Artikel | Tabea Hamperl

Entlang der Seine nach Paris: Museum Barberini zeigt zwei prominente Neuzugänge

Das Museum Barberini hat Neuerwerbungen von Claude Monet und Camille Pissarro vorgestellt. Es ist der Auftakt zum Jubiläumsjahr des Impressionismus.

Von Giverny über Limetz, Jeufosse und Argenteuil nach Paris: Die Seine ist reich an wichtigen Orten für den Impressionismus – und sein vielleicht wichtigstes Motiv. Im Barberini kann man die wechselhaften Landschaften der Seine durch die Augen der Impressionisten abschreiten, um letztlich in der neuen Welt des Haussmann-Paris mit seinen Boulevards und neuen Quartieren anzukommen. Auf dem Weg liegt jetzt auch die steinerne Getreidemühle, die Claude Monet 1888 in „Die Mühle von Limetz” festgehalten hat, sowie Camille Pissarros Blick von der Pariser Île de la Cité: „Der Louvre, Morgen, Frühling” (1902).

 

Einen Tag nach Hasso Plattners 80. Geburtstag haben Ortrud Westheider, Direktorin des Museum Barberini, und Sammlungskurator Dr. Daniel Zamani die beiden Ende 2023 von der Hasso Plattner Foundation erworbenen Neuzugänge des Museum Barberini vorgestellt. „Mit diesen Ankäufen stärkt Potsdam seine Position als Sammlungsstandort, der die Landschaftsmalerei des französischen Impressionismus so konsequent nachvollziehbar macht wie kaum ein anderer”, so Ortrud Westheider.

 

„Die Mühle von Limetz” ist im Nachbarort von Giverny entstanden, wo Monet fünf Jahre vorher hingezogen war. Dichtes blau, grün und violett schattiertes Laub hängt über das Wasser der Epte, einem Seitenarm der Seine. Trotz der prominenten Stellung im Bildtitel scheint die Mühle rechts an den Rand des Bildes gedrängt. Setzte Monet sich in seinen Werken vorher jahrelang mit Fortschrittsthemen wie der Eisenbahn auseinander, ist das Gemälde Bestandteil seiner Rückkehr zu ländlichen Themen in den 1880er Jahren.

 

„Der Ankauf schließt eine Lücke in der Sammlung”, sagt Zaman i. Mit dem Gemälde werde der bisherige Sammlungs-Fokus auf Monets spätere Arbeiten nach vorne verschoben. Die ungewöhnliche Komposition sei ein bewusst freches Spiel mit den Sehgewohnheiten; die Reflexion der Mühle im Wasser beinahe ein Schritt in Richtung abstrakter Expressionismus.

Laut Barberini ist das Gemälde der 39. Monet der Sammlung, die außerhalb Frankreichs über den größten Werkkomplex des Künstlers in Europa verfüge. Es stammt aus der Sammlung Bertha und Potter Palmer aus Chicago, das, vererbt an Gordon Palmer, 2020 zuletzt Teil der Ausstellung „Monet and Chicago” im Art Institute of Chicago war.

„Der Louvre, Morgen, Frühling” ist laut Zamani das siebte Werk von Camille Pissarro in der Sammlung. Der morgendliche Blick auf den Palais du Louvre mit seinen alten Meistern gehöre zu einer Gruppe von 60 Paris-Darstellungen, die Pissarro Anfang des 20. Jahrhunderts auf der Île de la Cité angefertigt habe.

 

Seine Freundschaft mit Monet lasse darauf schließen, dass seine Stadtansichten als Reaktion auf dessen Bilder entstanden sind. Laut Zamani ist „Der Louvre, Morgen, Frühling” mit sechs weiteren Werken der Sammlung Hasso Plattner der Ausgangspunkt für eine großangelegte Pissarro-Retrospektive im Museum Barberini im Sommer 2025.

 

Mit der Vorstellung der Neuerwerbungen läutete das Museum Barberini seine Aktivitäten zum weltweit gefeierten Jubiläumsjahr des Impressionismus ein, der 1874 mit der ersten von acht Impressionisten-Ausstellungen in Paris begründet wurde. Unter anderem findet am 15. und 16. Mai ein öffentliches Symposium statt, das die Bedeutung des Impressionismus mit Blick auf aktuelle Fragestellungen beleuchtet.

Ein „Music Walk” bietet dann eine musikalische Vertiefung der einzelnen Gemälde – und das Restaurant Barberini kocht Rezepte von Claude Monet nach.

via www.tagesspiegel.de