Faire Honorare
27. April 2012

Blumen, Pralinen und mehr Urheberrechte

Das ist doch mal was: eine Art Muttertag für freie Journalisten könnte man das nennen, was gestern gefeiert wurde. Die Rede ist vom „Internationalen Tag des Urheberrechts“, von dessen Existenz wir bis vor ein paar Tagen auch noch nichts wussten. Aber natürlich fordern wir jetzt Blumen. Und Pralinen. Und, natürlich, mehr Rechte, Urheberrechte natürlich! Weswegen es uns irgendwie beruhigt hat, dass das Urheberrecht “ keine Raketenwissenschaft “ ist, wie der Hamburger Medienanwalt Reinhard Karl im Interview mit dem Magazin „Intro“ behauptet. Fühlt sich allerdings oft genug so an: Aus Gesprächen wissen wir, dass viele freie Journalisten das Thema Urheberrecht zwar wichtig finden, aber ob der Komplexität der Materie inzwischen aus der Debatte ausgestiegen sind. Deshalb hier nochmal ein paar Texte für den Überblick: Einen guten Einstieg ins Thema liefert da z.B. das Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung. Eine Sammlung von Links zu den wichtigsten Beiträgen zur Urheberrechtsdebatte der vergangenen Wochen hat die freie Journalistin und DJV-Kollegin Heike Rost zusammengestellt. Und die zentrale Freischreiber-Position zum Thema – für alle, die ob der ganzen Diskussion aus den Augen verloren haben, was wir eigentlich darüber denken – gibt es hier. Genaue Lektüre lohnt – Missverständnisse gibt es ja leider genug in der Debatte. Auch deshalb hat der ehemalige Freischreiber-Vorsitzende Kai Schächtele in einer Antwort auf eine Polemik von Geo-Chef Peter-Matthias Gaede noch einmal die Position freier Journalisten deutlich gemacht. Schächtele schreibt angesicht der immer neuen Jubelgewinne von Medienunternehmen und den nirgens steigenden Honoraren: „Was ich von den Expeditionen im Namen des Stammes Freischreiber mit nach Hause gebracht habe, ist vor allem die Erkenntnis, dass es die heilige Allianz von Urhebern und Unternehmern, von Kreativen und den Verwertern schon lange nicht mehr gibt. Es ist ein immer wieder gern bemühter Mythos, dass es den Urhebern nur dann gut geht, wenn es auch den Verwertern gut geht. Halleluja, von welcher Zeit sprechen wir? Mitte der Siebziger? Die Wahrheit ist: Die Bedingungen, unter denen die Kreativen in Deutschland arbeiten, sind von der Prosperität der Unternehmen, die mit dieser Arbeit Geld zu erlösen versuchen, weitgehend entkoppelt.“ Deshalb freut uns sehr, dass auch die Kollegen vom DJV sich inzwischen der Freischreiber-Forderung angeschlossen haben, dass das Urheberrecht (genauer: Das Urhebervertragsrecht) zugunsten der eigentlichen Urheber überarbeitet werden muss. Denn dass die „Gemeinsamen Vergütungsregeln“, die freien Journalisten eigentlich angemessene Vergütung für ihre Arbeit sichern sollten, nicht funktionieren, ist ja immer offensichtlicher. Deshalb fordert der DJV nun – wir tun das schon länger – eine Verbandsklagebefugnis zur Durchsetzung der Vergütungsregeln sowie eine verbindliche Schlichtung, damit die Verhandlungen nicht jahrelang ergebnislos verschleppt werden können. Schade finden wir allerdings, dass die Gewerkschaft unsere Forderung nach einem Verbot von Buyout-Verträgen nicht teilen möchte. Dazu passt auch die Mitteilung der Initiative Urheberrecht, der auch Freischreiber angehört. Darin fordern wir zusammen mit 28 anderen Urheberverbänden mehr freie Selbstbestimmung und Respekt für diejenigen, die jene Werke schaffen, die später, verlegt, gesendet oder aufgeführt werden. „Urheber und ausübende Künstler müssen selbst bestimmen können, auf welchem Weg sie ihre Werke und Darbietungen zu angemessenen Bedingungen verwerten.“ Man wird sich doch mal was wünschen dürfen am eigenen Feiertag.


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