Kopf hoch – und weitermachen …
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
neulich stand mal wieder der junge Mensch vor uns. Sah uns an und sprach: „Journalist – das ist ein toller Beruf.“ Ohne Fragezeichen! Und wir? Zwei Seelen rangen da in unserer Brust: „Kind, mach dich nicht unglücklich!“ Und: Ja, supertoll – supercool – superprima! Können wir nur empfehlen ...“
Absolut, die Debatte tobt: „Journalismus ist nicht mehr erstrebenswert. Ich rate allen, tut euch diesen Beruf nicht an. Die Attraktivität hat massiv nachgelassen“, tönt etwa der Dortmunder Professor Horst Röper, den Newsroom.de als „Zeitungsforscher“ vorstellt (ist das eigentlich ein geschützter Beruf?). JakBlog dagegen kontert: „Es ist noch nicht so lange her, da waren für Journalisten die Wege zu eigenen Projekten weitgehend verstellt, wenn sie nicht gerade zufällig ein paar Millionen auf dem Konto hatten oder praktischerweise Kinder eines Verlegers waren.“ Und er rät, bloggen, Filmchen drehen, weiterschreiben – machen, was einem einfällt.
Das lohnt doch alles nicht? Vielleicht. Oder doch? Richard Gutjahr gewährt auf seinem Blog immerhin mal einen Blick in seine Buchhaltung. Und nennt für sich die Messlatte: „Ich will damit kein Geld verdienen, aber auch keins verlieren. Was auch immer ich in mein Blog hineinstecke, am Ende möchte ich eine schwarze Null stehen haben.“
Dazu ergänzend ein Blick in die Skurrilitätenkiste: Wordpress.hate-mag.com erzählt, wie sich das Netzmagazin „Mode“ die Zuarbeit mittels nebenberuflicher Blogger erwerbsmäßig vorstellt: „Für 400 Euro erwarten wir circa 50 Texte à 300 Wörter.“ Und jetzt bitte rechnen …
Carta-Autor Christoph Kappes hat sich einmal in Ruhe hingesetzt und die Blog-Kultur der letzten Jahre betrachtet: „Keine Schlachten um Sarrazin-Thesen, keine um den Wulff-Rücktritt und keine um die Euro-Rettungsmaßnahmen werden in Blogs entschieden. Von Einzelfällen abgesehen, spielen nach wie vor Massenmedien die Musik“, so sein Fazit.
Eine ganz andere Baustelle, wo viel zu beobachten und noch mehr zu tun ist: das Leistungsschutzrecht. Gerade läuft die nächste Anhörung im Bundestag – und wir haben auf unserem eigenen Blog noch mal alles Wichtige dazu eingestellt: bitte hier entlang. Und bei netzpolitik.org gibt es eine Art Auswertung zur Anhörung.
Nun, ob Blogger, ob Tageszeitungsschreiber, ob beides: Nicht auf ein Wunder warten! Selbst aktiv und Freischreiber werden! Denn unser Angebot zur Probemitgliedschaft gilt noch bis zum 31. März. Bei uns kann man nicht nur viel lernen, sich austauschen und gemeinsam für seine Rechte eintreten, man kann auch feiern und arbeiten: fünf Jahre Freischreiber organisieren, Lu Yen Roloff braucht für die Planung der Geburtstagsparty noch Ihre Unterstützung: info-ätt-luyenroloff.de. Schlimme und gute Redaktionen küren: Jakob Vicari wartet auf zahlreiche Bewerbungen für die Besetzung der Vorjury des nächsten Himmel- und Hölle-Preises: post-ätt-jakobvicari.de. Und zum Wissensaustausch unter Freien beitragen: Das Handbuch für Freie sucht noch Autoren: marike_frick-ätt-web.de.
IM SCHNELLDURCHLAUF
Die Crowdfunding-Plattform Krautreporter ist gestartet, dazu ein Interview auf Mediadigital mit Freischreiber Sebastian Esser. Jens Schröder stellt ebenfalls in einem Interview, diesmal mit der „Zeit“, seinen Nachrichten-Aggregator „News-Archiv“ vor und die „Taz“ lässt ihre USA-Korrespondentin Dorothea Hahn in einem sehr lesenswerten Artikel auf die Situation der Zeitungen in den USA blicken. Und „Quality“, das tolle Luxus-Lifestyle-Magazin? Kress berichtet: Mindestens acht ehemalige Mitarbeiter warten auf ihr Geld. Der Verlag hat sich indes aufgelöst. Ein neuer Verlag wurde gegründet. Mir denselben Nasen an der Spitze … So machen die das.
SEMINARE
Erinnert werden soll auch noch kurz an die Seminare von www.reporterforum.de. In kleiner Gruppe wird eine Ihrer Reportagen gemeinsam mit einem erfahrenen Kollegen diskutiert. Die Seminare finden im Februar und März statt, in Hamburg, Berlin, Frankfurt und München. Die Teilnahmegebühr beträgt 100 Euro.
PREISE UND STIPENDIEN
Heute machen wir es uns nochmal einfach und weisen auf den Journalistenpreise Guide 2013 hin, den Sie kostenlos als E-Paper hier herunterladen können. Darin erhalten Sie einen Überblick, den wir Ihnen in dem Umfang leider nicht liefern können. Viel Erfolg!
TERMINE
MÜNCHEN
Der nächste Stammtisch findet am Montag, den 4. Februar im Büro von Jörg Spaniol statt. Kathrin Hartmann (Freischreiber-Vorstand) wird brandaktuell von der Klausurtagung des Vorstands berichten. Themen sind u.a. Freischreiber 2013, geplante Arbeitsschwerpunkte des neuen Vorstands, Ziele, Zuständigkeiten, fünf Jahre Freischreiber (Ort: Kazmairstraße 79, Zeit: 19.30 Uhr bis etwa 20.30 Uhr, danach geht es in die Kneipe ums Eck). Und gleich zum Vormerken: am 4. März kommt Jan Berndorff (Chefredakteur von "Natur") in´s Büro von Anna Fuhrmann (Senftlstraße 2) und für 8. April hat sich Tom Angermeier (Chefredakteur der Agentur Carlo Manet) angekündigt.
FRANKFURT
Das offizielle Freischreiber-Treffen findet im Besprechungsraum bei Christian Preiser statt. Er wird gleich mehr über seine Initiative „Forum Qualitätsjournalismus“ erzählen. Termin: Rosenmontag (ohne Bütt), 11. Februar, 19 Uhr, Ostbahnhofstraße 15. Bitte kurz rückmelden, wer kommt und wer Lust hat, etwas zu Trinken oder zu Essen mitzubringen. Kontakt: Sylvia.Meise(ätt)t-online.de
Und: Der Journalistinnenbund lädt am 12. Februar alle FreischreiberInnen und Interessierten zum Treffen mit Sonja Eismann, einer der Macherinnen des „Missy Magazines“, ein. Treffpunkt ist um 19.30 Uhr in der Luther-Gemeinde Frankfurt, Martin-Luther-Platz 1, Frankfurt-Nordend (U-Bahn-Haltestelle Merianplatz, U4). Nichtmitglieder zahlen 5 Euro Unkostenbeitrag. Kontakt: Dorothee Beck (jb(ätt)dorothee-beck.de).
KÖLN
Freischreiber Rheinland trifft sich endlich wieder und zwar in Köln am 5. Februar um 19.30 Uhr im Medienbüro der Kollegen Armin Himmelrath und Britta Mersch in der Kaesenstraße 30. Anmeldung bei BriBaetz(ätt)aol.com. Die Themenliste ist lang, unter anderem weil sich so lange nicht getroffen wurde. Letzteres soll geändert werden, auch mit Unterstützung des neuen Freischreiber-Vorstands Michael Schomers, der frisch von der Vorstandsklausur berichten wird.
BERLIN
Am 26. Februar findet das nächste Berliner Regionaltreffen statt. Dann wird es um die Entwicklung lokaler Blogs gehen. Eingeladen sind Philipp Schwörbel von den „Prenzlauerberg Nachrichten“ und Max Büch von Neuköllner.net. Anmeldung hierfür unter gemma.poerzgen(ätt)gmx.net.
BERLIN/FREIFUNKER
Die Berliner Freifunker stellen sich am Montag, den 4. Februar vor. Und zwar um 20 Uhr in der Boese Buben Bar, Marienstraße, Ecke Albrechtstraße, gleich beim Bahnhof Friedrichstraße. Vorgestellt werden soll die neue Freifunker-Webseite, auf der zukünftig ebenso Erfahrungen mit Hörfunktechnik ausgetauscht werden, wie eine Sendeplatzbörse installiert werden soll.
Zu guter Letzt und passend zu den Freifunkern – was für die Ohren! Am Freitag, den 1. Februar gibt es um 19.15 Uhr auf Deutschlandfunk ein Dossier über den 2001 verstorbenen Hacker und Gründer des Chaos Computer Clubs, Wau Holland – ein Pionier des Internets, mit all seinen Chancen und Risiken. Und wer mag, möge gleich am Radio hängen bleiben und sich den Mitschnitt eines Konzertes von Brockdorff Klang Labor anhören (ab 21.05 Uhr). Tolle, moderne, elektrische Musik!
Der Freischreiber-Vorstand zieht sich dagegen das kommende Wochenende in aller Stille zur Klausur zurück, wird aber wilde Ideen aushecken, abenteuerliche Pläne schmieden, wie wenigstens die mediale Welt zu retten ist. Dazu bald mehr.
Bis dahin: Kopf hoch und weitermachen – es grüßen ganz herzlich, Ihre Freischreiber
PS: Mit unserer Hölle-Preis-Übergabe haben wir es übrigens in den Branchenblog "Turi" geschafft: "Sonntag aktuell bekommt unangekündigten Besuch von den Freischreibern, weil das Blatt ungefragt und ohne Vergütung Reiseartikel und Fotos von Freien weiterverkauft. Dafür gab's den negativen "Hölle"-Preis, ein Gespräch mit Vize Wolfgang Molitor brachte keine Annäherung."
