text | Isabel Stettin

Ein Spezialist für…Sprengstoff

Es war nachts um eins, als das Telefon Hans Erben aus dem Schlaf riss. Ein Kollege war am Apparat. In einer Kleinstadt bei Jena lagere auf einem Grundstück Sprengstoff. Der Besitzer selbst habe sich an die Polizei gewandt. Seine Lebens­gefährtin hatte ihm ein Ultimatum gestellt: „Entweder der Sprengstoff kommt weg.

Es war nachts um eins, als das Telefon Hans Erben aus dem Schlaf riss. Ein Kollege war am Apparat. In einer Kleinstadt bei Jena lagere auf einem Grundstück Sprengstoff. Der Besitzer selbst habe sich an die Polizei gewandt. Seine Lebens­gefährtin hatte ihm ein Ultimatum gestellt: „Entweder der Sprengstoff kommt weg. Oder ich und unser Kind gehen.” Was genau der Mann hortete, war unklar. Doch die Beamten gingen in jener Dezembernacht 2012 von einer „sehr ernsten Lage” aus. Der Mann war ihnen bekannt – wegen Betrugs, Körperverletzung, Sachbeschädigung. Hatte er einen Anschlag geplant?

„Wir sind Berufspessimisten, wir müssen immer vom Schlimmsten ausgehen”, sagt Erben. Minuten nach dem Anruf saß er mit seinen Kollegen im Einsatz-Lkw, auf der Ladefläche einen 300000 Euro teuren Roboter, Wassergewehre zum Entschärfen von Bomben und Schutzanzüge.

Nach zwei Stunden waren sie angekommen. Das Grundstück war bereits abgesperrt. Der betrunkene Hausbesitzer bereute mittlerweile seinen Anruf und verweigerte die Aussage. Seine Freundin deutete schweigend auf einen von Schrott umgebenen Werkstattschuppen neben dem Wohnhaus.

Es folgte der längste Einsatz, den Erben bislang hatte.

Seit 1991 arbeitet er als Entschärfer beim Thüringer LKA. Gelernt hatte er Feinwerkmechaniker, später ging er zur Polizei und fing dort nach einer Sonderausbildung bei der Spezialeinheit für unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen (USBV) an…

via www.stern.de