Ist ein „gezeichneter Journalismus“ möglich? Wie lässt man Protagonist:innen in Blasen sprechen? Welche Möglichkeiten bietet das Medium? Freischreiberin Ramona Seitz und ihr Kollege Guillaume Amouret antworteten beim Kaminabend: „Comic-Journalismus“ auf diese und viele weitere Fragen.

Hier findet ihr das Handout.

Auf der Jahrestagung von Netzwerk Recherche am 19. und 20. Juli in Hamburg hat :Freischreiber wieder eine Stärke ausgespielt. Ja, netzwerken gehört auch dazu. Gemeint ist aber die enorme Bereitschaft, Wissen zu teilen. Vor allem wenn es ums Geld geht. Etwa bei den Themen Langzeitrecherchen, Stipendien oder Honorare. In diesem Newsletter beschäftigen uns außerdem die Landtagswahlen in drei Bundesländern im Herbst.

Honorare für Freie? Autsch!

Wir wollten wissen, wie sich die Honorare freier Journalist*innen in den letzten vier Jahren entwickelt haben. Um es kurz zu machen: Autsch! Was auf den ersten Blick hier und da als Honorarerhöhung erscheint, stellt sich bei näherer Betrachtung oft als Honorarkürzung heraus. Und mit der im Honorartool vielfach gelobten „guten Arbeitsatmosphäre“ lässt sich die Miete nicht bezahlen. Zu dem Ergebnis kommen Jan Schwenkenbecher und :Freischreiber-Vorständin Karen Suender, die am 20. Juli bei der Jahrestagung von Netzwerk Recherche (#NR24) einen ersten Einblick in den Honorarreport 2024 gegeben haben. Wir werden ihn bald veröffentlichen. Angesichts der desaströsen Zahlen waren die Teilnehmenden gut vorbereitet für den anschließenden Crashkurs zum Honorare verhandeln mit Nora Lessing. Dazu weiter unten mehr.

Wo gibt´s Geld für Recherchen?

Karen Suender und Elisa Kautzky bei nr24.

Angesichts unverändert unterirdischer Honorare, sind da Langzeitrecherchen für Freie überhaupt noch finanzierbar? Gleich vorweg: Einfach ist es nicht. Aber was ist für Freie heute schon einfach? Darum ist es so wichtig, sich auszutauschen. Das haben die Freischreiber*innen Lisbeth Schröder, Florian Sturm und Astrid Vicano in aller Öffentlichkeit bei #NR24 gemacht. Ihre Tipps zur Finanzierung: Gute Planung, multimediale Aufbereitung der Recherche und Mehrfachverwertung. Gute Kontakte zu Redaktionen zahlen sich ebenso aus. Dann ist der Auftrag unter Umständen schon verkauft und die Langzeitrecherche finanziert, bevor es überhaupt losgeht. Und so sollte es auch sein, rät Florian.

Wie ihr mit Stipendien eure Arbeit teil-finanziert? Auch dafür gab es Tipps bei #NR24. Wichtige Erkenntnis: Nicht gleich bei der ersten Absage aufgeben. „Etwa die Hälfte der Bewerbungen klappt nicht“, so Lisbeth. Je genauer die Geschichte zur Förderung passt, desto größer sind die Chancen auf das Stipendium.

Aber wo bleibt dabei die journalistische Integrität? Kein Problem, wenn ihr die geförderten Geschichten kennzeichnet. Damit macht ihr zudem klar, dass die Geschichte ohne Stipendium nicht möglich gewesen wäre. Das Stipendium als Anschubfinanzierung oder Puffer zu sehen, hilft, die nötige Unabhängigkeit zu wahren. Zum Schluss der Runde gab`s noch einen „heißen“ Tipp von Annelie: Netzwerk Recherche vergibt Stipendien – ohne Altersgrenze und auch, wenn noch kein Medium eine Abdruckzusage erteilt hat.

Journalismus zwischen Hass und Aufklärungsarbeit

Miese Löhne, Hass und Hetze – die Arbeitsbedingungen für Journalist*innen im Osten von Deutschland verschlechtern sich. Mit Blick auf die Landtagswahlen überlegen insbesondere Freie, die Region zu verlassen. Andere bleiben vor Ort, um Aufklärungsarbeit zu leisten. 

Insa van den Berg ist regelmäßig mit freien Journalist*innen im Gespräch. Sie ist Freischreiberin und neben ihrer Kollegin Carolin Wilms Regio-Leiterin in Leipzig. Dem aggressiven Klima begegnet sie mit ihrem Newsletter newsgierig. Was das bringt? Vorstandsmitglied Elisa Kautzky hat Insa dazu interviewt, den Text findest du hier.

Freischreiberiges

Wer verdient den Himmel- und wer den Hölle-Preis?

Habt ihr schon Favorit*innen für den diesjährigen Himmel-und-Hölle-Preis? Wer hat sich euch gegenüber besonders fair, wer besonders fies verhalten? Schickt eure Vorschläge an die Geschäftsstelle. Die Verleihung plus Barcamp findet am Samstag, 23. November im Space in Hamburg statt. Demnächst startet der Vorverkauf. Wer über die Veranstaltung berichten möchte, kann sich bei der Geschäftsstelle akkreditieren.

Barcamp und Preisverleihung finden in diesem Jahr mit freundlicher Unterstützung von next.mediaHamburg statt. Übertragung der Preisverleihung: TIDE.tv. Sponsoring: Presseversorgungswerk, Hamburg Media School und Institut für Bildungscoaching.

HiHö24: Freischreiber*innen, wir brauchen euren Input!

Plakataktion an Ausbildungsstätten

Bei :Freischreiber sind alle vertreten – vom Anfänger bis zur erfahrenen Journalistin. Das zeigen wir auch auf den neuen Plakaten, die wir Mitte Juli an journalistische Ausbildungsstätten geschickt haben. Katharina Nocun und Pascal Alius stehen stellvertretend für die Vielfalt unseres Verbandes. Ein herzliches Dankeschön, dass sie jetzt in Ausbildungsstätten im ganzen Land rumhängen.

Vermisst du an deiner Ausbildungsstätte ein Plakat? Dann schreib uns.  

Vom Süden in den Norden

Freischreiber Markus Wanzeck unterstützt künftig Anne Klesse bei der Regio-Gruppe Hamburg. Markus ist schon vor einigen Jahren nach Hamburg umgezogen, hat von dort aus aber immer noch regelmäßig Regio-Treffen in seiner alten Heimat Stuttgart organisiert. Wir freuen uns, dass er sich weiter bei :Freischreiber engagiert.

Gratulation zum Stipendium

Im September fliegt Freischreiber Florian Sturm als Stipendiat nach New York. Mit 32 anderen Teilnehmenden wird er zwei Tage lang an der New York University mit Expert*innen über die Zusammenhänge von Klimawandel, Finanzmärkten und der Wirtschaft diskutieren. Herzlichen Glückwunsch!

Mitmachen und gewinnen

Du bist Freischreiber*in und hast gerade ein neues Buch geschrieben? Oder umgekehrt, du würdest gerne mal ein Buch von Freischreiber*innen lesen? Dann mach mit bei unserer neuen Buchverlosungs-Aktion. Ab dem September-Newsletter wollen wir nicht nur Bücher von Freischreiber*innen vorstellen, sondern auch das eine oder andere Werk verlosen. Autor*innen, bitte meldet euch bei der Geschäftsstelle (kontakt@freischreiber.de), wenn ein Buch von euch erscheint, das wir verlosen können.

Tipp des Monats

Jeden Monat geben wir euch an dieser Stelle einen Tipp aus einem unserer zahlreichen Fortbildungsangebote.

Im August geht es um das leidige, aber wichtige Thema „Honorare verhandeln”. Im Crashkurs von Freischreiberin Nora Lessing auf der Jahrestagung von Netzwerk Recherche haben wir einiges gelernt: 

  • Für eine starke Verhandlungsposition müssen wir unseren eigenen Wert genau kennen. Wie viel brauche ich, um gut leben zu können? Kalkulationshilfe gibt euch der :FreischreiberBierdeckel. BILD?
  • Denkt als Verhandlungsmasse neben dem Honorar auch an Zeitaufwand, Umfang, Sachmittel, Folgeaufträge u. Ä.
  • Legt euch einen Plan B für den Fall zurecht , dass ihr euren Wunschpreis nicht bekommt.
  • Und ganz wichtig: Übt euch in Selbstdisziplin. Nicht jeder Auftrag ist es wert. Lehnt Angebote ab, die eure selbst gesteckte Grenze unterschreiten.

Probiert die Tipps aus und teilt eure Erfahrungen im :Freischreiber-Slack.

:Freischreiber-Mitglieder finden noch mehr Tipps rund um Honorarverhandlungen im internen Bereich „Nur für Mitglieder“.

Frei heraus: Drei Antworten von …

Freie Kolleg*innen bekommen zu selten eine Bühne. In dieser Rubrik stellen wir euch deshalb Mitglieder aus unterschiedlichen Themenbereichen vor. Guido Krawinkel schreibt als Musikjournalist über alles, was (im weitesten Sinne …) mit Tönen zu tun hat: Konzert- und Premierenberichte, Rezensionen, Künstlerportraits oder Hintergrundberichte. Darüber hinaus verfasst er Texte für Programmhefte von Sinfonieorchestern und Konzerthäusern und hält Einführungsvorträge.

Wo arbeitest du am liebsten? 

Am großen Tisch im Wohnzimmer, mit Kaffeemaschine und Stereoanlage in Reichweite – und im Konzert.

Welche sind deine wichtigsten Arbeitsutensilien?

Laptop, Stereoanlage und meine Ohren. Manchmal auch ein Fotoapparat.

Was ist das Ärgerlichste, was dir im Job passieren kann?

Wenn Redaktionen ohne Sinn und Verstand kürzen, so dass wesentliche Details auf der Strecke bleiben – obwohl man sich schon kurz fasst.

Hast du Lust, dem „Frei heraus“-Team auch drei Fragen zu beantworten oder bei :Freischreiber mitzuarbeiten? Dann melde dich hier.

Freischreiber-Termine

Austauschen, netzwerken, kennenlernen – das könnt ihr beim 1. Zoom-Verbandstreffen von :Freischreiber am 13. August von 13-14:30 Uhr. Virtuell. Damit ganz viele teilnehmen können, egal wo ihr gerade seid. Schon angemeldet? Nein? Dann gleich jetzt und hier

Den eigenen Schreibstil mit und trotz künstlicher Intelligenz verbessern? Wie das geht, erfahrt ihr von Freischreiber Ariel Hauptmeier im Crashkurs „Besser schreiben, auch mit KI“. Das Webinar findet am 10. September von 9 bis 13 Uhr statt. Freischreiber*innen melden sich hier an. Alle anderen kontaktieren die Geschäftsstelle.

Nach dem großen Erfolg der digitalen Mittagspause zum Thema „Sachbuch schreiben”, gibt es nun den Longseller: Im Webinar „Sachbuch schreiben – einfach mal anfangen“ gibt Heike Faller Tipps, wie ihr eure Form findet, das Projekt auf einen guten Weg bringt und durchhaltet. Start des vierstündigen Webinars ist am 17. September um 16 Uhr. Freischreiber*innen melden sich hier an. Alle anderen bitte über die Geschäftsstelle.

War das schon alles? Schaut auf unsere Website. Vielleicht ist ja gerade eben noch etwas Spannendes dazugekommen …

Dies & Das

Chatkontrolle in der EU – vorerst – gescheitert

Unter der belgischen Ratspräsidentschaft sollte ein Gesetz zur sogenannten Chatkontrolle durchgesetzt werden. Hauptargument war, dass mit der Überwachung privater Nachrichten Kindesmissbrauch aufgedeckt werden könne. Aber: Damit hätte die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in Frage gestanden, die es ermöglicht, vertrauliche Nachrichten über Messenger wie WhatsApp, Signal oder Threema auszutauschen. Die Chatkontrolle sei ein Eingriff in die Grundrechte, betont die Gesellschaft für Freiheitsrechte. Das betrifft auch und gerade Journalist*innen, die ihre Quellen schützen müssen. Das Gesetz ist nun erstmal vom Tisch, auch dank des angekündigten Neins der Bundesregierung, wie der Spiegel berichtet. Doch es bleibt ein Dauerbrenner. So könnte Ungarn, das derzeit die Ratspräsidentschaft in der EU inne hat, das Gesetz noch einmal aus der Versenkung hervorholen.

„Feinde der Demokratie aufhalten“

Was haben Sachsen, Thüringen und Brandenburg gemeinsam? Alle drei Bundesländer flutet Katapult noch vor der Wahl mit einer aufklärerischen Zeitung, um damit Nichtwähler und Unentschlossene zu erreichen. Wie der Deutschlandfunk berichtet, „solle [die Zeitung] aufzeigen, dass die AfD eine populistische und extremistische Partei sei, die die Demokratie abschaffen wolle“. Die spendenfinanzierte Zeitung würde die auflagenstärkste im Osten sein, noch vor der Bild-Zeitung, wie in der Taz zu lesen ist. 

Das gemeinnützige Katapult-Magazin ist bekannt für seine Karten und Grafiken, mit denen das Team Statistiken und sozialwissenschaftliche Studien verständlich und unterhaltsam darstellt. Freiwillige verteilen die Zeitung auf der „Sach-Thür-Brand“-Tournee. Die Tourdaten und Beteiligungsmöglichkeiten findet ihr hier.

Wird aus Springer wieder ein reines Medienunternehmen?

Zumindest steht die Aufteilung in Mediensparte und digitales Kleinanzeigengeschäft im Raum. Darüber hatte die Financial Times berichtet. Demnach verhandelt Mathias Döpfner, Springer-Vorstandsvorsitzender und Großaktionär, mit dem größten Anteilseigner KKR. Die neue Aufteilung könnte das Mediengeschäft stärken. Vor allem aber würden Verlegerwittwe Friede Springer und Döpfner wieder mehr Einfluss auf das Mediengeschäft erhalten. Eine Stellungnahme von Springer dazu gibt es nicht.

Anderen etwas Gutes tun

Die Friedrich-Ebert-Stiftung bittet um Nominierungen für den Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik. Ist euch ein in den letzten zwölf Monaten erschienener Beitrag oder ein Buch zu einem Wirtschaftsthema besonders aufgefallen? Dann reicht euren Vorschlag über dieses Formular ein. Autor*innen können sich nicht selbst bewerben.

Ausstellung in der Freelens-Galerie

„Menschen, die im Krieg leben, sind nicht in der Lage, das Grauen des Geschehens zu begreifen, weil es unmöglich ist, damit zu leben“, so die in Kyjiw lebende Fotografin Lisa Bukreyeva. Die Ausstellung „Scars of a Lost Humanity“ erzählt „eine Geschichte über Zerstörung und nie verheilende Wunden des Krieges”. Zu sehen sind die Fotos noch bis zum 19. September in der Freelens-Galerie in Hamburg.

Fortbildungen

Die aktuellen Weiterbildungen der Berliner Journalistenschule (BJS) findet ihr hier.

Am 13. und 14. September veranstaltet das Reporterforum seinen Reporter-Workshop ‘24 in Hamburg. Auf dem Programm stehen wie immer hochkarätig besetzte Workshops. Beispielsweise erklärt Freischreiberin Carolina Torres gemeinsam mit Esther Göbel, wie wir bessere Honorare verhandeln. Bei Freischreiber Ariel Hauptmeier erfahrt ihr, wie ihr mit KI besser schreibt. Die Liste aller Workshops findet ihr hier. Direkt anmelden könnt ihr euch hier.

Du hast eine dokumentarische oder semidokumentarische Filmidee und weißt noch nicht genau, wie du sie umsetzen kannst? Dann bewirb dich für die Masterclass Non-Fiction der Internationalen Filmschule Köln. Start der berufsbegleitenden Weiterbildung ist im Oktober. Bewerbungen sind bis 15. September möglich. Mehr Informationen gibt es hier

Du möchtest dich intensiver mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzen? Üben und ausprobieren, was geht? Tactile News wiederholt die AI Academy. Der mehrwöchige Kurs mit Präsenz- und Online-Veranstaltungen startet am 20. September. Freischreiber*innen bekommen bei Anmeldung noch im August den reduzierten Early-Bird-Tarif. Nähere Informationen – auch zu Förderungen – direkt bei Tactile News

Das Pressenetzwerk für Jugendreisen (PNJ) lädt zu einer Informationsreise nach Nordmazedonien ein. Ausgangspunkt ist die Konferenz „Europäische Werte für die Zukunft der SOE-Länder“, die vom 26. bis 30. September in Krusevo stattfindet. Eine Gelegenheit, mit Menschen vor Ort zu sprechen und das Land kennenzulernen. Für mehr Informationen hier lang

Um Klimajournalismus in Zeiten multipler Krisen geht es bei einem mehrtägigen Seminar, das die Stiftung Forum für Verantwortung in Kooperation mit der ASKO Europa-Stiftung, dem Forum Europa Luxemburg und der Europäischen Akademie Otzenhausen vom 7. bis 9. November durchführt. Das saarländische Otzenhausen ist der Veranstaltungsort. Das Programm verspricht einen intensiven Austausch mit Expert*innen. Anmeldungen sind bis 4. Oktober über info@forum-fuer-verantwortung.de möglich.

Stipendien und Preise

Links zu Preisen und Stipendien findet ihr hier und natürlich auf unserem :Freischreiber-Slack, beispielsweise unter #stipendien. Haben wir eine Übersichtsseite mit gut honorierten Preisen oder großzügigen Stipendien übersehen? Dann schreibt uns.

Für alle, die von den Sommerlochthemen oder der Suche nach dem Sommer genervt sind: Lenkt euch mit der Steuererklärung für 2023 ab. Das Finanzamt lässt euch – wenn ihr die Steuer selbst macht – ausnahmsweise bis 2. September Zeit. Also ran an die Zahlen!

Kommt gut durch den August

Eure Freischreiber*innen

PS: Ihr kennt jemanden, die oder der diesen Newsletter noch nicht bekommt? Einfach weiterleiten oder hier anmelden

Miese Löhne, Hass und Hetze – die Arbeitsbedingungen für Journalist*innen im Osten von Deutschland verschlechtern sich. Mit Blick auf die Landtagswahlen überlegen insbesondere Freie, die Region zu verlassen. Andere bleiben vor Ort, um Aufklärungsarbeit zu leisten.

Insa van den Berg ist regelmäßig mit freien Journalist*innen im Gespräch. Sie ist Freischreiberin und neben ihrer Kollegin Carolin Wilms Regio-Leiterin in Leipzig. Dem aggressiven Klima begegnet sie mit ihrem Newsletter newsgierig. Was das bringt? Vorstandsmitglied Elisa Kautzky hat Insa dazu interviewt:

Elisa Kautzky: Körperverletzung, Überfälle, Cyberbullying – woher kommt der Hass gegenüber Journalist*innen vor allem im Osten Deutschlands?

Insa van den Berg: Die Situation für Journalist*innen hat sich vor zehn Jahren mit Pegida stark verändert, seitdem werden wir als Feindbild angesehen. Damals bezog sich das in erster Linie auf die von Demos Berichterstattenden. Heute machen Journalist*innen in allen Bereichen schlechte Erfahrungen. Gelegentlich endet das Gespräch bereits, wenn man sich als Journalist*in vorstellt. Wir werden als Bedrohung wahrgenommen, als verlängerter Arm der Regierung.

Du bist im steten Austausch mit freien Journalist*innen. Was wünschen sich die Freien an Unterstützung seitens der Redaktionen?

Zunächst einmal ein Bewusstsein dafür, wie groß der Unterschied ist, fest oder frei zu arbeiten, beispielsweise im Hinblick auf die Sicherheitsbedingungen bei Recherchen. Es geht teilweise ganz schön heiß her im Landtagswahlkampf, sodass Gewalterfahrungen für Kolleg*innen nicht unwahrscheinlich sind. Während Festangestellte ohne größere Diskussionen mit Sicherheitswesten, Helmen oder Personenschutz losgeschickt werden, müssen Freie erst darum bitten oder regelrecht dafür kämpfen. Auch und gerade den Landtagswahlkampf zu beobachten, würde aber ohne Freie nicht funktionieren. Das in den Redaktionen anzuerkennen und pro-aktiv Unterstützung bei Gefährdungslagen anzubieten, wäre wertschätzend.

Was beschäftigt die Kolleg*innen im Osten gerade besonders?

Hier in Sachsen treibt viele Kolleg*innen um, dass Hass mittlerweile zum Alltag gehört. Mal sind es Bedrohungen, mal ganze Hetzkampagnen gegen Einzelne. Das geht von zerstochenen Reifen bis hin zu verbalen Übergriffen oder körperlicher Gewalt. Vor allem auf dem Land ist es für Kolleg*innen manchmal brandgefährlich, weil die Menschen sie kennen und wissen, wo sie wohnen. Gerade im Lokaljournalismus kann das bedeuten, dass Kolleg*innen sich selbst zensieren, weil es zu gefährlich ist, über bestimmte Personen oder Dinge zu berichten. Aber das gilt ja nicht nur für den Osten. Und natürlich gibt es auch noch Journalist*innen, die ihre Arbeit unbesorgt machen können.

Hast du ein konkretes Beispiel für diesen Hass?

Ich denke sofort an Fretterode. Im Frühjahr 2018 haben Rechtsextreme zwei Journalisten bei ihrer Arbeit schwer verletzt. Sie wurden mit dem Auto verfolgt. Das Auto landete im Straßengraben, die Rechtsextremen attackierten sie mit Baseballschläger und Messer und raubten die Kameraausrüstung. 2022 gab es ein Urteil: Für den einen Angreifer eine Jugendstrafe von 200 Sozialstunden, für den anderen ein Jahr und neun Monate Jugendfreiheitsstrafe auf Bewährung. Die Vorsitzende Richterin hat keinen gezielten Angriff auf die freie Presse gesehen.

Der Bundesgerichtshof hat das strittige Urteil im März aufgehoben, der Prozess muss neu aufgerollt werden. Aber was bedeutet das für die Journalisten? Nach einem schweren körperlichen Angriff und jahrelangem Prozess ist das Kapitel noch immer nicht abgeschlossen. Das ist sehr belastend und hat Auswirkungen auf die Lebensqualität und Karriere.

Gibt es viele Freie aus dem Osten, die überlegen, ihren Job aufzugeben?

Hier geht es zu Insas Newsletter „newsgierig“.

Ja, gerade im Zusammenhang mit den Landtagswahlen. Auch wenn viele Journalist*innen idealistisch sind, manche sagen: „Wenn die AfD die stärkste Fraktion wird, sind wir weg“. Andere wiederum meinen: Bei dieser Gewalt und den miesen Honoraren suche ich mir einen anderen Job. Das macht was mit einem, wenn du täglich Hass erfährst oder Anzeige erstatten musst. Wenn du misstrauisch wirst, Leute in deine Wohnung zu lassen. Als Freie*r oder Journalist*in mit Migrationshintergrund ist man besonders gefährdet. Wenn dann noch der Rückhalt aus der Redaktion fehlt, was soll man tun? Manche sagen aber auch, es ist wichtig, jetzt zu bleiben und zu berichten. Denn Gewaltandrohungen gegen Journalist*innen sind eben kein typisch ostdeutsches Phänomen.

Welche Auswirkungen hat die Bedrohungslage für dich persönlich?

Ich habe auch schon unangenehme Erfahrungen gemacht. Gleichzeitig gibt es diesen Gewöhnungseffekt – man gewöhnt sich irgendwann ein bisschen an die Anfeindungen, wenn es nicht total überhandnimmt. Eigentlich ein Unding!
Bei Menschen ohne Medienerfahrung muss ich erstmal Vertrauen aufbauen. Bei einigen ist das schon gar nicht mehr möglich. Und ich merke, wie viel Unwissenheit über unseren Beruf herrscht. Ich verbringe einen großen Teil meiner Arbeit damit, Gesprächspartner*innen zu erklären, wie das abläuft, wenn ich sie interviewe. Oder ich werde von Menschen angerufen, die glauben, wenn sie mit einer freien Journalistin sprechen, landen sie nicht bei den angeblich von der Regierung gesteuerten Medien – sondern bei einer unabhängigen Autorin, die auch offen für Denunziationen sei. Da muss ich dann passen. Auch wenn ich frei statt fest angestellt arbeite, gelten für mich natürlich auch journalistische Standards wie das Überprüfen von Vorwürfen. Es fehlt da also schon an dem Wissen um Arbeitsverhältnisse.

Ist diese Unwissenheit auch ein Grund dafür, dass du deinen Newsletter gestartet hast?

Teilweise ja, bei dem „newsgierig“-Projekt will ich Leuten zeigen, wie wir Journalist*innen arbeiten und was wir den Leuten alles abnehmen mit unserer Arbeit. Mein Einsatz hilft mir aber auch, mich nicht so hilflos zu fühlen. Denn Medienbildung scheint im kleinen Rahmen echt etwas zu bewirken. Ein halbes Dutzend Menschen konnte ich schon zum Umdenken über Journalist*innen bewegen. Das ist nur ein kleiner Tropfen, aber jeder einzelne zählt. Und ich reihe mich ja nur ein in das Engagement von vielen großen Initiativen wie LieDetectors und Reporter4you.

Also gibt es Grund zur Hoffnung?

Ja, es passiert etwas! Viele versuchen, die Situation zu verbessern. Es gibt den Schutzkodex von Reporter ohne Grenzen, dem sich immer mehr Medienhäuser anschließen. Das verbessert auch die Situation für Freie, etwa wenn sie die Zusage für Geleitschutz bekommen oder psychologische und rechtliche Unterstützung seitens der Redaktion erwarten können. Dazu gibt es die Helpline von Netzwerk Recherche, ein niedrigschwelliges, kostenloses und anonymes Angebot für alle, die hin und wieder denken „Ich kann das nicht mehr“.

Und dann gibt es ja noch die Freischreiber-Stammtische

Genau, wir am Standort Leipzig treffen uns alle zwei Monate, je nach Nachfrage vor Ort oder online. Das ist echt hilfreich, wenn man solche Angebote wie die Regio-Gruppen in Anspruch nehmen kann. Sich auszutauschen, das Gefühl zu haben, dass man mit Problemen nicht alleine ist und dass man über Lösungsansätze diskutieren kann. Ich persönlich erfahre viel Unterstützung von freien Kolleg*innen, das ist ein großes Geschenk.

Was kann man sonst als einzelne*r Freie*r tun?

Andere Möglichkeiten der Berichterstattung suchen, die den Fokus vom Problem zu den Lösungen schieben. Bei unserem Juni-Treffen haben wir beispielsweise darüber diskutiert, mehr zu Demokratieprojekten zu machen – als konstruktiven Ansatz. Das kann man natürlich auch im Westen tun.

Du arbeitest als Journalist:in und bist betroffen von mentaler Belastung im Job? Die kostenlose Helpline von Netzwerk Recherche e. V. bietet Hilfe an:

+49 (0) 30 75 43 76 33 oder per Mail 
Montag und Dienstag von 18 bis 20 Uhr
Donnerstag von 16 bis 18 Uhr
Freitag von 8 bis 10 Uhr

Ab heute sind wir aus der Sommerpause zurück – und freuen uns auf die nächsten Termine und Projekte für und mit euch:

Am 13. August etwa laden wir unsere Mitglieder ein zum digitalen Sommerbootcamp. Wie geht es euch in der Freiheit? Welche Sorgen, Wünsche und Fragen habt ihr? Braucht ihr Unterstützung bei einem eurer nächsten Projekte?

Zuvor – HEUTE – eröffnen wir gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung unsere kostenlose Fortbildungsreihe für Freischreiber:innen. Im ersten Teil am geht es ums Redigieren, das Webinar ist ausgebucht.

Plätze gibt es noch im Webinar „Besser schreiben, auch mit KI“ am 10.9. (Ariel Hauptmeier):

  • Lasst uns einen halben Tag lang in kleiner Runde zusammen schreiben, Wortwelten erobern und Absätze meißeln, die auf den Punkt kommen. Und lasst uns schauen, was KIs für uns tun können: Wie lenken wir ihren Fleiß in die richtigen Bahnen?

25.10.: Masterclass Recherchepodcast (Lena von Holt & Pia Stendera)

Barcamp der Freien 2023. Foto: Jörg Modrow

23.11.: Barcamp der Freien

  • Wir laden nicht nur zur Himmel-und-Hölle-Preisverleihung 2024 ein, sondern auch zum zweiten Barcamp der Freien. Es erwartet euch ein Tag voller Inspiration, Wissensaustausch und, natürlich, Teufeln und Engeln.

10.12.: Crashkurs Mehrfachverwertung, (Florian Sturm)

  • In diesem Workshop lernt ihr alles, was ihr zur Mehrfachverwertung wissen müsst: von der Themenentwicklung über die Strukturierung der Recherche und der Textproduktion bis hin zu Kommunikations- und Verhandlungstipps mit Redaktionen. 

Alle Termine auf einen Blick gibt es hier. Wir freuen uns auf euch! Eure Freischreiber:innen

In diesem vierstündigen Seminar

  • lernt ihr, einfach mal anzufangen,
  • erkennt, wie ihr wirklich dranbleibt und Hemmnisse überwindet und
  • erfahrt, wie ihr die richtige Form für eure Idee findet – von Long Form Reportage über Selbstversuch bis zum Report.

Unsere Dozentin Heike Faller gibt Tipps zu Verlagen, Agenturen und Einnahmemöglichkeiten. Sie liest eure Ideen und wir besprechen sie in der Runde. Heike sagt euch auch, was ihr braucht, um aus einer Idee ein Exposee zu machen. Am Ende sprechen wir ca. 30 Minuten mit einer Lektorin oder Agentin über den Markt (inklusive „Ghosten“).

Termin: 

  • Dienstag, 17. September 2024, 16-20 Uhr, Zoom

Teilnahmegebühr: 

Bei der Jahrestagung von Netzwerk Recherche drehen wir noch mal voll auf, dann haben wir frei – die Geschäftsstelle pausiert vom 22. Juli bis zum 5. August. Schickt uns trotzdem gern Mails. Sie werden zwar nicht weitergeleitet, aber nach der Pause nach und nach abgearbeitet.

Habt ihr auch Ferienpläne, legt die Füße hoch? Freisein sollte schließlich nicht überleben heißen, sondern gut leben. Schaut hoch in grüne Baumkronen und tief in grüne Cocktails, werft Smartphone und Laptop in Schubladen, weit weg von See und Hängematte. Wir sehen uns ab August bei einem unserer Treffen wieder, zum Beispiel hier:

Wir freuen uns auf euch! Eure Freischreiber:innen

Wie führe ich ein Interview so, dass ich prägnante Antworten erhalte, das Gegenüber sich öffnet und ich zugleich die kritische Distanz wahre? Das lernen Freischreiber:innen in diesem Webinar. Es ist Teil der Fortbildungsserie von :Freischreiber und Süddeutscher Zeitung. 

Termin: 

Dozentin:

Katharina Riehl, geboren 1983, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Seit Februar 2010 arbeitet sie für die Süddeutsche Zeitung. Von Dezember 2016 bis Januar 2018 leitete sie die Medienseite, bevor sie gemeinsam mit Christian Mayer das Ressort Gesellschaft & Wochenende übernahm. Seit April 2021 leitet sie mit Stefan Kornelius das Politikressort der SZ.

Wie mache ich aus Daten eine Geschichte? Das lernen Freischreiber:innen in diesem Webinar. Es ist Teil der Fortbildungsserie von :Freischreiber und Süddeutscher Zeitung.

Daten beziehen, strukturieren, auswerten und erzählen – wer das beherrscht, schreibt spannende datenjournalistische Beiträge. So wie unsere Dozentin Marie-Louise Timcke, Daten-Chefin bei der SZ. Mit kurzen praktischen Übungen anhand eines realen Beispiels aus ihrem Job bringt sie euch das Thema nahe.

Termin: 

Viele freie Journalist:innen wollen ein Sachbuch schreiben und sehen sich zugleich mit einem Haufen an Fragen konfrontiert. In unserer digitalen Mittagspause am 5. Juli 2024 haben wir sicherlich nicht alle beantwortet, aber einen Anfang gewagt. Vielen Dank an Heike Faller für ihre Zeit und Expertise!

Hier findest du die Mitschrift von Freischreiberin Karen Suender. Danke!

Im Barcamp der Freien bestimmt ihr als Gäste das Programm. Reicht entweder schon jetzt – oder spontan vor Ort – Vorschläge dafür ein. Wir Freischreiber stellen am 23. November Location, Lunch, W-Lan und Zeitplan. Den Rest übernehmt ihr. Das funktioniert so: 

  1. Vorlauf: Wir ermutigen alle Teilnehmenden, Ideen rund um den freien Journalismus mitzubringen. Worüber wolltet ihr euch schon immer mal austauschen? Welche Fragen bewegen euch im Job? Sucht ihr Gleichgesinnte, um ein neues Projekt zu stemmen? 
  2. Pitch: Vor Ort schreibt ihr euer Thema auf eine grüne Karte und stellt es den anderen Gästen vor. Dafür habt ihr eine Minute Zeit. Mittels knackiger Titel und Teaser überzeugt ihr Zuhörer:innen, an eurer Session teilzunehmen. Jeder Gast kann für zwei Ideen stimmen.
  3. Sessions: Die Themen mit den meisten Meldungen bilden die Sessions. Es kann also sein, dass nicht alle Pitches zum Zug kommen. Legt euch ins Zeug, um das Publikum zu begeistern! Wir weisen euch dann einen Platz im Space zu. Es finden vor und nach dem Mittag je drei bis vier Sessions parallel statt. Euch steht dafür je eine Stunde zur Verfügung. Die Form bleibt euch überlassen – gebt ihr einen Input-Vortrag und öffnet dann die Diskussion? Habt ihr einen Mini-Workshop vorbereitet oder eine Projekt-Präsentation? 
  4. Schlussrunde: Alle Gäste kommen nach Session-Runde I und II zusammen zum kurzen Fazit. Diejenigen, die das Thema mitgebracht haben, stellen Ergebnisse, Fragen oder Learnings aus den Gruppen vor. Auch hier geht es knackig zu: Ihr habt jeweils max. drei Minuten Zeit.

Unser Barcamp setzt auf Selbstorganisation und Selbstmoderation. Auch interessierte Externe sind herzlich eingeladen. Neben dem Austausch von Wissen geht es darum, euer Netzwerk zu erweitern.

Regeln des Barcamps

Alle machen mit: Während in klassischen Konferenzen Gäste eher passiv bleiben, fordern wir dazu auf, euch aktiv einzubringen.

Keine feste Tagesordnung: Ihr bestimmt, wohin der Termin führt, sodass sich das Barcamp in ganz verschiedene Richtungen entwickeln kann.

Es gibt keine falschen Ideen: Unser Barcamp bietet einen sicheren Raum für Denkanstöße. Alle Teilnehmenden behandeln einander mit Respekt und sind offen für neue Perspektiven.

Barcamps sind Konferenzen auf Augenhöhe. Wir freuen uns auf euch und eure Ideen!

Bilder aus dem Barcamp der Freien 2023. Fotos: Jörg Modrow

Barcamp und Preisverleihung finden 2024 mit freundlicher Unterstützung von next.mediaHamburg statt. Übertragung der Preisverleihung: TIDE.tv. Sponsoring: Hamburg Media School, Presseversorgungswerk & Institut für Bildungscoaching.

Weitere Informationen gibt es hier.