4. September 2013

Nachbars Äpfel, unsere Texte

Die Nachrichtenagentur AFP geht neuerdings im großen Stil auf die Suche nach Textdieben. Wer Texte der 2.000 AFP-Mitarbeiter auf Webseiten verbreitet, ohne dafür zu bezahlen, muss mit einer Abmahnung und teils saftigen Geldforderungen rechnen. Eine neuartige Software spürt die Texte auf, sie liefert laut AFP-Vertriebschef Timo Peters eine „immense“ Zahl von Verstößen. Daniel Bouhs berichtet darüber in der Frankfurter Rundschau. Die Verlockungen sind groß, sich im Netz zu bedienen. Da findet jeder etwas. Völlig unterentwickelt dagegen ist das Unrechtsbewusstsein, das es einem – wenn man es denn hätte – verbieten würde, Texte, die man nicht selbst geschrieben hat, einfach zu übernehmen. Auch wenn man sie mit Strg+C und Strg+V bzw. Apfel+C und Apfel+V ganz schnell auf die eigene Seite holen kann. Freie Journalisten kämpfen in mehrfacher Hinsicht gegen Textwilderei. Einerseits haben sie es mit dem per “ Friss-oder-stirb „-Verträgen quasi legalisierten Textklau durch Verlage zu tun, andererseits – wie die AFP und andere Textproduzenten – mit dem Diebstahl durch Leute, die sich Texte aus dem Netz ziehen und sich mitunter gar nichts oder zumindest nichts Böses dabei denken. Freie Journalisten finden ihre Texte dann etwa auf den Seiten irgendwelcher (auch obskurer) Unternehmen, denen der Artikel zum Thema X oder das Feature zur Sache Y ganz gut ins Profil passte. Gefragt werden die Autoren in der Regel nicht. Steht doch im Netz – und dessen Früchte dürfen gepflückt werden wie die Äpfel von Nachbars Baum, dessen Äste über den Zaun hängen. Jedenfalls meinen das viele. Google sei Dank brauchen wir aber keine spezielle Software, um Textdiebe zu entlarven. Einfach den Namen eingeben und die Suche starten. Ein Freischreiber hat das systematisch gemacht und ist gleich vielfach fündig geworden. Wie er weiter vorgegangen ist, was er erlebt hat und wie dabei ein hübsches Geldsümmchen zusammenkam, hat er aufgeschrieben – exklusiv für Freischreiber-Mitglieder im internen Bereich der Seite. Sein kurzes aber klares Schreiben an die Diebe können sie gerne übernehmen – per Copy und Paste. Das ist ja bekanntlich ganz einfach.


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