Fair auf Augenhöhe
14. Juli 2021

Sprechen Sie mit uns!

Wir müssen über die Pressefreiheit reden. Ein Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums hat massive Einschränkungen von Journalist*innen und eine Enteignung ihres geistigen Eigentums gefordert; das Positionspapier war gut einen Monat öffentlich auf der Webseite des Ministeriums zugänglich. Unbemerkt vielleicht, aber in jedem Fall unwidersprochen. (Mehr dazu hier.)

Es reicht nicht, nun zu betonen, dass hier keinesfalls die Haltung des Ministeriums wiedergegeben worden sei, und das Dokument nun viel zu spät zu löschen. Die Bundesregierung muss endlich damit beginnen, die Belange von freien Journalist*innen zu berücksichtigen. 

Deshalb unsere Bitten an die Bundesregierung:

Sprechen Sie mit uns, hören Sie uns zu. Journalismus ist ein Pfeiler der Demokratie, der zwar oft stört, aber dennoch unverzichtbar ist. Setzen Sie einen ständigen Beirat von freien und festangestellten Journalist*innen ein, der Missstände und Lösungsmöglichkeiten aufzeigt. 

Schaffen Sie Rahmenbedingungen, die die Pressefreiheit auch in Krisenzeiten gewährleisten. Journalist*innen müssen berichten können, ohne Angst vor Bedrohungen und kostenintensiven Abmahnungen zu haben. Wir brauchen Bewegungsfreiheit. Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie dürfen die Arbeit von Journalist*innen nicht einschränken. Nicht zuletzt benötigen wir ein Urhebervertragsrecht, das freienJournalist*innen ein auskömmliches Einkommen zu allen Zeiten garantiert.

Auch an die Medienunternehmen haben wir eine Bitte:

Stellen Sie sich hinter ihre freien Journalist*innen; verzichten Sie auf Vertragsklauseln, die die Haftung für Berichte vollständig auf die freien Mitarbeiter*innen übertragen. 

Denn die Ereignisse der vergangenen Tage sind nur die vorerst letzten in einer immer länger werdenden Serie aus Vorkommnissen, die vor allem freien Journalist*innen die Arbeit schwer machen.

Viel zu oft versuchen Unternehmen, unliebsame Berichterstattung durch die Drohung mit juristischen Schritten zu verhindern. Ohne Rückhalt durch Politik und Auftraggeber*innen verhindert dies auch korrekte, berechtigte Beiträge. Immer wieder berichten Kolleg*innen, dass Polizeibeamt*innen oder Ordnungsbehörden die Privatadresse und den Inhalt der Berichterstattung erheben.

Wer als freie Journalist*in auf einer eigenen Homepage im Netz für die eigene Arbeit werben will, muss die eigene Adresse öffentlich machen, und dies in einer Zeit, in der Bedrohungen zunehmen. Bei der Überarbeitung des Urheberrechts sind indes zwar die Interessen von Presseverlagen umfangreich berücksichtigt worden. Freie Journalist*innen haben aber nach wie vor keine realistische Möglichkeit, auskömmliche Honorare und Verträge auf Augenhöhe durchzusetzen. Deutsche Auslandskorrespondent*innen, deren Berichterstattung eine Basis für die Gestaltung der deutschen Außenpolitik bildet, wurden bei den Hilfsmaßnahmen zur Milderung der Folgen der Corona-Pandemie völlig vergessen. 

Journalismus ist kein Luxus, auf den man in Krisenzeiten eben verzichten können muss, sondern eine Lebensnotwendigkeit. 

Freischreiber, der Berufsverband freier Journalist*innen, ist jederzeit zum Gespräch bereit.

Freischreiber setzt sich seit über zehn Jahren exklusiv für die Belange freier Journalist*innen ein. Wir streiten für ein Urheberrecht, das tatsächlich den Urheber*innen dient und nicht den Verwerter*innen, für bessere Verträge und Zusammenarbeit auf Augenhöhe. 


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