Neues von Freischreiber: Lektüretipps, Hinweise und der Henri

Guten Tag,

 

zuerst einmal: vielen Dank für die vielen Mails, die wir im Laufe der zurück liegenden Woche bekommen haben! Wir hatten gefragt, ob unser wöchentlicher Rundbrief zu lang ist, wir zu viel Stoff liefern und uns kürzer fassen sollen. Die, die uns geantwortet haben, waren zum allergrößten Teil voll des Lobes, ihnen gefällt der Rundbrief und ist ihnen zu einem lieb gewonnenen Geleiter durch den Dschungel all der lesenswerten Beiträge geworden, die so herumschwirren. Einige lassen den Newsletter auch mal etwas liegen und nehmen ihn sich vor, sobald sie Zeit haben, was natürlich auch völlig in Ordnung ist. Wenige waren dabei, denen wir tatsächlich etwas zu viel Stoff bieten, die aber gut damit leben können. Wir nehmen das als Votum dafür, dass wir so weitermachen können.

 

Kommen wir also zu unseren wöchentlichen Lektüretipps:

 

Mehr als 248.000 Euro für eine Recherche! Gibt's nicht? Gibt's doch, wie die letzte Woche gezeigt hat: So viel nämlich hat die Bunte den – dickes Anführungszeichen – "Rechercheuren – dickes Anführungszeichen " – gezahlt, die das Liebesleben von Politikern ausspähen sollten. Das Ganze beweist: Es ist doch Geld da in den Verlagen – es wird nur für fragwürdige Geheimagentenspielereien verballert und fehlt dann eben anderswo im Qualitätsjournalismus. Unschöner Nebeneffekt der ganzen Sache: Das Image von Journalisten, freien zumal, wird durch solche Aktionen der Verlage sicher nicht besser. Schließlich nannten sich die Bunte-Zuarbeiter Journalisten und sind offenbar Mitglieder eines großen Journalistenverbandes. Lesenswert in dem Zusammenhang auch, was die taz-Kriegsreporterin dazu schreibt. 

 

Ja, sicher doch, natürlich geht es immer nur um Qualität, wie die Verleger ja in den aktuellen Debatten nicht müde werden zu betonen. Und Qualität kostet nun mal, wie wir aus eigener Erfahrung wissen. Irgendwie falsch verstanden haben das aber offensichtlich einige Verlage, wie der freie Autor Torsten Dewi beschreibt. Wenn das mal nicht auf Dauer die guten Sitten verhunzt.


Irgendwo in den Kellern der Verlage gibt es offenbar ein ganzes Arsenal an Maßstäben, die rausgekramt werden, wenn sie gerade zu passen scheinen. Dass das nicht länger so sein sollte, meint "der Presseschauer" Daniel Schultz, der von den Verlagen "fair edit" fordert (im Gegenzug zu deren Forderung nach "fair search" bei den Suchmaschinen). Gemeint ist Transparenz über Arbeitsschritte und Entscheidungen, zum Beispiel darüber, warum bestimmte Themen außen vor bleiben. Wir finden das bedenkenswert.

Passend dazu: Stefan Enderles Film über Themen, die entweder gar keine Erwähnung in den Medien finden oder nur ganz am Rande auftauchen. Dazu gibt es auf www.spreerauschen.net ein Interview mit Enderle und den Link zum Film.

 

Die Debatte ums Leistungsschutzrecht für Verlage hat dieser Tage an drive gewonnen, nachdem sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) mit den Verlegerspitzen darüber unterhalten hat. Im Interview auf carta verspricht Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, dass die Koalition nichts übers Knie brechen wird.

 

Und nun haben wir noch einige Hinweise:

 

Freischreiber-Mitglied Nicol Ljubic hat einen neuen Roman veröffentlicht. Er heißt "Meeresstille" und erzählt von der Liebe einer Serbin und einem in Berlin lebenden Kroaten, die an einem Massaker im Jugoslawienkrieg zu zerbrechen droht. Ein Interview mit Nicol Ljubic hören Sie hier, und das schreibt der Deutschlandfunk über den Roman.

 

Den Blick auf die Medienlandschaft in einem anderen Teil der Welt wagt journalists network. Der Verein lädt zu einem Pressegespräch mit dem ägyptisch-kanadischen Kommunikationswissenschaftler und Autor Adel Iskandar mit dem Titel "Between Fire and Quicksand: Conflict Journalism and the New Media Landscape in the Middle East". Das Gespräch findet am Donnerstag, 11. März, um 19 Uhr bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin statt: Haus 2, Raum 1.02, Hiroshimastraße 28. Um Anmeldung wird gebeten: hintergrund@journalists-network.org.

 

Einmal möchten wir auch noch auf die Umfrage einer Studentin hinweisen, die noch dringend Material für ihre Bachelor-Arbeit sucht. Sie schrieb uns: "Mein Name ist Sarah Schlifter, ich studiere seit drei Jahren „Medienkommunikation & Journalismus“ an der FHM Köln. Das Thema meiner Bachelor-Arbeit (Abgabe 1. April) handelt vor allem von den medialen Veränderungen der journalistischen Berufsbilder.
 Vergangenes Jahr im Oktober bin ich bei ZAPP ("Die Not der freien Journalisten") auf die Situation von freien Journalisten aufmerksam geworden und habe mir dies zum Thema gemacht. Durch die Umfrage möchte ich hauptsächlich herausfinden, wie es den freien Journalisten in Deutschland geht und was ihre Zukunftswünsche sind. Wie haben sich Arbeitsweisen im digitalen Zeitalter geändert und haben Freiberufler Angst vor dem vermehrten Einsatz von Videojournalisten?
Ich bitte Sie sich an der Umfrage zu beteiligen. Die Beantwortung dauert maximal 10 Minuten!
 Gerne informiere ich Sie auch über die Ergebnisse der Befragung! Bisher habe ich noch zu wenige Antworten – und zähle nun auf Ihre Hilfe!!"

Helfen wir Sarah Schlifter, nehmen wir uns etwas Zeit für die Befragung, die sich hinter diesem Link verbirgt.

 

Damit verabschieden wir uns für heute!

 

Herzliche Grüße, Ihre Freischreiber

 

P.S. Und wer noch einen Text auf die Shortlist des Henri-Nannen-Preises schmuggeln will, weil er die Chefredakteur unserer großen Medien gut kennt: Dafür ist es aber jetzt wirklich viel zu spät!