Tut Buße, denn der Himmel- und Höllepreis 2013 ist nah!

Zwar betreiben freie Journalisten das ganze Jahre über Honorar-Fasten, üben Spesen-Verzicht  und opfern ihre Rechte – aber trotzdem setzen wir den Startschuss für den Himmel- und Höllepreis 2013 zum Beginn der Fastenzeit. Denn bis zum letzten Abendmahl, der Himmel- und Höllepreisverleihung am 16. November in Berlin, bleibt so für potentielle Hölle-Kandidaten genügend Zeit, in stiller Einkehr Buße zu tun und unfaire Redaktions- und Verlagspraktiken gegenüber Freien entsprechend unseres Code of Fairness zu ändern. Wer diesen unterzeichnet, dem ist das Himmelreich sicher!

Ab heute sammelt die Vorjury wieder Vorschläge zur Nominierung der Himmel- und Hölle-Kandidaten. Redaktionen aber auch ganze Medienhäuser und Verlage, die den freien Journalisten das Leben zur Hölle machen, und natürlich solche, die die den Freien himmlische Bedingungen bieten, können nach den Statuten des Himmel- und Höllepreises ab jetzt nominiert werden. Hinweise auf schlechte Arbeitsbedingungen, Honorare, Verträge oder Absprachen aber auch auf faire Bezahlung und gute Zusammenarbeit schicken Sie bitte an nominierung -ät- freischreiber.de.

Interessante Kandidaten werden wir in loser Reihenfolge in diesem Blog vorstellen.

Das war der Himmel- und Höllepreis 2012

Der Himmelpreisträger 2012

Der Höllepreisträger 2012

Statuten des Himmel und Hölle-Preises

Der Code of Fairness

Flimmern und Rauschen

Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern: 1978 hat der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt ein bemerkenswertes Plädoyer für einen fernsehfreien Abend gehalten. Der Aufruf wurde, jedenfalls von der Mehrheit, nicht befolgt, gab aber Anstoß zu einer gesellschaftlichen Diskussion.

Fernsehfreier Abend? Mittlerweile wissen wir vor lauter Kanälen und Sendern gar nicht mehr, wo wir hinzappen sollen. Soviele Programmplätze müssen bestückt werden. Von Autoren, Regisseuren, Kameraleuten, Tontechnikern, Cuttern und vielen anderen. Lange Zeit galt die Tätigkeit beim Fernsehen als „in“. Auch viele Printkollegen schielten zu den Anstalten. Immerhin ein Medienberuf mit Glanz und Glamour, sollte man meinen. Und dazu kamen Gerüchte, dass man dort wohl auch viel Geld verdienen könne.

Aber die Wirklichkeit sieht längst ganz anders aus. In einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) stellte sich heraus, dass die Autoren im Dokumentarischen einen Stundenlohn von sage und schreibe unter 10 Euro haben. Die Arbeitsbedingungen vor allem der Freien Kolleginnen und Kollegen haben sich in den vergangednen Jahren immer weiter verschlechtert.
Mittlerweile wollen die Fernsehschaffenden aber diese Situation nicht mehr einfach so hinnehmen.

In Leipzig hat sich nun die Interessengemeinschaft Freie Fernsehschaffenden (IG-FF) gegründet. Auch "bei den freien Fernsehschaffenden ist das Maß voll" meinen die Fernsehkolleginnen und Kollegen. In einem Brief an die Intendantin des MDR formulierten sie ihren Ärger: „Als das erfolgreichste dritte Programm lässt sich die Dreiländeranstalt MDR feiern. Doch im Schatten dieses Erfolgs wachsen die wirtschaftlichen Probleme von freien Fernsehschaffenden. Die, die einen großen Teil des Programms liefern, müssen seit über 15 Jahren gleichbleibende oder sogar sinkende Honorare und unbezahlte Überstunden hinnehmen und sich gegen die ständige Verletzung ihrer Urheberrechte wehren.“ Den Brief haben bisher über 100 Kameraleute, Cutter, EB-Techniker und Autoren namenlich unterzeichnet.

Wir gratulieren zur Gründung. Es kann gar nicht genug Stimmen für Freie in allen Disziplinen geben. Und wir sollten bald überlegen, wie wir gemeinsam für die Verbesserung unserer Arbeitsbedingungen eintreten können. Wer weiß, vielleicht bleibt ja eines Tages die Glotze wirklich mal dunkel. Wir wünschen derweil einen schönen Fernsehabend.

Gesetz auf Bestellung

Eigentlich müsste es eine tolle Story für jeden Politikjournalisten sein: Die Geschichte eines Gesetzes, das ein Konzernlobbyist vorschlägt, das es bis in den Bundestag schafft, obwohl alle maßgeblichen Fachleute dieses Gesetz für unnötig und sogar verfassungswidrig halten.

Prima Geschichte , eigentlich, für FAZ, Bild und Süddeutsche. Nur leider hat sie in diesen Zeitungen kaum eine Chance. Denn bei dem geplanten Gesetz geht es um – das Leistungsschutzrecht. Und damit um die Interessen der Presseverlage selbst, die zwar gerne lobbyierende Hoteliers anprangern, natürlich aber niemals sich selbst.

Die Vorgeschichte wollen wir nicht noch einmal wiederholen, wir haben oft genug darüber geschrieben. (Wer Nachholbedarf hat, klickt hier und findet unten alle wichtigen Stellungnahmen verlinkt.)

Stand der Dinge jedenfalls ist: Die Zeitungs-Lobbyisten sind schon ziemlich weit gekommen. Das Justizministerium hat fast alle ihre Wünsche erfüllt und einen Gesetzentwurf vorgelegt, demzufolge Suchmaschinenbetreiber und Aggregatoren wie Google dafür bezahlen sollen, dass sie auf Artikel von Presseverlagen verlinken. Jetzt ist der Bundestag am Zug.

Pause bei der ersten Anhörung zum Leistungsschutzrecht, 2010

Die Politikjournalisten bekommen, eigentlich, immer neuen Stoff für ihre Story. Verwunderlich war schon, dass die erste Lesung des Gesetzes am 29.11. kurz vor Mitternacht auf der Tagesordnung des Bundestags stand. Aber morgen, am 30. Januar, geht es weiter mit den Merlwürdigkeiten. Dann nämlich steht die Anhörung im Rechtsausschuss auf dem Programm. Und tatsächlich darf dort, neben anderen Sachverständigen, noch einmal derjenige seine Argumente vortragen, der das Leistungsschutzrecht überhaupt erst so weit gebracht hat: Christoph Keese, Cheflobbyist des Axel-Springer-Verlags. Er ist geladen, obwohl zudem ein Professor der Kölner Fachhochschule sprechen wird, der ein Auftragsgutachten der Verlegerverbände VDZ und BDZV vorträgt.

Ein ziemlich hohes Aufkommen von Verlagsmenschen in der Anhörung, finden wir. Wie es dazu kam, hat Stefan Niggemeier recherchiert. Und man ahnt , wie die Sache ausgehen wird. Schließlich steht das Leistungsschutzrecht, Keese und Co sei Dank, im Koalitionsvertrag. Wen schert es da, dass sich maßgebliche Urheberrechtsprofessoren sich in einer Stellungnahme ebenso gegen das Gesetz ausgesprochen haben wie der Deutsche Anwaltsverein.

Wen kümmert es, dass alle unabhängigen Beobachter kritisieren, das Gesetz schaffe massive Rechtsunsicherheit, lasse Deutschland zum Internet-Entwicklungsland degenerieren, sei unnötig und möglicherweise sogar verfassungswidrig.

Und wen stört es schon, dass die meisten wirklichen Urheber, darunter auch Freischreiber, gegen das Gesetz sind und wir dies bei Regierungsanhörungen und Hintergrundgesprächen mit Ministerien und Politikern stets vertreten haben. Denn dieses neue Recht ist rückwärtsgewandt und es vergrößert das Ungleichgewicht der Verhandlungsmacht zwischen Verlagen auf der einen und Autoren auf der anderen Seite.

Vor allem aber sind wir dagegen, weil die Verlage einerseits laut darüber jammern, dass Google und Co ihre Leistungen im Internet ausbeuten ohne sie an den Einnahmen zu beteiligen, und dabei heimlich und leise genau das gleiche mit den Urheberrechten der Autoren tun.

So veröffentlicht fast jeder Verlag heute Print-Artikel auch im Internet, ohne die Autoren dafür gesondert zu honorieren, so zum Beispiel auch unser Hölle-Preisträger Sonntag aktuell. Und selbst die gesetzlich vorgeschriebenen Vergütungsregeln für freie Journalisten an Tageszeitungen werden von den meisten Verlagen geflissentlich ignoriert.

Warum aber sollte man sich als Verlagsmensch auch an bestehendes Recht halten, wenn man auf Wunsch ein hübsches neues Gesetz geschenkt bekommt, zugeschnitten ganz auf die eigenen wirtschaftlichen Bedürfnisse?

Wie gesagt, es gäbe viel Stoff für eine spannende Story. Wir könnten da mit hübschen Details dienen. Aber leider wird man sie in den Produkten der etablierten Verlage vergeblich suchen.

Zu Besuch in der Hölle

Wir hatten uns schon Sorgen gemacht. Unser Hölle-Preis-Träger Sonntag Aktuell hat bis heute nicht auf den von 31 freien Autoren unterzeichneten offenen Brief geantwortet, und auch nicht auf unsere schriftliche Einladung zur Himmel-und-Höllepreisverleihung im November in München. Vielleicht hat Sonntag Aktuell ja Probleme mit der Post, dachten wir uns da.

Deshalb haben sich am eiskalten Mittwoch Benno Stieber und Kathrin Hartmann vom Freischreiber-Vorstand auf den Weg nach Stuttgart gemacht, um der Redaktion den Hölle-Preis persönlich zu überreichen. Den hatte sich die Sonntagszeitung der Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, sowie über 20 Lokalzeitungen in Baden-Württemberg (Gesamtauflage 420.461).

redlich verdient, weil die Zeitung Texte und Fotos ihrer Autoren ohne sie zu fragen und ohne zusätzliche Vergütung an ihr neues Reiseportal fernweh-aktuell.com und die Münchner Abendzeitung vertickt hat.

Die Jury befand diesen Umgang mit freien Autoren für so kaltschnäuzig, dass Sonntag Aktuell „ein besonders warmes Plätzchen in der Hölle“ gebühre.

Wider Erwarten wurden die Freischreiber, zur Dokumentation des Überfallkomandos vom Fotografen Thomas Bernhard begleitet, nicht direkt an der Pforte abgewimmelt, sondern in die Redaktion vorgelassen. Christoph Reisinger, als Chefredakteur der Stuttgarter Nachrichten auch verantwortlich für Sonntag Aktuell, weilte leider im Urlaub, so wurde die Delegation vom etwas zerknirschten Chef vom Dienst und schließlich vom stellvertretenden Chefredakteur Wolfgang Molitor empfangen.

Von Freischreiber und dem Hölle-Preis habe er schon mal gehört – der Brief, der ihm ebenfalls nochmals überbracht wurde, war ihm nicht bekannt. Das sei wohl eine zweifelhafte Auszeichnung, fand Molitor, nahm sie aber dann doch entgegen. Die Skulptur aus Pozellanpapier werde eher keinen Ehrenplatz bekommen, meinte er.

In der anschließenden kurzen Diskussion über die Vergütung und die Beteiligung freier Autoren an Mehreinnahmen, die durch den Verkauf ihrer Texte erzielt werden, wand sich Molitor mit der Begründung, Beteiligung an Gewinnen sei nicht die Philosophie des Haues, aber man zahle im Vergleich zu anderen ordentliche Sätze für Reportagen. Ein gewagte Behauptung, denn tatsächlich werden Reisreportagen bei den Stuttgarter Nachrichten wie bei Sonntag Aktuell nur nach den (geringeren) Vergütungssatz für Nachrichten und Berichte bezahlt.

Am Schluss gab's noch eine kleine Lektion in Sachen Marktwirtschaft. Bei der Frage, wie künftig Journalismus finanziert werde, säßen Redakteure und Freie doch in einem Boot, fand Molitor. Allerdings sei in dieser Situation der Redaktion das Hemd (angestellte Redakteure) näher als die Hose (freie Journalisten). So würden Reisegeschichten heute zunehmend im eigenen Haus geschrieben, sagt Molitor. Die Alternative zu den Knebelbedinungen wäre, drohte er, gar nicht mehr mit Freien zu arbeiten.

Wir wagen mal zu bezweifeln, dass die Stuttgarter Nachrichten und Sonntag Aktuell personell so üppig ausgestattet sind, dass sie die Redakteure etwa wochenlang auf Pressereisen schicken können. Aber auf ernsthafte Gespräche mit der Südwestdeutschen Medienholding lassen solche Äußerungen nicht hoffen. Auf angemessenen Honorare auch nicht.

Man zahle die Honorare, weil sie akzeptiert würden, sagte Molitor und empfahl Freien, ihr Angebot zu verknappen. Recht hat der Mann.

Freischreiber empfiehlt deshalb: Besser keine Texte mehr für Sonntag Aktuell.

 


Freier Journalismus in der Lindenstraße

Denken Sie kurz an eine dramatische synthetische Streichermelodie und schauen Sie dabei auf eine Ansichtskarte aus München, die die Frauenkirche, den Alten Peter und das Rathaus zeigt. Oder gucken Sie gleich sonntags 18.50 Uhr Lindestraße im Ersten. Denn die Serie, die bekannt ist dafür, aktuelle Themen stets gesellschaftskritisch aufzugreifen und an das ein oder andere Tabu zu rühren, beschäftigt sich endlich mit uns! Nach dem ersten schwulen Kuss im deutschen Vorabendprogramm, nach Sterbehilfe, Stalking, Integrationsproblemen, Kuckuckskindern, Abtreibungen, Zwangsprostitution, Rechtsextremismus, Drogen, Mord und Totschlag wird jetzt der Alltag freier Journalisten thematisiert!

Was bisher geschah: Klaus Beimer hat eine ordentliche Karriere hingelegt. 2000 erhält er eine erste Redakteursstelle bei einer Tageszeitung, 2004 arbeitet er zusätzlich für eine Münchner Boulevardzeitung, 2005 macht er ein Praktikum bei einem Auslandskorrespondenten in Südafrika, danach arbeitet er einige Zeit als freier Journalist für den „Münchener Kurier“ und macht sein Diplom (Kommunikationswissenschaften und Soziologie). Nach einer Enthüllungsreportage bekommt er ein Volontariat bei einer Zeitschrift. Zuletzt arbeitete Klaus Beimer er als Pressereferent für eine christlich-konservative Partei, warum er dort aufgehört hat, ist jetzt zu kompliziert zu erklären, aber: seither arbeitet er als freier Journalist. Und weil ein erhoffter Buchvertrag nicht zustande kam und er nur nach festen Stellen gesucht hat, befällt Klaus pünktlich zum Cliffhanger die Panik: „Ich hätte auch nach freien Jobs suchen müssen. Jetzt ist es zu spät. In zwei Monaten bin ich Hartz IV-Empfänger!“

Wie wird es weitergehen? Wird Klaus Beimer endlich Freischreiber-Mitglied?

So sehen Sieger aus

Sechs Tage vor Weihnachten überbrachten die Freischreiber-Vorstandsmitglieder Jakob Vicari (2. von links) und Angelika Ohland in Hamburg den Himmel-Preis 2012 an das enorm-Team Marc Winkelmann (von links), Thomas Friemel, Lillian Siewert und Christiane Langrock-Kögel. Wir finden: enorm steht vorbildlich für fairen Umgang mit freien Autoren. Die fragile Origami-Faltung aus Porzellanpapier – von der Künstlerin Kristina Wißling für Freischreiber gestaltet – ist für lange Zugfahrten eher weniger geeignet. Und so haben wir den Preis, der zur Verleihung am 24. November in München bereits bis in die Morgenstunden gefeiert worden war, nun sicher persönlich an seinen Platz in die enorm-Redaktion gebracht. Das Magazin für nachhaltiges Wirtschaften ist nach brand eins die zweite Redaktion, die auf unseren Himmel-Preis stolz sein darf. Die Freischreiber gratulieren!

Wir haben zusammen mit den enorm-Kollegen schon in die Zukunft gedacht. Im Gespräch am Konferenztisch ging es um Crowdfunding, Stiftungsgelder und andere Wege aus der Zeitungskrise. Bei enorm schmeckte auch der Kaffee gehaltvoll – war es vielleicht auch deshalb so anregend?

Care-Paket für Medienpolitiker

Ist Ihnen auch so heimelig zu Mute? Der Glühwein duftetet und die Kerzen glimmen es ist die Zeit der Päckchen und warmen Worte.

Da wollten wir nicht zurückstehen und haben ein Lebkuchenherz in ein freischreibergrünes Nest gelegt und an die 27 wichtigsten Medienpolitikern unseres Landes und auch der Bundeskanzlerin geschickt. Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat natürlich ein bekommen. Sie hatte ja angekündigt, dass in den nächsten Jahren viele kleinere Veränderungen im Urheberrecht notwendig werden.

Das sehen wir genauso. Uns wäre dabei wichtig, dass auch bei konkreten Reformen die Urheber nicht aus dem Blick geraten. Deshalb haben wir noch einmal auf die wichtigsten Punkte hingewiesen.

Ein Leistungsschutzrecht gehört aus unserer Sicht nun wirklich nicht dazu. Das sagen nicht nur wir nun schon seit Jahren. Umso schlimmer, dass es nun gerade dieses neue Recht sein wird, was von der Regierung Merkel in der Medienpolitik bleiben wird.

Wir werden in den Debatten auch im kommenden Wahljahr die Stimme der Urheber erheben. Bis dahin wünschen wir auch den Medienpolitikern geruhsame Feiertage und ein wenig innere Einkehr.

Langspieldruckplatte

Sie mögen guten Journalismus? Wir können auch lang! In unserer frisch eingerichteten Freischreiber-Bibliothek finden Sie alle aktuellen Bücher der Freischreiber-Mitglieder. Freie sind eben keine Zeilenschinder. In den Büchern können Sie sehen, was passiert, wenn ein freier Journalist mal richtig viel Platz hat. 

Wir stellen nicht immer die großen, aber die wichtigen Fragen:

Vom Erziehungsratgeber bis zum Roman, von der Reportagensammlung, über den Reiseführer bis zum Kinderbuch: In unserer Bibliothek finden Sie über fünfzig Bücher aus unseren Reihen; es sind Bücher zum Entdecken, zum Besprechen und zum Verschenken. Mit jedem Kauf unterstützen Sie die Arbeit von Freischreiber e.V. Loslesen!

Endlich schwarz – endlich frei?

Liebe Kolleginnen und Kollegen der Gruner+Jahr Wirtschaftsmedien,

Nach 13 Jahren ist am Freitag die letzte Ausgabe der Financial Times Deutschland erschienen. Heute beginnt die Zukunft für Sie.

Werden Sie frei arbeiten?

Wir  verstehen sehr gut, warum es Ihnen vor einer Freien-Existenz grausen könnte. Besonders in diesen Zeiten. Wir kennen sie, die Unsicherheiten, ob zäh verhandelte Honorare pünktlich bezahlt werden, wir kennen den Ärger über manchmal unverschämte Auftraggeber und den Groll über Verlage, die sich in der öffentlichen Debatte scheinheilig in die Rolle der Urheber drängen.

Aber wir lieben diesen Beruf  gerade außerhalb der geschützten Redaktionsstube. Und wir können Ihnen versichern: Gerade der Wirtschaftsjournalismus bietet für Freie noch gute und auch auskömmliche Nischen. Das beweisen die beiden bisherigen Preisträger unseres Freischreiber-Himmels Brand Eins und enorm.

Als Freie haben nicht wenige unserer Mitglieder gut und kooperativ mit Ihnen in der FTD zusammengearbeitet. Wir möchten Sie deshalb heute einladen, die Zukunft des Qualitätsjournalismus bei Freischreiber weiter zu entwickeln. Der freie Journalismus braucht Kollegen wie Sie mit Pioniergeist und Hartnäckigkeit, Ihrem Wissen und Humor.

Wer sich selbstständig macht, braucht ein Netzwerk. Dieses Netzwerk bilden die fast 500 Freischreiber seit vier Jahren.
Wir machen Ihnen deshalb ein Angebot: (Und das gilt selbstverständlich auch für alle arbeitslosen Kollegen von dapd, Frankfurter Rundschau, Prinz, Welt und Abendblatt und Spiegel TV.)
Nutzen Sie unser Netzwerk für Ihren Neustart! Freischreiber unterstützt Sie  mit drei Monaten kostenloser Mitgliedschaft.* Kommen Sie vorbei auf einem unserer Regionaltreffen, stellen Sie Ihre Fragen, diskutieren Ihre  Business-Pläne mit erfahrenen Freien und lassen Sie uns über die Zukunft des Journalismus reden. Bis bald!


* Für die Probemitgliedschaft genügt eine formlose Mail an mitgliedschaft@freischreiber.de mit Name, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Die Mitgliedschaft endet automatisch am 31.3.2013, wenn bis dahin kein Aufnahmeantrag gestellt wird.
 

München im Himmel

Von links: Simone Schellhammer (Vorjury), Wolfgang Michal (Jury), Hannes Grassegger (Reportagen), Marc Winkelmann (Enorm), Benno Stieber (Vorsitzender), Kathrin Hartmann (Rednerin), Kai Schächtele (Moderator), Bernd Oswald (Vorjury). Foto: Jakob Michael Berr

Drei Stühle blieben leer, gleich vorne in der ersten Reihe rechts der Bühne. Wir hatten sie für die Hölle-Nominierten reserviert. Eigentliche keine Überraschung – denn was die drei Kandidaten Madsack-Verlag, Sonntag Aktuell und Handelsblatt vereint ist, dass sie auf den Austausch mit ihren Autoren und insbesondere auf deren Meinung keinen gesteigerten Wert legen.

So konnten wir bei der gestrigen Preisverleihung in der Münchner Kranhalle dem Gewinner Sonntag Aktuell den Hölle-Preis leider nicht persönlich überreichen. Doch das rettet die Redaktion keinesfalls vor dem Schwefelpfuhl: Seit einem Jahr liefert diese Texte und Fotos ihrer Autoren ohne zusätzliche Vergütung an ihr neues Reiseportal fernweh-aktuell.com und an die Münchner Abendzeitung. Auf den offenen Brief von 31 derart enteigneten Autoren reagierte Sonntag Aktuell nicht einmal. Die Jury befand diesen Umgang mit freien Autoren für so kaltschnäuzig, dass Sonntag Aktuell „ein besonders warmes Plätzchen in der Hölle“ gebühre.

„Für echte Verleger ist Journalismus das Ziel und Geld das Mittel. Nicht umgekehrt“, schrieb einmal der freie Kollege Stefan Niggemeier, der auch der achtköpfigen Jury des Himmel- und Höllepreises in diesem Jahr angehörte. In diesem Sinne hatte Freischreiber vier echte Verleger für den Himmelpreis nominiert: Enorm, Mare, das Schweizer Magazin Reportagen und den Branchendienst Solarthemen. Verliehen wurde der Himmel-Preis schließlich an Enorm, die bereits zum zweiten Mal von den Freischreiber-Mitgliedern nominiert wurde. Damit würdigte die Jury die fairen Arbeitsbedingungen auf Augenhöhe und die angemessene Bezahlung des kleinen Social Publish Verlags aus Hamburg. „Es ist eine besondere Leistung, wenn junge und (noch) kleine Unternehmen sich so fair und sozial verhalten, wie es die großen Medien-Unternehmen locker könnten und nicht tun“, sagt Jury-Mitglied Wolfgang Storz.

Marc Winkelmann, stellvertretender Chefredakteur von Enorm, war nach München gekommen, um den Preis entgegen zu nehmen. Auch der Ressortleiter Deutschland Hannes Grassegger von Reportagen war aus Bern angereist.

Warum es gerade diesen beiden jungen, von großen Verlagen unabhängigen Magazinen gelingt, ihre freien Autoren in den Himmel zu heben?

Auch aus eigenem Interesse. Nur wer mit seinen Autoren gut zusammenarbeitet, bekommt auch gute Texte, sagten Winkelmann und Grassegger übereinstimmend. Ein Heft wie Reportagen, das sich auf ausführliche, lange und aufwändig recherchierte Geschichten spezialisiert, könne gar nicht anders, als intensiv und auf Augenhöhe mit den Autoren zusammenzuarbeiten.

„Ich habe noch nie verstanden, warum Redakteure schlecht mit ihren Autoren umgehen“, sagte Marc Winkelmann. Das schlägt sich unweigerlich auch auf die Qualität der Texte nieder. Außerdem müsse ein Magazin, das sich mit sozialem Unternehmertum beschäftigt, auch selber an diesen Maßstäben messen lassen. Womöglich hat der unbedingte Wille beider, vorbildlich mit Autoren umzugehen, seinen Grund auch darin, dass sowohl Winkelmann als auch Grassegger selbst einmal frei arbeiteten und, so Grassegger, dabei selber „schmerzhafte Erfahrungen“ gemacht hätten.

Nach der Preisverleihung wurde getanzt, getrunken und geschmust bis in die frühen Morgenstunden.


>> Hier können Sie unsere Pressemitteilung herunterladen.
 

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