[Der :Freischreiber-Newsletter]
vom 13.11.2017
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Wir reden nicht von November-Blues, wir starten lieber mit Wumms: mit der BurAGENDA-2017. Das ist ein Kampfbegriff, der es in sich hat. Er stammt von Silke Burmester, Kolumnistin des Deutschlandfunks und Freischreiberin der ersten Stunde. Mit BurAGENDA-2017 fordert sie all jene auf, die Finger vom Journalismus zu lassen, die „den Beruf nicht ernst nehmen und/oder auf das Geld, das sie mit ihrer Tätigkeit verdienen, nicht angewiesen sind“. Die sollen bitte etwas anderes machen. Und vor allem aufhören, für 21 Cent die Zeile oder noch weniger den Textnachschub für Regionalzeitungen zu sichern. Oder für „Witzlöhne“ Leichtes und Seichtes zu liefern. Die Rede ist von Freizeitjournalisten, Hobbyschreiberinnen, „Tageszeit-Flaneuren“, von Rentnern. Und, oha, von Berufsanfängern. Weil sie dankbar seien, schreiben zu dürfen, und deshalb alles hinnähmen. Das können wir nicht unwidersprochen stehen lassen. Burmester hat recht mit ihrer Dilettanten-Schelte, aber die Anfänger und Berufseinsteiger sind weder an der Honorarmisere schuld, noch sind sie Dilettanten.
Doch wir unterstützen aufs Wärmste Teil zwei der BurAGENDA-2017: wieder in den Kampf zu ziehen für gute Honorare und gegen Schundverträge. Und verstanden haben wir von Teil eins, dass wir die Berufseinsteiger viel mehr auf unsere Seite bringen müssen. Damit sie eben nicht alles mit sich machen lassen. Daher hat sich der Vorstand gestern in die Hand versprochen: Wir kümmern uns in Zukunft ausgiebig um unseren Nachwuchs. Jetzt sammeln wir Ideen und bitten die Newbies da draußen um Wünsche, Anregungen und Vorschläge. Hierhin bitte.
Treffen mit dem Freien-Ombudsmann bei SPON
Die beiden Freischreiber-Vorstände Steve Przybilla und Carola Dorner haben sich in Hamburg mit Jochen Leffers getroffen, dem Ombudsmann für freie Journalisten bei Spiegel Online. Wir erinnern uns dunkel an die Höllepreis-Nominierung für die Redaktion im Jahr 2011. Danach hat SPON die Stelle eines Mittelsmannes für freie Journalisten eingerichtet. Und den Autorenvertrag nachgebessert. Sehr freischreiberig nach dem Motto: Eine Höllepreis-Nominierung kann der Beginn einer guten Zusammenarbeit sein. Hat ja auch „der Freitag“ verstanden und vor Kurzem unseren Code of Fairness unterzeichnet. Jetzt haben wir aber immer mal wieder von unseren Mitgliedern gehört, dass der SPON-Autorenvertrag zwar schön und gut sei, sich die Redakteure aber zum Teil nicht daran halten. Kritikpunkte waren reißerische Teaser, keine Möglichkeit eines „letzten Blicks“ und verspätete Veröffentlichungen. Vor allem aber, Hauptkritikpunkt, das dürftige Honorar: Zwischen 150 und 250 Euro zahlt Spiegel Online für einen Artikel inklusive Fotos. Nach unserem Treffen hat Jochen Leffers die Punkte in der Ressortleiter-Konferenz vorgestellt und alle Redakteurinnen und Redakteure noch einmal an den Autorenvertrag erinnert. Wir bleiben dran.
Wie auch am Dauerbrenner VG Wort. Wo bleiben denn nun – hallo November-Blues – die Nachzahlungen aus den zurückgehaltenen Ausschüttungen? Eine Anfrage bei der VG Wort wurde wie folgt beantwortet: „Auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung der VG WORT am 26. November 2016 wurde ein Beschluss zur Neuverteilung der von Verlagen zurückgeforderten Summen für den Zeitraum von 2012 bis 2015 sowie zu Nachausschüttungen für das Jahr 2016 gefasst. Dieser ,Korrektur-Verteilungsplan’ sieht vor, dass die Nachzahlungen an die Autoren im Wege einer periodengenauen Zuschlagsverrechnung auf die in den betreffenden Jahren bereits ausgeschütteten Beträge schnellstmöglich, spätestens jedoch bis zum 31. Dezember 2017 erfolgen sollen. Derzeit ist mit dieser Ausschüttung im Dezember zu rechnen, eine genauere Angabe zum Zahlungszeitpunkt ist leider noch nicht möglich. Eine gesonderte Antragstellung ist jedenfalls nicht erforderlich.“ Und hier lässt sich das Börsenverein-Merkblatt für Verlage herunterladen. Darin geht es um Infos, wie Verlage ab 2018 wieder an Ausschüttungen beteiligt werden können, falls die Urheber das wollen. Doch nur mit vorheriger Zustimmung der Autoren, die die VG Wort von ihnen einholen muss.
Süddeutsche Zeitung
Vielleicht erinnern Sie sich: Im April haben wir der Süddeutschen Zeitung unseren Hölle-Preis verliehen. Warum? Seit Jahresanfang gibt die SZ Texte ihrer freien Autorinnen und Autoren an den Schweizer Tagesanzeiger weiter, ohne die Autoren dafür zusätzlich zu honorieren. Damit werden freie Autoren schlichtweg enteignet. Die Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung verweigert sich bis heute einem Gespräch über die Arbeitsbedingungen ihrer freien Autorinnen und Autoren. In der Zwischenzeit haben wir der Süddeutschen Zeitung ihren Hölle-Preis persönlich nach München getragen. Wieder sah man sich an der Hultschiner Straße zu einem Gespräch außer Stande. Wir bedauern das. Und wir fänden es mehr als angemessen und geboten, mit dem gleichen moralischen Maßstab auf die eigenen Autorenverträge zu schauen, mit dem die Redaktion aktuell völlig zu recht die „nicht illegalen, aber unmoralischen“ Steuervermeidungsstrategien großer Konzerne in den #ParadisePapers anprangert.
Lob und Preis
Es gibt einen „Journalistenpreis Humanitäre Hilfe“ für Journalistinnen und Journalisten zwischen 21 und 35 Jahren. Bis zum 18. Dezember 2017 können sie sich auf Reisestipendien für die Entwicklung von digitalen Geschichten zu humanitärer Hilfe bewerben. Bis zum 15. Dezember läuft die Bewerbungsfrist für den European Press Prize. Und ganz ohne Einsendeschluss kommt ein honoriges Angebot von der „Republik“ aus der Schweiz – Sie erinnern sich: das Crowdfunding-Wunder des Teams um Constantin Seibt. Das honorige Angebot nennt sich „Fonds für grosse Recherchen, grosse Geschichten und grosse Ideen“ und ist eine Einladung, „beste Geschichten bei uns zu erzählen“. Eine Viertelmillion Franken tun die Schweizer dafür raus. Das ist ein Wort. Wir können nur jeden ermutigen, sich zu bewerben.
Die diesjährigen Holtzbrinck-Preise für Wissenschaftsjournalismus gingen allesamt an freie Journalisten. Wir gratulieren aufs Freudigste den freien Kolleginnen und Kollegen Anke Sparmann, Alexander Lahl, Max Mönch und Theodor Schaarschmidt. Außerdem schicken wir einen herzlichen Glückwunsch an die Riffreporter: Am Wochenende ist das Team (zu den Gründern gehören auch die Freischreiber Tanja Krämer und Uwe H. Martin) auf dem VOCER Innovation Day in Hamburg mit dem Netzwende-Award ausgezeichnet worden.
Termine
Der freie Journalist Michael Obert (Reporter-Akademie in Berlin) lädt zum Werkstattgespräch in Berlin ein, und zwar schon ganz bald: am 20. November ab 18.30 Uhr. Es geht um lebensgefährliche Reportagen, organisierten Menschenhandel und die Flüchtlingspolitik der EU. Über Oberts Reise nach Libyen und wie man sich als Reporter in Krisenregionen bewegt. Eine Kooperation mit Amnesty International und den RiffReportern im Foyer des Amnesty-Hauses, Zinnowitzer Straße 8, 10115 Berlin. Anmeldung unter info@reporter-akademie-berlin.de.
Am selben Tag findet auch die Konferenz der Initiative Urheberrecht in Berlin statt, von 9.45 Uhr bis 18 Uhr. Lässt sich also beides gut verbinden.
Heißt zwar „Wissenswerte Bremen“, findet aber vom 4.-6.Dezember 2017 in Darmstadt statt. Und da gibt es am 5. Dezember eine satirische Lesung von Leserbriefen, die direkt aus der Hölle kommen: „The Lügenpresse strikes back“, moderiert von Freischreiber Achim Himmelrath.
Lesestücke
Und jetzt haben wir doch noch was Ruhiges zum Ausklang, vier Lesestücke, die wir Ihnen ans Herz legen möchten: Stichwort November-Blues: Was verdient man denn so, wenn man ein Buch schreibt? Der Autor Patrick Spät schont seine Leser nicht. Wer es trotzdem nicht lassen mag: Hier gibt es Tipps für den ersten Verlags-Vertrag. Das dritte Lesestück kommt aus der Schweiz und handelt von der Scham des Mäzens. Zu guter Letzt und so wuchtig wie die BurAGENDA-2017 ist auch diese Reportage in der aktuellen Chrismon über eine Lokalredaktion, die sich auswächst zu einer wahren Hymne auf den Lokaljournalismus. Lustigerweise wird mit keinem Wort erwähnt, was die Leute verdienen, die in der Regel als Freie im Lokalen unterwegs sind: nämlich Zeilensätze um die 30 Cent. Und weniger. Womit wir wieder am Anfang dieses Newsletters wären.
Bis bald,
Ihre :Freischreiber
[Der :Freischreiber-Newsletter]
vom 22.09.2017
Liebe Freischreiberinnen und Freischreiber,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
Sie haben es vielleicht schon gehört: Die altehrwürdige Süddeutsche Zeitung zwingt ihre freien Autorinnen und Autoren, Knebelverträge zu unterschreiben. Darin steht u.a., dass der Verlag sämtliche Texte an den Schweizer Tagesanzeiger weiterverkaufen darf – ohne dass Autoren dafür auch nur einen Cent sehen. Im Frühjahr haben die Freischreiber der Süddeutschen Zeitung deshalb bereits den Höllepreis verliehen.
Da die Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung – auch auf wiederholte Anfragen unsererseits – keinen Gesprächsbedarf erkennen konnte und auch zu keinem Gespräch bereit war, trugen wir am 15. September den Höllepreis zu Redaktion der Süddeutschen Zeitung nach München (hier ein paar Impressionen). Zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen von der dju (Verdi) ließen wir außerdem Luftballons in den Himmel steigen – als Symbol dafür, dass das Verbreitungssystem der SZ so transparent ist wie eine Ballon- oder Flaschenpost. Die Antwort der Chefredaktion: Schweigen. Unsere Antwort: Wir bleiben dran!
Nicht ganz unproblematisch ist auch das Verhältnis zwischen freien Journalisten und dem Verlegerverband BDZV – um es mal diplomatisch auszudrücken. Zuletzt tat sich der BDZV damit hervor, die Gemeinsamen Vergütungsregeln zu kündigen. Zwar hatte Freischreiber diese ohnehin abgelehnt, da wir das vereinbarte Zeilengeld für unterirdisch hielten. Aber immerhin stellten die Vergütungsregeln so etwas wie ein Mindesthonorar für Autoren dar.
Über solche Manöver wollten die Verleger bei ihrem jüngsten Kongress freilich nicht so gerne reden. Stattdessen hob BDZV-Präsident Mathias Döpfner den Wert von guter Recherche hervor. Ziemlich zynisch angesichts der Sparkurse, die in vielen Verlagen laufen. Was auf dem Kongress sonst noch alles geschah, berichtet der ehemalige Freischreiber-Vorsitzende Benno Stieber bei Übermedien.
Okay, und jetzt mal was Positives.
Zumindest etwas positiv. „Ist Journalismus in Deutschland prekär?“, fragt der Soziologie-Student Felix Richter (Uni Jena) in seiner Bachelorarbeit. Richters Fazit: „Abschließend lässt sich sagen, dass es durchaus große Probleme im Journalismus gibt, diese jedoch nicht ganz so gravierend […] sind, dass man den ganzen Berufsstand als prekär charakterisieren könnte.“ Wie gesagt: etwas positiv.
Freischreiberiges
Weil das Freischreiber-Titelinterview im Medium-Magazin einigen Staub aufgewirbelt hat, gibt es im aktuellen Heft einen Nachklapp zu den Diskussionen, die seither stattgefunden haben. Es geht um den Presseausweis, um harte und weiche Kriterien und außerdem haben sich Freischreiber-Vorsitzende Carola Dorner und der DJV-Vorsitzende Frank Überall getroffen. Mehr dazu im Medium-Magazin ab Seite 30. (Nur zur Erinnerung: Freischreiberinnen und Freischreiber erhalten auf das Abo 25 Prozent Rabatt.)
Die Freischreiber-Regionalgruppe Südwest hat sich beim Stammtisch in Karlsruhe mit Tabea Grzeszyk getroffen. Die Gründerin der Vernetzungsplattform Hostwriter erzählte von ihren Erfahrungen im grenzüberschreitenden Journalismus. Auf Hostwriter können sich Journalistinnen und Journalisten in aller Welt kostenlos vernetzen – sei es für gemeinsame Recherchen, für Übersetzungshilfen oder auch nur zum Übernachten, um die Spesen bei Auslandsrecherchen in Grenzen zu halten. Tabeas Tipp: Einfach mal ausprobieren!
Auszeichnungen
Freischreiber Stefan Schomann befasst sich seit fast 20 Jahren mit China. Jetzt wurde er zum Ehrenbürger und Kulturbotschafter des Dorfes Ma Jie ernannt. In dem Dorf kommen jedes Jahr Geschichtenerzähler aus dem ganzen Land zu einem spektakulären (und gigantisch großen) Volkskunstfest zusammen. Schomann hat als erster westlicher Journalist über dieses Festival berichtet. Die Bilder der Feierstunde teilt er auf seiner Homepage.
Dies und das:
Ein Foto ist schnell bei Facebook oder Instagram hochgeladen. Aber was genau dürfen die Plattformen damit eigentlich anstellen? Mit dieser Frage befasst sich Freischreiber-Anwalt Stephan Zimprich (Kanzlei Fieldfisher, Hamburg) in einem Podcast unseres Partnerverbands Freelens. Der 38-minütige Audioclip befasst sich mit Vertragsbedingungen, Verwertungsbefugnissen und Lizenzen. Interessant für alle, die hin und wieder ihre Fotos im Netz hochladen. Also für alle.
Apropos Urheber: Wer ab und zu auch für Schweizer Medien schreibt, sollte sich bei der Schweizer Verwertungsgesellschaft ProLitteris registrieren – sozusagen das Pendant zur VG Wort. Beide Verbände kooperieren bei der Ausschüttung. Nur der Aufwand ist bei ProLitteris etwas größer: Dort muss jeder erschienene Artikel (und jedes Foto) einzeln gemeldet werden. Zugegeben, das ist ein bisschen Arbeit. Aber am Ende eben auch ein willkommenes Zubrot.
Noch ein kleiner Blick in die Schweiz: Eva Hirschi geht für die Medienwoche der Frage nach, welche Rolle freie Journalistinnen und Journalisten in den Schweizer Medien spielen. Ihr Ergebnis: Freie sind schlecht bezahlt, aber weiterhin sehr begehrt. Die Langfassung gibt es hier.
Stipendien zu vergeben!
Das Stipendienprogramm „Globale Gesundheit“ des European Journalism Centre (EJC) will innovative Reportagen zum Thema Globale Gesundheit in Entwicklungsländern ermöglichen. Die Stipendien haben einen Wert von je 10.000 Euro (nein, da ist keine Null zu viel). Freie Journalistinnen und Journalisten können sich noch bis zum 27. September bewerben.
Die Reporter-Akademie Berlin vergibt gemeinsam mit ihren Partnern acht Stipendien im Wert von rund je 1.000 Euro an Journalistinnen und Journalisten bis zum Alter von 33 Jahren. Die Stipendien umfassen die Teilnahme an den Intensiv-Workshops „Masterclass Reportage“ und „Gut leben als Freie/r“. Sie werden von der deutschen Reporter-Legende
Michael Obert geleitet. Bewerbungen sind noch bis zum 10. Oktober möglich.
Termine:
Morgen, am Samstag, 23. September, treffen sich die Freischreiber zur Vorstandssitzung in Frankfurt. Um möglichst vielen Mitgliedern einen Einblick in unsere Arbeit zu geben, werden wir die Sitzung, wie bereits angekündigt, für interessierte Mitglieder am Nachmittag öffnen. Anmeldung und Infos unter kontakt [at] freischreiber.de
Der erste Hamburger Stammtisch nach der Sommerpause widmet sich ganz unserem Kernthema: dem freien Journalismus. Dazu wollen wir gerne die Riffreporter vorstellen. Die Riffreporter sind ein Zusammenschluss freier Journalistinnen und Journalisten, sie bieten eine Multimedia-Plattform für Qualitätsjournalismus jenseits etablierter Verlage. Wie genau das funktioniert, erfahren Freischreiber beim Stammtisch am 25. September von Tanja Krämer, Freischreiberin und Riffreporterin aus Bremen.
Am Samstag, 7. Oktober, startet der Freischreiber-Südwest-Tag. Dabei laden die Regionalgruppen Rhein-Neckar, Südwest und Rhein-Main/Frankfurt zum gemeinsamen Stammtisch nach Karlsruhe ein. Bei guten Gesprächen und guter Laune soll es nicht bleiben. Die Steuerjournalistin, Autorin und Moderatorin Constanze Elter gibt einen Workshop rund ums Thema „Verhandlung und Akquise“. Los geht es ab 11 Uhr an der Hochschule für Gestaltung. Und das Beste: Die Veranstaltung steht auch (Noch-)Nicht-Freischreibern kostenlos offen. Anmeldung bis 1. Oktober unter orag-rhein-neckar [ät] freischreiber.de
Journalisten als Marke: Die Berliner Freischreiber treffen sich am Montag, 9. Oktober, um 19:30 Uhr im Wirtshaus Hasenheide (Hasenheide 18) und gehen der Frage nach, was das überhaupt ist, eine Marke? Und ob man als freie Journalistin oder als freier Journalist zu einer werden muss, um am Markt zu bestehen. Als Gäste sind dabei: die Agentur FLMH, die sich auf politische und gesellschaftliche Kommunikation spezialisiert hat. Und Daniel Bouhs, freier Journalist, mit einem Schwerpunkt auf die Themen Medien, Digitales und Netz.
In diesem Sinne: Frohes Schaffen und eine gute Zeit!
Ihre
:Freischreiberinnen und :Freischreiber!
[Der :Freischreiber-Newsletter]
vom 08.09.2017
Liebe Freischreiberinnen und Freischreiber, liebe Kolleginnen und Kollegen,
haben Sie schon mal überlegt diesen Newsletter wieder abzubestellen? Weil Sie doch nicht zum Lesen kommen? Weil Sie erst vorhin einen Newsletter von irgend jemandem angelesen haben und weil nachher noch wieder einer von jemand anderem eintrudeln wird?
Aber dieser Newsletter hier ist anders, ganz anders. Er enthält wichtige Informationen und Anregungen und Tipps und Hinweise, die Sie sonst nirgendwo finden (also kaum). Und die zu kennen, lohnt sich. Das hat gerade Freischreiber Karl Grünberg erfahren. Er las im letzten Newsletter von der Ausschreibung für den Zertifikatskurs Digitaljournalismus plus Stipendium vom forum journalismus und medien in Wien, bewarb sich und hat nun genau dieses Stipendium nebst Kurs in der Tasche. Tja, so geht das.
Einmal ein Stipendium erhalten (oder zwei), davon träumen viele. Auch-mal-so-ein-Buch-schreiben ist noch so ein Traum. Da hätten wir schon wieder einen Tipp, nämlich das frische Buch „Über das Verlegen“ von Alexandra Rotter (Freischreiberin in Österreich und in Deutschland, das nur am Rande). Es erzählt, wie man ein Buch verlegt und was man vorher dazu überlegen und was man bedenken sollte. Und was einen vielleicht auf neue Ideen und überhaupt Schwung in die Sache bringt. Dazu gibt es ein Interview und eine Buchpräsentation mit Podiumsdiskussion. Und da hier viele rezensierende Kolleginnen und Kollegen mitlesen: Rezensionsexemplare mögen unter info@edition-gruenanger.com geordert werden.
Superkühe – und welche Milch trinkst du?
Ihren Traum vom Sensorjournalismus machen gerade die Freischreiber Jakob Vicari und Björn Erichsen samt Team mit dem Projekt „Superkühe“ wahr – eine tierische große Nummer! „In jeder Packung Milch steckt der Grundkonflikt der modernen Landwirtschaft: das Wohl der Tiere gegen die Kosten der Produktion. Die Diskussion über die richtige Milchwirtschaft – bio versus konventionell, Familienbetrieb versus Großhof – wird so kontrovers wie emotional geführt. Dabei weiß kaum ein Verbraucher, wie seine Milch heute tatsächlich produziert wird. „Ist meine Milch ok?“ fragen sich viele. Unsere Antwort: „Frag doch mal die Kuh!“ Denn im Projekt SUPERKÜHE verleiht die neue Sensorstory-Live-Technologie drei Kühen eine Stimme.“ Wie das genau funktioniert, erzählt Björn Erichsen auf dem Sofa des Morgenmagazins.
Vom Kuhstall geht es bei uns direkt weiter ins Theater zu einem anderen spannenden Projekt: vollehalle – Entertainment für eine andere Welt von Freischreiber Kai Schächtele und Martin Oetting samt Team. Worum es geht? Um Journalismus auf der Bühne: „Es heißt ja immer: Uns geht’s blendend in Deutschland. Aber: Das Klima kippt, der globale Finanzsektor taumelt, die Schere zwischen Arm und Reich weitet sich, die Rechten sind auf dem Vormarsch – und das ewige Wirtschaftswachstum? Wie soll das auf Dauer gut gehen?
In einer 90-minütigen Show holen Martin Oetting und Kai Schächtele Antworten auf die Bühne, zu den Tophits der 90er, 2000er und 2010er: Klimawandel, Flüchtlingsströme, industrieller Wandel, Macht der Lobbyisten. Das Publikum: Menschen, die ein Unbehagen spüren, aber nicht wissen wohin damit. Nach der Show haben sie neue Vorstellungen in Kopf und Herz, was zu tun ist. Und wissen, dass das glücklich machen kann. Eine derartige Show zu politischen Themen hat es so noch nicht gegeben. Es ist eine Mischung aus Multimedia-Show, TED-Talk und „Die Anstalt“ vom ZDF. Zwei Menschen auf der Bühne und auf der Leinwand inspirierende Menschen mit neuen Antworten. Premiere am 22. September in Berlin, Tickets gibt es hier.
Freischreiber Frank Keil dagegen steht mit seiner Plattform www.maennerwege.de auf der Longlist für den Buchblog Award und bittet um entsprechende Stimmen. Er stellt wöchentlich das Männerbuch der Woche vor. Männer lesen nicht? Stimmt nicht. Und wenn doch, dann gibt es viele Gründe, das zu ändern. Sagt er.
Noch so ein Erfolg: Freischreiberin Sylvia Meise ist als Fotografin auf die Wiesbadener Fototage eingeladen. Und zwar mit ihrem Projekt „Dementia“. Die Fototage enden am 10. September. Weitere Bilder gibt es hier.
Kurzer Blick zurück & nach vorn
Das Interview mit unserer Vorsitzenden Carola Dorner mit dem „Mediummagazin“ zur nicht immer rosigen Lage der Freien, auf das wir neulich schon hingewiesen haben, hat einigen Wirbel ausgelöst, und so gibt es einen Nachschlag oder Nachtisch. Im kommenden Mediummagazin wird es noch einmal um die Situation der Freien gehen – im Guten wie im Nicht-so-Guten.
Ah – Sie wollten das Mediummagazin schon immer mal abonnieren? Nun – Freischreiber und Freischreiberinnen bekommen 25 Prozent Rabatt (das nur nebenbei).
Dies & Das
Werden wir prosaisch … Und stellen wir die Frage: Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Große, sehr große Frage. Deswegen ist auch die Musik sehr kraftvoll und – ja – fett, wenn man sich in den Podcast von PIQD zu genau diesem Thema einklinkt. Eine Antwort schon mal: „Der beste Journalismus ist der Journalismus, der Zeit hat.“
Und wer gerade die Kopfhörer aufgesetzt hat, der möge doch gleich weiter vorbeihören bei der Edition F. Für diese präsentiert Katharina Alexander die besten Podcasts: von „Der Lila Podcast“ über „Herrengedeck“ und „Banging Book Club“. Auch dabei der Podcast „Talk ohne Gast“: „Till Reiners und Moritz Neumeier verbindet eine lange Hassliebe, die sie inzwischen auch in ihrem Podcast „Talk ohne Gast“ ausleben. Das Gespräch plätschert angenehm dahin und neben Moritz‘ Kindern und Klickmillionen geht es manchmal auch um Politik. Hier schnacken zwei Freunde über dies und das und nicht selten muss man dabei auch in der vollen Bahn laut auflachen.“ Und das ist noch nicht alles – insgesamt eine imposante Mischung.
„Neu gegründete Medienunternehmen gelten als Hoffnungsträger und Impulsgeber im Journalismus. Doch warum werden sie diesen Erwartungen häufig nicht gerecht?“, fragt der Medienwissenschaftler Christopher Buschow in der taz und hat verschiedene Studien zum Dasein der vielgelobten journalistischen Start-Ups ausgewertet. Unter anderem stellt er fest: „Ein Unternehmen im Journalismus zu gründen, bedeutet weitaus mehr und vielseitigere Arbeit als eine Tätigkeit als Freiberufler. Wer glaubt, eine Gründung eröffne neue Freiräume für das journalistische Arbeiten, verkennt deutlich den mit ihr verbundenen Aufwand. Verwaltung, Marketing, Vertrieb und Erlösmodellentwicklung – Aufgaben, die vormals der Verlag übernahm, fallen nun den Gründern zu. „Wenn man wüsste, wie viel Arbeit das ist und wie viel Auf und Ab das gibt, würde man sich nicht auf den Weg machen“, resümiert ein in der Studie befragter Gründer.“ Und stellt später fest: Journalistische Neugründungen seien hierzulande vor allem eines: unterfinanziert.
„Scheitern? Ist doch ganz normal“, heißt es einleitend zu einem wirklich lesenswerten Dossier über das – Scheitern: „Jeder hat sich schon einmal an irgendwas die Zähne ausgebissen. Trotzdem: Darüber reden wollen wenige. In diesem Dossier der katholischen Journalistenschule ifp suchen wir Geschichten über Menschen, die es nicht geschafft haben. Die abgewiesen oder enttäuscht wurden, die nicht so funktionierten, wie sie selbst oder die Gesellschaft sich das vorgestellt haben. Und kamen zu der Erkenntnis: Scheitern muss nicht schlecht sein, im Gegenteil: Man lernt dazu, Neues entsteht. Und wer scheitert, ist nicht automatisch ein Versager.“
Und nochmal kurz – die VG Wort
Mit der Sonderausschüttung ist also wie geplant Ende des Jahres zu rechnen. Und weil wir es uns auch jetzt nicht verkneifen können, auf die Rolle von Martin Vogel hinzuweisen, der Hinweis auf ein langes Interview, das Vogel dem Magazin „Autorenwelt“ von Sandra Uschtrin gegeben hat, die ihrerseits übrigens für den letzten Himmel-Preis nominiert war. In diesem Interview erzählt er nochmal die Geschichte und wagt auch einen Ausblick in die Zukunft.
Diesen Konflikt „strukturiert und einigermaßen verständlich zusammenzufassen und den gegenwärtigen Stand zu beschreiben, ist – de lege lata oder de lege ferenda – fast unmöglich“, schreibt dazu der Kollege Albrecht Götz von Olenhusen. Und holt sehr tief Luft und erzählt noch einmal, getragen von großem Wissen, die Geschichte des jüngsten VG Wort-Konfliktes. Ein Text für eine ruhige Stunde, die man sich zuweilen ja auch mal gönnen sollte.
Kleines Detail am Wegesrand: Rund 26.000 Autoren haben auf den ihnen bisher zustehennden Verleger-Anteil der VG-Wort-Zahlungen aus den Jahren 2012 bis 2015 verzichtet – dabei scheinen kleinere Verlage besser wegzukommen als die große Häuser. Was diese vielleicht mal zum Nachdenken verführen sollte, warum ihre Autoren ihnen gegenüber nicht so großherzig sind.
Aber – die VG Wort ist nicht nur böse. Es gibt auch eine interessante Hilfestellung: Denn hinzuweisen ist auf das Angebot der VG Wort, einen Zuschuss zur Alterssicherung (AVW II) von bis zu 7.500 Euro zu gewähren, wenn man zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr eine vermögenswirksame Maßnahme in Höhe von 15.000 Euro abschließt (Sparvertrag, Kapital-Lebensversicherung, private Rentenversicherung). Was man braucht, ist eine laufende vermögenswirksame Maßnahme oder man schließt eine neue ab. Informationen gibt es dazu hier und bei der VG Wort selbst. Bedingung: Man muss in der KSK sein und wahrnehmungsberechtigt bei der VG-Wort. Mitglied der VG Wort muss man nicht sein. Ansprechpartnerin beim zuständigen Autorenversorgungswerk ist Karin Leidenberger und man soll sich wirklich nicht scheuen, sie zu kontaktieren, ruhig per Telefon: 089/51412-42. Oder per Email: karin.leidenberger-at-vgwort.de.
Um Geld geht es auch bei dieser Petition, die der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) e.V. initiert hat. Die Forderung: einkommensabhängige Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Der Hintergrund: Gesetzlich versicherte Selbstständige müssen hohe Mindestbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen. Diese machen teilweise mehr als 40 Prozent ihres Einkommens aus. Viele der Betroffenen sind Frauen und Teilzeit-Selbstständige. Die meisten freien Journalistinnen und Journalisten sind durch die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse davon nicht betroffen, aber nicht alle Freien sind in der KSK. Also: Schaut doch mal hier vorbei.
Preise & Ausschreibungen
Gestartet ist wieder das Rennen um den deutschen Reporterpreis. Vergeben wird er in zwölf Kategorien, eingereicht werden können alle deutschsprachigen Texte, Multimedia-Beiträge und Projekte, die zwischen dem 1. Oktober 2016 und dem 30. September 2017 veröffentlicht wurden. 90 Vorjuroren aus mehr als 30 verschiedenen Redaktionen sichten die Einreichungen und nominieren in jeder Kategorie die besten Arbeiten. Texte aus der eigenen Redaktion liegen einem Vorjuror nicht vor. Die nominierten Arbeiten werden auf der Website des Reporter-Forums vorgestellt. Eingereicht werden müssen die Arbeiten bis zum 2. Oktober.
Ein weiterer Preis, für den Ihr Euch bewerben könnt, ist der Medienpreis Politik. Dazu schreibt der Ausrichter: „Dieser würdigt hervorragende publizistische Arbeiten – sei es in Tages- oder Wochenzeitungen, in regionalen oder überregionalen Medien, in Printmedien, Online-Medien oder in Rundfunk und Fernsehen –, die zu einem vertieften Verständnis parlamentarischer Praxis beitragen und zur Beschäftigung mit den Fragen des Parlamentarismus anregen.“ Und weiter: „Der eingereichte Beitrag muss zwischen dem 1. Oktober 2016 und dem 30. September 2017erschienen sein. Einsendeschluss ist der 6. Oktober 2017.“ Es gibt im Fall des Falles 5.000 Euro, die dann die neue Präsidentin oder der neue Präsident des bis dahin neu konstituierten Bundestages überreicht.
Und noch aus einem Brief wollen wir zitieren, der uns erreicht hat: „Liebe Freischreiber-Redaktion, im Oktober 2017 beginnt mit VR Future Storytelling im Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ) in Potsdam das erste modulare Bildungsprogramm für Storytelling mit Virtual Reality & Co.“ Ein Angebot, das sich insbesondere an Journalisten, Studierende, Online‐Entwickler, Producer und weitere Kreative aus den Bereichen Rundfunk, Kommunikation und Bildung richtet: „Es umfasst zehn Basis‐ und Intermediate‐Workshops sowie einen mehrteiligen Praxisblock. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren unter anderem, wie sie Virtual Reality, Augmented Reality, 360°‐Video und Co. effektiv für die Vermittlung von Inhalten einsetzen können. Interessierte können sich ab sofort für das Programm bewerben. Die Workshops können einzeln, im Teilmodul oder als Gesamtprogramm belegt werden. Wäre diese Ausschreibung vielleicht für die Leser Ihres Newsletters interessant?“ Aber klar doch! Und hier geht es nun lang!
Nicht unspannend ist auch ein Stipendium für lösungsorientieren Journalismus: „In Kooperation mit der Schöpflin-Stiftung haben wir ein neues Stipendienprogramm ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, lösungsorientierten Journalismus zu fördern“ (Ausschreibung). Zwei Themen stehen auf der Agenda: „Familie 2020“ und „Einsamkeit“ und man könnte jetzt keck fragen, wie diese beiden Themenfelder vielleicht-vielleicht zusammenhängen… Aber das wollen wir jetzt nicht tun, sondern zitieren weiter: „Die Ergebnisse der Schöpflin-Stipendien sollen stets in Partner-Medien veröffentlicht werden. Partner für die ersten beiden Stipendien ist das enorm Magazin. Daneben sind auch Veröffentlichungen in anderen Medien möglich.“ Bewerben können sich hauptberufliche Journalisten und Journalistinnen, mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung; auch Teams mögen sich bewerben. Das Stipendium ist mit 2.000 Euro dotiert. Bewerbungschluss ist der 10. September, Ansprechpartner Jonathan Widder unter jonathan.widder-at-noahsfund.org. Was heißt: ranhalten!
So. Das war’s schon wieder. Wir sparen uns diesmal einen inhaltlichen Rausschmeißer wie sonst und bekennen nur: Auch dieser Newsletter wurde wieder mit viel Liebe geschrieben.
In diesem Sinne bleiben Sie dabei und uns gewogen
Ihre
Freischreiber
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[Der :Freischreiber-Newsletter]
vom 30.07.2017
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ein Thema, das uns alle angeht – nicht nur die Freien –, hat die Otto-Brenner-Stiftung dieser Tage beackert. In seiner streitbaren Studie „Die Flüchtlingskrise und die Medien“ fragt Prof. Dr. Michael Haller: „Haben Medien angemessen, fair und informativ berichtet oder waren sie mehr politischer Akteur als objektiver Beobachter?“ Nach Sichtung von über 30.000 Zeitungsberichten kommt der Studienleiter zu dem Schluss, die Massenmedien hätten häufig die „Losungen der politischen Elite“ wiedergegeben, statt sich für die Lebenswirklichkeit des Publikums zu interessieren. Erst nach der Silvesternacht 2015/16 hätten sich Journalistinnen und Journalisten wieder verstärkt der „realen Wirklichkeit hinter der wohlklingenden Willkommensrhetorik gewidmet.“
Haben die Lügenpresse-Rufer also Recht? Haben die Medien versagt, wie etwa Die Zeit schlussfolgerte? So wollte die Otto-Brenner-Stiftung ihre Studie dann doch nicht verstanden wissen. Derartige Schlussfolgerungen seien eine „(über)pointierte Zuspitzung“ und „bedenkliche Akzentuierung“, schreibt die Stiftung. Wer sich ein eigenes Bild machen möchte: Die Studie ist im Internet kostenlos abrufbar.
Dumping-Honorare gibt es in unserer Branche leider viel zu oft. Dass man sich nicht damit abfinden muss, zeigt der Fall einer freien Journalistin, die sich vor Gericht wehrte. Die Funke-Gruppe muss ihr nun 8000 Euro nachzahlen. Die Journalistin hatte für ihre Beiträge in einer Lokalzeitung ein Zeilengeld von 20 Cent erhalten. Und für Fotos 7 bzw. 11 Euro – eine unterirdische Bezahlung, die sogar noch weit unter den (von den Verlegern inzwischen gekündigten) Gemeinsamen Vergütungsregeln lag. Mehrere Urteile in ähnlichen Fällen stehen derzeit noch aus.
Freischreiberiges
Die Freischreiber Regionalgruppe Südwest hat sich in Straßburg mit „We Report“ getroffen. Die Mitglieder des französischen Autorenkollektivs tun sich regelmäßig zusammen, um spannende grenzüberschreitende Geschichten zu machen, zum Beispiel über Korruption in Albanien, Minenarbeiter in Kambodscha oder „Anti-Macron-Bots“ aus Russland. Beteiligt bei „We Report“ ist Freischreiber Robert Schmidt, der seit mehreren Jahren in Frankreich lebt. Schmidt würde sich über weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter sehr freuen: „Für gute Geschichten suchen wir immer Verstärkung“, sagt Schmidt. „Nur so können wir Recherchen machen, die ein Einzelner niemals stemmen könnte.“ Wer also Lust hat: Einfach mal bei Schmidt anklopfen.
Freischreiber-Vorstandsmitglied Jacob Vicari hat Post von Google bekommen: Sein Antrag bei der „Digital News Initiative“ wurde bewilligt. Beim Projekt „Smart-Mirror“ widmet sich Vicari der Frage, wie sich Journalismus an die Kontexte seiner Leser anpassen muss. Zum Beispiel durch smarte Nachrichtenmöbel fürs Badezimmer. Die Zahnbürste spielt dann einen persönlichen Newsstream ab – die des Partners einen anderen.
Und noch ein weiteres interessantes Projekt von Jacob Vicari: der „Story Trolley“. Dabei handelt es sich um einen Einkaufswagen, der journalistische Geschichten erzählt. Immer wenn man ein Produkt hineinlegt, informiert er über das Produkt. Die Landeszeitung hat berichtet.
Dies und das“
Traurig, aber wahr: Auch in Deutschland geraten Journalistinnen und Journalisten ins Visier der Geheimdienste – die Akkreditierungsposse beim G20-Gipfel hat das wieder einmal bestätigt. Netzwerk Recherche (NR) weist darauf hin, dass die deutschen Geheimdienste verpflichtet sind, Auskunft über gespeicherte Daten zu erteilen. Damit die Anträge schneller gestellt werden können, hat NR einen Auskunftsgenerator erstellt. „Ziel dieses Projektes ist, in Zeiten der zunehmenden Massenüberwachung den Diensten zu zeigen, dass ihr Handeln von der Öffentlichkeit kritisch beobachtet wird“, schreibt NR. Hier geht es direkt zum Generator.
„Haben Sie eigentlich noch alle Propeller in der Düse?“, fragt die Schriftstellerin Nina George in einer flammenden Wutrede auf Facebook. Auslöser war eine Anfrage, die die Lufthansa an sie gestellt hatte: Die Airline, die mit dem Hörbuch-Portal Audible zusammenarbeitet, wollte eines von Georges Werken im Bordprogramm anbieten – gegen eine Pauschale von 150 Euro. Da platze der Autorin, die sich seit Langem für ein gerechteres Urheberrecht einsetzt, der Kragen. Wir können ihre Antwort aber auch gerne zusammenfassen: „Nein, danke!“
Einen Zuschuss von 1000 Euro für die nächste Auslandsrecherche bietet das Hostwriter-Stipendium. Ausgelobt wird es für Journalistenteams, die eine grenzüberschreitende Recherche planen. Bewerbungsschluss ist der 31. Juli, und zwar hier.
Seminare, etc.
Digitales Arbeiten wird immer wichtiger, will aber gelernt sein. Das Forum Journalismus und Medien Wien (fjum) organisiert einen ausführlichen „Zertifikatskurs Digitaljournalismus“, in dem es um crossmediales Storytelling, Online-Recherche und Mobile Reporting geht. Die vier Blocktermine sind am 2. bis 6. Oktober 2017, 20. bis 24. November 2017, 5. bis 9. März 2018 sowie 23. bis 27. April 2018. Und jetzt das Beste: Das fjum lobt Recherchestipendien für freie Journalisten aus. Der normalerweise 4900 Euro teure Kurs ist dann für 400 Euro zu haben. Bewerbungsschluss ist der 31. Juli.
In diesem Sinne: Frohes Schaffen und eine gute Zeit!
Ihre
:Freischreiberinnen und :Freischreiber!
Termine:
Sommertreffen mit Bots am 10. August: In Mainz erklärt ARD.de-Mann Martin Walter, wie man die nützlichen Helfer journalistisch einsetzen kann. Anmeldung bei den Mainzer Freischreibern. Anmeldung hier.
Stammtisch in Köln. Am 22. August um 19.30 Uhr im Biergarten am Aachener Weiher. Freie aus Köln, Düsseldorf, Bonn, Aachen und Umland treffen sich zum zwanglosen Austausch. Anmeldung hier.
[Der :Freischreiber-Newsletter]
vom 13.07.2017
Liebe Freischreiberinnen und Freischreiber, liebe Kolleginnen und Kollegen,
erst mal möchten wir ein bisschen Stolz zeigen, weil wir nämlich stolz sind. Denn unsere neue Freischreiber-Vorsitzende Carola Dorner hat es mal eben auf die Titelseite des „medium magazin“ geschafft. Und ist nicht nur Covergirl, sondern gab der Fachzeitschrift ein umfassendes Interview – zur Lage der freien Journalisten und Journalistinnen. Eines ihrer Statements: „Wir müssen uns mit Verträgen beschäftigen, die zum Teil immer unverschämter werden.“ Weshalb wir Freischreiber „perspektivisch auch an das Thema Mindesthonorare rangehen werden“. Und sie rechnet vor, was freie Journalisten auf eben dem freien Markt bezahlt bekommen müssten, sollen sie wie ihre festangestellten Kollegen die ihnen übertragene Arbeit vernünftig erledigen: 461,50 Euro Tagessatz oder 57,40 Euro Stundensatz. Schließlich müssten Freie Kranken- und Urlaubsgeld mitverdienen und zahlreiche Ausgaben selbst tragen. Fazit: „Man muss sich als Redaktion schon entscheiden, ob man einen Experten von außen nimmt – und das sollten die Freien ja sein – oder einen Tagelöhner, den man im Grunde genommen enteignet.“
Wir wünschen inspirierende Lektüre! Übrigens: Freischreiber-Mitglieder bekommen einen Rabatt auf das MediumMagazin-Abo. Und Mitglied bei uns Freischreibern kann man übrigens ganz einfach hier werden.
Und jetzt zu einem anderen Dauerbrenner – der VG Wort!
Denn viele entdeckten in diesen Tagen auf ihren Konten Überweisungen von der VG Wort: Hurra, die Tantiemen sind da! Aber Moment mal, da war doch was mit den Anteilen an Verlagen, einem neuen Verteilungsplan und freiwilligen Abtretungen? Und jetzt übernimmt kurz Henry Steinhau, einer von Freischreibers VG-Wort-Experten:
„Ja, genau, wir hatten darüber in der Vergangenheit nicht nur immer wieder informiert, sondern uns auch hartnäckig eingesetzt, dass – dem Vogel-Urteil des Bundesgerichtshofs entsprechend – die Verteilungspraxis der VG Wort geändert wird. Das hatte sie bei ihrer jüngsten Mitgliederversammlung in München dann auch beschlossen. Und was nun passiert ist und noch passieren wird, hier einmal kurz zusammengefasst (so weit man sich bei der VG Wort kurz fassen kann …): Die Hauptausschüttung für 2016, die es nun gab, ist zunächst „nur“ ein Abschlag der jährlichen Hauptausschüttung an alle Wahrnehmungsberechtigten für alle in 2016 gemeldeten Beiträge. Berechnet ist der Betrag allerdings noch nach dem alten Verteilungsplan, und ist daher als „Abschlag“ zu sehen. Denn der alte Verteilungsplan sah vor, dass Verlage mal 50 Prozent, mal 30 Prozent der Urheber-Tantiemen abbekamen. Dies ist zwar revidiert, aber nach einer Gesetzesänderung und mittels einer Übergangsregelung können AutorInnen freiwillig Tantiemenanteile an Verlage abtreten, wenn sie dies der VG Wort schriftlich und für die Verlage anonym erklären. Hierfür hat die VG Wort eine Frist bis Ende September gesetzt. Daher hält sie einen Teil der eingesammelten Vergütungen noch bei sich. Und schaut dann, wie viele AutorInnen verzichten auf ihren Anteil, wer verzichtet nicht (was wir dringend empfehlen!) – und zahlt dann erneut mit einer zweiten Ausschüttung die einbehaltenen Anteile aus. Und dann müssten 100 Prozent der gesetzlichen Vergütungen bei euch als Urheber*innen eingegangen sein – abzüglich kleinerer Beträge für Verwaltungskosten, Sozialfonds und dem Autorenversorgungswerk der VG Wort. Wohlbemerkt: alles auf das Jahr 2016 bezogen! Rückzahlungen für 2012 bis 2015 kommen extra! Nämlich bestehend aus den fälschlich an die Verlage ausgezahlten Tantiemen aus den Jahren 2012 bis 2015. Diese musste die VG Wort zunächst von den Verlagen zurückfordern. Da diese hierfür noch Zeit, sprich Aufschub erhalten haben, wird die nachträgliche Ausschüttung wohl erst Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres erfolgen. Von daher – das Geld kommt. Es ist nur etwas länger unterwegs.“
Und wo wir gerade mit der VG Wort durch die Welt wandern: hier findet sich eine Zusammenfassung aus der Sicht des Börsenvereins und hier das VG Wort kritische Portal vginfo.org.
Freischreiberiges
„Wie sollen Journalisten mit Menschen sprechen und über sie berichten, denen schweres Leid zugefügt wurde?“ Haben sich Freischreiber Andreas Unger und seine Kollegin Gisela Mayer gefragt. Und sie haben einen Ratgeber geschrieben, in dem Experten aus unterschiedlichen Perspektiven zu Wort kommen: Traumatologen, eine Kriminologin, ein interkultureller Trainer, ein Journalist und die Mutter einer getöteten Tochter: „Die Antworten dienen einem gemeinsamen Ziel: Wege der Recherche und der Berichterstattung zu zeigen, die fair gegenüber unseren Protagonisten sind und zu besserem Journalismus führen.“ Herausgegeben hat den Ratgeber die Deutsche Journalistenschule; finanziert hat ihn die umtriebige Robert Bosch Stiftung. Denn das Gute ist: Es gibt einen kostenlosen Download als e-book und als pdf.
Bleiben wir beim Guten, denn die beiden Hamburger Freischreiber Daniel Hautmann und Bastian Henrichs arbeiten gerade an einem ehrenamtlichen Projekt: NACHTSCHICHT: „In einer Nacht treffen Unternehmen und Selbständige aus der Kreativbranche auf Vertreter gemeinnütziger Organisation und stellen ihr Know-how zur Verfügung. Dabei entstehen strategisch sinnvolle Kommunikationsmaßnahmen (wie z.B. Broschüren, Flyer, Plakate, Info- oder Schulungsmaterialien), eine maßgeschneiderte Corporate Identity, Drehbücher für einen Imagefilm oder Kampagnen. Eben genau das, was von den Non-Profit-Organisationen (NPO) dringend benötigt wird – und wofür allzu oft die finanziellen Mittel fehlen. Und das Beste: Die Aufträge werden während der NACHTSCHICHT in Abstimmung mit den NPO direkt erledigt. Die erste Veranstaltung in Hamburg steigt am 3. November im betahaus in der Schanze. Dafür startet jetzt die Bewerbungsphase. Zeitgleich suchen wir Kreative, die die NPOs am 3.11. betreuen und mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Gehen wir rüber zu Freischreiber Stefan Schomann: Der berichtet seit bald zwanzig Jahren aus China. Nun ist in der Reihe „Lesereisen“ des Picus Verlags ein aktueller Band mit literarischen Reportagen erschienen: „China – Streifzüge durch ein Weltreich“: „Er erzählt, wie Dorfschullehrer Li Jia-hong eine neue Menschenaffenart entdeckte. Oder wie Seilläufer Semaiti Aishan hoch über der Schlucht eine Entscheidung traf. Wie Datong seine Vergangenheit neu erfand und Shanghai seine Zukunft. Oder warum Ferdinand von Richthofen stets einen Bleistift um den Hals trug. Und wie Zhao Tao mit der uralten Kunst des Erzählens nicht nur ein ganzes Dorf in ihren Bann zog, sondern ihren künftigen Ehemann gleich mit.“
Und einmal unterwegs, geht es durch den Iran. Mit dem Fahrrad. Mit zwei Fahrrädern! Unterwegs waren Freischreiber Christoph Borgans und Freischreiberin Katharina Müller-Güldemeister. Und erzählen über ihre Reise mittels eines dialogischen Tagebuchs: „Am Abend brechen wir auf. Katharina fährt komische Schlenker. War sie nicht mal Fahrradkurierin?“, fragt sich Christoph. Katharina hat bald ganz andere Sorgen: „Drei Tage schon unterwegs? Höchste Zeit zum Haarewaschen! Aber wo? Während sich Christoph mit Flusswasser rasiert, bleibe ich noch liegen. Christoph lockt mich mit frisch gebrühtem Kaffee. So lecker, wie es klingt, ist es aber nicht. Das liegt nicht nur am Kaffeesatz. Ich vermisse Espressokocher und Milchschäumer. Immerhin kommt mir das Wetter bei der Frisur zu Hilfe: Nasse Haare sehen besser aus als fettige.“ Und natürlich gibt es auch eine Facebook-Seite.
Venezuela dagegen ist schon lange kein Reiseland mehr. Dort hat sich wiederum Freischreiberin Sandra Weiss umgeschaut und veröffentlicht nun mit „Venezuela – Chroniken einer gescheiterten Revolution“ ihr erstes ebook: „Es ist eine Sammlung meiner besten Reportagen, Analysen und Interviews aus den letzten 18 Jahren. Sie erzählen von Aufstieg und Fall des Hugo Chávez und von einem Land im permanenten Ausnahmezustand. Wichtige Lektüre für alle, die den Hintergrund der aktuellen Krise besser verstehen wollen.“
Dies & Das
“Können freie Journalisten noch vom Schreiben „auf Zeile“ leben?“ hat sich das Medienmagazin „Zapp“ mittels eines Beitrages von Daniel Bouhs gefragt. Und sich beim letzten Freischreibertag in Frankfurt am Main umgehört: „Das Ergebnis ist alarmierend, denn es werden Honorare gezahlt, die den Journalismus ausbluten lassen.“ Sehr schöner Bericht, der ohne großes Jammern vieles auf den Punkt bringt.
Und noch einmal geht es ums Geld – in einem Beitrag von „Impulse“-Blogger Sven Franzen, in dem er sich vom Erstmal-umsonst-arbeiten-und-dann-weitersehen verabschiedet: „Ich frage Kunden: „Würden Sie umsonst arbeiten?“ Neuen Kunden sage ich das ziemlich direkt. Wenn sie im Vorfeld Leistungen sehen wollen, ohne dafür zu bezahlen, hilft mir ein Coaching-Ansatz. Ich frage: „Was genau ist Ihr Job?“ Und dann: „Würden Sie persönlich denn ohne Honorar arbeiten?“ Das verneinen die meisten. Und ich habe einen Anknüpfungspunkt, um meine Position zu erklären. Meine Aufgabe ist es dann, den Kunden an die Hand zu nehmen und zu erklären, was passiert, wenn er uns beauftragt – ohne schon eine konkret ausgearbeitete Strategie zu verraten. Letztlich ist es dann eine Entscheidung des Kunden: Will ich Qualität? Oder will ich einfach nur irgendetwas gemacht haben, um eine Checkbox auf meiner To-Do-Liste abhaken zu können? Wer Qualität will, der muss auch dafür bezahlen.“
Ist der gemeinnützige Journalismus womöglich eine Alternative? Fragt sich das Portal „Redaktionszukunft.de“ und hebt an zu einer Hymne auf den Journalismus, wo es nicht um Profit und wirtschaftlichen Erfolg geht: „ Die erzielten Einkünfte dienen allein dem Projekt. So kann der Fokus der publizistischen Arbeit auf die Recherche gelegt werden und die Themenauswahl ist nicht an Aktualität, Auflage- oder Klickzahlen gebunden.“ Und weiter: „Die meisten Projekte wollen Themen bedienen, für die in den kommerziellen Medien kein Platz ist, und Zielgruppen erreichen, an die der öffentlich-rechtliche Journalismus mit seinen Radio- und Fernsehangeboten nicht herankommt. … Die Projekte finanzieren sich größtenteils durch Zuwendungen von Stiftungen und Spenden von Lesern, aber auch durch Werbeeinnahmen und Abos. Durch die gemischte Finanzierung wird der Abhängigkeit von einzelnen Geldgebern vorgebeugt.“ Aber: „Dass man vom Nonprofit-Journalismus leben kann, stellt dennoch eher die Ausnahme dar. Viele Redakteure und Projektleiter arbeiten nicht nur gemeinnützig, sondern auch ehrenamtlich.“
Seminare, etc.
Da schauen wir in den Oktober, denn vom 16. – 21. Oktober 2017 folgt der 25. Freelens Multimedia Workshop mit Freischreiber Uwe H. Martin/Bombay Flying Club und Oliver Eberhardt an der Akademie für Publizistik in Hamburg. Und dahinter verbirgt sich „ein intensiver sechstägiges Praxisworkshop, in dem neben den Grundlagen der Interviewführung, Ton- und Filmaufnahme und des Videoschnitts vor allem das Storytelling für Webdocumentaries im Vordergrund steht und jeder einen eigenen kurzen Multimediafilm fertig stellt. Informationen und Anmeldung hier. Ergebnisse der im Workshop entstandenen Filme, kann man hier schauen. Es gibt einen Freischreiber Sonderpreis von 980 € statt der normalen 1380 €. Durch Bildungsgutscheine kann der Preis zusätzlich um die Hälfte gesenkt werden. Alternativ gibt das Projekt „Die Halbe Miete“ 250 € dazu.
Und noch ein Seminar: „Von der 4. Gewalt zur Lügenpresse und zurück?! Die Rolle der Medien im Wandel der Zeit“, das vom 4.12.2017 bis 8.12.2017 in der Akademie Frankenwarte in Würzburg ausgerichtet wird. Der Journalist Martin Koch lädt ein, sich mit dem Einfluss der neuen Medien auf das Nutzungsverhalten und Fragen der Presse- und Meinungsfreiheit sowie der Manipulation durch die Medien näher auseinanderzusetzen.
Und gerne helfen wir auch immer wieder jungen Leuten wie der Masterstudentin Laura Guest an der Uni in Mainz und posten hier ihren Aufruf: „Ich führe für meine Masterarbeit eine kleine Befragung zum Thema „Krisenkommunikation von Unternehmen“ durch und brauche dafür eure Hilfe. Wenn ihr gerade kurz Zeit habt, wäre es super, wenn ihr ein paar Fragen beantwortet, es dauert auch nur fünf bis maximal zehn Minuten. Und ihr könnt den Fragebogen natürlich auch am Smartphone ausfüllen. Vielen Dank schon mal!“ Und hier geht es lang.
So. Das wars schon wieder. Freischreiber-Newsletter wird den Rest des Tages mit Tagträumen verbringen. Sich einfach hinüberbeamen in eine andere Welt, wo es keine G20-Gipfel und keinen Unsinn gibt; keine Rücktrittforderungen, keine Schuldzuweisungen und keine Wahlkämpfe. Und legt dazu ein paar alte Videobänder und neue DVDs ein und schaut sich Filme an, in denen Zeitungen einen Rolle spielen. Denn: „Zeitungssterben hin oder her: Im Kino ist Print noch nicht tot. Die Popkultur hat einige ruhmreiche Blätter zu Tage gefördert. Wie heißt es so schön? Papier ist geduldig. Insbesondere, wenn es auf Celluloid gebannt wurde. Hier sind zehn fiktive Zeitungen, die Filmgeschichte schrieben.“
Und Patrick Torm erzählt uns, wie sich bei “Citizen Kane“ der echte „San Francisco Examiner“ in den fiktiven „New York Daily Inquirer“ verwandelte, wie in „Total Recall“ mit Mister-heute-Klimaschützer Arnold Schwarzenegger die „Mars Today“ gelesen wurde und wie in „Grand Budapest Hotel“ die Hotelgäste zu einem ganz besonderen Blatt greifen: dem „Trans-Alpine Yodel“.
In diesem Sinne und kommen Sie gut durch den Tag
Ihre
:Freischreiberinnen und :Freischreiber!
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[Der :Freischreiber-Newsletter]
vom 23.05.2017
Liebe Freischreiber und Freischreiberinnen, liebe Kolleginnen und Kollegen,
ein extra Newsletter! Denn die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung der VG Wort hat in München getagt. Und? Na, es ist in etwa so wie bei Bundestagswahlen: Alle haben gewonnen!
Gelegenheit daher, uns mal die Feinheiten anzuschauen – also die Ergebnisse.
Und ein solches wichtiges ist erst mal, dass die VG wieder einen rechtskräftigen Verteilungsplan hat – beschlossen mit großer Mehrheit. Und dieser Plan sieht vor, dass die Autoren und Autorinnen selbst entscheiden können, ob sie den Verlagen gegenüber, für die sie schreiben und arbeiten, auf die Anteile verzichten, die die Verlage für sich beanspruchen. Anders gesagt: Ist man mit seinem Verlag zufrieden und vielleicht auch mehr als das, tritt man diesem gegenüber Ansprüche ab.
Ist man nicht zufrieden (oder weniger als das), oder ist man grundsätzlich der Meinung, dass die Ausschüttungen der VG allein den Autorinnen und Autoren zustehen und eben nicht den Verlagen, da diese keine Urheber im eigentlichen Sinne sind, dann verzichtet man nicht. Und da das Verfahren weiterhin anonymisiert ist, erfährt auch kein Verlag, wer von seinen Autoren auf seine Ansprüche verzichtet hat oder wer nicht.
„Mit dem neuen Verteilungsplan ergibt sich für Urheber eine ideale Situation“, urteilt unsere neue Freischreiber-Vorsitzende Carola Dorner. Und weiter: „Mit der freiwilligen Abtretung muss sich die behauptete Gemeinschaft zwischen Urheber und Verleger immer wieder aufs Neue beweisen. Eine faire Regelung für beide Seiten.“ Die Freischreiber-Presseerklärung in vollendeter Schönheit gibt es hier.
Und so bewertet die VG Wort selbst in einer Presseerklärung das Ergebnis: „Mit den neuen Verteilungsplanregelungen wurde die Grundlage dafür geschaffen, dass die VG WORT die gemeinsame – sehr erfolgreiche – Rechtewahrnehmung für Urheber und Verlage fortsetzen kann. Ein wichtiger Schritt in die Zukunft ist gelungen.“ Auf Uebermedien kommt Freischreiber Stefan Niggemeier zu folgendem, etwas anderem Schluss: „Der nun beschlossene Verteilungsplan ist insofern tatsächlich ein drastischer Bruch mit der früheren Praxis: Jeder Urheber in der VG Wort bekommt 100 Prozent dessen, worauf er gesetzlich einen Anspruch hat, es sei denn, er verzichtet einzeln, ausdrücklich und (zumindest formal) freiwillig darauf.“ Und er bietet auch eine schöne atmosphärische Beschreibung: „Hinrich Schmidt-Henkel vom Verband der Literaturübersetzer war ganz ergriffen von dieser Revolution. „Das ist eine unglaubliche Sache“, rief er in den Saal. Der ehemalige Freischreiber-Vorsitzende Benno Stieber wies ihn darauf hin, dass diese unglaubliche Sache schlicht geltendem Recht entspreche, das nun endlich auch der Verteilungsplan widerspiegele. Zu verdanken sei dies Martin Vogel.“ Der äußert sich übrigens auch sehr lesenswert bei übermedien.de in den Kommentaren.
Der VG-Wort-kritische Blog vginfo.org bleibt kritisch und schreibt: „Genauer wollte offenbar kaum einer hinschauen, zum Beispiel auf die konkreten Quoten, nach denen Verlage im Falle einer solchen Zustimmung beteiligt werden sollen. Je nach Ausschüttungsart werden die Verleger dabei in Zukunft bis zu 75 Prozent des auf ein bestimmtes Werk entfallenden Gesamtbetrags erhalten. Auch die an den Verhandlungen beteiligten Vertreter hatten sich, wie sie auf der Versammlung freimütig einräumten, für solche Details nicht sonderlich interessiert. Dass die Urheber zukünftig selbst entscheiden können, ob sie überhaupt etwas abgeben wollen oder nicht, reichte den meisten. Hinzu kam die Sorge, mit einem neuen Streit die geplanten Ausschüttungen weiter zu verzögern.“
Nicht uninteressant wie der Börsenverein – grob: die Interessenvertretung der Verlage – die Versammlung bilanziert: „Das heute vorgestellte Ergebnis ist ein starkes Zeichen der Solidarität. Es beweist, wie eng und symbiotisch das Verhältnis von Buch- und Zeitschriftenautoren zu ihren Verlagen ist und wie sehr sie die Leistungen der Verlage schätzen. Die Zahl ist beachtlich, zumal geschätzt nur etwa jeder siebte wahrnehmungsberechtigte Verlag Verzichtserklärungen bei seinen Autoren eingeholt hat bzw. die Möglichkeit dazu hatte“, so Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.
„Symbiotisch“ – ob dieses Adjektiv wohl von vielen Autoren und Autorinnen mitgetragen wird? Der Börsenverein argumentiert da wie folgt: „26.079 Autorinnen und Autoren hätten auf Nachausschüttungen von Geldern verzichtet, um ihre Verlage von Rückforderungen der VG Wort aufgrund einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom April 2016 zu bewahren.“
Nun – unser zweiter Vorname ist „Recherche“ und wir haben mal eben recherchiert: Gibt es doch, konservativ geschätzt, aktuell rund 150.000 wahrnehmungsberechtigte Autoren und Autorinnen. Da haben also gut 124.000 nicht auf ihre Ansprüche verzichtet. Oder rechnen wir da irgendwie falsch?
Wie auch immer: Es wird noch ein wenig dauern, bis das Geld, das nun nach der erfolgten Einigung ausgeschüttet werden kann, auch ausgeschüttet wird. Für das vergangene Jahr – also 2016 – etwa gilt Folgendes: „Der Übergangs- und Ergänzungsverteilungsplan sieht für die Ausschüttungen in 2017 (für 2016) vor, dass bei gesetzlichen Vergütungsansprüchen die Autoren zunächst eine Abschlagszahlung erhalten. Danach können die Ausschüttungsempfänger bis zum 30.9.2017 entscheiden, ob ihr jeweiliger Verlag beteiligt werden soll und ggf. eine entsprechende Zustimmung gegenüber der VG WORT erklären. Erfolgt keine Zustimmungserklärung, erhält der Autor anschließend noch den zu 100 % fehlenden Anteil auf der Grundlage der neuen Verteilungsplanregelungen. Stimmt der Autor der Verlegerbeteiligung zu, erhält der Verlag seinen Anteil auf der Grundlage der im Verteilungsplan festgelegten Quoten.“
Und ansonsten, etwa was die Rückzahlung der jahrelang fälschlich ausgezahlten Ausschüttungen an die Verlage betrifft, die nun den Autoren zustehen: „Detaillierte Informationen u. a. zu den diesjährigen Ausschüttungsquoten sowie zum Stand der Rückforderungen gegenüber Verlagen werden in Kürze auf der Homepage veröffentlicht und mittels Newsletter ausgesandt.“ Es wird also noch etwas dauern, bis der von FAZ prognostizierte Geldsegen von einer halben Milliarde auf uns alle herniederprasselt.
Wer sich übrigens für den aktuellen Geschäftsbericht der VG Wort interessiert, hier findet er sich herunterladbar.
Und nun kommt noch ein „Aber“, denn es gibt ein weiteres „Aber“: Es ist zu erwarten, dass die Verlage in Berlin und noch mehr auf EU-Ebene versuchen, die soeben getroffene Entscheidung wieder zu verändern – hin zu einer festzuschreibenden Quote an Ausschüttungsanteilen für die Verlage (die dann nicht mehr freiwillig vonseiten der Autoren wären). Und der Börsenverein klingt da schon ganz rollig, wenn er verkündet: „Von dem neuen, in München beschlossenen Verteilungsplan werden die Verlage erst dann in vollem Umfang profitieren können, wenn der europäische und der nationale Gesetzgeber die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesgerichtshofs zur Unzulässigkeit einer pauschalen Verlegerbeteiligung an den Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften korrigiert haben“, so deren Justiziar Christian Sprang. „Damit sei voraussichtlich im Jahr 2018 zu rechnen.“ Und damit wiederum hat die „Revolution“ bei der VG Wort ein eingebautes Verfallsdatum, wie Wolfgang Michal hier treffend beschreibt: „Die Hoffnung mancher Autorenverbände, sie könnten jetzt noch Einfluss nehmen, ist unrealistisch. Ihre Einwände kommen zu spät. Und die zuständigen Gewerkschaften haben die Hände offenbar in den Schoß gelegt. Das ist der Grund, warum die Verleger dem neuen Verteilungsplan der VG Wort (der „VG Wort-Revolution“) am 20. Mai in München mit einem Seufzer der Erleichterung zustimmen konnten.“
Das heißt: Wir Urheber werden verdammt gut aufpassen müssen, was sich in Zukunft bei der VG Wort tut! Und wir Freischreiber werden da streitbar bleiben!
Und nicht nur deshalb, sondern überhaupt möchten wir für heute dieses Kapitel VG Wort schließen mit einem großen Dankeschön an Martin Vogel! Denn ihm ist schließlich zu verdanken, dass diese ganz VG-Wort-Chose in Gang kam, und was hat er sich da nicht alles anhören und wie hat er sich beschimpfen lassen müssen!
Daher auch nochmal unsere Aufforderung an alle Wahrnehmungsberechtigten: werdet Mitglied in der VG Wort. Nur als Mitglied seid ihr stimmberechtigt. Einfach jetzt die Mitgliedschaft beantragen.
Und: wer hier mitliest und findet, die :Freischreiber leisten unterstützenswerte Arbeit, dem sein ans Herz gelegt, dass man bei Freischreiber nicht nur als freier Journalist oder freie Journalistin Mitglied werden kann, sondern dass man den Verband auch als Fördermitglied unterstützen kann.
Freischreiberiges und Termine
„Schwätzen kann jeder“, heißt es. Und weil das so falsch wie verbreitet ist, gehört das Interview zur schwierigsten journalistischen Darstellungsform überhaupt. Freischreiber Tim Farin und sein Kompagnon Mario Müller-Dofel stemmen sich gegen den Qualitätsabfall bei Interviews und betreiben zusammen das sehr lesenswerte Portal alles-ueber-interviews.de. Da geht es zum Beispiel darum, ob Journalisten nachträglich Interviewfragen ändern dürfen, wie es die Zeitung „Der Freitag“ getan hat.
Unsere österreichischen Schwestern und Brüder von FreischreiberAT laden zum Freigrillen auf der Wiener Donauinsel ein: am 21. Juni 2017 ab 18 Uhr. Und wer sich von Wien einfach nicht wegbewegen kann, weil’s da im Sommer so schön ist, kann gleich noch am 26. Juni zum Stammtisch gehen, ab 18.30 Uhr. Ort wird noch bekannt gegeben, sonst hier erfragen.
Hurtig sein heißt es für den Willi-Bleicher-Journalistenpreis 2017, dessen Bewerbungsfrist in wenigen Tagen abläuft. Ausgelobt wird er von der Gewerkschaft IG Metall. Sie sucht herausragende Print-, Hörfunk-, Fernseh- und Onlinebeiträge, die sich mit der Arbeitswelt auseinandersetzen. Zum ersten Mal ist auch eine Kategorie für Kurzbeiträge vertreten. Einsendeschluss ist der 31. Mai, Journalistinnen und Journalisten können sich mit zwei Beiträgen bewerben, die in der Zeit vom 1. Juni 2016 bis zum 31. Mai 2017 veröffentlicht worden sind. Zu gewinnen gibt es ein Preisgeld von 3000 Euro (plus ein Nachwuchspreis mit 2000 Euro). Mehr Infos hier.
Und auch für das Stipendienprogramm der Right Livelihood Awards Stiftung läuft bald die Bewerbungsfrist ab, nämlich am 15. Juni 2017. Die Stiftung fördert die Berichterstattung über die Preisträger des „Alternativen Nobelpreises“. Auf der Seite der Stiftung heißt es: „Offen für Journalisten weltweit, werden die ,Reporting Right Livelihood‘-Stipendien Reise-, Unterkunfts- und Kommunikationskosten im Zusammenhang mit den ausgewählten Berichten sowie ein bescheidenes Honorar abdecken. Im Jahr 2017 werden insgesamt fünf Zuschüsse ausgezahlt.“ Näheres hier.
In Hamburg findet am 30. Mai 2017 von 18 bis 21 Uhr das Forum „Coworking & Collaboration“ statt. Davor, um 13 Uhr, machen einige Betreiber von Coworking-Spaces im Rahmen einer Tour („Learning Journeys“) ihre Räume auf und zeigen ihre Welt der Arbeit. Initiator des Ganzen ist das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Infos zu Themen und Referenten sowie Anmeldemöglichkeiten hier.
Das war’s schon wieder von uns. Jetzt noch rasch die letzten Tage vom Mai genießen – und dann ist Sommer!
In diesem Sinne,
Ihre
:Freischreiber und :Freischreiberinnen!
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[Der :Freischreiber-Newsletter]
vom 18.05.2017
Liebe Freischreiberinnen und Freischreiber,
am Wochenende tagt wieder die VG Wort in München: Freitagabend bei der Versammlung der Wahrnehmungsberechtigten (alle Urheber, die „nur“ einen Wahrnehmungsvertrag mit der VG Wort geschlossen haben. Mit einem Wahrnehmungsvertrag werden „zahlreiche Nutzungsrechte und Vergütungsansprüche zur treuhänderischen Wahrnehmung an die VG WORT übertragen“) und am Samstag bei der Mitgliederversammlung (für die Mitgliedschaft muss man einen gesonderten Antrag stellen und eine Aufnahmegebühr bezahlen).
Auf der Tagesordnung am Samstag steht (neben vielen anderen Dingen) die Verabschiedung eines neuen Verteilungsplanes. Dabei als Knackpunkt die Frage: Wie hoch soll der Anteil sein, den zukünftig die Verlage aus den allgemeinen Ausschüttungen bekommen – und soll es überhaupt einen Anteil geben?
Martin Vogel – unser Himmel-Preisträger von 2016 – bewertet auf perlentaucher.de die Ausgangssituation wie folgt:
„Bei der Mitgliederversammlung der VG Wort am 20. Mai geht es für die Urheber um viel Geld, das ihnen eigentlich nach dem Gesetz ohne Weiteres ausgezahlt werden müsste. Doch die Beschlussvorlagen des Vorstandes für diese Versammlung versprechen nichts Gutes.“
Und sehr detailiert führt er in seinem Essay auf, wo die Fallstricke liegen, wer welche Interessen verfolgt und worum es im Einzelnen geht. Sein Fazit: „Wer gehofft hatte, die VG Wort werde sich nach dem BGH-Urteil vom 21.4.2016 eines Besseren besinnen, hat sich getäuscht. Nicht die Interessen der Urheber, die bei ihr Rechte einbringen, bestimmen ihr Handeln, sondern die Interessen der Verleger, denen die einschlägigen Rechte fehlen. Es findet eine Umverteilung statt, die mit treuhänderischer Rechteverwaltung nur sehr bedingt zu tun hat.“
Das der VG Wort kritisch gegenüberstehende Portal vginfo.org legt außerdem besonderes Gewicht auf die Unterscheidung der VG Wort als Verwertungsgesellschaft versus Interessenvertretung. Und kommt zu folgendem Schluss: „Gewerkschaften, Autorenverbände und Autorenvertreter in der VG WORT werben derzeit für Stimmübertragungen mit dem Argument, man müsse in der VG WORT die Interessen der Autoren vertreten und die VG WORT als gemeinsame Interessenvertretung von Autoren und Verlagen erhalten. Das ist Augenwischerei: Die VG WORT ist keine Interessenvertretung, sondern eine Verwertungsgesellschaft. Ihre Kernaufgabe ist die Verwaltung des Treuhandvermögens der Urheber. Ihre Aufgaben sind im Verwertungsgesellschaftsgesetz (VGG) beschrieben.“
Wenig optimistisch schaut „Irights“ nach München und sieht vier oder fünf Fraktionen am Wirken: „Die Situation für die VG Wort bleibt somit verworren. An den zwei Tagen in München – bei der Versammlung der „Wahrnehmungsberechtigten“ und dann der Mitglieder – könnte sich wiederholen, was bereits die letzten Versammlungen der Verwertungsgesellschaft prägte: Streiterei, Abstimmungsärger, vielleicht auch wieder blockierte Anträge, Tohuwabohu, Schuldzuweisungen.“
Nun, wir Freischreiber sind konstruktiv, aber kritisch gestimmt – und wir sind vor allem vor Ort und werden schauen, wie sich Gutes für die freien Autoren und Autorinnen durchsetzen und realisieren lässt. Und wer uns seine Stimme übertragen möchte, weil er sie bei uns gut aufgehoben sieht, wir nehmen sie gerne entgegen. Allerdings müsst ihr euch dann ein bisschen sputen: Deadline heute, 18 Uhr. Das Formular für die Stimmübertragung liegt der Einladung bei.
Freischreiberiges
„Mein Arbeitsalltag hatte mit Journalismus so viel zu tun, wie das Wort Freiheit für die Hühner in der Käfighaltung“, schreibt Freischreiberin Alexandra Borowski. Die gerade ziemlich in Feierlaune ist, denn ihr Portal „Luise von der Pelzwiese“ ist just ein Jahr alt und hat sich ganz prächtig entwickelt: „Ein großer Moment für mich, denn der Weg dorthin war sehr besonders. Ich hatte von Tuten, Social-Media und WordPress-Gedöns null Ahnung, bin jetzt nicht gerade die hellste Kerze am Technik-Leuchter, kein Budget – was für eine Unternehmensgründung auch spannend ist. Aber ich hatte Feuer im Herzen, den unbedingten Willen zur Autonomie und Unabhängigkeit und überhaupt keine Muße, weiter im journalistischen Jammertal zu wandern, um Honorare zu betteln oder meine Wertlosigkeit bescheinigt zu bekommen.“ Und so machte sie sich noch mal anders selbstständig und gründete eben ihr Portal. Und wir gratulieren kräftigst und empfehlen mal bei dieser Luise vorbei zu schauen. Vielleicht ist ja noch ein Stück Erdbeertorte übrig!
Und da es eben quasi raus aufs platte Land ging, nach Neumünster nämlich, schauen wir uns dort um und sehen – Kühe. Ja, Kühe. Und was haben die nun hier zu suchen? Einiges, denn die Freischreiber Jakob Vicari und Björn Erichsen haben ihr Projekt des Sensorjournalismus weitergetrieben und haben Kühe medial verdrahtet. Denn, so ihre These: Wer etwas über moderne Landwirtschaft erfahren will, muss nur die Kuh befragen. Ob das nur irre ist oder ganz im Gegenteil aufklärerisch (natürlich!), zeigt ein kleines Video.
Ab September (schon mal vormerken) ist dann auch die passende Homepage freigeschaltet: www.superkuehe.de
„Die Idee kam ihr am Strand, kurz nachdem sie ihr erstes Studium abgeschlossen hatte und nicht wusste, was sie damit anfangen sollte: Sie wollte reisen, interessante Orte besuchen und ihren Freunden in Briefen davon erzählen. Um davon leben zu können, würde sie sich dem Journalismus zuwenden, beschloss Kelly Toughill, und schrieb sich kurzerhand für einen entsprechenden Studiengang an der San Francisco State University ein“. So das Intro zu dem Interview, das Freischreiber-Fördermitglied Oliver Schrott mit eben Kelly Toughill für seinen Medienblog geführt hat. Nun gibt es dieses Gespräch auch in Buchform – zusammen mit 24 weiteren Interviews. Der lockende Titel: „Übermorgen“.
Dies & Das
Und da wollen wir uns hier mal selbst zitieren, denn wie schrieben wir Anfang dieses Jahres? „Auch das Schweizer Project R nimmt langsam Fahrt auf.“ Nimmt langsam Fahrt auf – was für eine schamlose Untertreibung! Denn kaum auf den Weg gebracht, ist das Projekt einer geplanten Online-Zeitung um den Journalisten Constantin Seibt regelrecht durch die Decke geschossen. Und legt ein Crowdfunding vor, mit Weltrekordmarken! Und so schreibt sein einstiger Arbeitgeber, Der Tagesanzeiger, mit unterdrücktem Neid: „Innert 12 Stunden hat das Genossenschaftsprojekt Project R über eine Million Franken von 5000 zukünftigen Abonnenten gesammelt. Bis heute sind es über 11 000 Mitglieder, die 2,8 Millionen Franken in ein Onlinemagazin investieren, von dem sie kaum mehr wissen als den Namen: «Republik».“
Wir gratulieren einfach und schlicht.
Glückwunsche gehen auch an „Piqd“: Denn das Projekt unseres Himmel-Preisträgers Konrad Schwingenstein, das jeden Tag lesenswerte Beiträge aus verschiedensten Medien vorstellt und empfiehlt (und die dahinter stehenden Kuratoren anständig bezahlt!), ist für den Grimme Online Award nominiert. Voten darf dabei auch das Publikum. Wer Piqd unterstützen will und wer wissen will, wer noch ausgewählt wurde, bitte hier entlang.
Seminare, Termine, Preise
Das SZ-Magazin lobt drei Recherche-Stipendien in Höhe von je 5.000 Euro aus. Besonders und ausdrücklich angesprochen fühlen sollen sich freie Journalisten. Denn wie SZ-Magazin-Chefredakteur Michael Ebert dem Dienst „meedia“ erklärte, beobachte er immer wieder „dass sich Freie mit Themenvorschlägen zurückhalten, weil sie sich nicht sicher sind, ob sich die eigenen Ideen überhaupt realisieren lassen“. Also ran an die Buletten.
Einmal 5.000 Euro hat der Journalistenpreis PUNKT zu vergeben. Und zwar in der Kategorie Multimedia. Worum es geht, wird etwas schwurbelig wie folgt erklärt: „Mit dem PUNKT prämiert acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften in diesem Jahr Formate, die die erweiterten Möglichkeiten multimedialer Darstellung im Internet nutzen, um Themen mit Technikbezug verständlich und erlebbar zu machen. Aus dem Zusammenführen verschiedener Kanäle soll ein Mehrwert entstehen, der über die Einzelkanäle nicht realisierbar wäre. Die Jury legt dabei besonderen Wert auf die Integration interaktiver und partizipativer Elemente.“ Einsendeschluss ist der 22.Mai. Und das ist ja bald.
Journalistenpreis Nummero drei: der Salus-Medienpreis 2017. Preissumme? Einmal 6.000 Euro für den Hauptpreis plus 2.000 für einen Nachwuchspreis. Gesucht werden Beiträge in Verlagen, Print- oder Onlinemedien, die sich mit ökologischen Themen beschäftigen: über die Folgen der Gentechnik in der Landwirtschaft, die negativen Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft, das Bienensterben bis hin zu Krankheiten bei Mensch und Tier. Und auch: „Der journalistische Einsatz lohnt sich, denn es gibt auch hoffnungsvolle Geschichten – von Natur, die sich mit ökologischer Landwirtschaft regeneriert oder von Wüsten, auf denen Pflanzenanbau möglich ist.“ Einsendeschluss ist der 9. Juni, hier geht’s zum Bewerberbogen.
Und alle guten Dinge sind vier, denn auch die Otto Brenner Stiftung schreibt ihren Preis für kritischen Journalismus aus – ein Klassiker unter den Journalistenpreisen. Das Motto diesmal ist nicht ganz überraschend: „Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten!“. Bewerbungen werden bis zum 30 Juni entgegengenommen. Im Topf liegen 47.000 Euro, darunter drei Recherchestipendien a jeweils 5.000 Euro. Da lohnt sich genaues Schauen, ob man nicht etwas hat, das preis- wie förderungswürdig sein könnte.
Kein Preis, sondern ein Barcamp ist noch zu vermelden. Allerdings für Women only, ist doch Veranstalterin der Journalistinnenbund. Und der schreibt: „Noch gibt es ja – gerade für Frauen – viel aufzuholen und zu ändern bei Aufstiegschancen, Bezahlung und Themensetzung. Ein guter Grund, sich mit dem Journalistinnenbund zu vernetzen. Moderation: Su Steiger vom Netzwerk Digital Media Women DMW. Anschließend Sektumtrunk im Hub und gemeinsames Abendessen (fakultativ). Jede kann sich gern direkt per Doodle anmelden. Ort: das Impact Hub in München. Und das Datum: der 27. Mai, von 14.00 bis 18.00 Uhr.
So, das war’s schon wieder. Und wir recken unsere vom Tippen und Recherchieren müden Knochen (ist nicht schön, wenn man alt wird, nächstes Jahr gibt es uns Freischreiber auch schon zehn Jahre!) und öffnen ein Buchpaket, das den neuen Roman von Mirko Bonné enthält, der da heißt „Lichter als der Tag“. Und worum es geht, verrät der gute, alte Klappentext: „Raimund Merz ist Familienvater und Angestellter beim Nachrichtenmagazin Der Tag. Die Arbeit bedeutet ihm nichts, und lichte Momente in seinem Alltag sind selten.“ Oha! Aber jetzt kommt’s!: „Da begegnet er unvermutet seiner Jugendliebe Inger wieder… ein lang gehütetes Geheimnis… Flut aufbrechender Gefühle reißt die Fassade seines überschatteten Daseins nieder… ein ungeheures Wagnis eingehen.“ Mann, Mann, Mann! Aber mit der Jugendliebe durchbrennen, statt lichtlos im Verlag zu schuften, das können wir uns nur zu gut ausmalen! Und so könnten wir jetzt immer weiter plaudern … aber nu‘ ist Schluss!
In diesem Sinne,
Ihre :Freischreiber
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[Der :Freischreiber-Newsletter]
vom 03.05.2017
Liebe Freischreiberinnen und Freischreiber,
liebe Kolleginnen und Kollegen und alle Freunde des freischreibergrünen Verbandes,
bevor wir von großartigen Gästen, Himmel- und Hölle-Preisen, neuen Vorständen und ermatteten Barkeepern berichten, kommt zuerst das Allerwichtigste:
Heute ist der Tag der Pressefreiheit! Und bis zum heutigen Tag sitzen weltweit unsere Kollegen in Gefängnissen, weil sie ihrer und unserer Arbeit nachgegangen sind!
Laut Reporter ohne Grenzen sind derzeit 366 Journalisten, Online-Aktivisten und Medienmitarbeiter in Haft, darunter der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel, der in der Türkei eingesperrt ist, bislang ohne Anklage. 11 Kollegen haben in den ersten Monaten dieses Jahres sogar ihr Leben verloren. Das sind 377 Anschläge auf die Pressefreiheit, 377-mal unerträgliche Zustände, gegen die wir aufstehen müssen. Die Künstlerin Yoko Ono hat eine Titelseite gestaltet, die Sie heute (hoffentlich!) auf vielen Tageszeitungen sehen können. In Berlin finden folgende Aktionen statt:
Auf die Presse!“ heißt das Konzert am Brandenburger Tor, das um 17.30 Uhr beginnt, mit Jasmin Tabatabai, Jilet Ayse, Die Sterne, Peter Licht und vielen anderen. Die Journalisten Oliver Welke und Michel Friedman sind mit Wortbeiträgen dabei.
Um die Mittagszeit protestieren Reporter ohne Grenzen und Amnesty International vor der Türkischen Botschaft gegen die Inhaftierung von Journalisten in der Türkei, dem Land, das weltweit die meisten von uns hinter Gitter bringt. 12.30–13 Uhr, Tiergartenstr. 19–21, 10785 Berlin
Wer nicht in Berlin ist, kann trotzdem Zeichen setzen, und zwar in den sozialen Medien. Wie das geht, erklärt Amnesty International in einer Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Was bei Freischreiber geschah:
Der 29. April war ein verdammt langer Tag, zumindest bei uns in Frankfurt am Main. Es war der Tag der Himmel- und Hölle-Preisverleihung, der Freischreiber-Mitgliederversammlung, zweier Workshops und einer Feier mit großartigen Gästen, Rednern, Preisträgern und Kandidaten.
Das Warming-up kam in Form zweier Workshops. Eine „Wie machst du das?“-Runde, bei der Kollegen sich gegenseitig Tipps geben, charmant durch den Vormittag geführt von Ann-Christin Baßin und Alexandra Brosowski. Und einer zu Mobile Reporting, geleitet vom NDR-Reporter Daniel Sprehe.
In der anschließenden Mitgliederversammlung gingen zwei Vorstände von Bord. Benno Stieber, Vorsitzender und Freischreiber-Gründungsmitglied, wollte nach neun Jahren rastloser Tätigkeit für den Verband nur noch einfach Mitglied sein und stellte sich nicht mehr zur Wahl. Henry Steinhau, Experte für Urheberrecht und Medienjournalismus, will ebenfalls zu neuen Ufern aufbrechen. Beide haben jedoch versprochen, in Rufweite zu bleiben. Wir danken Benno und Henry für ihre großartige Arbeit und ihre engagierten Freischreiber-Herzen! Neue Vorstandsvorsitzende ist ab sofort Carola Dorner, bis vor Kurzem Vizechefin von Freischreiber. Neu in den Vorstand gewählt wurden der Freischreiber-Regionalleiter aus dem Südwesten, Steve Przybilla, der Hamburger Regionalleiter Peter Neitzsch, der seit Januar 2017 bereits kooptiert ist, sowie Sensorjournalist, Taliban-auf-dem-Fahrrad-Jäger und Urzeitkrebs Jakob Vicari, ehemaliges und jetzt wiedergekehrtes Vorstandsmitglied. Willkommen an Bord, ihr drei, wir sind froh!
Bei unserer Mitgliederversammlung hatten wir außerdem Besuch von Kollege Daniel Bouhs, der für den Deutschlandfunk (#mediasres) bei uns nachgehakt hat, was wir in den letzten neun Jahren als Verband eigentlich erreicht haben, wo wir noch feststecken und wo wir in Zukunft hinwollen: Journalistenverband „Freischreiber“: Lobbyist der Einzelkämpfer.
An den Rest des Abends werden wir noch lange denken. Constantin Seibt, Journalist und Autor von „Deadline“, ehemaliger Redaktor des Schweizer Tages-Anzeigers sowie die treibende Kraft hinter Republik, einer digitalen Zeitung in Gründung, stellte sich ans Rednerpult und berichtete, warum er eine gut bezahlte Festanstellung hat sausen lassen, um ins Freie zu treten. Nebenbei ließ er uns ein paar Sätze da für die Ewigkeit, zum Beispiel:
„Welches Budget streicht man als Erstes? Das von den Leuten, denen man nicht in die Augen schauen muss.“
Das würden wir gern unseren Hölle-Preiskandidaten aufs T-Shirt drucken. Allesamt.
Gewonnen hat den teuflischen Preis die Süddeutsche Zeitung, weil sie ihre freien Autoren um deren Zweitverwertungshonorare beim Schweizer Tages-Anzeiger prellt. Das nennen wir kalte Enteignung. Der Gewinner hat es vorgezogen, der Veranstaltung fernzubleiben, muss aber dennoch nicht auf seinen Preis verzichten. „Don’t call us. We call you“, sagte dazu der ehemalige Freischreiber-Vorstandsvorsitzende Benno Stieber, der eine flammende Rede gegen die Enteignungspraxis des Verlags hielt. Was heißt: Wir kommen in München vorbei und überreichen unsere Auszeichnung selbst. Denn wie immer gilt: Wir verstehen sie nicht zuletzt als Förderpreis, der dazu anregen soll, über die Arbeitsbedingungen freier Journalisten ins Gespräch zu kommen. Das gilt übrigens genauso für alle anderen Nominierten, die man hier nochmal nachlesen kann. Als da wären: der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Der Freitag, die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und
Travel House Media GmbH.
Um Himmel und Hölle schlingen sich manchmal familiäre Bande, so auch bei uns. Der Himmel-Preisträger des Jahres 2017 ist der Mäzen und Medien-Pionier Konrad Schwingenstein. Er steckt als Verlagserbe der Süddeutschen Zeitung nicht nur sein Geld in die Zukunft des Journalismus, was heißt: in digitale Projekte. Sondern gibt uns freien Journalisten auch den Glauben an die Sache zurück, den wir bei unseren klassischen Auftraggebern viel zu oft vermissen. „Wir haben eines gemeinsam“, sagte Konrad Schwingenstein in seiner Rede zu den Freischreibern. „Wir akzeptieren die Spielregeln der neuen Zeit.“ Und dann beschrieb er, wie die journalistische Zukunft aussehen kann: offen, durchlässig, flexibel und ohne die alten Hierarchien. So wie bei seinen Projekten Torial, piqd und log.os social.
Was noch geschah: Im Lauf des Abends diskutierte Petra Reski mit Moderatorin Caroline Schmidt-Gross über das Risiko, das freie Autoren eingehen, wenn sie brisante Themen recherchieren. Reski hatte eine Klage gegen ihren Text über Mafia-Aktivitäten in Deutschland verloren. Dieser Text war in der Wochenzeitung Freitag erschienen. Verleger Jakob Augstein hatte sich nicht vor seine Autorin gestellt, was ihm eine Hölle-Preis-Nominierung von Freischreiber eingetragen hatte. Wir fragten Reski: Wie können sich freie Autoren schützen, wenn sie heiße Eisen anfassen? Wie stellen sie sicher, dass die Redaktionen ihren Teil der Verantwortung tragen? Zu unserem Bedauern konnte Jakob Augstein nicht in Frankfurt dabei sein, er las am selben Abend in Coburg.
Anschließend erläuterte Sandra Uschtrin, die einzige Himmel-Preiskandidatin neben Konrad Schwingenstein, warum sie sich auf die Seite der Autoren gestellt hatte, als es um die VG-Wort-Ausschüttungen ging, die den Verlegern zu Unrecht ausbezahlt wurden. Nach ihrem Beitrag müssen wir wieder an das Gute im Verleger glauben, auch wenn es schwerfällt. Danke, Sandra Uschtrin, für Ihre Fairness.
Als um Mitternacht Schluss war im Tagungshaus, hat Freischreiber im Dreikönigskeller weitergetanzt, bis der Wirt kam und sagte: „Der Barkeeper kann nicht mehr, bitte geht nach Hause.“ Was Freischreiber dann auch tat.
Scheinselbstständigkeit:
Unsere alte Bekannte, die Scheinselbstständigkeit, hebt wieder ihr graues Haupt. Wo man Journalisten nicht mehr kostengünstig frei beschäftigen kann, weil man sie jetzt anstellen muss, wer soll da die Mehrkosten des Auftraggebers schultern? Wir ahnen es: der Freie, na klar. So kündigt das Filmfest München in einer Rundmail an seine „Programm-Präsentatoren“ an (das sind die freien Journalisten, die während des Filmfests interviewen und moderieren), dass ihr Honorar von 60 Euro (!) netto pro Moderation nun leider auf 50 Euro gekürzt werden müsse. Es entstünden ja Zusatzkosten durch die Abführung der Lohnsteuer. Ein betroffener Kollege hat bei der kaufmännischen Leitung nachgefragt und folgende Antwort erhalten:
„Da wir nun die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung und darüberhinaus weitere gesetzliche Abgaben tragen, muss selbstverständlich dieser Anteil, der in einem Honorar enthalten ist, gemindert werden.“
Als wäre es ein Naturgesetz. Doch das ist ein Irrtum, liebes Filmfest und liebe andere Auftraggeber, die ihr freie Journalisten beschäftigt. Selbstverständlich muss nicht das Honorar der Freien gekürzt werden. Es darf nicht mehr so billig gewirtschaftet werden. Und Freie dürfen so etwas nicht länger mit sich machen lassen.
Dazu passt auch das Urteil des Bundessozialgerichts vom 31. März 2017: Danach ist die Höhe des Honorars ein wichtiges Kriterium bei der Beurteilung, ob eine Scheinselbstständigkeit vorliegt oder nicht. Das Honorar eines freiberuflich Tätigen muss demnach so hoch sein, dass es Eigenvorsorge zulässt. Das ist vielversprechend. Wir kommen darauf zurück.
Eine andere alte Bekannte, die VG Wort, muss sich mit zwei neuen Klagen auseinandersetzen. Zum einen gegen das Verzichtsmodell, das Autoren die Möglichkeit einräumte, zugunsten ihrer Verlage auf den Ausschüttungsanteil zu verzichten, der ihnen von Rechts wegen zustand. Doch dieses Geld, auf das verzichtet wurde, ist ja nicht weg. Es muss, so der Kläger, wieder in den großen Topf zurück, aus dem dann die Urheber ihren Anteil erhalten. Die zweite Klage befasst sich mit den Rückstellungen, die die VG Wort gebildet hat, falls Verlage nicht imstande sein sollten, ihre zu Unrecht erhaltenen Ausschüttungen zurückzuzahlen. Auch dieses Geld steht laut der Klage den Urhebern zu, Näheres unter vginfo.org.
Augen auf, Lesetipps!
Julia Jäkel, Gruner+Jahr-Verlagschefin, fragt sich in einem Thesenpapier, das sie für den European Newsletter Congress (21.–23. Mai 2017 in Wien) vorbereitet hat, ob Content Marketing eventuell vom Teufel stammt. Vielleicht findet sie hier eine Antwort. Ein lesenswertes Stück über die Wirkungen von Content Marketing, vor allem auf den Journalismus.
Was fürs journalistische Herz: Print ist der am meisten unterschätzte Medienkanal! Ein wunderbares Interview mit dem russischen Publizisten Vasily Gatow.
Unsere Himmel-Preiskandidatin Sandra Uschtrin ist Buch- und Zeitschriftenverlegerin. Aber sie gibt auch einen tollen Newsletter heraus: für News aus dem Literaturbetrieb und für Preise & Stipendien. Empfehlung für Kolleginnen und Kollegen, die gern mal ins fiktive Fach hinüberschnuppern.
Und von Freischreiber-Mitglied Martin Henze ist ein Liebhaber-Buch für alle Oldtimer-Fans erschienen, die „Oldtimer-Fahrschule“. Mit vielen Fotos und jeder Menge Tipps zu heißgeliebten alten Karossen. Mehr unter www.oldtimer-fahrschule.de
Seminare:
Kurzfristig!
Zwei Workshops aus der Journalisten-Akademie der Bonner Friedrich-Ebert-Stiftung:
Basic Instinct: ein kompakter Recherche-Grundkurs, 15.–16. Mai, in Bonn. Der Schwerpunkt liegt auf aktuellen praktischen Beispielen und einem Blick hinter die Kulissen erfolgreicher Recherchen. Infos hier.
Berichten, beschreiben, bewerten: Grundkurs zu den journalistischen Darstellungsformen, 17.–19. Mai, in Würzburg. Ziel ist es, die verschiedenen Textsorten genau dafür einzusetzen, wofür sie sich am besten eignen. Infos hier.
Huch!
„Je älter man wird, desto mehr ähnelt die Geburtstagstorte einem Fackelzug“, sagte einst die großartige Katherine Hepburn. Merken Sie sich schon mal unseren eigenen Fackelzug vor. Im nächsten Jahr wird Freischreiber runde zehn Jahre alt. Und wird natürlich ein rauschendes Fest feiern, das jeden Barmann in die Knie zwingt.
In diesem Sinne,
Ihre :Freischreiber
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[Der :Freischreiber-Newsletter]
vom 11.04.2017
Liebe Freischreiberinnen und Freischreiber,
liebe Kolleginnen und Kollegen und alle Freunde des freischreibergrünen Verbandes,
es ist mal wieder so weit: Am 29. April verleiht Freischreiber (dieses Jahr im Haus am Dom in Frankfurt) den Himmel- und Höllepreis.
Wen haben wir nominiert? Gehen wir erst mal in den Himmel, für den wir die Verlegerin Sandra Uschtrin und den Mäzen Konrad Schwingenstein nominieren. Und das wird wie folgt begründet: Sandra Uschtrin hat sich als Inhaberin des Uschtrin Verlages nicht am allgemeinen Klagen der Verlage beteiligt, als diese in Folge des Vogel-Urteils die ihnen widerrechtlich ausgezahlten VG Wort-Ausschüttungen zurückzahlen mussten, damit diese an die Autoren gehen. Im Gegenteil! So postete sie auf Facebook Folgendes: „Gleich überweise ich die 8.185,16 Euro, die die VG WORT fälschlicherweise in den Jahren 2012 bis 2015 an meinen Verlag gezahlt hat. Ich habe damit kein Problem. Denn dieses Geld steht den Autorinnen und Autoren zu, ohne Wenn und Aber.“ Und weiter: „Ich kann AutorInnen nur raten, keineVerzichts-/Abtretungserklärung zu unterschreiben.“
Für Konrad Schwingenstein heißt es in der Nominierungsbegründung: „Wenn in unserer Branche Mäzene auftreten, vergeben sie oft Stipendien oder fördern Bildungsveranstaltungen. Das ist verdienstvoll, aber es gibt nur wenige wie Konrad Schwingenstein, die sich den Fragen des Medienwandels stellen und ihn damit auch mitgestalten.“ Und weiter: „Angefangen hat Konrad Schwingenstein, Enkel eines der Gründer der Süddeutschen Zeitung, mit der Plattform „Torial“, auf der sich freie Medienleute sehr elegant ein aussagekräftiges Profil erstellen können. Dann kam Piqd, eine Plattform für handverlesenen Journalismus, die „Clickbaiting“ journalistische Substanz entgegenstellt und zudem ihre Piquer angemessener bezahlt als viele Verlagshäuser. Außerdem kümmert sich die Schwingenstein Stiftung mit der Torial Academy um zeitgemäße Fortbildung für Journalistinnen und Journalisten und einen Debattenraum für die Zukunft des Journalismus.“
Die ausführlichen Nominierungen für den Himmelpreis können in aller Schönheit hier nachgelesen werden.
Und nun ab – in die Hölle.
In der drängelt es sich nämlich! Und zwar gewaltig!
Da wäre zunächst als heißer Anwärter der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e.V.: „Der BDZV hat sich mit seiner Kündigung der Gemeinsamen Vergütungsregeln für freie hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten an Tageszeitungen (GVR) einen Platz in der publizistischen Hölle verdient.“
Dabei ist auch die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und zwar für ihre höllisch-unterirdischen Honorare: „’Es ist allseits bekannt, dass die dpa Hungerlöhne zahlt‘, sagt ein freier Journalist über die Deutsche Presse-Agentur. Der Kollege weiß das aus eigener Erfahrung, regelmäßig arbeitet er in Redaktionsschichten für die Nachrichtenagentur. 120 Euro für acht Stunden – das ist der übliche Satz für Freie, egal ob in einem der dpa-Landesdienste oder zum Beispiel bei den Kindernachrichten. Aufträge für einzelne Artikel sind noch schlechter honoriert.“
Und das ist noch nicht alles…
Um die Hölle bemüht sich auch die altehrwürdige Süddeutsche Zeitung, die selbst oft vornan ist, wenn es etwa gilt, die Steueroasen der Reichen und Schönen aufzudecken – wir gratulieren herzlich zum Pulitzer Preis! – aber, liebe Sportsfreunde: „Wenn es darum geht, die Arbeitsbedingungen mit zum Teil langjährigen freien Journalistinnen und Journalisten zu gestalten, schreckt die Süddeutsche Zeitung seit Neuestem nicht vor kalter Enteignung zurück. Anfang des Jahres wunderten sich freie Kolleginnen und Kollegen, die Texte wie gewohnt nach dem Abdruck bei der Süddeutschen auch beim Schweizer Tagesanzeiger anbieten wollten, dass die Redakteure ihnen beschieden, den Text würden sie kostenlos zum Abdruck von der Süddeutschen Zeitung erhalten. Tatsächlich: Die Süddeutsche Zeitung und der Schweizer Verlag Tamedia haben einen Artikelaustausch vereinbart. Die Beteiligung der Autoren an diesem Deal? NULL.“
Und auch damit nicht genug …
Auch die Travel House Media GmbH hätte einen Platz in der Hölle wohl verdient: „Mit seinen Bettelbriefen reiht sich die Travel House Media GmbH in die Riege jener Verlage ein, die Journalistinnen und Journalisten besonders kaltschnäuzig darum ersuchen, ihnen Tantiemen aus Kopiervergütungen und Geräteabgaben freiwillig abzutreten – sowohl rückwirkend als auch zukünftig.“
Und schließlich ist Der Freitag ein Kandidatfür die Hölle. Und zwar wegen seines Umganges mit der freien Journalistin Petra Reski. Diese war von einem ihrer Protagonisten einer Reportage über die Mafia verklagt worden, hatte diese Klage verloren, war auf den Prozesskosten sitzen geblieben und hatte keine Unterstützung durch ihren Auftraggeber erhalten. Der flapsige Kommentar des Freitag-Verlegers Jakob Augstein: „Redaktionen sind keine Rechtsschutzversicherung für mangelhafte Recherchen.” Wir dagegen stellen fest: „Was sich Autoren wünschen, ist dies: eine Redaktion und einen Verleger, die sich nicht verdünnisieren, wenn mal was schiefgeht.“
Auch hier kann man die ausführlichen Nominierungstexte auf unserer Homepage nachlesen.
Hinweise möchten wir noch auf das große Presseecho, das der „Fall Reski“ in den letzten Tagen ausgelöst hat: „Dass eine Zeitung, die mit der Entscheidung, den Artikel zu drucken, hinter dem Autor steht, sich im Falle einer juristischen Auseinandersetzung vor diesen stellt, sich mit ihm berät und dagegen wehrt, ist übliche Praxis.“ hält die FAZ fest. Die taz kommentiert: „Auch im zehnten Jahr nach dem Massaker der italienischen Mafiaorganisation ’Ndrangheta 2007 in Duisburg muss, wer das Thema in die hiesige Öffentlichkeit bringen will, eine ganze Menge mitmachen: nicht nur Ignoranz, Bedrohungen und Anwaltskosten, sondern vor allem das Gefühl der Isolation.“ Und Meedia meint zum Verhalten von Jakob Augstein folgendes: „Seine öffentliche Distanzierung von einer Autorin ist für den Verleger eines Blattes ein ungewöhnliches Verhalten – als würde sich der Vorstandschef des Verlagshauses Axel Springer von seinem in der Türkei inhaftierten Korrespondenten lossprechen und diesem vorwerfen, er hätte beim Verfassen seiner Artikel halt mehr Sorgfalt walten lassen müssen. Presserechtliche Verantwortung ist nicht teilbar, aber genau dies versucht Augstein.“
Wer nun tatsächlich 2017 in den Himmel und wer in die Hölle kommt, das entscheidet sich am 29.4., abends in Frankfurt am Main. Mit Preisverleihung! Und einer anschließenden Party! Wir freuen uns schon! Infos hier.
Freischreiberiges
Ende 2014 machte „Nüchtern“ von Daniel Schreiber Furore. In diesem Jahr könnte ein ebenso ehrliches Protokoll einer Alkoholsucht Ähnliches bewirken: die Suche eines Sohnes nach den Gründen, warum sich sein Vater am Ende zu Tode getrunken hat. Das Buch „Dunkelblau“ von Freischreiber Dominik Schottner beruht dabei auf seiner Radioreportage „Danke. Ciao!“
„Warum versteht mich keiner? Was mache ich, wenn ich verliebt bin? Werde ich einen passenden Beruf finden? Fragen, vor denen viele Jugendliche stehen. Doch für Jugendliche mit einer AutismusSpektrumStörung haben sie oft eine besondere Brisanz“, schreibt Freischreiberin Vanessa Köneke und hat daher zusammen mit ihrer Kollegin Karla Schneider mit „Warum manchmal ein Brett vorm Kopf klebt …“ einen besonderen Ratgeber auch für Jugendliche mit Autismus, aber auch deren Eltern und Familien verfasst.
Print? Online? Multimediagedöns? Freischreiber Jakob Vicari bevorzugt derweilen ein ganz anderes, haushaltliches Medium: die medial ausgerüstete Kaffeetasse: „Sie liefert Informationen in bekömmlichen Portionen – eine Nachricht pro Schluck wird vorgelesen. Wie das funktioniert? Hier wird es erklärt.
Dies und Das
„Verlage sind nervig“, schreibt Autor und Verleger Jörg Sundermeier in der taz. „Manche Verlage sind auch betrügerisch“, setzt er bald hinzu. Und: „Manche Zeitungsverlage wollen die Rechte an den Texten gleich ganz von den Urhebern übertragen wissen, Texte, für die sie wenig Zeilengeld zahlen, und das nur einmalig.“ Doch nun pauschal die Verlage in Bausch und Bogen zu verdammen und zu bekriegen, davon hält er auch nichts. Und schlägt ein neues Modell, ein neues Konzept vor: Bibliodiverstät, das derzeit besonders in Lateinamerika die publizistische Debatte belebt.
Was es mit dieser „Bibliodiversität“ auf sich hat, erzählt einer ihrer führenden Protagonisten – nämlich die australische Publizistin Susan Hawthorne in einer Art Grundsatzpapier: „So wie die Biodiversität ein Indiz für die Gesundheit des Ökosystems ist, kann der Zustand eines ökosozialen Systems an seiner Vielfältigkeit gemessen werden und der Zustand der Verlagswelt an ihrer Bibliodiversität.“ Und damit sich der Kreis an dieser Stelle vorerst schließt, ein kleiner Buchhinweis für alle an der Bibliodversität Interessierten: „Bibliodiversität. Manifest für unabhängiges Publizieren“. Von Susan Hawthorne. Erschienen in Jörg Sundermeiers schönem Verbrecher Verlag.
Dass der Leser kein Archiv hat, ist ein beliebter Spruch unter Journalisten, wenn man diesem mal wieder eine schon hundertmal erzählte Geschichte unterjubeln will (über Kreuzfahrten, Hundesalons, Manager, die jetzt ganz glücklich Ziegenkäse mit der Hand herstellen, sowas). Oskar Pieksa hat sich mal umgeschaut, was es für epigonal gute Geschichten gibt, die man sich hin und wieder mal anschauen sollte. Und er stellt fest: „Bestimmte Stoffe sind so auserzählt, dass man schon radikal neue Ansätze finden müsste, um dem bestehenden Korpus an Texten noch etwas hinzufügen zu können.“
Interessantes gibt es auch aus dem mit Freischreiber befreundeten Verband der freien Fotografen und Fotografinnen FREELENS zu vermelden. Denn dieser hat die Faxen dicke – und klagt gegen Google: „Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes ist es maximal zulässig, im Internet auffindbare Fotos durch Suchmaschinen in Thumbnailgröße zu zeigen, wenn bei Anklicken eines Fotos auf die Website weitergeleitet wird, auf der das Originalfoto veröffentlicht ist. Diese Vorgaben werden durch Google nicht eingehalten. Vielmehr werden die Aufnahmen bei Anklicken in großer Auflösung gezeigt, ohne direkt auf die Ursprungswebsite weiterzuleiten. Außerdem bietet Google dem Nutzer die Möglichkeit, sich mit Hilfe von Pfeilen, ähnlich einer Slideshow, durch alle gefundenen Bilder zu klicken.
Die Aufnahmen des Fotografen werden nicht mehr vorrangig zum Auffinden der Quelle und des Urhebers, sondern ohne seine Genehmigung zur Veröffentlichung und Präsentation im Internet genutzt.“
Preise, Stipendien und Co
„Die Deutsche Telekom Stiftung sucht ab sofort wieder Journalistinnen und Journalisten, denen es in den zurückliegenden zwölf Monaten besonders gut gelungen ist, komplexe Bildungsthemen in ihren Medien verständlich und interessant aufzubereiten“, schreibt die Deutsche Telekom Stiftung. Und macht dafür 27.000 Euro locker. Eingereicht werden können Beiträge bis zum 15. Juni. Und wichtig: Bewerben (oder vorgeschlagen werden) können nur hauptberuflich tätige Journalisten und Journalistinnen.
„In Interviews mit politischen Akteuren ist es oft schwierig, den Dingen auf den Grund zu kommen. Das Gegenüber weicht aus oder will die eigene Botschaft platzieren. Vor allem Berufseinsteigende oder junge Journalist_innen benötigen darum die Sicherheit und das Handwerkszeug, Interviews hart an der Sache orientiert, aber fair im Ton zu führen.“, so wirbt die JournalistenAkademie der Friedrich-Ebert-Stiftung für ihr Seminarangebot „Wer fragt, der führt“ am 4./5. Mai in Berlin. Hier erfährt man weitere Einzelheiten und kann sich anmelden.
So. Das war es schon wieder. Viel Stoff zum Nachlesen und Nachdenken und Nachspüren – hoffentlich. Weshalb die Entspannung nicht zu kurz kommen sollte! Also die Beine hochlegen, den Bürostuhl in die bestmögliche Lage drehen oder kippen – und vielleicht einen Film schauen? Aber welchen!? Da hilft die Plattform journalistenfilme.de, die uns keinesfalls alleine lässt. Und die aktuell zusammengestellt hat, wer welchen Journalistenfilm für den besten oder auch den allerbesten hält. Aber schauen Sie selbst…
In diesem Sinne
Ihre
:Freischreiber
[Der :Freischreiber-Newsletter]
vom 20.03.2017
Liebe Freischreiberinnen und Freischreiber,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
auch wenn der Frühling mit Sturm, Regen und umgeknickten Krokussen daherkommt: Im Inneren der Freischreiber-Stuben wird bienenfleißig gerackert. Deshalb ereilt Sie schon wieder ein Newsletter von uns, randvoll gepackt mit Terminen (Obacht, manche sind kurzfristig!). Und auch unsere VG-Wort-Frühjahrsdiät (ein kompletter Newsletter ohne!) ist hiermit beendet:
Eine alternative Satzung für die VG Wort:
Eigentlich sollte am 18. März die Vollversammlung der VG Wort tagen, um u. a. einen neuen Verteilungsplan zu verabschieden. Wie berichtet, wurde die Versammlung auf den 20. Mai verschoben.
In der Zwischenzeit hat die Initiative www.vginfo.org, die sich als kritische Plattform gegenüber den Verwertungsgesellschaften versteht und in der auch Freischreiber-Mitglieder organisiert sind, einen alternativen Satzungsentwurf auf ihre Homepage gestellt.
Dieser Entwurf soll laut der Initiatoren ausdrücklich nicht als Antrag für die kommende Vollversammlung verstanden werden, sondern „eine Debatte darüber in Gang bringen, wo genau Autoren derzeit Veränderungsbedarf in der VG Wort sehen. Vor diesem Hintergrund freuen wir uns auf eine Debatte in den Kommentaren, die wir gern moderieren.“ Hier kann der Entwurf begutachtet und angeschaut werden (Link zum PDF).
Vorgeschlagen wird unter anderem, dass grundsätzlich jeder und jede Wahrnehmungsberechtigte Mitglied der VG Wort werden kann, unabhängig von der Höhe und der Dauer der bisherigen Ausschüttungen. Auch soll das bisherige Kammersystem der VG Wort mit seinen verschiedenen Berufsgruppen (von den Autoren über die Übersetzer bis zu den Verlegern) aufgelöst werden. Für alle, die an dieser Debatte Interesse haben: Hier findet sich die derzeit geltende Satzung der VG Wort (Link zum PDF).
Doch während wir uns hier noch Gedanken machen, wie eine neue, bessere VG Wort aussehen könnte, steuert die EU schon einen ganz anderen Kurs, warnt www.vginfo.org: Auf europäischer Ebene arbeitet man „mit Hochdruck darauf hin, dass die Urheber in Zukunft nicht mehr selbst entscheiden sollen (ob sie die Verleger an ihren Ausschüttungen beteiligen, Anm. d. Red.). Vielmehr sollen die Verleger in Zukunft einen Rechtsanspruch auf Beteiligung gegen die Autoren, auf Beteiligung an deren ,gerechtem Ausgleich‘ bekommen“, heißt es in einem Aufruf der Initiative. Sie fordert alle Urheber auf, Protestbriefe an EU-Abgeordnete zu schicken. Detaillierte Infos und Briefvorlage hier.
Die Entwicklung der Verwertungsgesellschaften ist auch das Thema eines dreistündigen Workshops, den Freischreiber-Vorstand Henry Steinhau auf der diesjährigen LIMA (Linke Medienakademie) hält: „Verwertungsgesellschaften und pauschale Vergütungen: Auslaufmodell oder Hoffnungsträger für (neue) Erträge im Digitalen?“
Termin: Sonntag, 2.4.2017, 10-13 Uhr, LIMA 17. Weitere Infos hier.
Der Folgeworkshop „Wie mache ich mich selbstständig?“ ist schon ausgebucht.
Das ganze Programm der LIMA 17 mit ihrem Freelancer-Tag findet sich hier (PDF).
„Zeit statt Zeile“ reloaded:
Das Fachgespräch zum Thema „Mindesthonorare für freie Journalisten“, das am 10. März im Bundestag bei der Fraktion DIE LINKE stattfand, hat einer alten Parole wieder frischen Wind verliehen: „Zeit statt Zeile“. Sie stammt aus den 90er-Jahren (manche sagen sogar 80er!) und ist leider aktuell wie nie (bei Zeilenhonoraren von 42 Cent und noch weit darunter). Wie das Gespräch verlaufen ist, lässt sich hier und hier nachlesen.
„Hm, rechnen wir mal“:
Ist die Forderung nach einem Mindestlohn oder einem Mindesteinkommen für Journalisten und Journalistinnen sinnvoll? Oder wäre das schlicht Teufelszeug? Das wird immer mal wieder unter uns Freien diskutiert. Ein sehr lesenswertes Interview zum Thema „Mindesthonorare für Freischaffende“ mit Tabea Rößner, Grünen-Politikerin aus Rheinland-Pfalz, findet sich in der Wochenendausgabe der „taz“ (18./19.3.). Dabei geht es um die legendären Soloselbstständigen, die KSK und die nötige Stärkung der Berufsverbände. Und schließlich kommt man in vollendeter Klarheit auf die Kulturjournalisten zu sprechen: „Eine freie Journalistin liest den Kriminalroman „Eine kurze Geschichte von sieben Morden“ von Marlon James, im Herbst 2016 in deutscher Übersetzung erschienen, 860 Seiten. Sie soll das Buch auf einer halben Zeitungsseite mit 5.000 Zeichen besprechen und dafür noch O-Töne vom Autor einholen. Ein dicht bedruckter Kriminalroman und ein eher anspruchsvolles Thema: Wie viel müsste eine soloselbstständige Journalistin als Minimum für ihren Artikel bekommen?“
Rößners Antwort: „Hm, rechnen wir mal. Zwei bis drei Tage für die Lektüre. Recherche/Interview vielleicht ein vierter Tag. Schreiben ein fünfter. Sagen wir mal fünf Tage, eine Arbeitswoche. Also fünf Tagessätze.“
Nächste Frage: „Wie hoch würden Sie den Tagessatz für eine Autorin ansetzen, die sich selbst versichern muss, ein eigenes Büro unterhält und auch einmal Urlaub machen möchte?“
Nächste Antwort: „Etwa 300 Euro als Tagessatz …? Ja, der Auftrag müsste mit 1.500 Euro honoriert werden!“
Gegenfrage: „Glauben Sie, dass irgendein privater oder öffentlich-rechtlicher Auftraggeber heute annähernd so viel dafür bezahlt?
Und die Antwort? „Nein.“
Und der Zusatz: „Und genau da liegt das Problem.“
Fleiß und Mut:
So heißt ein gemeinnütziger Berliner Verein, der Recherche-Stipendien an JournalistInnen-Teams vergibt. Das Stipendienprogramm „Kartographen“ will es „Teams erfahrener JournalistInnen ermöglichen, umfassende Recherchen zu gesellschaftsrelevanten Themen zu unternehmen“. Das Schwerpunktthema für 2017 lautet „Integration und Bildung“. Pro Team werden bis zu 28.000 Euro ausgeschüttet. Die Stipendien werden von der Stiftung Mercator finanziert. Im Beirat des Vereins sitzen u. a. die „Spiegel“-Redakteurin Özlem Gezer, Manuel J. Hartung von der „Zeit“ und Publizistik-Professor Otfried Jarren von der Uni Zürich. Zu den Stipendien schreibt der Verein: „Gefördert werden Teams sowohl von etablierten Medien also auch von Medien-Startups und aus der freien Szene. Nur recherche- oder investigativjournalistische Projekte können sich für den Zuschlag qualifizieren. Es werden nur Teams und keine Einzelpersonen gefördert.“ Anmeldeschluss ist der 3. Mai 2017. Die detaillierten Ausschreibungsunterlagen finden sich hier.
Ruhm, Ehre und ein warmer Händedruck:
Junge Journalisten und Journalistinnen bis 35 Jahre können an einem Wettbewerb teilnehmen, den das Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen des G-20-Gipfels ausrichtet. Es geht um das Motto „Eine vernetzte Welt gestalten“. Gesucht werden „Beiträge über die Zukunft der Arbeit, Frauenerwerbstätigkeit, nachhaltige Lieferketten, Jugendbeschäftigung und Migration“, die „nach dem 1. Januar 2015 und vor dem Einsendeschluss am 5. April 2017 in deutschen Medien veröffentlicht worden sind“. Fünf Beiträge werden prämiert, die GewinnerInnen zum G-20-Gipfel eingeladen. Mehr unter. bmas.de.
Welt retten, Geld verdienen:
Mit diesem hehren Ziel beschäftigt sich das Jouvenir Meetup am 31. März um 18.30 Uhr im Haus 73 in Hamburg. Mit dabei sind der Digitalstratege Christoph Kappes (Schmalbart), Coach Dannie Quilitzsch (Social Impact Lab) sowie Gründerin Julia Köberlein (Der Kontext). Mehr dazu hier.
Wir können auch schön: Das fjum_forum journalismus und medien in Wien bietet einen Kurs an zum „literarischen Schreiben für JournalistInnen“. Auf ins schöne Wien und schöner schreiben lernen! Der Workshop findet an drei Tagen in zwei Modulen statt. Termine: 23.3., 24.3., 8.5.2017, jeweils 9–15 Uhr. Kostenbeitrag: 620 Euro (für freie JournalistInnen gibt es eine schöne Ermäßigung von 50 Prozent).
Das wird man ja wohl noch sagen dürfen:
Ein Workshop über angemessene Berichterstattung zu Fluchtthemen und warum der sensible Sprachgebrauch so wichtig ist. Mit Alice Lanzke, Projektleiterin bei den Neuen deutschen Medienmachern, die auch für die Amadeu-Antonio-Stiftung Anti-Rassismus-Projekte betreut. W3, Werkstatt für internationale Kultur und Politik e.V. in Hamburg, Kursgebühr 15 Euro. Termin: Fr 31. März, 10–17 Uhr. Anmeldungen bitte bis zum 26. März an: info@w3-hamburg.de.
Zwei Seminare der Journalisten-Akademie der Bonner Friedrich-Ebert-Stiftung:
Über eine schwierige Beziehung, die eine Geschichte platzen lassen kann:
„Informieren oder Abservieren? Wie Pressesprecher_innen und Journalist_innen miteinander agieren“, am 23. März 2017 in Berlin;
und
„Innovative Tools und Apps für Journalist_innen“: Im Webinar werden innovative und nützliche Werkzeuge vorgestellt, die entweder den journalistischen Arbeitsalltag erleichtern oder es ermöglichen, Themen multimedial und interaktiv aufzubereiten. 27.–30. März 2017, online, je von ca. 19.00–20.15 Uhr.
Ungeliebt, füllt aber die Kasse:
Viele Journalisten machen hin und wieder PR. Aber offenbar tun sie es nicht gern, wie Daniel Bouhs in der „taz“ schreibt, sondern weil sie Geld verdienen müssen. Bouhs’ Bericht liegt eine qualitative Befragung zugrunde, die der Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Uni Mainz im Dezember 2016 durchgeführt hat. „Des Geldes wegen, aber nicht gern.“
Raus in den Park mit einem guten Buch! Wir hätten da ein paar Vorschläge:
1. „Der neue Iran. Eine Gesellschaft tritt aus dem Schatten“ von Freischreiber-Gründungsmitglied Charlotte Wiedemann ist am 10. März erschienen.
2. „Eddi Error“ heißt das Kinderbuch von Annegret Böhme über einen noch nicht ganz ausgereiften Aufräumrobotor, der in einer Familie landet.
3. „Dunkelblau – wie ich meinen Vater an den Alkohol verlor“ von Dominik Schottner. Das Buch basiert auf Schottners Radioreportage „Danke. Ciao!“, für die er 2016 den Deutschen Radiopreis für die beste Reportage bekommen hat.
4. „Kuddelmuddel von der Küste“. Maik Brandenburg hat ein Buch für die Lütten gemacht, mit Gedichten und Bildern zum Ausmalen.
5. Lesetermine für das Buch „Aus kontrolliertem Raubbau“ von Kathrin Hartmann. Die Autorin tourt durch die Lande, etwa in Würzburg oder in Dortmund.
6. Nicht zum Lesen, aber zum Gucken: Die Medizinjournalistin Sabine Thor-Wiedemann hat mit ihrer Koautorin Dorothee Schön (Berliner Freischreiber kennen sie als Gast bei einem der Stammtische) die Drehbücher zu einer ARD-Spielfilmserie verfasst. Sie heißt „Charité“, spielt in der Zeit um 1890 und läuft ab dem 21. März um 20.15 Uhr in der ARD.
7. Der Kladdebuchverlag finanziert seine Bücher über Crowdfunding. Für sein sogenanntes Crowdpublishing hat er 2014 auf der Frankfurter Buchmesse einen Preis für die beste Idee im Buchhandel bekommen. Und nun wird emsig gecrowdfunded, etwa für das Buchprojekt von Freischreiber-Regioleiter (Süd-West) Steve Przybilla: „United States of Food“ heißt die kulinarische Reportage-Rundreise durch die USA, in der es um Mondlicht-Gemüse und Zombie-Kaffee geht. Zum Funding geht’s hier lang.
8. Kein Buch, trotzdem zu empfehlen: Was aus so einem harmlosen Freischreiber-Stammtischbesuch entstehen kann, zeigt der Berliner Freischreiber Jens Mayer, den ein Stammtisch inspiriert hat. Nun veröffentlicht er seine erste Podcast-Reihe. Chapeau! http://serienreif-podcast.de
Das war es wieder von uns. Bevor wir uns trennen, hier noch ein luftiges Zitat eines sehr großen Dichters: „Das Schöne am Frühling ist, dass er immer gerade dann kommt, wenn man ihn braucht.“ (Jean Paul)
Frohe Grüße, Ihre :Freischreiber