14. Mai 2009

Was Google mit den Verlagen macht, machen die Verlage mit ihren Autoren

Mit ihrer Marktmacht setzen die Verlage Verträge durch, die ausschließlich die Interessen der Verwerter bedienen, nicht die der Urheber. Freischreiber, der Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten, fordert: Schluss mit der Politik der Buy-Out-Verträge! Seit Jahren beobachten wir eine Verschärfung der Arbeitsbedingungen freier Journalisten. Die Honorare sind seit Jahren nicht mehr gestiegen, in vielen Medienhäusern wurden sie sogar gesenkt. Gleichzeitig sind freie Journalisten inzwischen nahezu branchenweit gezwungen, Verträge zu unterschreiben, in denen sie sämtliche Rechte gegen eine Pauschalvergütung an Verlage abtreten. Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) fordert ein Leistungsschutzrecht für Verlage, um sich gegen die unentgeltliche Ausnutzung ihrer Angebote im Internet wehren zu können. Mit der Praxis der so genannten Buy-Out-Verträge verhalten sich die Verlage aber kaum besser als Google. Sie nutzen ihre Marktmacht, um Fakten zu schaffen, die die Urheber praktisch enteignen. „Die Verlage kopieren, verwerten, verschieben und verkaufen Texte, die Autoren für sie geschrieben haben – ohne die Mehrfachnutzung angemessen zu vergüten“, sagt Kai Schächtele, Vorsitzender von Freischreiber, dem Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten. Das Buy-Out-Vertragsmodell hat sich seit der Zeitungskrise 2001/2002 bei allen namhaften Häusern durchgesetzt: Axel Springer, Holtzbrinck, Süddeutscher Verlag, M. DuMont Schauberg, Gruner und Jahr und die Frankfurter Allgemeine Zeitung geben solche Verträge genauso aus wie das Gros der Regionalzeitungen. Diese Verträge beinhalten häufig Passagen, die es den Verlagen erlauben, einmal bezahlte Inhalte zeitlich unbegrenzt und in allen Medienformen – selbst solchen, die es heute noch nicht gibt – zu nutzen. Außerdem sehen viele dieser Verträge den Weiterverkauf an Dritte vor – nicht nur an andere Zeitungen, sondern auch an Agenturen oder Unternehmen. Solche Verträge bedeuten eine Perversion des Urheberrechts. Sie haben das Gegenteil dessen zur Folge, was die Verlage nach außen hin postulieren. Sie untergraben die Qualität des Journalismus, sie sind weder kaufmännisch fair noch sind sie auf ein partnerschaftliches Miteinander aller Beteiligten ausgelegt. Wir, die im Verband Freischreiber organisierten freien Journalisten, fordern die Verantwortlichen in der Politik wie in den Verlagshäusern auf, unsere Rechte gleichrangig zu denen der Verlage zu behandeln.


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