[Der :Freischreiber-Newsletter]

vom 22.09.2017

Liebe Freischreiberinnen und Freischreiber,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
Sie haben es vielleicht schon gehört: Die altehrwürdige Süddeutsche Zeitung zwingt ihre freien Autorinnen und Autoren, Knebelverträge zu unterschreiben. Darin steht u.a., dass der Verlag sämtliche Texte an den Schweizer Tagesanzeiger weiterverkaufen darf – ohne dass Autoren dafür auch nur einen Cent sehen. Im Frühjahr haben die Freischreiber der Süddeutschen Zeitung deshalb bereits den Höllepreis verliehen.
 
Da die Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung – auch auf wiederholte Anfragen unsererseits – keinen Gesprächsbedarf erkennen konnte und auch zu keinem Gespräch bereit war, trugen wir am 15. September den Höllepreis zu Redaktion der Süddeutschen Zeitung nach München (hier ein paar Impressionen). Zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen von der dju (Verdi) ließen wir außerdem Luftballons in den Himmel steigenals Symbol dafür, dass das Verbreitungssystem der SZ so transparent ist wie eine Ballon- oder Flaschenpost. Die Antwort der Chefredaktion: Schweigen. Unsere Antwort: Wir bleiben dran!
 
Nicht ganz unproblematisch ist auch das Verhältnis zwischen freien Journalisten und dem Verlegerverband BDZV – um es mal diplomatisch auszudrücken. Zuletzt tat sich der BDZV damit hervor, die Gemeinsamen Vergütungsregeln zu kündigen. Zwar hatte Freischreiber diese ohnehin abgelehnt, da wir das vereinbarte Zeilengeld für unterirdisch hielten. Aber immerhin stellten die Vergütungsregeln so etwas wie ein Mindesthonorar für Autoren dar.
 
Über solche Manöver wollten die Verleger bei ihrem jüngsten Kongress freilich nicht so gerne reden. Stattdessen hob BDZV-Präsident Mathias Döpfner den Wert von guter Recherche hervor. Ziemlich zynisch angesichts der Sparkurse, die in vielen Verlagen laufen. Was auf dem Kongress sonst noch alles geschah, berichtet der ehemalige Freischreiber-Vorsitzende Benno Stieber bei Übermedien.
 
Okay, und jetzt mal was Positives.
 
Zumindest etwas positiv. „Ist Journalismus in Deutschland prekär?“, fragt der Soziologie-Student Felix Richter (Uni Jena) in seiner Bachelorarbeit. Richters Fazit: „Abschließend lässt sich sagen, dass es durchaus große Probleme im Journalismus gibt, diese jedoch nicht ganz so gravierend […] sind, dass man den ganzen Berufsstand als prekär charakterisieren könnte.“ Wie gesagt: etwas positiv.
 
 
Freischreiberiges

Weil das Freischreiber-Titelinterview im Medium-Magazin einigen Staub aufgewirbelt hat, gibt es im aktuellen Heft einen Nachklapp zu den Diskussionen, die seither stattgefunden haben. Es geht um den Presseausweis, um harte und weiche Kriterien und außerdem haben sich Freischreiber-Vorsitzende Carola Dorner und der DJV-Vorsitzende Frank Überall getroffen. Mehr dazu im Medium-Magazin ab Seite 30. (Nur zur Erinnerung: Freischreiberinnen und Freischreiber erhalten auf das Abo 25 Prozent Rabatt.)

 
Die Freischreiber-Regionalgruppe Südwest hat sich beim Stammtisch in Karlsruhe mit Tabea Grzeszyk getroffen. Die Gründerin der Vernetzungsplattform Hostwriter erzählte von ihren Erfahrungen im grenzüberschreitenden Journalismus. Auf Hostwriter können sich Journalistinnen und Journalisten in aller Welt kostenlos vernetzen – sei es für gemeinsame Recherchen, für Übersetzungshilfen oder auch nur zum Übernachten, um die Spesen bei Auslandsrecherchen in Grenzen zu halten. Tabeas Tipp: Einfach mal ausprobieren!
 
 
Auszeichnungen
 
Freischreiber Stefan Schomann befasst sich seit fast 20 Jahren mit China. Jetzt wurde er zum Ehrenbürger und Kulturbotschafter des Dorfes Ma Jie ernannt. In dem Dorf kommen jedes Jahr Geschichtenerzähler aus dem ganzen Land zu einem spektakulären (und gigantisch großen) Volkskunstfest zusammen. Schomann hat als erster westlicher Journalist über dieses Festival berichtet. Die Bilder der Feierstunde teilt er auf seiner Homepage.
 
 
Dies und das:
 
Ein Foto ist schnell bei Facebook oder Instagram hochgeladen. Aber was genau dürfen die Plattformen damit eigentlich anstellen? Mit dieser Frage befasst sich Freischreiber-Anwalt Stephan Zimprich (Kanzlei Fieldfisher, Hamburg) in einem Podcast unseres Partnerverbands Freelens. Der 38-minütige Audioclip befasst sich mit Vertragsbedingungen, Verwertungsbefugnissen und Lizenzen. Interessant für alle, die hin und wieder ihre Fotos im Netz hochladen. Also für alle.
 
Apropos Urheber: Wer ab und zu auch für Schweizer Medien schreibt, sollte sich bei der Schweizer Verwertungsgesellschaft ProLitteris registrieren – sozusagen das Pendant zur VG Wort. Beide Verbände kooperieren bei der Ausschüttung. Nur der Aufwand ist bei ProLitteris etwas größer: Dort muss jeder erschienene Artikel (und jedes Foto) einzeln gemeldet werden. Zugegeben, das ist ein bisschen Arbeit. Aber am Ende eben auch ein willkommenes Zubrot.

Noch ein kleiner Blick in die Schweiz: Eva Hirschi geht für die Medienwoche der Frage nach, welche Rolle freie Journalistinnen und Journalisten in den Schweizer Medien spielen. Ihr Ergebnis: Freie sind schlecht bezahlt, aber weiterhin sehr begehrt. Die Langfassung gibt es hier.
 
 
Stipendien zu vergeben!
 
Das Stipendienprogramm „Globale Gesundheit“ des European Journalism Centre (EJC) will innovative Reportagen zum Thema Globale Gesundheit in Entwicklungsländern ermöglichen. Die Stipendien haben einen Wert von je 10.000 Euro (nein, da ist keine Null zu viel). Freie Journalistinnen und Journalisten können sich noch bis zum 27. September bewerben.
 
Die Reporter-Akademie Berlin vergibt gemeinsam mit ihren Partnern acht Stipendien im Wert von rund je 1.000 Euro an Journalistinnen und Journalisten bis zum Alter von 33 Jahren.  Die Stipendien umfassen die Teilnahme an den Intensiv-Workshops „Masterclass Reportage“ und „Gut leben als Freie/r“. Sie werden von der deutschen Reporter-Legende
Michael Obert geleitet. Bewerbungen sind noch bis zum 10. Oktober möglich.
 
Termine:
 
Morgen, am Samstag, 23. September, treffen sich die Freischreiber zur Vorstandssitzung in Frankfurt. Um möglichst vielen Mitgliedern einen Einblick in unsere Arbeit zu geben, werden wir die Sitzung, wie bereits angekündigt, für interessierte Mitglieder am Nachmittag öffnen. Anmeldung und Infos unter kontakt [at] freischreiber.de
 
Der erste Hamburger Stammtisch nach der Sommerpause widmet sich ganz unserem Kernthema: dem freien Journalismus. Dazu wollen wir gerne die Riffreporter vorstellen. Die Riffreporter sind ein Zusammenschluss freier Journalistinnen und Journalisten, sie bieten eine Multimedia-Plattform für Qualitätsjournalismus jenseits etablierter Verlage. Wie genau das funktioniert, erfahren Freischreiber beim Stammtisch am 25. September von Tanja Krämer, Freischreiberin und Riffreporterin aus Bremen. 
 
Am Samstag, 7. Oktober, startet der Freischreiber-Südwest-Tag. Dabei laden die Regionalgruppen Rhein-Neckar, Südwest und Rhein-Main/Frankfurt zum gemeinsamen Stammtisch nach Karlsruhe ein. Bei guten Gesprächen und guter Laune soll es nicht bleiben. Die Steuerjournalistin, Autorin und Moderatorin Constanze Elter gibt einen Workshop rund ums Thema „Verhandlung und Akquise“. Los geht es ab 11 Uhr an der Hochschule für Gestaltung. Und das Beste: Die Veranstaltung steht auch (Noch-)Nicht-Freischreibern kostenlos offen. Anmeldung bis 1. Oktober unter orag-rhein-neckar [ät] freischreiber.de
 
Journalisten als Marke
: Die Berliner Freischreiber treffen sich am Montag, 9. Oktober, um 19:30 Uhr im Wirtshaus Hasenheide (Hasenheide 18) und gehen der Frage nach, was das überhaupt ist, eine Marke? Und ob man als freie Journalistin oder als freier Journalist zu einer werden muss, um am Markt zu bestehen. Als Gäste sind dabei: die Agentur FLMH, die sich auf politische und gesellschaftliche Kommunikation spezialisiert hat. Und Daniel Bouhs, freier Journalist, mit einem Schwerpunkt auf die Themen Medien, Digitales und Netz.

 
In diesem Sinne: Frohes Schaffen und eine gute Zeit!

Ihre
:Freischreiberinnen und :Freischreiber!
 

[Der :Freischreiber-Newsletter]

vom 08.09.2017

Liebe Freischreiberinnen und Freischreiber, liebe Kolleginnen und Kollegen,

haben Sie schon mal überlegt diesen Newsletter wieder abzubestellen? Weil Sie doch nicht zum Lesen kommen? Weil Sie erst vorhin einen Newsletter von irgend jemandem angelesen haben und weil nachher noch wieder einer von jemand anderem eintrudeln wird?

Aber dieser Newsletter hier ist anders, ganz anders. Er enthält wichtige Informationen und Anregungen und Tipps und Hinweise, die Sie sonst nirgendwo finden (also kaum). Und die zu kennen, lohnt sich. Das hat gerade Freischreiber Karl Grünberg erfahren. Er las im letzten Newsletter von der Ausschreibung für den Zertifikatskurs Digitaljournalismus plus Stipendium vom forum journalismus und medien in Wien, bewarb sich und hat nun genau dieses Stipendium nebst Kurs in der Tasche. Tja, so geht das.

Einmal ein Stipendium erhalten (oder zwei), davon träumen viele. Auch-mal-so-ein-Buch-schreiben ist noch so ein Traum. Da hätten wir schon wieder einen Tipp, nämlich das frische Buch „Über das Verlegen“ von Alexandra Rotter (Freischreiberin in Österreich und in Deutschland, das nur am Rande). Es erzählt, wie man ein Buch verlegt und was man vorher dazu überlegen und was man bedenken sollte. Und was einen vielleicht auf neue Ideen und überhaupt Schwung in die Sache bringt. Dazu gibt es ein Interview und eine Buchpräsentation mit Podiumsdiskussion. Und da hier viele rezensierende Kolleginnen und Kollegen mitlesen: Rezensionsexemplare mögen unter info@edition-gruenanger.com geordert werden.

Superkühe – und welche Milch trinkst du?

Ihren Traum vom Sensorjournalismus machen gerade die Freischreiber Jakob Vicari und Björn Erichsen samt Team mit dem Projekt „Superkühe“ wahr – eine tierische große Nummer! „In jeder Packung Milch steckt der Grundkonflikt der modernen Landwirtschaft: das Wohl der Tiere gegen die Kosten der Produktion. Die Diskussion über die richtige Milchwirtschaft – bio versus konventionell, Familienbetrieb versus Großhof – wird so kontrovers wie emotional geführt. Dabei weiß kaum ein Verbraucher, wie seine Milch heute tatsächlich produziert wird. „Ist meine Milch ok?“ fragen sich viele. Unsere Antwort: „Frag doch mal die Kuh!“ Denn im Projekt SUPERKÜHE verleiht die neue Sensorstory-Live-Technologie drei Kühen eine Stimme.“ Wie das genau funktioniert, erzählt Björn Erichsen auf dem Sofa des Morgenmagazins.

Vom Kuhstall geht es bei uns direkt weiter ins Theater zu einem anderen spannenden Projekt: vollehalle – Entertainment für eine andere Welt von Freischreiber Kai Schächtele und Martin Oetting samt Team. Worum es geht? Um Journalismus auf der Bühne: „Es heißt ja immer: Uns geht’s blendend in Deutschland. Aber: Das Klima kippt, der globale Finanzsektor taumelt, die Schere zwischen Arm und Reich weitet sich, die Rechten sind auf dem Vormarsch – und das ewige Wirtschaftswachstum? Wie soll das auf Dauer gut gehen?

In einer 90-minütigen Show holen Martin Oetting und Kai Schächtele Antworten auf die Bühne, zu den Tophits der 90er, 2000er und 2010er: Klimawandel, Flüchtlingsströme, industrieller Wandel, Macht der Lobbyisten. Das Publikum: Menschen, die ein Unbehagen spüren, aber nicht wissen wohin damit. Nach der Show haben sie neue Vorstellungen in Kopf und Herz, was zu tun ist. Und wissen, dass das glücklich machen kann. Eine derartige Show zu politischen Themen hat es so noch nicht gegeben. Es ist eine Mischung aus Multimedia-Show, TED-Talk und „Die Anstalt“ vom ZDF. Zwei Menschen auf der Bühne und auf der Leinwand inspirierende Menschen mit neuen Antworten. Premiere am 22. September in Berlin, Tickets gibt es hier.

Freischreiber Frank Keil dagegen steht mit seiner Plattform www.maennerwege.de auf der Longlist für den Buchblog Award und bittet um entsprechende Stimmen. Er stellt wöchentlich das Männerbuch der Woche vor. Männer lesen nicht? Stimmt nicht. Und wenn doch, dann gibt es viele Gründe, das zu ändern. Sagt er.

Noch so ein Erfolg: Freischreiberin Sylvia Meise ist als Fotografin auf die Wiesbadener Fototage eingeladen. Und zwar mit ihrem Projekt „Dementia“. Die Fototage enden am 10. September. Weitere Bilder gibt es hier

Kurzer Blick zurück & nach vorn
 
Das Interview mit unserer Vorsitzenden Carola Dorner mit dem „Mediummagazin“ zur nicht immer rosigen Lage der Freien, auf das wir neulich schon hingewiesen haben, hat einigen Wirbel ausgelöst, und so gibt es einen Nachschlag oder Nachtisch. Im kommenden Mediummagazin wird es noch einmal um die Situation der Freien gehen – im Guten wie im Nicht-so-Guten.

Ah – Sie wollten das Mediummagazin schon immer mal abonnieren? Nun – Freischreiber und Freischreiberinnen bekommen 25 Prozent Rabatt (das nur nebenbei).
 
Dies & Das

Werden wir prosaisch … Und stellen wir die Frage: Wie sieht die Zukunft des Journalismus aus? Große, sehr große Frage. Deswegen ist auch die Musik sehr kraftvoll und – ja – fett, wenn man sich in den Podcast von PIQD zu genau diesem Thema einklinkt. Eine Antwort schon mal: „Der beste Journalismus ist der Journalismus, der Zeit hat.“
 
Und wer gerade die Kopfhörer aufgesetzt hat, der möge doch gleich weiter vorbeihören bei der Edition F. Für diese präsentiert Katharina Alexander die besten Podcasts: von „Der Lila Podcast“ über „Herrengedeck“ und „Banging Book Club“. Auch dabei der Podcast „Talk ohne Gast“: „Till Reiners und Moritz Neumeier verbindet eine lange Hassliebe, die sie inzwischen auch in ihrem Podcast „Talk ohne Gast“ ausleben. Das Gespräch plätschert angenehm dahin und neben Moritz‘ Kindern und Klickmillionen geht es manchmal auch um Politik. Hier schnacken zwei Freunde über dies und das und nicht selten muss man dabei auch in der vollen Bahn laut auflachen.“ Und das ist noch nicht alles – insgesamt eine imposante Mischung.

„Neu gegründete Medienunternehmen gelten als Hoffnungsträger und Impulsgeber im Journalismus. Doch warum werden sie diesen Erwartungen häufig nicht gerecht?“, fragt der Medienwissenschaftler Christopher Buschow in der taz und hat verschiedene Studien zum Dasein der vielgelobten journalistischen Start-Ups ausgewertet. Unter anderem stellt er fest: „Ein Unternehmen im Journalismus zu gründen, bedeutet weitaus mehr und vielseitigere Arbeit als eine Tätigkeit als Freiberufler. Wer glaubt, eine Gründung eröffne neue Freiräume für das journalistische Arbeiten, verkennt deutlich den mit ihr verbundenen Aufwand. Verwaltung, Marketing, Vertrieb und Erlösmodellentwicklung – Aufgaben, die vormals der Verlag übernahm, fallen nun den Gründern zu. „Wenn man wüsste, wie viel Arbeit das ist und wie viel Auf und Ab das gibt, würde man sich nicht auf den Weg machen“, resümiert ein in der Studie befragter Gründer.“ Und stellt später fest: Journalistische Neugründungen seien hierzulande vor allem eines: unterfinanziert.
 
„Scheitern? Ist doch ganz normal“, heißt es einleitend zu einem wirklich lesenswerten Dossier über das – Scheitern: „Jeder hat sich schon einmal an irgendwas die Zähne ausgebissen. Trotzdem: Darüber reden wollen wenige. In diesem Dossier der katholischen Journalistenschule ifp suchen wir Geschichten über Menschen, die es nicht geschafft haben. Die abgewiesen oder enttäuscht wurden, die nicht so funktionierten, wie sie selbst oder die Gesellschaft sich das vorgestellt haben. Und kamen zu der Erkenntnis: Scheitern muss nicht schlecht sein, im Gegenteil: Man lernt dazu, Neues entsteht. Und wer scheitert, ist nicht automatisch ein Versager.“
 
Und nochmal kurz – die VG Wort

Mit der Sonderausschüttung ist also wie geplant Ende des Jahres zu rechnen. Und weil wir es uns auch jetzt nicht verkneifen können, auf die Rolle von Martin Vogel hinzuweisen, der Hinweis auf ein langes Interview, das Vogel dem Magazin „Autorenwelt“ von Sandra Uschtrin gegeben hat, die ihrerseits übrigens für den letzten Himmel-Preis nominiert war. In diesem Interview erzählt er nochmal die Geschichte und wagt auch einen Ausblick in die Zukunft.

Diesen Konflikt „strukturiert und einigermaßen verständlich zusammenzufassen und den gegenwärtigen Stand zu beschreiben, ist – de lege lata oder de lege ferenda – fast unmöglich“, schreibt dazu der Kollege Albrecht Götz von Olenhusen. Und holt sehr tief Luft und erzählt noch einmal, getragen von großem Wissen, die Geschichte des jüngsten VG Wort-Konfliktes. Ein Text für eine ruhige Stunde, die man sich zuweilen ja auch mal gönnen sollte.
 
Kleines Detail am Wegesrand: Rund 26.000 Autoren haben auf den ihnen bisher zustehennden Verleger-Anteil der VG-Wort-Zahlungen aus den Jahren 2012 bis 2015 verzichtet – dabei scheinen kleinere Verlage besser wegzukommen als die große Häuser. Was diese vielleicht mal zum Nachdenken verführen sollte, warum ihre Autoren ihnen gegenüber nicht so großherzig sind.
 
Aber – die VG Wort ist nicht nur böse. Es gibt auch eine interessante Hilfestellung: Denn hinzuweisen ist auf das Angebot der VG Wort, einen Zuschuss zur Alterssicherung (AVW II) von bis zu 7.500 Euro zu gewähren, wenn man zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr eine vermögenswirksame Maßnahme in Höhe von 15.000 Euro abschließt (Sparvertrag, Kapital-Lebensversicherung, private Rentenversicherung). Was man braucht, ist eine laufende vermögenswirksame Maßnahme oder man schließt eine neue ab. Informationen gibt es dazu hier und bei der VG Wort selbst. Bedingung: Man muss in der KSK sein und wahrnehmungsberechtigt bei der VG-Wort. Mitglied der VG Wort muss man nicht sein. Ansprechpartnerin beim zuständigen Autorenversorgungswerk ist Karin Leidenberger und man soll sich wirklich nicht scheuen, sie zu kontaktieren, ruhig per Telefon: 089/51412-42. Oder per Email: karin.leidenberger-at-vgwort.de.

Um Geld geht es auch bei dieser Petition, die der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD) e.V. initiert hat. Die Forderung: einkommensabhängige Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung. Der Hintergrund: Gesetzlich versicherte Selbstständige müssen hohe Mindestbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen. Diese machen teilweise mehr als 40 Prozent ihres Einkommens aus. Viele der Betroffenen sind Frauen und Teilzeit-Selbstständige. Die meisten freien Journalistinnen und Journalisten sind durch die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse davon nicht betroffen, aber nicht alle Freien sind in der KSK. Also: Schaut doch mal hier vorbei.

Preise & Ausschreibungen
 
Gestartet ist wieder das Rennen um den deutschen Reporterpreis. Vergeben wird er in zwölf Kategorien, eingereicht werden können alle deutschsprachigen Texte, Multimedia-Beiträge und Projekte, die zwischen dem 1. Oktober 2016 und dem 30. September 2017 veröffentlicht wurden. 90 Vorjuroren aus mehr als 30 verschiedenen Redaktionen sichten die Einreichungen und nominieren in jeder Kategorie die besten Arbeiten. Texte aus der eigenen Redaktion liegen einem Vorjuror nicht vor. Die nominierten Arbeiten werden auf der Website des Reporter-Forums vorgestellt. Eingereicht werden müssen die Arbeiten bis zum 2. Oktober.
 
Ein weiterer Preis, für den Ihr Euch bewerben könnt, ist der Medienpreis Politik. Dazu schreibt der Ausrichter: „Dieser würdigt hervorragende publizistische Arbeiten – sei es in Tages- oder Wochenzeitungen, in regionalen oder überregionalen Medien, in Printmedien, Online-Medien oder in Rundfunk und Fernsehen –, die zu einem vertieften Verständnis parlamentarischer Praxis beitragen und zur Beschäftigung mit den Fragen des Parlamentarismus anregen.“ Und weiter: „Der eingereichte Beitrag muss zwischen dem 1. Oktober 2016 und dem 30. September 2017erschienen sein. Einsendeschluss ist der 6. Oktober 2017.“ Es gibt im Fall des Falles 5.000 Euro, die dann die neue Präsidentin oder der neue Präsident des bis dahin neu konstituierten Bundestages überreicht.

Und noch aus einem Brief wollen wir zitieren, der uns erreicht hat: „Liebe Freischreiber-Redaktion, im Oktober 2017 beginnt mit VR Future Storytelling im Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ) in Potsdam das erste modulare Bildungsprogramm für Storytelling mit Virtual Reality & Co.“ Ein Angebot, das sich insbesondere an Journalisten, Studierende, Online‐Entwickler, Producer und weitere Kreative aus den Bereichen Rundfunk, Kommunikation und Bildung richtet: „Es umfasst zehn Basis‐ und Intermediate‐Workshops sowie einen mehrteiligen Praxisblock. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren unter anderem, wie sie Virtual Reality, Augmented Reality, 360°‐Video und Co. effektiv für die Vermittlung von Inhalten einsetzen können. Interessierte können sich ab sofort für das Programm bewerben. Die Workshops können einzeln, im Teilmodul oder als Gesamtprogramm belegt werden. Wäre diese Ausschreibung vielleicht für die Leser Ihres Newsletters interessant?“ Aber klar doch! Und hier geht es nun lang!
 
Nicht unspannend ist auch ein Stipendium für lösungsorientieren Journalismus: „In Kooperation mit der Schöpflin-Stiftung haben wir ein neues Stipendienprogramm ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, lösungsorientierten Journalismus zu fördern“ (Ausschreibung). Zwei Themen stehen auf der Agenda: „Familie 2020“ und „Einsamkeit“ und man könnte jetzt keck fragen, wie diese beiden Themenfelder vielleicht-vielleicht zusammenhängen… Aber das wollen wir jetzt nicht tun, sondern zitieren weiter: „Die Ergebnisse der Schöpflin-Stipendien sollen stets in Partner-Medien veröffentlicht werden. Partner für die ersten beiden Stipendien ist das enorm Magazin. Daneben sind auch Veröffentlichungen in anderen Medien möglich.“ Bewerben können sich hauptberufliche Journalisten und Journalistinnen, mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung; auch Teams mögen sich bewerben. Das Stipendium ist mit 2.000 Euro dotiert. Bewerbungschluss ist der 10. September,  Ansprechpartner Jonathan Widder unter jonathan.widder-at-noahsfund.org. Was heißt: ranhalten!

So. Das war’s schon wieder. Wir sparen uns diesmal einen inhaltlichen Rausschmeißer wie sonst und bekennen nur: Auch dieser Newsletter wurde wieder mit viel Liebe geschrieben.
 
In diesem Sinne bleiben Sie dabei und uns gewogen

Ihre
Freischreiber
 

 

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Verhandlung und Akquise: Vortrag und Freischreiber-Treffen am 7.10. ab 11 Uhr in Karlsruhe. Gast: Constanze Elter. Weitere Infos hier.

Service für Mitglieder: Checkliste für Verträge mit Tipps vom Freischreiber-Anwalt. (Login)

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