Ein Ranger für alle Fälle

Beide Männer ziert ein Stern: Walker, Texas Ranger, rettet Dallas vor Kriminellen. Seine Waffe ist ein Colt. Stefan Leven, Rohr-Ranger, rettet Lüneburg vor verstopften Kanälen. Seine Waffe ist eine Reinigungsspirale.

Leven – 54 Jahre alt, zurückgegeltes, graues Haar, Silberbrille, dicke Uhr – hat sich das Zeichen des Sheriffs gezielt als Logo gewählt. Er mag die alte Action-serie des Texas Rangers. Er mag amerikanische Autos. Und er mag das Gefühl, als Retter in der Not aufzutreten. „Wir werden erst gerufen, wenn nichts mehr geht”, sagt er. Wenn Exkremente über Klodeckel schwappen, in Küchen Geschirr schwimmt, Wurzeln aus dem Keller wachsen. „Das Haus steht stumm da und leidet.” Bis er kommt, der Rohr-Ranger im Dauereinsatz.

Feierabend kennt er nicht

Mit seinem Dreieinhalb-Tonnen-Auto kurvt er 365 Tage im Jahr zu den Kunden, tags und nachts. Verstopfung kennt keine Uhrzeit – und Leven keinen Feierabend. Auf dem Fahrersitz seines orangefarbenen Kleinbusses thront er wie der Texas Ranger auf dem Rücken eines Pferdes. Johnny Cashs Stimme dröhnt aus den Lautsprechern, am Rückspiegel baumeln die „Fuzzy Dice”. Die plüschigen Würfel waren im Zweiten Weltkrieg Glücksbringer der US-Luftwaffe. Für Leven symbolisieren sie einen Leitspruch: „Allzeit bereit!”.

Den Bus hat er selbst ausgebaut, optimiert bis in den letzten Winkel: Neben einem 800 Liter-Wassertank drängen sich Wassersauger, Gaswarner, Schachthaken. Tägliches Handwerkszeug eines Rohr-Rangers.

Leven macht den Job seit 25 Jahren, ein Vierteljahrhundert, das ihn zum Meister seines Fachs geschult hat. Der graue Overall mit Stern am Ärmel sitzt längst wie eine zweite Haut. Vorher jobbte er auf dem Bau und im Schlachthof, als Bäcker und S-Bahn-Wächter. Meist arbeitete der gebürtige Lüneburger dort allerdings allein – nicht sein Ding. Stefan Leven mag es, wenn es menschelt. Er genießt das Vertrauen der Leute in seine Expertise, den Ruf als Retter in der Not.

via www.landeszeitung.de