Freie Journalisten bekommen nur selten Journalistenpreise. Warum?
Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass freie Journalisten bei Preisverleihungen meistens leer ausgehen? Es gewinnen fast immer nur Redakteure. Das nervt.
Wir Freischreiber haben deshalb zwölf mögliche Gründe für diesen Umstand zusammengestellt. Bitte sagen Sie uns, welche Begründung Ihrer Meinung nach am ehesten zutrifft. Sie können darüber abstimmen und/oder weitere Gründe in der Kommentarspalte nennen. Also:
Freie Journalisten bekommen nur selten Journalistenpreise....
- weil sie unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen arbeiten als Redakteure (38 Stimmen).
- weil sich die Redakteure die interessanten Themen herauspicken und den freien Journalisten den Rest überlassen.
- weil sie mit Geschichten weniger verdienen und deshalb auch weniger Zeit für Recherche und Textarbeit aufwenden können (36 Stimmen).
- weil große Themen und große Geschichten fast nie an freie Journalisten vergeben werden.
- weil sie nicht von hauseigenen Abteilungen auf Einreichungsfristen für Journalistenpreise hingewiesen werden.
- weil viele Chefredaktionen nur die Texte ihrer eigenen Leute einreichen (36 Stimmen).
- weil sie in der Regel schlechter sind als festangestellte Journalisten.
- weil es kaum noch verlags-unabhängige Jurys gibt.
- weil freie Journalisten im Branchenklatsch nicht so präsent sind.
- weil die großen Medienhäuser die von ihnen gestifteten Preise am liebsten unter sich aufteilen.
- weil sich Chefredakteure mit Preisen für freie Journalisten nicht so schmücken können wie mit Preisen für eigene Redakteure (43 Stimmen).
- weil der „Spiegel“, der viele Journalistenpreise abräumt, praktisch keine freien Journalisten beauftragt.
Und hier geht’s zur Abstimmung (Mehrfachnennungen sind möglich)
Update 9.3.: Bis heute, 11.00 Uhr, haben 70 Leute abgestimmt. Die meisten Stimmen haben die oben gefetteten Antworten erhalten (in Klammern: die bisher erreichten Stimmen).
Kommentare
Lieber festangestellter "Wissenschaftsjournalist"
(Sie sind doch fest angestellt - oder hab ich da was missverstanden?),
endlich kommt hier ein bisschen Leben in die tote freischeiber-Bude! Danke dafür!
Leider bin ich von Ihrem Gegenargument ("Ist mir wurscht!") total enttäuscht. Und dass das gleich zweimal kommt, ist irgendwie auch nur mittelsuper.
Könnten Sie mir wohl noch auf der inhaltlich-faktenbezogenen Ebene antworten? Das fände ich nämlich wirklich mal spannend!
Das Gute bei uns Freien ist ja, dass wir auch mehr arbeiten dürfen.
Das meine ich nicht ironisch. Ich sehe mich rund um die Uhr im Einsatz. D. h. 20 Tage im Monat wäre mir deutlich zuwenig.
Als Selbstständiger hat man eben keinen Beamtenjob, und das ist auch gut so.
Wir dürfen nicht nur mehr arbeiten, sondern auch mehr verdienen.
Dass davon nur die wenigsten Gebrauch machen (können), ist aber auch klar. Dass die Bezahlung oftmals unter der eines Taxifahrers liegt, der ja auch rund um die Uhr fahren kann, finde ich katastrophal.
Wissenschaftsjournalist schrieb :" [...] kleines, kritisches und sehr unkonventionelles Fachblatt [...]"
Wenn es so unkoneventionell ist, frage ich mich, warum nur promovierte Naturwissenschaftler in Frage kommen. Ich weiß, die Problematik wurde schon dargelegt, aber: Ich kann mir aber wirklich nicht vorstellen, dass es da draußen niemanden geben soll, der nicht adäquat über solche Themen, auch im Hinblick neuester Forschungsentwicklungen, schreiben kann. Vielleicht ist es gerade eine Chance, wenn man nicht selber in der Bio- Medizin- und was weiß ich noch-Tretmühle drin ist. Das sollte denjenigen unabhängiger werden lassen. Und das war ja von Ihnen explizit nachgefragt.
Aber gut, das ist ja auch nur ein Beispiel gewesen. Grundsätzlich ging es um den Professionalisierungsgrad von freien Journalisten, den ich abseits dieses speziellen Problems als durchaus gegeben sehe. Und wie immer gilt: "Ausnahmen bestätigen ..."
Liebe Margot,
wenn Sie hier schon irgendwelche Berechnungen ihres "Existenzminimums" anstellen (diesen Begriff finde ich an dieser Stelle nach wie vor obszön):
1.) Wer heutzutage als Redakteur anfängt, wird nie auf ein 12. Berufsjahr kommen. Laut aktuellem Tarifvertrag und für Tageszeitungsredakteure wie mich ist ab dem 10. Berufsjahr Ende Gelände und keine weitere Steigerung in Sicht. Es sei denn, man wird Chefredakteur, Ressortleiter o.ä.. An diesem Punkt stimmt ihre Rechnung nicht.
2.) Erzählen Sie mir nichts a la "Finanzbuchhaltung für Anfänger". Dieser überhebliche Tonfall geht mir ganz gewaltig auf den Senkel. Wie ich nun schon einige Male oben schrieb: Ich war auch jahrelang freier Redakteur. Auch ich hatte studiert und ein abgeschlossenes Volontariat. Ich weiß also durchaus, wovon ich hier rede bzw. schreibe. Aber schön, dass Sie Andersdenkende einfach mal schnell als Troll abkanzeln.
3.) Sie rechnen hier mit 20 Arbeitstagen pro Monat. Ganz ehrlich: So wenig Arbeitstage hatte ich als Freier nie. In der Regel hatte ich 25-30 Arbeitstage, weil ich diesen Beruf geliebt habe und mit Aufträgen immer gut ausgelastet war. In der Regel musste ich, gerade an den Wochenenden, sogar jeden zweiten Auftrag ablehnen. Wer zwingt Sie denn, als Selbstständige "nur" 20 Arbeitstage zu schaffen? Ja, ich weiß, das ist alles ungerecht im Vergleich zu den Festangestellten. Aber glauben Sie mir, die haben dafür anderweitige Sorgen: Druck vom Chef, tägliche Präsenzpflicht, viel Bürokratie, nerviges Layouten/Gegenlesen, endlose Konferenzen etc.
Wenn ein Freier mit diesen 20 Monats-Arbeitstagen argumentiert, dann ist mir das suspekt. Niemand hat Sie/uns doch dazu gezwungen, diesen Beruf zu wählen, oder? Ich hätte als Pressesprecher bei irgendeiner Bank oder Behörde sicher besser verdienen können und hab mich trotzdem für den Journalismus entschieden. Also muss ich mit den Konsequenzen (niedrigerer Verdienst, geringere Lebenserwartung oder was auch immer) leben.
4.) Nochmal: Ich konnte als Freier (das war von 2002 bis 2006) von einem Verdienst von 3000 bis 3500 Euro pro Monat leben. Nicht überragend gut, aber es ging. Ihr Argument "Aber die anderen kriegen mehr, also will ich das auch" erinnert mich an einen Sandkasten à la: "Die hat ein rosa Schäufelchen. Will auch haben."
Natürlich wäre es schön, wenn wir alle gut und gerecht bezahlt würden. Aber so ist der Arbeitsmarkt zurzeit leider nicht. Also müssen Sie, liebe Margot, eben ganz persönlich etwas dagegen tun. Und wenn Sie auf ihre festangestellten Kollegen wirklich so neidisch sind, dann bewerben Sie sich doch um eine Festanstellung. Wenn Sie die trotz Ihrer offenbar super Qualifikation nicht bekommen, sollten Sie da mal drüber nachdenken.
5.) Es gibt Akademiker, die nur verschwurbelten Stuss schreiben, und Nicht-Akademiker, die brillante Texte abliefern. Ihr super Studium wäre für mich als Auftraggeber kein Argument, Ihnen ein höheres Honorar zu zahlen. Wenn Sie 300 oder 400 Euro Tagespauschale wert sind: gerne. Aber darüber entscheidet das Ergebnis ihrer Arbeit und nicht ihre akademische Ausbildung. Die hat mit dem Alltag eines Journalisten nur wenig zu tun. (Ich für meinen Teil habe VWL studiert und habe all das schöne Wissen in meinem Alltag als Redakteur praktisch nie mehr gebraucht.)
So, und jetzt nochmal - auch wenn das wahrscheinlich sinnlos ist - zurück zu meiner ursprünglichen Argumentation. Ich hatte angemerkt, dass ich bei einer großen Zahl der Freien, die ich kenne (Achtung: dies ist kein pauschales Urteil), einige Defizite festgestellt habe:
a) unprofessionelles Auftreten
b) PR-lastigkeit
c) fehlende Distanz / Objektivität
d) mangelnde Flexibilität (zeitlich, örtlich UND sprachlich)
d) Verkriechen in der Opferrolle bzw. Aufbauen eines völlig nutzlosen Feindbildes, des Festangestellten
e) Selbstüberschätzung
f) kaum Interesse, Ratschläge anzunehmen oder Texte gemeinsam mit Kollegen zu verbessern ---> sprich: keinerlei Selbstreflexion
Auf keinen einzigen dieser Punkte wurde hier wirklich eingegangen. Stattdessen haben Sie und andere wie Herr Michal Nebelkerzen geworfen. Indem Sie meinen oder des Wissenschaftsjournalisten Namen wissen wollten. Indem Sie mir pauschale Urteile vorwarfen (die es nie gab). Indem Sie die Honorar-Debatte einwarfen. Es wurden Nebenkriegsschauplätze eröffnet, aber in der Sache wurde leider kaum argumentiert.
Sollten in diesem Stil auch Ihre journalistischen Texte aufgebaut sein, wären sie für mich ein Paradebeispiel dafür, wie Journalismus nicht sein sollte: voreingenommen, rechthaberisch, polemisch, unreflektiert. Tut mir leid, das an dieser Stelle sagen zu müssen.
@ Thomas aus der Lokalredaktion
Auf ihre Vorwürfe a) bis f) kann ich leider auch nichts anderes sagen, als das, was Wolfgang Michal schon gesagt hat: Eine Lokalredaktion zahlt nicht genug Geld für professionellen freien Journalismus, deshalb bekommt Sie keinen. Und deshalb habe ich mit der Honorardebatte nicht von diesen Problemen ablenken wollen, sondern habe Ihnen die Ursache beschrieben, warum Sie diese Probleme haben.
Guter Journalismus kostet gutes Geld, genau so wie gute Autos, gute Musik, gutes Fernsehen.
@wissenschaftsjournalist: Es sind Troll-Vorwürfe laut geworden. Um diese zu entkräften, könnten Sie ja vielleicht doch das Magazin nennen, für das Sie arbeiten. Auch, um Spekulationen vorzubeugen, die derzeit in unserem internen Forum angestellt werden.
Beste Grüße!
Lieber Thomas,
nun gut, dann gehe ich einmal auf Ihre einzelnen Punkte ein:
a) "unprofessionelles Auftreten" - Wenn Sie meinen, dass ein freier Journalist stets eine Krawatte tragen sollte, okay, darüber kann man streiten. Ich glaube, weiter oben haben Sie geschrieben, dass Freie gerne über ihre lokalen Tageszeitungen lästern. Ja, das ist sicher unprofessionell. Aber die Vorlagen, die einem ebendiese Zeitungen geben, sind ja nun auch offensichtlich: schlechte Artikel, viele Fehler, kein Hintergrund und das ganze Jahr über Karnevals- und Karnickelthemen. Tja, und dann sollen sie die womöglich noch sittenwidrige Bezahlung dankend entgegennehmen.
b) "PR-lastigkeit" - Ich kenne keinen freien Kollegen, der PR und Journalismus vermischt. Ich selbst hätte, würde ich PR machen, größte Angst davor, in den Ruch zu kommen, meinen Auftraggebern Schleichwerbung unterzumogeln. Meines Erachtens nach sind Gefälligkeitsartikel ohnehin eher ein Problem von Provinzblättern - für die hier bei Freischreiber, glaube ich, eher wenige Kollegen arbeiten.
c) "fehlende Distanz" - Natürlich, wenn Sie dem Sohn des Bürgermeisters einen Auftrag geben, über den Papa zu berichten, klar, dann ist das fehlende Distanz. Aber Sie kennen doch wohl hoffentlich Ihre Freien gut genug, um zu wissen, was Sie denen zutrauen können - und was besser nicht. Oder kennen Sie ihre Freien nicht?
d) "mangelnde Flexibilität" - Keine Ahnung, an wen Sie da denken. Ich kenne keinen Freien, der sich scheuen würde große (auch finanzielle) Mühen auf sich zu nehmen, um einen interessanten Auftrag zu erledigen. Und gerade Anfänger können sich kaum erlauben, Aufträge abzulehnen. Die sind dann nämlich weg vom Fenster.
e) "Opferrolle und Feindbild" - Ja, auch ich habe mich schon massiv über die Redaktion einer kleinen Berliner Wochenzeitung geärgert, weil die Texte bestellt haben und dann monatelang nicht von sich haben hören lassen - geschweige denn das (ohnehin minimale) Honorar gezahlt haben. Darf man da nicht ein bisschen jammern?
e) "Selbstüberschätzung" - Kann lebensrettend sein - und empfielt sich auch für Festangestellte! Aber denen muss man das oft nicht mehr beibringen.
f) "kein Interesse Vorschläge anzunehmen" - Das ist nun wirklich der größte Unfug, den Sie uns da unterstellen. Schon klar: Sie glauben, dass ein freier Journalist letztlich ein gescheiterter Redakteur ist. Aber: Weshalb glauben Sie besuchen soviele Freie etwa die Seminare des Reporter-Forums? Aus Langeweile? Oder weil sie Applaus erhalten wollen, wenn sie ihren Text vor einem Spiegelredakteur vorlesen dürfen?
So, das wars. Ich bin mir sicher, Sie stimmen mir in allen Punkten restlos zu.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr freier Kollege
Ach ja, es ist ja ganz schön, dass ihr zwei "Kritiker" es ablehnt, dass das Gehalt eines Freien mit dem eines Festangestellten verglichen wird. Aber mit wem soll man es sonst vergleichen?
@john:
"Als Selbstständiger hat man eben keinen Beamtenjob, und das ist auch gut so."
=> Vollste Zustimmung!
"Dass die Bezahlung oftmals unter der eines Taxifahrers liegt, der ja auch rund um die Uhr fahren kann, finde ich katastrophal."
=> Jeder kann höchstselbst was dran ändern, und wenn z.B. Margot nicht für unter 300 Eu/Tag arbeitet - ihre Sache. Vielleicht ist sie schon reich mit dieser Einstellung, vielleicht kriegt sie aber auch zuwenig Aufträge dadurch - will's gar nicht wissen. Mir ist eine Tätigkeit, die Spaß macht, wichtiger als viel Kohle (zumindest, wenn ich davon leben und eine Familie ernähren kann, und das kann ich sehr wohl).
"[...] kleines, kritisches und sehr unkonventionelles Fachblatt [...] - Wenn es so unkoneventionell ist, frage ich mich, warum nur promovierte Naturwissenschaftler in Frage kommen."
=> Wie ich viel weiter oben bereits geschrieben habe (nachfolgend meine Worte):
Bei uns arbeiten ausschließlich Leute mit Fachstudium, teils promoviert, teils nicht. Sowas setzen wir zwar nicht voraus (von mir aus kann auch gerne ein kritisch-kompetenter 19-jähriger Bäcker oder 89-jähriger Banker für uns schreiben, wenn er es draufhat) - aber die Erfahrung lehrt: Wer nie an der Uni das studiert und vor allem daran geforscht und das gelebt hat, worüber wir schreiben, kann eben leider auch nicht darüber schreiben (zumindest nicht so, wie wir uns das vorstellen).
=> Die Erfahrung lehrt eben, dass andere es nicht können. Bisher war das so. Wenn mich morgen ein Klempner anruft und sagt, er kann das, und mir dieser Klempner übermorgen einen klasse Text liefert, dann ist dieser Klempner ab überübermorgen unser neuer Mitarbeiter (wenn er das sein mag). Und wie schon weiter oben gesagt: Ein guter Klempner ist mindestens so wertvoll wie ein guter Journalist.
"Ich weiß, die Problematik wurde schon dargelegt, aber: Ich kann mir aber wirklich nicht vorstellen, dass es da draußen niemanden geben soll, der nicht adäquat über solche Themen, auch im Hinblick neuester Forschungsentwicklungen, schreiben kann."
=> Hm, ich bin etwas anderer Ansicht. Ich traue mir zu, zu all meinen bisherigen Hobbies (z.B. Ausdauersportarten, die ich jahrelang als Hochleistungssportler betrieben habe) und eben zu meiner Berufsausbildung (Dipl.-Biologe) was zu schreiben, auch für anspruchsvolle Medien. Hab ich ja auch schon gemacht, auch für sogenannte "renommierte" Blätter. Wissenschaft jedoch ist heikel. Ich würde mir niemals anmaßen, für ein Physik- oder Geologie-Fachmagazin Texte zu verfassen - zumindest nicht, wenn's richtig zur Sache geht. Dafür ist mein Background (Physik-LK & Biostudium) zu gering.
Wohlgemerkt: Ich spreche hier nicht davon, mal schnell ne Rezension des neuen "Hawking"-Büchleins zu verfassen, oder ein Portrait über Einstein. Das traue ich mir zu. Ich spreche davon, mit einer universitären Forschergruppe auf gleicher Augenhöhe über Quantenmechanik zu plaudern - und anschließend einen Artikel zu verfassen, der andere Quantenmechaniker nicht langweilt. Das ist mir definitiv zu hoch (und wohl auch dem einen oder anderen Klempner) - aber das ist es halt, was unsere Leute (auch und gerade die Freien) können müssen - nicht in Physik, aber in Biologie, Biochemie und Medizin.
Best
W.
Lieber Wissenschaftsjournalist,
mir ist auch eine Tätigkeit, die Spaß macht, wichtiger, als der große Reibach. Sonst wäre ich besser zu einer Bank gegangen. Die Provisionen dort sollen ja immer noch ganz gut sein. Aber darum geht es nicht: Es geht um adäquate Honorare - gemessen am Zeit, Recherche und Können. Auf diese Honorare - bzw. die Forderung danach - wollen wir nicht verzichten. Alles andere wäre schlicht unprofessionell und schadet unserem Berufsstand.
Gruß DL
@Margot:
"Lieber festangestellter "Wissenschaftsjournalist" (Sie sind doch fest angestellt - oder hab ich da was missverstanden?),"
=> Wie ich mindestens einmal unmissverständlich geschrieben habe: Nein. Ich bin nicht festangestellt. Das war ich zuletzt an der Uni, und das sind gefühlte 100 Jahre her.
"endlich kommt hier ein bisschen Leben in die tote freischeiber-Bude! Danke dafür!"
=> Humor ist schon mal gut. Vielleicht die wichtigste Eigenschaft überhaupt. Verlängert auch das Leben (die Studienlage dazu ist allerdings unübersichtlich...)
"Leider bin ich von Ihrem Gegenargument ("Ist mir wurscht!") total enttäuscht. Und dass das gleich zweimal kommt, ist irgendwie auch nur mittelsuper. Könnten Sie mir wohl noch auf der inhaltlich-faktenbezogenen Ebene antworten? Das fände ich nämlich wirklich mal spannend!"
=> Meine Antwort ist schlicht: ICH bin jahrelang mit < 3000 Euro gut ausgekommen, und komme derzeit mit << 7000 Euro ebenfalls sehr gut aus, und: 300 Euro/Tag wären ein Traum für mich.
Kommentare meinerseits zu "Umsatz/Einkommen", "brutto/netto", "Altersanlage/Versicherungen", "bereinigtes Einkommen" etc etc. erübrigen sich, da ich als Freier (Freier!) in der gleichen Lage bin wie Sie. Für Sie sind derlei Dinge eben wichtiger als für mich (übrigens: ich bleche auch für KV und RV, zahle Verbandsbeiträge und beknackten Soli und sonstige Steuern, mache mal Urlaub mitsamt Familie und bin mal chronisch ineffektiv (und muß das dann in nervigen Nachtschichten nacharbeiten).
Who cares?
@Thomas:
"Es gibt Akademiker, die nur verschwurbelten Stuss schreiben, und Nicht-Akademiker, die brillante Texte abliefern. Ihr super Studium wäre für mich als Auftraggeber kein Argument, Ihnen ein höheres Honorar zu zahlen. Wenn Sie 300 oder 400 Euro Tagespauschale wert sind: gerne. Aber darüber entscheidet das Ergebnis ihrer Arbeit und nicht ihre akademische Ausbildung."
=> Dem kann ich mich nur anschließen. Die freie Mitarbeiterin, die mir derzeit die mit Abstand besten Texte liefert (und dazu echt witzige Ideen hat), ist eine Studentin(!!) im 3. (5.?) Semester. Die kann ich aus den genannten Gründen natürlich nicht mit allem beauftragen (eine Hardcore-Geschichte über Epigenetikforschung oder Start-Up-Finanzierung wäre ihr wohl - noch? - zu hoch), aber davon abgesehen ist die Frau bereits gut und wird schleichend immer besser (was man von den meisten Mitarbeitern, die ich kenne, leider nicht sagen kann).
Gegenbeispiel: Sechs (7!) meist in NatWiss studierte & promovierte "Wissenschaftsjournalisten" (ja, so nannten die sich auf ihrer Website), die mir 2009 Texte geliefert haben. Katastrophal!!!!! Teils musste ich die so krass umschreiben (fachliche Fehler bis hin zu falschen/fehlenden Vornamen, Hausnummern und Institutsnamen) , dass im Endeffekt vielleicht 20 oder 30 Prozent des ursprünglichen Inhalts abgedruckt wurden, und kein einziger Satz nicht x-fach verändert werden musste.
Letzteres ist die Realität, die Legende von den vielen guten Profiwissenschaftsjournalisten eben nur eine, nun ja, Legende.
Hope sincerely that 2010 will change my mind.
W.
@Thilo:
"Es sind Troll-Vorwürfe laut geworden."
=> Ach, kommen Sie! Es geht hier doch um die Sache, oder? Selbst wenn ich in Wahrheit Mathias Döpfner, ein Klempner oder vier Vierlinge wäre (sowie gleichzeitig auch noch "Thomas"), entkräftet das doch nicht den Inhalt des von mir Geschriebenen.
Zum Thema "PR-lastigkeit":
(Dirk) " Ich kenne keinen freien Kollegen, der PR und Journalismus vermischt. Ich selbst hätte, würde ich PR machen, größte Angst davor, in den Ruch zu kommen, meinen Auftraggebern Schleichwerbung unterzumogeln."
=> Darum geht's nicht (mag sein dass es im Lokalen eher ein Problem ist; da kenn ich mich nicht aus). Ich habe vielmehr ein Riesenproblem damit, dass permanent Aussagen ungeprüft in den Text übernommen werden.
Beispiel: Ich schicke jemanden zu einer Firma zwecks Interview/Portrait/sonstwas. Anschließend finde ich in jedem zweiten Satz Inhalte oder nicht als solche gekennzeichnete Zitate, die 1:1 vom dortigen Vorstand oder dessen PR-Tante übernommen wurden. Ich frage dann regelmäßig den Freien Mitarbeiter:
"Stammt diese/jene Aussage von DORT oder von DIR oder von Wikipedia?"
Freier: "Naja, das hat der Herr X so gesagt."
"Hm, ja aber STIMMT das auch???"
Freier (verwundert ob meiner Skepsis): "Ja, doch, das hat der doch gesagt."
"Und das glaubst Du???? Wieso?? Ich hab da aber was anderes gehört/gelesen/gelernt/..."
Freier: "... (keine Antwort)"
"Warum schreibst Du denn nicht z.B. "Laut X" oder "... behauptet X" - oder gar: "X behauptet zwar, dass es so sei, aber WIR wissen, dass es NICHT so ist"?"
Freier: "..." (keine Antwort)
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Das ist ein Dialog, den ich 2009 dutzendfach geführt habe - und nicht mit Amateuren, sondern angeblichen Profis.
Sowas wie "kritisch sein" oder "mehrmals nachfragen" oder "mal das eigene Allgemeinwissen abrufen" ist im deutschen Journalismus kaum mehr existent (These meinerseits, durch langjährige empirische Erfahrungen allerdings stark gestützt).
Lieber Wissenschaftsjournalist,
Sie suchen sehr spezielle Freie, für sehr spezielle Themen, für eine sehr spezielle Leserschaft. Kein Wunder, dass das nicht leicht ist. Aber: Ihre Probleme sind eben auch sehr spezielle - und die sollten Sie lieber nicht allzusehr verallgemeinern. Sonst treffen Sie bei Kollegen, die für Publikumszeitschriften arbeiten auf taube Ohren und Unverständnis. Ihr Magazin mag ein Wissensblatt sein, aber es ist eben vor allem ein Fachblatt. Da gelten andere Regeln.
Dirk
Korrektur/Ergänzung:
Gegenbeispiel: Sechs (7!) meist in NatWiss studierte & promovierte "Wissenschaftsjournalisten" ...
soll heißen:
"Sieben (7!) meist in NatWiss studierte & promovierte "Wissenschaftsjournalisten" (ja, so nannten die sich auf ihrer Website oder in ihrer Initiativ-Bewerbung), die mir erstmals 2009 Texte geliefert haben, werden nie mehr was für uns schreiben, schlicht weil's die blanke Katastrophe war. Teils musste ich die Texte so krass umschreiben (fachliche Fehler bis hin zu falschen/fehlenden Vornamen, Hausnummern und Institutsnamen - und so was wie ein roter Faden oder ne Animation zum Weiterlesen fehlte ohnehin chronisch) , dass im Endeffekt vielleicht 20 oder 30 Prozent des ursprünglichen Inhalts abgedruckt wurden (der Rest von uns redaktionsintern ergänzt), und kein einziger der verbliebenen Sätze nicht x-fach verändert werden musste."
(2009 waren es sechs. Inzwischen (Febr. 2010) sind's bereits sieben (6+1)). Macht echt keinen Spaß, und ich sage Leute ungern ab, aber in diesen Fällen musste es einfach sein.
Um die Statistik nicht zu verfälschen:
Es gab 2009 auch ein paar (ca. drei) neue, die 's besser konnten und (halt leider nur selten) Texte lieferten, die verbesserungsfähig waren.
ABER: Richtig gute Leute? Die regelmäßig schreiben? Die Ideen haben oder zumindest unsere Ideen vernünftig umsetzen? Die suche ich noch immer.
Schluss jetzt, s'is Samstag und ich geh jetzt in'n Keller, was Handwerkliches arbeiten...
(aus dem Keller)
"Sie suchen sehr spezielle Freie, für sehr spezielle Themen, für eine sehr spezielle Leserschaft. Kein Wunder, dass das nicht leicht ist. Aber: Ihre Probleme sind eben auch sehr spezielle - und die sollten Sie lieber nicht allzusehr verallgemeinern. Sonst treffen Sie bei Kollegen, die für Publikumszeitschriften arbeiten auf taube Ohren und Unverständnis. Ihr Magazin mag ein Wissensblatt sein, aber es ist eben vor allem ein Fachblatt. Da gelten andere Regeln."
=> Oje, bitte sagen Sie doch sowas nicht! Sonst geb ich die Hoffnung auf, noch jemals jemand G'scheiden verpflichten zu können!
Klar, Wissenschaftsjournalist, was Handwerkliches machen. Im Keller, so, so.
@Kellerkind: Was Handwerkliches ARBEITEN. Hab ich geschrieben. Oje, Wolf Schneider würde weinen.
Und jetzt endlich zurück zum Topic: zu den PREISEN. Ok? Fleißig abstimmen darüber, ob Freie benachteiligt werden oder nicht. Ich denke schon, und sie sollten froh darüber sein. Ja: FROH! Establishment preist sich selbst. Wollt Ihr da wirklich dazugehören? Stolz sein darauf, dass ihr mit viel Vit.B oder als Mittel zum Zweck einen Preis geschenkt bekommt? Euch zum Teil einer Selbstvermarktungsstrategie machen?
Mir kommt's fast vor, als wäre die Antwort hier im Forum ein brüllendes, eindeutiges "JA!!!"...
Wo Du Recht hast, hast Du Recht.
Ich meinte mit den Ausführungen vor dem letzten Satz. Also von mir käme kein "brüllendes Ja", weil mir klar ist, wie Preisträger gemacht werden.
Nicht im Journalismus, aber in der Literatur sieht man das jetzt im Fall "Hegemann" allzu deutlich. Deshalb scheint mir das Ergebnis der freischreiber-Umfrage auch ein wenig neben der Sache zu liegen.
@Ulrike Langer @all: Ich habe im vergangenen Jahr 2 Journalistenpreise gewonnen, insgesamt etwa eine niedrige fünfstellige Summe, mit der wir wunderbar zwei Urlaube bezahlen konnten. Als Freier arbeite ich in Berlin, bediene vier Redaktionen fest und regelmäßig, andere ab und zu. Leider habe ich weder eine Sekretärin noch einen Kollegen, mit dem ich mich in meinem Haus-Büro austauschen kann. Was ich aber intensiv nutze, ist die Seite journalistenpreise.de. Am besten gefällt mir der Teil "Journalistenpreise, die bald ablaufen" und der Newsletter. Soll niemand sagen, dass es nichts gibt, wo wir Journalisten uns informieren können!
Kai-Hinrich Renner schreibt heute im Hamburger Abendblatt:
"Der Henri-Nannen-Preis ist die wohl angesehenste Auszeichnung für deutschsprachige Printjournalisten. Dennoch sollte sein Reglement noch einmal überarbeitet werden. Denn derzeit können Juroren die Preisvergabe im Sinne ihrer jeweiligen Blätter beeinflussen - was mitunter auch versucht wird. So wurde die Liste der von der Vorjury in diesem Jahr in der Sparte "Investigation" ausgewählten Stücke von zwei Hauptjuroren um drei Geschichten ergänzt. "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo fügte ihr, wie er einräumt, eine in seinem Blatt erschienene Reportage hinzu. Zudem soll, wie es in Jury-Kreisen heißt, "Spiegel"-Chefredakteur Georg Mascolo sie um zwei weitere Arbeiten seines Nachrichtenmagazins bereichert haben. Das "Spiegel"-Stück "Die Middelhoff-Oppenheim-Esch-Connection" hatten bereits die Vorjuroren nominiert. Mascolo mag das nicht kommentieren. Nach Angaben einer Sprecherin des Zeitschriftenhauses Gruner + Jahr, das den Preis auslobt, dürfen die Hauptjuroren auch in der Endausscheidung für Stücke eigener Blätter votieren. Bei anderen Preisen wäre das unvorstellbar."
Also lieber Herr Wissenschaftsjournalist,
zunächst fand ich Ihre scheinbare Abgeklärtheit freijournalistischer Deprofessionalisierung ja noch ganz witzig.
Aber inzwischen gehen Ihre pauschalen Verurteilungen und das Hinterfragen von Freien doch ziemlich auf den Geist, weil Sie sich da ganz schön was anmaßen, von dem Sie offenkundig wenig Ahnung haben. So hinterfragen Sie in Ihrer Gegenrechnung an Margot deren Anspruch, 300 Euro Tagessatz zu benötigen - ausgerechnet mit dem Hinweis, Sie bekämen nicht so viel.
Es ist genau diese dumme arrogante Haltung seitens offenbar nicht weniger Verlagsfestangestellter, die mit zu dem erbärmlichen Abschluss geführt zu haben scheint. Mal dreieinhalb dumme Fragen zu Ihrer eloquenten Rechnung: Wer heizt Ihnen eigentlich die Bude, damit Sie beim Arbeiten nicht frieren müssen? Und wenn Sie doch mal gefroren, sich dabei erkältet haben und nun nicht arbeiten können - fallen Ihnen in dieser Zeit Ihre Einkünfte aus? Und wenn Sie stattdessen in Urlaub sind? Wer zahlt eigentlich Ihren Rechner und den Schreibtisch, auf dem der steht, den zugehörigen Internetanschluss, den Netzwerkadmin, wenn die Kiste mal zickt und Ihre Telefonrechnung - kurzum, Ihre ganze Arbeitsinfrastruktur? Soll ich Ihnen mal was ganz und gar nicht wissenschaftlich, aber betriebswirtschaftlich Fundiertes sagen? Da hat die liebe Margot noch eher ziemlich sparsam gerechnet! Setzen Sie mal Ihr Gehalt plus Lohnnebenkostenanteil des Arbeitgebers plus sonstige Aufwendungen (Anschaffung und Unterhaltung räumlicher und technischer Arbeitsinfrastruktur, ggf. zusätzliche Sozialleistungen, Redaktions- oder Poolfahrzeug etc. pp.) in die Rechnung, dann wird Ihnen das ersichtlich werden.
Allein diese Fragen zeigen doch deutlich, wie fehl Ihr Vergleich ist und welche Milchmädchenrechnung sie da aufmachen. Aber so ist das eben mit den unterschiedlichen Maßstäben. Selbst als Wissenschaftsjournalist die Fahne besonderer Fähigkeiten hochhalten, die man anderen allzu gern abspricht - aber selber differenzierter als der Rest? Wenn ich nur an Ihre Belehrungen denke hinsichtlich der Äußerung 'Die meisten Freien arbeiten sehr professionell', finde ich, dass Sie sich Ihrerseits mit augenscheinlich so undifferenziert aufgestellten Thesen und Rechnungen hübsch zurückhalten sollte, um nicht unglaubwürdig zu werden.
Bilde sich jeder sein eigenes Urteil über Ihre Argumentationen hier - zu allen von Ihnen besprochenen Punkten!
Lieber Frank,
offenkundig haben Sie nichts von der obigen Diskussion verstanden.
Einen Tagessatz von 300,- Euro als "eher sparsam gerechnet" zu bezeichnen, können Sie nicht wirklich ernst meinen, oder? Ich war mehrere Jahre selbst Freier und habe oft von Tagespauschalen zwischen 125,- und 150,- Euro leben müssen. Nicht umwerfend gut, aber es ging. Wer 300,- Euro als Minimum betrachtet, über den kann der Großteil der Freien doch nun wirklich bloß den Kopf schütteln. Vielleicht sollte man dann erstmal lernen, mit seinem Einkommen anders zu haushalten.
Das, und nichts anderes, haben Wissenschaftsjournalist und meine Wenigkeit hier versucht zu erklären. Wir betrachten diesen unseren Beruf in erster Linie als Berufung. Klar könnte ich anderswo als Pressesprecher oder PR-Fuzzi mehr verdienen - trotzdem bin ich Journalist geworden und geblieben. Wer dermaßen die Honorierung und seine akademische Ausbildung in den Fokus rückt, hat in meinen Augen ein ziemlich trauriges Selbstverständnis von seinem Beruf.
Ich zahle gerne jedem Freien 300,- Euro Tagespauschale, wenn er diese wert ist. Aber - und das ist meine ganz persönliche Erkenntnis aus zehn Jahren Journalismus - die allermeisten sind diese 300,- Euro leider nicht wert. Weil sie eben die vielen handwerklichen Fehler machen, die ich oben schon mehrfach erwähnt habe.
(Im Übrigen, lieber Frank, ist Ihr aggressiver Tonfall ziemlich deplatziert.)
Also lieber Herr "Frank",
"Ihre scheinbare Abgeklärtheit freijournalistischer Deprofessionalisierung"
=> was meinen Sie damit?
"Aber inzwischen gehen Ihre pauschalen Verurteilungen"
=> nicht pauschal, sondern sehr konkret und immer aus aktueller Erfahrung zehrend.
"deren Anspruch, 300 Euro Tagessatz zu benötigen - ausgerechnet mit dem Hinweis, Sie bekämen nicht so viel."
=> genauso ist es. Nicht annähernd.
"Es ist genau diese dumme arrogante Haltung seitens offenbar nicht weniger Verlagsfestangestellter"
=> Bitte erst mal gscheid recherchieren, ok? Ich habe mindestens einmal klipp und klar geschrieben, dass ich ebenfalls Freier bin (mitsamt KSK, eigener Steuererklärung und dem ganzen restlichen Krempel). Und Ihre abqualifizierenden Hiebe unter der Gürtellinie kommen auch nicht so gut.
"Wer heizt Ihnen eigentlich die Bude, damit Sie beim Arbeiten nicht frieren müssen?"
=> Ich mir selbst, finanziert von meinem Honorar. Da ich ca. 50% der Gesamtzeit vom Homeoffice aus arbeite, kann das schlecht "mein" Verlag machen (und zahlen tut er's auch nicht, was auch vollkommen ok ist). Und selbst wenn ich 100% im Homeoffice arbeiten würde: die Wohnung muß doch eh geheizt werden. Meine Familie jedenfalls hockt nicht so arg gerne im Eiskalten.
"Und wenn Sie doch mal gefroren, sich dabei erkältet haben und nun nicht arbeiten können - fallen Ihnen in dieser Zeit Ihre Einkünfte aus?"
=> Na klar. Für so was hat man ne Berufsunfähigkeitsversicherung bzw. Krankenhausgeld (ab dem 40. Tag) bzw. ne liebe Frau, die dann eben leider stärker ran muß, ehe ich wieder voll arbeitsfähig bin. Und einen verständnisvollen (Klein)verlag, dessen Eigner sich wirklich 5 Beine ausreissen würde, ehe sie mich fallen ließen bzw. durch jemand anderen ersetzen würden.
Und falls ich langfristig ausfalle: Blöd gelaufen. Klar, dann haben ich und meine Familie ein Problem.
Aber dafür macht mir mein Job als Journalist Spaß und ich muß keine PR-Texte dichten... man kann nicht alles haben: Super Job und super Sicherheit.
"Und wenn Sie stattdessen in Urlaub sind?"
=> Urlaub? Mache ich genauso wie Festangestellte - in der Zeit eben, in der es verlagstechnisch möglich ist & in Absprache mit den festangestllten Kollegen. Was soll die Frage?
"Wer zahlt eigentlich Ihren Rechner und den Schreibtisch, auf dem der steht, den zugehörigen Internetanschluss, den Netzwerkadmin, wenn die Kiste mal zickt und Ihre Telefonrechnung - kurzum, Ihre ganze Arbeitsinfrastruktur?"
=> Na ich selbst natürlich. Seltsame Frage. Rechner 350 Euro (hält 3-5 Jahre); edle geölte & dicke Buchen-Schreibtischplatte (aus Restpostenverkauf) plus stabile Eigenunterbaukonstruktion 50 +35 Euro (hält ewig); Internet + Telefon ca. 35-45 Euro/Monat; Admin 0 Euro, da nicht benötigt.
Der einzige Posten, der von den von Ihnen genannten bei "total echten Freien" (also Leuten komplett ohne Redaktionsanschluss) wesentlich höher sein kann, ist die Telefonrechnung (und selbst die erstattet unsere Redaktion auftragsspezifisch als Sonderspesen).
Ach ja: Reisespesen. Siehe oben.
"Soll ich Ihnen mal was ganz und gar nicht wissenschaftlich, aber betriebswirtschaftlich Fundiertes sagen? Da hat die liebe Margot noch eher ziemlich sparsam gerechnet!"
=> Dann sollte Sie beide vielleicht erst mal herausfinden, was das Wort "Sparen" überhaupt bedeutet. Für mich bedeutet es: Weglassen überflüssigen Zivilisationsballasts - das einzige, was zählt, ist erfüllte Arbeitszeit sowie Freizeit mit der Familie & Freunden. Für eine Million Euro würde ich mir Zeit kaufen, aber kein Auto.
"Setzen Sie mal Ihr Gehalt plus Lohnnebenkostenanteil des Arbeitgebers plus sonstige Aufwendungen (Anschaffung und Unterhaltung räumlicher und technischer Arbeitsinfrastruktur, ggf. zusätzliche Sozialleistungen, Redaktions- oder Poolfahrzeug etc. pp.) in die Rechnung, dann wird Ihnen das ersichtlich werden."
=> Blabla - brauche ich alles nicht. Selbst meine BC50 und die dauernden Reisen quer durch D zur Redaktion und zurück finanziere ich komplett selber.
"welche Milchmädchenrechnung sie da aufmachen"
=> Diese angebliche "Milchmädchenrechnung" funktioniert seit knapp 10 Jahren. Als Student musste ich jeden Pfennig umdrehen, besonders gegen Monatsende, heute zum Glück nicht mehr.
Abgesehen davon würde ich es für wesentlich angebrachter halten, sich mal am Riemen zu reissen, nicht immer zu jammern, und ganz konkret was für den Qualitätsjournalismus in D zu tun. Gute Texte zu verfassen, zum Beispiel.
Und noch was: Das aktuelle Posting ("Verhütungsregeln", 26.März) hier auf Freischreiber.de bzgl. "Frankenpost" und der rotzfreche Brief der dortigen Chefredakteure beispielsweise wäre doch DER Anlass, sich mal zu solidarisieren und die Frankenpost mit Mails, offenen Briefen, Klagen, Leserbriefen, Kommentaren etc etc zu überziehen. Ich hab's kopfschüttelnd gelesen und kann's gar nicht glauben, wie unverschämt manche Verlage agieren.
Ja, warum jetzt nicht mal so richtig was auf die Beine stellen? Warum nicht Boykott, Demo, Anrufe beim Herausgeber, öffentlicher Aufruhr, ...
Aber irgendwie werd ich das Gefühl nicht los, dass jeder nur leise den Kopf einzieht, höchstens anonym in irgendwelchen Foren schimpft und primär hofft, dass auch dieser Kelch nochmal an ihm vorbeigehen möge.
Ist schon klar, ich kann hier leicht reden, noch geht's mir vergleichsweise gut. Aber einerseits 300 Euro pro Tag als "zu wenig" beklagen und andererseits oftmals miese Arbeit abzuliefern passt halt irgendwie nicht zusammen.
Dass Sie, Frank, zu Letzteren gehören, behaupte ich nicht. Aber dass man mit weit weniger Aufwand und ein bisschen mehr klassischem Handwerk weder Administrator noch ein Redaktionsfahrzeug noch eine wahnsinnig aufwändige Infrastruktur braucht - das behaupte ich schon.
Schönen Tag noch.
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