4. September 2013

Natürlich nehmen wir Geld! Aber doch nicht von jedem.

Für Aufregung sorgt derzeit eine ganz besondere Abmahnungsgeschichte: Eines der beliebtesten Blogs im Netz, Nerdcore, wurde von der Firma Euroweb wegen eines Blog-Eintrags abgemahnt. Als der Betreiber des Blogs darauf nicht reagierte und offenbar auch ein Gerichtsurteil ignorierte, griff die Firma zum großen Hammer und ließ das kleine Blog pfänden. Die große Firma hatte einfach keine Lust mehr, sich von einem kleinen Blogger „auf der Nase herumtanzen“ zu lassen. Jetzt will die Firma die beliebte Domain, die sie per Pfändung in ihren Besitz bringen konnte, öffentlich versteigern lassen und den Erlös – nach Abzug der entstandenen Kosten – an zwei gemeinnützige Organisationen spenden: an Wikipedia und an Freischreiber e.V. Es ehrt uns natürlich, mit dem weltumspannenden Wikipedia -Projekt in einem Atemzug genannt zu werden, doch wir müssen leider passen, was das Geld angeht. Und zwar deshalb: 1. Freischreiber ist nicht gemeinnützig, sondern ein Berufsverband, der die Interessen von freien Journalistinnen und Journalisten vertritt. Dazu gehören auch Journalisten, die Blogs betreiben – wie z.B. Stefan Niggemeier. 2. Spenden kann man eigentlich nur etwas, das man auch hat. Das Geld, das die Firma Euroweb aus der Versteigerung erlösen kann, darf sie aber – nach Auskunft des Anwalts Udo Vetter – nicht so einfach verschenken. Sie kann vom Erlös einer Versteigerung die Kosten des Rechtsstreits decken, doch der Rest geht an den Beklagten. 3. Könnte die Firma Euroweb das Geld aus dem Erlös der Versteigerung der Nerdcore -Domain tatsächlich spenden, so bräuchte sie dafür einen Empfänger, der das Geld auch annimmt. Wir aber haben das Gefühl, dass hier mit ziemlich dicken Kanonen auf zierliche Spatzen geschossen wird. Und davon möchten wir nicht profitieren. Und wir möchten auch nicht, dass sich der Kanonier mit einer Spende an Freischreiber ein moralisches Mäntelchen für eine klassische Überreaktion umhängen kann. 4. Den Inhalt der Auseinandersetzung kennen wir noch nicht im Detail. Uns liegt weder die Abmahnung vor, noch das Gerichtsurteil, noch der Pfändungsbeschluss. So lange das so ist, werden wir uns einer inhaltlichen Wertung enthalten. Doch wir möchten die Blogger bei dieser Gelegenheit an unsere jüngst ausgesprochene Empfehlung erinnern, doch endlich einen Interessenverband zu gründen. Denn ein Blogger-Verband könnte in solchen Fällen wirksam (und vor allem rechtzeitig) handeln. Update: Einen Ansatz in Richtung Blogger-Verband teilt uns Hardy Prothmann mit. Update II: Da immer wieder gefragt wird: Natürlich kann man uns unterstützen. Update III: Nerdcore geht laut Udo Vetter an Rene Walter zurück.


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