KOMMT, SEID DABEI : : :
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
auch schon gehört? Die nächste Zeitung macht dicht. Na, ja – baut erst mal Personal ab. Grad hat es den FREITAG erwischt: ein Viertel der Redakteure soll gehen. Das sind neun Menschen. Neulich bei der FTD waren es über 300, bei der FR könnten es ähnlich viele werden, bei der WAZ rechnet man mit . . . usw. usf.
Ja, das ist alles nicht schön und manchem bisher fest angestellten mag es bei der Vorstellung gruseln, sich fortan als freier Journalist verdingen zu müssen. Um den Übergang leichter zu gestalten, bietet FREISCHREIBER allen, die ihre berufliche Anbindung verloren haben, eine dreimonatige Probemitgliedschaft an – für umsonst. Wir verlangen keine Hausausweises oder Gehaltsabrechnung, Interesse an Freien-Netzwerken, allgemeiner Klärungsbedarf und vor allem Lust an neuen Entfaltungsmöglichkeiten reichen völlig aus. Einfach eine Email an mitgliedschaft@freischreiber.de schreiben, dann können Sie Kontakte knüpfen und erfahren, was das für Leute sind, die sich trotz aller flirrigen Freiheitsgefühle zu einem rustikalen Verband zusammengeschlossen haben. Unser Angebot gilt bis 31. März. Danach können Sie aber gerne unseren Mitgliedsantrag ausfüllen. Denn ob entschlossen freiwillig oder gezwungenermaßen frei schreibend: Wer durchkommen will, muss von sich aus aktiv werden.
Wie eröffnete die Moderatorin von DeutschlandRadio Kultur neulich das obligate, morgendliche Mediengespräch: „Äh – Crowdfunding, dieses neue Wort werden wir jetzt alle lernen müssen, oder?“ Besser ist es! Findet auch Freischreiber-Mitglied und Krautreporter Sebastian Esser, der dem Blogger Dirk von Gehlen ein gutes Übersichtsinterview gab: „In der ganzen Diskussion ist Crowdfunding eines der wenigen Experimente, das eine Antwort auf die entscheidende Frage verspricht: Wie finanzieren wir in Zukunft den aufwändigen, schwierigen, wichtigen Journalismus, wenn Verlage und Sender es nicht mehr tun?“ Dabei lägen Hoffnung und Scheitern dicht beieinander: „Jeder Reporter mit einer guten Geschichte hat beste Aussichten, Leute zu finden, die seine Arbeit finanziell und auf anderen Wegen unterstützen. Du musst dich allerdings auf deine Community einlassen, viel kommunizieren und für Deine Ideen werben – etwas, was uns Journalisten erstmal fremd ist.“
Übrigens: In oben erwähntem Radiogespräch fiel ständig das Wort „spenden“. Was ein wenig in die Irre führt: Beim Crowdfunding geht um eine Begegnung auf Augenhöhe, um langfristige Kooperationen – und weniger um Almosen.
Krautreporter sucht für den Start seines Crowdfunding-Projektes übrigens noch erfahrungshungrige Kollegen.
So richtig vom Leder zog jüngst der Redaktor Ronnie Grob in DIE MEDIENWOCHE und nahm sich noch mal den Versuch der Zeitungsverleger zur Brust, sich mittels Google-Bashing als Bewahrer des Urheberrechtes aufzuspielen. Mit im Mittelpunkt seiner Empörung stand dabei Springer-Chef Matthias Döpfner, der einst alle, die sich im Netz nach dessen neuen Möglichkeiten umtaten, pauschal als WEB-Kommunisten beschimpfte. Nun hat die Vorzeigezeitung des Springerverlages, die WELT, als erste Tageszeitung die Errichtung einer Paywall beschlossen. Heißt: Ab sofort können die online-Texte der WELT nur noch gegen Bezahlung eingesehen werden. So will man neue Einnahmequellen erschließen und die Zahl der Abos erhöhen. Nach dem Motto: Wenn ich schon zahlen muss, nehme ich ruhig wieder Papier.
Mal angenommen, das klappt und das Geld sprudelt wieder: Werden die Texte der vielen freien Printjournalisten, die für ihre auf WELT-online gestellten Texte bislang keinen Cent sahen, von nun an entsprechend vergütet werden? Wir bleiben dran.
SONSTIGES:
Erinnert sei an die Gruppe Studierender des Journalistik-Studienganges der Hochschule Bremen. Sie führen gerade eine Umfrage unter deutschen Journalisten zum Thema "Vorbilder im Journalismus" durch und bitten um Unterstützung unter: www.q-set.de (noch bis 01. Februar 2013).
VERBAND:
Weihnachtsessen der Münchner Freischreiber: DATUM: Dienstag, 18.12. UHRZEIT: 20 Uhr. ORT: Bei „Frau Li“, Franziska-Bilek-Weg 1. Anmeldung: kontakt(ätt)esther-niederhammer.de
Und: FREISCHREIBER München lädt zum Wochenend-Workshop „Strukturierte Internetrecherche“ ein. Es geht darum, nicht weiterhin ziellos die Suchmaschine anzukurbeln, sondern zunächst zu überlegen, wer die Antwort wissen könnte und wie man dazu die richtigen Fragen stellt. Versprochen ist auch in das „Deep Web“ einzutauchen – in Datenbanken, deren Inhalte Google verschlossen bleiben. Weitere Stichworte: anonyme und analytische Recherche. DATUM: 12./13. Januar 2013. ORT:Deutsche Journalistenschule, Hultschiner Straße 8.UHRZEIT: Sa. ca. 17-21 Uhr (Theorie), So. ca. 9-17 Uhr (Praxis). PREIS: für Freischreiber-Mitglieder 90 Euro, für Nicht-Freischreiber 130 Euro. ANMELDUNG: bis 5. Januar bei Andrea Mertes (0170.2011540, mail(ätt)andreamertes.de).
Ausreichend leckere Pfeffernüsse und manch' wärmenden Glühwein wünschen trotz der Krise die Freischreiber. Und wer noch ein FREISCHREIBERICHES Weihnachtsgeschenk sucht sollte unbedingt in unserem neuen Freischreiber-Shop vorbeischauen und/oder ein Buch eines unserer Mitglieder erwerben! Guten Einkauf!
