. Mai um 19.30 Uhr mit Referentin Verena Dias. Infos und Anmeldung hier.  

Auch am 20. Mai, aber schon um 17 Uhr laden wir zum ersten  digitalen Gründer*innen-Stammtisch. Wir Freischreiber finden: Es sollte mehr Journalist*innen geben, die ihr eigenes Ding machen und die sich mit eigenen Projekten und / oder Medien-Startups von etablierten Medienhäusern unabhängig machen. Um angehende und etablierte Medien-Entrepreneure zu vernetzen, starten wir deshalb erstmals einen digitalen Gründer*innen-Stammtisch. Den Auftakt machen Rico Grimm (Krautreporter) und Astrid Csuraji (tactile.news). Krautreporter hat inzwischen mehr als 15.500 zahlende Mitglieder und sich Erklärjournalismus auf die Fahnen geschrieben. Bei tactile.news geht es – unter anderem – darum, Sensorjournalismusvoranzutreiben. Beim Stammtisch geben die beiden Mitgründer*innen kurzen Input und danach könnt ihr sie mit euren Fragen löchern. Organisiert und moderiert wird das Ganze von Freischreiber-Mitglied Pauline Tillmann, die 2015 das digitale Magazin „Deine Korrespondentin“ gegründet hat. Infos und Anmeldung hier

Ausgebucht: Besser schreiben mit Ariel Hauptmeier

Schon wieder ausgebucht ist der „Crashkurs: Besser Schreiben“  mit Ariel Hauptmeier von der Reportageschule Reutlingen am 21. Juni. Wer mag, kann sich auf die Warteliste eintragen. 
 


Mitmachen und Ärmel hochkrempeln: Jetzt :Freischreiber*in (oder :Fördermitglied) werden! 


 
„Wir alle lieben den Wald“ schreiben die WaldReporter, eine der vielen Unterabteilungen der RiffReporter. „Die einen suchen unberührte Natur und frische Luft, für die anderen ist der Wald eine wichtige Rohstoffquelle oder ein Refugium für Wildtiere. Moderne Holzwirtschaft, Waldnaturschutz, Energiewende und Klimawandel stellen Waldnutzer und -genießer vor große Herausforderungen. Viele Interessen müssen unter einen Hut gebracht werden, um unsere Wälder für kommende Generationen zu erhalten. Mit ‚Die Waldreporter‘ wollen wir unterschiedliche Blickwinkel darstellen und den Wald auf seinem Weg in die Zukunft begleiten.“ Bleibt noch offenzulegen, wer sich hinter den WaldReportern verbirgt: Freischreiber Jens Eber und Freischreiberin Ariane Lochner

Freischreiberin Geraldine Friedrich, die zusammen mit ihrer Kollegin Francoise Hauser den „Freien-Podcast“ bestückt, informiert in der aktuellen Folge darüber, warum freie Journalist*innen ihre Texte unbedingt bei der VG Wort melden sollten. Ankündigung: „Bei freien Journalisten heißen die Ausschüttungen der VG-Wort hin und wieder auch scherzhaft „Urlaubsgeld“. Was genau dahinter steckt und worauf man achten muss, erklärt uns Oliver Eberhardt, VG-Wort-Experte der Freischreiber.“ 

Intervall-Fasten, davon dürfte man schon mal was gehört haben. Daraus ein Prinzip zu entwickeln, das beschreibt Freischreiberin Carola Kleinschmidt in ihrem Buch „Das Intervall-Prinzip: Die Kunst, den richtigen Rhythmus zu finden“: „Wenn wir unserem Alltag auf vielen Ebenen wieder einen guten, uns wirklich entsprechenden Rhythmus geben? Denn nach jeder Anstrengung brauchen wir eigentlich eine Pause, eine Phase der Regeneration. Das gilt für unseren Körper ebenso wie für unsere Psyche. Höchste Zeit, sich dieses natürliche Prinzip wieder zu vergegenwärtigen!“  Erschienen ist das Buch übrigens im Autorenwelt-Shop, der sich besonders dafür einsetzt, Autor*innen an den Einnahmen aus den Verkäufen zu beteiligen.

„Zwei am Puls der Erde“ heißt das neue Buch von Freischreiber Raphael Thelen und Theresa Leisgang: „Die Angst vor der Klimakrise überschattet immer mehr ihren Alltag. Deshalb brechen Theresa Leisgang und Raphael Thelen zur größten Reise ihres Lebens auf: von Südafrika bis zum nördlichen Polarkreis, 20.000 Kilometer über Land, einmal quer durch alle Klimazonen. Sie wollen herausfinden: Wie gehen Menschen schon heute mit der Klimakrise um? Und was können wir tun? Doch bald zwingt die Pandemie sie zur Einsicht, dass nicht nur das Klima kollabiert, und die beiden begreifen, dass sie selbst Teil des patriarchalen Systems sind, das so viele globale Krisen verursacht. Ein Weiter-so ist keine Option mehr, stattdessen entdecken sie auf ihrer Reise neue Handlungsmöglichkeiten und kehren schließlich mit einer Antwort zurück, die ihr Leben für immer verändert.“

Dass Freischreiberin Petra Reski sich immer wieder nicht nur der Stadt, sondern dem Kosmos „Venedig“ widmet, hat sich vermutlich herumgesprochen. In ihrem Blog „Reskis Republik“ teilt sie ihre Eindrücke, Gedanken und auch Befürchtungen mit, zugleich ist ein neues Buch von ihr erschienen: „Als ich einmal in den Canal Grande fiel“: „Von Touristen überrannt, vom Hochwasser bedroht – und dennoch die schönste Stadt der Welt: Petra Reski, die seit den Neunzigern in der Lagunenstadt lebt und sie kennt wie keine Zweite, erzählt so atmosphärisch wie schonungslos vom Leben in Venedig“. 

Dies & das
Eine neue Studie mit dem Titel #UseTheNews (oder auch nicht) beschäftigt sich mit dem Medienverhalten junger Menschen – also unsere Kunden von morgen: „Die Hälfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hält es nicht für wichtig, sich über Neuigkeiten und aktuelle Ereignisse zu informieren. Bei journalistischen Nachrichten fehlt ihnen oft der Bezug zu ihrem persönlichen Alltag. Das sagen beispielsweise in der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen mehr als zwei Drittel der nicht-journalistisch Informationsorientierten (67 Prozent). In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen sind es etwas weniger (59 Prozent). Aber auch bei den journalistisch Informationsorientierten – also den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die den stärksten Bezug zu klassischen Medien haben – ist der Wert in beiden Altersgruppen mit jeweils knapp 40 Prozent vergleichsweise hoch.“ Noch mehr Zahlen, und noch mehr Fragen – finden sich hier.

„Journalismus ist nicht mehr der Traumjob von einst“, so beginnt ein längeres Lesestück von Dennis Bühler von der Schweizer „Republik:„Vor zehn Jahren noch drängten mehr junge Menschen in den Beruf, als Ausbildungs­stätten und Redaktionen aufnehmen konnten. Heute ist das anders: Die großen Redaktionen haben Mühe, fähigen Nachwuchs zu finden. An den Journalisten­schulen schrumpfen die Jahrgänge.“ Und er schildert uns anhand vieler Lebensläufe, Karrierebrüche und Berufswechsel, was Gründe dafür sind: der kaputtgesparte Journalismus, das Sexismus-Problem in nicht wenigen Redaktionen, die Verlockungen aus der Werbung und den PR-Maschinen und überhaupt mangelnde Perspektiven, will man journalistisch weiterkommen: „Wir haben nachgezählt  – in Branchen­magazinen, auf Fach­portalen, auf den Job­netzwerken Linkedin und Xing. Und stellen fest: In den letzten fünf Jahren haben sich über 350 Journalistinnen verabschiedet. Das heißt: Seit 2016 kommt der Schweiz alle fünf bis sechs Tage ein Journalist abhanden.“ Gewiss, Bühler blickt als Schweizer Journalist auf die Schweiz. Aber seine Ergebnisse und Ableitungen lassen sich gut auch auf Deutschland übertragen.

Seminare & Kurse
Klar, die Klimakrise ist ein wichtiges Thema. Aber wie schafft man es, in Redaktionen wirklich Platz für dieses Thema zu bekommen – darum soll es im Online-Seminar „Klimajournalismus: Kommunikation in der Krise“ gehen: „Das Seminar richtet sich an (angehende) Journalist:innen, die das Thema Klimakrise in ihren Redaktionen, Ressorts und Ausbildungsstätten gern pushen würden und sich dazu Input und Empowerment wünschen.“ 
Und das am 14.5. von 16:30 bis 20 Uhr. Veranstalter ist die Initiative Klimajournalismus, das Programm ist reichhaltig und hier geht es zur Anmeldung.

Preise & Stipendien
„Pro Ehrenamt“ nennt sich ein Journalisten-Preis des Rhein-Kreises Neuss, der eben um das Thema Ehrenamt kreist: „Die deutschsprachigen Beiträge können das gesamte Spektrum des journalistischen Schaffens spiegeln, insbesondere die klassischen journalistischen Stilformen wie z. B. Reportage, Hintergrundbericht, Kommentar, Feature.“ Im Topf liegen für die verschiedenen Genres von Print bis Hörfunk, Magazin bis TV je 4.000 Euro; bewerben kann man sich bis Ende Mai.

Für Nachwuchsjournalist*innen gedacht ist der Gutenberg-Recherchepreis: „Er fördert junge Journalisten, die sich auch im Zeitalter von Meinungswettstreit und Zielgruppenkommunikation dem klassischen journalistischen Grundsatz verpflichtet fühlen: Vor der Information steht die gründliche Recherche.“ Verteilt werden 7.000, 5.000 und noch einmal 3.000 Euro. Bewerbungsschluss ist der 17. Mai.

Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN) bietet in diesem Jahr acht Stipendien für selbstorganisierte Recherchereisen an: „Schwerpunkt der Reisen soll das Thema ‘Mixed Migration’ und das Zusammenwirken der UN-Organisationen UNHCR und IOM bei der Bewältigung von aktuellen Flucht- und Wanderungsbewegungen bilden.“ Und: „Insbesondere Journalistinnen und Journalisten von Regionalzeitungen, in denen die UN und Entwicklungsfragen meist nur selten Thema sind, sind herzlich eingeladen.“ Finanziert werden Reisekosten in Höhe von bis zu 2.000 Euro und bewerben kann man sich noch bis zum 16. Mai.

So. Das war’s schon wieder. Also fast. Denn wir haben noch was in petto. Einen tröstenden Song, ein tröstendes Video, für diese Zeiten. Heißt „Arbeit“ (wie passend!), ganz neu eingespielt vom austro-isländischen Duo Oehl – Gruß an die Freischreiber in Österreich! 

Und jetzt: Haltet die Boxen aus dem Fenster oder drückt die Kopfhörer fest auf die Ohren und schaut einfach hin …
In diesem Sinne,

kommt weiterhin gut durch die Tage!
Eure Freischreiber*innen

Liebe Freischreiber*innen, liebe Kolleg*innen, liebe Freund*nnen von Freischreiber,
 
an dieser Stelle sei einmal ein wenig aus dem Freischreiber-Nähkästchen geplaudert: Unser Vorstandsmitglied Oliver Eberhardt hat hessische Wurzeln, daher ist sein Humor bisweilen so trocken wie Äppelwoi aus nicht gerade sonnenverwöhnten Früchten. Das kann im Umkehrschluss zu Missverständnissen führen, denn manchmal meint er vollkommen ernst, was wie sanfte Ironie klingt. So schrieb er über die Mitgliederversammlung der VG Wort vor gut zwei Wochen, die neuneinhalbstündige Veranstaltung sei vollgepackt gewesen mit „dem Langweiligsten, was das Land zu bieten hat“.
 
Das war keine Ironie, nicht einmal Übertreibung. Über die wirklich essenziellen Dinge – sprich: die Verlagsbeteiligung – wurde nämlich noch gar nicht gesprochen. Oliver dazu: „Der Entwurf für die Umsetzung der europäischen Urheberrechtsrichtlinie in deutsches Recht liegt irgendwo in Berlin, und damit auch die Wiedereinführung der Verlagsbeteiligung, die, um das nochmal in Erinnerung zu rufen, bei maximal einem Drittel liegen soll, was auch bedeutet: Sie muss nicht bei einem Drittel liegen, wenn das Gesetz wird (womit wir nun wirklich überhaupt keine Eile haben). Wir Freischreiber werden alles daran setzen, um in den Bereichen, die für freie Journalist*innen wichtig sind, weniger, am besten gar nichts herauszuholen, also mehr für Euch.“
 


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So war die Mitgliederversammlung für Freischreiber eine Art Testlauf dafür, wie wir für künftige Abstimmungen aufgestellt sind. Und das online, mit Verzögerung, nicht immer stabilen Leitungen und dem einen oder anderen Echo aus der akustischen Vergangenheit. Es klappte trotzdem. Dank einer ganzen Reihe von Freischreiber*innen, die den Samstag vor dem Rechner verbrachten, gehörten wir zu den am besten vertretenen Verbänden. Olivers Fazit: „Wir bringen uns in diesen Prozess ein, so viel wir können, und werden darauf achten, dass die entsprechenden Beschlüsse sobald wie möglich gefällt werden. Aber das alles bedeutet auch, dass wir derzeit vor allem viel reden, erklären, Kontakte knüpfen, und die Trommeln und Trillerpfeifen für den Fall aufheben, dass wir und unsere Interessen außen vor bleiben.“
 
Das ist ein bisschen unser Leid in diesen Zeiten. Wir arbeiten viel im Verborgenen, schlagen uns die Wochenenden mit VG Wort um die Ohren, schreiben an der Freienbibel, planen und diskutieren und überlegen, wie wir unsere Sache voranbringen. Alles unverzichtbare Arbeit – aber ein wenig wären wir da auch in unserer kleinen Bubble gefangen, gäbe es für den Vorstand nicht Außenkontakte wie den Freischreiber-Slack (sorry, Members only!) und die immer taufrischen Kanäle auf Facebook, Insta und Twitter.
 
Trotzdem: Wir können es kaum erwarten, wieder direkt mit Euch zu diskutieren und mit unseren Freischreiber-Themen in die echte, nicht-virtuelle Öffentlichkeit zu gehen. Es ist nicht so, dass es da nichts zu tun gäbe, denn manch*e Auftraggeber*in schnippt ja fast wie ein übereifriger Streber mit den Fingern, um nur rechtzeitig auf die Shortlist für den Höllepreis zu kommen.
 
Wir ermuntern jetzt seit einem Jahr zum Durchhalten, wohl wissend, wie schwierig es für viele freie Journalist*innen geworden ist. Da hilft am Ende nur die Nestwärme. Tauscht Euch untereinander aus, kommt mit uns ins Gespräch und erhaltet Euch die Leidenschaft für diesen Beruf (dazu mehr unter „Dies und das“). Und, ja, haltet durch!
 
Freischreiberiges:
 
Das Freischreiber-Tandem, unser Mentoring-Programm für Mitglieder, geht bald in eine neue Runde. Zum dritten Mal stellen wir für ein Jahr Tandems zusammen. Das Programm richtet sich speziell an den Bedürfnissen freier Journalist*innen aus. Je nach Schwerpunkt und Interessen bringen wir Mentee und Mentor*in zusammen. Bei einem virtuellen Kick-off-Treffen lernt Ihr Euch kennen und vereinbart gemeinsame Ziele für das Jahr.
 
Mentor*innen können Dich zum Beispiel durch ihre Expertise im Anbieten von Texten und Mehrfachverwertung unterstützen, geben Tipps für Honorarverhandlungen, lesen wichtige Texte vor der Abgabe und geben Dir ehrliches Feedback. Wie Ihr Eure Zusammenarbeit gestaltet, legt Ihr am Anfang gemeinsam fest. Alle Mentor*innen engagieren sich ehrenamtlich. Ihr solltet daher auch Eure Verfügbarkeiten und Erwartungen klären. Ein Mentoring ist kein Coaching.
 
Bewerbungen für die nächste Runde sind für Mitglieder noch bis zum 30. April 2021 möglich. Freischreiber-Mitglieder bekommen hier nach dem Log-in weitere Informationen.
 
Passend zum Thema „Durchhalten“ wollen wir die Schwarm-Intelligenz wirken lassen, und zwar bei der Zoom-Session „Wie finde ich ein gutes Thema?“ am 13. April um 19 Uhr. Die Orgas Christoph, Katja und Barbara von der Berliner Freischreiber-Regionalgruppe kündigen an: „Corona macht uns Freiberuflern die Themenfindung schwer. Womit noch durchdringen zu den Redaktionen, wenn jedes Ressort nur die Inzidenzwerte rauf und runter interpretiert? Was anbieten, wenn sich das Leben da draußen tot stellt und die meisten Veranstaltungen abgesagt werden? Über all das wollen wir uns austauschen und von der altbewährten, immer wieder erstaunlichen Schwarm-Intelligenz der Freischreiber*innen profitieren. Kurz nach Ostern holen wir gemeinsam die Themen-Eier aus dem Versteck!“ Für Mitglieder geht es hier zur Anmeldung.

Freischreiberin Pascale Müller macht gemeinsam mit ihrer Kollegin Eva Hoffmann für das Medium Magazin eine Recherche zu toxischer Führungskultur, Sexismus, Rassismus und anderen Arten von Diskriminierung im Journalismus: „Wir arbeiten mit einer Umfrage, da wir so einen möglichst breiten Überblick bekommen und Menschen leichter mitmachen können. Uns geht es nicht darum, Einzelfälle groß zu machen, sondern ein Gefühl für das Arbeitsklima in verschiedensten Redaktionen zu bekommen.“ Hier kommt ihr zur Umfrage, die bis Freitag, 9. April 18 Uhr offen sein wird: https://forms.gle/pxUkrU7e5MXjodiC7


Crashkurs: Besser schreiben mit Ariel Hauptmeier
 


Weiter geht es am 17. Mai mit dem Crashkurs „Besser Schreiben“ mit Ariel Hauptmeier (9 bis 13 Uhr). Ariel erklärt den Teilnehmenden, wie sie mehr Tempo, mehr Präzision, mehr Sprachgefühl in ihre Texte bekommen. Nur als Tipp: Die ersten Termine waren schnell ausgebucht. Zur Anmeldung geht es hier.
 
Nach monatelanger Vorbereitung hat Freischreiber Peter Jamin nun die erste Folge der Podcast-Staffel „Verzweifelte Suche – Wenn Menschen verschwinden“ an den Start gebracht. Zu hören ist das Werk hier. Produziert hat Peter Jamin die Reihe gemeinsam mit Claudia Weingärtner, viele Jahre Chefreporterin einer großen Tageszeitung und jetzt Chefredakteurin des Elternmagazins „Leben & erziehen“, und dem Team der Berliner Produzenten von PodcastMania, Rob Szymoniak und Dominic Hesse.
 
Dies & das:
 
Jetzt kommen wir, wie oben versprochen, nochmal zurück zur Leidenschaft: Die Universität Hohenheim will den Zusammenhang von Leidenschaft und Erfolg in der Kreativwirtschaft erforschen. Dazu heißt es: „Vielleicht haben Sie sich auch schon einmal gefragt, ob Sie das, was Sie tun, leidenschaftlich gerne tun und wie das mit Ihrer Performance zusammenhängt? Genau das möchte diese Studie herausfinden.“ Zum Online-Fragebogen geht es hier.
 
Wer sich mit Leidenschaft den Themen „Technik“ und „Nachhaltigkeit“ widmet, wird sich vielleicht für den Wettbewerb PUNKT interessieren. Damit zeichnet die acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften vorbildlichen Technikjournalismus aus. In der Ausschreibung heißt es: „In diesem Jahr werden neben hervorragenden Fotos wieder wegweisende multimediale Online-Formate ausgezeichnet, die die vielfältigen Möglichkeiten des Internets nutzen, um technologische Entwicklungen verständlich und erlebbar darzustellen. Außerdem wird die beste Idee für eine Technikreportage zum Thema ‚Technik & Nachhaltigkeit‘ mit dem acatech Fotostipendium prämiert.“ Einsendeschluss ist am 10. Mai, das Preisgeld beträgt jeweils 5.000 Euro. Alle Infos zum Journalistenpreis gibt es hier.
 
Die Corona-Pandemie hat bei vielen Journalist*innen nicht nur für wirtschaftliche Unsicherheit gesorgt. Vielfach ist auch unklar, welche rechtlichen Einschränkungen es für die Berichterstattung tatsächlich gibt. Daher hat die JournalistenAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung ihr Webinar zum Medien- und Urheberrecht mit einem Corona-Update ergänzt. Das Online-Seminar besteht aus insgesamt fünf Sitzungen am 10. und 11. Mai, geleitet wird es von Thomas G. Becker, Journalist, EU-Experte und Jurist aus Essen. Zur Anmeldung geht es hier.
 
Journalist*innen unter 35 aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich bis zum 1. Mai für den Marlies-Hesse-Nachwuchs-Preis bewerben: „Sind Sie verantwortliche Autorin eines kritischen Artikels, Online-Beitrags, Films, Videos oder Essays mit einem unkonventionellen Blick auf die Geschlechter-Beziehungen in einer Thematik von hoher gesellschaftlicher Relevanz? Wurde (wird) Ihr Beitrag zwischen dem 1. April 2020 und 30. April 2021 veröffentlicht – und haben Sie bis zum 1. Mai 2021 Ihren 35. Geburtstag noch nicht gefeiert? Wenn ja, dann bewerben Sie sich jetzt!“. Dotierung: 1.000 Euro. Das Bewerbungsformular gibt es hier.
 
Die Arbeit an diesem Newsletter hat für uns immer auch etwas Beruhigendes. Wir sehen, dass es in unserer Branche noch immer viele Ideen gibt, viel Mut und Kreativität. Wenn wir all das bis hierher getragen haben, schaffen wir alles andere auch noch, oder?
 
Bleibt kreativ und mutig! Und bleibt gesund!
 
Eure Freischreiber

Liebe Kolleg*innen, liebe Freischreiber*innen und Freischreiber-Freund*innen, schaut aus dem Fenster, horcht: die Vögel zwitschern, die Krokusse sprießen, Bienen und Hummeln saugen erste wärmende Sonnenstrahlen auf. Geht raus, atmet ein, atmet aus. Spürt Ihr es? Es ist der Monat des Neubeginns in der Natur und der Frühlingsgefühle, der Monat des Aufbruchs und des Neustarts.


Apropos Neustart: Lang‘, lang‘, vier Monate lang‘ hat es gedauert, aber jetzt ist sie fertig, die Neustarthilfe des Bundes für Soloselbstständige wie uns. Auf dem Weg von der Ankündigung bis zur Beantragung wurden immer wieder neue Dinge obendrauf gepackt. Es ist also komplex. Aber das kennen wir ja schon. Dankenswerterweise hat unser Freischreiber-Experte für Zahlen und Bürokratendeutsch Oliver Eberhardt alles Wissenswerte zusammengefasst. Hier könnt Ihr nachlesen, was geht und was nicht geht. So viel sei verraten: Die Neustarthilfe ist auf maximal 7.500 Euro begrenzt. Also, loggt Euch ein und macht Euch schlau. Vielleicht ist der März auch für Euch der Monat des Neustarts.


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 Nach so viel Euphorie aber wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Und der ist oft genug weniger frühlingshaft, sondern staubig-dreckig. Bereits im November 2020 hatten wir Euch eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München zur Prekarisierung im Journalismus vorgestellt. 1.055 Journalist*innen haben mitgemacht, knapp 45 Prozent von ihnen Freie. Jetzt sind erste Ergebnisse des Projekts ausgewertet und bestätigen, was wir schon wussten und mit dem Freischreiber-Honorarreport 2020 herausgeschrien haben:

  • Festangestellte Journalist*innen in Vollzeit verdienen monatlich rund 880 Euro netto  mehr als hauptberuflich freie Journalist*innen. Und: Ein Großteil der freiberuflichen Journalist*innen (rund 27 Prozent) verdient nur zwischen 601 und 1.200 Euro pro Monat.
  • Knapp Dreiviertel der befragten Festangestellten gab an, dass sie mit dem Einkommen aus dem Journalismus immer ihren gesamten Lebensunterhalt abdecken können. Bei den Freiberuflern sagten dies nur ein Drittel. 
  • Insgesamt 43 Prozent der hauptberuflichen Journalist*innen schätzen ihre Arbeitssituation als prekär ein, bei den Freiberuflern sind es sogar 62 Prozent. 

Hinzu kommt: Das vergangene Jahr war für die Situation freier Journalist*innen nicht sonderlich hilfreich, denn: Fast 80 Prozent der freien Journalist*innen beklagten im Jahr 2020 Honorareinbußen aufgrund der Corona-Krise. Insgesamt berichteten 62 Prozent der Befragten, dass sich ihre Arbeitsbedingungen seit Ausbruch der Pandemie verschlechtert haben. Schlechter als prekär – was bleibt da noch? 

Für uns Freischreiber bedeutet das, dass wir nicht müde werden dürfen, laut zu sein, aufmerksam zu machen auf zu niedrige Honorare und unfaire Arbeitsbedingungen. Unsere Arbeit ist es wert und muss es bleiben! Deshalb gibt es nur einen Weg: Die Honorare müssen kräftig rauf, dorthin, wo hochqualifizierte Menschen von ihrer Arbeit gut leben und Geld zurücklegen können. Und das sagen wir derzeit oft, sehr oft: Ende Februar hat Oliver Eberhardt aus dem Freischreiber-Vorstand in einer Anhörung im Kultur- und Medienausschuss des Bundestages für gute Honorare und ein Verbandsklagerecht geworben, das es ermöglicht, schwarze Schafe in die Schranken zu weisen. In den kommenden Wochen werden wir zudem auch Kontakt zu Politiker*innen aufnehmen, um die Sache genauer zu besprechen. Und bis wir hoffentlich irgendwann Ergebnisse sehen, gibt es eines, was Ihr tun könnt: Arbeitet nicht für Honorare, von denen Ihr nicht leben könnt.

Freischreiberiges

Unsere Freischreiber-Regionalgruppen sind Heimat und Platz für Klönschnack. Aber sie sind auch wertvoller Quell von Wissen, denn jedes Mitglied ist Expert*in für irgendwas. Da werden die Regio-Treffen schnell zu Workshop oder Jobbörse. Umso glücklicher sind wir über unsere engagierten Regio-Leiter*innen, die regelmäßig Treffen organisieren und ihre Schäfchen beisammenhalten. Grund genug, einfach mal Danke zu sagen. Danke! In den vergangenen Wochen ist außerdem Sylvia Hubele hinzugekommen, die nun bei den Franken mitmischt. Den Münchnern hat sich Lucia de Paulis angenommen. Herzlich willkommen! Und – psssst. Auch im Ruhrgebiet brodelt‘s! Demnächst mehr.

Am 02. März lief auf 3sat der Film „Medienmacher von morgen: Eine Deutschlandreise – ins Digitale“ von Stephan Weichert. Mit dabei ist Freischreiber und Vorstands-Mitglied Jakob Vicari mit seinem Projekt tactile.news – dem Innovationslabor für neuen Journalismus. Wer den Beitrag verpasst hat, kann ihn HIER nachschauen.

Freie Journalist*innen aufgehorcht – der Freien-Podcast von Freischreiberin Geraldine Friedrich und Francoise Hauser ist da. Von der Schreibblockade bis zur Altersvorsorge und von der Suche nach neuen Auftraggeber*innen bis zur Pressereise, in diesem Podcast geht es um Eure Themen. Einfach mal reinhören!

Und Bücher!

Erzählen kann man lernen, sagt Freischreiberin Marie Lampert und hat gemeinsam mit Rolf Wespe „Storytelling für Journalisten. Wie baue ich eine gute Geschichte?“ geschrieben. Wobei, eigentlich ist es bereits die 5. Auflage, die just herausgegeben wurde. Großartig! Es geht um Strategien und praktische Werkzeuge fürs professionelle Erzählen von Geschichten, inklusive Tipps für Print-, Online-, Radio- und TV-Journalist*innen.

Freischreiberin Verena Carl hat sogar zwei Corona-Buchbabys erschaffen. Das erste ist nun erschienen: „Eltern-Ratgeber. Eltern sein, Paar bleiben.“ Verena schreibt: „Wichtig ist mir, mich dem Thema vielfältig zu nähern – es kommen Patchwork-Paare, Eltern von Kindern mit Behinderungen, Paare mit größerem Altersunterschied, unterschiedlichem kulturellen Background und Nicht-Heteros ebenso vor wie das klassische junge Paar in erster Ehe mit dem ersten Baby.“ 

Alexandra und Richard haben viel in ihre Bildung investiert: Musik studiert, Konzertexamen. Jetzt unterrichten sie über 100 Schüler*innen pro Woche an Musikschulen auf Honorarbasis. Ferien? Krankheit? Corona? Sofort bricht ihr Einkommen weg. „Warum wir Arbeit brauchen, von der wir leben können“, erklärt uns Freischreiberin Julia Friedrichs. Ihr Buch „Working Class“ erzählt die Geschichte von Menschen, die daran geglaubt haben, dass sie mit eigener Anstrengung ein gutes Leben aufbauen können. Woran liegt es, wenn das nicht gelingt?

In eigener Sache: Netzwerken und Austausch – für uns Schreiber*innen unverzichtbar. Welche*r Auftraggeber*in fällt mal wieder durch abgrundtief schlechte Vertragsklauseln auf? Wie muss ich was auf Rechnungen ausweisen? Denkt dran: Freischreiber hat für Mitglieder einen Raum auf Slack. Dort können wir uns unkompliziert austauschen, Fragen stellen und Antworten geben, Regio-Gruppen finden und Jobs anbieten. Wir sehen uns dort!

Termine

Auch im März finden wieder spannende Webinare, virtuelle Stammtische und Mittagspausen statt. Schaut mal im Terminkalender nach. Beispiele gefällig?

  • Bereits am 10.03. plaudern die Franken wieder. Ab 20 Uhr sind dieses Mal auch (Noch-)Nichtmitglieder eingeladen, die Freischreiber und die Regio-Gruppe kennenzulernen. 
  • Am 19.03. ab 12 Uhr treffen sich Freischreiber*innen zur digitalen Mittagspause mit Stimm- und Sprechtrainerin Carmen Rutzel.
  • Ariel Hauptmeier – Leiter der Reportageschule in Reutlingen – bietet „Vier Stunden für funkelnde Sätze“. Der „Crashkurs: Besser schreiben“ am 22.03. ab 9 Uhr ist bereits ausgebucht. Einen weiteren Termin gibt es am 19. April
  • Die Münchner Regio-Gruppe trifft sich am 26.03. ab 15 Uhr zur digitalen Kaffeepause und ruft auf zum gemütlichen Ratscher unter Kolleg*innen. 
  • Wir wiederholen den erfolgreichen Crashkurs Online-Moderation mit Daniela Grittner in Kooperation mit der Reporter-Akademie Berlin am 7. und 8. April. Infos in Kürze auf freischreiber.de.


Preise, Preise, Preise

Noch bis zum 1. Mai 2021 können sich Jungjournalistinnen bis 35 Jahre für den Marlies-Hesse-Nachwuchspreis bewerben. Mit diesem Preis zeichnet der Journalistinnenbund junge Kolleginnen für bemerkenswerte Arbeiten aus. Zu einer kompletten Bewerbung gehören der Link mit dem Wettbewerbsbeitrag, das ausgefüllte Anmeldeformular und ein Lebenslauf; und das alles geht an geschaeftsstelle@journalistinnen.de.

Ein weiterer Preis des Journalistinnenbundes ist der Courage-Preis für aktuelle Berichterstattung, der auch 2021 wieder an eine Kollegin für eine herausragende, Maßstäbe setzende Arbeit geht, für die Mut und innere Haltung notwendig sind. Die Bewerbungsfrist endet ebenfalls am 01. Mai 2021. Schickt Bewerbungen und Vorschläge bis zum 30. April in digitaler Form an info@hehemann-fotografie.de.

Preisverdächtiger Lokaljournalismus? Die Ausschreibung für den Gutenberg-Recherchepreis 2021 hat begonnen. Jungjournalist*innen bis 35 Jahre können sich noch bis zum 17. Mai 2021 bewerben. Ausgezeichnet werden Beiträge, die relevante Themen und Entwicklungen transparent machen, die verdeckte Räume ausleuchten, die die investigative Recherche pflegen, die Missstände aufdecken – also solche, die das Versprechen der Kontrollfunktion der Medien einlösen.

Der Deutsch-Portugiesische Journalismus-Preis zeichnet jährlich herausragende journalistische Beiträge in Deutschland und Portugal über Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik des jeweils anderen Landes aus. Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 15. April 2021.

Und das auch noch

Am 20. März ist VG Wort-Mitgliederversammlung, und neulich haben wir die VG Wort-Mitglieder unter Euch aufgerufen, entweder selbst dabei zu sein oder Eure Stimme an uns zu übertragen. Die Resonanz war überwältigend; das Signal eindeutig: Freischreiber hat ihn, diesen Wumms. Dafür vielen Dank. Und wenn Ihr Euch nun fragt, was denn ein VG Wort-Mitglied ist, und warum man eines sein sollte: Alle, die Geld von der VG Wort bekommen, sind Wahrnehmungsberechtigte. Wer in den vorangegangenen drei Kalenderjahren insgesamt 1.200 Euro oder im Schnitt 400 Euro pro Jahr erhalten hat, kann die Mitgliedschaft beantragen und hat damit ein Stimmrecht in der VG Wort-Mitgliederversammlung. Und dort werden die Entscheidungen gefällt, die dieses komplizierte Gebilde namens VG Wort am Laufen halten. Deshalb: Stellt den Antrag, wenn Ihr Euch qualifiziert. Dazu reicht eine Mail an vgw@vgwort.de. Aber ganz wichtig: Sagt uns auch Bescheid, unter kontakt@freischreiber.de.
 
In diesem Sinne
Kommt gut durch den Frühling, bleibt gesund und frei
Eure Freischreiber*innen

Hallo! Fairness?  
Fair auf Augenhöhe vs. fieser Themenklau 

Liebe Kollegen und Kolleginnen, liebe Freischreiberinnen und Freischreiber,

wir müssen reden. Über Ideenklau. Was uns Freien immer mal wieder passiert – und was sich schlecht beweisen und nachweisen lässt. Hat man sich einfach nur locker über Themen unterhalten, ganz unverbindlich und ohne jede Verpflichtung? Oder hat jemand auf der anderen Seite des Schreibtisches mitgeschrieben?

Freischreiberin Marlene Halser hat ihren Fall auf Twitter ausführlich beschrieben: wie sie dem Magazin Business Punk ein Porträt-Thema vorgeschlagen hat, das der zuständige Redakteur recht gut fand, dann doch nicht in Auftrag geben wollte – bis die Geschichte  Monate später als Titel wieder auftauchte. Natürlich nicht von der freien Kollegin geschrieben und auch in keiner Weise honoriert. Zum Nachlesen hier

Wir möchten an dieser Stelle ausdrücklich an unseren Code of Fairness erinnern. Da findet sich folgende Passage: „Themenvorschläge, die uns nachweislich zuerst von Freien angeboten wurden, und die wir intern oder durch Dritte realisieren wollen, werden angemessen honoriert.“ Noch Fragen? 

Und nun müssen alle stark sein! Denn wir müssen nochmal kurz über das Urheberrecht reden. Und über die VG Wort. Ja, wir wissen, Ihr habt gerade Eure Meldungen gemacht, Euch über neue, unklare Eingabefelder in TOM gewundert. Deshalb, zunächst nochmal der Hinweis: In unserem virtuellen Vereinsheim bei Slack bekommt Ihr schnelle Antworten auf all‘ Eure Fragen, auch auf diese hier: Wie geht’s mit der Verlagsbeteiligung weiter? 

Und dann – das Urheberrecht, das hängt nämlich damit zusammen. Denn das Bundeskabinett hat nun einen Entwurf für das neue Urheberrecht beschlossen und irgendwann in den kommenden Monaten wird das alles wahrscheinlich Gesetz werden. Was für uns wichtig ist: Im Urhebervertragsrecht bleibt alles weitestgehend beim Alten, und damit beim berühmt-berüchtigten Machtgefälle zwischen Verlagen und freien Journalist*innen. Und die Verlagsbeteiligung bekommt ihr Comeback, in etwas veränderter Form: Künftig soll Verlagen maximal ein Drittel der Ausschüttungen zustehen, wobei wir dabei das Wort „maximal“ betonen, denn die Beteiligung muss, wenn das alles so durchgeht, nicht bei einem Drittel liegen. Wie hoch sie tatsächlich ausfällt, müsste dann innerhalb der Verwertungsgesellschaften ausgehandelt werden. Dabei möchten wir Freischreiber natürlich sehr gerne sehr viel mitreden. Denn gerade im für uns wichtigen Presse-Bereich gibt es viele gute Gründe, die Verlagsbeteiligung so niedrig zu halten wie es nur irgendwie geht – dass Presse-Verleger*innen in der Regel keinen Beitrag als Urheber*innen an ihren Veröffentlichungen erbringen, ist einer davon. Ein anderer sind die Niedrig-Honorare, die mittlerweile den Markt bestimmen: Die Verlagsbeteiligung käme einer weiteren Einkommenskürzung gleich, und auch wenn das im Urheberrecht erstmal keine Bedeutung hat – irgendwann muss auch mal gut sein. 

Aber erstmal ist am 20. März die Mitgliederversammlung und die wird die VG Wort diesmal aus bekannten Gründen digital abhalten. Wie genau das funktionieren wird, und was auf der Tagesordnung steht, wissen wir noch nicht; die Verlagsbeteiligung wird aber noch nicht dabei sein. Weil wir mitreden wollen, möchten wir Präsenz zeigen. Stimmübertragungen per Vollmacht sind auch dieses Mal wieder möglich, und wir bitten Euch, diese Möglichkeit zu nutzen: Wir werden Eure Stimmen an Stimmleute vermitteln und bitten Euch deshalb, uns Bescheid zu sagen, falls Ihr Mitglied der VG Wort seid und noch keinen Kontakt mit unserer Geschäftsstelle oder dem zuständigen Vorstand Oliver Eberhardt hattet. 

Kurz erklärt: Wahrnehmungsberechtigte sind alle, die eine Karteinummer der VG Wort haben. Mitglied sind diejenigen, die die Mitgliedschaft extra beantragt haben und in den vorangegangenen drei Jahren insgesamt 1.200 Euro oder mehr an Ausschüttungen erhalten haben. Eine einfache Mail an vgw@vgwort.de reicht dazu aus.

Auch kein ganz einfaches Feld: Kinderkrankengeld, wenn man über die KSK gesetzlich versichert ist. Was muss man beachten, worauf muss man achten, welche Bedingungen muss man erfüllen? Aus verständlichen Gründen stellen wir diesen Service unseren Mitgliedern zur Verfügung. Noch kein Mitglied? Auch das kann man ändern.  


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Freischreiberiges
Neulich Claus Ruhe Madsen im heute journal gesehen? Den Rostocker Oberbürgermeister mit seinem beeindruckenden Hipster-Bart, Deutschlands einziger Bürgermeister mit einem ausländischen Pass – der Mann ist Däne. Wer sich für ihn interessiert, wie auch für andere Bürgermeister*innen, der sollte mal in den neuen Podcast von Freischreiberin Denise Peikert hören. Denn von nun an wird sie dort Interviews und Gespräche mit Menschen aus der Kommunalpolitik führen. Der Podcast entsteht zusammen mit dem Kommunal- und Schulverlag; dort hat die Autorin im vergangenen Sommer das Buch „Bürgermeister – was sie antreibt, wer sie umtreibt“ veröffentlicht.

„Über Cobots und Okkluder“ – wer muss da nicht passen? Es sei denn, man hat die entsprechende Podcast-Folge von Freischreiberin Regine Marxen gehört: „Der Podcast stellt Alumni der TU Berlin und deren Berufsfelder vor. Hochspannend, auch weil es überraschend war (vor allem für eine Geisteswissenschaftlerin wie mich), was sich hinter den erst mal spröde klingenden Berufsfeldern und Studiengängen verbirgt.“ 

Nichts sieht man im Fernsehen derzeit so oft – eine Spritze wird aufgezogen und dann routiniert angesetzt. Zum Thema erscheint nächster Tage der Ratgeber „Fakten-Check IMPFEN“. Zum Autorenteam gehört Freischreiberin Nicola Kuhrt – die das Portal „MedWatch“ betreibt, wo man dieser Tage immer mal wieder vorbeischauen sollte.

Corona-Zeiten sind Spaziergeh-Zeiten. Also hat die Berliner Freischreiberin Caroline Ring im vergangenen Herbst ein Buch geschrieben, das jetzt in der zweiten Auflage erscheint: über Stadtbäume. Heißt „Botschafter des Lebens. Was Bäume in Städten erzählen können“ und darum geht es: „Manche sind gut versteckt, andere so unscheinbar, dass man an ihnen vorbeilaufen würde. Wieder andere sind so berühmt, dass sie eigene Namen tragen oder in Gedichten verewigt wurden.“

Sechs Quadratmeter Balkon. Stehen Freischreiberin Melanie Öhlenbach zur Verfügung, 24 Stunden am Tag. Woraus sich etwas machen lässt. Ein Buch etwa, das den Titel „Grüner geht’s nicht. Nachhaltig gärtnern auf dem Balkon“ trägt. Frisch erschienen. Ach und seufz, wenn doch erst wieder Frühling ist … Freischreiber holt schon mal die Klappstühle aus dem Keller …  

Verwandtes
Neu bestimmt. Und breiter aufgestellt. Unser Partnerverband „Freischreiber Österreich“ hat sich einen neuen Vorstand gewählt, der diesmal sechs Köpfe zählt. Mit dabei erneut: Freischreiberin Alexandra Rotter. Gewiss eine gute Ansprechpartnerin, wenn man mal für Medien im Nachbarland arbeitet und etwas wissen will. 

Dies & das
Immer wieder haben wir in der Vergangenheit auf ein wachsendes Problem hinweisen müssen: Journalist*innen werden bei ihrer Berufsausübung zunehmend bedrängt, beschimpft, attackiert – etwa bei der Berichterstattung über sogenannte Corona-Skeptiker. Deswegen möchten wir gerne und unbedingt auf ein Projekt von „Reporter ohne Grenzen“ hinweisen, das Informationen über eben solche Übergriffe, von Beleidigungen bis hin zu körperlichen Angriffen, sammelt und auswertet. Dazu hat RoG eine E-Mail eingerichtet, bei der sich Journalist*innen melden können, die Opfer von Übergriffen geworden sind oder die davon erfahren haben. Die Adresse lautet: uebergriffe-at-reporter-ohne-grenzen.de

Seminare & Kurse

Um unsere Digitale Selbstverteidigung kümmern wir uns im Crashkurs mit Freischreiber Stefan Mey am 1. & 2. März. Man muss kein Snowden sein, um seine Daten auf hohem Niveau zu schützen. Aus dem großen, bunten Werkzeugkasten der „digitalen Selbstverteidigung“ stellt Stefan Mey zehn Tricks und Programme vor, die für journalistische Arbeit nützlich sind. Ihr zwei Teilen à 90 Minuten erfahrt ihr unter anderem, wie man gut merkbare Passwörter erzeugen und abhörsicher E-Mails verschlüsseln kann. Und ihr lernt, wie sich Smartphone-Datenflüsse einschränken lassen, welche Messenger sinnvoll sind und was alternative Betriebssysteme bringen. Alle Infos hier

Digitale Mittagspausen und Regio-Abende
Am 18.2. treffen sich die Freischreiber*innen um 12 Uhr zur digitalen Mittagspause mit Silke Burmester und werfen einen Blick auf den funkelnden neuen Palais F*luss. Auch am 18.2. aber am Abend ab 18 Uhr gibt Freischreiberin Christina Helberg für die Regio-Gruppe Rhein-Main Tipps zum Fact-Checking und zeigt die besten Methoden, Meldungen und Bilder auf ihre Echtheit zu überprüfen: So entlarvt ihr Falschmeldungen. Und am 5.3. haben wir Dirk Borbe in der digitalen Mittagspause zu Gast und kümmern uns um das Thema „Datenschutz und Datensicherheit für die eigene Webseite„. 

Noch ein Tipp: Wen es zum Film und zur Serie drängt, der wird hier vielleicht glücklich: Denn „noch bis zum 1. März 2021 können sich serieninteressierte Schreibtalente um einen Studienplatz im deutschsprachigen Track des internationalen Masterstudiengangs Serial Storytelling bewerben. In engem Austausch mit der Serienbranche spezialisieren sich ab September 2021 maximal 16 angehende Serienautor*innen auf das Entwickeln innovativer serieller Formate.“ Hier erfährt man alles Wichtige und kann sich gegebenenfalls bewerben.

Preise & Stipendien
Richtig fix beeilen muss, wer sich für den Herbert Quandt Medien-Preis bewerben will, endet die Frist doch am 15. Februar: „Welche wirtschaftlichen Themen haben Sie und Ihre Redaktion im Krisenjahr 2020 besonders bewegt? Welche Menschen in Wirtschaft und Unternehmen haben Sie beeindruckt? Vor allem aber: Welche herausragende, journalistische Arbeit ist daraus entstanden?“ Alles Weitere erfährt man hier

Auch etwas sputen muss man sich, will man sich für den Medienpreis des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte bewerben, endet doch die Frist am 28. Februar. Und darum geht es: „Mit dem BVKJ-Medienpreis werden herausragende journalistische Beiträge aus den Kategorien Print/Online, Fernsehen und Hörfunk ausgezeichnet, die das Thema der Kinder im sozialen Abseits leser-, hörer- bzw. zuschauernah und fachlich kompetent behandeln, die der Öffentlichkeit vom Kinderleben auf der Schattenseite unserer Gesellschaft berichten, die uns sagen, worauf es ankommt, um sozial benachteiligten Kindern von Anfang an und nachhaltig zu helfen, und die uns neue Wege zur besseren Hilfe und Förderung zeigen.“

So. Das war‘s schon wieder. Also fast. Und so gehen wir nochmal kurz nach Österreich, wo es ein Magazin namens „Das Biber“ gibt. Und „Das Biber“, das sich der multiethnischen Community verpflichtet fühlt, hat ein Newcomer-Netzwerk, deren Programmdirektorin Melisa Erkurt sich sozusagen um die Zugangs-Zukunft auch ihres Mediums sorgt: „Ich bekomme immer wieder Nachrichten von jungen Menschen, vor allem jenen mit Migrationsgeschichte, die meinen, sie würden gern im Journalismus Fuß fassen, aber hätten das Gefühl, dass es für sie, ihre Perspektiven und Zugänge keinen Platz gäbe. Dass sie höchstens Geschichten erzählen dürfen, die in das Bild der anderen passen.“ 

Ihre Schlussfolgerung: eine eigene, ganz anders aufgestellte Chefredaktion – auf Instagram: „Wenn ich eines in meiner Arbeit in Schulen begriffen habe, dann, dass es nicht nur die Themen und die digitalen Zugänge sind, die wir an sie anpassen müssen: Junge Menschen sehnen sich nach einer völlig neuen Art von Journalismus. Es reicht nicht, alles wie bisher zu machen und einen „Jung-Stempel“ draufzudrücken.“  Ein Magazin auf Instagram – auch eine Idee.

Freischreiber-Tusch!
Wir hoffen, es ist aufgefallen. Wir sind in den letzten Wochen sehr aktiv geworden – in den Neuen Sozialen Medien. Dank unserer beiden Vorstandsfrauen Sigrid März und Anna Heidelberg-Stein – unserem Instagram-Facebook-Twitter-Duo! Die dort unsere Veranstaltungen posten, unsere Positionen verbreiten und überhaupt manches in die Welt schicken, damit man uns nicht überhört, sondern wahrnimmt. Besonders bei Twitter zeigen sich nun die Erfolge – wir konnten den 10.000sten Follower begrüßen. Tausend Dank und Tusch-Tusch-Tusch dafür!

In diesem Sinne
Kommen Sie weiterhin gut durch die Tage
Ihre Freischreiber*innen

 

Hallo, da sind wir wieder. Auf ein gesundes, neues Jahr 2021. 

Liebe Freischreiber*innen, liebe Kolleg*innen, liebe Freund*nnen von Freischreiber,
 
weiß irgendwer spontan, wie lange es am Jahresanfang schicklich ist, noch gute Wünsche mit auf den Weg zu geben? Nein? Ach, was soll’s, es ist 2021. Wenn wir alle etwas dringend brauchen, sind es Glück und Gesundheit.
 
Also: Wir wünschen Euch ein gesundes neues Jahr! Das ist das Minimalziel. Alles, was uns sonst noch glücken sollte, nehmen wir als erfreulichen Bonus mit.
 
Dabei haben wir Freischreiber das Jahr 2020 so glücklich und optimistisch verlassen, wie es nur möglich war. Anfang Dezember ging das Crowdfunding für unsere Freienbibel 2 zu Ende – mit einem Ergebnis, das unsere größten Hoffnungen noch übertraf. Mehr als 17.000 Euro haben fast 300 Unterstützer*innen zur Verfügung gestellt, damit unser Bibelteam – das ist jedenfalls der Anspruch – nichts Geringeres als das neue Standardwerk des freien Journalismus schreiben kann. Da sind wir immer noch zutiefst bewegt und dankbar. Wahnsinn, ganz ehrlich!

Ein paar Tage später waren wir auch aus anderen Gründen im Himmel, zumindest eine Video-Konferenz lang. Da es uns auch in monatelanger Suche nicht gelingen wollte, einen felsenfest bestätigten Kandidaten für unseren jährlichen Höllepreis zu finden (obwohl es an gefühlten Kandidaten echt nicht mangelte …), verliehen wir am 9. Dezember zweimal den Himmelpreis. Einmal an die taz, die ihren regelmäßigen Freien 2020 Corona-Boni gezahlt hatte. Und einmal an den „Welt“-Redakteur Klaus Geiger, der einigen unserer Mitglieder aufgefallen war, weil er seine Freien, tja, sehr fair behandelt. Das mag banal klingen, ist aber aus Sicht vieler freier Journalist*innen schon bemerkenswert.

Nach langer Planung und einem gestalterischen und personellen Kraftakt ging kurz vor Weihnachten auch unsere neue Webseite an den Start. Damit sind wir optisch wie inhaltlich in der Gegenwart angekommen – und natürlich happy wie die Kinder beim Auspacken unterm Weihnachtsbaum. 
 

Aber klar, die Glückseligkeit hielt auch bei uns nicht lange an. 2021 droht genauso schwierig zu werden wie das unselige 2020. Freie Journalist*innen sind nicht gerade verwöhnt, was ihre wirtschaftliche Situation angeht, aber das vergangene Jahr hat viele von uns einmal mehr an ihre Grenzen gebracht – und manche Grenze sicherlich auch überdehnt. Wegbrechende Aufträge, „gestraffte“ Honorare und dazu die Unsicherheiten zwischen Kinderbetreuung und drohender Infektion.

Das alles wird zumindest in den nächsten Monaten wahrscheinlich noch nicht spürbar einfacher. Dass unbürokratische Hilfen für Soloselbstständige auftauchen, dass es eine Welle der Solidarität für freie Journalist*innen geben wird – das mögen wir uns erträumen, aber wie realistisch ist das schon?

Werden wir den Kopf in den Sand (oder vielerorts in den Schnee) stecken? Auf gar keinen Fall!


 Mitmachen und Ärmel hochkrempeln: Jetzt :Freischreiber*in (oder :Fördermitglied) werden! 


Freischreiber*innen sind sturmerprobt, deshalb sind wir im Freischreiber-Vorstand auch so stolz auf unsere Mitglieder. Wenn man – wie Ihr gleich, liebe Leser*innen – nachlesen kann, mit wie viel Energie, Mut und Zuversicht freie Journalist*innen an spannenden, an aufregenden neuen Projekten arbeiten, kann man dies ruhig auch als beispielgebend für die ganze Branche sehen. 

Freischreiberiges

Bis zur Veröffentlichung am 1. April dauert es zwar noch ein bisschen, aber Freischreiberin Carolin Wilms hat zusammen mit Ilka Wild das Buch „Sind wir uns wirklich einig?“ geschrieben, das im Mitteldeutschen Verlag erscheinen wird. 30 Jahre nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung untersuchen die Autorinnen, wie sehr die beiden Teile des Landes tatsächlich zusammengewachsen sind.

Etwas regionaler ausgerichtet ist das neue Online-Portal Nord West Reportagen, das Ulf Buschmann mit vier Kolleg*innen im Dezember gegründet hat. Neben eher klassischen Ressorts wie Wirtschaft, Politik, Kultur und Sport ist das im deutschen Nordwesten angesiedelte Team auch in der glücklichen Lage, „Maritimes“ anbieten zu können. Wer sich da an den wunderbaren Film „Schiffsmeldungen“ erinnert fühlt, sei versichert, dass die Kolleg*innen ihr Handwerk deutlich fundierter und unabhängiger beherrschen als die Redaktion im Film.

Apropos maritim: Freischreiber Friedemann Karig betreibt zusammen mit seiner Kollegin Samira El Ouassil seit 2020 den Podcast „Piratensender Powerplay“, der in bislang 35 Folgen erschienen ist. Die jüngste trägt den vielsagenden Titel „Karneval der Rassisten“. 

Auf derselben Plattform, aber mit ganz anderem Schwerpunkt sind Freischreiber Philipp Eins und Rechtsmediziner Michael Tsokos unterwegs. Ihr Podcast beleuchtet „Die Zeichen des Todes“ und verspricht, „Der einzig wahre True-Crime-Podcast“ zu sein. Zuletzt im Dezember veröffentlicht: Ein rätselhafter Fall, der sich in Hamburg ereignet hat.

Weniger gruselig, dafür „sexy & bodenständig“, sind die Freischreiber*innen Alena Schröder und Till Raether in ihrem Podcast zugange, den sie als „Entlastungs-Podcast“ für Autor*innen anlegen. Sie dröseln auf, was am Schreiben so schwierig ist und wie man sich das schreiberische Leben leichter machen kann. 

Freischreiberin und Afrika-Expertin Ramona Seitz hat in ihrer RiffReporter-Koralle ein langes Stück über das koloniale Erbe von Tansania und Deutschland veröffentlicht, das auch durch die außergewöhnliche grafische Umsetzung besticht, für die der tansanische Comiczeichner Marco Tibasima verantwortlich ist. 

Ein Stück weit vom Journalismus wegbewegt hat sich Freischreiberin Lisa Rüffer, die für die Neuauflage von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ das Drehbuch mitgeschrieben hat. Zu sehen ist die achtteilige Serie ab dem 19. Februar beim Streamingdienst Prime Video.

Noch etwas zum Thema Streaming: Die Berliner Freischreiber*innen treffen sich am 21. Januar um 19 Uhr zum Zoom-Stammtisch. Das Thema: Protagonistin und Interviewpartner gesucht. Beim Stammtisch geht es um Erfahrungswerte, um Tricks und Kniffe für die Suche nach den interessantesten Gesprächspartner*innen. Alle Infos zum Stammtisch gibt es hier.

Richten wir unseren Blick noch auf ein Projekt, das so stark funkelt und glitzert, dass wir eine große und sehr mondäne Sonnenbrille brauchen um es zu betrachten. Freischreiberin Silke Burmester hat einen Palast geschaffen für Frauen, die irgendwann jenseits der 47 von der Bühne der Aufmerksamkeit geschubst wurden. Zu Recht? Ganz und gar nicht. „Wenn die Gesellschaft den Scheinwerfer nicht mehr auf uns richtet, tun wir es eben selbst“, schreibt Silke. Und was es zu entdecken gibt, in diesem wunderbaren funkelnden Palais F*luxx  das dürft ihr jetzt selbst entdecken. Großer Tusch. Licht aus. Spot an. 

Und am Ende dieser Rubrik gratulieren wir noch zum Geburtstag: Am 13. Januar vor fünf Jahren wurde Übermedien gegründet. Damals wie heute federführend am Start: Boris Rosenkranz und Freischreiber-Mitglied Stefan Niggemeier. Mit fünf Jahren poltern die meisten ja noch durch den Kindergarten, Übermedien ist dagegen schon ziemlich stattlich: 5.000 der sogenannten Übonnentinnen und Übonnenten unterstützen das Medienmagazin, mehr als 1.600 Beiträge sind bislang erschienen. Happy Birthday!

Dies & das

Bei aller Begeisterung für neue Projekte sollte niemand – zumindest keine Wahrnehmungsberechtigten – den 31. Januar aus den Augen verlieren. Dann nämlich ist der Meldeschluss für alle alten Projekte, respektive (Online-)Veröffentlichungen für die VG-Wort-Ausschüttungen im Sommer und im Herbst. Gemeldet werden können bis zu diesem Stichtag Veröffentlichungen aus den Bereichen Hörfunk, Fernsehen, Sprachtonträger, Presse und Wissenschaft sowie Online-Texte für die METIS-Sonderausschüttung. Wichtig: In der Sonderausschüttung sind keine Nachmeldungen für 2020 möglich, wenn diese Frist verpasst wird.

Bedrückend fällt die Bilanz von „Reporter ohne Grenzen“ für 2020 aus. Laut ihrer „Jahresbilanz der Pressefreiheit“ sind weltweit derzeit mindestens 387 Journalist*innen wegen ihrer Arbeit im Gefängnis. Mehr als 50 gelten als entführt, drei Journalisten und eine Journalistin seien im vergangenen Jahr unter ungeklärten Umständen verschwunden. Die Hälfte aller inhaftierten Journalist*innen wird laut „Reporter ohne Grenzen“ in nur fünf Ländern festgehalten: China, Saudi-Arabien, Ägypten, Vietnam und Syrien. In Belarus wurden im Zuge der Präsidentenwahl 370 Medienschaffende vorübergehend verhaftet. 

Zugegeben, das folgende Thema ist bei weitem nicht so existenziell, aber es erlaubt einen Einblick in eine Branchennische mit großen Problemen. Das Europäische Journalismus-Observatorium (EJO) hat für eine Studie die Arbeitsbedingungen freier Mitarbeiter*innen lokaler Tageszeitungen untersucht. Die zahlenmäßig größte Gruppe unter den 456 befragten Journalist*innen bildeten die sogenannten Senior-Quereinsteiger*innen mit 192 Personen. Diese waren im Schnitt 64 Jahre alt, hatten in der Regel kein Volontariat absolviert und übten ihre Tätigkeit nicht hauptberuflich aus. Mehr als die Hälfte von ihnen waren Rentner und Pensionäre. Nun verbietet es sich eigentlich, Gruppen journalistischer Mitarbeiter*innen gegeneinander aufzuwiegen. Aber wer frei im Lokalen arbeitet, kennt wahrscheinlich die Herausforderung, denn diese nebenberuflichen Kolleg*innen sind für ihre Redaktionen meist nicht nur sehr bequem verfügbar, sie sind oft auch nicht in der wirtschaftlichen Not, bessere Honorare verhandeln zu müssen – wo dies doch gerade im Lokalen oft so bitter nötig wäre. Das stellt freie Profis vor ein Argumentationsproblem: Sie müssen mehr Geld verlangen, wohl wissend, dass andere klaglos billiger arbeiten. Wozu das führt, müssen wir hier nicht ausführen, oder?

Eine Umfrage der Universität Hamburg zur Zusammenarbeit in Redaktionen und zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Zusammenarbeit läuft noch bis zum 15. Februar. Ziel ist, die gewonnenen Daten zu nutzen, um Lösungsvorschläge für bestehende Probleme zu erarbeiten. Die Online-Befragung beansprucht laut Uni Hamburg etwa 15 Minuten und ist natürlich anonym.

Um Geld, genauer: um das Geld der Zukunft, geht es beim Wettbewerb „Magic Future Money“, den der freie Journalist Friedemann Brenneis ins Leben gerufen hat. Brenneis, der schwerpunktmäßig zu Themen wie Bitcoin und Blockchain arbeitet, ruft dazu auf, Kurzgeschichten einzusenden, die sich in irgendeiner Weise mit den Stichwörtern Geld und Zukunft verbinden lassen. Zu gewinnen gibt es auch etwas, nämlich eine Million Satoshi pro veröffentlichter Geschichte. Wer darunter etwas versteht, sollte womöglich hier weiterlesen.

Im Wind machen sind gewisse Kreise in Deutschland ja ganz groß, und so war es kein Wunder, dass dieser Tage ein Vorstoß der Neuen deutschen Medienmacher*innen einen kleinen Sturm von Rechts erzeugte. Ihr so einleuchtender wie gewitzter Vorstoß: Obwohl Deutschland seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland ist, tragen Wetterhochs und -tiefs in aller Regel deutsche Namen. Das wollten die Neuen deutschen Medienmacher*innen gemeinsam mit ihren Schweizer Kolleg*innen und dem österreichischen Team goandtry.com sowie der #Wetterberichtigung ändern. Sie kauften daher die Patenschaften für gut ein Dutzend Hoch- und Tiefdruckgebiete; den Anfang machte vergangene Woche das Tief „Ahmet“. Ganz Rechts reagierte man sehr zuverlässig mit ordentlich Hyperventilation. 

Ihr seht, freie Journalist*innen und Medienschaffende ganz allgemein haben auch am Beginn des zweiten Corona-Jahres nicht aufgegeben. Es gibt nämlich auch noch viele andere Themen neben Corona. Das ermutigt auch uns Freischreiber, weiter mit viel Wumms dafür einzustehen, dass freie Journalist*innen nicht nur gebraucht, sondern auch wahrgenommen, fair behandelt und auskömmlich bezahlt werden. 

Bleibt gesund!
Eure Freischreiber*innen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ein besonderer Newsletter, ein Extra-Newsletter. Denn es tut sich was in unserer Branche. Allerdings nichts Gutes. Stichwort: Scheinselbstständigkeit.

Derzeit werden die Verlagshäusern und Medienhäusern durchforstet wer dort alles arbeitet, ohne fest angestellt zu sein. Der Druck kommt vom Gesetzgeber.

Betroffen sind alle freie Kollegen und Kolleginnen, die in Redaktionen Tagesschichten übernehmen, die für die Schlussproduktionen oder für die Herstellung bestimmter Magazinteile zu festen Terminen gebucht werden. Es geht also um die sogenannten festen Freien im Gegensatz zu den freien Freien, die von zu Hause oder ihrem Büro aus Beiträge oder Themenstrecken liefern, die aber nicht in den Häusern selbst vor Ort sind und dort entsprechend auch nicht tätig sind.

Besonders trifft es derzeit die festen Freien des Hamburger Verlagshauses Gruner + Jahr, wo seit einigen Wochen auf den Fluren das Gerücht kursiert: „Ab dem 1.4. wird man keine festen Freien mehr im Haus sehen!“

Zu diesem Gerücht äußert sich die G+J-Geschäftsleitung bislang nicht. Umso mehr schafft sie zur gleichen Zeit Fakten.

Die G+J-Räder drehen ja gern etwas schneller. Zur Erinnerung: Vor gerade mal einem Jahr wurden etwa bei der „Brigitte“ die sogenannten „schreibenden“ Redakteure entlassen mit der Ansage, ihre Jobs würden nun Freie übernehmen. Man lobte sich und seine „Netzwerkredaktionen“. Für Juristen klang das damals schon nach öffentlich verkündeter Schattenwirtschaft. Jetzt kommt der Salto rückwärts – heimlich.

Die Freien bei G+J haben je nach Redaktion Unterschiedlichstes gehört: Vielen wird mitgeteilt, dass man bald auf ihre Tätigkeit verzichten will, ohne dass man ein konkretes Datum nennt. Andere berichten, dass sie zum 1.4. keine Aufträge mehr haben. Bei einigen Kollegen wurden schon zugesagte Schichten wieder storniert, anderen die Möglichkeit einer Festanstellung in Aussicht gestellt oder bereits angeboten. Wieder andere sind seit Ende 2015 gekündigt und gar nicht mehr im Haus.

Doch die Gruner-Geschäftsleitung bringt es bislang nicht übers Herz, ihre Freien im Haus offiziell zu informieren.

Handelt sie aus purer Angst, weil ans Licht kommen könnte, dass sie offenbar jahrelang gegen Gesetze verstoßen hat und nun Sozialversicherungsbeiträge in nicht unbeträchtlichem Umfang nachzahlen müsste?

Oder nutzt man die Gelegenheit, wieder die Redaktionen umzubauen und dabei die Honorare und Tagessätze weiter zu kürzen?

Zu all dem schweigt die G+J-Geschäftsleitung eisern.

Aber es ist ihr nicht entgangen, dass sich die Freien im Haus schon zweimal versammelt haben, um sich notgedrungen gegenseitig zu informieren.

Beim ersten Treffen waren über 80 Freie anwesend, beim zweiten waren es rund 120. Wir Freischreiber waren bei diesem Treffen mit unserem Anwalt beratend vor Ort.

Die G+J-Geschäftsleitung wurde schriftlich gebeten, sich umgehend zu den Vorgängen zu äußern. Auch wurde sie zum nächsten Treffen der G+J-Freien am 27.1. eingeladen. Eine Zusage steht noch aus.

Unsere Fragen sind drängend, die Zeit läuft: Wie stellt sich die G+J-Geschäftsleitung einezukünftige Zusammenarbeit mit freien Journalisten vor? Denn ohne Freie wird es nicht gehen.

Gruner + Jahr muss jetzt rechtssichere Rahmenbedingungen für Freie schaffen. Etwa über Teilzeitverträge, die den freien Kollegen ermöglichen, weiterhin für andere Auftraggeber tätig zu sein.

Wie andere das machen, könnte G+J sich beim Verlagshaus der Süddeutschen Zeitung abschauen. Wie die Taz berichtete, ist man dort an einer guten Lösung des„Scheinselbstständigenproblems“ interessiert, geht auf die festen Freien zu und hat erkannt, das Wegducken und Aussitzen keine Lösung ist.

Gruner + Jahr ist übrigens kein Einzelfall.

Auch die Funke-Medien-Gruppe hat inzwischen festen Freien gekündigt, die Kündigung mitgeteilt oder außertarifliche Festanstellungen in Aussicht gestellt. Auch hier hat die Verlagsleitung offenbar bisher nicht offengelegt, was sie eigentlich vorhat.

Beim „Spiegel“, der ja dieser Tage großflächig damit wirbt, keine Angst vor der Wahrheit zu haben, geschieht ebenfalls nichts Gutes: Bei Spiegel Online ist den dort tätigen Freien offenbar zum Jahresende 2015 gekündigt worden. Stattdessen wurden nach unseren Informationen den freien Schlussredakteuren 450- und 850-Euro-Jobs angeboten.

Wie geht es weiter? Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Ihre

Freischreiber

Liebe Kollegen und Kolleginnen,
vorab zwei Ansagen in eigener Sache: Das Portal „Hostwriter“ ist an den Start gegangen; die Plattform, die weltweite Kontakte zu Journalisten schafft – ob man nun eine Couch zum Schlafen braucht, Tipps, wie man sich am besten ein Visum besorgt oder wer einem beim Übersetzen helfen kann.

Freischreiber-Mitglieder haben in den letzten Tage einen Code bekommen, mit dem sie sich auf einfache und lockere Weise dort anmelden können. Nur um mal kurz zu erwähnen: Es hat seine Vorteile, wenn man bei uns Mitglied ist! Und dann hat Freischreiberin Isabelle Buckow für uns die aktuelle Freien-Umfrage des DJV ausgewertet: hier, nachdem sie vor fünf Jahren in unserem Auftrag freie Journalisten nach Einkommen, Arbeitszufriedenheit und Belastung gefragt hatte (hier mehr). Ihr Fazit: „Fünf Jahre sind vergangen, trotzdem hat sich die Lage freier Journalisten kaum verändert. Die Arbeitsbedingungen vieler Freien sind immer noch schlecht. Das größte Problem sind die katastrophal niedrigen Honorare, die an Freie gezahlt werden und die jeden Dritten in die Lage versetzen, Nebentätigkeiten ausüben zu müssen. Dennoch: Für die meisten Freien ist der Journalismus nach wie vor mehr als nur ein Job. Er ist eine Art Berufung, etwas, mit dem man sich verwirklichen möchte. Auch, wenn die Bedingungen nicht immer die besten sind.“

Und so gestimmt, machen wir ein Fass auf, denn für viel Wirbel sorgt derzeit das neue Magazin-Projekt von „Krautreporter“: Zwar soll weiterhin einzelnen Crowdfunding-Projekten eine Plattform geboten werden, aber man will zugleich ein eigenes, tägliches und vor allem digitales Magazin auf den Markt bringen. Dafür sollen in den nächsten vier Wochen 900.000 Euro gesammelt werden. Die Idee: Man zahlt pro Monat fünf Euro für ein Jahr im Voraus und erhält – wenn alles klappt – Zugang zu dem Magazin. Kommt nicht genug Geld zusammen, wird das Geld nicht abgebucht. Angedacht ist einem Schwung angedockter Autoren (darunter einige Freischreiber) eine monatliche Pauschale von etwa 2.000 Euro zu zahlen.
Das Medienecho war enorm – wobei auch eine gewisse Skepsis hier und dort durchschimmert, wie nahezu exemplarisch bei Daniel Bouhs in der „taz“ (http://www.taz.de/!138313/). Freischreiber-Newsletter findet das Projekt so interessant, dass es dazu mal ein kleines Interview bietet – und das mal nicht mit Krautreporterkönig Sebastian Esser, sondern mit Rico Grimm, freier Journalist aus dem künftigen Magazinteam.

Herr Grimm, wie kam’s, dass Sie dabei sind?
„Ich habe vor ein paar Monaten von Sebastian Esser einen Anruf bekommen: Wie geht’s? Was machst du? Wollen wir uns mal treffen? Wir kennen uns, weil ich mal auf Krautreporter ein Projekt gestartet habe. Und dann hat er mir erläutert, was sie vorhaben.“

Ihre erste Reaktion?
„Ich hab so reagiert so wohl wie alle Autoren reagiert haben, die angefragt wurden: 900.000 Euro – hmhm! Keine festen Themen – hmhm! Aber nach zwei Tagen Nachdenken habe ich gesagt: Doch, das kann funktionieren. Und habe zugesagt. Wobei ich selbst als freier Journalist klarkomme, wirtschaftlich gesehen brauche ich das nicht. Aber dieser Drive hat mich überzeugt! Dass mal endlich jemand sagt: Komm, wir hören auf zu reden, wir machen das jetzt einfach mal! Und zwar auf großer Ebene. Ein kleines Projekt zu crowdfunden, dass war vor zwei Jahren ganz cool. Alle haben gemerkt, das funktioniert. Aber das als komplettes Medium zu versuchen, das ist in Deutschland mal nötig. Und wenn man auf die Schnauze fällt, dann ist das eben so, aber man hat es wenigstens versucht.“

Gibt es eine feste Redaktion, gibt es ein festes Team – wie muss man sich das vorstellen?
„Erstmal der Verwaltungsüberbau, auch wenn das ein sehr hässliches Wort ist: Philipp Schwörbel ist der Geschäftsführer, der kümmert sich um die Zahlen. Sebastian Esser ist als Herausgeber für die Konzeption und die Außendarstellung zuständig. Und Alexander von Streit ist nach außen hin Chefredakteur, aber eigentlich hat er mehr die CvD-Dienste. Es gibt eine Koordinierung, aber es ist nicht so, dass Alexander von Streit morgens zehn Themen auf der Liste hat, die er dann verteilt, wie es in klassischen, tagesaktuellen Medien üblich ist. Wir wollen dieses Portal viel mehr von unten nach oben betreiben; wir setzen auf Impulse von uns Autoren und auf Anregungen, die von den Lesern kommen.“

Aber wer entscheidet am Ende?
„Darüber haben wir uns noch nicht detailliert auseinandergesetzt, aber das wird rechtzeitig geregelt werden müssen. Nur: Man sollte das Fell des Bären nicht vor der Jagd verteilen. Erst mal brauchen wir das Geld! Das ist viel wichtiger. Wir brauchen die Mitglieder, dann können wir uns unterhalten, wer wann welchen Artikel online stellen kann.“

Welche Chancen wird es für freie Journalisten geben, dazu zu kommen und auch etwas abzusetzen?
„Diese Chancen wird es definitiv geben. Wir sind ja alle, bis auf die drei, die ich eben genannt habe, Pauschalisten. Wir sind da nicht fest angestellt und wenn man sich die Pauschale anschaut, dann weiß man, dass wir alle nebenher unsere anderen Jobs weitermachen werden. Es wird also immer wieder Lücken geben und ich denke mal, es ist jetzt schon absehbar, dass wir bei einigen Themen eine offene Flanke haben könnten. Die Leute da draußen müssen sich anschauen, ob sie da etwas liefern können oder nicht. Es wird auch eine Fluktuation geben – wir sind kein closed shop wie bei den anderen Crowdfunding Projekten. Das ich Mitglied dieses Projektes geworden bin, hat natürlich auch mit Glück zu tun. Wenn man sich die Karrieren vieler Kollegen in den diversen Bereichen anschaut: Talent und Fleiß ist das eine – Glück sind die letzten 10 Prozent, die man aber unbedingt braucht.“

Die Parole lautet: ‚Das Internet ist kaputt – wir kriegen das wieder hin!‘ Woher kommt dieses Selbstvertrauen?
„Ich persönlich habe zu oft gesehen, woran schon die Ideen scheitern können. Beim Online-Journalismus in den großen Häusern gibt es Arbeitsabläufe, die da durchgeführt werden müssen, weil die schon seit Jahren üblich sind, aber sie verhindern, dass neue Formate entwickelt werden oder sich neue Ideen durchsetzen. Wir dagegen sind ein kleines Team, wir haben eine flache Hierarchie und einen unmittelbaren Kontakt zu unserem Produkt. Beispiel: Wenn wir auf unserer Homepage etwas ändern wollen, dann können wir das sofort ändern. Wir müssen nicht bei einer fernen Zentrale anrufen, beim IT-Team, das dann eine Konferenz einberuft, wo ausdiskutiert wird, ob das neue Banner nun rechts oben oder links unten hin kommt. Wenn man sich unsere Autoren anschaut, dass zeichnen wir uns dadurch aus, dass wir was versuchen, das wir auch mal ein Experiment wagen.“

Nach den drei Herren, die Sie schon erwähnt haben, kommt in der Liste der Autoren als erste Frau Jessica Braun mit dem Ressort ‚Gesellschaft und Ernährung‘. Das wirkt sehr traditionell …
„Ich war an der Autorenauswahl nicht beteiligt, kann also nicht so viel dazu sagen. Es ist – und das ist meine persönliche Meinung – in jedem Fall ein Thema, dass man ansprechen muss. Wir sind uns dessen bewusst und bei unserem allerersten Planungsmeeting stand auf Liste: Zu wenig Frauen! Aber es wäre unfair bei dem, was wir gerade versuchen, den Frauenanteil zu einem entscheidenden Kriterium zu machen. Wir versuchen was, und dann können wir uns hinterher darüber unterhalten, ob und wie das gut war.“

Gesucht werden 15.000 Unterstützer. Bisher war es so: Journalisten unterstützten ein Projekt von Kollegen – getragen auch von der Phantasie: Vielleicht mache ich auch mal so eine Crowdfunding-Sache. Das wird nun nicht reichen …
„Auf keinen Fall! Wenn wir nur Journalisten, nur Medienleute erreichen, dann hätten wir am Ende des heutigen Tages alle zusammen. Wir müssen mehr Leute kriegen. Der niederländische “De Correspondent“ hatte seinen Kampagnenstart bei der größten Talk Show des Landes, einem Äquivalent zu Günther Jauch’s Show. Da hat der Frontmann in die Kamera gesagt: ‚Hey, wir machen neuen Journalismus, unterstützen Sie uns!‘. Ich hab gestern angefangen eMails an all die Leute geschrieben, mit denen ich Diskussionen zur Medienkrise hatte; die zu mir kamen und fragten ‚Ey, warum macht der Spiegel das und die SZ jenes‘; die mich immer in Haft genommen haben für das, was in der gesamten Branche zuletzt nicht gut gelaufen ist.“

Mal gerechnet: 900.000 Euro durch 365 Tage, macht 2465, 75 Euro, die pro Tag zu Verfügung stehen. Wie viel wird in die Honorare gehen?
„Mehr als die Hälfte! Wer 5 Euro im Monat zahlt, investiert mehr als 2,50 Euro in die Honorare, die Personalkosten. Man muss die Spesen, die Reisekosten, die wir haben werden, noch oben drauf rechnen. Ich würde sagen, dass wir als Projekt eine der besten Quoten haben, von dem was man zahlt und was dann direkt in den Journalismus fließt. Weil wir fast keinen Verwaltungsüberbau haben. Wir müssen auch keine riesige Anzeigenabteilung mitfinanzieren, denn wir werden anzeigenfrei sein.“

Abschließend: Wird es klappen?
„Am Anfang, als ich nur die kleinen, einzelnen Crowdfunding-Projekte im Kopf hatte, dachte: Niemals! Aber wenn man genauer nachdenkt, sind 15.000 nicht so viel. In Deutschland leben 82 Millionen Menschen, wenn man dann noch die deutschsprachigen Leser aus Österreich und die Schweiz dazurechnet, hat man einen Markt von 120 Millionen Menschen. Und wenn man sich die Statistik anschaut, wie viele Leute im deutschsprachigen Netz täglich unterwegs sind, was gelesen wird und wie viel auch gelesen wird – also: Das wird funktionieren.“

Dies und Das

Die Konferenz „re:publica“ hat auch in diesem Jahr viel Beachtung gefunden. Die „Zeit“ wagt dazu einen Überblick und stellt fest: „Die re:publica ist kein Bloggertreffen, keine Internetkonferenz, keine Nerdveranstaltung. Sie ist ein Gesprächsraum für die gesamte europäische Zivilgesellschaft. Dort werden Themen verhandelt, die jeden etwas angehen.“ Und weiter: „Dort wird die gesellschaftliche Relevanz von Elternblogs genauso verhandelt, wie die politischen Inhalte von Computerspielen, wie sprachliche Grabenkämpfe in Onlineforen, psychologische Auswirkungen von Überwachung oder wie die Gesetzgebungsverfahren zum Urheberrecht und zur Netzneutralität. Es geht um Sex, um Big Data, um Medien, um Politik.“

Wer dazu etwas sehen möchte, dem empfehlen wir das Vortragsvideo von Sascha Lobo auf YouTube, in dem er der anwesenden Netzgemeinde, der auch wir uns zugehörig fühlen, gehörig den Kopf wäscht. Aber Achtung: Lobo merkt gleich zu Anfang an, dass wir jetzt gleich alle lachen werden, aber nichts zu lachen haben.

„Nur die wenigsten Nachwuchs-Journalisten begreifen, dass die sozialen Netzwerke keine Spielzeuge für sie sind“, schreibt wiederum Karsten Lohmeyer auf „www.lousypennies.de“. „Es ist immer das gleiche: Viele junge Kollegen sind zwar heftig auf Facebook, Instagram und anderen Netzwerken unterwegs – aber sie erkennen nicht, dass die sozialen Medien trotz Selfies, Katzenbildern, Gifs und Gaga-Listen wichtige journalistische Instrumente sind. Schlimmer noch: Viele haben sich die diffuse Angst ihrer Eltern und von so manchem Mainstream-Medium vor den sozialen Netzen zu eigen gemacht.“ Dabei sei nichts wichtiger, als sich im Netz zu tummeln und sein Netz auszulegen: „Journalisten leben von ihren Netzwerken. Das war schon immer so. Was früher (und auch heute noch) vor allem auf persönlichen Kontakten und einem akribisch geführten Telefonbüchlein basierte, ist heute in die sozialen Netzwerke gewandert. Ich kann es immer noch nicht fassen, wie viele wundervolle Menschen ich über Twitter & Co. kennenlernen durfte.“

„Man könnte 20 Journalisten einer Zeitung erschießen, es würde über Wochen genauso weiter gehen.“ So drastisch beschrieb Constantin Seibt seine Sicht der Dinge und prangerte (hier) Routine, Einfallslosigkeit und Stillstand in der aktuellen Medienwelt an. Dabei sei doch ganz klar, was zu tun sei: „Den Journalismus neu zu erfinden, das ist die Aufgabe unserer Generation.“ (Seibt ist übrigens 48 Jahre alt, damit der „Generationenbegriff“ mal gefüllt wird). Und außerdem: “Der eigentliche Protest ist es heute, gute Arbeit zu machen.”

Jessica Binsch, Ole Reißmann und Hakan Tanriverdi wiederum liefern auf diesem Statement-tumblr: „Breaking News. 23 Thesen“ zur Medienzukunft. Etwa: „Wir werden in die Tasche gesteckt“ (These 2), „Weg mit den Ressorts!“ (These 5) oder „Leser belohnen harte Arbeit“ (These 15): „Hier eine gute Nachricht: Wenn man doppelt so lange an einem Text sitzt, erhöht sich dadurch die Lesezeit um 89 Prozent. Jedenfalls ist das die Korrelation, die Mike Sall von „Medium“ berechnet hat, als er sich die internen Statistiken angesehen hat. Also ein großes Ja: Zu sorgfältig überlegten Geschichten und zu langen Lesestücken.“

Aus dem Freischreiber Lab / Korrektur

Im letzten Newsletter hatten wir auf das Projekt von Freischreiber Daniel Hautmann hingewiesen, der ein Jahr im Bus kreuz und quer durch Europa und Marokko unterwegs war und Lebensgemeinschaften und Ökodörfer besucht hat. Aber der Link ging nicht! Nun der richtige: http://www.utopia.de/blog/wer-suchet-der-findet/der-ruf-des-muezzin

Preise

Erhalten hat einen Preis Freischreiber und Freifunker Christian Blees. Und zwar den Medienpreis der RIAS Berlin Kommision für sein Feature „Mythos JFK – Leben und Sterben des John F. Kennedy“. „Fesselnd von Anfang bis Ende, erzählt dieses Feature eine alte, bekannt geglaubte Geschichte…ganz neu“, befand die Jury und das ist ja nun wirklich ein Lob. Gelegenheit auch auf die Seite der bei Freischreiber organisierten freien Hörfunkjournalisten mal wieder zu verweisen freifunker.org.

Ausgeschrieben hat die IG Metall Baden-Württemberg mit dem Willi-Bleicher-Preis einen Medienpreis für herausragende Beiträge zur Arbeitswelt. Noch bis zum 31. Mai 2014 können sich Journalistinnen und Journalisten dafür bewerben: „Gesucht werden Beiträge, die zwischen dem 1. April 2013 und dem 31. Mai 2014 in deutscher Sprache gesendet oder veröffentlicht worden sind. Dazu gehören Hörfunk und Fernsehsendungen ebenso wie Beiträge, die in Zeitungen, Zeitschriften oder im Internet erschienen sind. Formatbeschränkungen gibt es keine. Bewerben können sich alle Journalisten, die für Medien in Baden-Württemberg arbeiten. Zugelassen sind zudem Einreichungen aus überregionalen Medien, die einen klaren Bezug zur Arbeitswelt im Südwesten und den dortigen Betrieben und Beschäftigten haben.“

Kongress

„Building Blocks for the New News – Business Models in Formation.“ Und von daher: „Let’s talk about business models for the future. Paywalls & mobile sales, entrepreneurial journalism, crowdfunding, new investors, new ideas: There are business models that work – beyond traditional ads and circulation. Discuss top trends and best practices with global media leaders and find out how to grow successfully“ – so kündigt sich der internationale Medienkongress „MID_14“ an, der am 13. Juni in Wien stattfindet und Referenten von New York über Oxford, St. Gallen und Berlin eingeladen hat, um das Beste vom Neuesten zu erkunden.

So. Das war’s nun auch. Viel, viel Stoff zum Lesen und Nachdenken. Aber darum geht es ja auch: Klug werden und klug bleiben und das ist selten umsonst und ohne Zeitaufwand zu bekommen.

In diesem Sinne
Ihre Freischreiber

Liebe Kollegx*,

BAM! Miriam Meckel übernimmt ab Oktober das Steuer der Wiwo – mit diesem Quotenknaller melden wir uns zurück. Der Nachrichtendienst turi2 bescheinigt ihr eine „blitzsaubere Karriere“ im „Dreieck aus Politik, Medien und Hochschule.“ Und wir sind gespannt, wie sie ihren angekündigen analogen und digitalen „Biojournalismus“ (Mensch vor Maschine) dort künftig durchsetzen wird. Im Handelsblatt schrieb sie schonmal an gegen die Selbstzerstörungswut von Verlegerx* (und Kollegx*), sowas in der Art wie wie „Journalismus lebt!“. Im O-Ton: „Journalisten, die Haltung und Debatte im eigenen Medium für richtig und wichtig halten, müssen sich deshalb gegenüber Vereinnahmungsstrategien von Dritten resistent zeigen: gegenüber dem zunehmenden Druck der PR-Branche, gegen den Autorisierungswahn bei Interviews, durch den Gespräche bis zur Unlesbarkeit sinnentleert werden. Journalisten sollten das können. Sie werden auch in Zukunft gebraucht werden.“ Dass zu derart urdemokratischem Journalismus auch die Pressefreiheit vor den Ämtern gehört, kapiert die Koalition hoffentlich noch. Das Quorum zum Presseauskunftsgesetz allerdings ist leider gerade baden gegangen. Die 2424 Petitionszeichnerx* erreichten nicht mal die Hälfte der erforderlichen Stimmen. Petra Sorge, Online-Medienkolumnistin bei Cicero hat Recht behalten. Kurz vorher schrieb sie noch warnend: „Journalisten verschlafen die Pressefreiheit“ (auch geschlafen? Darum geht’s).

Wex* allerdings nie zu schlafen scheint, sind unsere Leserx*. Sie klicken oder greifen nicht nach dem Qualitätsprodukt, dass uns so am Herzen liegt, sondern und das hören wir in den letzten Monaten permanent, flättern am liebsten da, wo’s deftig zugeht oder lassen’s gleich selber verbal krachen (Sex, Drugs, Skandal). Die Zeit hat’s gerade nach dem Verriss des Buchs „Deutschland von Sinnen“ erfahren (klick): Ein Schwall von analogen und digitalen Beschimpfungen ergoss sich über die Redaktion. Die wollte es dann genau wissen und fragte nach. Direkt angesprochen aber wollten die meisten dann lieber nichts sagen oder nicht „kotzen“ geschrieben haben. Ein paar mit Mut aber gabs und sie redeten mit den Redakteurx*. Stefan Willeke hat daraus ein Potpourri der Meinungen gemacht – und verteidigt die Rezension: „Natürlich stammt kaum jemand von uns aus einer Hartz-IV-Familie“. Und die Leser finden ungerührt: „Ihr Journalisten pflegt eure Sozialromantik.“
Das kann man der Titanic nun nicht nachsagen, doch auch deren Chef Tim Wolff, (hier gerade länglich bei Meedia interviewt) beklagt, dass die Leserx* immer dann am bösartigsten schimpfen, wenn die Titanic sich über das Medienverhalten gegenüber Promis lustig mache. Sie dächten dann, man wolle ihren Herz-Identifikationsfiguren wie Schumi ans Leder. „Der lustigste Vorwurf kam nach unserem Papst-Titel von Hilmar Klute von der Süddeutschen: Er schrieb, die Titanic sei zu einem Reaktionsmedium verkommen. Eine erstaunliche Aussage über ein Satire-Magazin. Wie anders könnte Satire denn funktionieren als reaktiv?“

Wir als Leserx* hätten dieses Interview ordentlich gekürzt, aber eine Stelle gefällt uns so gut, dass wir sofort bei dieser Redaktion zu schreiben anfangen wollen: „Wir sind die freieste Redaktion der Republik“.

Während wir Freie uns zunehmend vernetzen wollen/sollten/müssen – und uns daher vermehrt auf Plattformen wie torial.com oder hostwriter.org (= Couchsurfing für die weltweite Recherche, demnächst mehr dazu) tummeln, rutschen Kooperationen zwischen den großen Journalismus-Marken mehr und mehr ins unsaubere Zwielicht der Kungelei. In der harmlosen Variante sitzen dann auf Sandra Maischbergers Talksesseln gleich drei Kollegx* zum Quatschen. In der weniger harmlosen kann man verdeckte Nutzung öffentlich-rechtlicher Gelder vermuten. Hier sollte es eine Regelung und ein Kontrollorgan geben, findet René Martens von der taz in diesem lesenswerten Artikel: „Wenn sich immer mehr Journalisten verbrüdern, stellt sich aber die Frage, ob die noch unbefangen berichten können über etwaige Sauereien bei einem der Partner. Dass durch Kooperationen Abhängigkeitsverhältnisse entstehen, sei zumindest „eine abstrakte Gefahr“, sagt Karl-Heinz Ladeur, emeritierter Rechtsprofessor der Uni Hamburg und unter anderem spezialisiert auf Medienrecht.“ Mit diesen Gedanken im Hinterkopf erscheint auch das neue, kostenlose Internet-Reportagetool „pageflow“, das der WDR zur freien Nutzung ins Netz stellt, unter anderem Vorzeichen. Sicher ist es für die Zielgruppe – Freie, Bloggerx*, kleinere Web-Projekte von Initiativen, Verbände oder Studierende – interessant (link). Aber es werden sicher auch andere zugreifen. Hat man beim WDR geschaut, ob es einen privatwirtschaftlichen Anbieter gibt?

Dies und Das

Kungelei, Themenklau, Redaktionsparallelwelten… Kein Wunder, wenn sich immer mehr Journalisten mit Eigensinn und Unabhängigkeitsanspruch davon losmachen wollen. Wie das dann mit dem Geld klappt – testet grade Richard Gutjahr. Nach einem Monat LaterPay sind die ersten Einkünfte bescheiden (max. 77 Euro), dennoch zieht er eine positive Bilanz: hier.

Preise

Oder… Vielleicht einen Preis mitnehmen? Zum Beispiel den Salus-Medienpreis: – 8000 Euro Preisgeld stiftet der Naturarzneimittelhersteller Salus für Veröffentlichungen zu den Themen „Risiken der Agro-Gentechnik“ und „Chancen einer ökologischen Landwirtschaft“. Preiswürdig seien Arbeiten, die „durch Aktualität und Sachkenntnis, Kreativität und Verständlichkeit überzeugen“. Die Bewerbngsfrist läuft bis 6. Juni . Teilnahmebedingungen und mehr Informationen unter: salus-medienpreis.de

Hypercrowdfunding

Oder schwarmintelligent spenden… Die Macher des Hamburger Hyperlokalnachrichten-Projekts “Mittendrin” liefern Berichterstattung für den Bezirk Hamburg-Mitte und wollen sich „weiter professionalisieren“. Dafür haben sie jetzt Redaktionsräume gemietet – und für die Finanzierung von Möbeln, Technik und mehr eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Hier der Link

Aus dem Freischreiber Lab

Oder was ganz anderes machen… so wie Freischreiber Daniel Hautmann, der ein Jahr im Bus kreuz und quer durch Europa und Marokko unterwegs war und Lebensgemeinschaften und Ökodörfer besucht hat… „Im Prinzip geht es um gelebte Nachhaltigkeit“, sagt er. Mehr hier, auf seinem Projekt-blog: www.utopia.de/blog/wer-suchet-der-findet

*Und jetzt des Sternchens Lösung für alle aufmerksamen Leserx: wir greifen hiermit endlich Lann Hornscheidts Leitfaden für sprachveränderndes Handeln auf (dex Streiflichtschreiberx der SZ sei Dank – mehr hier: auf dem Blog der Professorin für für Gender Studies und Sprachanalyse). Sie empfiehlt das neue Neutralgender-X als Kürzel gegen erigierte Is und langwierige Wörter und Wörterinnen.

Wir wünschen eine Woche mit BAMx!
Eure Freischreiber