Newsletter
7. Juli 2021

Seid fair

Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Freischreiberinnen, liebe Freischreiber,

seid fair – so ließe sich der Appell des Code of Fairness zusammenfassen. Aber weil das mit Fairsein seitens der Verlage manchmal etwas hakt, haben wir Freischreiber den Code of Fairness auf den Weg gebracht. Der Code, das ist unser Freischreiber-Regelwerk zum fairen Umgang zwischen Redaktionen und freien Journalistinnen und Journalisten in zehn Punkten. Manchmal wissen Redaktionen wirklich nicht, wie sie es besser machen können, manchmal machen sie es schon gut und wollen sich mit dem Code eine Richtlinie geben. Mehr Struktur in den Umgang bringen. Bisher haben Krautreporter, DIE ZEIT, der Freitag, Eltern, die P.M.-Gruppe und National Geographic den Code unterzeichnet. Seit kurzem haben wir einen weiteren Unterzeichner: Übermedien. Wir freuen uns sehr, dass Stefan Niggemeier und Boris Rosenkranz für Übermedien den Code unterzeichnet haben und hoffen auf reichlich Nachahmer unter den Verlagen (Foto: Sabine Gudath).

Mutige Menschen verdienen unser Wohlwollen und unser Lob. Zu diesen gehört Michael Rappe, Initiator eines neuen, für den Fußball in Deutschland komplett ungewöhnlichen Projekts: ein Online-Magazin für und über Frauenfußball. Der Name: FiDo – Frauenfußball in Deutschland online. Hierfür sucht Michael Rappe Sportjournalistinnen, die ab Mitte August für das Online-Magazin schreiben möchten. Leider, meint Michael Rappe, bestehe die Redaktion bislang nur aus Männern. Also, liebe sport- und fußballaffine Kolleginnen, traut euch. Michael Rappe ist unter der E-Mail-Adresse michael.rappe@battv.de erreichbar. Übrigens läuft für das Projekt seit dem 21. Juni ein Crowdfunding. Hier geht es zur Projektseite.

Neue Wege im Lokalen geht Correctiv seit geraumer Zeit mit CORRECTIV.Lokal. Das Büro recherchiert Themen, die auch im Lokalen wichtig sind, aber für die es in den Medienhäusern und Redaktionen entweder keine personellen Ressourcen oder schlichtweg kein Geld gibt. Gleichwohl gibt es viele Kolleginnen und Kollegen, die trotz allem fürs Lokale brennen und die sich weiterentwickeln möchten. Für sie bietet CORRECTIV.Lokal monatlich einen kostenlosen Online-Recherche-Workshop an. Als Dozentinnen und Dozenten sind unter anderem Pascale Müller, Daniel Drepper, Arne Semsrott und einige Kolleginnen und Kollegen aus dem CORRECTIV-Team an Bord. Wer Interesse an einer Mitarbeit in diesem schon gut bestückten Netzwerk hat, kann sich kostenlos auf der Seite von CORRECTIV.Lokal anmelden. Alle weiteren Informationen gibt es dann per E-Mail. Eine Übersicht über die Workshops gibt es hier.

Noch etwas Neues: Im Herbst startet die Hamburg Media School das Journalism Innovators Program. Es ist eine kostenlose, auf sechs Monate begrenzte Fortbildung auch für Freie, die ihre eigenen Projekte entwickeln möchten. Interessierte können sich ab sofort bewerben. Dass das Angebot kostenlos ist, kommt nicht von ungefähr: für das Journalism Innovators Program gibt es Geld von Facebook.

Wichtig für uns Freie außerdem: Der Bundesrat hat die Abgabefrist für die Steuererklärungen 2020 um drei Monate verlängert. Wer seine Steuererklärung selbst macht, hat dafür jetzt bis Ende Oktober 2021 Zeit; falls ihr eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater beauftragt habt, fällt der Hammer am 31. Mai 2022.

Medizinjournalisten sollten sich beim Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose (BfO) umschauen. Dieser schreibt einen Medienpreis für journalistisch hochwertige Beiträge zum Thema Osteoporose aus. Beiträge dürfen nicht älter als zwei Jahre sein und müssen in einer deutschen Publikation veröffentlicht worden sein. Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert, er wird am 4. Dezember verliehen. Bewerbungsschluss ist der 15. September. Die Kontaktdaten: Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V. (BfO), Kirchfeldstraße 149, 40215 Düsseldorf, Telefon 0211/30 13 14 -0, E-Mail info@osteoporose-deutschland.de.

Und noch etwas Interessantes: Die Reportageschule bietet den Masterclass-Workshop „Die Reportage als Buch“ an. In der Ausschreibung heißt es: „Ist es literarischer Journalismus oder sind es erzählende Sachbücher? Ganz gleich, wie du es nennst: Wir möchten dich ermutigen, dich einem großen Stoff zu stellen. Freier zu schreiben, experimentierfreudig, redlich und wahr. Fünf, die es vorgemacht haben, leiten uns an. Recherche und Dramaturgie, Szene und Dialog, Verlagssuche und Finanzierung. Und immer wieder: der gemeinsame Blick auf dein Projekt.“ Dabei sind Wolfgang Bauer, Wolfgang Büscher, Julia Friedrichs, Isabelle Lehn, Thomas Pletzinger. Als Gäste: Martin Breitfeld (kiwi) und Daniel Puntas Bernet (Reportagen). Mehr Informationen gibt es hier.

Ein Hoch auch auf Freischreiberin Petra Reski. Ihr ist der Ricarda-Huch-Preis 2021 der Stadt Darmstadt verliehen worden. „Mit dieser Auszeichnung wird die Schriftstellerin und Journalistin für ihr Gesamtwerk geehrt“, heißt es dazu von ihrem Verlag Droemer. Dort ist im März ihr neues Buch „Als ich einmal in den Canal Grande fiel“ erschienen, in dem Petra Reski einen wehmütigen Blick hinter die Kulissen Venedigs wirft und erzählt, wie es ist, in einer Stadt zu leben, der es zum Verhängnis wird, von aller Welt geliebt zu werden.

Die Heinrich-Böll-Stiftung verleiht in diesem Jahr drei Journalismus-Fellowships. Zielgruppe sind Journalisten, Blogger und Medienschaffende, „die Ursachen, Gefahren und Präventionsmöglichkeiten der Verbreitung verschwörungstheoretischer Ideologien und rechtsextremen Gedankenguts in europäischen Ländern untersuchen“ möchten, wie es heißt. In diesem Rahmen gibt es ein Recherche- und Reisehonorar in Höhe von 2.000 Euro und Unterstützung bei der Organisation von Interviews Die Reise soll übrigens bis 31. Oktober 2021 abgeschlossen sein. Das Reisehonorar wird zur Hälfte vor Antritt der Reise gezahlt, das restliche Honorar nach Veröffentlichung der Artikel. Weitere Informationen: www.boell.de.

Hat jemand ein besonderes Interesse an Osteuropa? Wer diese Frage für sich bejaht, sollte den Blick auf das Projekt „Belarus Now! Covering Human Rights and LGBTQ issues in cross-border journalism“ der Deutschen Gesellschaft e.V. werfen. Es wird durch das Auswärtige Amt gefördert. Journalist*innen aus dem deutschsprachigen Raum gehen im September auf eine digitale Recherchereise nach Belarus. Das Ziel: Stärkung der Berichterstattung über die aktuelle Menschenrechtslage in dem Land sowie die zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit. Die Bewerbung ist bis zum 22. Juli möglich. Mehr Infos auf Facebook sowie unter www.deutsche-gesellschaft-ev.de.

Wer Interesse am Austausch über Grenzen hinweg hat, ist bei den Internationalen Journalisten-Programmen e.V. gut aufgehoben. Der Verband bietet aktuell unter anderem ein deutsch-türkisches, ein deutsch-polnisches und ein deutsch-osteuropäisches Programm an. Eine Übersicht gibt es hier.

Freischreiberiges und Termine

Unsere diesjährige Mitgliederversammlung ist für Samstag, 2. Oktober, geplant. Diese wird nach aktuellem Stand digital über die Bühne gehen. Abends laden wir euch im ganzen Land zu Regio-Treffen ein, und zwar je nach regionaler/lokaler Inzidenz und Erlaubnis. Weitere Infos folgen. Wir freuen uns und haben schon #grueneLaune.

Apropos: Wir haben ein neues Regio-Team in Leipzig. Insa van den Berg und Carolin Wilms bringen Leben in die Bude beziehungsweise ins Team. Herzlichen Dank!

Dass wir mit unserer Strategie, die Umsätze der Freien so transparent wie möglich darzustellen, richtigliegen, zeigt sich mal wieder im aktuellen Newsletter des Netzwerks Recherche. Darin geht es um die Einkünfte der Freien, unter anderem bei Stipendien und überhaupt im Reisejournalismus. 

Wir Freischreiber sind eben nicht nur digital, sondern auch gerne noch analog unterwegs – zum Beispiel mit unserer Freienbibel 2, die bald erscheinen wird. Zum Hineinschnuppern lohnt sich der Blick in die kommende Ausgabe des Medium Magazins. Freischreiber und Redaktionsmitglied Florian Sturm hat darin zwei Freien-relevante Stücke geschrieben: eines verpackt als offenen Brief an Redaktionen, welche Sätze wir nicht mehr hören können, und eines darüber wie Journalismus und Kunst zusammenpassen. Außerdem hat er KI-Transkriptionsdienste getestet. 

Ab August gibt es etwas aus der Abteilung „Arbeite, lebe und fühle dich wohl dabei“: Verena Hagedorn gibt zehn Self-Care-Tipps speziell für Freie. Diese werden auf zehn folgende Ausgaben unseres Newsletters verteilt. Also: Vormerken, aufmerksam lesen und vor allem umsetzen. 

Termine

21. Juli, 12 Uhr, Zoom: „Drehbuch? Serie? Writers’ Room?“ mit Freischreiberin Lisa Rüffer. Sie arbeitet seit dem Jahr 2016 als Drehbuchautorin. Den Einstieg bot ein Stipendium der Münchner Drehbuchwerkstatt und die Arbeit als Autorin für die Serie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Wie sich fiktionales Drehbuchschreiben und journalistische Reportagen (aka Storytelling und Figurenentwicklung) gegenseitig befruchten, was mehr Spaß macht, welche Branche die härtere ist und was ein Writers’ Room ist – eure Fragen beantwortet euch Lisa im Zoom-Gespräch.

Montag, 26. Juli, 12 Uhr, Online: Digitale Mittagspause „Reden schreiben“. Das Hamburger Regio-Team lädt dazu mit Christoph Schlegel ein. Der Kollege war Redakteur der Stuttgarter Zeitung und im Spiegel-Hauptstadtbüro. Seit 2004 ist er Redenschreiber für Leute aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und Dozent zum Thema Reden schreiben.

Am Donnerstag, 29. Juli, steht ab 17 Uhr der „Digitale Gründer*innen-Stammtisch #2“ auf dem Programm – natürlich schön mit Abstand auf Zoom. Gründen heißt auch, aus Fehlern zu lernen. Über ihre Erfahrungen sprechen Pia Frey (Opinary) und Marvin Schade (Medieninsider). Pia ist Chief Content Officer bei „Opinary“ und kümmert sich darum – grob gesagt – die Beziehungen zwischen User*innen und Medienunternehmen zu verbessern. Tools, die „Opinary“ entwickelt, ermöglichen, das Publikum stärker einzubinden, zu verstehen und auch zu monetarisieren. Marvin Schade bezeichnet sich als „Hausmeister, Praktikant, Assistent und Chefredakteur in Personalunion“. Seit einem Jahr baut er mit seinem Co-Gründer Matthias Bannert das digitale Magazin „Medieninsider“ auf und versteht dadurch immer mehr über den Wandel der Medien und ihre wirtschaftlichen Bedingungen. Organisiert und moderiert wird das Ganze von Freischreiber-Mitglied Pauline Tillmann, die 2015 das digitale Magazin „Deine Korrespondentin“ aufbaute. Hier geht es zum Zoom-Meeting.

Dienstag, 7. September, Zoom: „Crashkurs: Honorare verhandeln“ mit Freischreiberin Katharina Jakob. Wir sind Profis. Wir recherchieren hartnäckig und schreiben packende Texte. Doch wenn es darum geht, unsere Arbeit gut zu verkaufen, kriegen wir kalte Füße? Honorarverhandlungen gehören für uns Freie zum Kerngeschäft, wir müssen sie genauso beherrschen wie das Recherchieren und Schreiben. Dafür gibt es ein paar Regeln – und Tricks. 

Freitag, 17. September, 9 Uhr, Zoom: „Crashkurs: Besser schreiben“ mit Ariel Hauptmeier (Reportageschule Reutlingen). Na klar bist du ein Text-Profi. Du kennst die Regeln guter Sprache, du hast deinen Wolf Schneider gelesen, weißt, wie Wörter wirken. Aber – ist da vielleicht noch mehr drin? Mehr Präzision und Tempo, mehr Sprachgefühl und Rhythmus, mehr Spaß? Finde es heraus! Teilnahmegebühr: Freischreiber-Mitglieder 49 Euro; begrenztes Kontingent für Mitglieder von wpk, Reporter-Akademie, freelens, ndm: 89 Euro; Externe: 129 Euro. Maximal 12 Teilnehmer. Anmeldung unter kontakt@freischreiber.de.

Eine ganze Sammlung von Fortbildungen bietet auch wieder die Berliner Journalistenschule (BJS) in den kommenden Wochen an – zum Beispiel „Texten im Internet“ am 16. und 17. August, „Suchmaschinenoptimierung SEO“ am 23. August sowie „Humorvoll kommunizieren“ am 30./31. August. Das jeweils aktuelle Programm findet sich im BJS-Seminarkalender.


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