Eigentlich wollten wir an einem November-Wochenende mit euch feiern und tanzen. In einem wunderschönen, grün dekorierten Raum in Hamburg. Wir wollten Reden halten, uns auf Podien fetzen, alte Bekannte und Freundinnen so richtig feste in die Arme nehmen, Sekt und grüne Cocktails mit euch trinken, mit schweren Beinen, einem Kopf voller Ideen und viel, viel Wumms nach Hause wanken.

Eigentlich wollten wir Preise verleihen! Den Himmelpreis für vorbildlich faires und den Höllepreis für ekliges Verhalten. Unsere schönen Skulpturen aus Porzellanpapier, die immer im Atomkoffer unendlich vorsichtig durch Deutschland transportiert werden müssen. Sonst gibt es Scherben ohne Glück.

Erst haben wir uns überlegt, ob wir eine andere Präsenz-Veranstaltung planen wollen. Irgendwo draußen mit grünen Masken im Gesicht. Aber dafür die Freischreiber zweimal durch die Republik schicken? Nein. Irgendein neues Digitalformat ausprobieren? Eine Preisverleihung ohne Publikum, ohne Reden, ohne Applaus? Nee. Das wollen wir nicht. Wir brauchen die Veranstaltung, wir brauchen euch alle an einem Ort. Wir brauchen die Freischreiberinnen und die Freischreiber. Es ist großartig, euch in den digitalen Mittagspausen und in den Webinaren zu sehen, Freie in ganz Deutschland und auf der ganzen Welt. Aber eine Preisverleihung? Digital? Das ist wie doppelt aufgegossener Tee, dünner Kaffee, Reden durch Filter. Wir brauchen die Preisverleihung in ECHT.

Das Besser-als-Nichts-Jahr
Ihr ahnt es schon: Es ist – wie alles – anders in diesem Jahr. Als wir euch um eure Vorschläge gebeten haben, dachten wir noch, das könnte klappen mit einer Preisverleihung im Herbst. Der Optimismus stirbt beim Freischreiber bekanntermaßen zuletzt. Nun fragt ihr euch: „Was ist aus meinem Vorschlag geworden?“ Keine Sorge. Er war nicht umsonst.
Wir haben uns eure Vorschläge genau angesehen. Wir haben sie daraufhin überprüft, ob sie einen Corona-Bezug haben, denn das war in diesem Jahr das Thema. Wir haben keinen Vorschlag vergessen. Wir haben nachgefragt und Beweise gesucht. Immer wieder nachgefragt und immer wieder gemerkt: Wenn es darum geht, dass noch jemand die Hand hebt und einen Vorwurf bekräftigt, dann kam ganz, ganz wenig.

Wir können eine Hölle-Nominierung nicht auf einer einzigen Beschwerde aufbauen. Wir brauchen zweite und dritte Quellen, Beweise, Veröffentlichungen. Wir haben unseren Quellen zugesichert, dass niemand ihren Namen erfährt. Aber wieder kam da nichts bis wenig. Keine freien Kolleg*innen, die gesagt hätten, bei mir war das auch so.
Wir kennen das Problem. Uns ist schon so mancher Höllekandidat von der Schaufel gesprungen, weil die Vorwürfe stark und die Beweise mau waren. Das ist jedes Mal schade und frustrierend – für uns und für euch. In diesem Jahr stehen viele Freie in einem ganz anderen Maß als sonst mit dem Rücken zur Wand. Viele Kolleginnen und Kollegen haben Auftraggeber und sehr viele Aufträge verloren. Weniger Präsenztermine, weniger Seminare, weniger Geld auf dem Konto. Dafür mehr Druck.

Zum Teufel mit ihnen?
Viele halten gerade jetzt zu Auftraggebern, die sie eigentlich zum Teufel schicken sollten. Es ist nicht an uns, das zu verurteilen. Wir verstehen, dass viele ihren Bestand mit allen Mitteln sichern müssen. Auch wenn es den Höllepreis kostet.
Einige hoffnungsvolle Höllekandidaten haben sich im Laufe dieses Höllejahrs wohl auch gebessert. Auch das gibt es. Vielleicht nicht vom Saulus zum Paulus, aber dennoch aus der Hölle Richtung Fegefeuer. Einige Redaktionen und Auftraggeber hatten sich am Anfang der Corona-Krise von ihrer miesesten, höllischen Seite gezeigt. Da wurden Aufträge eingefroren, Honorare gedeckelt, Tagessätze unterboten, Freie abgewickelt, die nicht einmal gesagt bekamen, was da läuft. Als wir später noch ein paar Mal nachfragten, um Höllekandidat*innen nominierungsfein zu machen, hieß es: Die Lage hat sich entspannt, es läuft wieder. Das freut uns natürlich für jeden Auftrag und für jede Zusammenarbeit, die euch über Wasser hält. Aber das bedeutet für dieses bizarre Jahr:

2020, in diesem durchweg höllischen Jahr, wird es keinen Höllepreis geben!

Ein Blick in den Himmel
Wir hatten euch um Einreichungen gebeten zu Redaktionen und Redakteur*innen, die im Laufe der Krise zu euch gestanden haben, die euch unterstützt haben, die gezeigt haben, dass der Freie nicht der Sandsack ist, der schnell mal abgeworfen werden kann, wenn es eng wird. Wir kommen durch dieses Jahr nur, wenn wir zusammenhalten. Freie und Freie. Freie und Feste. Das klingt nach Himmel? Das sollte nach Normalität klingen.

Wir haben Himmelpreis-Einreichungen bekommen, da ging es um Dinge, die so selbstverständlich sind, dass wir wirklich manchmal Angst bekommen; wenn das schon himmelpreiswürdig ist. Redaktionen, die pünktlich bezahlen wurden genannt, Redaktionen, die freundlich sind, Redaktionen, die auf Mails antworten oder ans Telefon gehen. Herrjeh. Wir freuen uns um jeden guten und unkomplizierten Umgang. Aber ist das schon der Himmel?

Zwei Einreichungen fanden wir dann doch himmlisch herausragend. Deshalb gibt es in diesem verrückten Jahr zwei Himmelpreise.

Dem Himmel so nah
Ein Himmelpreis geht an eine Zeitung, die sich von jeher der Solidarität und der Loyalität verschrieben hat. Schon oft haben wir Gutes gehört, schon oft mussten wir sagen, Himmel geht trotzdem nicht, weil das Honorar, mit dem Freie abgespeist werden, unterhalb jeder Grenze liegt. Oder wie es ein Kollege in unserem Honorartool auf den Punkt brachte: Nette Betreuung, mieses Honorar.

Ihr wisst, um wen es geht? Klar. Es geht um die taz. Denn die taz hat in diesem Jahr etwas gemacht, was in Krisenzeiten unschätzbar wertvoll ist: Sie hat an ihre freien Korrespondent*innen und an einige regelmäßige Autor*innen einen dicken fetten Bonus ausgezahlt. Ein dreizehntes Monatshonorar. Nicht zu Weihnachten, sondern zur Krise. Weil die Unsicherheit groß und die Motivation nötig war.

Die ersten Fragen im „Pandemie-Stab“ des Hauses hätten gelautet: „Wie geht es wem? Wie unterstützen wir unsere Freien?“, sagt Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Andreas Marggraf. Die Redaktion schrieb daraufhin an ihre Freien: „Niemand weiß, wie lange die Corona-Krise noch andauern wird. Fest steht nur, dass sie noch lange nicht überstanden ist. Fest steht allerdings auch, dass es die taz in und nach der Krise weiter braucht. Und das heißt auch: Die taz braucht Euch! Vielen Dank für Eure tolle Arbeit in der Vergangenheit, in der Gegenwart – und in der Zukunft!“

Wow. So etwas wollen wir öfter lesen. Und dann auch noch eine Extra-Zahlung. Wenn die Honorare nicht so mau wären, müssten wir alle jetzt zusammenpacken und auf geht’s zur taz. Aber da gibt es noch ein Problem: Etwa 40 Euro für 1.000 Zeichen? taz, ihr seid so gut. Da gibt es – eigentlich – noch etwas Luft bis zum Himmel. Aber ihr bekommt für diesen Schritt dennoch den Himmelpreis der Freischreiber. Herzlichen Glückwunsch!

Himmel!
Den anderen Himmelpreis bekommt in diesem Jahr mal wieder ein Einzelner. Manchmal ist es so; da funkeln die Solitäre mehr als das Ganze. Besonders ist uns das Funkeln in diesem Jahr bei einem Redakteur der Welt aufgefallen. Klaus Geiger wurde gleich mehrfach in den Himmel gelobt. Der Chef der Politik Ausland „antwortet schnell und ausführlich“ (sollte normal sein), „zahlt immer pünktlich“ (sollte auch normal sein), „bietet regelmäßig Feedbackgespräche an und nimmt sich dafür eine Stunde Zeit“ (Holla), „dankt seinen Freien regelmäßig“ (ok), „zahlt extra Geld für minimale Mehrarbeit“ (Potzblitz).

Da mussten wir doch mal nachfragen. Klaus Geiger meint selbst, dass das, was vielen so auffällt, doch eigentlich normal sein sollte. „Vertrauen und Fairness“ müssten stets die Prinzipien sein. Sein ganzes Team handle nach ihnen. „Wir haben schon immer nach Aufwand honoriert.“ Mit und ohne Krise. Zudem sei es für seine Redaktion und ihn wichtig, „im Gespräch zu bleiben über die aktuelle persönliche Lage jedes Mitarbeiters und die Frage, was gerade leistbar ist. Das war in der Corona-Situation noch zentraler“. Das denken wir auch.
Deshalb haben wir mal ausprobiert, ob das auch wirklich so stimmt mit dem tollen Umgang. Es stimmt. Der Auftrag kam prompt, fair, klar. Himmlisch. Gerade in einer Zeit, in der sich viele um ihre Verantwortung drücken und Freie weit von sich schieben, brauchen wir solche Solitäre. Deshalb verleihen wir Klaus Geiger den Himmelpreis 2020. Herzlichen Glückwunsch!

Klaus Geiger von der Welt und Andreas Marggraf aus dem Vorstand der taz: Im Sommer erscheint unser neuestes Werk, die Freienbibel 2. Sie wissen schon so viel über die Freien, sonst hätten Sie den Himmelpreis nicht bekommen. Wenn im Sommer das Buch erscheint, wartet auf Sie die schönste, edelste und persönlichste Ausgabe unserer Freiebibel. Mit gedruckter Widmung, mit Gedicht, gebunden in Leinen. Sobald sie gedruckt ist, treffen wir uns zu einer Veranstaltung im Freien. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir unsere Preise nicht auch noch in echt verleihen könnten.

Und jetzt: Zur Hölle mit dem ganzen Jahr 2020 – und in den Himmel mit unseren Himmelpreisträgern, die uns zeigen, dass es im Höllenjahr auch noch etwas Positives geben kann.

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Freischreiber-Himmel-Preis 2020 from Freischreiber on Vimeo

9. Dezember 2020

Besondere Zeiten brauchen besondere Preise. Deshalb haben wir uns entschlossen, den Himmel- und Höllepreis dieses Jahr an das Thema Corona anzubinden.

Verträge und Nutzungsrechte werden vermutlich weniger eine Rolle spielen als Solidarität und Zahlungsmoral. Wer hat sich während der Krise solidarisch gezeigt, wer hat seine Freien gleich mal vom Boot geschubst? Wer hat geholfen und wer bleibt Honorare schuldig? Wie immer sammeln wir eure Vorschläge ein und entscheiden auf Grundlage der Himmel-und-Höllepreis-Statuten. Also los: Schickt uns eure Engelchen für den Himmel und eure großen Enttäuschungen für die Hölle. Schreibt jederzeit gerne ans Büro. Wer den Preis noch nicht kennt: Hier findet ihr Infos dazu.

 

03. Dezember 2019. Der Himmelpreis 2019 geht an den freien Journalisten Juan Moreno. An einem turbulenten, weil Friday-for-Future-bestreikten Freitag in der letzten Novemberwoche übergaben Carola Dorner und Nicola Kuhrt aus dem Freischreiber-Vorstand die Auszeichnung an den freien Kollegen.

Moreno hatte den ehemaligen Spiegel-Redakteur Claas Relotius als Hochstapler entlarvt (alle Nominierten 2019 hier in der Übersicht). Er wolle kein Heiliger des Journalismus sein, hatte er uns schon bei Bekanntgabe der Auszeichnung gesagt, wir glauben dennoch: Es braucht ein beispielloses Rückgrat, sich dem wirtschaftlichen Ruin auszusetzen, der einem Freien droht, wenn er sich gegen das wichtigste Magazin der Republik stellt.

Genau das hat Juan Moreno zu einem Vorbild für Journalist*innen gemacht, auch wenn er das nicht sein will. Seine Freude über den Preis war groß, hat er doch auch jetzt, knapp ein Jahr nach der Offenlegung der Relotiosaffäre deutlich mit deren Folgen zu kämpfen. Dem Vorstand bleibt ein erneutes „Herzlichen Glückwunsch!“

Übergabe Freischreiber Himmel-Preis 2019: Carola Dorner, Juan Moreno, Nicola Kuhrt (von links)

Übergabe Freischreiber Himmel-Preis 2019: Carola Dorner, Juan Moreno, Nicola Kuhrt (von links)

Juan Moreno mit Freischreiber Himmel-Preis 2019

Juan Moreno mit Freischreiber Himmel-Preis 2019

 

 

 

 

Freischreiber verleiht den Himmel- und Höllepreis 2019 in Hamburg.

Wie viel kann ein Verband an einem Tag schaffen? Freischreiber, der Berufsverband der freien Journalistinnen und Journalisten, wollte es wissen und kann nun sagen: Preisverleihung, Mitgliederversammlung, Vorstandswahlen, Boxen, Kegeln und ein Betriebsausflug in den Himmel sind drin. Kurz vor der Hölle war dann aber Schluss.

Der gelbe, alte Bus rumpelte, zugig war es und gleichzeitig ein bisschen zu warm und ein bisschen zu kalt. Gut 40 freie Journalistinnen und Journalisten wollten von Himmelpforten nach Teufelsbrück, also vom Himmel in die Hölle, und unterhielten sich dabei prächtig. In Teufelsbrück bei Hamburg sollte in diesem Jahr der Höllepreis verliehen werden – der Preis, mit dem einmal im Jahr Redaktionen, Verlage oder Personen ausgezeichnet werden, die sich gegenüber freien Journalistinnen und Journalisten besonders fies verhalten. Aber der klapprige Bus, Modell amerikanischer Schulbus, kam nicht bis zur Hölle, sondern machte irgendwo auf Höhe Fegefeuer Halt für eine kleine Höllenshow mit Sound und Licht und Laudatio von Gastredner Christian Gesellmann, dem Krautreporter, der den wütenden Text schrieb: Kohle raus!

Höllepreis für ausbleibende Honorare: Dornbusch Verlag

Wer bekam den Preis? Eine Klitsche aus der Schweiz. Wie kommt Dornbusch, ein kleiner christlicher Verlag, zum Negativ-Preis der Freischreiber? Durch besonders höllisches Verhalten. „Es ist sicher nicht der eklatanteste oder relevanteste Fall miserablen Verhaltens eines Mediums gegenüber festangestellten und freien Journalisten, was der Dornbusch Verlag sich so gegönnt hat. Aber er ist eine brennende Allegorie dafür, wie tief unsere Branche gesunken ist“, erklärte Gesellmann in seiner Laudatio. Dornbusch bestellte Artikel und ließ die Freien dann monatelang und zum Teil vergeblich auf Honorare warten. „Dass Honorare sehr spät oder nicht gezahlt werden, das hören wir in letzter Zeit häufiger“, sagt Freischreiber-Vorsitzende Carola Dorner. „Uns ist es wichtig, mit dem Höllepreis auf Missstände hinzuweisen, die viele von uns betreffen. Ausbleibende Honorare für geleistete Arbeit sind ohne Frage höllepreiswürdig.“ Dass Freie für ihre Arbeit fair und pünktlich bezahlt werden, sollte nichts anderes als selbstverständlich sein. Der Fall Dornbusch zeigt wieder einmal, dass es das nicht ist.

Christian Gesellmann hält die Laudatio auf den Hölle-Preisträger Dornbusch Median AG

Die Verleihung des Himmel-Hölle-Preises von Freischreiber 2019. Christian Gesellmann hält die Laudatio für den Hölle-Preis 2019. Der Hölle-Preis 2019 geht an die Dornbusch Medien AG. Foto: Philipp Reiss

Himmelpreis für großen Mut: Juan Moreno

Ebensowenig selbstverständlich war das Verhalten, das zum Himmelpreis 2019 führte. Als Juan Moreno beschloss, gegen den vermeintlichen Superstar des deutschen Journalismus, den Hochstapler Claas Relotius vorzugehen, stand er mit dem Rücken zur Wand. „Es war keine Heldentat, sondern Notwehr“, meldet sich der Preisträger bei den Freischreibern schriftlich, der unterwegs auf einer Lesereise war. „Unsere Reputation ist unser größtes, in Wahrheit unser einziges Kapital.“ Dennoch hätte er sich wegducken können. „Bei der Entlarvung von Relotius hat Moreno ein Rückgrat bewiesen, das seinesgleichen sucht. Für seine Haltung hat er Kopf und Kragen riskiert. Seinen freien Kopf und Kragen, seine Existenz als freier Journalist“, lobt Laudatorin Gabriele Meister den Himmelpreisträger auf der Betriebsausflugs-Station in Himmelpforten. „Juan Moreno hat nicht stillgehalten. Und das macht anderen Freien Mut, ebenfalls nicht stillzuhalten, wenn es darauf ankommt.“ Hier geht es zur Laudatio.

Die Verleihung des Himmel-Preises von Freischreiber 2019. Gabriele Meister hält die Laudatio auf den freien Reporter Juan Moreno. Fotos: Philipp Reiss

Busfahrt zum Kegeln

Werden die Freischreiber spießig? Keinesfalls, auch wenn ihr Betriebsausflug beim Kegeln endet. Unterwegs im Bus lachten die Freischreiber-Mitglieder über unmögliche Absagen auf Themenvorschläge, hörten sich fadenscheinige Begründungen für Dumping-Honorare an und lauschten dem Reporter-Barden Bommi und seiner Ukulele („Claas-Relotius-Blues“). Und manches neues Vorstandsmitglied machte sich schon mal Gedanken über seine neue Rolle. Auf der Mitgliederversammlung in Hamburg wurden Carola Dorner, Katharina Jakob, Jakob Vicari, Jens Eber und Katharina Dockhorn (in Abwesenheit) im Amt bestätigt. Neu dabei sind Caroline Schmidt-Gross, Anna Heidelberg-Stein, Nicola Kuhrt und Oliver Eberhardt. Gabriele Meister, Frank Keil, Steve Przybilla und Andreas Unger sind nach Jahren der ehrenamtlichen Vorstandsarbeit nicht wieder angetreten.

Die Verleihung des Himmel-Hölle-Preises von Freischreiber 2019. Johannes „Bommi“ Schneider spielt zu Ehren von Juan Moreno den „Claas-Relotius-Blues“. Foto: Philipp Reiss

Hamburg, 11. November 2019

 

Alle Fotos: Philipp Reiss

Wer kommt in den Himmel? Wer hat einen Platz in der Hölle verdient? Am 9. November verleihen wir in Hamburg den Himmel-und-Hölle-Preis 2019 und zeichnen damit Redaktionen, Personen, Verlage oder andere Unternehmungen aus, die sich im vergangenen Jahr in herausragender Weise für die Belange freier Journalist*innen eingesetzt bzw. diesen besonders geschadet haben (hier geht´s zu den Statuten). Das sind die diesjährigen Nominierten:

Nominiert für den Himmel-Preis 2019:
– die Politikerin Julia Reda
– der freie Reporter Juan Moreno
– das Online-Magazin Medwatch
– die Journalisten-Genossenschaft RiffReporter

Nominiert für den Hölle-Preis 2019:
– der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ)
– die Badische Zeitung
– die Dornbusch Medien AG

Weiter unten finden Sie alle Nominierunsbegründungen.
Nominierungstexte als PDF.
Himmel-und-Hölle-Logo

Hier geht es zu den Nominierten und Preisträgern der letzten Jahre. Die Preisverleihung findet in diesem Jahr im Rahmen des Freischreiber-Betriebsausfluges statt. Fragen? Antworten.

Nominierungen für den Himmel-und-Hölle-Preis 2019
22. Oktober 2019

Nominiert für den Himmel-Preis 2019

Julia Reda

Julia Reda ist eine dieser seltenen Politikerinnen mit starken Überzeugungen, für die sie leidenschaftlich eintritt. Die ehemalige EU-Abgeordnete steht wie keine andere für die Auseinandersetzung mit der EU-Urheberrechtsreform. Ihr gelang es, dass Medienschaffende, Youtuber*innen und Netzaktivist*innen gemeinsam auf die Straße gingen. Fünf Millionen Menschen haben eine Petition gegen die Reform unterschrieben, 100.000 demonstrierten allein in Deutschland. Wir möchten die Rufe von damals aufgreifen und noch einmal skandieren: „Julia, Julia, Julia!“ Denn ihr Einsatz für die Interessen der Kreativen ist himmelpreiswürdig.

Wegen der Haltung der SPD zu Netzsperren wechselte sie im Jahr 2009 zur Piratenpartei, für die sie 2014 ins Europaparlament einzog. Die Piratenpartei versank in der Bedeutungslosigkeit. Doch Reda wurde zum Gesicht der Bewegung für ein faires Urheberrecht und gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform. Das Thema hatte sie selbst gewählt. Und sie verfolgte es über Jahre, als es noch dröge schien, als noch keine Massen demonstrierten und Youtube-Stars ihr Anliegen unterstützten.

Wir würdigen mit der Himmelpreis-Nominierung insbesondere ihren Einsatz gegen Artikel 12, der die Verlegerbeteiligung in den Verwertungsgesellschaften per Gesetz wieder einführen soll, obwohl sie zuvor durch Gerichtsurteile gekippt worden war. Reda sagt: „Wenn die Urheber der Meinung sind, sie möchten etwas von ihren Einnahmen abgeben, dann kann das vertraglich geregelt werden. Aber es ist extrem ungewöhnlich, dass gesagt wird: Wir helfen jetzt per Gesetz der stärkeren Partei.“  Finden wir auch. Und nominieren Julia Reda deshalb für den Himmelpreis der Freischreiber 2019.

Juan Moreno

Der freie Reporter Juan Moreno steckte vor knapp einem Jahr in einer brutalen Klemme. Er wusste, dass sein Co-Autor Claas Relotius ein Fälscher war. Seine Auftraggeber beim „Spiegel“ glaubten ihm nicht, Morenos berufliche Existenz stand vor dem Aus. Wir alle kennen die Geschichte, die zur Aufdeckung des größten journalistischen Betrugsskandals hierzulande geführt hat. Dass es für den „Spiegel“ nicht zur ganz großen Katastrophe kam – die Entlarvung des Märchenonkels durch externe Journalist*innen – hat das Haus auch der Loyalität seines freien Reporters zu verdanken.

Die Folgen des Skandals bekommen freie Reporter*innen zu spüren: Zunehmend werden umfangreiche Belege und Dokumentationen eingefordert, was im Sinne der Transparenz gerechtfertigt ist. Doch der Mehraufwand muss natürlich bezahlt werden, und zwar nicht von den Freien, sondern von ihren Auftraggeber*innen. Wir begrüßen ausdrücklich Transparenz – nicht aber einen Generalverdacht gegenüber freien Kolleg*innen, der da oft mitschwingt. Wohlgemerkt: Ein Freier hat den Skandal aufgedeckt, er war nicht der Fälscher.

Juan Moreno hat mit unglaublich viel Mut, Hartnäckigkeit und Klugheit agiert. Er stand vor der Wahl, seinen Mund zu halten und sich wegzuducken, statt allein gegen den Superstar Relotius vorzugehen. Er hätte sich dem Druck seiner Auftraggeber beugen können, und viele andere in seiner Situation hätten genau das getan.

Moreno soll – und will – kein Säulenheiliger des Journalismus sein. Vielleicht tun wir ihm keinen Gefallen mit unserer Nominierung. Aber es braucht ein beispielloses Rückgrat, sich dem wirtschaftlichen Ruin auszusetzen, der einem Freien droht, wenn er sich gegen das wichtigste Magazin der Republik stellt. Genau das macht Juan Moreno zu einem Vorbild für Journalist*innen, auch wenn er das nicht sein will. Und damit zu einem würdigen Kandidaten für den Freischreiber-Himmelpreis.

Medwatch

„Der Recherche verschrieben“ haben sich die Medwatch-Gründer*innen Hinnerk Feldwisch-Drentrup und Nicola Kuhrt. Die beiden Wissenschaftsjournalist*innen und ihr Team durchforsten das Netz nach medizinischen Fake News und halten mit sauber recherchierten Fakten dagegen. Mit ihrem Online-Magazin klären sie auf über dubiose Heilsversprechen, Pseudo-Medizin, Wunderheiler und Scharlatane, von denen das Internet voll ist. Durch beharrliche Berichterstattung verhindert Medwatch, dass skrupellose Praktiken und Skandale im Gesundheitswesen in Vergessenheit geraten. Dabei lassen sie sich auch nicht von juristischen Auseinandersetzungen abschrecken.

Weil ihre Unternehmensidee so gut ist, haben Kuhrt und Feldwisch-Drentrup seit der Gründung von Medwatch im Jahr 2017 diverse Preise und Stipendien abgeräumt. Darunter das „Grow“-Stipendium von Netzwerk Recherche, der „Netzwende-Award“ 2018 des Thinktanks Vocer, der Carl-Sagan-Preis 2019 der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) sowie der „Emotion-Award“ 2019 des Magazins „Emotion“. Jetzt kommt die Nominierung für den Freischreiber-Himmelpreis dazu.

Ganz im Sinne von Freischreiber sind sie journalistische Pioniere, die ihr Können und ihr Know-how einer preiswürdigen Unternehmensidee widmen. Im Umgang mit freien Kolleg*innen gelten sie als so angenehm wie professionell, die Beiträge werden fair honoriert. Wir halten Nicola Kuhrt und Hinnerk Feldwisch-Drentrup – die beide Mitglieder von Freischreiber sind – daher für verdiente Kandidat*innen für den Freischreiber-Himmelpreis.

medwatch.de

RiffReporter

Wenn Korallen sich finden und in enger Nachbarschaft wachsen, entsteht ein Riff. Dieses Narrativ ist die Grundlage der Journalisten-Genossenschaft RiffReporter, in der einzelne Journalist*innen oder Journalisten-Teams ihre Projekte publizieren. Alle Autor*innen sind zugleich stimmberechtigte Genoss*innen. Und sie teilen sich auch die Einnahmen.

Ende September 2019 siedelten im Riff genau 100 Autor*innen, gut zwei Drittel davon veröffentlichen regelmäßig, die übrigen bereiten den Start ihrer Digitalmagazine vor. 1255 Beiträge sind bislang auf riffreporter.de erschienen.

Die Genoss*innen agieren als eigenverantwortliche Unternehmer*innen. Die Erlöse für alle Autor*innen sind derzeit überschaubar – was auch daran liegt, dass sich etliche Korallen noch in der Startphase befinden.

RiffReporter hat ein Umfeld für freie Journalist*innen geschaffen, das seinesgleichen sucht. Es ist ein einzigartiges Biotop für den freien Journalismus, in dem das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Im Riff profitieren die Genoss*innen von gemeinsamen Strukturen und gegenseitiger Unterstützung, ohne sich um Programmierung von Websites oder Bezahlsysteme kümmern zu müssen. Mit den Vorständen Tanja Krämer und Christian Schwägerl – beide sind Freischreiber-Mitglieder – haben die Autor*innen Ansprechpartner, die sie ermutigen und bei unterschiedlichsten Fragen zur Seite stehen.

Als Riffreporter*innen sind Freie nicht allein, sondern gleichberechtigte Partner*innen in einem professionellen Umfeld – das erscheint uns schon ziemlich zukunftsträchtig. Und himmelpreiswürdig.

RiffReporter.de

Nominiert für den Hölle-Preis 2019

BDZV und VDZ

Reif für den diesjährigen Höllepreis der Freischreiber sind auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Diese beiden Verlegerverbände wehren sich unablässig und seit endlosen Zeiten gegen faire Vergütungsregeln für freie Journalist*innen.

Seit geschlagenen 17 Jahren ringen Urhebervertreter*innen vergeblich mit dem VDZ um einen Abschluss von Vergütungsregeln für freie Journalist*innen bei deutschen Zeitschriften. Die Zahl der Verhandlungsrunden geht inzwischen auf die hundert zu. Ohnmächtig müssen die Freischaffenden dabei zusehen, wie ihre Auftraggeber*innen versuchen, Honorare auf ein Mindestniveau zu drücken, das jeder Beschreibung spottet.

Für freie Journalist*innen an Tageszeitungen gilt: Zwar haben die Gewerkschaften ver.di und djv im Januar 2010 gemeinsame Vergütungsregeln mit dem BDZV beschlossen. Doch das waren Honorare auf einem unterirdischen Niveau, weshalb Freischreiber die Vergütungsregeln ablehnte. Als schließlich am 1. März 2017 das Verbandsklagerecht in Kraft trat, kündigte der BDZV einen Tag zuvor selbst diese jämmerlichen Honorarvereinbarungen. Dass Verbände sie hätten einklagen können, durfte nicht sein. Und damit war klar, was verbindliche Vergütungsregeln für den BDZV in Wahrheit sind: Teufelszeug.

Neuverhandlungen haben die Verlegerverbände bislang mit dem Argument abgelehnt, die Festlegung von Honoraren verstoße gegen das europäische Wettbewerbs- bzw. Kartellrecht. Dieses Argument zieht jetzt nicht mehr, denn die im Mai 2019 vom EU-Parlament verabschiedete Urheberrechtsrichtlinie stärkt in diesem einen Punkt die Position der Urheber*innen. Ihre Verbände können nun mit den Medienhäusern festlegen, wann eine Vergütung als angemessen anzusehen ist.

Das halten wir für einen probaten Vorschlag. Aus der Schmach einer Höllepreis-Nominierung führt stets ein Weg hinaus, es ist das Gespräch mit uns. Über angemessene Vergütungsregeln, die ihren Namen verdienen.

Badische Zeitung

Die Badische Zeitung hat einen freien Journalisten „abgesägt“. Das kann passieren, wenn der Mann unzuverlässig ist oder in seinen Texten schwerwiegende Fehler gemacht hat. Beides kann man Bernd Serger nicht vorwerfen.

2018 schreibt Serger einen Text über die Geschichte eines traditionsreichen Freiburger Bettenhauses, das bis 1937 „Marx“ hieß und im Zuge der Arisierung der Nazis zum „Bettenhaus Striebel“ wurde. 1980 kauften die heutigen Besitzer das Unternehmen, der Name blieb. In einer Jubiläumsbroschüre („80 Jahre Betten Striebel“) wird der nationalsozialistische Teil der Firmengeschichte ausgespart. Bernd Serger berichtet über die ganze Geschichte, betont aber auch, dass die heutigen Besitzer mit der Arisierung nichts zu tun haben, sie allerdings schamhaft verschweigen.

Die Chefredaktion scheint nicht erfreut über die historische Reportage, die prominent im Wochenend-Magazin erscheint. Betten Striebel ist ein wichtiger Anzeigenkunde. Chefredakteur Thomas Fricker wird erst nach dem Erscheinen auf den Text aufmerksam und verhindert, dass er in der Online-Ausgabe erscheint. Die Redaktion druckt bis heute keine Leserbriefe zum Thema. Die Begründung: Sergers Text habe journalistische Mängel, die die Redaktion leider nicht vor der Drucklegung erkannt habe. Welche das sein sollen, bleibt offen.

Als Bernd Serger im Frühjahr 2019 der Lokalredaktion einen weiteren Text anbietet, sagen die Kolleg*innen zuerst zu. Wenig später aber wird der Auftrag auf Geheiß der Chefredaktion zurückgezogen. Serger, der bis zu seiner Pensionierung 2011 selbst Mitglied der Chefredaktion war, darf nun nicht mehr für das Blatt arbeiten, für das er 20 Jahre tätig war.

Wir fragen uns: Welche Mängel hatte Sergers Text? Warum wurden die angeblich nicht von der Redaktion erkannt? Welche Konsequenzen hatte das für den abnehmenden Redakteur? Oder gab es nur für den freien Autor Konsequenzen? Geht es am Ende darum, auf dem Rücken eines freien Journalisten einem wichtigen Anzeigenkunden einen Gefallen zu tun –  was der Chefredakteur Thomas Fricker bestreitet? Der vermisst übrigens „Sinn für Maß, Gewichtung und Differenzierung sowie Fairness gegenüber den Betroffenen“, meint als Leidtragende aber die Inhaber des Bettenhauses. Mehr Sinn für Maß und Differenzierung wünschen die Freischreiber der Redaktionsleitung und dem Verlag der Badischen Zeitung.

Das betrifft auch das Thema „innere Pressefreiheit“. Kollege Serger wollte einen anderen Schwerpunkt setzen. Die Chefredaktion war damit nicht einverstanden. Sie hätte den Konflikt aushalten können um der Pluralität willen. So hätte eine Debatte entstehen können, geführt in der Badischen Zeitung und auf anderen Kanälen. Rede und Widerrede, das wünschen wir uns doch. In einer Zeit, wo unser Berufsstand unter Rechtfertigungsdruck steht, können wir Journalist*innen – Redakteur*innen, Redaktionsleiter*innen, Freie – es uns nicht leisten, so miteinander umzugehen.

Dornbusch Medien AG

„Das Medienhaus für guten Journalismus“: So stellt sich die Dornbusch Medien AG auf ihrer Website dar, die mehrere Wochen- und Monatsmagazine in der Schweiz herausgibt. Sie selbst verhält sich gegenüber freien Journalist*innen aber alles andere als gut.

Mindestens 20.000 Franken schuldet der Verlag seinen Freien, schätzt die Schweizer Journalistengewerkschaft Syndicom. Die Dunkelziffer wird noch höher eingeschätzt. Manche warten seit Wochen, einige seit Monaten auf ihr Geld.

Die Masche ist offenbar immer gleich: Erst läuft der Kontakt mit der Redaktion gut. Haben die Freien ihre Texte aber abgegeben, passiert – nichts. „Die Redaktion hat nicht auf meine Rechnungen reagiert, auch nicht auf eine per Einschreiben versandte Mahnung“, schreibt uns ein betroffenes Freischreiber-Mitglied.

Die Situation ist so ernst, dass sich einige Betroffene zu etwas entschlossen haben, das in unserer Branche äußerst selten passiert: Sie protestierten Ende Juni vor dem Verlagssitz in Dättwil. In Anspielung auf die spirituellen Titel des Verlags riefen sie Parolen wie: „Du sollst deinen Nächsten bezahlen wie dich selbst!“ oder „11. Gebot: Zahle deine Schulden!“

Das Verhalten ist ein besonders krasser Fall. Aber ein Einzelfall ist es nicht. Auch hierzulande hören wir immer öfter von Medienhäusern, die Rechnungen verschleppen. Wir fragen uns: Ist es den Redaktionen und den Verlagen schlicht egal, dass sie freie Journalist*innen mit ihrer Zahlungs-Unmoral in existenzielle Nöte bringen? Steckt Gleichgültigkeit dahinter oder ein System? Wo verläuft die Grenze zwischen Wurstigkeit und krimineller Energie?

Zum Schluss noch eine Frage an uns Freie: Warum finden sich immer wieder Autorinnen und Autoren, die sich das antun? Warum arbeiten wir für Häuser, die in der Vergangenheit beim Bezahlen geschlampt haben? Leute, lasst es! Ihr habt etwas Besseres verdient.

Hamburg, 23.10.2019

Busfahrt ins Grüne mit Himmel- und Höllepreisverleihung, Mitgliederversammlung, Box-Workshop, jede Menge Spaß und Austausch.

Liebe Freischreiberinnen und Freischreiber,

wir laden euch recht herzlich zu unserem Betriebsausflug am 9. November 2019 nach Hamburg ein. Auf dem Programm steht:

  • 9 bis 10 Uhr: Franzbrötchen, Obstsalat, reden und genießen (CoWorkBude 14, Hamburg Winterhude)
  • 10 bis 15 Uhr: Wir diskutieren über die Zukunft von Freischreiber (hier geht´s zur Diskussion im Slack-Channel #mitgliedschaft2023, du bist noch nicht bei Slack, dann melde dich unter kontakt@freischreiber.de), lernen mit Trainer Torben boxen und wählen einen neuen Vorstand (mit Mitagessen, CoWorkBude 14, Hamburg Winterhude)
  • 15.30 bis 19.30 Uhr: Wir fahren mit dem Bus nach Himmelpforten zur Himmelpreisverleihung, Teufelsbrück zur Verleihung des Höllepreises und wieder zurück nach Hamburg, mit dabei: eine Ukulele, Bommi und eine Überraschung.
  • Ausklang mit Kegeln im Freischwimmer (Getränke und Essen auf eigene Kosten)

 

Am Abend zuvor (8. November 2019) werden wir uns zu einem lockeren Beisammensein ab 19 Uhr im Hummel und Quiddje treffen. Offizielle Einladung und Infos zur Anmeldung folgen alsbald. Wir freuen uns auf euch!

Euer :Freischreiber-Orga-Team

Heute ist der Himmel-Preis 2018 endlich in seinem neuen zu Hause angekommen.

Und wo kommt er nun hin? Der Preis. Der Himmel-Preis. Kurze Diskussion in der Redaktionsrunde, im Seminarraum des Wirtschaftsmagazin „Impulse“, wo unsere Himmel-Preis-Skulptur nun ausgepackt auf dem großen Konferenztisch steht: ins Layout, wo die schönen Sachen entworfen werden? Denn das war mit die erste Reaktion: „Wir haben schon einige Preise für unser Magazin bekommen, aber der Himmel-Preis von Freischreiber ist der Schönste!“ Soll er in einer der einzelnen Büros unterkommen, wo sich die Redakteure mal zu zwei, mal zu dritt gegenübersitzen? Soll er wandern? Oder soll er an einem Ort seinen Platz finden, wo alle vorbeikommen – wie die Bibliothek? Und dann steht fest: Die Skulptur steht ab nun in der „Impulse“-Bibliothek.

Und damit ist er so kurz vor Weihnachten übergeben, unser Himmelpreis 2018. An ein Magazin, eine Redaktion, ein Team, einen Herausgeber, der uns ob seines Umgangs mit freien Journalisten besonders überzeugt hat. Oder um kurz aus unserer Laudatio zu zitieren: „Wir lieben faire Honorare. Wir brauchen sie. Und sehr faire Honorare, wie Impulse sie zahlt, brauchen wir noch mehr. Was wir aber ebenfalls brauchen, ist eine andere Währung. Und sie ist so hart wie ein gutes Honorar. Diese Währung ist Wertschätzung. Ohne Wertschätzung gibt es keine langlebige Geschäftsbeziehung, von der beide Seiten profitieren. Ohne Wertschätzung verzeiht man keine Fehler, und jeder von uns macht Fehler. Wer sich wertgeschätzt fühlt, leistet mehr und bringt sich stärker ein.“

Der Himmel-Preis wurde am 17. November 2018 im Rahmen der Gala zum zehnjährigen Geburtstag von Freischreiber vergeben. Weil die Chefredakteurin Antonia Götsch an diesem Abend leider verhindert war, hat unser stellvertretender Vorsitzende Frank Keil ihn heute in der Redaktion vorbei gebracht. All Infos zum Himmel- und Höllepreis 2018 finden sich hier.

 

 

19. Dezember 2018

 

Für unsere Mitglieder stellen wir hier exklusiv die Videos unserer 10-Jahres-Sause online.

Das Passwort lautet jeweils: 10 Jahre Freischreiber

Hier seht ihr das ganze Abendprogramm mit Keynote von Crowdspondent, Grußwort von Tabea Rößner, Himmel- und Höllepreisverleihung. Besonders zu empfehlen: Der Freischreiber-Blues, den Bommi extra für uns geschrieben hat (Minute 55):

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Hier geht es zu den Mitschnitten zweier Workshops:

„Podcasts machen“ mit Freischreiber Jens Mayer:

Das Audio-Medium Podcast erfreut sich seit einigen Jahren auch in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Ein Trend, der mittlerweile in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist und zu einem täglich wachsenden Angebot für HörerInnen führt. Das Schöne dabei: Mehr als einen Computer mit Internetzugang braucht man eigentlich nicht, um selbst zum Broadcaster zu werden und selbst einen eigenen Podcast zu starten. Lohnt sich das auch für Freischreiber? Wie geht man vor? Was gilt es zu beachten? Kann man damit Geld verdienen? Ein kleiner Basis-Crashkurs mit Tipps und Beispielen aus der Praxis.

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„Unabhängige Finanzierung“ mit Lisa Altmeier und Steffi Fetz (Crowdspondent), Mirko Drotschmann (MrWissen2Go) und Stefan Niggemeier (Übermedien), Moderation: Freischreiber Jens Mayer:

Durch Modelle wie Crowdfunding oder werbefinanzierte Social-Media-Plattformen haben sich neue Möglichkeiten für Journalisten ergeben, ihre Arbeit unabhängig von Verlagen und Sendern finanzieren und publizieren zu können. Welche Chancen bieten sich dadurch tatsächlich? Was muss beachtet werden? Wie findet man UnterstützerInnen und behält sie? Und: Lohnt sich der ganze Aufwand wirklich? Der Workshop stellt drei erfolgreiche Projekte aus den letzten Jahren vor.

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Viel Spaß beim Ansehen!

12. Dezember 2018

 

Freischreiber verleiht zum siebten Mal den Himmel- und Höllepreis. Impulse (Himmel) und Süddeutsche Zeitung (Hölle) ausgezeichnet. 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Freischreiber e. V. hat heute in Berlin sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. „Die Zeit der Einzelkämpfer ist vorbei“, resümierte die Vorsitzende Dr. Carola Dorner. „Die Zeit der Kämpfe ist es aber noch lange nicht.“

Zum Geburtstag gab es Kekse von Lisa Altmeier und Steffi Fetz (Crowdspondent), Glückwünsche von Tabea Rößner (früher freie Journalistin, jetzt Netzpolitik-Sprecherin, Bündnis 90/Die Grünen), einen grandiosen Freischreiber-Blues von „Bommi“ Jo Schneider zu festlichen Ukulelenklängen und schließlich eine leckere Geburtstagstorte.

17.11.2018, 10 Jahre Freischreiber. Foto: Sabine Gudath

Freischreiber setzt sich seit seiner Gründung am 15. November 2008 für ein faires Miteinander zwischen freien Journalist*Innen und Redaktionen ein. „Honorare waren ein großes Thema der letzten Jahre“, so Dorner. „Und es wird auch in Zukunft ein großes Thema bleiben.“ Sie erwähnte das neue Online-Tool des Verbandes, mit dem sich Honorare erstmals nach Medium sortiert und anonym vergleichen lassen. In den vergangenen zehn Jahren hat Freischreiber viel erreicht – unter anderem die Ernennung von Freien-Ombudsleuten bei mehreren Medien (u. a. DIE ZEIT, Spiegel online, P.M.-Gruppe) sowie die Ausarbeitung eines Code of Fairness, den DIE ZEIT, Der Freitag, Krautreporter, Eltern, National Geographic sowie die P.M.-Gruppe unterzeichnet haben. Freischreiber hat sich auch und gegen viele Widerstände dafür engagiert, dass bei der VG Wort der Verlegeranteil bei den Ausschüttungen abgeschafft und die Gelder stattdessen an die eigentlichen Urheber ausgezahlt wurde: die Autor*innen.

Traditionell verlieh Freischreiber den jährlichen Himmel- und Höllepreis. Er zeichnet Redaktionen und/oder Einzelpersonen aus, die sich in besonderer Weise um den freien Journalismus verdient machen – oder diesen schädigen.

Der Himmelpreis ging an das Wirtschaftsmagazin Impulse. „Die Zusammenarbeit ist immer sehr professionell und freundlich, die Redaktion immer ansprechbar, die Honorare fair“, berichtete Freischreiber-Vorstandsmitglied Katharina Jakob. Und ergänzte: „Es mag manchmal nicht einfach sein, faire Honorare zu zahlen, weil die Zeiten rau sind. Aber ihre Freien als Partner zu betrachten und wertzuschätzen, das kann wirklich jede Redaktion.“

Der Höllepreis ging – erneut – an die Süddeutsche Zeitung. Diese hatte Freischreiber schon im vergangenen Jahr mit dem Negativpreis ausgezeichnet, weil sie Texte von Freien ohne jede Vergütung an den Schweizer Tamedia-Konzern (u. a. Tagesanzeiger, Der Bund, Berner Zeitung) weitergibt. „Als erneut preiswürdig hat sich die Süddeutsche Zeitung aber auch durch ihren Kommunikationsstil erwiesen”“, erklärte Freischreiber-Vorstandsmitglied Frank Keil. „Keines unserer Gesprächsangebote nach der Preisvergabe im vergangenen Jahr wurde angenommen. Wenn Zeitungen nicht mehr mit Journalisten reden, dann ist etwas faul an den Arbeitsbedingungen.“

Nominiert für den Himmelpreis waren außerdem das die P.M.-Gruppe sowie das anonyme Autorenkollektiv VG-Info, das die Arbeit der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) seit Langem kritisch begleitet.

Nominiert für den Höllepreis waren zudem die Neue Zürcher Zeitung (wegen Total-Buyout-Verträgen) sowie der WDR (wegen kaum vergüteter Mehrarbeit).

 

17. November 2018

Über Freischreiber:
Freischreiber wurde 2008 von freien Journalist*Innen gegründet. Heute hat der Verband rund 800 Mitglieder. Zu den Service-Leistungen gehören eine Steuer-, Versicherungs- und Rechtsberatung, ein Crashkurs für „Neuschreiber“, ein Tandem-Programm sowie regelmäßige Workshops und Veranstaltungen in den einzelnen Regionalgruppen.

Dem Vorstand gehören an: Dr. Carola Dorner (Berlin), Katharina Jakob (Hamburg), Frank Keil (Hamburg), Gabriele Meister (Mainz), Dr. Jakob Vicari (Lüneburg), Vanessa Köneke (Würzburg), Andreas Unger (München) und Steve Przybilla (Freiburg).

 

………………..

: Freischreiber e. V.
Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten
Kontakt: Heidi Schmidt und Yvonne Pöppelbaum,
Telefon: 040 / 22 86 71 52, kontakt@freischreiber.de

Informationen zum Himmel- und Höllepreis unter:
https://freischreiber.de/positionen/himmel-und-hoelle-preis/

Allgemeine Infos unter:
www.freischreiber.de

 

 

Freischreiber e.V. vergibt einmal im Jahr den Himmel- und Hölle-Preis. Er geht an Redaktionen, Personen, Verlage oder andere Unternehmungen, die sich im vergangenen Jahr für die Belange des freien Journalismus eingesetzt bzw. zum Schaden des Berufsstandes beigetragen haben. Hier geht es zu den Statuten.

Die Preisverleihung fand am 17. November in Berlin zusammen mit der Gala „10 Jahre Freischreiber“ statt.

Die Pressemitteilung als PDF.

Bildmaterial zum Download:
Himmel-Preis 2018: impulse (.jpg)
Hölle-Preis 2018: Süddeutsche Zeitung (.jpg)
Himmel-und-Höllepreis 2018 (.jpg)

Freischreiberlogo in der Druck– und digitale Version
Logo des Himmel- und Hölle-Preises.

Hamburg, 17.11.2018


Laudatio Himmel-Preis 2018
Preisträger: Impulse

von Katharina Jakob

Liebe Gäste, liebe Freischreiberinnen, liebe Freunde von Freischreiber!

Zunächst sollen Sie wissen, dass alle unsere Nominierten dem Himmel sehr nahe gekommen sind. Die Entscheidung ist uns also wirklich nicht leicht gefallen. Anständige Redaktionen, solidarische Freie und unermüdliche Streiter fürs Urheberrecht verdienen alle einen Platz an der Sonne.

Warum hat Impulse den Himmelpreis gewonnen?

Es gibt einige objektive Gründe und einen subjektiven Grund. Mit dem fange ich an, er liegt in unserer Wesensverwandtschaft, dem Unternehmertum. Freie sind Ich-Unternehmer, manchmal sogar Gründer von Start-ups. Impulse hat sich 2013 aus dem Verlag Gruner+Jahr gelöst und ist ein eigenes Unternehmen geworden, das sich seither in einem harten Markt behaupten muss. Und so wie manche Freie schlecht schlafen, wenn die Honorare mal wieder auf sich warten lassen, so hat auch der Impulse-Chef Nikolaus Förster manche Nacht durchwacht, solange sein Betrieb noch in den roten Zahlen war. Aber er und sein Team haben sich durchgebissen. So was kennen wir! Und es ringt uns Respekt ab.

Die objektiven Gründe: Wir haben unter den freien Autoren herumgefragt, die für Impulse arbeiten. Deren Antworten waren ungewöhnlich, das kannten wir so noch nicht. Bei manchen Wortmeldungen las sich sogar das Kritisierte wie anderswo das Positive: Zum Beispiel, dass das Feedback auf Texte schon mal zwei Wochen auf sich warten lasse. Stimmt, das geht besser, liebe Impulse-Redaktion. Aber wie viele Redaktionen gibt es, die ihren Freien überhaupt kein Feedback geben? Immer noch zu viele.

Die Pluspunkte, die Impulse bei seinen freien Autoren gesammelt hat, sprechen für sich. Ich zitiere:

– ein behutsamer, respektvoller Umgang mit Texten. Jeder Text gewinnt, wenn er redigiert wird

– sehr netter persönlicher Umgang der Redakteure mit freien Autoren auf Augenhöhe

– Man wird als freier Mitarbeiter respektvoll behandelt

– Die Zusammenarbeit ist immer sehr professionell und freundlich, die Redaktion immer ansprechbar, die Honorare fair

– weil sie richtig gute Leute sowohl auf der Layout- als auch auf der Textseite haben, bin ich mit dem Endergebnis fast immer sehr zufrieden. So macht Wirtschaftsjournalismus Spaß

– Kritik habe ich keine. Höchstens, dass man auch als freier Autor mal zur Weihnachtsfeier eingeladen wird

Liebe Frau Götsch, das mit der Weihnachtsfeier müsste sich doch einrichten lassen. Sie sind doch jetzt in der Gewinnzone.

Ansonsten scheint Impulse ein Magazin zu sein, dass etwas ganz Entscheidendes begriffen hat: Es kann nur überleben, wenn es seine Partner auf Augenhöhe behandelt.

Es fällt ja auf, dass die freien Autoren vor allem von Respekt und Augenhöhe sprechen. Mehr als von fairen Honoraren, die wir dringend brauchen. Was wir aber ebenfalls brauchen, ist Wertschätzung. Ohne sie gibt es keine langlebige Geschäftsbeziehung, von der beide Seiten profitieren. Ohne Wertschätzung verzeiht man keine Fehler, und jeder von uns macht Fehler. Wer sich wertgeschätzt fühlt, der leistet mehr und bringt sich stärker ein.

Es mag manchmal nicht einfach sein, faire Honorare zu zahlen, weil die Zeiten rau sind. Aber ihre Freien als Partner zu betrachten und sie wertzuschätzen, das kann wirklich jede Redaktion. Das gehört zu den kleinen Dingen, die ganz leicht sind und gar nichts kosten, die uns aber sehr viel bedeuten: Oder, um es mit den Marx-Brothers zu sagen:

»Das Glück besteht aus den kleinen Dingen: eine kleine Yacht, ein kleines Landhaus, ein kleines Vermögen.«

Wie wichtig das vermeintlich Kleine ist, das verstehen Unternehmer. Und sie wissen um seine langfristige Wirkung. Als Nikolaus Förster vor fast sechs Jahren sein Magazin aus dem Großverlag herausgekauft hatte, versprachen ihm seine Mitarbeiter noch am selben Abend: Wir bringen das Ding zum Fliegen!

So soll es sein, liebe Redaktion von Impulse. Ab in den Himmel!


Laudatio Hölle-Preis 2018
Preisträger: Süddeutsche Zeitung

von Frank Keil

Glückwunsch! Die Rede zum Hölle-Preis 2018

Ich könnte es mir ganz einfach machen und schlicht die Rede vom vergangenen Jahr halten.
Denn was wir damals angeprangert haben, gilt bis heute: Wer als freier Journalist oder als freie Journalistin für die Süddeutsche Zeitung schreibt, muss einen Vertrag unterschreiben, in dem er oder sie der SZ die Möglichkeit einräumt, die Texte an Medien des eigenen Verlagshauses, aber auch an Medien der Tamedia weiterzugegeben, ohne – und das ist das Entscheidende –, ohne dass man dafür erneut entlohnt wird.

Also: Ein Text, zwei, drei, vier Nutzungen – und nur das Honorar für eine Veröffentlichung zu dem normalen Satz der SZ wird gezahlt.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Nichts gegen die Weitergabe von Rechten, wenn dies ordentlich und mit beiderseitiger Zustimmung honoriert wird. Wobei der derzeitige Stundensatz bei der Süddeutschen Zeitung ohnehin – nun ja – überarbeitungsbedürftig ist. Denn er liegt – schauen Sie bitte in unser Honorartool www.wasjournalistenverdienen.de – bei derzeit 15,05 Euro. Brutto.

Wenn wir den Hölle-Preis nun erneut an die SZ verleihen, dann liegt das gewissermaßen an der Schwere der Tat. Und am Umfang der Tat. Und daran, dass diese Tat andauert.

Also – ganz grundsätzlich und unmissverständlich und zum Mitschreiben: Texte auf diese Art und Weise weiterzureichen und zu verkaufen, mehr Missachtung und Gegnerschaft dem freien Journalismus gegenüber geht eigentlich nicht.

Und das ist keine Prinzipienreiterei, sondern das Vorgehen der SZ hat ganz praktisch weitreichende Folgen: etwa für freie Journalisten der SZ, die sich auf dem durchaus attraktiven Schweizer Zeitungsmarkt umschauen, dort tummeln oder sich etablieren wollen.

Denn die Tamedia mit Sitz in Zürich kann SZ-Texte an folgende Schweizer Medien weitergeben: an den Tagesanzeiger, an die Annabelle und die beiden Tageszeitungen der Hauptstadt Bern: Der Bund und die Berner Zeitung. An den Landboten, die Sonntagszeitung, an das Tagblatt und das Thuner Tagblatt sowie an das Magazin „Das Magazin“, das am Wochenende allen wichtigen Schweizer Tageszeitungen beiliegt. Plus noch an mehr als drei Dutzend weiterer Medien, erzielt die Tamedia doch einen Jahresumsatz von einer Milliarde Franken und wirbt mit dem Slogan: „Erreichen Sie 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung.“

Und noch etwas soll erwähnt werden, was uns wichtig ist: Erscheint ein Text eines freien SZ-Autors irgendwo unbezahlt in einem Schweizer Medium, wird er darüber nicht einmal informiert. Was Folgen hat, denn anders als bei der deutschen VG Wort muss bei der Schweizer Verwertungsgesellschaft jeder Artikel einzeln detailliert angegeben werden. Und wenn man nicht weiß, ob und wo ein Artikel erschienen ist, kann man seinen Verwertungsanspruch nicht anmelden und geht erneut leer aus.

Als erneut preiswürdig hat sich die Süddeutsche Zeitung aber auch durch ihren Kommunikationsstil erwiesen. Denn die SZ, die so gerne und völlig zu Recht in ihren Artikeln die Kultur des Miteinander-Redens und umsichtigen Aushandelns beschwört, diese SZ ist, wenn es um ihren Umgang mit ihren freien Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen geht, betonhart.

Das gilt, wie wir erfahren haben, für die einzelnen Freien; das gilt auch für uns als Verband. Keines unserer Gesprächsangebote nach der Preisvergabe im vergangenen Jahr wurde angenommen.
Und wenn Zeitungen nicht mehr mit Journalisten reden, dann ist etwas faul an den Arbeitsbedingungen.

Wir sind gespannt, ob sich das tiefe Schweigen der SZ auch in diesem Jahr fortsetzt oder ob die Süddeutsche Zeitung auftaut und auftaucht und sich für etwas erwärmen, vielleicht auch begeistern lässt, was derzeit allüberall en vogue ist: miteinander zu reden.

Und nun will ich doch zum Abschluss eins zu eins einen Abschnitt aus der Hölle-Preis-Rede vom vergangenen Jahr zitieren, weil er einfach bestens passt:
„Der Hölle-Preis ist auch als Förderpreis zu betrachten. Wir wollen die Preisträger ermutigen, sich endlich auf ihr eigentliches Kapital zu besinnen: ihre Autoren, in unserem Fall die Freien.“


 

 

Freischreiber nominiert vier Kandidaten für den Himmel-Preis 2018.

Der Vorstand freut sich besonders, dass in diesem Jahr gleich zwei Redaktionen dabei sind. Faire Arbeitsbedingungen sind also möglich. Die vergangenen zwei Jahre hat sich keine einzige Redaktion für den Himmel-Preis empfehlen können. Die Nominierten sind:

Die Begründungen für die Nominierung finden sich jeweils auf der verlinkten Seite.

Freischreiber e.V. vergibt einmal im Jahr den Himmel- und Hölle-Preis. Er geht an Redaktionen, Personen, Verlage oder andere Unternehmungen, die sich im vergangenen Jahr für die Belange des freien Journalismus eingesetzt bzw. zum Schaden des Berufsstandes beigetragen haben. Hier geht es zu den Statuten.

Morgen werden die Hölle-Kandidaten bekannt gegeben. Die Preisverleihung findet dann am 17. November in Berlin zusammen mit der Gala „10 Jahre Freischreiber“ statt.

Hier geht es zum Freischreiberlogo in der Druck– und in der digitalen Version und hier zum Logo des Himmel- und Hölle-Preises.

Hamburg, 23.10.2018