4. September 2013

GeoSaison: Wir machen ein Best-of-Album. Bitte nicht böse sein, wenn es kein Honorar dafür gibt!

Wenn ein Verlag wie Gruner+Jahr Rekordgewinne feiert, dann ist offenbar die Zeit gekommen, verlegerisch mal neues Terrain zu betreten und etwas bis dato noch nicht Gewagtes auszuprobieren. So geschehen vor einigen Wochen, als mehrere freie Autoren von GEO Saison eine Mail des Chefredakteurs erhielten, in der er ein „Experiment“ ankündigte: eine „Art Best-of-Album“ sei in der Mache, ein Sonderheft mit 17 zuvor in GEO Saison erschienenen Kurzreise-Reportagen. „Keine Ahnung, ob die Leser das gut finden und kaufen“, räumte er darin ein, aber: „Wir hoffen es sehr, denn durch die mehrfache Verwendung von Geschichten werden wir auch in Zukunft die Möglichkeit haben, auf unserem Qualitätsniveau Hefte zu produzieren und möglichst viele Aufträge an unsere Autoren zu vergeben. Darum bitte auch nicht böse sein, wenn es für diesen Abdruck kein zweites Honorar gibt!“ Nicht böse sein – ein bisschen viel verlangt, fand unter anderem Freischreiber-Kollegin Petra Reski, eine der Empfängerinnen der Mail. Sie legte Widerspruch ein, mit Rückendeckung des Freischreiber-Vorstands und mit Verweis auf den Autorenvertrag, in dem zum Thema Zweitverwertungen steht: „Für die Nutzung in anderen deutschsprachigen GEO-Ausgaben erhält der Autor ein Honorar von 20 Prozent des Ursprungshonorars.“ Es dauerte nicht lang, und die Chefredaktion antwortete in einer launig-zerknischten Mail: „Sie haben Recht.“ Das habe die Rechtsabteilung von Gruner+Jahr bestätigt. Also: „Kohle kommt, kein Problem.“ Und zwar nicht nur für Petra Reski, sondern auch für die anderen Kollegen. Was lernen wir daraus: 1. Es lohnt sich, Verträge zu lesen. 2. Es lohnt sich, in derlei Fällen den Mund aufzumachen. Und 3. Solidarität unter Freischreibern zahlt sich aus – mitunter in barer Münze.


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