4. September 2013

Die Druckerkolonnen aus Freiburg

Es heißt ja immer, die Schwaben seien besonders umtriebig, wenn es ums Geldverdienen geht. Wir können heute feststellen: Die Badener stehen ihnen in nichts nach. Weil der eisige Wind der Medienkrise inzwischen auch durch das beschauliche Freiburg pfeift, ist im Verlag der Badischen Zeitung ein besonders kreatives Geschäftsmodell für freie Journalisten entstanden: die Druckerkolonne. Am 23. September haben Chefredakteur Thomas Hauser und Vertriebsleiter Thomas Zehnle einen Brief an die freien Mitarbeiter verschickt mit dem Angebot eines „schönen Zusatzverdienstes“. Es ist eine der Formulierungen, die man normalerweise nur auf Jobausschreibungen findet, die an Ampelmasten kleben. Das Freiburger Modell zur Förderung freier Journalisten sieht so aus: Die freien Mitarbeiter der Badischen Zeitung verfügen doch „über gute und zahlreiche Kontakte in der Region“, die man allesamt zu Abonnenten machen kann. Schließlich „kennen Sie als Journalist alle Stärken und Vorteile unserer Badischen Zeitung, wissen um ihre lokale Kompetenz, aber auch um den anerkannt guten Mantelteil“. Die Idee ist wahrscheinlich eine unmittelbare Reaktion auf das im August beschlossene Verbot unerwünschter Telefonwerbung. Dass der Verlag seine eigenen Mitarbeiter in Druckerkolonnen durchs Land schicken möchte, will er sich aber auch etwas kosten lassen: Für jeden Halbjahres-Abonnenten gibt es eine Provision von 40 Euro, für jeden Jahresabonnenten das Doppelte – „als attraktives Dankeschön“. Eines jedoch haben die Verantwortlichen des Badischen Verlags dabei nicht bedacht: Wie kommt es wohl bei den potentiellen Neukunden der Zeitung an, wenn die im Auftrag des Verlags werbenden Journalisten nicht nur über die Lokalkompetenz und den Mantelteil der Zeitung sprechen, sondern auch darüber, was die Freien dort an Texthonoraren bekommen? Laut Mediafon zahlt die Zeitung ihren Mitarbeitern zum Beispiel im Lokalteil gegenwärtig 36 Cent pro Zeile. Mit anderen Worten: Ein Jahres-Abonnent der Badischen Zeitung ist dem Verlag so viel wert wie ein 222-Zeilen-Text. Brutto. PS: Gestern haben wir unseren wöchentlichen Newsletter verschickt. Die Themen diesmal: die Regionaltreffen in Bremen, Frankfurt und im Südwesten sowie zahlreiche Lektüreempfehlungen, unter anderem für unsere Serie “Ideen für die Freiberuflichkeit” im Medium-Magazin. Zum aktuellen Newsletter geht es hier entlang.


Verwandte Artikel

Fair auf Augenhöhe
28. September 2022

Raus aus der Krise – aber bitte gemeinsam mit den Freien 

Medienpolitischer Dialog. Deutschland braucht weiterhin ein duales System mit öffentlich-rechtlichen und privaten Medienanstalten. Dafür braucht es nun mehr Transparenz, mehr Teilhabe und Dialog mit den... Weiterlesen
Fair vs. Fies
15. September 2022

Freischreiber – der Film

Unsere Freischreiber-Feierei am 3. September beglückte uns nicht nur, weil wir gemeinsam den letzten Sommertag des Jahres erlebten. Die Party war auch das erste größere... Weiterlesen
Fair vs. Fies
04. September 2022

Himmlisch!

Wir haben's getan: uns getroffen. Live! Mit Freischreibern aus ganz Deutschland, Weltreporter*innen und Preisträgern, mit der Sängerin ZUSTRA, froschgrünen Lotsen und Lotsinnen aus dem freien... Weiterlesen
Fair vs. Fies
25. August 2022

Freischreiber-Feierei am 3. September

Überlegst du noch, oder freust du dich schon? Wir wienern bereits die Planken für unsere große Himmel- und Hölle-Sause am 3.9. in Berlin. Zwischen Freibeuter-Buffet... Weiterlesen