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14. Dezember 2021

Kröten aus der Vergangenheit, Kraft für die Zukunft

Wir vermelden einen Erfolg: Unser Einfluss bei der VG WORT wächst.

Es gibt Kröten, die hat man schon geschluckt, bevor man es überhaupt bemerkt. Für uns freie Journalist:innen ist die Verlagsbeteiligung an Ausschüttungen der VG WORT so eine dicke, fette, schleimige Kröte. Die Verlage haben es geschafft, sich den Anspruch darauf ins neue Urheberrechtsgesetz zu schreiben, das seit 7. Juni 2021 in Kraft ist. Die Verlage können also bis zu einem Drittel der Ausschüttungen erhalten.

So steht es im Gesetz, und daran führt kein Weg vorbei.

Die VG WORT musste also den Verteilungsplan ans Gesetz anpassen. Das hat der VG-WORT-Verwaltungsrat gemacht, und der Mitgliederversammlung vorgelegt. Viele von euch haben uns :Freischreibern ihre Stimme für diese Versammlung übertragen, darum waren wir stark vertreten – so stark, dass wir den Verteilungsplan hätten kippen können.

Doch selbst wenn wir das getan hätten: Die Verlagsbeteiligung steht im Gesetz und wäre früher oder später unausweichlich gekommen. Hätte die Mitgliederversammlung am Freitag den Verteilungsplan abgelehnt, hätten sich die Auseinandersetzungen darüber über Monate hingezogen mit der Folge: Kein Geld von der VG WORT im Jahr 2022.

Der einzige Punkt, auf den wir Einfluss nehmen können: Wie viel Prozent der Ausschüttungen bekommen die Verlage? Für viele Bereiche hatte der Verwaltungsrat beantragt, die Festlegung dieser Quoten zu befristen – mit Ausnahme von Tageszeitungen, Wochenpresse und Publikumszeitschriften. Die Verleger:innen sollten 30 Prozent der VG-WORT-Einnahmen aus dieser Sparte bekommen.

:Freischreiber-Vorstand Oliver Eberhardt hat in den Tagen vor der Mitgliederversammlung die Drähte heißtelefoniert und deshalb extrem wenig geschlafen. Durch seinen Einsatz habe wir erreicht, dass diese Quote ebenfalls befristet wird.

Vielen Dank an alle, die uns ihre Stimmen übertragen haben! Wir haben damit erstmals wirklich Einfluss in der VG WORT nehmen können. Wenn ihr uns weiter als VG-WORT-Mitglieder (hier sind die Voraussetzungen, Bewerben geht per Mail) euer Vertrauen schenkt, können wir am Ball bleiben: Wir werden die Interessen freier Journalist:innen mit Expertise, Verantwortungsbewusstsein und Dialogbereitschaft vertreten.

Denn: Ein Drittel Verlagsbeteiligung sind – das haben wir in den vergangenen Wochen laut und deutlich gesagt – im Pressebereich einfach zu viel. Wir werden dafür kämpfen, diese Quote zu drücken.

Gleichzeitig müssen wir auf die Spielfelder der Zukunft blicken, bei denen wir mitsprechen müssen und wollen: Es kommen Ausschüttungen für neue Werkformen und Verbreitungswege – Podcasts, Streams, KI. Wir Urheber:innen sollen – auch das steht im Gesetz – mindestens ein Drittel der Einnahmen aus dem Leistungsschutzrecht der Presseverlage bekommen.

Dieses Geld darf die VG WORT einziehen. Jetzt kommt es darauf an, auch in diesem Punkt schnell die Grundlagen zu schaffen, damit das Geld bei uns allen ankommt.

Über all diese Punkte müssen beide Seiten miteinander reden. Wir Freischreiber:innen glauben, dass wir am Freitag dafür eine Basis geschaffen haben. Wir werden jetzt bei den Verlagen anrufen: Bitte gehen Sie ans Telefon, hören Sie uns zu und reden Sie mit uns!

Freischreiberiges

Wer wissen möchte, was die :Freischreiber*innen bei den RiffReportern machen, kann sämtliche Texte per RSS-Feed abonnieren. Dazu ein entsprechendes Reader-Programm mit diesem Link füttern.

:Freischreiber Stefan Schomann macht einen – sorry, muss sein – Parforce-Ritt durch die eurasische Heimatkunde. Mit dem Schicksal der Przewalskipferde als Leittier. Der Bogen reicht von München bis Peking und von Lascaux bis Tschernobyl. Stefan Schomann: Auf der Suche nach den wilden Pferden.

Ein sehr persönliches Buch hat :Freischreiberin Anne Klesse geschrieben. In „Du Wunder“ hat sie einfließen lassen, was sie erlebt hat, als sie vor acht Jahren Muttergeworden ist. Und wie wenig sie darauf vorbereitet war, dass ihr Körper anders funktionierte, sich Beziehungen und ihr Blick auf ihr Leben und die Welt veränderten. Und sie hat intensiv über Wochenbett, Elternsex, Rollenbilder, fehlende Vorbilder, Wechseljahre und Loslassen recherchiert. Ab 23. Dezember erhältlich.

Herzlichen Glückwunsch an :Freischreiber Tim Kalvelage! Er hat für seine Texte Wenn das Eis schmilzt und Millionen Liter Gift in der Süddeutschen Zeitung sowie Ein trotziges Wunder in der ZEIT den Georg von Holtzbrinck Preis für Wissenschaftsjournalismus gewonnen.

:Freischreiber Daniel Hautmann aus Hamburg hat im Team mit dem Studiobetreiber Bente Faust das Label Honig & Gold gegründet. Ihre erste Produktion „Jürgen Rickmers – Durch die Stürme des 19. Jahrhunderts“ erzählt in zehn Folgen das Leben des Föhrer Kapitäns. Der Friese bereiste im 19. Jahrhundert die gesamte Welt, brachte Auswanderer von Hamburg nach New York und segelte mit Goldsuchern zur US-Westküste. Hören könnt ihr die opulente Produktion auf allen gängigen Plattformen.

Und noch ein Buch aus :Freischreiber-Hand: In „Erzählende Affen“ spüren Friedemann Karig und Samira El Ouassil der unendlichen Macht der Geschichten nach bis zu deren Ursprüngen – in Genen wie Kulturen.

Förderung • Stipendien • Preise

Neustarthilfe Plus – Wer jetzt erst merkt: Das dritte oder das vierte Quartal 2021 sind im Vergleich zu 2019 wirklich schlecht gelaufen, kann immer noch Neustarthilfe Plus beantragen. Die Frist für diese beiden Zeiträume wurde bis 31. März 2022 verlängert. Und denkt daran, dass ihr bis 31. Dezember online eure Abrechnung erstellen müsst, falls ihr Neustarthilfe für das erste Halbjahr 2021 bekommen habt. Das geht ganz einfach (maximal vier Zahlen und sehr viele Häkchen), also gar nicht weiter aufschieben!

Die Riff freie Medien gGmbH schreibt angesichts der eskalierenden Corona-Pandemie Recherche-Stipendien für Medizin- und Wissenschaftsjournalist:innen aus. Im Topf sind ein Stipendium à 5.000 Euro und sechs Stipendien à 2.000 Euro für „alle qualifizierten, hauptberuflichen Journalist:innen, die freiberuflich arbeiten“.

Beim Wettbewerb für den CIVIS Medienpreis 2022 ist die Bewerbungsplattform freigeschaltet. Deshalb: Reicht eure besten Audio- und Video-Beiträge über Migration, Integration, kulturelle Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt in Europa ein! Hier sind die Teilnahmebedingungen.

Noch bis zum 31. Dezember könnt ihr euch für den Peter Hans Hofschneider Recherchepreis für Wissenschafts- und Medizinjournalismus bewerben. Im Topf sind 20.000 Schweizer Franken, mit denen Journalist:innen aufwendige Rechercheprojekte verwirklichen sollen, die sie in einem allgemein üblichen Zeit- und Kostenrahmen einer Redaktion nur schwer realisieren könnten. Voraussetzung sind zwei preiswürdige Publikationen aus den letzten beiden Jahren und ein Recherchekonzept für das neue Projekt.

Reisen

Wir :Freischreiber möchten euch nahelegen: Überlegt euch in diesen Zeiten bitte genau, ob Reisen gerade wirklich notwendig sind oder ob ihr sie nicht doch auch in eine Zeit verschieben könnt, in der die Corona-Welle wieder flacher ist. 

Befragung

Der freie Journalist Henrik Oerding macht an der Uni Münster für seine Abschlussarbeit zu Journalismus und Twitter eine Online-Befragung und freut sich, wenn ihr euch 20 Minuten Zeit nehmt.Das war mal wieder sehr viel Info. Danke fürs Dranbleiben!

Termine

Schon heute Abend (14. Dezember, ab 20 Uhr) treffen sich die Freischreiber:innen aus Franken und sprechen darüber, was dieses Jahr besser lief, was weniger gut und wohin die Reise 2022 gehen soll. Der virtuelle Glühweinstand steht bei Zoom. Wer dazustoßen möchte, kann sich per Mail anmelden.
 
In der echten Welt wollen sich die Berliner :Freischreiber:innen am Sonntag (19. Dezember, 18 Uhr) im Zenner Wintergarten (Alt-Treptow 15, 12435 Berlin) bei bester Aussicht auf die Spree zum Glühwein und Austausch treffen. Damit nur die Nasen rot werden: Werft euch in die warme Daunenjacke!
 
Wieder virtuell ist die Digitale Mittagspause am 19. Januar ab 12 Uhr. Diesmal tauschen wir uns darüber aus, welchen Nutzen Instagram für Freiehat. Eine Stunde lang sichten wir erfolgreiche Accounts von Kolleg:innen und Partner-Verbänden. Mit Sigrid, Joachim und Anna aus dem Social-Media-Team der :Freischreiber. Anmeldung (nur für Mitglieder) hier.
 
Leute, die einen unserer Crashkurse „Besser schreiben mit Ariel Hauptmeier“ mitgemacht haben, berichten von maximaler Inspiration in minimaler Zeit. Wir haben wegen der großen Nachfrage nochmal nachgelegt. Sowohl für den Workshop am 28. Januar als auch am 25. März 2022 sind noch Plätze frei. Vier Stunden für funkelnde Sätze.

Wem das nicht reicht, für den könnte Ariels Jahreskurs etwas sein: Er bietet ein Intensiv-Coaching Erzählender Journalismus exklusiv für unsere Mitglieder an. Los geht es mit einem Treffen am 11. Februar in Berlin, danach kommen Ariel und die zwölf Teilnehmer:innen bis einschließlich November regelmäßig auf Zoom zusammen, um ihre Texte zu röntgen, Erzähltechniken zu verfeinern und ihr Wissen über Sprache, Dramaturgie sowie Recherche zu erweitern. Kosten: 986,51 Euro. :Freischreiber:innen können sich per Mail direkt beim Dozenten Ariel Hauptmeier anmelden. 




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