Moneypenny
Manchmal wünschten wir uns, manche Honorarangebote wären ein Aprilscherz. Leider sind sie es nicht. Umso wichtiger ist es deshalb, IMMER zu verhandeln. Das sagt sich so leicht. Auch wir im Vorstand kennen dieses mulmige Gefühl, dieses Ziehen in der Magengegend, sobald die Mail mit der Nachfrage nach mehr Geld raus ist. Als wäre es unerhört, vom eigenen Beruf leben zu wollen.
Aber ist nicht vielmehr das Gegenteil unerhört? Festangestellte erhalten Inflationsausgleich, Weihnachtsgeld und Gehaltserhöhungen. Warum sollen wir also zögern, unseren Wert klar zu benennen? Wir dürfen uns nicht kleiner machen, als wir sind. Wir arbeiten auf Augenhöhe, denn wir haben etwas zu bieten. Also: Beim nächsten Mal – Augen zu und durch. Im schlimmsten Fall kommt ein Nein, sehr wahrscheinlich aber mehr Geld.
Was uns bewegt: Money Money Money
Die schlechte Bezahlung von freien Journalist*innen ist regelmäßig Thema bei :Freischreiber. Nun hat auch die Berliner Zeitung darüber geschrieben. (Wie viel sie wohl ihrem Freien dafür bezahlt hat?) Grundaussage des Artikels ist: So kann es nicht weitergehen. Wer freien Journalismus nicht ordentlich bezahlt, sorgt für schlechtere Qualität, vertreibt erfahrene Leute aus dem Journalismus und schadet so am Ende auch der Demokratie.
Nun steht die Berliner Zeitung seit einigen Jahren nicht mehr unbedingt für journalistische Integrität oder demokratische Überzeugungen, aber Recht hat sie doch.
In dem Artikel wird auch unser Verband erwähnt: „Der Verband der Freischreiber, der die Interessen von freien Journalisten vertritt, empfiehlt, pro 1000 Zeichen ein Honorar von 100 Euro zu verlangen. Ich kenne kaum ein Haus, bei dem das durchsetzbar ist. Selbst die Hälfte ist dafür nur in Ausnahmefällen und nach harten Verhandlungen zu erreichen.“
Leider ist unsere Empfehlung auch schon ein paar Jährchen alt und enthält keine Inflation. Was denkt ihr dazu? Schreibt uns gerne!

:Freischreiber goes Perugia I
Am 15. April wird Vorstandsmitglied Hannah El-Hitami mit Kolleg*innen beim Internationalen Journalismus-Festival in Perugia (Italien) über die Frage diskutieren: „Justice at last? Covering Syrian justice playing out on multiple stages.“
:Freischreiber goes Perugia II: Freiheit an der Piazza
Auch unsere Vorstandsmitglieder Robert Hofmann und Konstantin Klenke werden in Perugia sein. Mit Hannah organisieren sie am Donnerstag, 16. April ein kleines Get-Together, wobei Get in dem Fall Drink bedeutet. Nämlich um 17 Uhr in der Snack Bar hier.
:Pro oder Kontra Aktivrente?
Was denn jetzt? Ist :Freischreiber nun für oder gegen die Aktivrente für Selbstständige? Nun, auch ein Vorstand ist, wie seine Mitglieder, nicht immer einer Meinung. Im Oktober 2025 haben wir in einer Pressemitteilung geschrieben, dass sich :Freischreiber „den Forderungen von DJV, ver.di und der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (BAGSV) an(schließt), die sogenannte Aktivrente auch auf Einkommen aus selbstständiger Mitarbeit auszudehnen.“ :Freischreiber forderte gleiche Rechte für alle Erwerbstätigen – unabhängig von ihrer Beschäftigungsform. Im Idealfall hätten es freie Journalist*innen natürlich nicht nötig, im Alter noch zu arbeiten, und würden ihre Rente genießen. Das ist aber aufgrund der prekären Situation im Journalismus oft nicht möglich.
Gleichzeitig arbeiten wir mit dieser Forderung „an der Dekonstruktion des Sozialstaats“ – so hat es Co-Vorsitzender Robert Hofmann in seinem Kommentar für das Medium Magazin beschrieben.
Robert ergänzt: „Wie jeder Mensch, der sich über mehr Geld freut, wollen wir, dass Freie im Alter genug davon haben. Wenn das bedeuten muss, dass wir nach Erreichen des Rentenalters steuerfrei weiterarbeiten können, ist das so. Zumindest wenn es keine Alternative gibt. In meinem Text lehne ich die Aktivrente ab. Sie ist das Eingeständnis einer Regierung, die nicht fähig oder willens ist, unsere Sozialsysteme zu erhalten. Sie ist der Anfang vom Ende des Ruhestands der Leute, die nicht erben oder schon Vermögen haben.
Was wäre eine Alternative, die es uns ermöglicht, im Alter das zu machen, wofür es da ist: Mit den Enkeln durch die Orangenpflanzen laufen, die letzten Punkte auf der Bucket List abhaken oder auf der Veranda sitzen und in die Ferne starren. Deshalb: Wir unterstützen das Anliegen, die Aktivrente auch auf Selbstständige auszuweiten. Gleichzeitig lehnen wir die Aktivrente ab. Auch aus Solidarität mit denen, die im Alter nicht einfach noch ein paar Jahre weiterarbeiten können.”
Auch für Reportagen.FM und in unserem Slack-Vereinsheim hat er seine Position dargelegt. Was sind eure Ideen, wie können wir der Erosion der Sozialsysteme etwas entgegensetzen, ohne dafür den Ruhestand aufgeben zu müssen? Schreibt uns gern!
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Einladung für Freischreibende nach Straßburg ins Europäische Parlament
Vom 27. bis 30. April tagt das Europäische Parlament in Straßburg. Wir laden freie Journalist*innen herzlich ein, dabei zu sein und vor Ort zu recherchieren.
Im Parlament gibt es ein Großraumbüro für Journalist*innen sowie kostenlos buchbare TV-Studios, Radio- und Podcaststudios und Fotograf*innen.
📣 Tipp für Freie: Für teilnehmende Journalist*innen besteht die Möglichkeit, sich Reise- und Hotelkosten erstatten zu lassen.
Meldet euch an unter presse-berlin ät europarl.europa.eu und berichtet live aus dem Herzen der europäischen Politik!
In der Plenarwoche stehen unter anderem diese Themen auf der Tagesordnung:
- EU-weit einheitliche Definition von Vergewaltigung: Nur ja bedeutet ja
- Schutz von Hunden und Katzen, Verpflichtung zum Chippen
- ETS 2 – Emissionshandel für Gebäude und Transport
- Schutz vor Missbrauch von EU-Geldern
- Verschlechterung der Grundrechtslage in der EU
- EP-Position zum EU-Haushalt 2028 – 2034
- Schutz von Unternehmen, Arbeitsplätzen und Produkten aus der EU vor unlauterem Wettbewerb
- Gefährdet die neue EU-Abwasserrichtlinie die Versorgung mit Medikamenten?
- Niedrigere Zölle für am wenigsten entwickelte Staaten
- Übermittlung von Fluggastdatensätzen zur Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität (EU-Norwegen, EU-Island, EU-USA)
- Bedeutung der Meeresdiplomatie für die Wettbewerbsfähigkeit von Fischerei und Aquakultur in der EU
:Frei heraus
Freie Kolleg*innen bekommen viel zu selten eine Bühne. In dieser Rubrik stellen wir euch deshalb Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen vor.

Dieses Mal: Judith Goetsch. Die Kollegion ist professionelle Besserwisserin, arbeitet vor Allem für Storytelling-Podcast-Formate und wenn sie nicht schreibt oder was besser weiß, singt sie am liebsten.
Wo arbeitest du am liebsten?
Tatsächlich im Büro, umgeben von netten Kolleg*innen. Auch im Studium war ich immer schon eine, die fürs Lernen oder Hausarbeiten in die Bibliothek gegangen ist. Ich bin jetzt ganz frisch in einer Bürogemeinschaft in Berlin Kreuzberg dabei und freue mich, wenn ich Arbeit und privat räumlich etwas mehr trennen kann.
Welche sind deine wichtigsten Arbeitsutensilien?
Die Notizen-App von meinem Handy auf der meine Themen-Ideen meist zuerst entstehen, meine digitale To-do-Liste und meine Noise-Cancelling-Kopfhörer.
Was ist das Ärgerlichste, das dir im Job passieren kann?
Für einen Podcast oder einen Radiobeitrag ein super spannendes Interview führen und dann feststellen, dass das Mikrofon die ganze Zeit nicht mitgelaufen ist.
Hast du Lust, uns auch drei Fragen zu beantworten oder mitzuarbeiten? Dann melde dich hier.
:Hörtipp
Der freie Journalismus kann einsam und umkämpft sein – muss er aber nicht. In der dritten Folge der neuen Staffel von „Reporter Insights“ der Reportageschuleund Reportagen.FM spricht Host David Pister mit Johannes Greß über investigativen Journalismus, prekäre Arbeitsbedingungen und warum wir Journalist*innen uns zusammenschließen sollten. Johannes ist Vorstandsmitglied der Freischreiber:innen Österreich.
:Lesetipp
Von freien Journalistinnen und Journalisten wird heute erwartet, dass sie eine Reichweite haben. Dabei sind Aufbau und Betreuung einer Community ein zweiter Vollzeitjob – die Trennlinie zum Content Creator verwässert. Wie sollen wir damit umgehen, dass heute alle ein bisschen berühmt sein müssen?
Kira Brück hat es im Journalist-Magazin aufgeschrieben.
:Pressemitteilung Mutterschutz
Mutterschutz darf für Selbstständige keine Frage des Versicherungsstatus sein. Deshalb begrüßt :Freischreiber den Vorstoß von Bundesbauministerin Verena Hubertz, Mutterschutz und bessere Rahmenbedingungen für selbstständige Eltern gesetzlich zu regeln. Dass Handlungsbedarf besteht, ist seit Langem bekannt – umso wichtiger ist, dass auf die Forderung nun zügig gesetzliche Schritte folgen. Besonders für freie Journalistinnen ist die aktuelle Lage inakzeptabel. Viele stehen vor der Frage, ob sie sich Kinder überhaupt leisten können. Unsere Pressemitteilung findet ihr hier.
20. April, 16 Uhr, Tandem Kick-off: Gemeinsam wollen wir das frische Tandem-Jahr einläuten. Bitte gebt uns Bescheid, ob ihr dabei sein könnt. Den Link zum Raum erhaltet ihr per E-Mail.
23. April, 12 Uhr, Mittagspause mit der ZEIT. So arbeiten Ressort X & ZEIT-Dossier: Welche Themen punkten bei der Redaktion, wen sprechen Freie an – und welchen Honorarrahmen setzt die ZEIT?
27. April, 9 Uhr, Starterpaket Freier Journalismus: Das Leben als freie Journalistin, freier Journalist kann wunderbar sein. Und doch fühlen sich anfangs viele Kolleg*innen lost. Unser Webinar „Starterpaket Freier Journalismus“ bietet einen Überblick an Tipps, die den Einstieg erleichtern.
4. Mai, 19 Uhr: Mini-Stammtisch in Paris!
Wir, Stefanie Eisenreich & Elisa Kautzky, möchten uns mit Freien und Freischreiber*innen in Paris vernetzen. Kommt gern dazu.
8. Mai, 13 Uhr, Rundfunkreform
Welche Programme werden gestrichen? Welche Sendeplätze werden zusammengezogen? Viele Freie sind gestresst von der Unsicherheit und machen sich Sorgen um ihre zukünftige Auftragslage. Kathy Ziegler von der Freienvertretung beim Deutschlandradio wird uns konkret erklären, was es mit der Programmreform auf sich hat.
- Und: Haltet euch schon mal den 12. Dezember frei! Wir planen ein Barcamp und eine Party! Weitere Infos gibt es bald. Wir wollen mit euch feiern und in Berlin aufs Freisein anstoßen.
- Alle Termine findet ihr hier.
:Dies & Das
Die Entlastungsvorschläge der Regierung
Ein bisschen schade finden wir es schon. Denn schon wieder merken wir, wie wenig Gedanken die Regierung sich über uns Freie macht. Als die Unions- und SPD-Spitzen am Morgen des 13. April bekannt gaben, wie sie die Bürger*innen angesichts des stetig teurer werdenden Lebens entlasten wollen, war kein Vorschlag dabei, der uns mitdenkt. Die 1000 Euro „Krisenbonus“, die Arbeitgebende ihren Angestellten steuerfrei zahlen können, werden uns nicht erreichen. Die 17-Cent-Senkung der Kraftstoffsteuern gilt natürlich auch für uns, aber wie viel das wert ist, wird sich zeigen.
KI-Bilder im Lokalen
Der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag (shz) illustriert neuerdings regionale Themen immer öfter mit KI-generierten Abbildungen, berichtet Übermedien. Zwar würden die Motive transparent gekennzeichnet, dennoch stellt sich die Frage, was das für den Lokaljournalismus bedeutet. Fast zwei Drittel der Deutschen ordnen Lokaljournalismus laut Digital News Report des Reuters Institute an der University of Oxford als vertrauenswürdig ein. Es lässt sich nur hoffen, dass die Lokalmedien das Vertrauen ihrer Leser*innen damit nicht verspielen.
Marktlücke Rüstungsindustrie
Mehr denn je suchen Redaktionen Journalist*innen, die sich mit Rüstungsindustrie und Sicherheitspolitik auskennen. (Vielleicht eine Marktlücke für einige von euch?) Vor 2022 wurden militärische Expertise und Connections in die Rüstungsindustrie noch skeptisch beäugt, heute sind Drohnenexpert*innen in den Redaktionen heiß begehrt. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Civey von 2025 wünschen sich 77 Prozent der Deutschen mehr Informationen dazu, welche Vorkehrungen die Bundesregierung trifft, um die Verteidigungsfähigkeit zu steigern. Doch was macht eine gute Berichterstattung über Krisen und Kriege aus? Diese Frage hat sich der Journalist gestellt. Wichtig sei es vor allem, sachlich zu unterscheiden, welche Szenarien real und welche von Akteuren gesteuert sind. Was hilft: „ein breites Netz an Informanten und unabhängigen Experten. Nur so könnten Journalist*innen die unterschiedlichen Interessen von Rüstungswirtschaft und Gemeinwohl aufzeigen.“
Ungarn: Medien und Wahlkampf
Am 12. April hat Ungarn gewählt – und Viktor Orbán nach 16 Jahren Amtszeit abgewählt. In der letzten Ausgabe des Newsletters Blaupause beschreibt Steady-Gründer Sebastian Esser, inwiefern investigative Recherchen den ungarischen Wahlkampf auf den Kopf gestellt haben. Zum Beispiel Direkt36, ein ungarisches Investigativportal, das in den vergangenen Jahren immer wieder Recherchen veröffentlicht hat, zum Beispiel über die Pegasus-Überwachung der eigenen Reporter*innen, die Offshore-Geschäfte der Familie Orbán oder wie die Regierung die EU-Antibetrugsbehörde OLAF ausspionierte. Ein Beispiel, wie viel Macht unabhängiger Journalismus haben kann.
:Externe Termine
DW-Freienkongress
Vom 24. bis 25 April findet in Bonn der DW-Freienkongress statt. Veranstalter ist der ARD-ZDF-Freienrat. Auf dem Programm: Podiumsdiskussionen über Pressefreiheit, freie Krisenreporter*innen, Homeoffice, Rente, KI und Honorare – alles, was für freie Mitarbeitende im öffentlich-rechtlichen Rundfunk von besonderer Relevanz ist.
Anmeldung hier. Das komplette Programm: Freienrat – Die Interessenvertretungen für Freie bei ARD, ZDF und Deutschlandradio
BJS-Termine
- 12. / 13. Mai Moderation in TV und Social Media
- 1. / 2. Juli Moderieren vor Publikum – Aufbaukurs
- 2. Juli Souveränes Texten mit KI
Exklusiv für Freischreiber*innen: Dank unserer Kooperation buchst du Fortbildungen der Berliner Journalist*innenschule mit 30 Prozent Rabatt. Wie das geht, erfährst du bei der Geschäftsstelle.
Kauft euch was Schönes vom verhandelten Geld!
Robert Hofmann & Elisa Kautzky aus der Newsletter-Redaktion