Der :Freischreiber-Newsletter

Vom Printsterben und Aufbäumen

Liebe Leserin, lieber Leser,

in dieser Woche gab es viele schlechte Nachrichten: Kapitulation der Frankfurter Rundschau, Krise der BBC, Einstellung des Stadtmagazins Prinz ... Grund genug, das Ganze etwas zu durchleuchten. Das findet auch Zeit-online Chef Wolfgang Blau. Via Facebook hat er die Tageszeitung als "fragliches Produkt" bezeichnet, die Standardausreden für Print-Versagen zusammengefasst und damit eine spannende Diskussion entfacht, nachzulesen hier.

Derweil hat meedia.de eine Chronik der angekündigten Print-Tode zusammengestellt, ein Vergleich des Untergangs zweier unterschiedlicher Print-Produkte - überregionale Tageszeitung und Szenemagazin.

Trotz all dem konnte dasselbe Internetportal aber nicht nur eine negative Entwicklung für Stadtmagazine feststellen und bezieht sich dabei auf die aktuellen IVW-Auflagen: "Einige der Titel scheinen den schlimmsten Teil der Entwicklung hinter sich zu haben" steht deshalb hier.

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Liebe Leserin, lieber Leser,

 

nicht mehr lange und wir FREISCHREIBER verleihen in München den Himmel-und Höllepreis 2012. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Mittlerweile hat die Vorjury alle Einsendungen geprüft und ihre Auswahl mit erklärenden Dossiers an die Hauptjury gesandt. Diese wird in der kommenden Woche ihre Entscheidung treffen. Wir werden das Ergebnis dann am 24.11. in München in der Kranhalle im Feierwerk um 20 Uhr bekannt geben. Warum es den Preis trotz der Schwierigkeiten im vergangenen Jahr wieder gibt, erklären Vorstand und Vorjury-Mitglied Kai Schächtele in einem Interview auf unserer Homepage.

 

Von Verlagen, Chefredakteuren und dem Kampf der Freien

Liebe Leserin, lieber Leser,

letzte Woche fragten wir an dieser Stelle, ob Print auf dem Sterbebett liegt? Die Studie des Verbandes Deutscher Zeitungsverleger zeigt eigentlich das Gegenteil: ein Umsatzplus von 1,4 Prozent. 31 eingestellten Magazinen stehen in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 103 Neugründungen entgegen. Lage besser als die Stimmung, würden wir das zusammenfassen und wahrscheinlich meinte das auch Autor Bjoern Czieslik in seinem Artikel bei turi. Höchste Zeit also, dass auch die Freien ein Stück vom Kuchen abbekommen. D.h.: Kampf dem gequälten "aber wir können nicht mehr zahlen" aus den Redaktionen.

Aber wir alle wissen: Sie wollen uns kein Stück vom Kuchen abgeben. "Auch die Wochenzeitung Zeit steigert zum Beispiel permanent die Auflage und – wie ich doch hoffe – auch die Einnahmen. Die Zeit ist aber bekannt dafür, dass sie besonders schlecht bezahlt. Wenn selbst die erfolgreichen Verlage die Urheber kaum beteiligen, zeigt das, welchen Stellenwert freie Autoren eigentlich haben", konstatiert deswegen unser Vorsitzender Benno Stieber in einem Interview mit irights.

Superman und Superaussichten

Liebe Leserin, lieber Leser,

was sagt man dazu: Superman kündigt seinen bürgerlichen Job als Redakteur bei der Tagsezeitung Daily Planet und wird, dem Vernehmen nach, Blogger.

Ein Zeichen, dass der Journalismus, wie wir ihn kannten, keine Zukunft mehr hat und der wahre Superman sein Glück lieber abseits der Verlage sucht oder zumindest im Netz? Gerade hat jedenfalls auch im realen Leben das renommierte Newsweek-Magazin nach 80 Jahren seine Print-Ausgabe eingestellt und wird künftig nur noch online erscheinen.

Und auch die Neue Zürcher Zeitung aus der Schweiz und der britische Guardian denken über ähnliche Modelle nach.

Liegt Print also auf dem Sterbebett? Für uns Freischreiber, die wir zum Großteil ja immer noch vom gedruckten Wort leben, eine durchaus auch bedrohliche Kunde – nicht zuletzt, weil allen Medienkonvergenz-Geredes zum Trotz für Online-Texte oft immer noch deutlich weniger gezahlt wird als für vergleichbare Print-Texte. Auf alle Fälle heißt das alles aber: Sich darauf zu verlassen, dass alles schon irgendwie so weitergehen wird, wie gehabt, wäre naiv. Neues ausprobieren und sich selbst ein Stück weit von den Entwicklungen in den Verlagen unabhängig machen, ist vermutlich für Freiberufler die bessere Alternative. Superman als Rolemodell, sozusagen?!

Urheber, hört die Signale...

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Countdown läuft: nur noch fünf Wochen bis zum großen Freischreiber-Tag in München am 24. November, mit Mitgliederversammlung, Himmel-und-Hölle-Preisverleihung und Party. Klar sind Sie dabei, oder? Für Freischreiber Mitglieder haben wir im internen Bereich unserer Website eine Bettenbörse eingerichtet, Münchner Freischreiber können dort Schlafgelegenheiten anbieten, andere nach ebensolchen suchen. Hier entlang bitte.

Höllische Nachrichten vermeldet newsroom.de derweil vom Hamburger Abendblatt. Dessen Chefredakteur Lars Haider saß beim Jahrestreffen von Netzwerk Recherche noch auf einem von Freischreiber organisierten Podium und attestierte seinem Haus, Freien geradezu paradiesische Bedingungen zu bieten, üppigste Einkommen inklusive. Zumindest 18 Pauschalisten dürften das inzwischen anders erlebt haben, sie wurden nämlich bei der Zusammenlegung einiger Lokalredaktionen brüsk gechasst - angeblich kommentierte sogar einer der festangestellten Kollegen, es habe ja zum Glück nur die Freien getroffen, so berichtet es jedenfalls newsroom.

Nicht schön. Ähnlich unschön ist die Hängepartie, die die rund 400 Freien der insolventen Nachrichtenagentur dapd erleben. Auf dem Freischreiber-Blog gibt es für diesen und ähnliche Insolvenz-Fälle (man weiß ja nie...) Tipps.

Durchwachsen wie Bauchspeck

Liebe Leserin, lieber Leser,

auch in diesen Tagen gibt es mal wieder mehr negative als positive Überraschungen. Es ist ein harter Schlag, wenn bei einer Insolvenz Angestellte abgegolten und  Freie wie Gläubiger behandelt werden - aktuell im Fall der dapd. Und es ist auch ein Zeichen: "Hört die Signale - freie Journalisten" titelt unser Vorstandsvorsitzender Benno Stieber in der TAZ. Ganz im Stil der FREISCHREIBER jammert er nicht (nur), sondern zeigt hier auch mögliche Auswege. Worauf man konkret achten muss, wenn Auftraggebern eine Insolvenz droht, beschreibt der Freien-Beauftragte des DJV, Michael Hirschler, hier.

Und damit zunächst ins Ausland: Dass es in den USA bezüglich der Einhaltung des Urheberrechts teils noch absurder zu geht als hierzulande zeigt ein Video auf youtube: Eine Zeitung druckte den im Internet veröffentlichten Text eines Journalisten. Als er kommt, um seine Rechte einzufordern, muss er sich auch noch beschimpfen lassen.

Euphorisch mit Pipi in den Augen

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Sie ahnen schon, wie wir anfangen? Genau: 24. November: Mitgliederversammlung, Himmel-und-Hölle-Preisverleihung und Freischreiber-Party in München, unbedingt dabei sein, Sie könnten sich ärgern, was verpasst zu haben.  Alles klar?

Und damit zu unserem Newsletter. Rumms, das hat gesessen, was Freischreiber-Mitglied Silke Burmester in ihrem dieswöchigen Bericht von der Medienkriegsfront schrieb: "Sehr aufgeräumt wirkt hingegen die neue Spitzenfrau bei Gruner+Jahr, Julia Jäkel, die, wie sie auf der Verabschiedung von G+J-Vorstand Bernd Buchholz gesagt haben soll, bei einem zurückliegenden Anlass „Pipi in den Augen hatte“. Da ich nicht aus dem Rheinland komme, kannte ich Pipi bisher nur von unten, bin aber bereit, die Richtung zu ändern, wenn ich höre, dass Buchholz 5 Millionen Euro Abfindung erhält und ich daran denke, dass G+J vor allem Fotografen-Honorare auf ein Niveau gedrückt hat, auf dem kaum ein professionelles Arbeiten möglich ist. Davon, dass seine Coporate-Publishing-Sparte das allgemeine Honorar-Niveau für PR-Schreibe nach dem Motto „200 Euro sind genug“ ruiniert hat, ganz zu schweigen. Mit entsprechend Pipi in den Augen und einem Eimer Scheiße im Anschlag zurück nach Berlin!" Natürlich lohnt wie immer die Lektüre des gesamten Textes, zumal die finanzielle Lage freier Journalisten sogar noch ein weiteres Mal Thema ist.

Böses Internet, lokale Strategien und ein Blick ins Ausland

Liebe Leserin, lieber Leser,

eigentlich ist schon das meiste gesagt, doch die Debatte um da Urheberrecht tobt trotzdem weiter. Aktueller Anlass für ein erneutes Aufflammen ist das Vorhaben von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die geplante Abmahngebühr gegen illegale Filesharer auf 500 Euro zu begrenzen.  Das von der Justizministerin für kommende Woche einberufene "Zukunftsforum Urheberrecht" sagten etliche Spitzenbeteiligten der Kreativbranche deshalb kurzfristig ab, brüskierten die Ministerin und schon schwappt alles wieder hoch. Die Zusammenfassung der Ereignisse und warum es immer noch viel Meinung und wenig Wissen gibt, lesen Sie hier.

Der Chefredakteur von Zeit-online, Wolfgang Blau, versucht derweil, der Politik verständlich zu machen, warum in Sachen Urheberrecht eben nicht die "großen Profiteure dieser ausklingenden Ära [...] Ihre primären Gesprächs– und Denkpartner sein sollten".  Er war zur Urheberrechts-Fachtagung von Bündnis 90/Die Grünen eingeladen. Stefan Niggemeier hat die Rede auf seinem Blog dokumentiert, in der Blau das Leistungsschutzrecht auch als Machtprobe des Springer-Verlags bezeichnet. Die ganze Rede ist ist hier zu sehen, hören und lesen.

Termine, Treffen, Tanzen

Liebe Leserin, lieber Leser,

am 24. November sind Sie in München, oder? Sie wissen ja: Freischreiber-Mitgliederversammlung, Himmel-und Hölle-Preisverleihung mit anschließender Freischreiber-Party machen den Tag zu einem Pflichttermin für freie Journalisten und deren Unterstützer - zum Feiern am Abend ist natürlich jeder Interessierte ganz herzlich eingeladen.

Bleiben wir bei Terminen und machen es kurz diese Woche - ganz zum Schluss erwartet Sie dann noch ein kleines Ratespiel. Es lohnt sich also, weiterzulesen:

HAMBURG:

Seit kurzem hat Spiegel Online Ombudsleute, die Freien bei Konflikten mit Ressortleitern oder Redakteuren als Ansprechpartner zur Verfügung stehen sollen - eine Idee von Freischreiber. Als Auftakt zum Dialog mit Jochen Leffers und Olaf Kanter besucht die Hamburger Regionalgruppe sie am Montag, 24. September, um 19.30 Uhr in der Redaktion. Es wird eine Führung durch das neue Spiegel-Gebäude geben, eine Diskussionsrunde und anschließend einen gemeinsamen Umtrunk in einer der umliegenden Kneipen. Anmeldung bitte bei bjoern.erichsen(ätt)gmail.com. Die Anmeldung ist frei für alle. Aus Platzgründen ist jedoch die Gruppengröße begrenzt, im Zweifelsfall entscheidet das Los.


MÜNCHEN:

Gemeinheiten, Gesetze, Gefälligkeiten

Liebe Leserin, lieber Leser,

-safe the date - safe the date - safe the date - 24. November 2012, Mitgliederversammlung - Himmel-und-Hölle-Preisverleihung - Party - München - safe the date - safe the date - safe the date...

Und damit herzlich willkommen zu unserem dieswöchentlichen Newsletter.

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