13. September 2010

Der Freischreiber-Zukunftskongress am 18. September. Stefan Niggemeier: „Mehr und mehr Journalisten warten nicht mehr darauf, dass Verlage die richtigen Konzepte entwickeln“

Noch fünf Tage: Am kommenden Samstag findet der Freischreiber-Zukunftskongress statt. Bislang haben sich etwa 170 freie Journalistinnen und Journalisten angemeldet, ein paar Plätze sind noch frei. An dieser Stelle haben wir in den vergangenen Wochen Teilnehmer und Referenten des Kongresses vorgestellt, darunter die Karriereberaterin Svenja Hofert, Benno Stieber aus dem Freischreiber-Vorstand und den Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen. Diesmal beantwortet Stefan Niggemeier (Foto: Jan Zappner) unsere Fragen. Er moderiert den Workshop „Hype oder Hoffnung? Mit Multimedia aus der Masse herausragen“. 1. Stefan, warum hast Du die Einladung zum Zukunftskongress angenommen? Weil mich das Thema „Wie freie Journalisten in Zukunft arbeiten und Geld verdienen werden“ persönlich betrifft und es nach einer Veranstaltung klingt, bei der ich viel lernen und ein bisschen von meinen Erfahrungen einbringen kann. Außerdem will ich sehen, wer dieser Herr Broder ist, mit dem sich mein Freund Lukas Heinser herumschlagen soll. 2. Beim Gründungskongress vor zwei Jahren hast Du in Deinem Vortrag von Deiner Verwunderung darüber gesprochen, dass nicht viel mehr Journalisten die Möglichkeiten nutzen, auf eigene Faust zu publizieren. Hat sich an dieser Situation nach Deiner Einschätzung etwas geändert? Ich glaube Ja. Teilweise ist das natürlich der Not geschuldet, dass die Arbeitsbedingungen und -möglichkeiten in vielen Bereichen so schlecht sind. Aber ich glaube, es wächst auch die Zahl der Leute, die entdecken, was für ein Gewinn es sein kann, einfach selbst zu publizieren: ohne die Zwänge eines Auftraggebers, mit der Möglichkeit zu experimentieren und notfalls auch im Scheitern Erfahrungen zu sammeln, mit der Chance, die eigenen Talente, Kenntnisse und Interessen einzubringen. Das löst zwar die ökonomischen Probleme in den meisten Fällen noch nicht. Aber es ist produktiv – und macht oft auch noch ungemein Spaß. Ich habe das Gefühl, dass mehr und mehr Journalisten nicht mehr darauf warten, dass Verlage die richtigen Konzepte entwickeln, und fangen einfach schon mal an. 3. Was ist die Botschaft, die freie Journalisten vom Kongress mit nach Hause nehmen sollen? Mir liegt das positive Denken persönlich nicht so, aber eigentlich sollten wir uns mit vereinten Kräften gegenseitig davon überzeugen können, dass die ganzen anstrengenden Umwälzungen in der Medienlandschaft für uns nicht nur eine Bedrohung sind, sondern viele Chancen bieten.


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