„Davor stehe ich mit meinem Namen“
Eine frisch gegründete Werbeagentur brauchte Referenzen, der Dönerladen vor ihrer Tür Kunden. Das ist der Beginn eines Marketing-Wunders.
Mittags, halb eins in Deutschland: Vor einer Dönerbude in Berlin stehen Menschen in einer Schlange und warten. Dreiviertelstunde, eine Stunde, anderthalb. Sprachfetzen in Englisch und Französisch mischen sich mit Spanisch, Dänisch, Deutsch. Vor der Ladenfront knutscht ein Pärchen, dahinter schmieren die Dönerverkäufer Soße aufs Fladenbrot, säbeln Fleisch vom Spieß, und lachen.
Eilig hat es hier niemand.
Vorsichtig hebt ein Kunde den in Folie gewickelten Dürüm, eine Art Wrap, vom Tresen, wiegt das Gewicht mit der Hand, nickt anerkennend.
„Sag das mal deinem Chef, dass du in der Pause kurz bei Mustafa warst :D :D :D“, schrieb jemand im Internet. „Kein Berliner steht da an, 99 % nur Touristen“, ein anderer.
Mustafa’s Gemüse Kebap ist so was wie das Berghain unter den Dönerläden. Alle wollen hin. Und das, weil vor knapp 20 Jahren zwei Werber zu viel Zeit, zu wenige Kunden und eine Idee hatten. Dominic Czaja und Joachim Bosse, die Gründer der Agentur Dojo, schenkten der Dönerbude Website, Logo und Werbespot. *
Heute zählen Spotify und Tinder, die Sparda-Bank und Aldi Süd zu Dojos Kunden. Für Easyjet ließ die Agentur „Inländer raus“ auf orangefarbene Plakate drucken, den Lieferdienst Wolt bewarb sie mit: „Ohne Vielfalt gäb’s hier nur Kartoffeln.“ Provokation mit Haltung und 5,5 Millionen Euro Jahresumsatz.
„Make relevant shit or make shit relevant“ läuft in Laufschrift über Dojos Website. 50 Leute arbeiten für die Berliner Agentur, die sich selbst die Punica-Oase in der Werbe-Wüste nennt.
Es begann mit zwei hungrigen Studenten an einem dunklen, kalten Herbstabend im Jahr 2005 in Berlin-Kreuzberg. […]
via www.brandeins.de