Neues von Freischreiber: Gute und schlechte Nachrichten, Trötminenfelder und Bratwürste
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leser,
passend zur Grillsaison haben wir in unseren Lektüreempfehlungen heute einen Hinweis, der den Hunger auf Bratwurst stillt. Bevor Sie dahin vorstoßen, haben wir aber noch einige andere Dinge für Sie zubereitet.
GUTE NACHRICHTEN
ZEIT-Chefredakteur Giovanni die Lorenzo hatte es den Freischreibern ja in einem Brief vom 18. Mai bereits mitgeteilt: DIE ZEIT überarbeitet die Rahmenverträge, die eine Quasi-Enteignung für freie Autoren bedeutet hätten. Und nun gab's das auch noch per Gerichtsbeschluss: In einer Einstweiligen Verfügung (beantragt von DJV und dju) wurde der ZEIT die Nutzung der Verträge untersagt, was uns natürlich auch sehr freut.
Zu dieser Sache und der gesamten Problematik der von Verlagen ausgesandten AGBs hat auch Till Kreutzer im Blog von irights.info etwas geschrieben.
SCHLECHTE NACHRICHTEN
Weniger gefreut hat es uns, dass die Verlage ihre Propaganda-Kampagne zum Thema Leistungsschutzrecht in den letzten Monaten so erfolgreich betrieben haben, dass es dazu Ende Juni sogar eine Anhörung im Bundesjustizministerium geben wird – im Rahmen der Verhandlungen zum 3. Korb der Urheberrechtsreform. Die Wahrheit ist in Propagandaschlachten allerdings ja bekanntlich die Hauptverliererin, weswegen wir noch einmal ein paar Dinge klar stellen wollen. Freischreiber ist zu der Anhörung im Ministerium eingeladen und wird berichten.
LEKTÜRETIPPS
Beim Freischreiber-Zukunftskongress am 18. September in Hamburg soll es darum gehen, wie man als Freier sein eigenes Mediending starten kann. Der Freischreiber-Vorsitzende Kai Schächtele will das vorab schon einmal quasi am eigenen Leib ausprobieren und ist mit dem Fotografen Christian Frey nach Südafrika geflogen.
Seit Anfang dieser Woche reisen die beiden durch Südafrika mit dem Ziel, Antworten auf die Frage zu finden: Erlebt dieses Land in den kommenden vier Wochen ein Wintermärchen? Sie werden jeden Tag über das berichten, was sich hinter den Kulissen dieser Weltmeisterschaft abspielt: in Texten, Bildern und Tonbild-Reportagen. Die erste Folge erzählt die Geschichte einer Warteschlange vor dem Kapstädter Ticketing Centre, wenige Tage vor Beginn des Turniers. Was als bezauberndes Nachtlager begann, endete in Chaos und Wut der Kapstädter auf die Fifa: "Das hier sollte eine afrikanische WM werden – doch es ist eine Fifa-WM." Inzwischen haben Schächtele und Frey auch das Trötminenfeld durchkämmt. Nur aus Spaß machen die beiden das allerdings nicht: Begeisterte Leser können die beiden auch finanziell unterstützen.
Im Medium-Magazin fanden wir ein Interview mit Kisch-Preis-Gewinnerin Hania Luczak (GEO) lesenswert. Es geht um gründliche Fachbuchlektüre, Gespräche ohne Aufnahmegerät und die Frage, wie lange es rechercheaufwändige Reportagen überhaupt noch geben kann.
KONGRESSVORBEREITUNG
Wer sich schon einmal einlesen will in die Thematik des Freischreiber-Zukunftskongresses, dem empfehlen wir in dieser Woche das Stück "Marke werden, aber wie" im Online-Magazin der Evangelischen Journalistenschule. Zu Wort kommen Matthias Spielkamp und Markus Albers, die auch auf dem Kongress vertreten sein werden.
Und natürlich wird es beim Kongress auch um die Rolle gehen, die (freie) Journalisten künftig haben werden. Leichter wird es leider nicht, zu legitimieren, warum es noch professionelle Journalisten braucht – und warum die ordentlich dafür bezahlt werden müssen. Seit Dienstag dieser Woche ist der Berliner Dienst "Tvype" am Start: Bürgerreporter können über diese Plattform Bilder und Videos an Redaktionen verkaufen – und Redaktionen können dort gezielt nach Material suchen. Freischreiber Daniel Bouhs hat darüber diesen und jenen Artikel geschrieben.
Der Bürger wird Journalist – und was werden wir Freie? Wer da weiterdenken und -diskutieren will: Den 18. September freihalten und zum Freischreiber-Zukunftskongress nach Hamburg kommen. Programm baldmöglichst!
EIN AUFRUF
Soll keiner sagen, wir Freie wären nicht bereit zur Selbstkritik: Bei der Netzwerk-Recherche-Tagung am 10. Juli veranstalten wir – wie im letzten Jahr – wieder einen Praxis-Workshop mit Coach Christian Sauer, der selbst lange Jahre als Redakteur gearbeitet hat.
Dieses Mal soll es um berechtigte und unberechtigte Kritik an der Arbeit von Freien gehen. Dafür brauchen wir Beispiele aus der Praxis: Also, liebe Kollegen, fragt Eure Kunden, die Redakteure der Blätter und Sender für die Ihr arbeitet, was Sie in der Zusammenarbeit mit freien Journalisten am meisten nervt. Sinnvoll wäre es, wenn die Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen ihre fünf großen Nerv-Faktoren in einer kurzen Mail zusammen fassen und ihr Sie an uns sendet, gerne auch anonymisiert. Die Adresse lautet: kontakt(at)freischreiber(.)de
Eine kleine Vorlage, um in Schwung zu kommen: Die Kollegin Silvia Feist, die immer wieder als freie Textchefin in Redaktionen aushilft, hat im vergangenen Jahr schon einmal für uns aufgeschrieben, was sie an uns Freien zur Verzweiflung treibt.
Für die Jahrestagung von Netzwerk Recherche kann man sich noch anmelden. Das sehr spannende Programm finden Interessierte hier.
Ebenfalls auf der Tagung wird Arne Orgassa, Student der Ludwig-Maximilians-Universität und Schüler der Deutschen Journalistenschule, die Ergebnisse seiner Studie vorstellen. Wie wirken sich Journalistenpreise auf die Medienlandschaft aus?, fragt er und bittet uns darum, noch bis 16. Juni seinen (recht kurzweiligen) Fragebogen auszufüllen.
TERMINE
Termine für Regionaltreffen von Freischreiber in Berlin und Bremen sowie das Treffen der Freifunker finden Sie auf unserer Regionalgruppen-Seite. Die Berliner treffen sich am 22. Juni, Stefan Schomann wird das online-Magazin MAGDA vorstellen, die Bremer Freischreiber laden für den 15. Juni zu einem Seminar mit Christian Sauer, einige Plätze sind noch frei.
Und jetzt gibt's Bratwürste satt…
GRILLFESTBERICHTERSTATTUNG
Passend zur Saison und sehr hübsch: die Bratwurstjournalismusseite mit den besten Zitaten aus der Welt des Lokaljournalismus. Vorsicht, denn die Floskelwarnleuchte könnte jeden Moment wegen Überbeanspruchung explodieren!
In diesem Sinne wünschen eine grillfestreiche aber bratwurstjournalismusarme Woche:
Ihre Freischreiber