4. September 2013

Christoph Amend: „Freie erweitern das Spektrum“

Gestern haben wir hier gezeigt wie öde und leer das „Zeit Magazin“ ohne Freie aussähe. Heute sagt dessen Chefredakteur Christoph Amend, wie wertvoll Freie für sein Magazin sind. Christoph Amend: Wir arbeiten regelmäßig mit freien Journalisten zusammen, sei es bei Reportagen oder Interviews, bei persönlichen Stücken, sei es bei Rubriken wie etwa der „Deutschlandkarte“ oder in unserer Reihe „Ich habe einen Traum“. Warum? Sie erweitern das Spektrum des Magazins, sie kommen auf andere Ideen, haben andere Kontakte. Die freien Journalisten sind eine große, ziemlich heterogene Gruppe, eine Verallgemeinerung verbietet sich da genauso wie bei der Bewertung der Gruppe von fest angestellten Kollegen. Wir bekommen viele Vorschläge von freien Journalisten und versuchen, sie so schnell wie möglich zu beantworten. Wir bezahlen unsere Autoren je nach Arbeitsaufwand, natürlich spielt auch die Exklusivität ihrer Geschichten eine Rolle. Ein Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen der freien Autoren und der Qualität ihrer Geschichten ist uns bewusst, und wir versuchen hier, das Bestmögliche zu erreichen. Aber natürlich sind auch wir an Budgets gebunden, die in diesen insgesamt schwierigen Zeiten nicht steigen. Und alle unsere Autoren, selbstverständlich auch die freien, bekommen ihre redigierten Texte rechtzeitig zum Gegenlesen. Soweit der Chefredakteur des „Zeit Magazins“.*;0;21;0;0;0;21;0;0;*Unsere Fragen, die Christoph Amend per Mail beantwortet hat, lauteten: 1: Wäre das „Zeit Magazin“ ohne freie Journalisten so gut, wie es ist? Könnten Sie überhaupt Ihr Blatt füllen? 2: Welche Bedeutung haben freie Journalisten für Ihr Magazin? Und welchen Eindruck haben Sie von ihnen: Sind das in Ihren Augen Schreiber, die es nicht bis auf den Redakteursstuhl geschafft haben, sind es Überzeugungstäter, sind es unternehmerisch denkende Leute? 3: Was sind Freie Ihnen wert? Wieviel zahlen Sie, und warum? 4: Oft werden Freie nicht nach Abgabe ihres Textes bezahlt, sondern erst viel später nach dem Abdruck. Sie bekommen nicht die Möglichkeit zu einem letzten Blick auf den redigierten Text. Themenvorschläge bleiben lange liegen, was es schwer macht, sie anderweitig anzubieten. Was halten Sie von solchen Arbeitsbedingungen? Und wie sieht es in Ihrer Redaktion aus? 5: Wem gehört das, was freie Journalisten schreiben? Wie gehen Sie mit dem Urheberrecht freier Mitarbeiter um? Halten Sie es für richtig, wenn ein Autor mit seiner Arbeit nur einmal Geld verdient, ein Medium den Text aber mehrfach nutzt? 6: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen freier Journalisten beim „Zeit Magazin“ und der Qualität der Texte? Morgen setzen wir an dieser Stelle den ersten Teil unserer Freiflächen-Kampagne fort mit einem Gastbeitrag des Hamburger Journalistik-Professors Stephan Weichert. Er nimmt eine kurze Blattkritik des „Zeit Magazins“ vor, sagt, was ihn erfreut und was ihn mittlerweile daran nervt – und er beurteilt die Bedeutung freier Journalisten für das Heft.


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