Von Erfolgen, Urheberrecht und anderen Absonderlichkeiten
Liebe Leserin, lieber Leser,
passend zur EM-Lage fangen wir doch mal wieder mit den positiven Dingen an. Bei Spiegel Online gibt es ja jetzt, auch durch Einwirkung von Freischreibern, neue, autorenfreundliche AGB. Zu denen hat der Freischreiber-Vorsitzende Benno Stieber im aktuellen Medium Magazin Stellung genommen. Das Heft liegt druckfrisch an gut sortierten Kiosken, Freischreiber-Mitglieder können es zum Spezialpreis abonnieren, Infos hier.
Ob sich mit Spiegel Online eine Redaktion für den Himmel-Preis in Stellung bringt? Falls Sie der Meinung sind, die Spons hätten für die neue Freienfreundlichkeit nach der letztjährigen Hölle-Nominierung durchaus eine Belohnung verdient, dann nominieren Sie die Redaktion doch für den diesjährigen Freischreiber-Preis. Natürlich sind auch Vorschläge für andere nette Redaktionen willkommen. Und auch auf Kandidaten für eine Verschickung in die Hölle ist die Vorjury sehr gespannt.
Denn, TATATATA!!!!, der Himmel- und Höllepreis geht in eine zweite Runde. Wir haben uns die Kritik des vergangenen Jahres zu Herzen genommen und ein neues und transparentes Verfahren zur Auszeichnung von besonders unfairen Redaktions- oder Verlagspraktiken gegenüber Freien entwickelt. Jetzt sind Sie dran: schicken Sie uns Ihre Vorschläge für die fairste und die fieseste Redaktion an nominierung -ät- freischreiber.de. Die Statuten finden Sie hier.
Ebenfalls super: Wir gratulieren den Kollegen von Freelens zur neuen Stiftung. Mit der Freelens Foundation will der Verein freier Fotojournalisten künftig Kollegen in Entwicklungsländern dabei helfen, eine Existenz aufzubauen. Das Prinzip: eine Art Patenschaftsmodell. Paten, meist selbst Fotografen, übernehmen Verantwortung für die Realisierung eines Projekts, überbringen Geld- sowie Sachmittel und dokumentieren die Hilfe vor Ort fotografisch. So gibt es nicht nur eine finanzielle Förderung, sondern es entsteht auch gleich ein Netzwerke. Mehr dazu hier.
Das war's aber leider auch schon mit Positivem. Wobei: zitiert werden ist ja irgendwie auch gut. Und das wird Freischreiber-Chef Benno Stieber noch an einer anderen Stelle im Medium Magazin, groß auf Seite sechs. Wozu? Natürlich zur leidlichen Urheberrechtsdebatte: "Freie Autoren haben gerade ziemlich selten das Problem, von gierigen Nutzern 'entrechtet' zu werde. Für ihre wiederholte 'Entrechtung' dagegen sorgen die Verlage".
Die Linken-Politikerin Petra Sitte fordert deshalb auf carta.info: "Die Urheber brauchen ein besseres Urhebervertragsrecht". In ihrem Beitrag erwähnt sie uns als einzigen Verband: "Der unabhängige Berufsverband Freischreiber und zahlreiche Betroffene protestierten lautstark, ohne freilich absehen zu können, dass die meisten Verlage selbst die niedrigen, ausdrücklich vereinbarten Sätze nicht zahlen würden. Nur die wenigsten halten sich auch an die Vergütungsregel, die sie unterschrieben haben."
Das Abmahnwesen treibt derweil sonderbare Blüten: Nun hat es den Filmemacher Rudolf Thome getroffen, der auf seiner Website zwei Kritiken aus dem Tagesspiegel zu seinen Filmen dokumentiert hatte und deshalb von einer Hamburger Kanzlei aufgefordert wird, knapp 950 Euro zu zahlen: "Wie kann dem Tagesspiegel ein Schaden durch die Wiedergabe zweier uralter Kritiken entstanden sein, frage ich mich. Und dann kriege ich so was ausgerechnet vom Tagesspiegel, für den ich selbst 15 Jahre lang Filmkritiken geschrieben habe." Im Tagesspiegel selbst fand man im März 2012 im übrigen noch recht deutliche Worte über die Abmahnindustrie: "Wenn das aktuelle Abmahnwesen in Deutschland eine Farbe hätte, wäre es schmutzig-grau. Mit allerlei Tricks versuchen Geschäftemacher, über Abmahnungen Geld zu verdienen. Privatleute, die sich als Anwälte ausgeben und betrügerische Massenabmahnungen per E-Mail verschicken, Anwälte, die das Internet nach Verstößen durchforsten und bei einem Fund die Rechteinhaber fragen, ob die Kanzlei ihre verletzten Rechte vertreten soll - das Geld könne man sich teilen." Wir sind ja durchaus für einen Schutz von Urhebern, aber diese kommerzielle Abmahngeschichte finden wir schon fragwürdig. Der Artikel dazu im Perlentaucher.
Auf eine interessante Diskrepanz machte jüngst eine Studie der Bundeszentrale für politische Bildung aufmerksam: Der Studie zufolge sind Deutschlands Zeitungsredaktionen massiv bei Facebook und bei Twitter vertreten. Erstaunlich allerdings: Der prozentuale Anteil, den die neuen Medien an der täglichen Arbeitszeit von Journalisten haben, ist immer noch sehr gering. Diese und ein paar sonderliche Ergebnisse mehr sind hier nachzulesen.
Ans Herz legen wollen wir Ihnen ein neues Buch aus Freischreiber-Hand. Kai Schächtele, bis Anfang des Jahres Vorsitzender unseres kleinen Vereins und immer noch im Vorstand aktiv, hat mit "Ich lenke also bin ich. Beienntnisse eines überzeugten Radfahrers" (erschienen im Heyne-Verlag) sogar nicht nur ein Buch veröffentlicht, sondern auch einen Blog ins Leben gerufen und lädt uns alle herzlich dazu ein, die dunklen Seiten des Freien-Lebens zu vergessen, und unter radfahren-macht-gluecklich.de eine Geschichte von glücklichen Menschen auf Rädern zu posten.
SEMINARE
Mit „Hilfe, wir wissen zu viel!? Vom Lebensgefühl junger Medienmacher/innen" lädt die Bundeszentrale für politische Bildung in der Berliner Reihe zum Medienseminar am 21. und 22. Juni in Berlin. Die Anmeldung läuft noch bis 18. Juni. Mehr dazu hier.
JOBS
Die Amadeu Antonio Stiftung sucht zum 1. September 2012 eine/n Online-Journalist/in und Öffentlichkeitsarbeiter/in für die redaktionelle Betreuung der Website www.netz-gegen-nazis.de und als Projektreferent/in und Öffentlichkeitsarbeiter/in im Projekt no-nazi.net – Für soziale Netzwerke ohne Rechtsextremismus. Mehr dazu hier.
TERMINE:
Die Freifunker haben einen eigenen Berlin-Stammtisch ins Leben gerufen, er trifft sich an jedem ersten Dienstag im Monat. Das erste Treffen ist am 3. Juli im Biergarten „Schleusenkrug“ (ca. 300 Meter vom Bahnhof Zoo im Tiergarten/bei schlechtem Wetter im Lokal). Nicht-Mitglieder sind selbstredend willkommen.
Ganz viele Himmel- und Hölle-Preis-Einsendungen wünschen sich die Freischreiber
