7. August 2025

Glaubwürdig. Nicht neutral.

Wir sind zurück aus der Sommerpause und der Sommer hoffentlich auch bald. Wir haben unsere Perspektiven erweitert, Altes neu entdeckt und freuen uns nun, mit euch in viele Diskussionen einzusteigen. Beispielsweise darüber, wie wir als Verband für Freie mehr Sichtbarkeit erreichen, wie wir die Honorarsituation verbessern oder einen Umgang mit künstlicher Intelligenz finden. Eines ist klar: das nächste halbe Jahr wird spannend.

Was uns bewegt

Wir müssen über Gaza reden

In Kriegsgebieten haben es Freie besonders schwer. In der Regel können sie nicht auf den Schutz einer Redaktion vertrauen. :Freischreiber unterstützt daher den Aufruf von APAFPBBC News und Reuters: „Journalisten müssen in Kriegsgebieten viele Entbehrungen und Strapazen erdulden. Wir sind zutiefst beunruhigt darüber, dass nun auch die Gefahr des Hungertodes dazugehört. Wir fordern die israelischen Behörden erneut auf, Journalisten die Ein- und Ausreise nach Gaza zu gestatten.“

Auch unsere Mitglieder berichten von Hürden bei der Gaza-Berichterstattung, davon, dass Themen abgelehnt, Perspektiven eingeengt wurden. Vorstandsmitglied Elisa Kautzky hat mit Korrespondent*innen vor Ort gesprochen. Ihr Eindruck: „Die Berichterstattung war lange unausgewogen – oft wurde über statt mit den Menschen vor Ort gesprochen.“ Dazu Julia Neumann, Freischreiberin und Korrespondentin im Libanon: „Es gibt in Gaza unabhängige Quellen, sie wurden aber aufs Härteste diffamiert und als unglaubwürdig geframed.“

Bild von hosny salah auf Pixabay

Freischreiber Stefan Mey beschäftigt sich als Medienjournalist mit Gaza: „Die Diskussion hat sich in den letzten Wochen geöffnet. Von einer fairen Berichterstattung und journalistischen Mindeststandards sind wir aber immer noch weit entfernt.“ Julia Neumann nochmal: „Journalist*innen müssen sich auch fragen: Was war unsere Rolle? Die mediale Aufarbeitung wird Jahre dauern.“

Hannah El-Hitami, Freischreiberin, berichtet über Westasien/Nordafrika und Völkerrecht: „Dass es in Deutschland letztlich einen Sinneswandel gab – auch wenn dieser viel zu lange auf sich warten ließ – ist auch den Journalist*innen in Gaza zu verdanken, die trotz Lebensgefahr immer weiter von vor Ort berichtet haben. Dass so viele von ihnen dafür getötet wurden, können wir als Medienschaffende nicht einfach hinnehmen.“

Wir wissen: Unser Einfluss als Berufsverband freier Journalist*innen ist begrenzt. Aber falls es etwas gibt, was wir für euch tun können – lasst es uns wissen.

Freischreiber*innen für :Freischreiber

Seit Frühjahr trommeln wir an dieser Stelle für die Mitgliederversammlung. Wir machen das, weil uns unser Verband und die hier gelebte Demokratie wichtig sind. Denn anders als bei den Büchern im Newsletter werden Vorstandsposten nicht verlost. Darüber entscheidet ihr. Also kommt nach Berlin, diskutiert und entscheidet mit.

Foto: Anna Heidelberg-Stein

Bis zum 27. September habt ihr noch Zeit, euch zu überlegen, ob ihr kandidieren und die nächsten zwei Jahre eure Ideen, eure Expertise und eure Freude in die Arbeit für :Freischreiber stecken wollt. Vielleicht hilft euch bei eurer Entscheidungsfindung die folgende Frage: Was unterscheidet unsere Buchverlosung von einer Kandidatur für den Vorstand? Unsere Antwort: bei beidem gibt es etwas zu gewinnen. Was ist eure Antwort? Schreibt uns oder besser: stellt euch am 27. September auf der Mitgliederversammlung in der Lettrétage in Berlin zur Wahl.

Damit sich die Teilnahme für euch richtig lohnt, gibt es vorab ein Barcamp. Erkenntnisgewinn inklusive. Als Sponsoren konnten wir die Hamburg Media School und das Institut für Bildungscoaching gewinnen.

Mehr Infos und Anmeldung

:Freischreiberiges 

Mehr Sichtbarkeit für Freie

Es ist Sommer. Für viele von uns sind das ertragreiche, aber auch anstrengende Wochen. Wir springen ein, übernehmen Dienste und Beiträge, wenn die Redaktionen in die Sommerpause gehen. Wie aber steht es sonst um die Sichtbarkeit von freien Journalist*innen? Da haben wir noch einiges aufzuholen. Auf Slack diskutieren wir über Honorare, das Verhalten von Redaktionen, gute und schlechte Auftraggeber. Aber in der Öffentlichkeit schwindet nicht nur die Medienkompetenz, sondern auch das Wissen, was Journalismus und vor allem freier Journalismus bedeutet. Wir wollen von euch wissen: Wo leistet ihr schon Aufklärungsarbeit, sprecht über die Bedeutung von freien Journalist*innen in der Gesellschaft? Wo müssen wir gemeinsam stärker werden? Bringt eure Ideen mit zu unserer digitalen Mittagspause am 1. September

:Frei heraus

Freie Kolleg*innen bekommen viel zu selten eine Bühne. In dieser Rubrik stellen wir euch deshalb Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen vor. 

Dieses Mal: Gabriela Beck. Sie hat sich trotz ihrer Leidenschaft fürs Schreiben für ein Architekturstudium in Zürich entschieden. Als Architekturjournalistin hat sie einen Weg gefunden, beides zu verbinden.

Foto: Privat

Drei Fragen an Gabriela Beck

Wo arbeitest du am liebsten? 

An meinem Schreibtisch im Home-Office – mit Blick auf mein geliebtes Münchner Stadtviertel und mit einer guten Tasse Latte Macchiato neben mir.

Welche sind deine wichtigsten Arbeitsutensilien?

Meine Handykamera, um gute Architektur und Urban Spaces immer und überall festhalten zu können, und Post-its für die Orga des täglichen Kleinkrams. Es bereitet eine gewisse Befriedigung, ein erledigtes „To Do“ zusammenzuknüllen und in den Papierkorb zu schmeißen.

Was ist das Ärgerlichste, was dir im Job passieren kann?

Blinde Flecken ohne Internet – und die gibt es in Deutschland häufiger, als man glauben möchte.

:Tipp des Monats: Comic-Journalismus

Journalismus umgesetzt in Comics ist in Deutschland nicht sehr verbreitet. Warum wir dennoch darüber sprechen? Weil dieses Format enormes Potenzial für erzählerische Möglichkeiten bietet und neue Publikumsschichten erschließt. Unsere Experten Guillaume Amouret und Ramona Seitz haben auch beobachtet, wie Menschen in Gesprächen aufgeschlossener werden, wenn Interviewende parallel zeichnen. Anders als in Frankreich oder den USA ist Comic-Journalismus in Deutschland (noch) nicht weit verbreitet. Wir finden: das sollte sich ändern. 

Mehr zum Thema lest ihr im Handout im Mitgliederbereich von :Freischreiber.

:Buchverlosung

Es gibt wieder ein Buch zu gewinnen. Diesmal: „Soul Places Schottland“ von Freischreiberin Sandra Wickert.

Natur, Kultur, Geschichte – Schottland wartet mit allem reichlich auf. In ihrem Reiseführer macht Sandra Wickert die wilden Highlands mit ihren majestätischen Bergen und Seen ebenso lebendig wie mystische Orte, windgepeitschte Küsten, Whisky-Brennereien und pulsierende Metropolen. 

Insgesamt hat Sandra Wickert 80 Soul Places in Schottland aufgespürt – vom besonderen Garten mit alten Apfelsorten über ein Öko-Café mit Delfin-Watching bis zur Übernachtung in einem 900 Jahre alten, familiengeführten Herrenhaus. Ein Buch für alle, die Schottland entdecken wollen. Erschienen im Reise Know-How Verlag.

Interessiert? Schreib uns bis zum 31. August eine E-Mail an redaktion@freischreiber.de mit dem Betreff „Buchverlosung“ und deiner Adresse. Der oder die Gewinner*in wird im nächsten Newsletter bekannt gegeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Viel Glück! 

Danke für eure Zusendungen im Juli. Das Buch „Urlaub vom Patriarchat“ von Freischreiberin Friederike Oertel geht an Tanja Schuhbauer. Herzlichen Glückwunsch!                  

Habt ihr gerade ein neues Buch veröffentlicht, oder steht die Veröffentlichung kurz bevor? Dann meldet euch bei (redaktion@freischreiber.de), damit wir es verlosen können. Ihr bekommt Reichweite und ein*e Freischreiber*in freut sich – Win-win!

:Freischreiber-Termine

Digitale MiPa: Frei unter Palmen

Der Vorstand lädt euch am 11. August zum Palmengipfel ein, wie Vorständin Karen Suender es so schön formuliert. Sie wird unseren lockeren Austausch moderieren. Und ganz nebenbei erfahrt ihr auch, wer sich bereits für eine Kandidatur für den nächsten Vorstand entschieden hat. Los geht’s um 13 Uhr. 

Anmeldung zur Members-only-Party.

Digitale MiPa mit der ZEIT: Recherchieren in Kriegsgebieten

Lea Frehse berichtet als Nahost-Reporterin der ZEIT aus Israel sowie Palästina, Syrien und Iran. In unserer digitalen Mittagspause spricht sie darüber, was ihr bei solchen Recherchen wichtig ist und wie sie sich auf einen Einsatz vorbereitet. Nur für Mitglieder.

Digitale MiPa: Wie setzen wir unsere Ziele politisch um?

:Freischreiber ist der Berufsverband, der sich explizit für die Belange von freien Journalist*innen einsetzt. Unsere Forderungen an Redaktionen haben wir im Code of Fairness festgehalten. Nun fragen wir: Wie können wir unsere Ziele politisch noch besser umsetzen? Darüber wollen wir mit euch am 1. September ab 12 Uhr diskutieren. Meldet euch gleich an. Nur für Mitglieder.

Bild von Myriams-Fotos auf Pixabay

Crashkurs Dramaturgie

Dramaturgie, das klingt nach Theater. Aber seit unsere Dozentin Heike Faller Dramaturgie „kann“, hat sie nie wieder eine Schreibblockade gehabt. „Werdet ihr auch nicht!“, verspricht Heike. Kommt zum Zoom-Crashkurs am 9. September von 9 bis 13 Uhr. Ihr könnt euch noch auf die Warteliste setzen lassen.

:Dies & das

100 Prozent Arbeit, 0 Euro Gehalt

Mit miesen Honoraren kennen wir Freien uns aus. Doch was Oskar Vitlifs Recherche zu Vollzeitpraktika offenbart, lässt selbst uns blass werden. Deutsche Medienhäuser zahlen in der Regel 0 Euro. Und wenn doch eine Entschädigung gezahlt wird (anders lässt sich das kaum nennen), reicht diese in den allermeisten Fällen nicht zum Leben. Was daran so schlimm ist? Damit wird der Zugang in journalistische Berufe erschwert. Wer es sich nicht leisten kann, umsonst zu arbeiten, kann eben kein journalistisches Praktikum machen. Darunter leidet die Medienwelt und die Gesellschaft, weil wir auf Perspektivenvielfalt verzichten. 

Für seine Recherche hat Vitlif Daten von 450 deutschen Medienhäusern zusammengetragen und in einer Datenbank öffentlich zugänglich gemacht. Wer sich künftig für ein Praktikum interessiert, kann sich Bewerbungen bei Medienhäusern sparen, die nichts bezahlen. Vitlif dazu im Blaupause-Newsletter: „Meine Hoffnung ist: Wenn knausrige Unternehmen deutlich weniger Bewerbungen bekommen, verändert sich vielleicht irgendwann ihre Haltung.“

Urheberrechtsverletzung Redigat

Wie weit darf das Redigat in den ursprünglichen Text eingreifen? Diese Frage sorgt immer wieder für Differenzen zwischen Freien und den Redaktionen. Kürzlich ging ein Fall vor die Gerichte, nachzulesen etwa bei der F.A.Z. Ein Text des freien Journalisten Werner Rügemer, den die Berliner Zeitung beauftragt hatte, wurde zunächst online ohne Veränderungen veröffentlicht. Nachträglich hat ihn die Redaktion redigiert und ganze Passagen gestrichen. Diese neue Fassung hat Rügemer offenbar nicht nochmal vorgelegt bekommen. Eine Praxis, die einem fairen Umgang widerspricht, den wir :Freischreiber im Code of Fairness fordern. Das Gericht sah  im Verhalten der Redaktion eine Verletzung der Urheberrechtsinteressen von Rügemer.

Interessant auch die Einschätzung Rügemers gegenüber der F.A.Z.: „Die Zahl der festangestellten Redakteure nimmt ab. Freie Autoren und Medienlieferanten sind inzwischen wichtige Teile in der Mediengesellschaft. Deren Lieferungen werden von den Redaktionen oft aber nur als Rohstoff betrachtet.“ 

Frauenquote bei deutschen Leitmedien sinkt erneut

Wir wiederholen uns, leider. Denn der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei deutschen Leitmedien ist erneut gesunken, wie ProQuote im Juli mitteilte. Derzeit liegt der Anteil bei 37,8 Prozent. „Die von uns geforderte Parität ist damit weiter in die Ferne gerückt“, kritisiert ProQuote-Vorständin Edith Heitkämper.

Kritikwürdig ist diese Entwicklung, weil damit auch die Vielfalt der Perspektiven verloren geht. Dabei sind Frauen nicht die einzige unterrepräsentierte Gruppe in deutschen Medienhäusern. Auch bezüglich Herkunft, Alter, sexueller Orientierung oder Beeinträchtigungen klaffen Lücken.

Die Studie findet ihr hier.

:Externe Termine

Vergünstigte Kurse an der Henri-Nannen-Schule

Die Fazit-Stiftung, die von den Verlegern und Herausgebern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegründet wurde, fördert freie Journalist*innen, die sich an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg fortbilden möchten. Die 30 Stipendien ermöglichen es Freien, die Kurse zu vergünstigten Konditionen zu besuchen. Der Bewerbungsschluss ist nach Kursen gestaffelt, der nächste Termin ist der 18. August. Mehr dazu findet ihr hier

Weiterbildung in SH und HH

Journalist*innen aus Schleswig-Holstein und Hamburg aufgepasst: die VOCER Digitale Innovations- und Resilienzakademie 2025 richtet sich direkt an euch. Die modular aufgebaute Weiterbildung zu neuen Anforderungen und Risiken für Lokaljournalist*innen (Stichwort: Digitalisierung und KI) findet von September bis Dezember statt. Anmeldung und Termine findet ihr hier

Fellowship Lokale Recherche

Viel Aufmerksamkeit erfährt derzeit der Lokaljournalismus. Gut so. Netzwerk Recherche hat mit der Madsack Stiftung und der Olin gGmbh ein Fellowship speziell für Lokaljournalist*innen aufgelegt. Mentoring, Fortbildung und Vernetzung gehen Hand in Hand, finanziell abgesichert. Bewerbungen sind bis zum 24. August möglich. Mehr zum Programm findet ihr hier.

Neue Förderungen der Hamburg Media School

Die Hamburg Media School (HMS) schreibt mit dem Technikmagazin t3n ein Stipendium für alle aus, die über Technik, Wissenschaft oder Digital Business berichten oder mit neuen Technologien im Journalismus experimentieren. Neben der Kostenübernahme für den Studienplatz werdet ihr individuell durch t3ngefördert. Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 15. August.

Für den von der Hapag-Lloyd-Stiftung geförderten Master-Studiengang Digitaler Journalismus hat die HMS die Bewerbungsfrist verlängert. Mehr Infos zu den Studiengängen und Förderungen findet ihr hier

SciCar Dortmund

Für Datenjournalist*innen: Am 5. und 6. September findet wieder die SciCar-Konferenz statt. Wer nach Kooperationen für Computer Assisted Reporting sucht oder sich über Ideen, Methoden und Projekte austauschen möchte, ist hier richtig. Die von Netzwerk Recherche, der TU Dortmund, der WPK sowie dem Science Media Center Germany durchgeführte Veranstaltung findet in Dortmund statt. Mehr Infos gibt es hier.

Neue kreative Ideen entwickeln

Mal was Neues ausprobieren, andere kreative Wege gehen? Vom 6. bis 11. Oktober findet das Vision Lab in Luxemburg statt. Der freie Fotograf, Slow Journalist und Multimedia-Produzent Uwe H. Martin unterstützt in dem sechstägigen Workshop Journalist*innen und Kreative dabei, ihren Medienberuf über traditionelle Grenzen hinaus weiterzuentwickeln. Für Infos und Anmeldung hier entlang.

Vergesst auch nach den Ferien die Pausen nicht.

Herzliche Grüße,

Euer Newsletter-Team

Elisa Kautzky und Eva Bodenmüller


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