Der :Freischreiber-Newsletter

Sind wir gut?

Liebe Leserin, lieber Leser,

diese Woche können wir besonders stolz sein: dank unserer Briefe, unserer Gespräche und dem Zusammenschluss von 40 freien Autoren gibt es bei Spiegel online ab sofort nicht nur bessere AGBs, sondern auch zwei Ombudsleute - auf unsere Anregung hin. Jochen Leffers und Olaf Kanter sind ab sofort die Ansprechpartner für Freie, sollte es Fragen oder Probleme geben. Mehr dazu gab es in dieser Woche in einem Sondernewsletter, aber nicht nur hier: auch die Mediendienste Turi  und meedia haben darüber berichtet.

Weniger bekannt scheinen wir hingegen beim Spiegel online Autor Tobias Lill zu sein, der in dieser Woche einen Artikel über Arbeit und Leben von freien Journalisten veröffentlicht hat. Schade eigentlich, denn wir hätten ihm neben ver.di, dem DJV und Forscher Siegfried Weischenberg sicherlich auch einige aufschlussreiche Statements zur Theorie, Freie leben von wenig Geld leben, seien dabei aber glücklich, liefern können.

Sondernewsletter: Ombudsleute bei SpOn

Es gibt ja Leute, die uns für wirklungslose "Briefschreiber" halten oder der Meinung sind, dass "unverbindliche Gespräche" mit Chefredakteuren keine Verbesserungen für Freie bringen. Jetzt können wir vermelden, dass es bei Spiegel-Online dank Briefen und Gesprächen mit uns Freischreibern nicht nur bessere AGBs gibt (es wurde an verschiedenen Stellen darüber berichtet: hier, hier und hier nicht ), sondern, dass es uns auch gelungen ist, eine weitere Freischreiber-Idee bei Spiegel-Online einzubringen, die eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglicht.

Als SpOn-Chefredakteur Rüdiger Ditz vor zwei Wochen beim Treffen der Hamburger Freischreiber war, um die neuen AGBs vorzustellen, sprachen wir ihn darauf an, ob man den Dialog zwischen Redaktion und freien Mitarbeitern nicht auch dadurch verbessern könne, dass die Redaktion Ombudsleute benennt, damit freie Autoren einen Ansprechpartner haben, an den sie sich im Konfliktfall wenden können, ohne sich gleich an den Chefredakteur wenden zu müssen.

Ditz fand die Idee gut und diesmal hat SpOn schnell reagiert. Die Chefredaktion hat in dieser Woche zwei Redakteure benannt, die den Freien als Ansprechpartner für Fragen und in Konfliktfällen mit anderen Ressortleitern oder Redakteuren zur Verfügung stehen und vermitteln.  Es sind Jochen Leffers (jochen_leffers@spiegel.de) und Olaf Kanter (olaf_kanter@spiegel.de).

Von Erfolgen, Urheberrecht und anderen Absonderlichkeiten

Liebe Leserin, lieber Leser,

passend zur EM-Lage fangen wir doch mal wieder mit den positiven Dingen an. Bei Spiegel Online gibt es ja jetzt, auch durch Einwirkung von Freischreibern, neue, autorenfreundliche AGB. Zu denen hat der Freischreiber-Vorsitzende  Benno Stieber im aktuellen Medium Magazin Stellung genommen. Das Heft liegt druckfrisch an gut sortierten Kiosken, Freischreiber-Mitglieder können es zum Spezialpreis abonnieren, Infos hier.

Ob sich mit Spiegel Online eine Redaktion für den Himmel-Preis in Stellung bringt? Falls Sie der Meinung sind, die Spons hätten für die neue Freienfreundlichkeit nach der letztjährigen Hölle-Nominierung durchaus eine Belohnung verdient, dann nominieren Sie die Redaktion doch für den diesjährigen Freischreiber-Preis. Natürlich sind auch Vorschläge für andere nette Redaktionen willkommen. Und auch auf Kandidaten für eine Verschickung in die Hölle ist die Vorjury sehr gespannt.

Denn, TATATATA!!!!, der Himmel- und Höllepreis geht in eine zweite Runde. Wir haben uns die Kritik des vergangenen Jahres zu Herzen genommen und ein neues und transparentes Verfahren zur Auszeichnung von besonders unfairen Redaktions- oder Verlagspraktiken gegenüber Freien entwickelt. Jetzt sind Sie dran: schicken Sie uns Ihre Vorschläge für die fairste und die fieseste Redaktion an nominierung -ät- freischreiber.de. Die Statuten finden Sie hier.

Rückstellung, Vorwärtsbewegung, Verschwinden

Liebe Leserin, lieber Leser,

vielleicht haben Sie in der vergangenen Woche die Meldung gelesen, dass Autoren in diesem Jahr länger auf ihre Ausschüttungen der VG Wort warten müssen. Blöd, einerseits. Andererseits könnte sich das Warten lohnen: es gab nämlich kürzlich ein Urteil des Münchner Landgerichts, in dem zumindest in einem Einzelfall die bisherige Praxis untersagt wurde, Tantiemen nicht nur an den Urheber, sondern auch an Verlage auszuschütten.

Wir Freischreiber haben daraufhin gefordert, die strittigen Ausschüttungen erst einmal zurückzustellen und zu klären, ob und wann die Tantiemenzahlung an Verlage tatsächlich zulässig ist oder ob nicht zumindest in einigen Fällen alles an die Autoren gehen muss. Die VG Wort hat nun erst einmal alle Ausschüttungen verschoben. Da die Verwertungsgesellschaft gegen das Urteil in Berufung gehen will, kann es leider noch etwas dauern bis der Rubel rollt - hoffentlich wird es dann so enden wie vor zwei Jahren, als zurückgestellte Gelder aus der Geräteabgabe wie ein warmer Geldsegen über die Autoren herabging

Was die ganze Sache allerdings zeigt, ist, dass wir dringend mehr Transparenz über die Verteilungspläne der VG Wort brauchen. Ein Anruf dort mit der Frage, wie welcher Anteil eigentlich im journalistischen Bereich an die Verlage gehe (im wissenschaftlichen Bereich werden die Einnahmen 50:50 geteilt, im belletristischen gehen 30 Prozent an die Verlage), wurde mit der Aussage beschieden, das müsse man erst einmal prüfen - das Ergebnis ist weiterhin offen.

Himmelsleiter und Honorarstreiter

Liebe Leserin, lieber Leser,

endlich, endlich zeigt der Frühling, was er kann. Und passend dazu haben wir in dieser Woche nur gute Nachrichten für sie.

Die erste ist was zum Jubeln und Mitmachen: Der Freischreiber-Himmel-und-Hölle-Preis ist wieder da! Wir haben den Preis komplett poliert und überarbeitet und ab sofort kann für beide Kategorien nominiert werden. Wie das in diesem Jahr geht und wer als Kandidat in Frage kommt, steht ausführlich hier.

Unbedingt vormerken sollten Sie sich Samstag, den 24. November. An diesem Tag findet die diesjährige Preisverleihung statt, die wir natürlich angemessen feiern wollen, diesmal in München.

Die zweite gute Nachricht hat uns aus Heidelberg erreicht: Die Freien der Rhein-Neckar-Zeitung haben dort höhere Honorare erkämpft. Das haben sie uns geschrieben:

Debatten, Debakel und Dolles

Liebe Leserin, lieber Leser,

immer wieder sind wir in der vergangenen Woche gefragt, worden, warum die Vorstandsmitglieder von Freischreiber bei der Aktion "Wir sind die Urheber" nicht mitgemacht haben, von der die "Zeit" vergangenen Donnerstag groß berichtete: Ursprünglich 100 Schriftsteller und Autoren hatten einen Aufruf unterzeichnet, in dem sie die Stärkung des Urheberrechts fordern und gegen den "Diebstahl" geistigen Eigentums protestieren, zahlreiche weitere haben sich dem Aufruf angeschlossen.

Wir vom Freischreiber-Vorstand könnten vieles von dem unterschreiben, was in diesem Aufruf steht. Auch wir halten ein starkes Urheberrecht für wichtig, auch wir sind gegen die "Entrechtung von Künstlern und Autoren", wie es dort heißt.

Sehr verwundert hat uns aber ein Satz in dem Appell, der dazu im Widerspruch steht. "Der [...] behauptete Interessensgegensatz zwischen Urhebern und Verwerten entwirft ein abwegiges Bild unserer Arbeitsrealität" steht in der Mitte des Textes.

Wirklich? 

Nun mag das für diejenigen stimmen, die den Aufruf initiiert und zuerst unterschrieben haben - es sind Literaturagenten und Buchautoren, und soweit wir wissen, herrschen in der Buchbranche zumindest zum Teil tatsächlich noch andere Sitten als in den Medien.

Neues von Freischreiber: Ehrlich, käuflich, fraglich etc.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn Sie zu den freien Journalisten gehören, kennen Sie unter Garantie die Frage: "Kann man davon leben"? Nicht-Journalisten, Vorsicht: Es soll Kollegen geben, die sich bei so einem Satz umdrehen und wortlos weggehen. So verliert man Freunde...

Aber wir Freischreiber sind ja auch dazu angetreten, über die Arbeitssituation von Freien aufzuklären. Liebe Nicht-Journalisten: Ja, man kann im Moment noch davon leben - aber besser werden die Dinge leider nicht, wie Sie ja auch in diesem Newsletter jede Woche mitbekommen.

Deshalb fanden wir spannend, wie offen und ehrlich Freischreiberin Charlotte Wiedemann in einem Interview mit Journalists Network über ihre Arbeit als Auslandsreporterin spricht. "Vor einigen Jahren gab es noch größere Etats für Auslandsreportagen. [...] Die verschärfte Konkurrenz führt dazu, dass sich die Schreiber gegenseitig unterbieten und dadurch das ganze Niveau immer weiter herunterziehen. Das ist freilich nicht die Schuld des Einzelnen, aber führt in der Summe zu einer verhängnisvollen Entwicklung." Das ganze spannende Interview gibt es hier.

Auch mit dem Arbeitsalltag von Freien zu tun hat die Frage: Presse-Rabatte nutzen oder besser nicht, trotz sinkender Honorare? Das Thema kochte im Umfeld der Wulff-Debatte hoch, wir Freischreiber hatten uns damals auch dazu geäußert. Freischreiberin Brigitte Baetz hat das Thema für den Deutschlandfunk am "Tag der Pressefreiheit" noch einmal aufgerollt, auch Freischreiber-Vorstand Benno Stieber kam zu Wort.

Neues von Freischreiber: Champagner, Senfgläser, Schlagersänger etc.

Liebe Leserinnen und Leser,

die Stimmung in der Vorstandsetage des Axel Springer-Verlags stellen wir uns ziemlich spritzig vor. Schließlich kommt man da gar nicht heraus aus dem Champagnertrinken: Auch für dieses Jahr rechnet das Unternehmen wieder mit einer Steigerung des Gewinns gegenüber dem Vorjahr, der da 289 Millionen Euro betrug. Gewiss – es könnte noch etwas mehr sein. Aber mit so einem Sümmchen lässt sich schon einiges anfangen. Zum Beispiel den Aktionären pro Anteilsschein die Rekorddividende von 1,70 Euro auszuzahlen. So ist es geplant.

Die freien Mitarbeiter im Print-Sektor werden dagegen weiterhin mit ihrem ausgespülten Senfglas zum Wasserhahn schlappen müssen. In Hamburg etwa – so sickerte gerade durch – wurde passenderweise genau am Tag der Verkündung der Gewinnprognose den Freien der dortigen Regionalausgaben von WELT und WELT AM SONNTAG die Kürzung ihrer Honorare bekannt gegeben. Gab es vor einigen Monaten für sie eine moderate Erhöhung des Zeilengeldes auf etwa 1,10 €, sollen sie jetzt wieder für 82 Cent die Zeile schreiben dürfen. So viel wie übrigens auch die freien Kollegen beim HAMBURGER ABENDBLATT seit langem bekommen.

Neues von Freischreiber: Freienfeiertag, Raketenwissenschaft und Bier für die SPD

Liebe Leserin, lieber Leser,

das ist doch mal was: eine Art Muttertag für freie Journalisten könnte man das nennen, was am Donnerstag, 26. April, gefeiert wird. Die Rede ist vom "Internationalen Tag des Urheberrechts", von dessen Existenz wir bis vor drei Stunden auch noch nichts wussten. Aber natürlich fordern wir jetzt Blumen. Und Pralinen. Und, natürlich, mehr Rechte, Urheberrechte natürlich! 

Weswegen es uns irgendwie beruhigt hat, dass das Urheberrecht "keine Raketenwissenschaft" ist, wie der Hamburger Medienanwalt Reinhard Karl im  Interview mit dem Magazin "Intro" behauptet.

Fühlt sich allerdings oft genug so an: Aus Gesprächen wissen wir, dass viele freie Journalisten das Thema Urheberrecht zwar wichtig finden, aber ob der Komplexität der Materie inzwischen aus der Debatte ausgestiegen sind. Deshalb hier nochmal ein paar Texte für den Überblick:

Einen guten Einstieg ins Thema liefert da z.B. das Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung. 

Eine Sammlung von Links zu den wichtigsten Beiträgen zur Urheberrechtsdebatte der vergangenen Wochen hat die freie Journalistin und DJV-Kollegin Heike Rost zusammengestellt.

Und die zentrale Freischreiber-Position zum Thema - für alle, die ob der ganzen Diskussion aus den Augen verloren haben, was wir eigentlich darüber denken - gibt es hier.

Neues von Freischreiber: Scheindebatten, Philosophen, Objektivität etc.

Liebe Leserinnen und Leser,

nach den komplizierten und verschlungenen Debatten um Details des Urheberrechts in den vergangenen Wochen, sind dieser Tage einige erfrischend klare Worte zu vernehmen: "Wir führen eine Scheindebatte, wenn wir über das Urheberrecht reden", schreibt etwa Malte Welding im FAZ-Feuilleton, "wir müssen über Geld reden."

Ebenso aus der Seele spricht vielen von uns Oliver Nagel, wenn er anmerkt: "Am meisten geht es mir auf den Zeiger, dass ich mittlerweile zum Juristen, Wirtschaftsexperten und womöglich Philosophen werden muss, um weiter das machen zu können, was ich schon seit -zig Jahren mache." Ähnlich entnervt hatte sich kurz zuvor Johnny Häusler im Spreeblick geäußert: "Es ist offenbar nicht mehr möglich, PRO Urheberrecht zu sein (was ich bin), ohne sich mit Artikeln gemein zu machen, die entweder pure Propaganda oder Panikmache vor einer Partei sind. Oder beides."

Ergänzende Argumente steuert der Musik-Experte Tim Renner in seinem Beitrag "Der Umsonst-Irrtum" bei. Und für alle, die noch nicht genug haben (oder sich mit Gesprächsstoff fürs nächste Branchen-Event rüsten wollen), gibt's auf Zeit Online eine Übersicht über die Vielfalt an derzeitigen Positionen und Lagern in der Urheberrechts-Debatte.

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