Der :Freischreiber-Newsletter

Neues von Freischreiber: Lektüreschau, Rechercheanfragen und der Blick in die Bücherstube

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

anbei als vorösterlicher Gruß unsere Lektüreschau, zwei Rechercheanfragen und ein Blick in die Freischreiber-Bücherstube. Wir wünschen gute Unterhaltung!

 

Zunächst unsere wöchentliche Lektüreschau mit Hinweisen auf lesenswerte Artikel:

 

Stephan Russ-Mohl, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Lugano, hat mal ausprobiert, wie sich ein durchschnittlicher freier Journalist so fühlt – und mit der Stoppuhr in der Hand einen Artikel für die "Warum noch Journalismus"-Reihe von sueddeutsche.de geschrieben.
Zehn Stunden hat er gebraucht, was er verdient hat, verrät er nicht, kommt aber zu dem Schluss: "Zur Professionalität, zum Beruf des Journalisten gehört Unabhängigkeit und – ja, auch: ein bisschen Stolz. Unabhängigkeit und Stolz sind mit dem nicht vereinbar, was die Branche derzeit ihren festangestellten Mitarbeitern zumutet und wie kümmerlich sie freie Journalisten honoriert." Hier gibt's den ganzen Text, den hoffentlich auch ein paar Verlagsmenschen gelesen haben (wobei nicht klar ist, ob das was bringt). 

 

Neues von Freischreiber: Lektüre und Diskussionen

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

heute möchten wir mal wieder einen Blick auf die Freischreiber-Seite empfehlen. Dort hat sich in den vergangenen Tagen nämlich einiges getan.

 

Zuallererst gilt es auf unsere Stellungnahme gegen das von den Verlagen geforderte „Leistungsschutzrecht“ hinzuweisen.

Zwar gibt es noch keinen Gesetzentwurf, aber in der Diskussion deutet alles darauf hin, dass die Verlage ein eigenes Recht wollen: eine Art abgespecktes Urheberrecht, mit dem sie gewerbliche Nutzer (= Firmen) zwingen können, in eine neue Verwertungsgesellschaft einzuzahlen.

Das Argument der Verlage: Die Firmen bestellen Print-Abos ab und nutzen stattdessen Online-Medien, zahlen aber nicht dafür (weil ja bisher auch niemand die Hand aufhält).

Was Journalisten angeht, versprechen die Verlage, dass die Urheberrechte nicht angetastet werden, dass Journalisten selbst nicht zahlen müssen, und dass die Autoren (via VG Wort) etwas von den Einnahmen abbekommen.

Neues von Freischreiber: Lektüretipps, ein sexy Radiofeature und eine Studie zum Burnout-Syndrom bei Journalisten

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

ja, ja, ja: Es wird Frühling! Auch wenn draußen hier und da noch Schnee liegt, die Zeichen sind eindeutig. Das heißt aber auch: Es dauert nicht mehr lange, bis man wichtige Botschaften wieder ganz oldschool via T-Shirt verbreiten kann (wer braucht schon Zeitungen, wenn er einen Körper hat?). Wir empfehlen die Journalism-Kollektion von "Fibers" (vielen Dank für den Hinweis an Matthias Spielkamp). Allerdings sind wir selbst noch nicht ganz sicher, welches unser Favorit ist – "I am the Media" oder "Trust me, I'm a Journalist" oder – passend zur anstehenden Hochzeitssaison: "My heart belongs to a journalist"?

Zugegeben, das mit dem Vertrauen und den Journalisten ist so eine Sache, wie der erste unserer

Lesetipps

zeigt. Eine Studie zum Umgang wichtiger Medien in Deutschland mit der Wirtschaftskrise zeigt, dass die Sache, nun ja, sagen wir: hätte besser laufen können. Zusammengefasst in sieben Thesen gibt's die wichtigsten Ergebnisse der Studie bei Carta (der ganze Text ist dort verlinkt). Die in unseren Augen wichtigste Forderung: "Wie können Redaktionen eine demokratische öffentliche Diskussion befördern, deren interne Arbeitsprozesse geprägt sind von Hierarchien, Kostendruck, unsicheren Beschäftigungsbedingungen, Personalabbau und einem vermachteten, teilweise höfischen Meinungsklima? Wir brauchen eine öffentliche Debatte über die Produktionsbedingungen der veröffentlichten Meinung."

 

Neues von Freischreiber: Lektüretipps, Hinweise und der Henri

Guten Tag,

 

zuerst einmal: vielen Dank für die vielen Mails, die wir im Laufe der zurück liegenden Woche bekommen haben! Wir hatten gefragt, ob unser wöchentlicher Rundbrief zu lang ist, wir zu viel Stoff liefern und uns kürzer fassen sollen. Die, die uns geantwortet haben, waren zum allergrößten Teil voll des Lobes, ihnen gefällt der Rundbrief und ist ihnen zu einem lieb gewonnenen Geleiter durch den Dschungel all der lesenswerten Beiträge geworden, die so herumschwirren. Einige lassen den Newsletter auch mal etwas liegen und nehmen ihn sich vor, sobald sie Zeit haben, was natürlich auch völlig in Ordnung ist. Wenige waren dabei, denen wir tatsächlich etwas zu viel Stoff bieten, die aber gut damit leben können. Wir nehmen das als Votum dafür, dass wir so weitermachen können.

 

Kommen wir also zu unseren wöchentlichen Lektüretipps:

 

Neues von Freischreiber: Lektüretipps und gedrückte Daumen

Guten Tag,

 

neulich schrieb uns jemand, er habe endlich mal die Muße gehabt, unsere Lektüretipps in Ruhe durchzugehen und sie mit Gewinn gelesen. Das hat uns sehr gefreut – wirft aber auch die Frage auf, die wir uns mitunter selbst stellen: Ist unser Rundbrief zu lang, steht da zu viel drin, wird er am Ende nur überflogen, weil er zu lang ist? Wen es drängt, kann uns seine Meinung dazu gerne mitteilen: kontakt@freischreiber.de

 

Und jetzt: einige Hinweise und Lesetipps.

 

Hinweis I

 

Geld für Recherchen gebraucht? Hier gibt's welches: Recherchestipendien von bis zu 10.000 Euro gibt's ab sofort für wissenschaftsjournalistische Projekte. Vergeben werden diese "Ad-Hoc-Stipendien" von der TU Dortmund mit Mitteln der Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen der Initiative Wissenschaftsjournalismus, die u.a. auch von der BASF getragen wird (sagen wir mal lieber dazu).
Ziel ist es, "mutige, anspruchsvolle Rechercheprojekte" zu fördern und die "Urteilsfähigkeit von Journalisten" zu stärken. Gefördert werden deshalb:

• innovative Herangehensweisen & Umsetzungen von komplexen Wissenschaftsthemen,

• Forschungs- und Studienaufenthalte in Forschungseinrichtungen weltweit,

• Recherchen zu gesellschaftspolitisch relevanten Fragen der Wissenschaft,

• investigative Recherchen.

Weitere Informationen unter www.initiative-wissenschaftsjournalismus.de

 

Hinweis II

 

Neues von Freischreiber: Kurze Lektüreliste und ein paar Termine

Liebe Empfängerinnen und Empfänger unseres Rundschreibens,

 

heute gibt es nur einen kurzen Brief von uns, und das nicht etwa, weil wir unter den Nachwehen des all zu heftigen Schunkelns und Trinkens im Karneval litten (der Freischreiber-Newsletter wird nicht in Köln oder einer der anderen Hochburgen des Frohsinns gemacht), sondern weil wir diesmal nur die ganz kleine Auswahl an Lesetipps für Sie haben. Aber heute beginnt ja ohnehin traditionell die Fastenzeit, passt also. 

Passend dazu auch die Serie "Wozu noch Journalismus?" auf sueddeutsche.de, wo aktuell Jakob Augstein den Journalisten eine Art Bußpredigt hält. Diskutiert wird allerdings mitunter ganz woanders über die dort erschienen Texte, aber das haben Sie wahrscheinlich längst mitbekommen. 

Da kann man nur hoffen, dass die allgemeine Fasterei nicht auch noch ein paar Verlage auf neue Diät- und Sparrundenideen bringt. Nicht nur, weil für viele Freie ja ohnehin schon ganzjährig Fastenzeit angesagt ist, sondern weil Diät und Denken noch nie gut zusammengingen. Wer allerdings noch immer unverrückbar daran glaubt, dass Denken und schlaue Inhalte für Journalismus irgendwie erforderlich wären, der lese Felix Zimmermanns Anleitung zur Errichtung eines lokalen Meinungsmonopols und staune

 

Wer jetzt zweifelt, findet vielleicht Trost bei einer der Freischreiber-Regionalgruppen, die  für heute abend zu ihren Treffen einladen:

 

Neues von Freischreiber: Aus der FAZ abschreiben, Lektüreschau und Hinweise

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

den ganzen Morgen schon haben wir überlegt, ob wir den Inhalt unseres wöchentlichen Rundbriefes heute mal aus der FAZ zusammen suchen, also alles das, was dort schon hundertmal gedacht und gesagt wurde, aufsaugen und bündeln, um es "in etwas ganz Neues, Unerhörtes zu verwandeln"*. Wir haben uns jetzt dagegen entschieden, weil die FAZ unser Lebensgefühl einfach nicht widerspiegelt.

 

Aber stellen Sie sich mal vor, liebe Leserin und lieber Leser, wir hätten das gemacht. Ob uns die FAZ dann auch so gelobt hätte, wie ihre Rezensentin die Jung-Autorin Helene Hegemann für ihren Roman Axolotl Roadkill lobt, den sie aus bestehendem Material zusammen geschrieben hat? Man weiß es nicht, die FAZ ist in dieser Sache unberechenbar – mal hält sie Abschreiben im großen Stil für bedeutende Literatur, mal wettert sie gegen das Internet, weil Zeitungen dort im großen Stil beklaut würden. Wolfgang Michal hat diesen Widerspruch für carta sehr schön zusammengefasst, weshalb wir hier darauf verweisen.

 

Darüber hinaus haben wir wieder einige Lektüretipps für Sie zusammengestellt, außerdem gibt es wie immer einige Hinweise.

 

Neues von Freischreiber: Auf in die Zukunft, Termine und Hinweise

Guten Tag, verehrte Leserinnen und Leser,

 

Freischreiber kümmert sich ja eigentlich um die Belange freier Journalisten. Aber manchmal läßt uns auch die Welt der Festangestellten keine Ruhe, so wie derzeit die Situation im Neven DuMontschen Zeitungsimperium.

 

Was haben sich die Kolleginnen und Kollegen bei der Berliner Zeitung gefreut, als nach den katastrophalen Zuständen unter Montgomery und Depenbrock dieser seriöse Sir aus Köln das Hauptstadtblatt erwarb. Als dann auch noch die Redaktionsspitze mit den Leuten von früher bestückt wurde, schien tatsächlich alles gut zu werden.

 

Und jetzt? 

 

Sie klappern mit den Zähnen, die Angst ist groß, denn genau die Leute, die vorher vehement gegen die Sparmaßnahmen Montgomerys protestierten, vollziehen jetzt, was der immer wollte: Er nannte es eine "Zeitungskette", in der die einzelnen Blätter so miteinander kooperieren, dass es der Rendite des Verlags gut tut; sie nennen es Redaktionsgemeinschaft, in der in einer eigenen Firma 25 Leute für Frankfurter Rundschau, Mitteldeutsche Zeitung, Kölner Stadt-Anzeiger und Berliner Zeitung aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft berichten. Wer weiß, vielleicht ist das erst der Anfang, und bald schreiben die 25 auch noch für die anderen Zeitungen des Imperiums. Und dann machen ein paar Leute alles.

 

Neues von Freischreiber: Die Zukunft und das Jetzt, Lektüretipps und Termine

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

heute melden wir uns wieder mit unserem wöchentlichen Rundschreiben. Wieder haben wir aus den unüberschaubaren Weiten und unzähligen Verästelungen des Internets einige lesenswerte Texte heraus gefischt. Es geht vor allem um die Frage, ob Verlage in Zukunft überhaupt noch so unersetzlich sein werden, wie sie es lange waren. Und ist der Rettungsanker namens Leistungsschutzrecht, den sie ausgeworfen haben, überhaupt tauglich, um Qualitätsjournalismus auch im Internet-Zeitalter zu sichern? Lesen Sie selbst:

 

Heute vor einer Woche wurde auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung und irights.info in Berlin über das Leistungsschutzrecht diskutiert, das die großen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage so gerne hätten, um ein bisschen was von Google und all den anderen angeblichen Großverdienern im Netz abzubekommen. Neben dem Leistungsschutzrecht-Beauftragten des Axel Springer-Verlags, Christoph Keese, saßen auch wir auf dem Podium – und warfen die Frage auf, ob Verlage und Qualitätsjournalismus wirklich so untrennbar miteinander verbunden sind, wie es die Verlage gerne behaupten. Schließlich sind viele Verlage selbst nicht mehr bereit, für Qualitätsjournalismus zu zahlen, wie man z.B. an den Honoraren für freie Autoren sehen kann.

Neues von Freischreiber: Der kleine Tarifrechner wird unersetzlich, außerdem: Termine und wichtige Infos

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

es folgen – wie beinahe jeden Mittwoch – einige Hinweise von Freischreiber, dem "kleinen, jungen, flexiblen und onlineaffinen" Berufsverband freier Journalistinnen und Journalisten.

 

Die Zeiten, in denen unser kleiner Tarifrechner ein unersetzliches Arbeitsinstrument für freie Journalisten wird, rücken immer näher: Die beiden etablierten Journalisten-Gewerkschaften DJV und dju/Verdi haben den "Gemeinsamen Vergütungsregeln" für hauptberuflich freie Tageszeitungsjournalisten zugestimmt, die sie in jahrelangen Verhandlungen mit dem Zeitungsverlegerverband BDZV ausgehandelt haben. Nur noch dessen Zustimmung steht aus, bevor die Honorarvereinbarung am 1. Februar in Kraft tritt. Wir finden das bedauerlich, denn die Honorare schreiben fest, dass Tageszeitungsjournalismus nichts ist, von dem man leben kann. Dass Gewerkschaften so etwas zustimmen, ist merkwürdig. Zumindest die dju ist so ehrlich und schreibt, "berauschende Honorarsätze" seien nicht erzielt worden.

 

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