Seltsame Anfragen und gute Laune
Liebe Freischreiber*innen und alle, die es noch nicht sind, die es gern wären oder die hier nur heimlich mitlesen.
Wir mögen euch alle. Und weil man Menschen, die man mag, Leid ersparen möchte, fassen wir uns kurz: Der neue Vorstand lebt sich ein, versucht, sich von der Slack-Flut nicht davontreiben zu lassen und probiert sich am Newsletter. Was wichtig für euch und uns ist, findet ihr weiter unten. Ihr könnt zum Beispiel ein Buch gewinnen, eine Freischreiberin kennenlernen und Reporter ohne Grenzen feiern.
Was uns bewegt
Glückwunsch!
Licht und Applaus für unsere Mitglieder Leon Kirschgens und Lisbeth Schröder. Sie haben zwei der diesjährigen Sir-Greene-Stiftung-Stipendien gewonnen. Großartig! Lisbeth bekam das mit 3.000 Euro dotierte Leibniz-Stipendium. Es fördert ihr wissenschaftliches Rechercheprojekt „The Body Business“. Darin wird sie via Social Media erklären, wie Abnehmspritzen und Co. unser Körperbild beeinflussen. Der Sonderpreis Fachmedien in Höhe von 2.000 Euro ging an Leon für seinen Beitrag „Grüner Wasserstoff aus der Wüste“ (P.M. 04/2025). Die Reportage verfolgt den Weg von Wasserstoff aus Namibia bis nach Deutschland, beleuchtet Möglichkeiten und Herausforderungen dieser Technologie. Wir freuen uns mit euch, ihr zwei!
Audio-Revival
Unsere Freifunker*innen-Gruppe ist zurück. Mit neuem Team, neuem Namen und regelmäßigen Events: „Wir wollen uns in Zukunft einmal im Monat für einen Austausch treffen und regelmäßig interessante Leute aus der Branche einladen. Egal, ob ihr schon Erfahrung habt oder mit Audio starten wollt, kommt gerne dazu, wir freuen uns auf euch. Ihr findet uns im Vereinsheim auf Slack unter #audio oder per Nachricht an Carolina Torres oder Sarah Tekath.“
Aus Knüllwald wird Skyline
It’s a date: Ende Februar trifft sich der frisch gewählte :Freischreiber-Vorstand in Frankfurt am Main. Dort nehmen wir uns Zeit, kommende Kampagnen zu planen, die Finanzen zu prüfen – und all das zu besprechen, was im Vorstandsalltag oft zu kurz kommt.
An alle Freischreiber*innen (und zukünftige Mitglieder) in und um Frankfurt: Vielleicht habt ihr ja Lust, danach mit uns auf den Feierabend anzustoßen? Vom bisher beliebten Knüllwald – idyllisch im Nirgendwo, ohne Ablenkung und ohne Handyempfang – müssen wir uns leider verabschieden, weil der Betreiber schließt. Zudem brauchten wir einen Ort, der von Hamburg, Paris, Bremen, Konstanz, Hannover, Lüneburg und Berlin gut erreichbar ist.
Ei gude wie – auf nach Mainhattan!
Freischreiberiges
:Frei heraus
Freie Kolleg*innen bekommen viel zu selten eine Bühne. In dieser Rubrik stellen wir euch deshalb Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen vor. Dieses Mal: Stefanie Witterauf @stefiminza
Stefanie ist freie Journalistin in München und arbeitet unter anderem für DIE ZEIT, das SZ-Magazin, den Spiegel und Bayerischen Rundfunk. Sie hat den München-Teil der Jüdischen Allgemeinen geleitet, als Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung gearbeitet und einige Magazinprojekte initiiert, konzeptioniert und realisiert. Sie redigiert Texte, berät bei Social Media, Storytelling und hilft bei der Themenentwicklung.
Wo arbeitest du am liebsten?
Im Team. Als freie Journalistin tüftle ich oft alleine an meinen Artikeln, dabei macht der Austausch mit Kolleg*innen sie meist besser. Eine Struktur, in der das möglich ist, lässt sich auch ohne Redaktionskontext schaffen.
Welche sind deine wichtigsten Arbeitsutensilien?
Laptop, Stift, Papier und ein Handy mit einer gut gepflegten Kontaktliste.
Was ist das Ärgerlichste, was dir im Job passieren kann?
Wenn männliche Kollegen für die gleiche Arbeit und gleichen Aufwand schon vor dem Verhandeln mehr Honorar angeboten bekommen. Was soll das?
Hast du Lust, uns auch drei Fragen zu beantworten oder mitzuarbeiten? Dann melde dich hier.
:Lesetipp
Im Fair-Share-Newsletter hat die Investigativjournalistin Christiane Hawranek einen kleinen Tipp für freischaffende Journalist*innen dagelassen. Im Interview mit Antonia und Michèle von Fair Share sagte sie auf die Frage:
Viele Freelancer*innen arbeiten ohne große Redaktion im Rücken. Was rätst du freien Journalist*innen, die Missstände aufdecken wollen, aber weniger Schutz und Ressourcen haben?
Das ist leider wirklich schwierig. Ich habe das Glück, freie Mitarbeiterin im Team der Redaktion BR Recherche zu sein. Das heißt, ich werde nicht abhängig von meinem Output bezahlt, sondern bekomme eine Pauschale für meine Arbeitszeit. Ich würde Freelancer:innen raten, im Team zusammen zu arbeiten mit einer Person, die fest in einer Redaktion arbeitet. Oder: Mit einer Produktionsfirma, die einem den Rücken stärken kann.”
Das bedeutet also wieder einmal: Bildet Banden! Am besten bei und mit :Freischreiber.
Den Newsletter Fair Share legen wir euch ausdrücklich ans Herz. Hier findet ihr regelmäßig Jobangebote, die speziell auf Freelancer*innen aus dem Medienbereich hin kuratiert sind.
Hier könnt ihr ihn abonnieren.
:Slack-Vereinsheim
Kennst du schon unser Slack-Vereinsheim? Dort findest du geballte :Freischreiber-Power: Infos zu VG Wort, Rechtsfragen, Honorarverhandlungen, Jobangebote, Tipps für Einsteiger*innen und Kontakte zu Redaktionen. Nur für Mitglieder.
:Buchverlosung
Es gibt wieder ein Buch zu gewinnen. Diesmal: „Die Arbeit. Wie wir sie mit KI neu erfinden … und was für uns übrig bleibt” von Stephan A. Jansen und Fabiola H. Gerpott.
Wie wird sich die Arbeitswelt im Zeitalter der künstlichen Intelligenz verändern? Wer arbeitet was, warum, wie und wie lange mit wem? Wie bilden wir uns – um, weiter, noch weiter? Wie führt man in der neuen Welt der Arbeitsteilung? Werden wir Cyborgs, Zentauren oder doch humanistische Künstler?
Interessiert? Schreib uns bis zum 31. November eine E-Mail an redaktion@freischreiber.de mit dem Betreff „Buchverlosung“ und deiner Adresse. Der oder die Gewinner*in wird im nächsten Newsletter bekannt gegeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück!
Danke für eure Zusendungen im Oktober. Das Buch „Sag zum Abschied leise … Yippieh!” von Nathalie Klüver geht an Eda Özbakay. Herzlichen Glückwunsch!
Habt ihr gerade ein neues Buch veröffentlicht oder steht die Veröffentlichung kurz bevor? Dann meldet euch bei uns (redaktion@freischreiber.de), damit wir es verlosen können. Ihr bekommt Reichweite und ein*e Freischreiber*in freut sich. Win-win!

:Webseite
Wir werden unsere Webseite überarbeiten. Und wir freuen uns, wenn ihr uns dabei helfen möchtet. Viel tun müsst ihr gar nicht, es reicht komplett, wenn ihr uns im #technik-Slack-Channel sagt, was euch nervt, was ihr großartig findet und was ihr gerne leichter finden würdet.
:Freischreiber-Termine
Regio-Gruppe NRW bei RUMS-Redaktion
Am 15. Dezember besucht die NRW-Crew die Redaktion des Münsteraner Online-Magazins RUMS. Und ihr seid herzlich eingeladen, mitzukommen. Ein bisschen Vernetzung, ein bisschen gute Laune und ein bisschen sehen, wie stressig es sein kann, jeden Tag in einem Redaktionsbüro sitzen zu müssen.
So beschreibt sich RUMS auf seiner Website selbst:
„Wir interpretieren Lokaljournalismus neu, nutzen eine verständliche und möglichst floskelfreie Sprache. […] Im März 2020 haben wir den ersten RUMS-Brief verschickt. Seitdem kommt jeden Dienstag und jeden Freitag verlässlich ein Newsletter mit einem großen Thema und vielen kleinen. […] Dazu veröffentlichen wir Reportagen, Analysen und Podcasts. Bei unseren RUMS-Veranstaltungen diskutieren wir über die Themen, mit denen wir uns in unseren Recherchen beschäftigen. Außerdem organisieren wir Workshops für Jugendliche.“
Wie all das funktioniert, wie sich die Redaktion finanziert, was sie von klassischen Lokalmedien unterscheidet und wie freie Journalist*innen in dieses Konstrukt eingebunden sind, verrät Mitgründer Marc Andres vor Ort.
Die Organisator*innen Renate und Steve schlagen außerdem vor, dass ihr danach noch etwas essen geht und/oder ein paar Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt trinkt. Denn auch das ist etwas, was nicht gern gesehen würde, wenn ihr danach wieder in euer Büro müsstet. Sagt bitte Bescheid, ob ihr dabei seid. orga-koeln@freischreiber.de
Weihnachtsfeier in Freiburg
Die Regio-Gruppe Baden-Württemberg lädt ein zu Flammkuchen und Getränken, zu guter Stimmung und Vernetzung. Kommt vorbei!
Starterpaket freier Journalismus (9. Dezember)
Hannah El-Hitami bietet erstmals einen Workshop zum Einstieg in die Welt des Freelancens an, nachdem ihre digitale Mittagspause bereits so erfolgreich war. Mit tausend guten Tipps aus sechs Jahren freiem Journalismus. Meldet euch an!

„Rechtssicher zitieren – was Journalist*innen wissen müssen“ (10. Dezember)
Wie viel (und was) darfst du aus Gesprächen wörtlich übernehmen? Wo beginnt, wo endet das Urheberrecht am gesprochenen Wort? Und was passiert bei aus dem Kontext gerissenen Verweisen?
Seid dabei, exklusiv und kostenfrei für :Freischreiber-Mitglieder
:Dies & das
Die Shady-Convento-Anfragen
Einige von euch haben E-Mails bekommen, die nicht ganz sauber wirken. Eine gewisse Convento GmbH will eure Daten nutzen und öffentlich zugänglich machen. Mit schmutzigen Themen kennen wir uns eigentlich aus. Aber ob das legal ist oder nicht, ob wir einschreiten müssen oder euer Widerspruch rechtlich bindend ist, können wir momentan noch nicht einschätzen. Deshalb kümmert sich dank eines :Freischreiber-Mitglieds unser Anwalt Dr. Sebastian Rengshausen darum. Wir geben Bescheid, was er sagt.
Die SZ und die KI-Nutzung
Die Süddeutsche Zeitung mal wieder. Jetzt will sie die Arbeiten von Journalist*innen nutzen, um ihre KI zu trainieren. Finden wir erst mal nicht so toll. Andere Berufsverbände klagen auch bereits und das unterstützen wir natürlich erst mal. Uns würde aber interessieren, was ihr dazu denkt. Wie sinnvoll ist es, KI zu regulieren, obwohl sie doch eh schon überall ist? Warum sich mit Medien anlegen, die wahrscheinlich auch selbst nur gucken wollen, wo sie bleiben in einer Welt, die ihnen davonläuft?
Teilt gern eure Meinung!
Reporter ohne Grenzen
Alles Gute wünschen wir Reporter ohne Grenzen (RSF) zum 40. Geburtstag! Am Samstag, den 15. November, wurde in Paris gefeiert, inklusive der Verleihung der Press Freedom Awards. Die Preise gehen an Journalist*innen und Medien, die die Pressefreiheit in diesem Jahr vorbildlich verteidigt haben. Hier findet ihr die Preisträger*innen.
Außerdem gab es Podiumsdiskussionen und Filmvorführungen, darunter „Riverboom“ – das Projekt eines Teams freier Reporter, das 2002, kurz nach der amerikanischen Intervention, mit einem Auto durch Afghanistan reiste. Heute wäre so ein journalistischer Roadtrip vermutlich nicht mehr möglich. Berichterstattung aus dem Land gibt es dennoch:
„Es gibt noch immer Journalistinnen und Journalisten in Afghanistan, auch Frauen, die heimlich von zuhause aus arbeiten“, sagt Victoria Lavenue von RSF. „Der afghanische Journalismus lebt – und wir werden ihn so lange wie möglich unterstützen.“ RSF bietet Journalist*innen weltweit finanzielle, sicherheitstechnische und administrative Unterstützung, insbesondere, wenn diese frei arbeiten und/oder unter Repressionen stehen.
TikTok im Lokaljournalismus
„Wer heute zwischen 16 und 24 Jahre alt ist, […] besucht in den seltensten Fällen die Website der Heimatzeitung“, stellt unser Mitglied Pauline Tillmann fest. Stattdessen informierten sich junge Menschen nahezu ausschließlich über Soziale Medien. „Ohne TikTok kein Lokaljournalismus von morgen?“, heißt deshalb Paulines Report, den sie vor Kurzem vorstellte. Ermöglicht hatte dies das Future of News Fellowship 2025.
Paulines Fazit ist jedenfalls nicht die Frage, OB sich Medien Plattformen wie TikTok „mal anschauen“ sollten. Eher, wie schnell und wie gut sie die Angebote nutzten. „Wer TikTok ignoriert, riskiert, eine ganze Generation zu verlieren“, schreibt Pauline. Sie weist zugleich darauf hin, wie schwierig dieser Ansatz in der Realität umzusetzen ist.
Pauline selbst hatte 2024 die Geschäftsführung des digitalen Lokalmagazins „karla“ inne und „träumte davon, TikTok mit qualitativ hochwertigen Inhalten zu bespielen“. Aufgrund fehlender Ressourcen aber beschränkte sich die Redaktion auf Instagram, „wie es vermutlich viele Publisher machen“. Ein Fehler?
Antworten gibt Paulines Arbeit, ohne Bezahlschranke abrufbar unter https://www.pauline-tillmann.de/wp-content/uploads/2025/10/Pauline_Tillmann_Fellowship_Report.pdf
Wer sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzen möchte, ist herzlich zu einer Session am 27. November um 12 Uhr eingeladen. Zu Gast sind Helen Geyer von der Augsburger Allgemeinen und Jolan Geusen, der seine Masterarbeit zu Datenjournalismus auf TikTok geschrieben hat.
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TERMINE
Haus der Selbstständigen – Honorare-Vernetzungstreffen
Honorare, nerviges Thema, oder? Wir brauchen mehr, unsere Auftraggeber verstehen nicht, wieso. Im Haus der Selbstständigen findet am 27. November ein Treffen statt, bei dem es primär um Austausch und Vernetzung geht. Von 14:30 Uhr bis 17 Uhr lernen die Teilnehmer*innen sich kennen und kriegen genug Raum, um gemeinsam über Auftraggeber*innen zu lästern.
Konkret werden diese Fragen behandelt:
- Wo liegen die Grenzen der eigenen Verhandlungsmacht als Solo-Selbstständige*r – und wie können Gruppen, Netzwerke oder Verbände gemeinsam strukturelle Impulse setzen?
- Wie lässt sich das „Honorarbewusstsein“ branchenübergreifend stärken?
- Welche Strategien und Best-Practice-Beispiele helfen, das Thema faire Honorare gegenüber Auftraggebern und der Öffentlichkeit wirkungsvoll zu adressieren?
BJS-Termine
Mit Witz und Pointe hervorragend schreiben
Humor erzeugt Aufmerksamkeit, Leichtigkeit und kann komplexe Sachverhalte verständlicher machen. Dieses Seminar vermittelt das Handwerk des Humors und beantwortet auch die Frage: Wann und wie hilft dabei künstliche Intelligenz (KI)?
Kompakt: Sprache, Stil und Storytelling
Komplexe Themen kreativ, prägnant, verständlich und lebendig in Texte fassen, sei es auf der Website, im Newsletter oder in der Pressemitteilung – wie das geht, vermittelt dieses Seminar. Storytelling kann dabei ebenso helfen wie der Einsatz von künstlicher Intelligenz.
Journalist*innen, Blogger*innen, Autor*innen oder PR-Strateg*innen sind stets auf der Jagd nach ungewöhnlichen Themen und originellen Blickwinkeln. Wege zum Erfolg trotz Zeitdrucks vermittelt dieser Workshop.

Exklusiv für Freischreiber*innen:
Dank unserer Kooperation buchst du Fortbildungen der Berliner Journalist*innenschule mit 30 Prozent Rabatt. Wie das geht, erfährst du bei der Geschäftsstelle.
Und so bleibt nicht mehr viel übrig, als euch einen frohen Jahresabschluss zu wünschen, und Glühwein, Raclette und Kartoffelsalat mit Würstchen im Überfluss. Bis ganz bald!
Robert Hofmann und Elisa Kautzky, euer Newsletter-Team aus dem Vorstand


