Am 2.10.21 kommt es auf euch an: Sagt uns, was ihr von unserer Arbeit haltet, wählt einen neuen Vorstand und einen neuen Aufnahmeausschuss.

Ohne diese Gremien und vor allem die Menschen dahinter kann Freischreiber nicht existieren. Kurz: Ohne Wahl, nix Freischreiber. Deshalb kommt vormittags zu unserer digitalen Mitgliederversammlung.

Abends laden wir euch im ganzen Land zu Präsenz-Treffen ein, je nach Inzidenz und Erlaubnis. Weitere Infos folgen. Wir freuen uns und haben schon #grueneLaune.

Ja, zumindest einmal kurz. Oder besser noch: anhaltend über die Feiertage. Das wünschen wir euch allen nach diesem sehr, sehr anstrengenden Jahr. Nehmt eine Weile den Druck raus, denkt bei Leise rieselt der Schnee nicht „toll, wann hat es hier das letzte Mal ordentlich geschneit?“ und bei Ihr Kinderlein kommet nicht an Homeschooling. Verkneift euch bei Stille Nacht, heilige Nacht einen Kommentar zum Böllerverbot. Singt die alten Weihnachtslieder – so richtig oder schief ihr eben könnt. Schenkt euch Punsch nach und schnuppert am O Tannenbaum.

Auch wenn wir Weihnachten in diesem Jahr nicht so feiern können, wie wir eigentlich wollten: Machen wir das Beste draus. Das immerhin haben wir alle in dem Jahr gelernt. Irgendwie das Beste draus zu machen. Schöpfen wir etwas Kraft aus den Tagen. Es könnte sein, dass wir sie noch brauchen. Alle Jahre wieder. Und jetzt: 

Fröhliche Weihnacht überall

Eigentlich wollten wir an einem November-Wochenende mit euch feiern und tanzen. In einem wunderschönen, grün dekorierten Raum in Hamburg. Wir wollten Reden halten, uns auf Podien fetzen, alte Bekannte und Freundinnen so richtig feste in die Arme nehmen, Sekt und grüne Cocktails mit euch trinken, mit schweren Beinen, einem Kopf voller Ideen und viel, viel Wumms nach Hause wanken.

Eigentlich wollten wir Preise verleihen! Den Himmelpreis für vorbildlich faires und den Höllepreis für ekliges Verhalten. Unsere schönen Skulpturen aus Porzellanpapier, die immer im Atomkoffer unendlich vorsichtig durch Deutschland transportiert werden müssen. Sonst gibt es Scherben ohne Glück.

Erst haben wir uns überlegt, ob wir eine andere Präsenz-Veranstaltung planen wollen. Irgendwo draußen mit grünen Masken im Gesicht. Aber dafür die Freischreiber zweimal durch die Republik schicken? Nein. Irgendein neues Digitalformat ausprobieren? Eine Preisverleihung ohne Publikum, ohne Reden, ohne Applaus? Nee. Das wollen wir nicht. Wir brauchen die Veranstaltung, wir brauchen euch alle an einem Ort. Wir brauchen die Freischreiberinnen und die Freischreiber. Es ist großartig, euch in den digitalen Mittagspausen und in den Webinaren zu sehen, Freie in ganz Deutschland und auf der ganzen Welt. Aber eine Preisverleihung? Digital? Das ist wie doppelt aufgegossener Tee, dünner Kaffee, Reden durch Filter. Wir brauchen die Preisverleihung in ECHT.

Das Besser-als-Nichts-Jahr
Ihr ahnt es schon: Es ist – wie alles – anders in diesem Jahr. Als wir euch um eure Vorschläge gebeten haben, dachten wir noch, das könnte klappen mit einer Preisverleihung im Herbst. Der Optimismus stirbt beim Freischreiber bekanntermaßen zuletzt. Nun fragt ihr euch: „Was ist aus meinem Vorschlag geworden?“ Keine Sorge. Er war nicht umsonst.
Wir haben uns eure Vorschläge genau angesehen. Wir haben sie daraufhin überprüft, ob sie einen Corona-Bezug haben, denn das war in diesem Jahr das Thema. Wir haben keinen Vorschlag vergessen. Wir haben nachgefragt und Beweise gesucht. Immer wieder nachgefragt und immer wieder gemerkt: Wenn es darum geht, dass noch jemand die Hand hebt und einen Vorwurf bekräftigt, dann kam ganz, ganz wenig.

Wir können eine Hölle-Nominierung nicht auf einer einzigen Beschwerde aufbauen. Wir brauchen zweite und dritte Quellen, Beweise, Veröffentlichungen. Wir haben unseren Quellen zugesichert, dass niemand ihren Namen erfährt. Aber wieder kam da nichts bis wenig. Keine freien Kolleg*innen, die gesagt hätten, bei mir war das auch so.
Wir kennen das Problem. Uns ist schon so mancher Höllekandidat von der Schaufel gesprungen, weil die Vorwürfe stark und die Beweise mau waren. Das ist jedes Mal schade und frustrierend – für uns und für euch. In diesem Jahr stehen viele Freie in einem ganz anderen Maß als sonst mit dem Rücken zur Wand. Viele Kolleginnen und Kollegen haben Auftraggeber und sehr viele Aufträge verloren. Weniger Präsenztermine, weniger Seminare, weniger Geld auf dem Konto. Dafür mehr Druck.

Zum Teufel mit ihnen?
Viele halten gerade jetzt zu Auftraggebern, die sie eigentlich zum Teufel schicken sollten. Es ist nicht an uns, das zu verurteilen. Wir verstehen, dass viele ihren Bestand mit allen Mitteln sichern müssen. Auch wenn es den Höllepreis kostet.
Einige hoffnungsvolle Höllekandidaten haben sich im Laufe dieses Höllejahrs wohl auch gebessert. Auch das gibt es. Vielleicht nicht vom Saulus zum Paulus, aber dennoch aus der Hölle Richtung Fegefeuer. Einige Redaktionen und Auftraggeber hatten sich am Anfang der Corona-Krise von ihrer miesesten, höllischen Seite gezeigt. Da wurden Aufträge eingefroren, Honorare gedeckelt, Tagessätze unterboten, Freie abgewickelt, die nicht einmal gesagt bekamen, was da läuft. Als wir später noch ein paar Mal nachfragten, um Höllekandidat*innen nominierungsfein zu machen, hieß es: Die Lage hat sich entspannt, es läuft wieder. Das freut uns natürlich für jeden Auftrag und für jede Zusammenarbeit, die euch über Wasser hält. Aber das bedeutet für dieses bizarre Jahr:

2020, in diesem durchweg höllischen Jahr, wird es keinen Höllepreis geben!

Ein Blick in den Himmel
Wir hatten euch um Einreichungen gebeten zu Redaktionen und Redakteur*innen, die im Laufe der Krise zu euch gestanden haben, die euch unterstützt haben, die gezeigt haben, dass der Freie nicht der Sandsack ist, der schnell mal abgeworfen werden kann, wenn es eng wird. Wir kommen durch dieses Jahr nur, wenn wir zusammenhalten. Freie und Freie. Freie und Feste. Das klingt nach Himmel? Das sollte nach Normalität klingen.

Wir haben Himmelpreis-Einreichungen bekommen, da ging es um Dinge, die so selbstverständlich sind, dass wir wirklich manchmal Angst bekommen; wenn das schon himmelpreiswürdig ist. Redaktionen, die pünktlich bezahlen wurden genannt, Redaktionen, die freundlich sind, Redaktionen, die auf Mails antworten oder ans Telefon gehen. Herrjeh. Wir freuen uns um jeden guten und unkomplizierten Umgang. Aber ist das schon der Himmel?

Zwei Einreichungen fanden wir dann doch himmlisch herausragend. Deshalb gibt es in diesem verrückten Jahr zwei Himmelpreise.

Dem Himmel so nah
Ein Himmelpreis geht an eine Zeitung, die sich von jeher der Solidarität und der Loyalität verschrieben hat. Schon oft haben wir Gutes gehört, schon oft mussten wir sagen, Himmel geht trotzdem nicht, weil das Honorar, mit dem Freie abgespeist werden, unterhalb jeder Grenze liegt. Oder wie es ein Kollege in unserem Honorartool auf den Punkt brachte: Nette Betreuung, mieses Honorar.

Ihr wisst, um wen es geht? Klar. Es geht um die taz. Denn die taz hat in diesem Jahr etwas gemacht, was in Krisenzeiten unschätzbar wertvoll ist: Sie hat an ihre freien Korrespondent*innen und an einige regelmäßige Autor*innen einen dicken fetten Bonus ausgezahlt. Ein dreizehntes Monatshonorar. Nicht zu Weihnachten, sondern zur Krise. Weil die Unsicherheit groß und die Motivation nötig war.

Die ersten Fragen im „Pandemie-Stab“ des Hauses hätten gelautet: „Wie geht es wem? Wie unterstützen wir unsere Freien?“, sagt Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Andreas Marggraf. Die Redaktion schrieb daraufhin an ihre Freien: „Niemand weiß, wie lange die Corona-Krise noch andauern wird. Fest steht nur, dass sie noch lange nicht überstanden ist. Fest steht allerdings auch, dass es die taz in und nach der Krise weiter braucht. Und das heißt auch: Die taz braucht Euch! Vielen Dank für Eure tolle Arbeit in der Vergangenheit, in der Gegenwart – und in der Zukunft!“

Wow. So etwas wollen wir öfter lesen. Und dann auch noch eine Extra-Zahlung. Wenn die Honorare nicht so mau wären, müssten wir alle jetzt zusammenpacken und auf geht’s zur taz. Aber da gibt es noch ein Problem: Etwa 40 Euro für 1.000 Zeichen? taz, ihr seid so gut. Da gibt es – eigentlich – noch etwas Luft bis zum Himmel. Aber ihr bekommt für diesen Schritt dennoch den Himmelpreis der Freischreiber. Herzlichen Glückwunsch!

Himmel!
Den anderen Himmelpreis bekommt in diesem Jahr mal wieder ein Einzelner. Manchmal ist es so; da funkeln die Solitäre mehr als das Ganze. Besonders ist uns das Funkeln in diesem Jahr bei einem Redakteur der Welt aufgefallen. Klaus Geiger wurde gleich mehrfach in den Himmel gelobt. Der Chef der Politik Ausland „antwortet schnell und ausführlich“ (sollte normal sein), „zahlt immer pünktlich“ (sollte auch normal sein), „bietet regelmäßig Feedbackgespräche an und nimmt sich dafür eine Stunde Zeit“ (Holla), „dankt seinen Freien regelmäßig“ (ok), „zahlt extra Geld für minimale Mehrarbeit“ (Potzblitz).

Da mussten wir doch mal nachfragen. Klaus Geiger meint selbst, dass das, was vielen so auffällt, doch eigentlich normal sein sollte. „Vertrauen und Fairness“ müssten stets die Prinzipien sein. Sein ganzes Team handle nach ihnen. „Wir haben schon immer nach Aufwand honoriert.“ Mit und ohne Krise. Zudem sei es für seine Redaktion und ihn wichtig, „im Gespräch zu bleiben über die aktuelle persönliche Lage jedes Mitarbeiters und die Frage, was gerade leistbar ist. Das war in der Corona-Situation noch zentraler“. Das denken wir auch.
Deshalb haben wir mal ausprobiert, ob das auch wirklich so stimmt mit dem tollen Umgang. Es stimmt. Der Auftrag kam prompt, fair, klar. Himmlisch. Gerade in einer Zeit, in der sich viele um ihre Verantwortung drücken und Freie weit von sich schieben, brauchen wir solche Solitäre. Deshalb verleihen wir Klaus Geiger den Himmelpreis 2020. Herzlichen Glückwunsch!

Klaus Geiger von der Welt und Andreas Marggraf aus dem Vorstand der taz: Im Sommer erscheint unser neuestes Werk, die Freienbibel 2. Sie wissen schon so viel über die Freien, sonst hätten Sie den Himmelpreis nicht bekommen. Wenn im Sommer das Buch erscheint, wartet auf Sie die schönste, edelste und persönlichste Ausgabe unserer Freiebibel. Mit gedruckter Widmung, mit Gedicht, gebunden in Leinen. Sobald sie gedruckt ist, treffen wir uns zu einer Veranstaltung im Freien. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir unsere Preise nicht auch noch in echt verleihen könnten.

Und jetzt: Zur Hölle mit dem ganzen Jahr 2020 – und in den Himmel mit unseren Himmelpreisträgern, die uns zeigen, dass es im Höllenjahr auch noch etwas Positives geben kann.

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Freischreiber-Himmel-Preis 2020 from Freischreiber on Vimeo

9. Dezember 2020

Wer Journalismus fördern will, muss Journalistinnen und Journalisten fördern.

In der vergangenen Woche ist etwas Erstaunliches geschehen: Aus heiterem Himmel hat der Haushaltsausschuss des Bundestages im Entwurf für einen Nachtragshaushalt 220 Millionen Euro für „die Förderung der digitalen Transformation des Verlagswesens, zur Förderung des Absatzes und der Verbreitung von Abonnentenzeitungen, -zeitschriften und Anzeigenblättern“ vorgesehen. So unerwartet kam der Geldsegen für die Presseverlage, dass selbst deren Verbände davon überrascht wurden.

Und wir Freischreiber auch.

Zu Beginn der Corona-Krise hatten wir die Verlage gebeten: „Seid solidarisch!“. Bekommen haben wir stattdessen „gestraffte Honorare“. Vor einigen Wochen haben wir dann unseren Honorarreport 2020 veröffentlicht; der Inhalt: ein Horror, für alle, die glauben, dass Kompetenz und Leistung Geld wert sind. Vor allem für Lokalberichterstattung erhalten freie Journalist*innen nicht mehr als ein Taschengeld. Auf das tarifliche Gehalt von Redakteur*innen kommen die meisten nur dann, wenn sie deutlich mehr arbeiten als gesund ist oder fachfremd unterwegs sind. Natürlich könnte man jetzt sagen: Dann macht eben was anderes. Aber wer macht dann den nächsten Termin, erzählt den Menschen, was in ihrem Umfeld passiert? Aus Pflichtgefühl den Menschen, der Demokratie gegenüber machen viele freie Journalist*innen trotzdem weiter, oft weit über die Grenze der Selbstausbeutung hinaus – ein Verantwortungsbewusstsein, dass die Ippens, die Funkes, die Madsacks dieses Landes ganz offensichtlich nicht teilen. Die Krise hatte gerade erst begonnen, als Verlage schon Kurzarbeit anmeldeten, Aufträge stornierten, den Umfang von Zeitungen und Zeitschriften zurückfuhren. Journalismus, so scheint es, ist wie Schweinefleisch: Er muss möglichst billig produziert werden, möglichst hohe Renditen erzielen – auch wenn dies auf Kosten der Menschen und der Allgemeinheit geschieht.

Wir werden oft von Ministerien gebeten, Stellung in Gesetzgebungsverfahren zu beziehen. Dieses Mal, wo wir ein paar wirklich deutliche Worte zu sagen gehabt hätten, wurden wir nicht gefragt.

Deswegen richten wir uns auf diesem Wege an die Politik:

– Denken Sie zuerst an die Journalist*innen, wenn Sie sich um den Erhalt der Informationsvielfalt bemühen. Denn ohne Journalist*innen werden Zeitungen, Zeitschriften und Online-Plattformen leer bleiben.

– Schauen Sie sich an, was außerhalb der Verlage passiert: Journalismus braucht Innovation – jenseits der klassischen Medien ist sie längst im Gange. Fördern Sie nicht nur die großen Verlagshäuser, sondern auch die kleinen, verlagsunabhängigen journalistischen Projekte wie Medwatch, Riffreporter, Krautreporter und andere.

– Sorgen Sie dafür, dass Verlage dazu verpflichtet werden, Honorare zu zahlen, von denen freie Journalist*innen leben können; schaffen Sie ein Urheber*innenvertragsrecht, das für Augenhöhe zwischen Journalist*innen und Verlagen sorgt.

– Schließen Sie Verlage von der Zuteilung der nun bewilligten Gelder aus, deren Geschäftsmodell auf niedrigen Honoraren und restriktiven Vertragsbedingungen aufgebaut ist.

– Sprechen Sie mit uns. Wir Freischreiber vertreten einen großen Teil derjenigen, die journalistische Inhalte produzieren, nicht die Verlage und auch nicht die Gewerkschaften.

Hamburg 6. Juli 2020

Nennt es nicht Honorar! Taschengeld für freie Lokaljournalist*innen.

Hamburg, 19.06.2020: Freischreiber sammelt seit Oktober 2018 über das Honorartool www.wasjournalistenverdienen.de anonyme Angaben zu Honoraren und Gehältern von Journalist*innen. Die aktuelle Auswertung der Daten mit Fokus auf den lokalen Tageszeitungsjournalismus ergab: In einem der wichtigsten Ressorts unserer Branche gibt es für rund ein Viertel der freien Journalist*innen kein Honorar, sondern ein Taschengeld. Zudem hat sich das unterirdische Brutto-Stundenhonorar freier Journalist*innen aus dem vergangenen Jahr bestätigt: 22,73 Euro im Mittel[1] – vor Abzug von Steuern und ohne die Kosten von Arbeitsmitteln, Akquise- und Recherchezeit sowie Urlaubs- und Krankheitstage.

Über Geld zu sprechen ist für freie Journalist*innen existenzentscheidend. Deshalb haben wir unser Honorartool entwickelt, in dem freie Kolleg*innen und Festangestellte ihre Honorare und Gehälter eintragen können – anonym, aber für alle einsehbar. Das Projekt ist eine Kooperation des Freischreiber-Verbands und der beiden Journalisten Haluka Maier-Borst, freier Wissenschafts- und Daten-Journalist unter anderem beim rbb, und Michel Penke, ebenfalls Daten-Journalist bei Correctiv.

Im diesem Jahr erlauben uns die 2064 Datenspenden einen tieferen Einblick in das, was die Branche zahlt. Die Grundlage des ersten Reports 2019 waren noch 1443 Datensätze. Mehr zum Making-of finden Sie hier. Den Report vom vergangenen Jahr finden Sie hier.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

– Unterirdische Bezahlung für freie Journalist*innen: Im Mittel sind es 22,73 Euro brutto pro Stunde.

– Extreme Bandbreite der Honorare: Für 1000 Zeichen können Freie zwischen acht und 200 Euro bekommen, abhängig vom Medium, für das sie arbeiten.

– Immer noch mehr Geld für Print: Am schlechtesten werden die Kolleg*innen bezahlt, die Inhalte digital und analog liefern.

Schwerpunkt lokale Tageszeitungen:

– Taschengeld für Lokaljournalist*innen: 26,2 Prozent aller freien Lokaljournalist*innen verdienen maximal 10 Euro brutto pro Stunde, bei überregionalen Tageszeitungen sind es 22,4 Prozent.

– Insgesamt weniger Geld für Lokaljournalist*innen: Im Lokalen liegt der Honorar-Median noch unter dem Wert, den wir für alle freie Journalist*innen ermittelt haben: bei 18,64 Euro.

– Und es geht noch schlechter: 8,1 Prozent der Freien bei überregionalen Tageszeitungen arbeiten für unter 5 Euro brutto die Stunde, 4,8 Prozent tun das bei den regionalen Tageszeitungen.

Im vergangenen Jahr schrieben wir: „Ein Brutto-Stundensatz von 22,50 Euro – das ist widerwärtig. Davon sollten Journalist*innen nicht leben müssen. Und es auch gar nicht erst versuchen.“

Die Ergebnisse in diesem Jahr sind ein einziger Skandal. Dabei ist der Lokaljournalismus systemrelevant für die Demokratie. Unsere Städte und Gemeinden brauchen gut ausgebildete Journalist*innen, die kritisch über die Geschehnisse vor Ort berichten. Und sie brauchen Verleger*innen, die sich ihrer Verantwortung stellen:

“Sie sind das Problem, Herr Schoo (Funke Mediengruppe), Herr Ippen (Verlagsgruppe Ippen), Herr Döpfner (Axel Springer SE), Herr Wegner (Südwestdeutsche Medien Holding), Herr Bauer (DuMont Schauberg), Herr Düffert (Madsack) und alle Ihre Kolleg*innen, die darüber entscheiden können, ob dieses Land eine Nachrichtenwüste wird. Investieren Sie in einen starken Lokaljournalismus, seien Sie mutig (Sie sind Unternehmer*innen), zahlen Sie anständige Honorare, ernten Sie. Sie könnten sich einen Namen machen.”

Katharina Jakob, stellvertr. Vorsitzende Freischreiber e. V., Autorin des Honorarreports

Daher fordert Freischreiber e. V.:

Von den Auftraggeber*innen: Sie wollen Qualität, die eierlegende Wollmilchsau als Reporter*in, handfeste Dokumentationen unserer Arbeitsweise, alle Rechte an unseren Werken – dann zahlen Sie Honorare, die diese Bezeichnung verdienen. Zahlen Sie anständig! An all die, die das jetzt schon tun, an dieser Stelle ein großer Dank.

Von den Politiker*innen: Schaffen Sie endlich Rahmenbedingungen, die uns freie Journalist*innen davor schützen, ausgenutzt und ausgenommen zu werden: Setzen Sie ein Verbot von Total-Buy-out-Verträgen um, sorgen Sie für den Erhalt des freien Journalismus, besonders im Lokalen.

Von den freien Journalist*innen: Hört auf, für Medien zu arbeiten, die euch unterirdisch bezahlen, verhandelt – immer! – und akzeptiert nicht die unverschämten Verträge, die euch die Auftraggeber*innen zur Unterschrift zusenden. Wir alle müssen uns bei denen bedanken, die das bereits machen. Es sind aber immer noch viel zu wenige.

Den Honorarreport in voller Länge finden Sie hier. Die Pressemitteilung als pdf hier.

[1] Gleitender Median: Wir haben nicht den Durchschnitt unserer Daten errechnet, sondern das mittlere Honorar pro Stunde, den sogenannten gleitenden Median. Der Unterschied besteht darin, dass wir nur die mittigsten Werte berücksichtigt haben, große Ausreißer nach oben und unten fielen so aus der Berechnung heraus. Bei der Durchschnittsberechnung zählen hingegen alle Werte, was zu größeren Verzerrungen führen kann.

_________________________________________________________________

Über Freischreiber: Freischreiber wurde 2008 von freien Journalist*innen gegründet. Heute hat der Verband rund 800 Mitglieder. Wir engagieren uns gegen eine Beteiligung der Verlage an den Ausschüttungen der VG Wort, für bessere Arbeitsbedingungen freier Journalistinnen und Journalisten und bieten unseren Mitgliedern ein professionelles Netzwerk für Austausch auf Augenhöhe und berufliche Weiterbildung. Wir arbeiten an einer neuen Auflage der Freienbibel – dem Handbuch für freie Journalist*innen; wir fordern von unseren Auftraggebern Solidarität ein – nicht nur, aber besonders jetzt in der Corona-Krise; und wir setzen uns mit diesem Manifest gegen den Hass gegenüber Journalist*innen ein. Unterstützen Sie unsere Arbeit, werden Sie (Förder-)Mitglied.

Dem Vorstand gehören an: Dr. Carola Dorner (Berlin), Katharina Jakob (Hamburg), Dr. Jakob Vicari (Lüneburg), Jens Eber (Heidenheim), Oliver Eberhardt (Gross-Zimmern), Anna Heidelberg-Stein (Lüneburg) und Nicola Kuhrt (Hamburg).

Leider kann die für diesen Herbst geplante „Freelance Journalism Assembly“ nicht wie gedacht stattfinden. Der Event vor Ort wurde ins nächste Jahr verschoben, online geht es aber schon jetzt los.

Das Programm wendet sich an freie Journalist*innen in ganz Europa und besteht aus vier Teilen: Trainingseinheiten zu praktischen Tools und zum Ausbau eurer Fähigkeiten, Einzelgespräche mit Experten, online Austausch mit anderen freien Journalist*innen und schließlich einem persönlichen Treffen 2021. Hier gibt es mehr Informationen und Möglichkeit zur Anmeldung. Freischreiber kooperiert mit dem Veranstalter des Events, dem EJC (European Journalism Centre).

15. Juni 2020

 

Kein freier Fall: Hilfe und Solidarität für Freiberufler*innen in der Medienbranche.

Zu Gast beim Talk #coronacornern von NextMedia Hamburg und One Hamburg waren: Carola Dorner (Freischreiber), Nicola Kuhrt (MedWatch), Martin Werner (XING Service HalloFreelancer), Lutz Fischmann (FREELENS). Moderation: Freya Oehle, Kim Dormann, Egbert Rühl

Hier könnt ihr das Gespräch anschauen:

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Journalist*innen sind zunehmend Hass und Bedrohungen ausgeliefert. Wir freien Journalist*innen erheben unsere Stimme gegen den überbordenden Hass. Freier Journalismus ist das Rückgrat des Journalismus der Sender, Zeitungen und Magazine. Freie Journalist*innen brauchen die Solidarität, Loyalität und den Schutz ihrer Auftraggeber*innen mehr denn je. Doch stattdessen werden die Spannungen zwischen Festen und Freien, zwischen Medienhäusern und Auftragnehmer*innen stärker, wenn der Mob auftaucht, Trolle und Hater uns attackieren.

1. Verleiht uns Elefantenhaut.

Freisein ist wunderschön. Und manchmal sehr einsam. Viele von uns arbeiten vom heimischen Schreibtisch aus. Unser Smartphone ist fast immer an. Damit landet jede Drohung, jeder gehässige Kommentar, jede Beleidigung auf unseren Küchentischen, in unseren Kinderzimmern, in unseren Betten. Uns fehlt die schützende Haut der Redaktion. Zeigt euch verbunden. Verleiht uns Freien Elefantenhaut!

2. Trefft klare Absprachen.

Wir sind nie “nur privat” da. Wir stehen für eure Medienmarke in den Socials. Da draußen werden wir für eure Marke angefeindet. Wir halten den Kopf hin. Und sammeln Beleidigungen, Beschimpfungen, Morddrohungen ein. Und manchmal auch das Lob. Wo dürfen wir all das abgeben? Wir erwarten klare Absprachen für Art und Umfang unserer Zusammenarbeit über den einzelnen Beitrag hinaus.

3. Wir fordern eure Solidarität ohne Einschränkungen.

Verteidigt die Medienfreiheit, statt einzuknicken, ihr festen und freien Kolleg*innen, Ressortleiter*innen, Chefredakteur*innen und Intendant*innen. Und ihr, liebe Unternehmens-Jurist*innen, sorgt dafür, dass auch wir rechtlich abgesichert sind: Freie Journalist*innen brauchen denselben Schutz durch Auftraggeber*innen wie Feste.

4. Bezahlt uns für die Verteidigung der Meinungsfreiheit.

Manchmal genügt dem Troll ein Gendersternchen. Mal sind wir am falschen Ort. Oder haben die falsche Meinung, das falsche Geschlecht oder die falsche Herkunft. Oft kommt der Hass willkürlich. Er ist meist organisiert, und die Trolle und Hater haben wenig zu befürchten. Das muss sich ändern. Was im wirklichen Leben Folgen hat, darf auch im Netz nicht ungeahndet bleiben. Dafür müssen wir gemeinsam kämpfen. Die Zeit, in der wir Freien unseren Journalismus gegen seine Gegner verteidigen, muss honoriert werden. Auch finanziell.

5. Gebt uns den Beistand eurer Social-Media-Expert*innen.

Wir sind nicht eure kostenlosen Leser*innenredaktionen. Sorgentelefone. Social-Media-Swat-Teams. Dafür sollten Medienhäuser gut ausgebildete Profis haben. Denen wir gern zurufen möchten: Bitte übernehmen! (Wenn ihr keine habt: Schafft euch welche an.) Und, ihr Medienhäuser, stellt einen Aktionsplan gegen den Hass auf: mit Tricks, Infos und Notfallnummern für Feste und uns Freie.

6. Vertraut uns!

Social Media ist kein Spiel mehr. Wir sind nicht auf jeden Tweet stolz, nicht auf jede Freundschaft auf Facebook oder jedes Sel- fie auf Instagram. Fehler entstehen durch steigenden Zeitdruck.Qualität braucht Zeit und gute Bezahlung. Wir hören auf, unsere eigenen Versäumnisse unter den Teppich zu kehren. Wir brauchen dringend eine neue Fehlerkultur, wenn das Geschäft immer schneller wird. Wenn uns Fehler unterlaufen, wollen wir transparent damit umgehen. Und wenn es so weit ist: Glaubt uns! Und zwar öffentlich, nicht nur unter vier Augen!

7. Wir brauchen Arbeitsschutz. Als Schutz vor dem Mob.

Viele von uns sind Drohungen aus dem Netz schutzlos ausgeliefert. Dabei ist der Mob nicht sonderlich kreativ, die Angriffe gleichen sich, folgen bestimmten Mustern. Wenn jede*r Lagerarbeiter*in lernen muss, wie sie schwere Lasten korrekt hebt, dann müssen wir Freie uns in Arbeitsschutzseminaren für Social Media rüsten. Wenn der Mob vor der Tür steht, brauchen wir von Auftraggeber*innen keine erbaulichen Worte, sondern Geld für ein dickeres Schloss.

8. Schickt uns euren juristischen Beistand.

Wir sind Journalist*innen. Um uns gegen Drohungen und Anfeindungen zu wehren, brauchen wir Unterstützung und juristischen Beistand. Schickt uns eure Anwälte oder kalkuliert Anwalts-Pauschalen für den Fall der Fälle ein. Drohungen dürfen nicht unbescholten stehen bleiben, nur weil uns die Mittel fehlen.

9. Plattformen, stellt euch eurer Verantwortung.

Und auch ihr neuen Medienhäuser, ihr Facebooks, Twitters, Googles, ihr Tik-toks, Instagrams und Youtubes: Wir sorgen für Leben in eurer Klickbude. Wir posten aus Untersuchungsausschüssen und Regenwäldern, berichten mitten aus rechten Aufmärschen und auch live übers Dschungelcamp. Wir tragen bei euch Debatten über Steuern, Feminismus und Migration aus, setzen Trends und uploaden auch mal unsere Katzen auf der Jagd. Gegen den Hass brauchen wir eure sofortige, eindeutige und unkomplizierte Hilfe. Von verlässlichen Ansprechpartner*innen. Von echten Menschen. Diese Verantwortung lässt sich nicht auf Dienstleister*innen abwälzen.

10. Zeigt eure Courage.

Wir sind freie Journalist*innen geworden, weil wir diesen Beruf lieben. Wir wollen für ihn aber nicht durch die Hölle gehen, wenn uns der Hass trifft. Stellt euch vor uns, eindeutig und unmissverständlich.“

Das Manifest ist erschienen im MediumMagazin 1/2020. Wenn ihr unterzeichnen wollt:
Das ist super. Meldet euch unter manifest@freischreiber.de mit Namen & Berufsbezeichnung. Und noch eine Info: Freischreiber-Mitglieder bekommen 25% Vergünstigung für das MediumMagazin-Abo. Einfach per Mail an vertrieb@oberauer.de bestellen und die Mitgliedsnummer von Freischreiber angeben.

 

Manifest der Freien 01 Manifest der Freien 02  Manifest der Freien 04 Manifest der Freien 05 Manifest der Freien 06 Manifest der Freien 07 Manifest der Freien 08 Manifest der Freien 09Manifest der Freien 10

Unterzeichner*innen

Carola Dorner, freie Journalistin und Vorsitzende Freischreiber
Chiara Thies, freie Journalistin und Vorsitzende next media makers
Ferda Ataman, Freie Journalistin und Vorsitzende Neue Deutsche Medienmacher
Bettina Rühl, freie Journalistin und Vorsitzende Weltreporter
Roland Geisheimer, Freier Journalist und Vorsitzender Freelens
Markus Mittermüller, freier Journalist und Vorsitzender Freischreiber Österreich
Tanja Krämer, freie Journalistin und Vorstand RiffReporter
Christian Schwägerl, freier Journalist und Vorstand Riff- Reporter
Silke Burmester, freie Journalistin
Richard Gutjahr, freier Journalist
Stephan Lamby, TV-Journalist/ECO Media
Juan Moreno, freier Autor
Kübra Gümüşay, freie Autorin
Markus Beckedahl, Gründer netzpolitik.org
Julia Reda, Fellow Shuttleworth Foundation/ehem. EP-Abgeordnete
Mario Sixtus, freier Journalist
Katharina Nocun, freie Autorin
Katharina Jakob, freie Journalistin und stv.Vorsitzende Freischreiber
Mohamed Amjahid, freier Journalist
Jakob Vicari, Ffreier Journalist, tactile.news und stv. Vorsitzender Freischreiber
Jens Eber, freier Journalist
Caroline Schmidt-Gross, freie Journalistin
Nicola Kuhrt, FJ/medwatch.de
Anna Heidelberg-Stein, freie Journalistin
Oliver Eberhardt, freier Journalist
Dr. Sonja Bettel, freie Journalistin und stv. Vorsitzende Freischreiber Österreich
Yvonne Pöppelbaum, freie Journalistin und Büro Freischreiber, weltreporter
Heidi Schmidt, freie Journalistin und Büro Freischreiber, weltreporter
Alexandra Rotter, freie Journalistin
Gabriele Meister, freie Journalistin
Benno Stieber, freier Journalist
Isabelle Buckow, freie Journalistin
Astrid Csuraji, freie Journalistin
Filipa Lessing, freie Journalistin, next media makers
Linda Fischer, freie Journalistin, next media makers
Juliane Maleika, freie Journalistin, next media makers
Sophia Steube, freie Journalistin, next media makers
Felix Zimmermann, taz
Joachim Budde, freier Journalist
Petra Reski, freie Autorin
Wolfgang Michal, freier Autor
Robert Rutkowski, freier Fotojournalist
Annette Bopp, freie Journalistin
Flo Osrainik, freier Journalist & Autor
Robert B. Fishman, freier Journalist
Steve Przybilla, Freier Journalist
Vera Bunse, freie Journalistin
Michael Brüggemann, freier Journalist
Hendrik Bensch, freier Journalist
Ralph Diermann, freier Energiejournalist
Imre Balzer, freier Journalist
Julia Schoon, freie Journalistin
Peter Spork, freier Wissenschaftsautor
Caroline Ausserer, freie Journalistin & Trainerin
Karl Urban, freier Journalist
Marcus Anhäuser, freier Journalist
Melina Borčak, freie Journalistin
Judith Weibrecht, freie Journalistin
Insa van den Berg, freie Journalistin
Frank Keil, freier Journalist
Jana Hensel, freie Autorin
Anabell Ganske, Photojournalistin
Henry Steinhau, Redakteur iRights.Lab
Andrea Mertes, Freelance Writer
Anke Nolte, freie Medizinjournalistin
Michael Voregger, freier Journalist
Rainer F. Steußloff freier Fotograf und Vorstand Freelens
Wolfgang Borrs, freier Fotojournalist
Annegret Handel-Kempf, freie Redakteurin / freie Journalistin
Christoph Drösser, freier Journalist und Weltreporter, San Francisco
Robert Conrad, Fotograf
Claudia Mende, freie Journalistin
Andrea Vollmer, Fotografin
Elisabeth Enders, Dipl. Journalistin, Autorin
Julian Feldmann, freier Autor
Carina Frey, freie Wissenschafts- und Verbraucherjournalistin
Elisabeth Enders, Journalistin und Autorin
Bernhard Hiergeist, Journalist
Andreas Unger, Sozialjournalist
Stefan Siegert, Autor
Julica Jungehülsing, Korrespondentin und Weltreporterin, Australien
Katharina Mau, freie Journalistin
Simon Hurtz, freier Journalist
Tobias Meyer, freier Reporter
Jan Oliver Löfken, Wissenschaftsjournalist
Claudia Doyle, freie Wissenschaftsjournalistin
Jörg Wild, Geschäftsführer Pressenetzwerk für Jugendthemen e.V. und freier Journalist
Nina Scholz, Journalistin
Beate Erler – Freie Journalistin und Storytelling-Texterin
Petra Hannen, freie Journalistin
Sylvia Meise, freie Journalistin und Fotografin
Dr. Frank Frick, Wissenschaftsjournalist
Katja Michel, freie Journalistin
Andrea Jeska, Journalistin
Judith Hyams, freie Journalistin
Jürgen Kura, TV-Journalist und Filmemacher
Theo Heyen, freier Journalist
Johannes Klostermeier, freier Journalist
Barbara Weidmann, freie Journalistin und Trainerin
Fabienne Hübener, Wissenschaftsjournalistin
Dorothea Heintze, freie Journalistin
Sophie Emilie Beha, freie Musikjournalistin
Thomas Röbke, freier Journalist
Stefan Rambow, freier Journalist
Sarah Mersch, freie Journalistin und Zweite Vorsitzende, Weltreporter
Holger Iburg, freier Journalist & Autor
Almut Wenge, freie Journalistin
Martin Wehrle, Autor & Journalist
Anja Reiter, freie Journalistin
Bernd Kramer, Redakteur
Caroline Lindekamp, Dipl.-Journalistin und freie Autorin
Paul Toetzke, freier Journalist
Manuel Stark, freier Journalist, Mitglied der Autorengemeinschaft Hermes Baby
Kathrin Passig, Autorin
Anne Bohlmann, freie Journalistin
Sigrid März, freie Wissenschaftsjournalistin
Alexander Mäder, RiffReporter/Hochschule der Medien
Karola Kallweit, freie Journalistin und Redakteurin
Stella Schalamon, freie Journalistin
Matilda Jordanova-Duda, freie Journalistin
Jan Mohnhaupt, freier Journalist und Buchautor
Richard Fuchs, freier Journalist
Tabea Grzeszyk, freie Journalistin und Gründerin von hostwriter.org
Gerhard Richter, Autor und Reporter
Sandra Müller, freie Redakteurin, Moderatorin und Reporterin (radio-machen.de)
Juliane Preiß, freie Journalistin
Heike Lachnit, freie Journalistin
Jeannette Goddar, freie Journalistin
Georg Rudiger, freier Journalist
Felix Huesmann, freier Journalist
Linus Giese, Autor, Blogger, Journalist
Edda Schlager, freie Zentralasien-Korrespondentin, Almaty
Lukas Hofmann, freier Fotojournalist
Tobias Weidemann, freier Journalist
Kristin Kasten, freie Journalistin
Jochen Paulus, freier Journalist
Mariana Friedrich, freie Journalistin
Kai Voigtländer, Trainer, Coach, Journalist
Benjamin Moscovici, freier Journalist
Raphael Thelen, freier Journalist
Mirjam Fischer, freie Journalistin
Doris Achelwilm, MdBm Sprecherin der Fraktion DIE LINKE für Gleichstellungs-, Queer- und Medienpolitik
Christian Wolf, freier Wissenschaftsjournalist
Lukas Kohlenbach, freier Journalist
Albrecht Ude, Journalist, Researcher, Trainer
Esther Niederhammer, freie Journalistin
Frank Sträter, Journalist
Michel Mayr, freier Journalist
Almut Wenge, freie Journalistin
Mario Moers, Redakteur / Hannoversche Allgemeine Zeitung
Judith Bornemann, Redakteurin und freie Journalistin
Katarina Lukač, freie Journalistin
Dr. med. vet. Anita Idel, Mediation und Projektmanagement Agrobiodiversität

Manifest der Freien

Wie kommen freie Journalist*innen durch die Coronakrise? Zapp (ndr) hat nachgefragt – u.a. bei uns. Hier findet ihr das Zapp Spezial „Journalismus in Zeiten von Corona“ und hier den Beitrag von Daniel Bouhs „Freie Journalisten: selbstständig und solidarisch„.

02. April 2020

Pressemitteilung, 15. November 2019. Der Haushaltsausschuss beschließt Verlagssubventionen zur Förderung der Zeitungszustellung. Das wird den Qualitätsjournalismus nicht zurückbringen; nur eine angemessene Bezahlung von freien Journalist*innen könnte dies gewährleisten.

Wenn in Bolivien die Regierung gestürzt wird, Deutschland über eine Rentenreform diskutiert, wenn der Schützenverein einen neuen Vorstand wählt oder die Oma 100 Jahre alt wird, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es freie Journalist*innen sind, die von diesen Ereignissen berichten. Freie Journalist*innen sind einer der tragenden Pfeiler der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung in Deutschland: Ohne sie wäre eine qualitativ hochwertige Berichterstattung nicht möglich.

Daher müssen vor allem freie Journalist*innen im Vordergrund stehen, wenn es darum geht, den Qualitätsjournalismus zu schützen und zu fördern. Zwar ist es begrüßenswert, wenn die Politik über Möglichkeiten nachdenkt, die Vielfalt an lokalen, regionalen und bundesweiten Medien zu erhalten. Doch ohne die freien Journalist*innen kann es keinen flächendeckenden Qualitätsjournalismus in Deutschland geben.

Viel zu oft zahlen vor allem lokale und regionale Zeitungen nur sehr geringe Honorare, und immer öfter führt dies dazu, dass erfahrene Journalist*innen zu diesen Konditionen nicht mehr arbeiten können oder wollen: weil es unmöglich geworden ist, damit auch nur den Lebensbedarf zu decken. In der Folge müsste der Staat mit Sozialleistungen wie etwa dem Arbeitslosengeld II oder Wohngeld einspringen. Überdies droht die Altersarmut.

Die Folgen für die Qualität der Berichterstattung in lokalen und regionalen Medien – und damit auch für die Meinungs- und Willensbildung in den entsprechenden Verbreitungsgebieten – sind verheerend. Eine Bezuschussung zu den Kosten der Zeitungszustellung wird den Qualitätsjournalismus nicht in diese Regionen zurückbringen; nur eine angemessene Bezahlung von freien Journalist*innen könnte dies gewährleisten.

Die Politik muss daher Unterstützungen für Presseverlage an die Bedingung knüpfen, dass Zeitungsverlage ihre freien Journalist*innen angemessen bezahlen, entsprechend ihrer tatsächlichen Arbeitsleistung. Die Forderung nach angemessenen Vergütungen, also einer Art Mindestlohn für freie Journalist*innen, ist bereits seit vielen Jahren im Urheber*innenvertragsrecht verankert. Nur: Nachhaltig umgesetzt wurde sie nicht. Nach mehr als neun Jahre dauernden Verhandlungen traten 2010 gemeinsame Vergütungsregeln für freie Journalist*innen an Tageszeitungen in Kraft, in denen damals schon viel zu niedrige Sätze festgelegt wurden, die zudem an die Auflagen der Zeitungen gebunden waren und nie erhöht wurden. Und selbst diese niedrigen Sätze wurden nur von wenigen Tageszeitungen tatsächlich gezahlt, bevor sie dann 2017 vom Bundesverband deutscher Zeitungsverleger einseitig aufgekündigt wurden, nachdem der Gesetzgeber ein Verbandsklagerecht eingeführt hatte. 

Wer Qualitätsjournalismus fordert, muss sich also vor allem dafür einsetzen, dass freie Journalist*innen angemessen bezahlt werden: bei allen Medien, unabhängig von der Auflage oder Reichweite.

Kontakt:
Freischreiber e. V.
Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten
Kontakt: Heidi Schmidt und Yvonne Pöppelbaum,
Telefon: 040 / 22 86 71 52, kontakt@freischreiber.de

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