text | Lena Bammert

Einen Homosexuellen zum Mitnehmen, bitte: Wie man Queerfeindlichkeit begegnen kann

Nürnberg - Queerfeindlichkeit ist immer noch ein Problem - auch in Nürnberg ergoss sich jüngst wieder Hass nach einer Regenbogen-Aktion. Dabei gibt es seit Jahrzehnten eine wissenschaftliche Lösung. Es scheitert nur an der Umsetzung, kommentiert Lena Bammert.

Nürnberg – Queerfeindlichkeit ist immer noch ein Problem – auch in Nürnberg ergoss sich jüngst wieder Hass nach einer Regenbogen-Aktion. Dabei gibt es seit Jahrzehnten eine wissenschaftliche Lösung. Es scheitert nur an der Umsetzung, kommentiert Lena Bammert.

Seit einer Anfrage der Grünen Anfang des Jahres ist auch statistisch bewiesen: Menschen werden in Bayern überdurchschnittlich häufig Opfer von Straftaten, die sich gegen die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität richten. Nicht nur das, es reicht anscheinend schon, sich mit der queeren Gemeinschaft zu solidarisieren. So postete Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König Bilder, die ihn auf dem neuen Regenbogen-Zebrastreifen zeigen. Die Reaktion: Unmengen von Hassnachrichten.

Im Rest Deutschlands sieht es ähnlich aus. Unbekannte tauschten in Neubrandenburg eine Regenbogenfahne gegen eine Hakenkreuzfahne aus, in Hannover verprügelten mehrere Männer eine Transfrau. Es hört nicht auf, es ist zu viel, es wird nicht besser. Dabei gibt es seit den Fünfziger Jahren eine Lösungsweg. Es scheitert nur an der Umsetzung.

Die Rede ist von der Kontakthypothese: Wenn Menschen persönlichen Kontakt zu Menschen haben, die anders als sie sind, kann das Vorurteile, Feindseligkeiten und Diskriminierungen reduzieren. Nur ist das leichter gesagt als getan. Denn auch der Spruch “Gleich und Gleich gesellt sich gern” ist wissenschaftlich bewiesen, man nennt das soziale Homophilie. Menschen tauschen sich eher mit Menschen aus, die ihnen ähneln. Und genau hier liegt das Problem. Die Mehrheitsgesellschaft hat besseres zu tun als sich mit den Minderheiten dieser Welt auszutauschen. Verständlicherweise. Subjektiv gesehen, ist das Leben für alle Menschen eine Herausforderung und die Lebenszeit ist sowieso begrenzt. Umso wichtiger also, wie man sie einsetzt.

Weniger Bass und mehr Stille

Die Pride Paraden werden das Problem nicht lösen. Sie sorgen für mehr Sichtbarkeit und Gemeinschaft, aber für ein wirkliches Gespräch, für einen echten Kontakt braucht es manchmal weniger Bass und mehr Stille. Und niedrigschwellige Angebote. Solche, bei denen die Mehrheitsgesellschaft die Wohnung nicht mal verlassen muss. Wie viel einfacher alles wäre, könnte man sich eine queere Person in den virtuellen Einkaufswagen legen und sich zu Hause dann gegenseitig vom Leben erzählen. Diese Lieferoption gibt es leider noch nicht.


Aber es gibt Geschichten: Filme, Bücher, Zeitungsartikel, die davon erzählen, wie es ist, jemand anderes zu sein. Die es vereinfachen, mit Fremden in Kontakt zu treten. Ohne dass man dabei beobachtet oder für seine Reaktion verurteilt wird.

Vielleicht findet man Gemeinsamkeiten, wo zuvor nur Unterschiede waren. Schlimmstenfalls langweilt man sich. Aber selbst dann ist man in Kontakt getreten. Selbst dann kann man allen erzählen: Ich weiß nicht, was du heute schon getan hast, aber ich habe die Welt verbessert, das kann ich wissenschaftlich belegen.

Also, Fernseher einschalten, Zeitung aufschlagen, Link klicken, Herz öffnen.

via www.nordbayern.de