Der :Freischreiber-Newsletter

Kopf hoch – und weitermachen …

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,


neulich stand mal wieder der junge Mensch vor uns. Sah uns an und sprach: „Journalist – das ist ein toller Beruf.“ Ohne Fragezeichen! Und wir? Zwei Seelen rangen da in unserer Brust: „Kind, mach dich nicht unglücklich!“ Und: Ja, supertoll – supercool – superprima! Können wir nur empfehlen ...“


Absolut, die Debatte tobt: „Journalismus ist nicht mehr erstrebenswert. Ich rate allen, tut euch diesen Beruf nicht an. Die Attraktivität hat massiv nachgelassen“, tönt etwa der Dortmunder Professor Horst Röper, den Newsroom.de als „Zeitungsforscher“ vorstellt (ist das eigentlich ein geschützter Beruf?). JakBlog dagegen kontert: „Es ist noch nicht so lange her, da waren für Journalisten die Wege zu eigenen Projekten weitgehend verstellt, wenn sie nicht gerade zufällig ein paar Millionen auf dem Konto hatten oder praktischerweise Kinder eines Verlegers waren.“ Und er rät, bloggen, Filmchen drehen, weiterschreiben – machen, was einem einfällt.


Das lohnt doch alles nicht? Vielleicht. Oder doch? Richard Gutjahr gewährt auf seinem Blog immerhin mal einen Blick in seine Buchhaltung. Und nennt für sich die Messlatte: „Ich will damit kein Geld verdienen, aber auch keins verlieren. Was auch immer ich in mein Blog hineinstecke, am Ende möchte ich eine schwarze Null stehen haben.“

Hölle, Busen und viele Termine ...

 

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

 

wir waren Ihnen noch etwas schuldig: die Übergabe des Hölle-Preises 2012 an die Siegerredaktion „Sonntag aktuell". Jetzt ist es vollbracht, am vergangenen Mittwoch waren der FREISCHREIBER-Vorsitzende Benno Stieber und seine Stellvertreterin Kathrin Hartmann in Stuttgart, um die Skulptur zu übergeben. Den Chefredakteur konnten sie zwar nicht antreffen, dafür empfing sie der Stellvertreter und nahm den Preis mit den Worten, er werde zwar keinen Ehrenplatz bekommen, aber wir nehmen ihn entgegen, an. Mehr dazu in Kürze auf unserem Blog.

 

„Brüderles Blick" (...) wandert auf meinen Busen. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen." Im Laufe unseres Gesprächs greift er nach meiner Hand und küsst sie. „Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen." „Herr Brüderle", sage ich, „Sie sind Politiker, ich bin Journalistin." „Politiker verfallen doch alle Journalistinnen", sagt er. Ich sage: „Ich finde es besser, wir halten das hier professionell." „Am Ende sind wir alle nur Menschen."

Nein, das ist nicht Teil unserer neuen Fortsetzungsschmonzette „Die Journalistin und der Politiker" sondern ein Zitat von stern.de. In dem kurzen Artikel geht es um einen längeren Beitrag, der aktuell im „Stern" zu lesen ist und in dem die Journalistin Laura Himmelreich als eine der wenigen ihrer Branche ein Tabu bricht. In dem sie von ihrer Begegnung mit FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle berichtet, wirft sie ein Schlaglicht auf den alltäglichen Sexismus in der Politik.

Netzlos

 

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

 

Journalist sein ohne Internet, das kann sich heutzutage kaum noch einer vorstellen: Wie hieß nochmal der Zuständige für das und das? Schau ich mal eben online nach! Heute muss unbedingt noch der Artikel an xy raus. Schick ich schnell per Email. Was für Thema ist gerade in der und der Gruppe relevant? Muss ich gleich ´mal in einem Social Network recherchieren...

Wie abhängig der heutige Journalist vom Netz ist, merkt er besonders, wenn er versucht, den Internetanbieter zu wechseln und trotzdem er alles in seiner Macht Stehende getan hat, um den Übergang reibungslos zu gestalten, mit einem mal drei Wochen ohne Internetanschluss dasteht. Natürlich hat er zu allem Überfluss kaum Rechte, weil er sich auf Anraten der Telefongesellschaft als Solo-Selbstständiger für den günstigeren Privattarif entschieden hat. Oder er merkt es, wenn er unterwegs auf Recherche in Deutschlands Provinz abends im örtlichen Gasthaus sitzt, das eigentlich mit einer Internetleitung ausgestattet ist, diese aber schon seit Wochen inaktiv ist und auch sein Smartphone nur fünf Gehminuten entfernt irgendwo in stockdunkler Nacht bei drei Grad Nieselregen Verbindung zum All aufnimmt.

Letzterem Umstand ist geschuldet, dass es im heutigen Newsletter kaum Verweise auf Blogs oder andersartige online-Angebote geben wird, sondern um ganz altmodische Dinge wie Aufrufe, Preise und reale Treffen geht. 

 

Weihnachten und so

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

Sie suchen noch ein Weihnachtsgeschenk? Vielleicht sogar für einen freien Kollegen? Dann schauen Sie doch in unserem neuen FREISCHREIBER-Shop vorbei. Das Angebot ist reichhaltig und reicht vom FREISCHREIER-Baby-Body über Hartverhandler-I-Phone-Case bis zur Urheber-Tasse. Wer dort nicht fündig wird, der versuche es auf unserer neuen Bücher-Seite. Auch hier ist die Bandbreite groß: wilde Alpen, wilde Radler, wilde Verhältnisse.

Wer FREISCHREIBER-Mitglied ist und in den vergangenen drei Jahren ein Buch veröffentlicht hat, das auf unserer Seite aber nicht zu finden ist, der möge sich bitte unter kontakt-at-freischreiber.de melden, und wir holen das Versäumnis nach.

Was gibt es sonst Neues zu berichten? Viel: Vergangene Woche haben wir den Himmel-Preis direkt in die Enorm-Redaktion getragen und nochmals überreicht, wir haben die Lebkuchenherzen "Ein Herz für Freie" an diverse Medienpolitiker verschickt und die Aufgaben im neuen Vorstand verteilt. Übrigens: auch der Hölle-Preisträger Sonntag aktuell wird nicht leer ausgehen. Wir werden den Preis im Januar 2013 persönlich übergeben.

KOMMT, SEID DABEI : : :

 

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

 

auch schon gehört? Die nächste Zeitung macht dicht. Na, ja – baut erst mal Personal ab. Grad hat es den FREITAG erwischt: ein Viertel der Redakteure soll gehen. Das sind neun Menschen. Neulich bei der FTD waren es über 300, bei der FR könnten es ähnlich viele werden, bei der WAZ rechnet man mit . . . usw. usf.

 

Analysen, Qualität und Innovation

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

die Wogen um die FREISCHREIBER Himmel- und Hölle-Preisverleihung sind geglättet. Zu Nikolaus besuchte der FREISCHREIBER-Vorstand unseren Himmel-Preisträger enorm.  In der aktuellen Ausgabe stellt das Magazin die Frage: "Was muss der Verbraucher bezahlen, wenn seine Produkte einigermaßen anständig hergestellt werden?" Eine Leseempfehlung (nicht nur) für die Leser von Sonntag Aktuell, unserem Hölle-Preisträger 2012.

Tanzen bevor der Sekt verdunstet

Mann, was war das für eine Party am vergangenen Samstag in der Münchener Kranhalle, bei der Preisverleihung des zweiten Himmel- und Höllepreises. Marc Winkelmann Stellvertretender  Chefredakteur von Enorm hatte besonders gut feiern, weil er von uns den Preis für die freienfreundlichste Redaktion in Empfang nehmen konnte. Höllepreisträger Christoph Reisinger Chefredakteur von Sonntag Aktuell kam leider nicht. Auf seinen Preis soll er aber nicht verzichten müssen. Wir werden ihn bei nächste Gelegenheit nach Stuttgart liefern.

Feiern, in diesen Zeiten, mögen Sie fragen? Genau, wir Freien feiern die Feste wie sie fallen.  Würden wir auf passende Anlässe in unserer Branche warten, wäre der Sekt schon seit Jahren verdunstet.

Trotzdem fühlen wir mit den Kollegen, die von Entlassungen betroffen sind und trauern um Auftraggeber, die wir verlieren. Letzte Woche meldete nun also auch Gruner & Jahr - kommunikativ wenig professionell - scheibchenweise das Ende der Financial Times Deutschland.

And the winner is ...

Liebe Leserin, liebe Leser,

die Spannung steigt: An diesem Samstag, 24.11., werden die Gewinner des Freischreiber Himmel- und Höllepreises  bekannt gegeben. Grundlage dafür ist der von uns erstellte Code of Fairness. Nominiert sind für den Himmel, also die fairste Redaktion im Umgang mit Freien, das Magazin "Enorm" (bereits zum zweiten Mal), "mare", das junge Schweizer Magazin "Reportagen" und die Zeitschrift "Solarthemen". Für die Hölle, die Auszeichnung für die fieseste Redaktion im Umgang mit Freien, stehen der Madsack-Verlag, Sonntag Aktuell und das Handelsblatt auf der Liste. Warum die einzelnen Magazine, Zeitschriften, Zeitungen und Verlage für den jeweiligen Preis nominiert sind, können Sie kurz zusammengefasst auf unserer Homepage nachlesen.

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