Freischreiber im Januar 2010: der Monatsbericht

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Was zum Ende des Jahres 2009 begann, hat uns auch den ganzen Januar hindurch begleitet: die Kampagne „Ohne Freie fehlt was“. Am Beispiel der Stuttgarter Zeitung, von PM, brand eins und dem Feinschmecker haben wir gezeigt, was von der Vielfalt in der deutschen Presse übrig bliebe, wenn die Freien nicht ihren Anteil dazu beitrügen. Wer sich die einzelnen Ausgaben der Kampagne nochmal anschauen möchte bzw. jeweils genau wissen möchte, wie hoch der Anteil der Freien an den jeweiligen Blättern ist, kann dies hier tun. Gabriele Fischer, Chefredakteurin von brand eins, sagte bei uns im Interview übrigens: „Viele Freie sind genau die, die es geschafft haben – nämlich wirklich unternehmerisch zu arbeiten.“ Das Interview wurde in mehreren Branchendiensten verlinkt und über Twitter verbreitet. „Endlich mal nette Worte über die Freien“, schrieb jemand in den Kommentaren. Es sei an dieser Stelle aber auch nicht verschwiegen, dass in den Kommentaren Kritik auch an brand eins laut wurde, etwa an der Politik, nur den gedruckten Umfang zu bezahlen.

Am 6. Januar haben wir auf unserer Seite eine Stellungnahme veröffentlicht mit unserer Kritik an den Ergebnissen der Verhandlungen um die Vergütungsregeln für Tageszeitungs-Freie. Wir haben darin Forderungen formuliert, die nach unserer Überzeugung erfüllt sein müssen, wenn die Vergütungsregeln tatsächlich als das gelten wollen, was sie laut Gesetzgeber sein sollen, nämlich angemessen. Sie lauten:

1. Freie Journalisten brauchen höhere Honorare als arbeitnehmerähnliche Freie.

2. Was bestellt wird, muss bezahlt werden.

3. Honoriert werden muss nach Arbeitsaufwand, nicht nach Darstellungsform.

4. Jede Nutzung eines Textes muss honoriert werden.   

In den folgenden Tagen entwickelte sich eine zum Teil hitzige Debatte in den Kommentaren, in deren Verlauf Vertreter des DJV uns vorhielten, naiv und realitätsfern zu argumentieren, und wir wiederholt darauf hinwiesen, dass auch von den nun vorgelegten Honorarsätzen niemand wird leben können. Eine Einschätzung, die im Freien-Blog inzwischen offensichtlich geteilt wird (siehe hier, achter Absatz).

Diese Debatte nahm der Journalist René Martens zum Anlass, sich in der sonntaz auf einer ganzen Seite der Frage zu widmen, was Freischreiber von den etablierten Gewerkschaften unterscheidet. Im Vorspann des Artikels über „Die nächste Generation“ heißt es: "Der Verein für freie Journalisten "Freischreiber" setzt sich klar von den großen Gewerkschaften ab - und lässt die Etablierten mitunter alt aussehen."

Das Stück beginnt mit dem Auftritt der Freischreiber im Hamburger Club Uebel & Gefährlich im vergangenen November, es war der Abschluss unserer Lesetour. Inzwischen steht von jedem der vier Abende eine Audio-Slideshow im Netz: von Berlin, von München, von Köln und Hamburg.

Auch in diesem Jahr wird Freischreiber mit einigen Großaktionen auf sich und die Interessen der freien Journalisten aufmerksam machen. Im Herbst beispielsweise wird ein Zukunftskongress stattfinden, bei dem wir uns nicht nur ansehen werden, welche freie Journalisten mit welchen neuen Ideen welchen geschäftlichen Erfolg erzielt haben. Wir wollen auch darüber diskutieren, inwieweit der Journalismus seiner Aufgabe als demokratiestabilisierendes System in einer sich radikal wandelnden Branche noch gerecht wird, welche Aufgabe dabei den freien Journalisten zukommt – und wie wir gerade jetzt mit gutem Beispiel voranschreiten können.