Newsletter
20. Mai 2026

From Faro with Love

Dieser Newsletter ist ein portugiesischer. Ich – Robert – sitze im abgedunkelten Zimmerchen und schreibe ihn, während draußen die Sonne der Algarve ballert. Sie ballert lieb, noch nicht so erbarmungslos wie im Juli und August, aber Kraft hat sie trotzdem. 

Ich hoffe, dass ihr euch nun fragt, warum ich im Urlaub Newsletter schreibe. Denn das wäre der gesunde Ansatz. Urlaub sollte auch für Menschen, die freiberuflich arbeiten, eben das sein: Erholung, eine Auszeit, ein kleiner Kater zur Mittagszeit.

Robert außerhalb des dunklen Zimmerchens.

Nun ist das nicht immer möglich. Erst gestern rief mich ein Redakteur an. Der Text, den ich vor Monaten abgegeben hatte, solle nun bald veröffentlicht werden, ob ich nochmal drauf schauen könne, ihn gegebenenfalls aktualisieren. Auch das habe ich im dunklen Zimmerchen gemacht, während draußen die Algarve war und ich nicht. 

Freiberuflichkeit ist toll. Immerhin bin ich in Portugal. Nur würde ich mir manchmal wünschen, dass ich standhafter bliebe. Und euch wünsche ich das auch.

:Der Honorarreport kommt

Unsere Umfrage dazu, wie viel Medien für was zahlen, ist beendet. Viele von euch haben mitgemacht, dafür schon jetzt Tausend Dank, ach was, wir sind nicht „so ziemlich jeder Verlag“ in Deutschland, müssen mit großen Zahlen nicht geizen: eine Million Dank!

Wir arbeiten nun daran, die Daten zu säubern, zusammenzuführen, vergleichbar zu machen und dann bald schon zu veröffentlichen. Denn die Vergleichbarkeit von Honoraren und das solidarische Einstehen für bessere ist unsere größte Stärke im Kampf für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen. 

:Aktivrente die Letzte

Anfang Mai haben wir uns zu einer digitalen Mittagspause getroffen, um ein letztes Mal über die Causa Aktivrente zu sprechen. Viele von euch waren dabei, Robert, Hannah und Guillaume aus dem Vorstand auch. Die Positionen waren klar verteilt: Ihr werdet nicht gern übergangen und wünscht euch mehr Mitsprache. Wir aus dem Vorstand haben das gehört und überlegen, wie sich das umsetzen lässt, ohne dass wir handlungsunfähig werden. Allgemein lieben wir aber die Idee, dass Mitglieder und Vorstand enger zusammenarbeiten. 

Und die Aktivrente, die wünschen wir uns auch. Selbst wenn wir es traurig finden, dass wir in einem Staat leben, in dem solche Dinge nötig sein sollen.

:Freischreiber goes Perugia #3: Das Recap

Hannah, Robert und Konstantin sind Ende April zum Journalismusfestival nach Perugia gereist und empfehlen euch allen, das nächstes Jahr auch zu tun! An vier sonnigen Tagen war dieses malerische Städtchen gefüllt von Journalist*innen aus aller Welt. Neben einem spannenden Panel-Programm (das ganz nebenbei kostenlos ist!) gab es jede Menge Gelegenheiten, einen Spritz zu trinken und sich auszutauschen – zum Beispiel bei unserem kleinen Freischreiber-Meetup für freie Journalist*innen.

:Freischreiber Österreich startet Kampagne. #KeinSteuergeldFürAusbeutung

Unsere Schwesterorganisation im Süden hat ein Anliegen, das uns zwar nicht unmittelbar betrifft, aber auf Dauer betreffen könnte. Denn in Österreich ist die Lage des Journalismus noch prekärer als bei uns. Verlage entlassen Mitarbeitende und zahlen gleichzeitig albern niedrige Honorare an Freie. Immer mehr Freie verlassen deshalb die Branche, kaum einer kann es sich noch leisten, nur vom Journalismus zu leben.

Freischreiber Österreich fordert deshalb, dass die staatliche Medienförderung an Standards gekoppelt wird. Nur wer freie Journalist:innen fair bezahlt, soll davon profitieren können. Hier findet ihr mehr Infos dazu. 

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Einladung für Freischreibende nach Straßburg ins Europäische Parlament

Vom 15. bis 18. Juni 2026 tagt das Europäische Parlament in Straßburg. Wir laden freie Journalist*innen herzlich ein, dabei zu sein. 
📣 Tipp: Für teilnehmende Journalist*innen besteht die Möglichkeit, sich Reise- und Hotelkosten erstatten zu lassen.

In der Plenarwoche stehen unter anderem diese Themen auf der Tagesordnung

1.     Reform der KI-Gesetze (finale Abstimmung über den Digital-Omnibus)

2.     EU-US-Handelsdeal (Finale Abstimmung über das Turnberry Agreement)

3.     Stellung der Landwirte in der Lieferkette (finale Abstimmung, enthält auch das umstrittene Verbot von Veggie-Schnitzlen)

4.     Beschleunigung der Genehmigungsverfahren

5.     EU-Strategie zur Bekämpfung neuer Theorien gegen die Demokratie

6.     Neue Genomtechniken (NGT) (2. Lesung, endgültig)

7.     Überarbeitung der Richtlinie zur Tabakbesteuerung

8.     EU-Erweiterung

9.     EU- Unternehmenssteuerpolitik

10.    Vorbereitung des EU-Gipfels

Meldet euch an unter dieser Mailadresse und berichtet live aus dem Herzen der europäischen Politik!

:Frei im Ausland

Elisa Kautzky mit Pariser Köstlichkeit.

Ohne festes Medium im Rücken kann eine Auslandskorrespondenz schwierig sein. In seiner neuen Reihe befragt das medium magazin freie Journalist*innen im Ausland dazu, wie die Arbeitsbedingungen sind, wie die Erfolgsaussichten, wo die Fallstricke und wie groß der Spaß daran ist. Den Aufschlag macht unsere Co-Vorsitzende Elisa Kautzky aus Paris. Sie sagt, sie habe ihre Nische erst finden müssen, fühle sich jetzt aber super wohl in ihrer Rolle als freie Korrespondentin.

Was ihr geholfen hat: sich inhaltlich und medial breit aufzustellen. “Ich habe angefangen, Radio zu machen, arbeite fürs Fernsehen, schreibe für Print und Online. Gerade Radio ist zum Beispiel ein Bereich, in dem man meiner Erfahrung nach auch als Einsteigerin gute Chancen hat und oft gut bezahlt wird.” Ein Vögelchen hat gezwitschert, dass eine weitere Freischreiberin aus dem Ausland bald in der Reihe erwähnt wird…

:Frei heraus

Freie Kolleg*innen bekommen viel zu selten eine Bühne. In dieser Rubrik stellen wir euch deshalb Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen vor. 

Dieses Mal: Mareice Kaiser. Sie arbeitet als Journalistin, Autorin und Moderatorin in Berlin und im Internet. Sie recherchiert, schreibt und spricht zu Gerechtigkeitsthemen. Vom medium magazin wurde sie 2022 in die TOP 10 der deutschen Wirtschaftsjournalist*innen gewählt. In ihrem Newsletter Utopie + Alltag schreibt sie über das gute Leben, wie es sein könnte – und was sich dafür ändern muss. Im Podcast spricht Mareice mit Josephine Apraku über das, was wir alle brauchen: Revolution & Ferien. Kürzlich hat sie für journalist außerdem einen Text veröffentlicht, wie lange wir noch vom Journalismus leben können.

Mareice Kaiser. Foto: Jana Rodenbusch

Wo arbeitest du am liebsten?

In einem Zimmer für mich allein. Zum Beispiel in meinem Büro (das hab ich allerdings nicht immer für mich allein). Ich bin aber auch gern unterwegs und spreche mit Menschen. Was für mich auch gut geht, ist die Mischung aus Unterwegssein und Schreiben, zum Beispiel im Zug. Frei nach Virgina Woolf: Ein 2-er Platz im Zug und Noise Cancelling-Kopfhörer für mich allein.[1] [2] 

Welche sind deine wichtigsten Arbeitsutensilien?

Mein Gehirn; Menschen, die mit mir sprechen; Laptop; zweiter Bildschirm; Tastatur; Maus; Kopfhörer; Musik.

Was ist das Ärgerlichste, das dir im Job passieren kann?

Als machtkritische Journalistin schwingt seit einigen Jahren immer eine mögliche Bedrohungssituation mit – für mich und manchmal auch für meine Protagonist*innen. Das hasse ich.

Hast du Lust, uns auch drei Fragen zu beantworten oder mitzuarbeiten? Dann melde dich hier.

:Dies & Das

Tech-Unternehmen in die Pflicht 

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) stärkt Europas Medienhäuser im Streit mit Big Tech: EU-Staaten dürfen Plattformen wie Facebook und Instagram verpflichten, Verlage für journalistische Inhalte zu bezahlen. Ein Urteil aus Luxemburg bestätigt Italiens Vorgehen gegen Meta und gibt damit auch anderen Mitgliedstaaten Rückenwind, Tech-Unternehmen stärker in die Pflicht zu nehmen.

Correctiv und Katapult starten NSDAP-Suchfunktion

Analog zu den Angeboten der Zeit und des Spiegels bieten Correctiv und Katapult eine eigene Plattform an, über die Nutzer*innen die NSDAP-Mitgliederkartei durchsuchen können. Die Webseite heißt https://brownarchive.org/ und ist, im Gegensatz zu jenen der beiden großen Verlage, kostenfrei.

Wo Freie gebraucht werden

Das Medium Magazin hat im letzten Monat ein Interview mit Daniel Lingenhöhl, dem Chefredakteur von Spektrum der Wissenschaft geführt. Darin sagt er, wo sein Team und er auf Freie setzen. Wenn ihr also wissenschaftsaffin seid: Schaut euch das mal an. 

Andererseits kämpft ums Überleben

Das inklusive Medium „andererseits“ ringt um sein Überleben. Zwölf behinderte und nicht behinderte Menschen arbeiten in der Redaktion und decken Missstände auf. Sie berichten über den Alltag in einer Welt, deren Norm sich nicht auf behinderte Körper und Köpfe bezieht. Jetzt ruft das Medium dazu auf, ein Abo abzuschließen, damit sein Team weiterhin dieses wichtige Feld beackern kann. Vielleicht möchtet ihr das ja unterstützen.  

:Externe Termine

12. und 13. Juni

Zukunftsfestival in Halle

Sandra Maischberger, Robin Alexander, Dagmar Rosenfeld, Jakob Springfeld, Jan Plewka und Band sowie die beiden Staatsministerinnen Elisabeth Kaiser und Christiane Schenderlein kommen in Halle zusammen, um über die produktive Kraft von Kunst und kultureller Bildung für Dialog und in kontroversen Debatten zu diskutieren.

Workshop Mehrfachverwertung

5. – 6. Juni in Berlin, WPK – Die Wissenschaftsjournalisten

Der Workshop richtet sich an alle freie:n Journalist:innen, die sich mit der Dreigleisigkeit (noch) schwer tun. Freie Printjournalist:innen bekommen Tipps, wie sie ihre Themen auch für den Hörfunk anbieten. Hörfunkjournalist:innen lernen, wie sie die Themen der Online- oder Printredaktion schmackhaft machen. Freischreiber*innen erhalten einen Rabatt.

The Roots of Everything

Wann? 19.- 20. Mai (und fortlaufend)

Wo? Spore Initiative, Hermannstraße 86, 12051 Berlin

Wie kommen wir weg von der reinen Krisenbeschreibung („Doom and Gloom“) hin zu „realen Utopien“? Hier geht es um Klima, globale Gerechtigkeit und soziale Bewegungen. Die Workshop-Reihe soll neue Perspektiven und direkten Kontakt zu Protagonist*innen eröffnen. Die Gäste und Expert*innen kommen aus den Berliner Kiezen und aus Ecuador. (Mit-)organisiert von Freischreiberin Elisabeth Weydt.

  • 5. – 6. Mai: Die Kraft der Vorstellung: Der Nebelregenwald als reale Utopie
  • 19. – 20. Mai: Von Würde und Gerechtigkeit: Rechte der Natur vor Gericht
  • 2. – 3. Juni: Radikale Regeneration: Für Wälder und Seelen
  • 30. Juni – 01. Juli: Resiliente Gemeinschaften: Wachstum statt Zerfall
  • 7. – 8. Juli: Alternative Ökonomien: Reichtum neu definieren
  • 10. – 11. Juli: Utopien-Ernte und Fiesta

Anmeldung: Per Mail an rootsofeverything ät posteo.de. Mehr Infos: Spore Website oder noch mehr bei Radio Utopistan auf Instagram.

Vision Lab 2026 

9. Juni – 4. Juli CNA Dudelange (Luxemburg)

Vom 29. Juni bis 4. Juli findet am Centre national de l’audiovisuel in Dudelange das Vision Lab statt, in dem Fotograf*innen, Filmemacher*innen, Journalist*innen und Künstler*innen eine Woche lang in einer transdisziplinären Gruppe an ihren eigenen Projekten arbeiten. Die Sprache des Labs ist Englisch und die Teilnehmerzahl begrenzt. 

Kosten: 300 Euro regulär, 150 Euro ermäßigt. Bewerbungsschluss ist der 30. Mai, Bewerbung mit kurzer Beschreibung der eigenen Fragen und Ziele, Kurzbio und Links zur Arbeit an: formation ät cna.etat.lu (CC: contact ät uwehmartin.de)

BJS-Termine

02. – 03.06. Videos drehen mit dem Smartphone – Grundkurs

05. – 06.06. Interview für Print und Online

08. – 09.06. Datenjournalismus 2.0 – für starke Storys mit Code, KI und Visualisierungen (1)

10. – 12.06. Die Reportage

Exklusiv für Freischreiber*innen:

Dank unserer Kooperation buchst du Fortbildungen der Berliner Journalist*innenschule mit 30 Prozent Rabatt. Wie das geht, erfährst du bei der Geschäftsstelle.

Und mit dem Ende des Newsletters endet auch meine Urlaubspause. Habt es schön, wo auch immer ihr seid!

Robert Hofmann & Elisa Kautzky aus der Newsletter-Redaktion

Titelfoto: Anna Heidelberg-Stein


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