11. Juli 2025

Sommer, Sonne, Sorgfalt

Es wird endlich Sommer. Für uns Freie heißt das: VG-Wort-Ausschüttung, Sommerloch – und hoffentlich auch mal Urlaub. Doch so angenehm die warmen Tage sind, so deutlich zeigen sie auch: Die Klimakrise ist da. Hitzerekorde, ausgetrocknete Böden, Waldbrände – das ist keine ferne Zukunft, sondern Gegenwart.

Darum braucht es mehr Klimajournalist*innen. Menschen, die einordnen statt zu verharmlosen. Die nicht mit Pool-Fotos und Palmen über Hitzewellen berichten, sondern über Wetterextreme, ihre Folgen und wie wir uns daran anpassen und Lösungen finden können. Zum Glück haben Freischreiber*innen die Freiheit, sich bei 35 Grad Celsius im Schatten auch mal eine Siesta zu gönnen.

Was uns bewegt

Netzwerk-Recherche-Jahreskonferenz 2025

Foto: Johannes Klostermeier

:Freischreiber war auch dieses Jahr wieder bei der Netzwerk-Recherche-Jahreskonferenz in Hamburg dabei – mit einem Panel zum Thema Honorarverhandlungen. Carolina Torres, Verena Carl und Lisbeth Schröder vermittelten den Teilnehmenden, wie man es schafft, selbstbewusst den eigenen Preis zu nennen, sich zuvor ausreichend über die Bedingungen des Auftraggebers zu informieren (zum Beispiel im :Freischreiber-Slack) und sich nicht über den Tisch ziehen zu lassen.

Außerdem konnten wir den Neuen Deutschen Medienmacher:innen nachträglich den goldenen :Freischreiber-Füller zu ihrem 15-jährigen Jubiläum feierlich überreichen.

Wir haben uns gefreut, viele :Freischreiber-Mitglieder vor Ort zu treffen. Am Ende ließen wir mit der Hamburger :Freischreiber-Gruppe den Abend bei Bier und mit Hund ausklingen. Es war ein Fest, mit euch zu feiern!

Rebecca Roth und Karolina Kaltschnee von den NdM

Barcamp & Mitgliederversammlung

Feiern wollen wir auch auf unserer Mitgliederversammlung am 27. September in der Lettrétage in Berlin. Habt ihr euch schon angemeldet? Alle zwei Jahre wird der :Freischreiber-Vorstand neu gewählt. Als Mitglieder bestimmt ihr, wer bis 2027 diese Rolle übernehmen soll – oder stellt euch sogar selbst zur Wahl.

Kurz zusammengefasst: Die Versammlung ist unser oberstes beschlussfassendes Gremium. Auf der Agenda steht:

a) die Wahl des neuen Vorstandes (!) und des Aufnahmeausschusses
b) der Check des Tätigkeitsberichts des alten Vorstandes und des Kassenberichts
c) die Beratung über satzungsändernde Anträge. 

Das klingt im Juristendeutsch immer so dröge. Dabei sind unsere Treffen jedes Mal ein Ereignis! Zuvor laden wir wieder zum Mini-Barcamp freier Journalist*innen ein. Wenn ihr Fragen habt, meldet euch gerne!

Hier gehts zu noch mehr Infos und zur Anmeldung. 

:Freischreiberiges

Vernetzt frei

Unser Vorstand hat sich mit dem :Freischreiber-Österreich-Vorstand via Zoom ausgetauscht, gemeinsame Aktionen geplant und die Presselandschaft in beiden Ländern verglichen. In Österreich können Magazine, Tages- und Wochenzeitungen eine Presseförderung beantragen. Ob dadurch mehr Spielraum für Honorarverhandlung entsteht? Danke für den Austausch! 

Zur Info: Unsere Kolleg*innen aus Österreich sind seit kurzem auch in unserem Slack willkommen. Nutzt die Chance, tauscht euch über Auftraggebende in beiden Ländern aus! Vielleicht bietet sich ja auch die Gelegenheit zu einem Cross-Border-Projekt?

:Freischreiber-Couchsurfing

Foto: Lisbeth Schröder

Zwei Freischreiberinnen an der Seine: Lisbeth Schröder hat Elisa Kautzky in Paris besucht – ein Zwischenstopp auf ihrer Reise zum Filmfestival in La Rochelle. Lisbeth war im Juni viel unterwegs, da kam ihr der Halt bei Elisa in Paris wie gerufen: Eine Unterkunft, ein Spaziergang am Louvre, Gespräche über Text, Geld und das Leben als Freie. Wie schön ist es, wenn sich durch den Verband Kontakte ergeben, die über Städte- und Ländergrenzen hinausgehen! Vielleicht ist es deshalb Zeit für eine Art Freischreiber-Couchsurfing – eine kleine Karte mit offenen Türen, Sofas und Cafétipps. Für spontane Zwischenstopps und echten Austausch. Was denkt ihr? Schreibt uns gerne eine E-Mail

:Frei heraus

Freie Kolleg*innen bekommen viel zu selten eine Bühne. In dieser Rubrik stellen wir euch deshalb Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen vor. Dieses Mal: Robert Hofmann.

Drei Fragen an Robert Hofmann

Robert Hofmann ist freier Journalist in Berlin. Er arbeitet unter anderem für DIE ZEIT, den Spiegel, das SZ Magazin und den Stern. Zuvor war er Redakteur bei VICE und Chefredakteur eines Obdachlosenmagazins. Er gibt Kurse und Coachings zu lustigem Schreiben, Kolumnen und Magazinmachen.

Foto: privat

Wo arbeitest du am liebsten?

Ich mag die Berliner Staatsbibliothek. Die ist zwar zu drei Vierteln verrottet, aber immer noch so brutalistisch charmant wie in den 80ern. Sitze ich darin, komme ich mir vor wie ein Investigativjournalist, der in den Untiefen geheimer Archive unentdeckte Schätze hebt und damit Regierungen zu Fall bringt. Vor allem hätte ich in den 80ern davon auch noch gut leben können.

Welche sind deine wichtigsten Arbeitsutensilien?

Ich schreibe am liebsten auf Papier, deshalb trage ich immer Block und Kuli bei mir. Weil auf meinem Laptop aber nicht nur Textverarbeitungsprogramme, sondern auch Computerspiele installiert sind, wäre es Quatsch, wenn ich irgendwas anderes als liebstes Arbeitsutensil nennen würde. 

Was ist das Ärgerlichste, das dir im Job passieren kann?

Wenn ich morgens aufwache und gar keine Lust auf Arbeit habe. Ich bin wahnsinnig schlecht darin, mich zu Dingen zu zwingen. Wenn einmal der Wurm drin ist, frisst er sich komplett durch den ganzen Tag. Nervig sind aber auch Redaktionen, die nicht antworten, obwohl man schon zweimal nachgefragt hat. Schade, dass die hier nicht mitlesen.

:Tipp des Monats: Die sichere Mittagspause

Freie Journalist*innen arbeiten unabhängig, aber oft auch ohne Netz und doppelten Boden. Eugénie Zobel-Varga – Volljuristin, Journalistin und Datenschutzbeauftragte bei der Stiftung Warentest – hat in der Digitalen Mittagspause „Selbstständig & sicher“ die wichtigsten Versicherungen für Freie zusammengefasst und worauf man achten sollte – von Berufshaftpflicht und Rechtsschutz über Technik- und Unfallversicherung bis zur Altersvorsorge. Besonders wichtig: Früh anfangen, Verträge regelmäßig prüfen – und bei Mischberufen genau hinschauen, ob auch wirklich jede Tätigkeit versichert ist. Denn wer schreibt, fotografiert, moderiert oder podcastet, braucht oft mehr als nur einen Schutzschirm. Eugénies Handout ist für Freischreiber*innen im Mitgliederbereich verfügbar.

:Buchverlosung

Es gibt wieder ein Buch zu gewinnen. Diesmal: „Urlaub vom Patriarchat” von Friederike Oertel.

Wie fühlt es sich an, dem Patriarchat zu entkommen? Friederike Oertel nimmt uns mit nach Juchitán, einer Stadt im Süden Mexikos, die als eines der letzten Matriarchate der Welt gilt. Dort führen Frauen das gesellschaftliche Leben, Besitz geht von Mutter zu Tochter, und Muxe – Menschen eines dritten Geschlechts – sind fester Teil des Alltags.

Mit scharfer Beobachtung und poetischer Sprache erzählt Oertel von einer Reise, die zur persönlichen und politischen Reflexion wird: über Rollenbilder, Selbstzweifel und die Hoffnung auf neue Formen des Zusammenlebens. Doch auch im Matriarchat ist Frausein komplizierter als erwartet.

Interessiert? Schreib uns bis zum 31. Juli eine E-Mail an redaktion@freischreiber.de mit dem Betreff „Buchverlosung“ und deiner Adresse. Der oder die Gewinner*in wird im nächsten Newsletter bekannt gegeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück! 

Danke für eure Zusendungen im Juni. Das Buch „Herzlandschaft – Marie Luise Kaschnitz und Italien“ von Freischreiberin Juliane Ziegler geht an Frank Keil. Herzlichen Glückwunsch!

Habt ihr gerade ein neues Buch veröffentlicht, oder steht die Veröffentlichung kurz bevor? Dann meldet euch bei (redaktion@freischreiber.de), damit wir es verlosen können. Ihr bekommt Reichweite und ein*e Freischreiber*in freut sich – Win-win!

:Hörtipp

Rechte evangelikale Christen sind gegen Sex vor der Ehe, Klimaschutz und LGBTQ. Manche sympathisieren mit der AfD. Hunderttausende folgen der rechtsextremen Partei auf Instagram und Youtube, wo sie für ein patriarchales Weltbild samt Unterordnung der Frau wirbt. Ein Deutschlandfunk-Feature von Freischreiberin Mechthild Klein.

:Sommerpause

Die Geschäftsführung und der Vorstand gehen am 14. Juli in die Sommerpause und sind am 1. August wieder für euch da. Bis dahin habt eine schöne Zeit!

:Dies & Das

DIE ZEIT

Die Wochenzeitung DIE ZEIT und ZEIT ONLINE legen ihre Redaktionen zusammen, um Print und Digital künftig noch enger zu verzahnen. Ziel der Integration ist eine stärkere thematische Zusammenarbeit, effizientere Strukturen und ein einheitlicher publizistischer Auftritt über alle Kanäle hinweg. Für uns Freie kann das eine Gelegenheit sein – denn mitten im Umbruch entstehen Lücken und Spielräume. Gerade jetzt im Sommerloch lohnt es sich, gezielt Themenvorschläge anzubieten. 

Wie viel ist journalistische Arbeit wert?

Ziemlich viel, wie die Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Studie von FehrAdvice & Partners zeigen: 73 Prozent der Google-Nutzer*innen bevorzugen demnach Suchergebnisse mit journalistischen Inhalten. Und sie wären bereit, rund 24 Prozent mehr für eine Google-Suche mit Medieninhalten zu zahlen. Wer einmal erlebt hat, wie sich die Suche ohne journalistische Inhalte anfühlt, bewertet den eigenen Sucherfolg um 17,2  Prozent schlechter – und klickt bei einer erneuten Suche deutlich häufiger direkt auf journalistische Webseiten. Klar ist: Auch Plattformen wie Perplexity leben davon, dass sie Nutzer*innen Inhalte von SternGeo oder National Geographic anbieten. Journalismus macht den Unterschied – auch im Algorithmus.

Schutz vor Einschüchterungsklagen

Justizministerin Stefanie Hubig will Journalist*innen künftig besser vor sogenannten SLAPP-Klagen schützen und diese erschweren – also strategische Klagen, die nur dazu dienen, kritische Stimmen mundtot zu machen. Das berichtet u. a. der Spiegel. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass Gerichte solche Verfahren als missbräuchlich erkennen und entsprechend reagieren können: mit höheren Gebühren für Kläger*innen, schnelleren Verfahren und erweiterter Kostenerstattung für die Beklagten.

Wie Afrika aus den Medien verschwindet

Eine Untersuchung des Erich-Brost-Instituts zeigt: Afrika kommt in unseren Medien kaum vor – und wenn, dann meist negativ. Nur ein minimaler Anteil der verfügbaren Sendezeit oder Druckseiten widmet sich afrikanischen Themen. Selbst historische Ereignisse wie der Krieg in Tigray mit über 600.000 Toten oder die aktuell größte humanitäre Krise der Welt im Sudan finden kaum Erwähnung. Wenn über Afrika berichtet wird, dann oft unter dem Vorzeichen von Kriegen, Krisen und Katastrophen. Die Studie trägt den treffenden Titel: „An den Rand gedrängt“ – und ist ein klarer Appell an Redaktionen, ihre globale Perspektive zu überdenken.

Medien unter Druck

Die preisgekrönte US-Sendung „60 Minutes“ steht unter massivem Druck: Donald Trump hat den Sender CBS auf 10 Milliarden US-Dollar verklagt: Er behauptet, dass ein Interview mit seiner Konkurrentin um das Weiße Haus, Kamala Harris, im Wahlkampf so geschnitten wurde, dass ihre Antworten kohärenter klingen würden. Der Fall ist exemplarisch für das neue Klima in den USA: Medienhäuser wie ABCNBC oder CNN ziehen sich zurück, investigative Redaktionen werden abgespalten oder geschwächt. Wer kritisch berichtet, gefährdet heute Geschäftsinteressen und gerät politisch ins Visier. Ein drastischer Blick auf das, was passieren kann, wenn Pressefreiheit zur Verhandlungsmasse wird. Mehr dazu hier.

Lokaljournalismus braucht Nähe

Correctiv will testen, wie Lokaljournalismus wieder näher an die Menschen rücken kann – und eröffnet zu diesem Zweck ein Café in Gelsenkirchen, das gleichzeitig als Lokalredaktion dient. Statt Reichweitenjagd setzt das Team auf Dialog, Präsenz und Vertrauen. Journalist*innen begegnen den Menschen vor Ort – beim Kaffee, bei Podiumsdiskussionen oder Theaterprojekten. Denn während klassische Lokalredaktionen verschwinden, übernehmen oft parteinahe Gratisblätter das Informationsvakuum. Die Botschaft von Correctiv-Mitgründer Jonathan Sachse: Lokaljournalismus braucht Zeit, Geld, Vertrauen – und Orte, an denen er wieder Teil des Alltags wird.

Die taz hat mit Sachse darüber gesprochen.

HaftLeben auf Eis

Seit 1999 erscheint in der Frauen-JVA Chemnitz die Gefangenenzeitung HaftLeben – geschrieben von Inhaftierten, unterstützt durch Ehrenamt. Doch seit der Haushaltssperre in Sachsen liegt das Projekt auf Eis. Die für Frühjahr 2025 geplante Ausgabe konnte nicht gedruckt werden – das erste Mal seit der Gründung. Auch bundesweit zeigt sich: Nicht alle der über 30 Gefangenenzeitungen erscheinen aktuell noch regelmäßig, meist unter Zensur. Eine Ausnahme ist der Lichtblick aus Berlin-Tegel, der bundesweit gelesen wird.

:Externe Termine

Foto von Eric Rothermel auf Unsplash

Termin der Weltreporter

Wie recherchiert man im Kongo? Wie steht es um die Pressefreiheit in den USA? Und was bewegt die Menschen in Indonesien nach der Wiederwahl von Trump? Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Weltreporter Live: Dialog für Demokratie“ laden die Weltreporter*innen am 11. Juli ab 17 Uhr zu Werkstatt-Gesprächen in den Space von nextMedia.Hamburg.

Direkter Dialog und echte Gespräche. Miteinander am Tisch sitzen, diskutieren und mehr voneinander verstehen – aus der Perspektive der Auslandskorrespondent*innen und aus der Perspektive der Gäste. Wie erleben sie die Auslandsberichterstattung in Deutschland? Was ist gut? Was fehlt? Was ist zu viel? Wie wäre es besser?

FH Lehrgang Klimajournalismus

Bis zum 28. Juli könnt ihr euch noch für den FH Lehrgang Klimajournalismus in Österreich bewerben, der gezielt Kompetenzen im Bereich Nachhaltigkeitskommunikation und Klimajournalismus vermittelt. Der Lehrgang geht ein Jahr, die Veranstaltungen finden online und in Graz statt. Mehr Infos findet ihr hier oder im Info-Webinar am 22. Juli.

Einen schönen Sommer – und Sonnencreme nicht vergessen! ;-)

Herzliche Grüße,

Euer Newsletter-Team

Elisa Kautzky und Eva Bodenmüller


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