Freischreiber im Frühjahr 2010

Mitunter macht ein solcher Verband ja ordentlich Arbeit. Die unzählige Emails, die jeden Tag eintrudeln, wollen verarbeitet, Aktionen koordiniert und Ideen weitergesponnen werden. Und nebenbei hat jeder einzelne derer, die die Geschicke von Freischreiber verantworten, ja noch einen Job: Gerade weil wir allesamt freie Journalisten sind und diesen Beruf so gerne ausüben, haben wir Freischreiber ja einst gegründet. Da freut man sich umso mehr, wenn eine der unzähligen Emails folgenden Inhalt hat:
 

„Ein fettes Lob und Dankeschön an die engagierten Freischreiber! Hab mich gerade erinnert, wie das ohne euch war - ohne Lobby, ohne Netzwerk, ohne Solidarität. Schon spitze so.“
 

Das schreibt eine Kollegin Ende April, bezugnehmend auf eine Aktion, die Mitte April startete: Wir haben den Vertrag veröffentlicht, den die ZEIT seit einigen Wochen an ihre Autoren verschickt, weil wir finden: Eine Zeitung, die sich ihrer Qualität rühmt und ihrer stetig steigenden Auflage

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                                                                                   Quelle: turi2 am 27. April

sollte auch mit ihren Autoren ein Geschäftsverhältnis pflegen, das diesen Ansprüchen genügt. Auf einer parallel eingerichteten Mailingliste haben sich über 50 Kollegen eingetragen (Stand: 28. April), die sich darüber austauschen, wie die Autoren selbst auf diesen Vertrag reagieren sollten. Und DJV und dju haben eine einstweilige Verfügung beantragt. Der ZEIT-Verlag selbst hat sich zu dem Protest gegen den Vertrag noch nicht geäußert. Aber wie man hört, sind die Redaktionen der ZEIT und ihrer Magazine sehr unglücklich mit diesem Vertrag. Der erste Schritt in dieser Sache ist nun getan, und wir sind sicher: Es werden noch viele folgen.

Anfang April haben wir ein neues Angebot gestartet, das unserer Philosophie folgt, jedem einzelnen ein Instrumentarium an die Hand zu geben, mit dem er seinen Job vernünftig ausüben kann, allen Widrigkeiten zum Trotz. Es gibt nun parallel zu unserer Rechtsberatung eine Steuer- und KSK-Hotline. Betrieben wird sie vom Steuerberater Rüdiger Schaar, Mitgründer der Steuerkanzlei in stereo und Betreiber der Seite medienvorsorge.de. Die Kontaktdaten finden die Freischreiber-Mitglieder im internen Bereich. Das Angebot ist zunächst bis Ende Juni befristet, dann werden wir auswerten, wie es angenommen wurde.

Die weiteren Aktivitäten in Schlagzeilen:

+ Im März trafen sich über zwanzig Freischreiber-Mitglieder aus ganz Deutschland in Frankfurt, um den Zukunftskongress vorzubereiten, den wir im September veranstalten werden. Es war ein hochproduktives Wochenende, seitdem arbeiten wir daran, dass auch der Zukunftskongress hochproduktiv werden wird.

+ Im März haben wir eine Stellungnahme zum Leistungsschutzrecht veröffentlicht, das die Verlage seit Monaten fordern, ohne konkretisieren zu wollen, wie es genau aussehen soll. Wir finden: Eine solche Zwangsabgabe ist keine Antwort auf die Frage, wie Qualitätsjournalismus finanziert werden kann. Auch auf der Blogger-Konferenz re:publica haben wir die Freischreiber-Sicht zu diesem Thema vertreten.

+ Und ebenfalls im März haben wir illustriert, was passiert, wenn freie Journalisten in ihren Verlagen auf die Einhaltung der im Januar beschlossenen Vergütungsregeln einfordern. Der Chefredakteur der in Hof erscheinenden Frankenpost schrieb: "Haben Sie Dank für Ihr großzügiges Angebot, auf das wir leider nicht zurückgreifen können. Ich wünsche Ihnen für Ihre berufliche Zukunft alles Gute."

In Hof haben die Leute halt noch Humor. Oder zumindest das, was sie dafür halten.