text | Isabel Stettin

Psychologie: Fünf Menschen erzählen, wie sie eine tiefe Krise überwunden haben

Foto: Anne-Sophie Stolz / Spiegel Wissen Im Job wird alles zu viel, die Beziehung ist destruktiv, der Körper macht einfach nicht mehr mit - und jetzt? Fünf Menschen erzählen von tiefen Krisen und wie die zum Wendepunkt ihres Lebens wurden. * aus SPIEGEL Wissen 2/2021 "Hundert Kilo, viel Muskelmasse, das war meine Rüstung.

Wie wir Lebenskrisen überwinden können

“Ich wollte alle glücklich machen und vergaß dabei mich selbst”

Im Job wird alles zu viel, die Beziehung ist destruktiv, der Körper macht einfach nicht mehr mit – und jetzt? Fünf Menschen erzählen von tiefen Krisen und wie die zum Wendepunkt ihres Lebens wurden.

“Hundert Kilo, viel Muskelmasse, das war meine Rüstung. Dann kam der tiefe Fall” Andreas Renz, 44, war erfolgreicher Eishockey-Profi – und geriet in eine Sinnkrise. Nachdem er sich viele Jahre als Mensch verloren hatte, arbeitete er an der Beziehung zu sich selbst – und zeigt sich heute verletzlich.

“Eisen-Renz wurde ich genannt. Ich hatte mich immer durchgekämpft, durchgeschlagen, galt als ›unkaputtbar‹. Selbst mit schweren Verletzungen habe ich Eishockey gespielt. Hundert Kilogramm, viel Muskelmasse, das war meine Rüstung. Ich habe trainiert wie ein Wahnsinniger, war unheimlich ehrgeizig: viel Kampf, viel Disziplin. Ich war hart zu meinen Gegnern und noch härter zu mir.

Bis zu meinem 30. Lebensjahr hatte ich sportlich fast alles erreicht, was möglich war. Ich war Kapitän der Nationalmannschaft und wurde von vielen Menschen gefeiert. Nach außen wirkte ich stark und erfolgreich, doch schon damals hatte ich oft eine Leere in mir. Dann kam ein tiefer Fall. Bei einem Trainingsunfall zog ich mir eine schwere Augenverletzung zu und verlor einen Großteil der Sehkraft meines rechten Auges. Die Verletzung zwang mich, meine Karriere als Eishockey-Profi zu beenden. Das, was ich meinte zu sein und worüber ich mich als Mensch und Mann definierte, wurde mir genommen. Zur selben Zeit befand ich mich in einer ausweglosen Beziehungskrise. Sechs Jahre stand ich zwischen zwei Frauen und konnte mich nicht entscheiden, wohin ich gehöre – es begann mit einer Affäre. Ich entschied mich mal für die eine, mal für die andere, war komplett zerrissen. Ich hatte Sehnsucht nach einer erfüllten Beziehung, suchte nach Liebe, Aufmerksamkeit und Sicherheit und hatte riesige Angst vor Einsamkeit. Mir fehlten Sinn und Halt. Gefühlt brach mein ganzes Leben in sich zusammen.

via www.spiegel.de