feature | Hannah El-Hitami

„Mein Ex-Mann hat gerichtlich beantragt, seine Tochter einmal in der Woche sehen zu können", schreibt Engy A. in die Facebook-Gruppe. „Seit vier Jahren bringe ich sie jede Woche zum Treffpunkt, doch er ist kein einziges Mal aufgetaucht. Kann ich ihn verklagen?" Eine andere Frau schreibt: „Seit elf Monaten wohne ich wieder bei meinen Eltern.

„Mein Ex-Mann hat gerichtlich beantragt, seine Tochter einmal in der Woche sehen zu können”, schreibt Engy A. in die Facebook-Gruppe. „Seit vier Jahren bringe ich sie jede Woche zum Treffpunkt, doch er ist kein einziges Mal aufgetaucht. Kann ich ihn verklagen?”

Eine andere Frau schreibt: „Seit elf Monaten wohne ich wieder bei meinen Eltern. Mein Mann hat mich fast umgebracht, während ich schwanger war. Er verweigert die Scheidung und schickt mir Drohnachrichten.”

Auf nahezu jeden Post folgen innerhalb weniger Stunden Dutzende Kommentare, in denen andere Frauen von ihren eigenen Erfahrungen berichten, an Anwälte verweisen oder einander ermutigen weiterzukämpfen – um Unterhaltszahlungen, um ihre Kinder oder ihre Sicherheit. Außerdem posten sie Jobangebote oder spenden, wenn einer Frau das Geld für Schulgebühren oder eine medizinische Behandlung fehlt.

Die Facebook-Gruppe heißt „Egyptian Single Mothers” und hat inzwischen knapp 65.000 Mitglieder. Nermeen Abousalem, 46, hat sie vor knapp vier Jahren gegründet. Die alleinerziehende Mutter dreier Kinder wollte einen Raum schaffen, in dem sich Frauen gegenseitig in Rechtsfragen, emotionalen Krisen und wirtschaftlichen Notlagen unterstützen können. Zudem tritt Abousalem, die sonst in der Personalabteilung eines Kommunikationsunternehmens arbeitet, regelmäßig in ägyptischen Medien auf, um die Wahrnehmung geschiedener Frauen zu verändern.

via www.spiegel.de