Dein Bibel-Adventskalender

Willkommen hinter Tür Nummer 1! Komm ran, mach’s dir bequem, tunk den Spekulatius-Keks in den Früchtetee und leg den Lebkuchen parat – hier folgt das erste Textchen. Freienbibel 2-Redaktionsmitglied Jens Eber, Experte für feinen Journalismus und grobe Musik (den versteht ihr noch beim Weiterlesen), erklärt darin, wie man herausfindet, über welche Themen man so schreiben soll. Das ist wichtig für Einsteiger*innen, das ist aber auch spannend für Altgediente, die vielleicht mal was Neues machen wollen. Und das ist Inspiration für alle. Also dann: Augen auf für Text sieben aus Kapitel vier.

Wie finde ich mein Themenfeld?

Autor: Jens Eber

Wer frei arbeitet, muss immer wieder neue Themen anbieten können. Im besten Fall gelingt es uns, eine so große Nachfrage nach unserer journalistischen Arbeit zu erzeugen, dass wir unter den attraktivsten Auftraggeber*innen auswählen können. Wer nicht nach dem – durchaus legitimen! – Bauchladenmodell arbeiten möchte, muss sich daher rechtzeitig ein eigenes Themenfeld zulegen. Diese Aufgabe besteht aus drei Säulen: Wissen, Interesse und Nachfrage.

Was wir in unserem Leben bereits an Wissen angehäuft haben (ob in Studium, früheren Jobs oder in mit heiligem Ernst betriebenen Hobbys), ist eine erste Basis. Was wir schon wissen, müssen wir uns nicht erst erarbeiten, sondern können es bedarfsweise ergänzen. Die Schwierigkeit ist dagegen, auszuloten, welcher Teil unseres Wissens eine Zielgruppe in ihrem Informationshunger befriedigen könnte. Sicher, die Feinheiten des finnischen Death Metals der frühen Neunzigerjahre sind hochspannend (ehrlich!), der Markt für dieses Thema ist jedoch sehr begrenzt.

Spezialist*in für Death Metal und Ferkelkastration

Interesse ist quasi unerlässlich, wenn wir uns über Tage, Wochen oder – etwa beim Bücherschreiben – Jahre mit einem Thema befassen müssen. Wer sich also nur unter Grausen vorstellen kann, sich mit allen Details der Ferkelkastration zu beschäftigen, sollte sich im Sinne der eigenen geistigen Gesundheit dringend einem anderen Thema zuwenden. Und ohne Nachfrage geht es nicht, weil wir als Unternehmer*innen die Ergebnisse unserer Arbeit gewinnbringend verkaufen müssen. Punkt.

Die Fahndung nach dem eigenen Themenfeld lässt sich entlang dieser Fragen gestalten:

  1. Was weiß ich? Das kannst du ganz einfach über eine Liste erforschen, auf der du alles notierst, womit du dich im Leben schon beschäftigt hast. Du kannst Gitarre spielen? Super! Sprichst fließend Norwegisch? Vi gratulerer! Du hast einen Kurs in veganem Kochen absolviert? Prima, du hast gegenüber geschätzten 95 Prozent der deutschen Bevölkerung einen Wissensvorsprung. Diese Liste führt uns noch nicht endgültig zum Themenfeld, das wir künftig bestellen wollen, gibt uns aber Hinweise darauf, wo wir weiterforschen können.
  2. Was weiß ich besser als andere? Diese Frage baut auf der Liste aus Punkt 1 auf. Du fragst dich jetzt, für welchen deiner Skills du dich, ohne rot zu werden, als Expert*in bezeichnen könntest. Du musst da noch nicht die weltweit einzigartige Koryphäe sein, aber – um im obigen Beispiel zu bleiben – du solltest als vegane Köchin mehr draufhaben als Pastasoße mit Sojabröseln. Und ganz klar: Jedes Studium, jede Berufsausbildung hat dir bereits einen Vorsprung verschafft.
  3. Macht mir dieses Thema Spaß? Du kannst mit leuchtenden Augen über die grafischen Details der ersten fünf Iron-Maiden-Albencover referieren? Du kannst vegane Käsespätzle zubereiten, die hungrige Allgäuer Bergbauern ins wohlige Fresskoma stürzen? Jetzt kommen wir der Sache schon näher. In direkter Nähe von Können und Spaß wartet die Leidenschaft, die auch monatelange Beschäftigung mit einem augenscheinlich sperrigen Nischenthema nicht nur erträglich, sondern erstrebenswert macht.
  4. Gibt es dafür einen Markt? Wenn wir Beiträge verkaufen wollen, brauchen wir Publikationen, denen wir sie anbieten können, logo! Kollege Jan Schwenkenbecher hat im Kapitel 2 bereits vorgeschlagen, im Zeitschriftenladen einmal die Auslagen zu sichten. Das Vorhandensein von Publikationen allein garantiert natürlich noch nicht, dass sie Themen oder Autor*innen suchen und fair bezahlen. Wenn du aber fünf oder fünfzehn Magazine zu den Themen findest, die du unter 1 bis 3 identifiziert hast, kannst du dich um die Kontaktanbahnung kümmern.

Vom Acker in die Wüste

Das eigene Themenfeld ist wie ein Acker – es muss bearbeitet werden, gepflegt und gedüngt, damit es fruchtbar bleibt. Hin und wieder wird der Ertrag auch nachlassen, dann müssen wir uns eben fragen, ob wir darauf etwas anderes anbauen sollten. Ob der sprichwörtliche Acker auch ein Wüstenflecken in der Sahara sein kann? Warum nicht – aber die Herausforderungen für freie Journalist*innen im Ausland sind zahlreich. Deshalb geben wir auf den nächsten Seiten Tipps, wie man sich auf die Arbeit im Ausland vorbereiten kann.

Und was ist eigentlich mit der Freienbibel?

Die gute Nachricht: Das Goldstück mit seinen 500 Seiten ist auf der Zielgeraden. Die schlechte: Bis Weihnachten wird das Buch nicht mehr fertig. Denn weil wir das Layout geschenkt bekommen haben, hat es etwas länger als kalkuliert gedauert. Und dann ist unser kleiner starker Verband in den Strudel der Globalisierung geraten: Alle Welt will Holz, und darum ist Papier gerade teuer und knapp. Das bedeutet: Die frisch nach Druckfarbe duftende Bibel kommt erst Ende Januar 2022 raus. Gutscheine gibt es allerdings schon jetzt – und zwar hier.